Die Manipulation der Presse – Von Urteilen und Volkes Zorn

Als ich zum ersten Mal vom Missbrauch an Dylan Farrow hörte, war ich schlichtweg entsetzt. Mein Kämpferinnenherz erwachte und ich wollte Herrn Allen in den Hintern treten. Und wer mich kennt weiß, dass ich das kann. Nun ist Woody Allen sicher in den USA und ich werde kaum einen Mann wie ihn verprügeln. Was hätte ich davon? Aber symbolisch und mit Worten kann ich ihn attackieren.

Das aber habe ich bisher nicht im großen Stil getan. Im Gegenteil habe ich versucht mich zu informieren und wollte Hintergründe wissen. Denn schon einmal gab es Farrow gegen Allen, vor genau 21 Jahren. Damals die Trennung von Mia and Woody, mit anschließender Schlammschlacht. Absurd und widerlich. Ich war damals 9 Jahre alt und hatte andere Interessen. Aber wer sucht, der wird finden. Und das habe ich getan.

Meine LeserInnen wissen, dass ich keine Freundin des SPIEGEL bin und so meine Probleme mit deren Hetzkampagnen habe. Aber den Ausschlag dieses Artikels gab wieder ein Bericht im SPIEGEL, „Farrow vs. Allen: Schuld und Bühne“, von Frank Patalong. Den kenne ich schon eine Weile. Was er schreibt hat meist Hand und Fuß, selbst wenn auch er letztlich nur ein Sprachrohr des SPIEGEL ist.

Es geht mir bei diesem Artikel auch weniger um Woody Allen, sondern primär darum, wie manipulierbar wir doch alle sind. Emotionen sind von der Presse schnell geweckt. Jeder halbwegs gute Schreiber kann dies bei Lesern erreichen. Und wenn Emotionen regieren, dann handeln wir anders. Dann wird nicht nachgedacht, dann spricht „Volkes Zorn.“ Und der ist durchaus gefährlich.

Als Meisterin im Karate und Aikido weiß ich wovon ich spreche. Werde ich bei einem Gegner wütend verliere ich das Duell. Nur, wenn ich die Übersicht behalte kann ich siegen. Siegen kann bei Farrow gegen Allen keine Seite. Sowohl Mia, Dylan, wie auch Woody, haben längst verloren: die Unschuld eines reinen Herzens. Das nämlich ist besudelt mit dem Dreck, den sie gegenseitig aufeinander werfen.

Ich weiß nicht, ob es in dieser Sache einen Schuldigen gibt. Natürlich tendiere ich rein emotional zu Dylans Version, Fälle von Missbrauch sind mir bekannt. Und Gewalt gegen Frauen ist mir ein Gräuel! Da sehe ich Rot, aber gezielt! Blindwütig schlage ich niemals zu. Was gern vergessen wird bei solchen Diskussionen, dass auch Frauen Täterinnen sein können.

Aber schaut man sich die Kriminalstatistik des BKA an, so ist die recht aufschlussreich. Viele Frauen kommen da nicht vor. Wirklich nur, weil alle schweigen? Aber es gibt sie, diese Frauen, die Kinder missbrauchen, Pädophilie hat kein Geschlecht.

Ein gewisser Alexander Markus Homes hat darüber sogar ein Buch geschrieben. Dem geht es aber mehr darum, die spätere Täterrolle von Mann zu entschuldigen, der von der eigenen Mutter missbraucht worden ist. Logisch für Homes, dass Mann dann pädophil wird. Und wie kann Frau dann Mann noch verdammen, wenn “sie” es selbst tut?

Frank Patalong schreibt, dass wir zu Mitspielern einer medial vermittelten Manipulation werden. Und damit hat er natürlich Recht! Nur was macht er, was macht der SPIEGEL? Manipuliert letztlich nicht auch er? Ist es überhaupt möglich neutral zu bleiben, wenn es um Vergewaltigungen und Missbrauch bei Frauen und Kindern geht?

Ich war noch nicht geboren, als Marianne Bachmeier 1981 den Mörder ihrer Tochter erschossen hat. Als Teenager habe ich zum ersten Mal bewusst von dem Fall gehört. Ich war 13 Jahre alt und tief betroffen. War es das verletzte Herz einer Mutter, oder eiskalter Mord? Ich weiß es nicht.

Mia Farrow hat Woody Allen nicht erschossen. Und auch Dylan nicht. Aber alle Seiten sind bis an die Zähne mit Worten bewaffnet und wir als Zuschauer auf dem Schlachtfeld mit dabei. Männer, die Kinder missbrauchen, haben von mir keine Gnade zu erwarten. Sollten Yuki und ich jemals Kinder haben, werden wir sie auf diese Welt vorbereiten. Und auf die Lust von Mann. Aber auch, auf die Manipulation der Presse. Und darauf, die Dinge kritisch zu hinterfragen.

„Stellung zu beziehen, Meinungen zu bilden, Urteile zu fällen und Steine zu werfen, ist oft gerade dann die einfachere Option, wenn die Entscheidungsgrundlage fehlt“, schreibt Frank Patalong. Und da pflichte ich ihm bei. Wie er weiß ich nicht, wem man bei Farrow gegen Allen glauben kann. Daher fällt es mir schwer ein Urteil zu fällen. Das sollte wenn, die alte Dame Justitia machen. Aber die ist leider blind.