Warum Karate nicht bei Olympia ist

Seit einigen Jahren liegt mir ein Thema am Herz, das in der Sportwelt höchst umstritten ist. Karate soll olympischer Sport werden, das ist das erklärte Ziel. Und darüber streiten mein Vater und ich. Antonio Espinos, der Präsident des Weltverbandes kämpft seit Jahren für dieses Ziel. Leider auch gegen Traditionalisten, wie meinen Vater.

Nun haben mein Vater und ich nicht wirklich Streit, wir sind nur anderer Meinung. In der Öffentlichkeit wird kaum Notiz vom Bestreben der Karateka genommen, die sich selbst nicht einig sind. Und ich werde auch erklären warum.

Klassisches Karate ist kein Wettkampf Sport. Klassisches Karate ist Kunst, Philosophie und reine Selbstverteidigung. Ich behaupte an dieser Stelle, dass die wenigsten Menschen jemals echtes Karate gesehen haben. Bei der WM in Bremen gab es Sport-Karate zu sehen. So, wie es auch Sport-Judo gibt. Und Sport-Taekwon-Do. Mit der wahren Kunst hat das wenig zu tun.

Aber was genau ist echtes Karate, was macht die Unterschiede aus? Im Sport geht es um Punkte. Der Punktbeste gewinnt. Selbst im Vollkontakt-Karate oder MMA gibt es Regeln. Die gibt es im Karate nicht. Ein Schlag, ein Tritt, der Gegner liegt. Und richig geschlagen steht er niemals wieder auf.

Aber Karateka werden das nicht machen. Nur in allerhöchster Not. Karate ist ein Lebensstil, Karate ist pure Disziplin. Kämpfen lernen, um nicht kämpfen zu müssen. Aber jeder Mensch geht seinen eigenen Weg. Genau an dieser Stelle scheiden sich dann auch die Geister. Tradition steht gegen Fortschritt.

Ich kenne beide Seiten. Im Olymppischen Kommitee ist man seit Jahren zwigespalten. Sport-Karate wirkt oft wenig attraktiv. Das daraus abgeleitete Kickboxen ist moderner, aber alles andere als Kunst. Ein Dilemma, wie man schnell erkennt. Wer will schon prügelnde Kickboxer bei Olympia sehen.

Ich bin dafür Sport-Karate zu Olympia zu bringen. Dann aber mit anderen Regeln, als sie bisher üblich sind. Und genau davor hat man beim IOC auch Angst. Was die Welt oft vergisst, auch im Judo gibt es Tritte. Nur werden die im Wettkampf nie gezeigt. So gibt es auch im Karate Hebel und Würfe, die dem Judo und Jiu-Jitsu sehr ähnlich sind.

Karate könnte also Judo die Show stehlen. Und Sport-Taekwon-Do ist ohnehin ein schlechter Witz. Nur auf Kicks zu setzen kann niemals funktionieren. Aber den Menschen gefällt das, also bleibt man auch dabei. Die Karate-Stile sind anders. Und sie unterscheiden sich auch stark.

In Deutschland ist das Shotokan-Karate weit verbreitet, aber Goyu-Ryu holt stark auf. Shotokan setzt viel zu sehr auf Kraft und das ist niemals gut. Für Männer mag das funktionieren, aber Frauen haben deutlich weniger Körpergewicht. Goyu-Ryu ist hart und weich. Wir müssen keinen Kick zum Kopf zeigen, der Gegner fällt auch so.

Aus meinen Worten mögen aufmerksame LeserInnen erkennen, wo ein weiteres Problem beim Karate ist. Es gibt kein einheitliches Karate! Außerhalb von Prüfungen, ist mein Stil ein richtig bunter Mix. Munter vermische ich Tai Chi, Hung Gar, Wing Chun (chinesiche Stile), mit Krav Maga (Israel), Karate und Aikido. Aber alles instinktiv.

Dieser Mix zeigt meine Meinung zu olympischem Karate. Ich stehe für Fortschritt und wahre trotzdem die Tradition. Und damit das so bleibt muss ich nun zu meiner Elfe und sie traditionell bekochen. Oder sie mich. Das diskutieren wir ganz fortschrittlich aus.

Ein schwarzer Tag in meinem Leben

Mein Leben ist so bunt, wie der Regenbogen Farben hat. Selbst graue Tage gehen spurlos an mir vorbei. In meinem Herzen ist kein Platz für Trauer, oder winterliche Melancholie. Und doch ist am vergangenen Wochenende etwas geschehen, was die Farbe aus meinem Leben genommen hat. Mein Geist ist in die Dunkelheit geglitten. Der Tag war Rabenschwarz.

Es ist Samstag 6:30 Uhr, als der Wecker in meine Ohren summt. Sofort bin ich hellwach und ziehe Elfchen frech die Decke weg. „Biest!“,  ruft sie sofort, das Kopfkissen verfehlt mich um Zentimeter.
Lachend fliehe ich vor ihr und bin als Erste in der Küche.
„Beil dich Schlafmütze!“, rufe ich und beginne mit meinem Werk.
Aber Elfen brauchen immer 5 Minuten länger, als ihr menschliches Pendant.
Der Spaß endet schnell, dieser Tag wird noch ereignisreich.
Yuki ist aufgeregt und ich die Ruhe selbst. Was soll schon groß geschehen?

Es folgt Frühstück und Zähneputzen. Die (Un)Sitte das vor dem Frühstück zu machen werde ich nie verstehen. Gepackt haben wir schon am Abend und geduscht natürlich auch. Auf die Idee ungewaschen ins Bett zu gehen kämen JapanerInnen nie.
Der Audi Q3 hat ausgedient, der Nissan Qashqai ist unser neuer Wagen. Wolf hat ihn kurzerhand für die Firma gekauft, als neues „Biestmobil“, wie er ihn nennt.
Immerhin hat der Audi uns treu gedient und fast störungsfrei durch die Monate begleitet. Aber ein Motorschaden war das Aus. Der Test war trotzdem positiv, die Daten bleiben wichtig.
Aber wir bekommen bald einen neuen Dauertester. Nur was es ist, das will uns Wolf noch nicht verraten. Ich starte den kleinen Diesel, Düsseldorf wir kommen!

Deutlich langsamer als sonst, aber dafür entspannt erreichen wir gegen Mittag mein Elternhaus. Von dort geht die Reise schon bald weiter. Mit meinem Vater im Gepäck.
Wir reden wenig, seine Miene ist grau an diesem Tag. Vielleicht sind es auch nur die Schatten des Winters. Mein Vater ist kein negativer Mann.
Ein flaches Gebäude harrt unserer Ankunft schon. Mit flinken Schritten eilen wir zur Tür. Neonlicht ersetzt das öde Grau.
Unsere Wege trennen sich kurz, Yuki und ich müssen einen anderen Weg gehen. In der Umkleide ziehen wir uns um. Die Haare werden zum Pferdeschwanz gebändigt.
Schweigend gehen wir einen langen Gang entlang.´Es folgt ein schwarzer Tag in meinem Leben, den ich so schnell nicht vergessen kann.
Mein Vater wartet schon. Auch er im Karate-Gi. Was habt ihr denn nun gedacht?

Streng wirkende Männer und eine Frau mustern mich kritisch. Mehr als zehn Jahre ohne jede Praxis ist ihnen suspekt.
Nun mag eine Mayumi vieles sein, aber dumm mit Sicherheit nicht. Und im Karate-Verband bin ich immer Mitglied geblieben.
Trainiert habe ich bekanntlich immer. Auch, wenn mein Fokus auf anderen Dingen lag. Aber Karate bleibt immer ein wichtiger Teil in meinem Leben. Karate liegt mir im Blut.
Schon vor der Karate-WM in Bremen, habe ich intensiv für den 3. Dan geübt. Wobei es nur Wiederholungen waren. Das Programm kann ich im Schlaf.
(M)Ein weiterer Weg zur Meisterschaft, wie mein Vater gern erklärt.

Es ist lange her, dass ich im Karate eine Prüfung machte. Entsprechend hoch ist die Skepsis der Trainer. Aber mein Vater ist auch dabei. Meister unter sich.
Nach dem 2. Dan bin ich eigene Wege gegangen und habe mich umorientiert. Gürtel waren mir plötzlich weniger wichtig. Und ganz ehrlich, im Kumite schlage ich auch einen höheren Dan. Ich habe Yuki auch Karate beigebracht. Sie kann das richtig gut. Ihr Rang ist viele Stufen unter Schwarz. Aber wer will meine Elfe schlagen? In der Liebe zu mir ist sie ohnehin unerreicht, da hält sie alle Gürtel dieser Welt. Entsprechend tapfer steht sie neben mir. Und ich liebe sie dafür.
Die Prüfung beginnt. Lasset die Spiele beginnen. Jetzt wird gekickt.

Viele Menschen haben ein falsches Bild vom Schwarzen Gürtel. Sie glauben, dass man nun ein(e) MeisterIn ist. Natürlich ist das richtig und auch wieder falsch. Großmeister sehen das etwas anders.
In Wahrheit bleibt man bis zum 5. Dan (Meister)SchülerIn. Erst dann folgt die wahre Meisterstufe. Aber schon lange vor dem 1. Dan, habe ich Karate als Weg für mich erkannt.
Dan ist das japanische Wort für Stufe / Rang. Und dort stehe ich Gürtelmäßig auf dem zweiten (Meister)Rang Zwei. Mein Dickkopf hat einst mehr verhindert. Aber das ist nun vorbei.
Elfchen darf auch zeigen was sie kann. Sie beginnt und ich bin wie immer fasziniert.
Yuki tanzt einen Reigen, der aus purer Eleganz geboren worden ist.
Zwar ist es „nur“ Grün, was sie als Farbe erhält. Aber ich weiß, was meine Elfe wirklich kann.
Wie im Aikido, wird sie auch im Karate ihre Frau stehen. Und im Leben steht sie gleichberechtigt neben mir.

Nun geht es los für mich. Hochkonzentriert trete ich nach vorn.
Sie testen mich so hart, wie ich erwartet hatte. So muss ich alle Kata aus dem Schülerbereich zeigen, was kein Problem bedeutet.
Auch Kihon Ido ist gefragt, sie wollen die Grundtechniken sehen. Die Zeit vergeht fast ohne Pause, der Körper ist nun Karate.
Mein Geist ist klar und fokussiert, nichts außer diesem Tag ist wichtig.
Ich muss zwei Kämpfe bestreiten. Zeit mich zu amüsieren.
Ein Mädel mit dem 1. Dan liegt nach 10 Sekunden auf der Matte. Sie hat keine Chance gegen mich. Und sie fällt immer wieder, ein wenig tut sie mir leid.
Der Schwarze Gürtel macht noch keine Kämpferin.

Der deutlich größere Mann ist schwerer zu knacken, er setzt auf Konter und seine langen Beine. Das wird spaßig. Normal bin ich die Konternde. Aber ich kann auch voll auf Angriff gehen. Normalerweise kämen nun Mayumi typisch z. B. Tritte zum Knie. Aber das hier ist Sport. Ich will niemand verletzen.
Mein Karate-Stil ist anders, aber das darf ich in einer Prüfung nicht zeigen. Hier wird auf Tradition geachtet.
Aber 1,62 Meter geballte Energie besiegt auch einen Mann, der sich für überlegen hält. Und so einige Techniken im Goyu-Ryu Stil sind mit dem Aikido verwandt.
Muss ich mehr erzählen?

Aus den Augenwinkeln beobachte ich die Reaktionen der Prüfer, die deutlich überrascht und begeistert sind. Mein Vater gestattet sich ein leichtes Schmunzeln.
Vielleicht noch ein Wort über ihn, der immer auch mein Sensei ist. Bei aller Liebe zu mir bleibt er streng, wenn es um Fragen des Karate geht.
Er hat mich nie bevorzugt. Meine Gürtel sind ehrlich erworben, niemand hat sie mir geschenkt.
Und auch an diesem Tag gibt es kein Pardon. Nach Selbstverteidigung, Kampfrichterwesen, Kata, Erklärung der Techniken und intensiven Fragen zum Karate sehe ich die Farbe Schwarz!
Schwarz ist mehr, als nur eine Farbe. Und Schwarz habe ich mir redlich verdient.

Es ist wieder mein Vater, der mir stolz die Urkunde zum 3. Dan überreicht. Und auch einen neuen Gürtel, der nun drei Streifen hat: Sandan, der Grad des anerkannten Schülers, wie es im Karate heißt. Bis zum 4. Dan muss ich nun vier Jahre warten. Vielleicht drei, bei verkürzter Vorbereitungszeit. Und wenn es nach meinem Vater geht, so müssen weitere Grade her. Mein Leben ist so bunt, wie der Regenbogen Farben hat. Selbst graue Tage gehen spurlos an mir vorbei. Aber dieser 6. Dezember ist (m)ein schwarzer Tag. Und das ist richtig gut.

Wer mehr über die Farbe Schwarz lesen möchte, dem empfehle ich folgende Artikel:

Klick mich: Drei Farben Schwarz und Die Farbe Schwarz

 

Warum ich einfach unschlagbar bin!

Mein Training mit den Drachenzwergen kommt zu kurz in diesen Tagen. Die Kinder sind traurig, sie vermissen mich. Aber selbst meine Energie hat Grenzen und nach einem harten Tag rafft es mich dann auch dahin. Das klingt nun dramatischer, als es wirklich ist. Und mit Lindas Mädels gibt es noch andere Trainerinnen.

Aber gestern Abend gab sich Frau Landar dann die Ehre und hat sich bunt berockt unter die Kleinen gemischt. Leonie, die kleine Judoka, kann sich vor Freude kaum halten.
„Tante Mayumi!“, ruft sie und fällt mir um den Hals. Prompt folgt die ganze Schar der Kinder und begräbt mich förmlich unter sich.
Die Szene gäbe es in Japan nie zu sehen, die Tradition verbietet das. Ich sehe das anders und herze die Kinderschar.
„Aufstellung bitte!“, unterbreche ich dann das Geplapper und folgsam lassen sie von mir ab.
Aufrecht meine Recken!

Yuki und Ken beobachten mich und schmunzeln um die Wette. Auch sie tragen bunte Karate-Gi und sind meine Assistenten.
Da Ken nur einige Worte Deutsch versteht, sprechen wir Japanisch, was die Kinder erneut fasziniert.
Das Training läuft gut, Ken zeigt seine Kyokushin-Karate Kunst. Die Kinder mögen ihn spontan, der Typ ist auch wirklich witzig und lieb.
Der stets neugierige Lars zupft mich irgendwann am Ärmel und stellt mir eine alles entscheidende Frage.
„Tante Mayumi, bist du eigentlich stärker als er?“
Der Kleine deutet auf Ken, der mich an Körpergröße deutlich überragt.
Zwerge werfen lange Schatten.

Yuki feixt und hält sich dann die Hand vor den Mund, ich übersetze Ken die Frage.
Ich rufe die Gruppe zusammmen und lasse sie alle knien. so sind wir fast auf gleicher Höhe.
„Körperkraft und innere Stärke sind zwei verschiedene Dinge“, beginne ich und Yuki übersetzt für Ken. „Mein Cousin hat viel mehr Kraft als ich, das ist bei Männern nun mal so. Aber diese Kraft ist nicht immer entscheidend, um einen Sieg zu erringen. Man muss nicht kämpfen, um zu gewinnen. Einen Gegner kann man auch mit Worten schlagen. Vor allem, wenn man, wie Frauen, körperlich schwächer ist.“
„Aber was, wenn er dich haut?“, hakt Lars nach. „Kannst du ihn dann besiegen?“
Der Sieg in der Niederlage? Nicht mein Ding!

„Ken ist ein Meister im Kyokushin-Karate“, erwidere ich. „Das ist ein völlig anderer Stil. Und Stile kann man sehr schlecht vergleichen. Vor allem, wenn Frauen und Männer die GegnerInnen sind.“
Lars ist nicht zufrieden, das kann ich deutlich sehen. Er kennt und mag mich, aber Ken ist deutlich größer. Das beeindruckt den Kleinen und seine Skepsis wächst. Vor allem, weil ich nun wirklich nicht unschlagbar bin. Nur sehr schwer zu besiegen, denn ich gebe niemals auf! Und das ist der Grund, warum ich gewinne. Verlierer sind dann nur die anderen.
Ken und ich schauen uns kurz an, wir verstehen uns auch ohne Worte.
„Gut“, sagt er und ich übersetze, „Mayumi und ich werden für euch kämpfen. Dann könnt ihr sehen, was sie meint.“
Ich erkenne den Doppelsinn in seinen Worten und auch meine Elfe nickt. Den Kindern entgeht diese Botschaft noch. Für sie zählt nur, was sie sehen.
Yuki gibt die Schiedsrichterin und ich stelle mich meinem Cousin gegenüber. Wer nun glaubt, er sei so einfach zu besiegen, wird eines Besseren belehrt! Ken ist schnell und sehr explosiv, aber sein Nahkampf bleibt grottenschlecht. Er gibt irgendwann lachend auf, als ich Aikido und Wing Chun benutze und ihn mehrfach zu Boden schicke.
Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich!

„Wie ihr seht, ist Kraft nicht entscheidend bei einem Kampf“, ziehe ich ein erstes Resümee. „Aber warum habe ich Ken besiegt, kann mir das wer sagen?“
„Weil du ihn geworfen hast!“, meldet sich Leonie zu Wort.
„Ja“, sage ich. „Ich habe seine Kraft gegen ihn benutzt. Ken kann weder Aikido noch Wing Chun. Und in einem Straßenkampf gibt es auch keine Regeln. Wenn wir aber nun einen sportlichen Wettkampf machen, so sieht das völlig anders aus. Dort gibt es feste Regeln, so wie überall im Leben. Schaut gut zu.“
Runde Zwei beginnt, diesmal in Kyokushin-Manier. Nun, da ich meine Hebel und Würfe nicht anbringen darf, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Ken hat gute Szenen, ist aber zu langsam für mich. Aber wer will schon immer fliehen? Ich gewinne, weil Ken Hemmungen hat Frauen zu schlagen. Dieses Problemchen kenne ich nicht, meine Faust macht sich gut in seinem Magen. Treffer, versenkt!

Die Kinder verstehen und Ken reibt sich grinsend den Bauch. Meinem Cousin ist es gleich, ob ich ihn schlage. Das ist er seit Kindertagen gewohnt. Dafür hat er meine Liebe gewonnen. Und ist damit einer von den wenigen Männern auf dieser Welt, die ich in mein Herz geschlossen habe.
Zum Abschluss des Trainings dürfen auch die Kinder kämpfen, was vor allem Lars immer brennend interessiert. Aber wie immer verliert er gegen Leonie, die zu gut für den Kleinen ist. Ihr Talent ist riesig und ich werde sie entsprechend fördern.
Lars beweist Größe und lacht sie an. So entstehen Freunde fürs Leben. Und das ist gut.

Nachdem die Kinder auf dem Weg nach Hause sind chauffiert uns Yuki im SUV zum Aikido. Ich mache mir auf einem Block Notizen und Ken döst vor sich hin. Im Kreis der Familie zu sein, umgeben von Freunden, zusammen mit der eigenen Frau ist wichtig und gut. Wisst ihr nun warum ich einfach unschlagbar (glücklich) bin?

Wer meine Kindergruppe noch nicht kennt und mehr darüber lesen möchte, der darf gern hier klicken: Von Drachen und Zwergen

 

Wenn Frau Doktor kicken geht

Fitness ist in aller Frauen Munde und Fitness ist mein Job. Egal, ob als Sensei oder Retterin von Firmen, ich mache dabei immer eine gute Figur. Aber es geht ausnahmsweise nicht um mich und auch nicht um Frau Dr. Christine Theiss, die langjährige Kickbox-Weltmeisterin. Es geht um ganz normale Frauen, die nicht ganz zufällig Doktorinnen sind.

Durch Kontakte, bin ich besonderen Menschen begegnet. Und diese Menschen suchen Hilfe. Auch bei der perfekten Ganzkörperfigur.
Alles hat ganz harmlos angefangen mit einem Telefonat von Frau Schmidt.
„Hallo Frau Landar“, begrüßt sie mich. „Wie geht es Ihnen denn, wir haben uns ja schon ewig nicht gesehen!“
Nun ist ewig übertrieben, aber das machen manche Menschen gern. Nur meine Zeit als Privat-Sensei war abgelaufen.
Linda hat bekanntlich übernommen und das macht sie richtig gut.

„Ich hätte da eine Frage an Sie,“ fährt Frau Schmidt schon fort. „Einige Freundinnen haben Interesse an Ihrer Kunst. Wissen Sie, wir haben uns da neulich auf einem Frauenabend über Sie unterhalten. Und meine Freundin Tanja, also eigentlich Frau Dr. Tanja Berghoff, möchte unbedingt Kickboxen lernen. Könnten Sie Tanja unterrichten?“
Frau Schmidt die Unterschiede zwischen Karate, Wing Chun und Kickboxen zu erklären macht wenig Sinn. Sie gibt mir Tanja Berghoffs Nummer und ich ruft selbst dort an.
Und davon handelt dieser Bericht.

„Berghoff“, meldet sich eine forsche Frauenstimme.
„Landar“, erwidere ich. „Sie wollten mit mir sprechen. Ich bin die Trainerin von Frau Schmidt.“
„Ach ja richtig“, höre ich ohne Akzent, was mir die Frau sofort symphatisch macht.
Auch Schwaben können Hochdeutsch lernen.
„Ich bin ein langjähriger Fan von Christine Theiss, Sie wissen doch wer das ist?“
Die Frage kommt unschuldig, aber ist durchaus ernst gemeint.
Ein erster Test, den ich bestehe.

„Ich habe Christine Theiss Karriere genau verfolgt“, antworte ich. „Sie ist eine gute Sportlerin.“
„Weltmeisterin zu werden muss schwer sein“, sagt Frau Berghoff. „Die Frau sieht so fit aus und kann sich bestimmt gut wehren. Genau das möchte ich auch gern können. Aber ohne Weltmeisterin zu sein!“
Bei Titeln flippen manche Menschen aus, das fiel mir schon vor Jahren auf. Aber WeltmeisterIn zu sein bedeutet nicht viel. Es sagt lediglich aus, dass ein Sporler zu einem bestimmten Zeitpunkt in seinem Sport besser als ein anderer Mensch war. Und mit Kickboxen kommt man auf der Straße nicht sehr weit.
Regeln brauchen nur die anderen. Ich habe meinen eigenen Stil.

Immerhin erweist sich Frau Berghoff als Kennerin der Szene, als ich ihr von meinem sportlichen Werdegang erzähle.
„Kickboxen ist nicht meine Sparte“, schließe ich. „Aber ich kann Ihnen eine gute Freundin empfehlen. Die hat auch dafür eine Trainerin.“
„Mir geht es darum, das Ganze privat zu machen“, wirft Frau Berghoff ein. „Unser Haus ist groß genug und wir haben einen eigenen Fitnessraum. In ein Sportstudio gehe ich nicht.“
„Das sollte machbar sein“, erwidere ich und denke kurz nach. Ich nenne ihr Lindas Namen.
„Bei ihr sind Sie gut aufgehoben“, beende ich das Gespräch.
Starke Frauen braucht das Land.

Nachdenklich sitze ich am Schreibtisch und schaue in die andere Woche. Ein Ausdruck, den ich einst als Mädchen lernte.
„Wohin schaust du?“, will Yuki wissen. „Betrügst du mich im Geist mit scharfen Miezen?“
„Frechdachs“, erwidere ich und ziehe sie lachend auf meinen Schoß.
Als ich ihr von dem Angebot erzähle nickt meine Elfe.
„Als Personal Trainerin kann man viel Geld verdienen. Und Lust hättest du doch schon dazu, gibs zu!“
„Wir sprechen von Sport“, sage ich. „Was wir machen ist Kunst. Das kann man reinen Fitness-Sportlern kaum vermitteln. Sie sehen einen muskulösen Körper, ein Titel zieht sie in ihren Bann. Für Menschen wie Frau Berghoff steht der schöne Schein an erster Stelle. Aber Körper UND Geist sollten immer eine Einheit sein. Das ist es, was diese Menschen schlecht begreifen.“

Meine Elfe nickt wissend. Auch sie hat lernen müssen. Für Yuki war Karate lange einfach nur Kampf. Und Gewalt ist nicht ihr Ding.
Ein vermiedener Kampf ist ein gewonnener Kampf. Genau danach handelt sie.
Linda wird die Sache besser regeln. Sie kann auch Menschen wie Frau Berghoff lehren.
Ich bleibe vorerst bei den Kindern. Und die unterrichte ich bekanntlich gern.
Geld ist nicht alles und arm war ich noch nie.

„Hömma Olle“, haucht Yuki mir plötzlich zuckersüß ins Ohr. „Dat is schon wieder spät, wir müssen noch ins Training gehen tun.
Wenn Frau Doktor kicken geht.

Zur Vorgeschichte dieses Beitrags einfach hier klicken: Die Leibwächterin

Nur der Himmel ist die Grenze

Japans Sonne scheint warm an diesem Tag. Die Regenzeit ist endlich vorüber. In einer Nachtschicht haben wir mit Ken zusammen seinen Skyline fahrbar gemacht. Die neuen Tubolader sind schnell eingebaut, der Rest des Umbaus ist bereits Geschichte. Müde aber glücklich sitze ich am Steuer. Ken hat mir die Ehre der ersten Fahrt überlassen.

Der Nissan Skyline GT-R R34 ist als Filmstar wohlbekannt. Paul Walker hat ihn in den „Fast and Furious“ Filmen gefahren. Aber wer nimmt schon 280 PS, wenn er getunte 500 PS haben kann? Die Beschleunigung presst uns in den Sitz. Aber keine Angst, wieder wird dies kein Bericht über Autos werden. Der Name Skyline passte nur so gut.

Wir lachen und haben Spaß. Wieder ist es ein komisches Gefühl auf der scheinbar falschen Seite zu sitzen. Und doch bin ich hier richtig, denn hier bin ich zu Hause. Japan ist in meiner Seele, meinem Herzen. Nie war ich japanischer, als in diesem Jahr.

Als ob Yuki meine Gedanken lesen kann, liegt ihre kleine Hand plötzlich auf meiner. Ich weiß was du denkst, sagen ihre Augen. Und auch dafür liebe ich sie. Ken räuspert sich, er kann uns fühlen. Aber bei aller Sensibiltät bleibt er doch Mann. Und Tränen zeigen nur die anderen.

In der Tuning-Branche wird gern und viel geschraubt. Dieser Gedanke schießt mir durch den Kopf, als aus dem Autoradio ein Lied ertönt. „Sky is the limit“, höre ich. Und da stimme ich natürlich sofort zu. Für mich gibt es kaum Grenzen, ich mache immer was ich will.

Schule, Studium, Beruf, Karate, all das gehört zu mir und meinem Weg. Und wer soll mich schon stoppen? Das macht dann die Polizei. Aber wir waren nicht zu schnell. Der Beamte weist nur freundlich auf eine Vollsperrung hin, die ein umgestürzter LKW verursacht hat.

Ich sehe sein Interesse an dem Wagen, aber er ist im Dienst und darf nicht fragen. Wir werden umgeleitet und entschließen uns spontan einen Ausflug zu machen. Die Insel Nokonoshima ist nicht weit entfernt. Wir stellen den Skyline ab und setzen mit der Fähre über.

Erster Hunger meldet sich und wir kaufen uns ein Frühstück. Grüner Tee weckt unsere Lebensgeister. Wir mieten Fahrräder und fahren um die Wette. Natürlich sind wir zu laut, natürlich fallen wir auf. Fettnäpfchen, ich komme! Aber die Menschen lächeln nur, es sind nur wenige Japaner auf der Insel.

Wir treffen ein amerikanisches Ehepaar aus Boston. Er ist Ex-Soldat und war früher in Mannheim stationiert. „Ich habe 17 Jahre in Deutschland gelebt“, lässt Bill uns wissen. Er kann noch immer deutsch und ist stolz darauf. Seine Frau stammt aus dem Süden der USA, genauer Alabama. Ich kann sie nur schwer verstehen, der Dialekt ist fürchterlich.

Sie sind zwar typische Amerikaner, aufgeschlossen, freundlich, aber doch sehr an fremden Kulturen interessiert. „In Japan habe ich auch gelebt“, sagt Bill. „Und in Korea. Aber Deutschland vermisse ich sehr. Wir werden nächstes Jahr dort Urlaub machen.“

Der Tag vergeht, die Amerikaner verabschieden sich. Die Fähre bringt uns zurück aus dem Blumengarten. Wir brauchen Schlaf, selbst Tee kann uns jetzt nicht helfen. Ken hat die meiste Energie und fährt nun stolz seinen Wagen. Ziemlich fertig kommen wir bei Tante Kazumi an. Die fackelt nicht lange und steckt uns ins Bett.

Tanze Kazumi ist die forschere Ausgabe meiner Mutter. Herzensgut, aber weniger sanft. Und sie mag klare Worte, was eher untypisch für eine Japanerin ist. Aber damit kann ich und ich liebe sie dafür. Nur Ken mault kurz, als er nach Hause geschickt wird. Ein Blick seiner Mutter lässt ihn zum Lämmchen werden. Frauenpower pur!

Im Bett liegend muss ich immer wieder an Deutschland denken. Der Name weckt ein Gefühl in mir. Ich vermisse meine Mädels, die Drachenzwerge, mein Wing Chun. Und doch bleibt meine andere Heimat hier in Japan so fremd. Warum kann ich nicht in beiden Ländern leben? Die Idee ist geboren, Umsetzung folgt. „Sky is the limit?“ Nicht für mich!

Die Leibwächterin

Als das Handy an diesem Morgen klingelt weiß ich zuerst nicht wer der Anrufer ist. „Juwelen“ habe ich als Kürzel geschrieben und das kann viel bedeuten. Aber als ein Mann mit schwäbischem Akzent sich meldet, fällt mir der Name wieder ein. Es ist der Juwelier Schmidt, den wir im Wellness-Hotel getroffen haben. Und der hat ein Problem. Und damit das so klein wie möglich bleibt, werde ich weder seinen richtigen Namen, noch den Wohnort nennen. Diskretion ist bei mir Ehrensache. Und aus dem Bericht wird kein böser Bube schlau.

„Hallo, Frau Landar“, beginnt der Mann. „Wissen Sie noch wer ich bin? Ich möchte mich gern mit Ihnen über Personenschutz für meine Familie unterhalten. Hätten Sie vielleicht heute Zeit?“
Zeit haben wir eigentlich nie und dann wieder doch. Kontakte sind wichtig. Und der Mann durchaus nett. Aber an diesem Tag geht es wirklich nicht.
Ich nenne einen Tag und er gibt mir seine Adresse.
„Alles Weitere möchte ich gern vor Ort besprechen“, endet er.
Die Wortwahl fällt mir auf. Der Mann hat das Kommando.
Kann er gern haben, bei mir aber nicht.

Mit dem Namen ausgerüstet rufe ich bei Linda an und erzähle ihr die Sache.
„So, du machst mir also Konkurrenz?“, fragt sie gespielt empört.
„Klaro, erwidere ich. „Und morgen mache ich eine eigene Firma auf, du Nudel. Sag, kannst du mir vielleicht eine Auskunft über den Mann besorgen? Wer er ist, ob seriös?“
Linda war früher bei der Polizei, hat aber noch immer gute Kontakte. Normal, wenn man in ihrer Branche ist.
„Kein Ding“, sagt sie. „Ich rufe gleich an. Spätestens morgen wissen wir mehr.“
Wissen ist nun mal Macht.

Es dauert keine zwei Stunden bis sich Linda wieder meldet. Sie ist tief beeindruckt von dem Mann.
„Mit dem als Klienten hast du einen dicken Fisch an der Angel“, lässt sie mich wissen. Und diese Aussage ist gut genug.
Aus verständlichen Gründen werde ich keine weiteren Details nennen. Nur, dass er ein wirklicher Ehrenmann ist. Und absolut sauber.
Ein Problem gibt es bei der Sache: Selbstständig bin ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
„Wir regeln das schon meine Süße“, neckt mich Linda. „Lieben Gruß an Yuki und bis heute Abend im Dojo dann.“
Für die Frechheit muss ich Linda auf die Matte werfen. Und das kann ich gut.

Am vereinbarten Termin fahren wir zum Schmidtschen Anwesen. Wir sind beeindruckt, aber zeigen das natürlich nicht.
Herr Schmidt samt Frau und Tochter wartet bereits. Sehr nette Leute und kein bisschen homophob. Im Gegenteil hat er uns bewusst ausgewählt.
„Aber nicht, dass sie mir meine Frau verführen“, sagt er und lacht.
„Da hätte meine Frau etwas dagegen“, erwidere ich und schaue Yuki an.
Mit solchen Scherzen kann ich, so lange sie nicht völlig unter der Gürtellinie sind.
Yuki lächelt und mir wird warm.
Liebe, die ich meine.

„Für mein Geschäft in der Stadt habe ich tagsüber einen Sicherheitsdienst“, fährt der Juwelier fort. „Privat habe ich einen Waffenschein. Aber Personenschutz für meine beiden Frauen, das funktioniert irgendwie nicht.“
„Weil sie Männer hatten?“, frage ich nach und treffe genau den Punkt.
„Ja“, sagt er. „So gut die auch für mich und den Laden sind, mit meinen Frauen kamen sie nicht klar.“
„Lassen Sie mich raten“, sage ich. „Der Aufpasser stand mit verschränkten Armen vor der Kaufhaus Umkleidekabine und hat den anderen Kundinnen Angst gemacht?“
„Nicht nur das!“, meldet sich Frau Schmidt zu Wort. „Der ging auch mit auf die Damentoilette!“
„Und im Haus hat er auch überall geschnüffelt“, fügt die Tochter hinzu.
Frauen riechen eben gut.

„Sie suchen also jemanden, der ihre Frau und Tochter täglich, oder nur ab und zu begleitet?“, frage ich.
„Täglich“, erwidert Herr Schmidt. „Aber nur eine Frau! Sie soll meine Tochter zur Schule bringen und wieder abholen. Falls meine Frau in die Stadt, oder zum Arzt muss, oder generell außer Haus, sollte sie bei ihr sein. Diskret versteht sich. Aber ich suche eine Person mit Grips, mit der man sich auch unterhalten kann.“
„Kein Problem“, erwidere ich. „Ich kann Ihnen auch ihre Bilanzen überprüfen und Tipps für neue Werbestrategien geben.“
„Das weiß ich“, eröffnet er mir und schaut mich an. „Natürlich habe ich mich über Sie erkundigt. Ihr Werdegang hat mich beindruckt. Und ihr Kung Fu.“
Starke Frauen braucht das Land.

„Es war Aikido“, korrigiere ich. „Aber Wing Chun Kung Fu kann ich auch.“
Die Tochter sperrt Mund und Augen auf.
„So, wie Ip Man?“, will sie sofort wissen. „Ich habe die Filme gesehen!“
Sie ist ein Teenager und sehr an Sport interessiert. Und Kampfsport fand sie schon immer cool. Aber den durfte sie bisher nicht machen.
„Nicht ganz so gut“, erwidere ich. „Dafür aber noch Karate und Krav Maga. Mehr oder weniger ist es ein eigener Stil, den ich für mich erfunden habe.“
Wieder schaut Herr Schmidt mich an.
„Können Sie das meine Frauen lehren?“
Klar kann ich. Aber auch wieder nicht.

„Was ich Ihnen anbieten kann ist folgendes“, sage ich mit eimem kurzen Blick zu Yuki, die fast unmerklich nickt. „Wir können Ihnen Grundtechniken der Selbstverteidigung beibringen. Auch die Psychologie des Kampfes, wie man sich bei einem Angriff richtig verhält. Der beste Kampf ist immer der, den man nicht führt. Den Job als Personenschützerinnen können wir leider nicht übernehmen. Aber eine Freundin von mir hat eine Security-Firma und meist Frauen angestellt. Sie ist ehemalige Polizistin und sehr kompetent auf dem Gebiet der Sicherheit. Vor allem macht sie das hauptberuflich. Wir nur nebenbei. Die Mädels dort sind alle richtig clever und haben ausgezeichnete Manieren.“
„Verstanden“, sagt Herr Schmidt. „Wann könnten Sie mit dem Unterricht beginnen?“
„Langsam“, sage ich und verkneife mir ein Lachen. „Wir haben schon einen Nebenjob. Und eine zweite Steuerkarte macht nur das Finanzamt reich.“

„Das machen wir ohne Steuern“, beschließt Herr Schmidt sofort. „Ich halte mich normal an Regeln, aber der Staat verdient an mir genug.“
Er reicht mir einen schon ausgestellten Scheck. Und ein wenig fühle ich mich überrumpelt.
„Geht die Summe klar?“, will er wissen. „Sagen Sie es und ich zahle mehr. Hauptsache meine Frauen sind sicher. Geld ist mir egal.“
Ja, die Summe ist wunderbar. Seid umschlungen Millionen!
Auch, wenn das jetzt übertrieben ist.
Und damit niemand auf dumme Gedanken kommt: Ich habe den Betrag mittlerweile legalisiert. Schwarz arbeiten nur die anderen.

Herr Schmidt muss uns verlassen, er hat Termine in der Stadt.
Bei ihm habe ich ein gutes Gefühl.
An diesem Tag reift die Idee der Selbstständigkeit in mir, die ich später mit Yuki kläre.
Aber es bedarf noch eines weiteren Zufalls, um alles klar zu machen. Davon in einem anderen Artikel mehr.
Lets do it my way.

Frau Schmidt samt Tochter bekommt ihre erste Stunde. Und wir alle haben Spaß.
Vor allen die Tochter erweist sich als äußerst begabt. Und sie hat ein kleines Geheimnis parat.
Heimlich hat sie mit youtube Videos seit Monaten geübt. Ich weiß schon jetzt, dass sie eine Meisterin wird.
Die Mutter hat deutlich mehr Probleme. Ihr fällt es schwer zu schlagen.
Aus einer Stunde werden drei, dann müssen wir leider gehen.
Muss i denn zum Städtele hinaus …

Wir vereinbaren, dass wir Frau Schmidt samt Tochter zweimal pro Woche für jeweils 2 Stunden unterrichten. Und zwar für einenn Zeitraum X.
Linda wird den Personenschutz für beide Frauen tagsüber übernehmen, was sie besonders freut. Und auch das Folgetraining.
Die Idee nimmt noch mehr Formen an. Und Formen sind immer gut.
Der Hintergrund ist klar – Weg vom Türsteher Image und in die Welt der echten Bodyguards. Und Lindas Mädels können das. Auch ohne Waffen.
Wer braucht Pistolen, wenn er Fingernägel hat?

Als wir am Abend bei Linda zu Hause sind, gibt es daher Grund zu feiern. Wir stoßen mit Wasser an und Linda plus Frau mit rotem Wein.
„Du wärst bestimmt eine tolle Leibwächterin“, sagt Linda und lacht.
„Die Frage ist nur die, wer passt auf die Dicke auf?“, wirft Yuki ein und zwickt mich frech.
„Na du, Elfchen!“, erwidere ich. „Du bist und bleibst doch meine Leibwächterin.“

Ich, mein Selbst und das ständig

Die meisten Menschen bleiben fremdbestimmt. Und das ihr Leben lang. Mein Weg war immer anders. Aber anpassen kann ich mich auch. Es lernt sich im Klassenzimmer einfach besser, als einsam vor der Tür. Aber das nur nebenbei und als Einstieg in diesen Bericht. Bekanntlich habe ich BWL studiert. Und auch ausgezeichnet abgeschlossen. Nur arbeite ich nicht mehr im BWL-Bereich und hatte es auch nie mehr vor. Aber Dinge ändern sich und ich bin aufgeschlossen.

Auch Yuki hat einen Titel. Aber das Lehramt war kein Ziel. Unser Weg zurück auf die Uni war gut. Und er war richtig. Aber eben nicht auf Dauer. In den letzten Monaten ist in mir klar geworden, dass ich keine weiteren Jahre studieren will. Mein Plan, in einem Verlag, oder als Redakteurin zu arbeiten, war lediglich eine Laune von mir. Ich sehe mich einfach nicht berockt und bestrumpft durchs Großraumbüro stöckeln und den News von vorgestern nachjagen. Eingezwängt ins Korsett von Konventionen und Lügen, wäre das mein geistiger Tod. Außerdem lüge ich sehr schlecht.

Im LGBT-Bereich werde ich auch weiterhin aktiv bleiben, das stand niemals zur Debatte. Vielleicht ergeben sich in Zukunft andere Möglichkeiten, um die Regenbogenflagge weiter hoch zu halten. Das werden wir dann sehen. Ob das weiter in BaWü ist muss sich noch erweisen. Zur Zeit denken wir über einen Umzug nach Düsseldorf nach. Ohnehin sind wir in letzter Zeit ständig dort, was meine Eltern freut. Nur die spaßige Frage nach Enkeln bringt mich in Rage. Aber Yuki lacht nur und alles ist gut.

Es fällt mir leicht Entscheidungen zu treffen und meinen Lebensweg zu sehen. Für Visionen bin ich immer zu haben. Also habe ich analysiert, was ich wirklich kann und will. Ich kann Karate, Aikido, Kendo und nun auch Wing Chun. Im Karate bin ich Meisterin, den Rest lasse ich folgen. Ich bin Feministin und ich stehe für die Rechte von Frauen. Ich beschütze Menschen gern und gebe meine Kunst auch weiter. All das befähigt mich zur Sensei, dem japanischen Wort für Lehrer(in). Und ich kann BWL. Aber das schrieb ich bereits. Mehr davon in Kürze, ihr werdet schon sehen.

Nun kann man von Kampfkunst nicht immer leben. Auch, wenn das Sicherheitsbedürfnis in Deutschland steigt. Meine Familie ist nicht ganz arm. Und Immobilien im In- und Ausland helfen, um das Leben angenehmer zu gestalten. Meinen Eltern sozusagen auf der Tasche liegen, das war nie mein Ding. Aber warum Hunger leiden, wenn es auch anders geht? Finanzielle Sicherheit ist eine tolle Sache. Aber ausnutzen ist anders.

Meine Liebe zu schnellen Autos ist dann noch einmal eine ganz andere Sache. Die habe ich nie in dem Maß ausgelebt, wie Töchter und Söhne reicher Eltern. Mein Mittelklasse Toyota war mir lange Zeit genug. Ich musste nie mit einem Porsche protzen. Yukis Vater ist Automobilist mit Leidenschaft. Ein Manager mit innovativen Ideen. Er hat uns den Einstig in die Arbeitswelt ermöglicht und sehr bedauert, dass wir gehen. Aber wir arbeiten wieder für ihn. Wenn auch so völlig anders, als er das gern hätte. Ähnlich wie mein Vater kann er aber Yuki keinen Wunsch abschlagen. Und die Idee uns als Testfahrerinnen zu verpflichten kam von ihm.

Begegnungen mit Menschen, wie Graf Werner und der pensionierten Lehrerin Brigitte, haben mich berührt. Auch der Krav Maga-Experte von der Polizei, hat mit meiner Entscheidung zu tun. Und natürlich meine Freundin Linda, mit der ich stärker zusammenarbeiten will. Aber nicht als Angestellte. Der Entschluss steht fest, ich werde selbstständig sein. Freiberuflerin mit A-Lizenz und Schwarzem Gürtel. Was will Frau noch mehr? Und zu Graf Werner gibt es auch noch viel zu sagen. Aber davon in einem anderen Artikel mehr. Titel adeln sich.

Für die Uni bedeutet das Goodbye. Kein Powerstudium, keine Klausur. Es war schön. Auf Wiedersehen. Leider bedeutet es auch den bisher größten Einschnitt in meinem Leben, die Trennung von meiner Frau. Natürlich nicht für immer, was habt ihr denn nun gedacht? Der Plan ist einfach: Master und Frau Dr. machen. Und dann steigt sie bei mir ein. Bei ihrer Begabung nur ein Klacks. Mit nun zwei Autos gibt es da kein Problem. Zur Not bin ich immer zur Stelle. Und exmatrikuliert bin ich noch nicht. Aber es werden lange Stunden ohne meine Elfe sein. Also muss ich schneller fahren und höher kicken. Und das kann ich bekanntlich gut. Und auch malen nach Zahlen.

Linda und ich werden Seminare und Kurse in Selbstverteidigung geben. Bevorzugt für Frauen und Mädchen. Aber auch für Mann. Dann aber nur für solche, die keine polizeiliche Vorgeschichte haben. Und das können Manager, oder Polizeibeamte sein. Für meinen Schwiegervater werde ich ebenfalls weiter Autos fahren. Aber das nur nebenbei und zu anderen Konditionen. Aber BWL wird vorerst wieder meine Hauptsache sein. Trocken, präzise und analytisch gut.

Was das für meinen Blog bedeutet, steht auf einem anderen Blatt. Schon eine Weile bin ich dort weniger aktiv vertreten, aber immer noch präsent. Zum Glück kann ich meist von zu Hause aus arbeiten. Und das soll auch so bleiben.

Karate, Kids und Disziplin

Kinder lernen Dinge spielerisch. Das war schon immer so. Und Kinder lernen auch Karate. Vor allem, wenn sie Japaner sind. Auch Japaner haben einen Kindergarten. Und klein Mayumi war natürlich dort. Eine Erinnerung daran habe ich keine, aber ich soll schon damals wild gewesen sein. Gelehrt hat man dort Shotokan-Karate und das war klein Mayumis Ding.

Nun sehe ich schon besorgte Eltern die Stirn in Falten legen und voller Abscheu auf Japan blicken. „Gewalt schon im Kindergarten? Da geht mein Kind nicht hin!“ Und genau da liegt der Fehler. Karate dient nicht der Gewalt. Es ist Sport, Philosophie und eiserne Disziplin. Karate kennt keinen ersten Angriff, das haben uns nur schlechte Filme gelehrt. Und dumme Menschen, die diesen Sport verachten. „Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.“ Das ist die erste Regel und sie bedeutet viel. Respekt dem Sensei, den Eltern und anderen Menschen gegenüber. Respekt auch vor sich selbst.

Regel zwei habe ich bereits genannt: „Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.“ Karate ist immer Selbstverteidigung. Schutz für das eigene Leben und das Leben anderer. Das aber effektiv. „Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.“ Der Satz ist selbsterklärend.  „Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.“ Und genau hier liegt der Fehler, den Europäer und Amerikaner machen. Sie sehen nur den Kampf, den physischen Aspekt. In einem guten Dojo ist das anders, was mich zu den nächsten Regeln bringt.

„Denke nicht, das Karate nur im Dojo stattfindet. Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, dann wirst du geistige Reife erlangen.“ Im deutschen Kindergarten gab es 1987 kein Karate. Aber Privatstunden von meinem Papa für mich. Ohne Karate, Aikido und Meditation wäre ich vermutlich ein noch schwierigeres Kind gewesen. Aber statt Ritalin bekam ich Liebe und lernte Disziplin. Und das tat ich richtig gut. Meine Wut war kanalisiert und ich habe den Sandsack drangsaliert. Mit Inbrunst und Leidenschaft. Gewalt ist anders.

Das lebenslange Training macht den Unterschied zwischen Hobbysportler und Profi aus. Und das möchte ich heute gern als Video zeigen. Leider gibt es keine von mir, youtube war noch nicht erfunden. Aber ich soll gut gewesen sein. Und das bin ich heute noch, was mich zur nächsten Regel bringt. „Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig warm hältst.“

Auch, wenn ich heute meist Aikido, Wing Chun und Krav Maga trainiere, so ist Karate ein Teil von mir und wird es immer sein. Es ist mein Leben, wie auch das Buch von Japans größtem Samurai. „Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert“, hat Gichin Funakoshi, der Begründer des Shotokan-Karate gesagt. Wer das verinnerlicht und fleißig übt, der braucht keinen Gegner mehr zu fürchten.

„Wandle dich abhängig vom Gegner.“ Ein Gegner kann auch der Alltag sein. Wobei ich den mehr als Herausforderung sehe. Vor allem für hyperaktive Kinder kann Karate also ein Segen sein. Ich kenne so einige Fälle, die das positiv belegen. Und damit ihr besser versteht, was Kindern Karate bedeutet, schaut euch folgendes Video an. Klein Mayumi war übrigens doppelt so dynamisch. Und das bin ich heute noch. Sayonara!

Polizisten, die Prügelknaben der Nation?

Ein Bericht in der WELT, hat mich zu diesem Artikel animiert. Es geht dabei um gleich fünf Polizisten, die von Teenagern krankenhausreif geprügelt worden sind. Wenn ich solche Meldungen lese schüttele ich meist nur den Kopf. Teils sind sie übertrieben, oder einfach schlecht recherchiert. Aber jede Meldung enthält einen Funken Wahrheit. Vielleicht auch einen (großen) Kern.

Nun muss man sich einerseits die Qualiät von Polizisten anschauen. Und da ist es leider nicht sehr weit her. Entweder wir sprechen von gegelten Schönlingen, die eher auf einen Laufsteg, denn auf die Straße gehören, oder von abgestumpften älteren Herren, die kurz vor der Pensionsgrenze stehen. Das aktive Mittelalter sieht man kaum. Die scheinen sich hinter Aktenbergen zu verstecken.

Was Ausbildung, Belastung und Kenntnisse betrifft, so habe ich einen gewissen Einblick in diesen Bereich. Der Polizist als Allrounder, als Bürger in Uniform. Nur wirklich gut können die Uniformierten nichts. Und genau da liegt das Problem. Ich bin nun bestimmt keine Befürworterin von Gewalt. Aber selbst wenn die BeamtInnen richtig zupackenn könnten, sie dürfen es von Seiten der Politiker aus nicht.

An dieser Stelle sehe ich viele LeserInnen skeptisch die Stirn runzeln. Fakt ist, dass die Grundausbildung eines Polizisten ihn nicht zum Kampfsportler macht. Sofern er keinem Spezialkommando angehört, ist ein Streifenbeamter für einen trainierten Boxer, oder Straßenschläger keine wirkliche Gefahr. Und welcher Polizist wird schon seine Waffe gegen zwei unbewaffnete Minderjährige ziehen?

Die WELT schreibt, dass 13-jährige Mädchen habe einen Beutel mit einer Glasflasche bei sich gehabt und damit wild um sich geschlagen. Immer wieder soll sie die Polizisten damit im Gesicht getroffen haben. Und das ist mir dann doch zu hoch. Da stehen fünf Erwachsene einem Kind gegenüber und können es nicht beruhigen. Sofern die Kleine keine neue Mayumi war sind diese BeamtInnen in meinen Augen Stümper. Schlechte Ausbildung, oder nicht.

Ich brauche unter fünf Sekunden, um einem Angriff erfolgreich zu begegnen. Und fünf Sekunden sind schon lang! In meinen Augen ist diese Meldung ein weiteres Armutszeugnis für die Polizei. Und sie wird sehr schnell unter gewaltbereiten Jugendlichen und Erwachsenen die Runde machen und den Zustand in Zukunft noch verschlimmern. Mit Sicherheit fordere ich keinen Polizeistaat, keine wild um sich schlagenden BeamtInnen. Aber zu ihrer eigenen und damit unser aller Sicherheit, sollte die Polizei etwas gegen leicht zu verprügelnde Einsatzkräfte tun.