Nur der Wille zählt

Jeder Mensch hat einen Willen und ist in der Lage Entscheidungen zu treffen. Der Wille kommt von wollen sagt man. Und das ist so dumm wie falsch. Richtig ist: der Mensch hat einen Willen, der ihm ein freiheitliches Handeln ermöglicht. Aber nur in Grenzen.

Einen autonomen Willen zu haben heißt nicht, wir könnten machen, was wir wollen. Wäre dem so, wir würden empirischen Faktoren wie Lust und Neigung folgen. In Wirklichkeit machen wir die Gesetze, denen wir gehorchen, selbst.

Nun sehe ich schon meine LeserInnen verständnislos die Köpfe schütteln. Mayumi auf Drogen, oder durchgeknallt? Vielleicht einfach nur abgehoben, kreisend in Outer Space? „Faselei!“, wie Herr Kant zu sagen pflegte. Aber zugegeben hat mich der Philosoph Kant fasziniert.

Vielleicht steht auch die Frage im Raum, ob ich unter die Philosophinnen gegangen bin. Das kann ich klar verneinen. Wenn, so war ich dort immer schon, als kleine Schülerin der reinen Lehren von Ethik und Moral. Vermutlich lege ich sie anders aus, immerhin irrt der Mensch so lang er strebt.

Aber zurück zu den Gesetzen, zur Philosophie und dem (freien) Willen. Wenn wir heute das Wort Gesetz hören, so denken wir automatisch an einen Staat, eine Verfassung, eine Regierung. Vielleicht auch an die Justiz, an Gesetzeshüter. Und so falsch ist das nicht. Wir, die wir unsere eigenen Gesetze erlassen, sind sowohl Regierung als auch Ordnungsmacht.

Wir, die wir nach unseren Gesetzen leben, sind für uns verantwortlich. Aber sind diese Gesetze auch gut? Nein. Allein unser Wille ist es. Kant sagt dazu: „Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.“

Ist nun die Tat, die dem Willen nachfolgt, ebenso edel und gut? Die Almosen, die wir vielleicht einem Bettler geben? Nehmen wir an ein Paar – in diesem Fall Mann und Frau – ist in der Stadt unterwegs. Am Straßenrand sitzt ein Bettler. Die Frau, deren Herz der Anblick rührt, will ihm spontan (guter Wille) einige Münzen geben. Der Mann bemerkt dies und kommt ihr zuvor.

Kritische Beobachter der Szene werden nun sofort den Finger heben. Ich übergehe an dieser Stelle bewusst einige Punkte Kants, die für das Ergebnis nicht wirklich zählen und richte den Fokus auf Mann. Was waren seine Motive, das Geld zu spenden? War es wirklich sein guter Wille?

Die Antwort ist einfach, es ist ein klares NEIN. Es gab weder eine Neigung, noch eine Pflicht, das Geld zu geben. Allein die Hoffnung damit seiner Partnerin zu imponieren, um mehr Zuwendung zu bekommen. Die Handlung ist also nur in eigennütziger Absicht geschehen. Er will etwas erreichen.

Man könnte nun darüber diskutieren, ob er das aus taktischem Kalkül, oder doch aus Liebe tat. Gestehen wir ihm „In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten“, zu. Auch Männer können lieben.

Als ich vor Jahren einen alten Mann vor Schlägern rettete, habe ich das nicht in eigennütziger Absicht getan. Ich habe spontan gehandelt, mit meinem guten Willen. Ich tat es, weil ich es kann, weil ich eine Notlage erkannte und meiner Neigung zu helfen entsprochen habe. Es war mein Wille, mein Gesetz. Und das ist gut.

Nun sind nicht alle unsere „Gesetze“ nach ethischen Maßstäben richtig. Aber im Gegensatz zum Tier, haben wir die Freiheit uns zu entscheiden. Und wir haben einen Verstand. Leider benutzen wir den oft manipulativ. „Ich tue etwas, um etwas zu erhalten.“ Das ist Eigennutz.

Nicht ganz uneigennützig, habe ich nun diesen Beitrag geschrieben. Ich wollte meine LeserInnen erreichen. In guter Absicht versteht sich! Und dieser gute Wille ist alles, was zählt.

Die Kritik der reinen Vernunft

Vernunft und Unvernunft liegen oft dicht beisammen. Fast möchte man sie Engel, oder Teufel nennen. Und auch in meiner Brust wohnen diese beiden munteren Gesellen, denen ich ausnahmsweise die männliche Form zugestehen mag. In mir hat ein Kampf getobt, der keinen Sieger kennt. Vernunft trifft auf Unvernunft. Wers lesen mag, der folge nun meinen Zeilen. Wer nicht, der gehe seiner Wege. Alles gut.

Was aber ist die Vernunft, was will uns dieses Wort nun lehren? Ich zitiere nachfolgend Immanuel Kant, den vielleicht wichtigsten Philosophen. Bei der Vernunft unterschied Kant zwischen der („reinen“) theoretischen und der praktischen Vernunft. Die theoretische Vernunft ist die Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen, sich selbst zu prüfen und unabhängig von der Erfahrung zu den apriorischen Vernunftsideen (Seele, Gott, Welt) zu gelangen.

Die theoretische Vernunft hat mich schon immer begleitet. Ich war mir selbst stets die beste Analytikerin. In dieser Funktion liege ich nun mit mir selbst auf der Couch und höre meinen Gedanken zu. Ich hinterfrage mich und meine Ziele. Nie lange und immer sehr direkt. Zögern, das machen nur die anderen. Ich verharre nur kurz und stürme dann davon.

Meine welt ist bunt, geprägt von Elfen, BWL und einem Regenbogen. Die Welt ist, die Dinge sind. Alles was ist nennen wir Seiendes. Auch die alltäglichen Dinge des Lebens. Die können erfreulich, oder nützlich sein. Ein Geschenk, ein Wagen, auch Auto genannt. All dies nennen wir ist. Zu allem was ist verhalten wir uns. Die Frage ist nur wie und warum. Beantworten kann ich die Frage nicht, das konnte Kant viel besser.

Nur hatte Kant mindestens den 10. Dan in seinem Fach, um einen Vergleich mit Karate zu wagen. In der Philosophie bleibe ich die kleine Schülerin. Mit vielleicht einem lichten Moment. Aber es sind Kants Thesen, die ich meisterlich für mich verwende. Seine Worte helfen. Nur, wo hört Kant auf und wo fängt Mayumi an?

Ich habe nachgedacht und das sehr intensiv. Laut Kant ist der Verstand das zentrale Maß aller Erkenntnis. Jede Erkenntnis besteht aus Sinnlichkeit (Wahrnehmung) und Verstand, denn die Sinnlichkeit ist auf den Verstand angewiesen, und der Verstand auf unsere fünf Sinne.

Und auch mir ging ein Licht auf. Nicht plötzlich, kein „Heureka – Ich hab’s!“ Es war ein wochenlanger Denkprozess. Das Ergebnis lest ihr hier. Ich habe mein Verhalten auf den Leistungsprüfstand geschleppt. Mayumi, die Turbofrau. Immer ungebremst durchs Leben. Aber niemals gegen die Wand. Unfälle bauen nur die anderen. Und die haben keine Rennlizenz.

Nach einigen Durchläufen dann die Analyse. Und die Erkenntnis wog schwer. Um den Verstand drehen sich die erkannten Gegenstände. Und zwar so, wie wir sie sehen und nicht wie sie in Wirklichkeit sind. Mein Blick fiel auf Zahlen. Aber Statistiken und Top-Speed als Lebenszweck? Zahlen, Namen, Artikel – ein Blog. Felgen, Motor, Farbe – ein schneller Wagen.

Anders als bei Kant, hat sich mein Verstand um nichts anderes mehr gedreht. Und das habe ich nun klar und mit Vernunft erkannt. Ich habe eine Erfahrung gemacht und eine Erkenntnis gewonnen. Und ich übe Kritik an meinem Verhalten, das von Zugriffen und Schnelligkeit geprägt worden ist.

Die Vernunft kann nur das an der Natur (an Dingen) erkennen, was sie vorher in sie hineindenkt. Blog und Auto haben sich nicht verändert. Sie waren da. Einfach. Aber meine Gedanken sind zu schnell gekreist. Mein Fazit: Langsamer komme ich auch zum Ziel. Was das bedeutet wird die Zukunft zeigen. Bis dahin lese ich den „Kategorischen Imperativ.“ Und ihr habt mich hoffentlich verstanden. Oder etwa nicht?