Ein bisschen Bi schadet nie!

Dass Lesben keine Heiligen sind, haben bestimmt viele meiner LeserInnen gewusst. Und dass wir durchaus Vorurteile haben, ist ebenfalls ein alter Hut. Der folgende Artikel ist keine Diskriminierung von Bisexuellen. Er soll der Aufklärung dienen und zeigen, welche Probleme es zwischen Bi-Girls und Lesben geben kann.

„Sexuelle Orientierung ist angeboren“, haben Wissenschaftler gesagt. Auch, dass die meisten Menschen vermutlich bisexuell sind. Aber stimmt das so, kann Frau das so einfach sagen? Auffällig für mich ist der Fokus vieler Frauen auf den Penis. Wird hier Sex mit Liebe verwechselt? Braucht Frau die paar Zentimeter Mann? Und wie ist das mit Lesben und Bi-Girls wirklich? Macht hier die Liebe Sinn?

Es gibt durchaus Frauen, die (noch nicht operierte) transsexuelle Partnerinnen haben. Theoretisch funktioniert deren Penis noch. Fraglich nur, ob Frau ihn einsetzen wird. Lesben im klassischen Sinn sind beide nicht. Für mich ist diese Konstellation ebenfalls „Bi.“ Alles gut, wenn es Liebe ist.

Aber ich muss das genauer wissen und rufe meine Mädels zusammen. Hier nun, was sie zu sagen haben.
„Bi-Frauen sind mir suspekt“, lässt mich Rachel wissen.“
„Hast du Angst verlassen zu werden?“, frage ich. „Oder ist es Biphobie?“
Rachel lacht herzlich. „Mich verlassen? Nie!“, sagt sie überzeugt. „Aber wer spielen will, ist bei mir falsch.“
Und damit kommen wir genau zu dem Punkt, den viel Lesben zeigen, spricht man sie auf Bisexuelle an.

Ähnlich äußern sich auch Ilka und Amelie. Beide waren schon intim mit Männern. Die wenigsten Lesben wussten von Beginn an was sie sind.
„Meiner Erfahrung nach wirst du irgendwann einfach verlassen“, erzählt Amelie. „Oder nach einem Dreier mit Mann gefragt.“
Den Punkt kann ich bestätigen, diese Offerten gab es auch bei mir.
„Aber sind Lesben nicht intolerant und diskriminieren andere Frauen, wenn sie keine Bisexuelle als Partnerinnen wollen?“, bohre ich weiter. „Liebe ist doch für alle da.“ „Liebe schon“, erklärt mir Linda. „Aber ich bin kein Versuchsobjekt.“

(Frau Dr.) Karin (Sommer) stößt ins gleiche Horn. Meine beste Freundin war schon immer „straight.“
„Ich kann mit Menschen nichts anfangen, die sich ihrer selbst unsicher sind“, sagt sie mir. „All dieses Rumgemache, dieses taumeln von Bett zu Bett finde ich daneben. Die meisten Bi-Frauen spielen nur und wollen letztlich doch den Penis.“
„Aber ein Strapon täte es doch auch bei denen“, necke ich sie und wackele mit dem Po. „Stell dir das nur bildlich vor, wie du sie hart von hinten …“
Empörte Blicke aus der Runde, wie kannst du nur, Mayumi!

Yukis kleine Hand verschließt meinen Mund und spielerisch beiße ich in ihre Finger.
„Technisch gesehen bin ich auch bisexuell“, erklärt Elfchen und haut mir auf den Po. „Zumindest bin ich es gewesen.“
„Aber heute stehst du auf Straponspiele“, nuschele ich in ihre Hand, was für Gelächter in der Frauenrunde sorgt.
„Ja sicher, Dicke“, kontert Yuki ungerührt. „Du hast meine Stöße doch genossen.“
Vertauschte Rollen. Elfchen spielt das Biest. Humor, wie wir ihn mögen.

„Was mir immer wieder auffällt sind Flirtversuche von sogenannten „Heten“, fährt sie fort. „Mein Gaydar ist nicht so besonders, aber das bekomme ich locker mit. Bevor ich Mayumi kannte, habe ich schon gern und heftig geflirtet. Aber viele Frauen scheuen den letzten Schritt. Küssen geht oft, das machen Mädels.“

„Was meinst du mit sogenannten Heten?“, will ich wissen. Wobei ich die Antwort lange kenne. „Na, die Neugierigen“, erwidert Yuki. „Die, die alle Bi-Frauen in Verruf bringen.“ „Spielerinnen also“, stelle ich trocken fest. „Und dann gibt’s da noch jene Frauchen, die für ihren Kerl Lesben rekrutieren. Oder besser Frauen, die zumindest lesbisch tun.“

„Viele Bi-Girls bedienen ein Klischee, das vor allem Mann falsch versteht“, meint Eva. „Die meisten Kerle nehmen Homosexualität nicht ernst. Nur wenns um den eigenen Hintern geht zicken sie. Aber zwei Frauen im Bett finden sie geil. Einige Bi-Mädels vermitteln Männern ein falsches Bild von Lesben. Und diese billigen Fake-Pornos auch!“
Das kann ich unterschreiben, Lesben haben keinen Sex mit Mann.

„Ich hatte schon einige Freundinnen, die sich selbst als Hete sehen“, fährt Eva fort und zwinkert. „Ich finde es immer schade, wenn Frauen nicht zu ihrer Neigung stehen.“ „Ist klar, du nimmst sie alle mit“, necke ich sie und flüchte, als Eva mich zum Spaß kitzeln will. „Wie waren deine Erfahrungen?“, will ich wissen, als wir wieder friedlich sind. „Durchaus positiv“, sagt Eva. „Du musst nur wissen, dass du ein Risiko eingehst.“

„Du denkst also, dass alle Bi-Frauen sofort mit den nächstbesten Kerl ins Bett hüpfen?“, bohre ich weiter. Eva schnauft und die Runde feixt. Mayumi in Reinkultur, als Advocatus Diaboli. „Nee, so funktioniert Bisexualität nicht“, erklärt Eva weiter. „Vielleicht sollten wir Ela fragen. Die hat ja öfter was mit Mann.“ Michaela, von Eva kurz Ela genannt, ist ihre Freundin, Kumpelin, Geliebte. Die beiden sind seit Jahren eng befreundet, aber so richtig klappt es nie. Phasen innigster Zweisamkeit folgt immer wieder eine Eiszeit. Dann hat Ela was mit Mann.

Aber nicht alle Frauen handeln so. Liebe ist Liebe, die kennt nun mal kein Geschlecht. Und ich kenne einige Fälle von Bi-Girls, die glücklich mit ihrer „Lesbe“ sind. Die Meinung vieler, dass sie beim Anblick des nächstbesten Mannes mit diesem ins Bett hüpfe, ist so falsch wie dumm. So funktioniert die Liebe nicht.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass es durchaus Grenzen in der Liebe gibt. Das hat diese kleine Umfrage deutlich gezeigt. Ich selbst mag jeden Menschen, der mich und mein Leben respektiert. Am liebsten mag ich meine Elfe. Aber das habt ihr bestimmt schon längst gewusst.

 

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Japanisch, lesbisch, Frau

Japanisch, lesbisch, Frau sind die drei Vorurteile, die mich mein Leben lang begleiten. Nun lamentiere ich darüber nicht, ich zeige lediglich die Fakten auf. Wobei ich bewusst die Frage stelle, warum die Welt zum Teil rassistisch ist.

Wenn du als kleines Kind nach Deutschland kommst, siehst du die Welt mit anderen Augen. Deutschland war spannend, neu und regnerisch kalt. Das sind meine ersten Erinnerungen an Düsseldorf im Winter. Und ja, ich liebe diese Stadt. Und dieses Land, das seit 28 Jahren meine Heimat ist.

Rassismus und Vorurteile habe ich erstmalig als kleines Mädchen erlebt. Am eigenen Leib, als mich ein Junge hart zu Boden stieß. Und am Boden liegen auch all die Flüchtlinge, die in den Augen vieler Deutscher „anders“ sind. Eine andere Hautfarbe, ein anderer Glaube macht sie zu Außenseitern.

„Nein, die wollen wir in Deutschland nicht!“ So der Tenor vieler Gruppen, die sich Rassismus auf die Fahnen schrieben. Dumm nur, dass auch diese Menschen Ausländer in jedem anderen Land der Erde sind. Und auf dem Mars sowieso. Da gehören sie hin. Weit weg von uns, von mir. Und das war nun auch schon fast rassistisch.

Hart, aber fair ist meine Devise im Leben. Und das ist untypisch für die Durchschnittsfrau. Aber weder bin ich Durchschnitt noch das Mäuschen von nebenan. In mir steckt eine Kämpferin, die auch an Schienbeine tritt. Oder blutige Nasen verteilt, wie bei dem schubsenden Jungen. Er hat es nie wieder getan.

Die meisten Menschen kennen Vorurteile nur aus Büchern. Ich erlebe Intoleranz fast täglich. Da stehe ich als kleine Japanerin mit Doktortitel und werde von Mann belächelt. Von Mann, der die Entscheidung trifft, ob ich den Job als Beraterin bekomme, um seine Firma zu retten. „Ach Sie können das …?“ Hätte er das mal studiert.

Noch mehr Gegenwind schlägt mir bei den aggressiven Jägern unter der Spezies Mann entgegen, die mich lüstern mustern. Mann träumt vom Dreier mit „zwei Lesben“ und dass nur (s)ein Penis alles dominiert. Dieser nicht vorhandene „Mehrwert“ taugt vielleicht für jene Frauen, die sich nach Begattung sehnen. Dumm nur, dass selbst nicht lesbische Frauen keine reinen Sexobjekte sind. Mannes Fantasie hat sie nur dazu gemacht.

Man(n) hat mich „Schlitzauge“ und „Japs“ genannt. Beliebt ist auch „Kleine.“ Und das sind nur die nicht vulgären Worte. Auf die anderen verzichte ich in diesem Blog. Als Kind zweier Welten kann ich immer beide Seiten sehen. Ich verstehe die Angst der Menschen ebenso, wie ihre Vorurteile. Ja, auch ich bin nicht frei davon.

Als ich von meinem Frieden mit Mann schrieb, war das ehrlich gemeint. Männer sind nicht länger erklärte Feinde für mich. Aber um gleichberechtigte Partner zu werden bedarf es einiger Mühe, die von beiden Seiten kommen muss. Da hilft es wenig, wenn Machos über meinen Blog herfallen, oder dummdreiste Hooligans ein Küsschen wollen. Da erwacht dann sofort das Biest in mir. Mit oft harten Konsequenzen. Aber nicht für mich.

Japanisch, lesbisch, Frau sind  die drei Begriffe, die ich niemals ändern kann. Und warum sollte ich das wollen? Was ich aber möchte ist mehr Toleranz unter den Menschen. Egal ob sie von Deutschen kommt, oder mir, „der kleinen, lesbischen Japanerin.“ Ich gehe dann mal an mir arbeiten. Habt einen schönen Tag!

Wer mehr lesen möchte: Lass Mann mal ran – Gewalt gegen Frauen und Mein Frieden mit Mann