Lichter der Großstadt – Teil 7: Eiskalt

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“, hat Colonel John „Hannibal“ Smith vom A-Team einst gesagt. Auch in meinem Leben spielen Pläne eine Rolle. Ohne Konzept geht eine Mayumi nie aus dem Haus. Und doch habe ich mir meine Spontanität erhalten, die Yuki oft wahnsinnig macht. Sie ist der stabile Faktor meines Lebens. Ohne sie flöge ich davon.

Deutsche und JapanerInnen können ohne Visa bis zu drei Monaten in den USA bleiben. Wir haben noch in Deutschland einen Antrag gestellt, um unseren B2-Visa Aufenthalt auf sechs Monate auszudehnen. Nach einem kurzen Gespräch im Konsulat, das reine Formsache ist, haben wir diese Bewilligung auch bekommen.

Nach dieser Zeit sollte man wissen, ob man in einem anderen Land „zu Hause“ ist. Zur Not hätte das sonst Onkel Jiro für uns geregelt. Es ist erstaunlich, welchen Einfluss (japanische) Diplomaten haben.

The Drift

Wolfs Anruf erreicht uns kurz vor Mitternacht. „Hallo Yumi“, sagt er“, tut mir leid zu stören, aber ich habe ein Problem.“ Das Problem heißt (echte) Grippe und hat die halbe Mannschaft dahin gerafft. Zumindest ins Bett, sonst geht’s den Jungs ganz gut. Aber der Abflug nach Schweden, der dieses Jahr früher als gewöhnlich ist, wird ohne Fahrer nicht funktionieren.

„Ich brauche Hilfe! Ohne euch platzt der ganze Plan. Könntet ihr euch vorstellen von Los Angeles direkt nach Schweden zu fliegen? Am besten schon gestern? Die Tickets buche ich natürlich, ihr müsstet sie nur am Schalter holen.“

Meine (kaum vorhandenen) Nackenhaare sträuben sich, wenn andere über mich bestimmen wollen. In diesem Fall höre ich einfach zu. Ich mag Wolf, er ist eine Art Onkel für mich. Und er hat wirklich Ahnung von seinem Job.

Yuki verzieht keine Miene, als ich sie kurz informiere. „Geht’s Papa gut?“, fragt sie nach und Wolf kann sie beruhigen. „Er wird dich noch gesondert informieren.“ Ich vereinbare mit Wolf, dass wir ihn am nächsten Morgen anrufen. Die USA schon nach einem Monat wieder zu verlassen stand auf keinem Plan.

Plan B

„Was denkst du?“, frage ich Yuki und plane schon. „Wir machen die zwei Wochen Schweden, nehmen in Deutschland noch den Fasching mit und fliegen pünktlich zum Dinah Shore zurück nach Los Angeles. Was hältst du davon?“ „Und wann machen wir unsere Arbeit für die Firma? (Gemeint ist die deutsch-japanische Kooperation)“, stellt sie die Gegenfrage.

Das ist leider ein Problem, das wir nur schwer lösen können. Der Auftrag bietet finanzielle Sicherheit, auf die wir nicht verzichten können. Und es gibt Termine, die einzuhalten sind. Unmöglich, wenn wir täglich viele Stunden auf dem Eis driften. Aber wir können Wolf und Yukis Vater unmöglich die kalte Schulter zeigen.

„Wir könnten halbe Tage vereinbaren“, schlage ich vor. „Oder uns abwechseln. Ein Tag fahre ich, den anderen du. Oder ich fliege allein und du bleibst in Los Angeles …“ „Spinnst du?“, fragt Yuki und fasst mir an die Stirn. „Du verhungerst doch ohne mich!“

„Ach was“, wehre ich ab. „Ich vernasche dann die Zimmermädchen.“ „Klassischer Fall von Selbstüberschätzung“, kontert Yuki. „Aber dich Flirtliese lasse ich keinen Moment allein. Sonst gehst du wieder mit wilden Kerlen fremd.“ Sie lacht über diesen Insider Witz. (Nachzulesen HIER, falls jemand den Artikel noch nicht kennt.)

„Wir können morgen weiter reden“, schlage ich vor und marschiere Richtung Bett. „Nix da!“, erwidert Yuki. „Wir klären das hier und jetzt. Sonst kann ich wieder die ganze Nacht nicht schlafen. Halbe Tage sagst du? Das wäre immerhin eine Option. Die Korrespondenz zu übersetzen ist recht einfach und dein Konzept steht doch soweit. Okay, ich bin dabei.“

In the cold light of day

Während ich meine Träume selbst bestimmen kann, macht sich Yuki gern Sorgen, die ihr den Schlaf rauben können. Dann nehme ich sie in den Arm und beruhige sie. Auch das ist Liebe, auch das kann ich gut.

Ally und Heather sind traurig, als wir sie am nächsten Morgen informieren. Aber sie haben Verständnis und freuen sich auf ein Wiedersehen im März. Auch Fan Fan und Feng sagen wir noch Goodbye. „Danke, dass du mir geholfen hast!“, sagt er und verbeugt sich vor mir. Zur Info, ich habe ihm „echtes Karate“ beigebracht.

Der Flug nach Schweden dauert einige Stunden. Yukis Vater bringt warme Kleidung für uns mit. Und, da bin ich mir sicher, eine dicke Entschuldigung, in Form eines Geschenks. Ich kenne meinen Schwiegervater gut. Für meinen Blog heißt das eine Pause von zwei Wochen. Ich glaube kaum, dass wen Eisdriften interessiert.

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“, hat Colonel John „Hannibal“ Smith vom A-Team einst gesagt. Aber den alten Plan habe ich eiskalt abserviert. Nur, um neu zu planen. Stay tuned, the Beast will be back soon!

Wenn dieser Artikel erscheint sind wir entweder noch in Holland oder bereits in Schweden. Im Gegensatz zu den letzten Jahren muss ich auch dort ins Internet. Ihr dürft also gern kommentieren. 

Lichter der Großstadt – Teil 1: Ankunft

Mit „Lichter der Großstadt“ starte ich eine lockere Reihe, die unser Leben in Los Angeles zeigen wird. Locker deshalb, da ich auch über andere Dinge schreibe und immer einen Blick auf Deutschland habe und die Entwicklung dort genau verfolge.

Wir haben schon vor einem Jahr Zeit in Los Angeles verbracht. Darüber gibt es fünf Artikel. Wer sie nicht kennt oder nachlesen mag, dem seien die Links unter diesem Beitrag ans Herz gelegt. Und jetzt viel Spaß beim lesen.

Salopp habe ich vor einem Jahr unsere Einreise in die USA abgehandelt. „Die Einreise ist Routine, wir zeigen die deutschen Pässe vor. Ein kritisch-freundlicher Blick des Beamten. „Welcome to Los Angeles, Welcome to the USA!“ Aber ganz so einfach war es nicht.

Deutsche und JapanerInnen können ohne Visa in die USA reisen. Das klingt gut, ist aber keine Garantie. Wer die Grenze wirklich passieren darf, darüber entscheidet ein Grenzbeamter. Und manchmal verweigert der die Weiterreise. Um Ärger zu vermeiden, hatten wir uns 2015 für ein sogenanntes B2-Visum beworben und es auch bekommen.

Visa – Die Freiheit nehm‘ ich mir

B-Visa ermöglichen den Aufenthalt als Geschäftsreisender (B-1 Business Visitor) oder als Tourist (B-2 Tourist Visa) für bis zu 180 Tage oder für mehrere Einreisen innerhalb eines Jahres. Variierend nach Staatsangehörigkeit, werden diese Visa für bis zu zehn Jahre erteilt.

Natürlich dürfen wir in den USA keiner Tätigkeit nachgehen. Selbst der mit einem warmen Essen entlohnte Auftritt eines Studenten und Hobbymusikers kann zur Verweigerung der Einreise führen. Der Fall hat vor Jahren für Schlagzeilen gesorgt.

Als Millionenschwere Erbin eines gigantischen Finanzimperiums, werde ich natürlich keiner Arbeit nachgehen. Stattdessen werde ich fröhlich Geld ausgeben und fette, amerikanische Autos kaufen! Wo kämen wir da auch sonst hin! Haben alle die Ironie erkannt?

Die Welt (Firmen) retten kann ich auch aus Amerika. Es geht ohnehin meist nur um Zahlen und Konzepte, die ich auch per Mail übermitteln kann. Momentan machen wir das für eine deutsch-japanische Kooperation, die Hilfe bei Sprache und Gepflogenheiten brauchte.

Während Yuki die komplette Korrespondenz erledigt, habe ich der deutschen Chefin „japanisch“ beigebracht. Im Klartext heißt das Regeln und Gesetze zu beachten, die den Geschäftsverkehr verbessern.

Shuttle Service

Tante Makiko holt uns vom Flughafen ab. Sie freut sich uns zu sehen. Müde, aber glücklich, genießen wir ihren Shuttle Service. Los Angeles begrüßt uns mit dem üblichen Stau, der zum Alltag der Millionenstadt gehört. Wir fühlen uns fast heimisch, Stuttgart hat das gleiche Problem.

Natürlich müssen wir Tante Makiko und Onkel Jiro zu Hause besuchen, ein Gästezimmer steht für uns bereit. Sie haben Freunde und Familie eingeladen. „Schaut nur, die beiden Deutschen sind da!“

Natürlich sagen JapanerInnen solche Dinge nicht, aber so habe ich es empfunden. Entsprechend unjapanisch fallen meine Antworten aus, was für ein Schmunzeln bei Elfchen sorgt. Die Gäste sehen das locker, die USA hat sie bereits geprägt. Unhöflich sind bekanntlich nur die anderen. Ich bin immer nett.

Trotz Müdigkeit und Party, ist vor der Flucht ins Bett Gymnastik angesagt. Zwar mault die arme Yuki, aber sie macht tapfer mit. Lebenslanges Training ist wichtig. Wer faul ist, der wird fett. Den Spagat zu machen kommt auch im wahren Leben gut. Im Training ist er unverzichtbar.

„Du hast zugenommen!“, lästert Yuki prompt und zeigt lachend auf meine Oberschenkel, die wirklich etwas kräftiger als ihre sind. Aber das ist nur Spaß und gehört schon fast zu unserer Routine.

„Muskeln, meine Süße“, kommt mein Konter und lässig hebele ich sie aus. „Menno, du bist doof!“, höre ich sofort, als sie auf den Hintern plumpst. Spielerisch beißt sie mir ins Bein. Aber genug ist genug und schon bald versinken wir im Reich der Elfenträume.

Das Geschenk

Neun Stunden Zeitunterschied sind heftig. Es dauert eine gute Woche, um sich zu akklimatisieren. Tante Makiko hat ein Einsehen und weckt uns daher spät. Und nach dem Frühstück, das eigentlich ein Mittagessen ist, überreicht sie uns schmunzelnd einen handgeschriebenen Brief samt Autoschlüssel.

Natürlich stecken unsere Väter und Onkel Jiro dahinter, wer sonst käme auf eine solche Idee. „Liebe Tochter“, lese ich und muss sofort lachen. Nur mein Papa nennt mich so. „Um euch auch im fernen Land mobil zu halten, haben wir euch eine kleine Freude gemacht.“

Yuki schüttelt das hübsche Köpfchen, als sie den Autoschlüssel sieht. „Da hat doch bestimmt auch mein Papa die Hand im Spiel“, sagt sie leise. „Ja“, erwidere ich und deute auf die Unterschriften, wo deutlich sein Name steht. Und der von Wolf!

Ich ahne etwas und flitzeschnell jage ich aus dem Haus. Der 3er BMW ist kein neues Modell, das erkennt mein Kennerauge sofort. Aber er ist rot, was mich sofort strahlen lässt. „Schlüssel!“, verlangt Yuki und nimmt ihn mir aus der Hand. Mein kleines Herz hüpft noch mehr, als ich den sonoren Klang des Auspuffs höre.

„Klappenanlage“, murmele ich und hüpfe auf Yukis Schoß. „Geh weg!“, kreischt sie und versucht mich zu kitzeln. Tante Makiko hält sich die Hand vors Gesicht und lacht. Ich gebe nach, als Elfchen mir einen zweiten Brief vor die Nase hält, den ich brav auf der Beifahrerseite lese. Liebe kann so einfach sein.

Töchter und Väter

„Liebste Töchter“, steht dort nun, „wir wissen, wie sehr ihr Geschwindigkeit liebt. Zwar habt ihr uns noch immer keine Enkel geschenkt, aber vielleicht wird 2017 das dafür entscheidende Jahr. Bis dahin viel Spaß mit dem BMW. Fahrt nicht zu schnell und kommt bald zurück.

Das PS versetzt mich in Entzücken: „Wolf hier“, steht dort. „Der Wagen hat einige PS mehr und ein Sportfahrwerk. Der Motor hat erst 20.000 Meilen auf dem Buckel und ist generalüberholt. Bitte fahrt ihn nicht kaputt.“ Es folgen einige technische Details, auf die ich an dieser Stelle verzichte. Aber sie sind mehr als nett.

„Boah!“, kommt es von Yuki, als sie die Worte hört. „Na warte, wenn ich Papa in die Finger kriege!“ Elfchens Verhältnis zu ihrem Vater ist mindestens so lustig, wie die Wortduelle, die ich mit meinem führe. Noch witziger sind unsere Väter im Duett, die wir locker um den Finger wickeln. Frauen wissen, wie das geht.

Wir verbringen den Tag bei Tante Makiko und melden uns telefonisch bei Heather und Ally an. Die beiden freuen sich auf uns und deutsche Schokolade, die ich gegen jede Regel im Koffer habe. Plus einiger Geschenke. Miss Santa eben. Ho! Ho! Ho!

Am nächsten Tag geht es zuerst in unsere eigene Wohnung. Eigentlich war der Plan sie zu vermieten, aber nun werden wir sie vorerst selbst beziehen. Yuki will mich chauffieren, was ich lächelnd akzeptiere.

„Wehe du rast!“, sage ich und prompt streckt sie mir die Zunge raus. Freeway, wir kommen! Cabrio zu fahren macht wenig Sinn, der Dezember in Los Angeles ist recht kühl. Vermutlich war das der Grund für den normalen BMW, der zumindest genug „Horsepower“ hat. Aber rasen, das machen nur die anderen. Wir kommen auch so ans Ziel.

Das Wetter hält

Aber lieber 19 Grad, als eklige Kälte und Schnee. Und wer braucht schon 40 Grad Hitze im Dezember? Es ist Abend und die Lichter der Großstadt funkeln wie Sterne am Horizont. Los Angeles bei Nacht, hat (s)einen ganz besonderen Reiz.

Die Menschen in Kalifornien leben anders. Leichter und scheinbar oberflächlich. Das mag für viele Bereiche stimmen. Immerhin sitzt die Stadt quasi auf einem Pulverfass. Kleinere Erdbeben sind an der Tagesordnung. Schon lange sagen Experten „The Big One“ voraus.

Permanent daran zu denken bringt niemand weiter. Daher gleiten wir entspannt durch den Verkehr zu dem Appartement-Komplex, in dem unsere Wohnung liegt. Ein Parkplatz ist kein Problem, der ist für uns reserviert.

„Fast wie zu Hause“, sage ich. Nur die neugierige Nachbarin fehlt, die gern die Testwagen bewundert und uns noch immer für Schwestern hält. Wir haben sie nie aufgeklärt. Die Frau ist über Siebzig und hatte nur ihren Mann im Sinn.

Ein älterer Amerikaner nickt uns freundlich zu, als wir das Haus betreten. „Hey there“, höre ich, „are you the new Owners of Apartment B?“ Er heißt Frank und ist eine Art Hausmeister. „Eigentlich ist das nur ein Nebenjob“, gesteht er uns. „Ich war früher Bankdirektor und habe sonst nicht mehr viel zu tun.“

Wir lernen seine Frau Ellie kennen. Beide sind über Siebzig und noch richtig fit. „Wir wohnten früher in Santa Barbara“, erzählt sie uns. „Aber meine Tochter lebt in der Stadt. Sie ist bei der Polizei und hat selbst zwei Töchter.“

Dass die USA und ihre Menschen auch andere Gesichter haben, wird im nächsten Teil beleuchtet. Hier geht es zu den alten Artikeln:

Die Stadt der Engel – Teil 1: Weltreise

Die Stadt der Engel – Teil 2: Atemlos

Die Stadt der Engel – Teil 3: Heilig

Die Stadt der Engel – Teil 4: Rot

Die Stadt der Engel – Teil 5: Elend

Damals in Japan – Teil 1: Heimat

Japan, das ist für viele ein unbekanntes Land. Legenden ranken sich um die sprichwörtliche Freundlichkeit der Menschen, die Natur, die Tempel, um Samurai und brutale Kriege. All das ist Japan und noch so viel mehr. Japan, das ist Heimat für mich.

Ich habe darüber nachgedacht, was ich dieses Jahr berichten soll. Sogar eine Menge Bilder habe ich gemacht, auf denen nicht nur Yuki zu sehen ist. Aber die Motivation detailliert diese spezielle Reise zu beschreiben, ist nie aufgekommen. Daher wird das kein klassischer Reisebericht.

Und doch war ich auf einer Reise, die mich zurück zu meinen Wurzeln führte. Die japanischen Pässe erleichtern die Einreise sehr. Die Müdigkeit verfliegt, als Cousin Ken mich vor Freude fast erdrückt. Aber er darf das und bekommt als Belohnung einen Rippenstoß.

Ich bin in Japan angekommen, meiner Heimat, meinem Land. Eine von 126 Millionen, die, nach Meinung von Europäern, alle gleich aussehen. Fremde gibt es hier kaum. In Japan lebende Chinesen und Koreaner sind Teil der asiatischen Familie und äußerliche Unterschiede kaum vorhanden.

Wir fahren zur Tante. Yuki hat sich in meinen Arm gekuschelt. Meine Mutter sitzt neben mir. Vorn unterhalten sich Ken und mein Vater. Ich höre ihnen nur mit halbem Ohr zu. Ein Gedanke geht mir durch den Kopf, als ich die vielen JapanerInnen sehe. Wenn ich hier auf Dauer lebte, wäre ich dann integriert?

Hintergrund der Frage, ist das FAZ-Interview mit Sawsan Chebli, der stellvertretenden Sprecherin des Bundesaußenministers. Ihre Worte gehen mir selbst in Japan nicht aus dem Kopf. Und das hat einen Grund.

Sawsan Chebli ist die Vorzeige-Muslimin der SPD und sogar in Deutschland geboren. Sie hat die Chancen dieses Landes genutzt, um sich Bildung anzueignen und Karriere zu machen. Mit Hilfe der SPD natürlich, für die alles Fremde bekanntlich zu hofieren ist. Dass sie dabei die eigenen Bürger gern vergisst, wird sich noch bitter rächen.

Als meine Eltern nach Deutschland kamen, haben sie bereits recht gut Deutsch gesprochen. Sie haben es in der Schule und über Brieffreundschaften gelernt. Und in den letzten dreißig Jahren, haben sie die Sprache perfektioniert. Auch sie werden immer Japaner bleiben und sind doch integriert.

Sawsan Cheblis Vater spricht kaum ein Wort Deutsch. Und der Mann lebt seit 46 Jahren hier. Sie findet das nicht weiter schlimm, ist ihr Vater doch nach ihrem Verständnis viel integrierter, als „ein AfD-Funktionär.“ Viele Deutsche werden nun begeistert nicken, geht es doch wieder gegen die „bösen Rechten“. Jenem angeblich so braunen Sumpf, in dem das Land zu versinken droht.

Dumm nur, dass dieses Land fest in der Hand rot-grüner Ideologen ist, die alles dafür tun, um Deutschland langfristig abzuschaffen. Mir will es nicht in meinen Kopf, was Frau Sawsan Chebli verzapft. Und warum deutsche Politiker sie nicht daran hindern. Oder hat niemand den entscheidenden Fehler in ihrer Argumentation gesehen?

Sawsan Cheblis Vater ist nie in Deutschland angekommen! Er hat das nicht gewollt. So wenig, wie eine Masse von Fremden, die Deutschland nur als Zahlmeister sehen. Wer das immer noch nicht glaubt, ist wirklich blind. Den wenigen Syrern, die wirklich nach Deutschland kamen, stehen 70 Prozent allein reisende junge Araber und Afrikaner gegenüber, die aus allen möglichen Ländern stammen.

Darunter gibt es Schmarotzer, die nur auf ein gutes Leben in Deutschland hoffen. Natürlich auch normale Männer, die falschen Versprechungen folgten. Aber die meisten werden weder Arbeit noch Frauen bekommen. Und das ist aufgestauter Sprengstoff pur.

In Japan gibt es kaum Muslime. Wir nehmen keine Flüchtlinge auf. Dafür zahlen wir 1,6 Milliarden Dollar, die sich in 810 Millionen Dollar für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak und 750 Millionen Dollar für Infrastrukturprojekte im Nahen Osten aufschlüsseln. Hilfe die ankommt und besser für alle ist.

„Mama“, sage ich, „glaubst du ich könnte in Japan leben?“ Meine Mutter schaut mich seltsam an. „Du kannst überall leben“, sagt sie rätselhaft und schenkt mir ein Lächeln. „Überall, wo deine Yuki ist.“

Ich bin in Japan angekommen, meiner Heimat, meinem Land. Ich spreche die Sprache, kenne die Sitten und Bräuche. Aber ich bin auch in Deutschland angekommen. Dort sind mir nur die Lederhosen fremd. Und Sauerkraut. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

Japan, das ist für viele ein unbekanntes Land. Legenden ranken sich um die sprichwörtliche Freundlichkeit der Menschen, die Natur, die Tempel, um Samurai und brutale Kriege. All das ist Japan und noch so viel mehr. Japan, bin auch ich.

Ein Hauch von Zen III

Mein Vater hat mich als kleines Mädchen Zen gelehrt. Und natürlich habe ich am Anfang wenig verstanden. Bringt ihr mal einem Wildfang das meditieren bei. „Warum ist das so?“, wollte ich wissen. „Warum soll ich still sitzen und dies oder jenes tun?“

Großmeister Papa hat meist geschmunzelt, wenn ich wieder meine 5 Minuten hatte. Zwar streng was das Training betraf, hat er unglaubliche Geduld bewiesen und mir immer wieder alles ganz genau erklärt. Dabei hat er auch Zitate von Kodo Sawaki benutzt, dem ruppigen, alten Mann des Zen.

Gern hätte ich diesen alten Grantler kennengelernt, aber als ich geboren worden bin, war er schon eine Weile tot. Und vermutlich hätten wir uns herrlich gestritten, oder einfach nur schallend gelacht. Japanischen Humor werden viele nie verstehen.

Bekanntlich habe ich BWL studiert und darin auch meinen Abschluss gemacht. Das war Taktik und hat viel Disziplin erfordert. Aber einen kreativen Freigeist in Tabellen und Zahlen einzuengen, wird oft in einer Katastrophe enden.

Nur mein jahrzehntelanges Training hat mich vor dem Verlust meiner Identität geschützt. Ich kann problemlos zwischen eiskalter Logik und purer Leidenschaft umschalten. Aber wo bleibt da der Hauch von Zen?

Als selbstständige Unternehmensberaterin, Karate Sensei und Testfahrerin für eine Tuning-Firma, bin ich gewohnt die Dinge im Voraus zu planen. So gebe ich oft am Wochenende Firmenseminare, auf die ich aus verständlichen Gründen nicht weiter eingehen will. Allzu private Dinge gehören in keinen Blog.

BWL erfordert Strategien. Und eine Firma zu retten ist oft schwer. Im Karate erstelle ich Pläne für meine Schülerinnen und wie ich ihnen die Kunst vermitteln kann. Nur als Fahrerin folge ich den Plänen anderer und lebe für den Augenblick. Aber was hat das nun mit Zen zu tun?

Menschen suchen nach der Wahrheit und nach ihrem Glück im Augenblick. „Was ist Zen?“, fragen sie, „wie kann ich mit Zen das Glück erreichen?“ Die Gedanken zur Ruhe bringen, ist der erste Schritt. Was interessiert mich jetzt das Mittagessen von übermorgen? „Atme und sitz still!“ Das ist Zen.

Zen bedeutet zu tun, was der Augenblick verlangt, ohne schon an das nächste oder größere Ziel zu denken. Wenn ich fahre, oder unterrichte, ist das Zen für mich. Zen bedeutet, im Augenblick zu leben. Und so ist es gut.

Wer mehr Zen möchte, wird hier fündig:

Ein Hauch von Zen

Ein Hauch von Zen II

Sei du selbst!

Weisheit bezeichnet vorrangig ein tiefgehendes Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft sowie die Fähigkeit, bei Problemen und Herausforderungen die jeweils schlüssigste und sinnvollste Handlungsweise zu identifizieren. (Quelle Wikipedia)

Auf der Suche nach Weisheit leben Menschen als Eremit, oder gehen auf große Pilgerfahrt. Sie fasten vielleicht, oder legen Schweigegelübde ab. Aber macht das alles Sinn? Als kleines Mädchen habe ich viele Fragen gestellt, die meist mein Vater beantwortet hat. „Was ist Zen?“, wollte ich wissen. „Wie lerne ich das? Warum muss ich still sitzen?“

„Magst du lieber nach draußen gehen und laufen?“, hat er mich gefragt. Als ich bejahe, haben wir uns umgezogen und einen Waldlauf gemacht. Danach war es zu spät für die Karate Stunde. Und ich habe eine Lektion gelernt. Am nächsten Tag sind wir nicht gelaufen und haben meditiert und Karate geübt.

Laut meinem Vater soll ich die ausgefallene Stunde um Mitternacht und im Pyjama eigenständig nachgeholt haben. Meine Mutter und er haben mich dann schlafend im Keller-Dojo entdeckt und mich ins Bett gebracht. Damals war ich sechs Jahre alt. Und mein Vater hat eine Lektion gelernt.

Zen-Buddhismus, der japanische Weg, kann nie mit Gewalt vermittelt werden. Zen-Buddhismus zu verstehen, ist eine Lebensaufgabe. Manche scheitern gleich zu Beginn. Bevor jemand Zen studiert, sind Berge einfach Berge und Wasser ist Wasser. Das ist so, daran gibt es nichts zu ändern.

Aber Zen-Schüler sind klug und nach einem ersten Blick in die Wahrheit des Zen sind Berge nicht mehr Berge, und Wasser ist nicht länger Wasser. Plötzlich sind sie durchdrungen von spirituellen Wahrheiten und einem tieferen Sinn. Wird aus einem Schüler ein Meister, der Erleuchtung erreicht, sind Berge wieder Berge, und Wasser ist wieder Wasser. Das ist so, daran gibt es nichts zu ändern.

In vielen Filmen und Darstellungen sieht man scheinbar hochvergeistigte Mönche, die würdevoll durch alte Tempel schreiten. Keine Mine regt sich in ihrem Gesicht, das wie aus Stein gemeißelt wirkt. Und dann taucht der Dalai Lama im Fernsehen auf und räumt lachend mit diesem Unsinn auf.

Zwar ist der Dalai Lama kein Zen-Buddhist, aber er gilt als die Respektperson unter allen Buddhisten. JapanerInnen kennen mehrere Religionen. Japaner vermischen Shintoismus, Buddhismus und christliche Elemente zu einer eigenen Form des Glaubens. Und über allem schwebt augenzwinkernder Humor.

Diesen Humor, habe ich schon als Kind in christlichen Kirchen vermisst. Warum muss ich mich vor einem Gott fürchten? Kein Buddhist fürchtet Buddha. Der hätte über diese Vorstellung schallend gelacht.

Gefragt was es bedeutet Buddha zu sein, hat der japanische Zen-Meister Kodo Sawaki folgendes gesagt. „Buddha zu sein bedeutet ganz du selbst zu sein – hier und jetzt. Ganz in diesem Moment zu sein. Ganz eins zu sein mit dem, was du tust. An diesem Ort ganz eins zu sein mit allen Aspekten deines täglichen Lebens.“

Den meisten Menschen wird das nie gelingen. Eingespannt, in den unerträglichen Lärm der Zivilisation, vergeuden sie ihr wahres Potenzial. Vielleicht streben sie nach Macht, Reichtum und Besitz. Vielleicht danach, wie ihre Idole zu sein. Aber Idole fallen oft vom Sockel, auf den Menschen sie gestellt haben. „Ich will besser sein!“, sagt der Herausforderer zum Weltmeister. Aber der Gegner ist immer das eigene Ich. Das gilt es zu überwinden.

„Ich will wie du sein!“, habe ich als Mädchen zu meinem Vater gesagt und tapfer Karate geübt. Sein Lächeln habe ich damals nicht verstanden und auch seine Worte gaben mir Rätsel auf. „Warum willst du wie ich sein, wenn du du selbst sein kannst“, hat er gesagt.

Warum ich (nicht!) arbeitslos bin

In „Arbeit und Brot“ zu stehen, hat Tradition auf der Welt. Für mich gilt das weniger. Zur Zeit habe ich keinen Job. Zumindest nicht als Unternehmensberaterin. Ich bin zu ehrlich dafür. Vielleicht sollte ich Griechenland retten. Oder mich zur Wahl der Bundeskanzlerin stellen. Mayumi an die Macht und ab dafür.

Was macht nun meine Biestigkeit den ganzen Tag? Eine Menge mehr, als viele glauben. Immerhin bin ich noch immer Testfahrerin für die Tunnig-Schmiede. Daran hat auch der VW-Skandal wenig geändert. Die Hetzjagd auf VW hat ganz andere Hintergründe. Andere Firmen wollen an die Macht.

Wolfs Team hat einen Gasantrieb entwickelt. Aber der Motor spielt nur widerwillig mit. Schon mehrfach blieb der Wagen liegen. Das ist nicht gut und sorgt für Stress im Team. Mich stört das wenig. Bei einer Panne packe ich meinen Laptop aus und schreibe noch ’n Gedicht.

Hauptsächlich leite ich die Geschäfte meines Vaters. Es kann durchaus nervig sein Lieferanten in Japan zu erreichen. Oder den Installateurbetrieb, der den Termin verschlafen hat. Elfchen und ich sind daher schon mehrfach kurzfristig in Düsseldorf gewesen. Mit Dienstwagen versteht sich. Auch so macht Autos testen Spaß.

Wir arbeiten auch weiter am Projekt Familie. Nur anders, als gedacht. Schwangerschaft? Nein danke! Wir wollen das fertige Produkt. Im Klartext heißt das Adoption. Aber es wird kein deutsches Kind. Die Hürden sind dafür zu groß. Wir haben Japan im Sinn. Einzelheiten gibt es nächstes Jahr.

Der Traum vom eigenen Dojo muss noch warten. Aber wir bringen noch immer prominenten Menschen privat Selbstverteidigung bei. Die zahlen besser und das ist gut. Elfchen verdient momentan kräftig mit. Sie übersetzt japanische Texte und Korrespondenz für deutsche Firmen. Den Auftrag haben wir in Japan an Land gezogen.

Zwischendurch sind wir in Sachen LGBT unterwegs. Aber das wird ein eigenes Thema sein. Und wir planen bereits für den USA-Besuch im Dezember. Los Angeles wir kommen. Frau muss da einfach hin. Was wir da machen? Na Urlaub selbstverständlich. Und (nicht!) Ellen treffen. Was habt ihr denn nun gedacht.

Mein Ich von A bis Z

Frau Lila, bei der ich mich an dieser Stelle herzlich für die Anregung bedanke, hat mich auf die Idee zu (m)einem Alphabet gebracht. Noch während  ich ihren Beitrag las, kamen mir eigene Worte in den Sinn. Prompt habe ich sie notiert. Kritisch beäugt von Elfchen, die bekanntlich nie eifersüchtig ist. Außer ich schreibe über Frauen. Dann wird sie (spaßig) wild. Natürlich kann ich nur einige Stichworte bringen. Alles aufzuzählen würde im Buchformat enden.

A: Auto(s), Amazone, Aikido, Alpha. Anime. Ausländer. A-Lizenz. Nicht in der Reihenfolge, aber fast. Schnelle Autos liebe ich, Tests inbegriffen. Als Amazone sehe ich mich. Aikido kann ich. Und als Alpha bin ich geboren. Nur bei Yuki bin ich zahm. Anime muss ich kaum erklären, oder doch? Ich bin selbst „Ausländerin“ und habe die negativen Seiten erlebt. Und doch bin ich nicht jedem gegenüber aufgeschlossen. Der Grund sind Übergriffe junger Männer, die Frauen als Freiwild betrachten. Ich habe vor Jahren die „A-Lizenz“ erworben und kann / darf somit auch Autorennen fahren.

B: Boxen, Biest, Blog. BWL. Buddha. Bücher. Blog. Komische Begriffe? Ja, ich schaue mir auch Boxkämpfe an und analysiere die Technik. Biest ist mein Spitzname, der auch auf meinem Blog zu finden ist. Und BWL hilft mir durchs Leben als Unternehmensberaterin. Buddhistin bin ich. Bücher liebe ich. Meinen Blog schreibe ich.

C: China. Ein interessantes Land, aus dem Japan(erInnen) viel übernommen hat. Und 80 % der Kanji-Zeichen sind noch immer gleich. Also fast, so ungefähr. Chaos. Nie in meinem Kopf. Ich ordne auch das, der anderen. Chauvinismus, ist mir zuwider. Computer, die für mich Mittel zum Zweck geworden sind. Sie sind meine Sprache, mein Archiv.

D: Deutschland, Dan, Dummheit. Gegen letzere stehe ich immer auf. Deutschland ist Heimat für mich. Hier leben meine Freunde. Und doch bleibe ich Japanerin und habe wieder einen japanischen Pass. Am nächsten Dan (Schwarzer Gürtel) arbeite ich. Doris Lessing, deren Bücher eine Offenbarung für mich sind. Düsseldorf, die Stadt in der ich aufgewachsen bin.

E: Elfe. Elfchen kommt bei mir an erster Stelle. Sie ist mein Leben, ich liebe sie. Eltern, denen ich alles verdanke. Englisch. Kann ich recht gut. Ein Besuch in den USA ist geplant. Los Angeles, wir kommen! Emotionen. Kann ich perfekt unterdrücken. Empathie, habe ich.

F: Filme. (M)Eine große Leidenschaft. Von Anime zu Horror, Komödien, Martial Arts, Liebe und Fantasy, ist alles dabei. Faust, die ich zu nutzen weiß. Und ein wirklich „cooles“ Buch von Goethe. Frauen. Selbsterklärend. Feminismus, ist Teil meines Lebens. Ich vertrete ihn auf meine Art. Immer kämpferisch, aber auch sanft. (M)Ein Lächeln besiegt jeden Gegner.

G: Gedichte. Gerechtigkeit. Gegensätze. Schon als Teenager, habe ich Haiku geschrieben. Und Gerechtigkeit liegt mir im Blut. Gegensätze sind so eine Sache. Yuki komplettiert mich und ich sie. Wir sind eins und kein Gegensatz. GT-R / Godzilla. Das beste jemals in Japan gebaute Auto, dessen Spitzname Godzilla ist.

H: Heimat, die in zwei Ländern ist. Haiku. Hiragana. Haiku schrieb ich auch in Hiragana. Homophobie. Dagegen stehe ich auf und kämpfe. Damit alle Menschen Schwestern und Brüder sind. Horror(filme), die ich oft zum Schreien komisch finde. Vor allem, wenn Elfchen dabei vor Schreck kreischt. Humor, von dem es heißt, dass ich keinen habe. Was denkt ihr, ist das wirklich so?

I: Ideale. Die habe ich und lebe sie auch. Vielleicht schreibe ich noch einen gesonderten Artikel dazu. Inari, eine japanische Göttin, die gern als weiße Füchsin dargestellt wird. Internet, das ich für ein faszinierendes Medium halte. Aber auch die Gefahren erkenne. Ironie, die ich gern und oft benutze. Gepaart mit Sarkasmus und Spott.

J: Japan. Dort liegen meine Wurzeln. Aber ich stehe Japan auch kritisch gegenüber. (M)Ein Grund dort nicht ständig zu leben. Jiu-Jitsu, Judo. Kann ich ansatzweise. Mein Sport ist das nicht. Jugend. Ich mag und unterrichte gern Kinder.

K: Ken, mein Cousin, Freund und „großer Bruder.“ Karate, meine Leidenschaft. Karin, die seit vielen Jahren beste Freundin und Wegbegleiterin ist. Kämpferin, die ich seit Kindertagen bin. Kanji-Zeichen, die ich mag. Katakana. Eine weitere japanische Schrift Kung Fu (Wushu), dem ich aufgeschlossen gegenüber stehe. Krav Maga. Selbstverteidigung, die einfach und genial zu nutzen ist. Kunst, die mich stets zu verzaubern weiß. Katana. Ein japanisches Schwert zu führen hat Tradition in meiner Familie. Kinder, die ich leider noch nicht habe.

L: Liebe, die mich vor Jahren schon gefunden hat. Sie heißt Yuki und ist meine Frau. Lesbisch. Literatur. Leben. LGBT. Lesbisch bin ich und ich lese auch gern lesbische Literatur. In der LGBT-Szene bin ich aktiv. Meist im Freundeskreis. Direkte Hilfe kommt besser an, als Zeit bei Events zu vergeuden. Logik, die ich gern und oft anwende. Zum Entsetzen von Mann.

M: Mutter, von der ich wenig schreibe und die ich doch über alles liebe. Motorsport, der mich immer wieder fasziniert. Vor allem, wenn ich ich selbst am Steuer sitze. Männer, auf die ich nicht immer gut zu sprechen bin. Musik, die meine Seele klingen lässt. Egal, ob Metal, Balladen, Trance, Musik bestimmt immer meinen Tag. Miyamoto Musashi, Japans größter Samurai. Manga, die mich oft schmunzeln lassen. Das ist typisch Japan und purer Spaß. Europäer / Amerikaner haben oft Probleme mit dieser Kunst. Der Japaner sieht das anders. „Es sind doch nur Comics“, heißt es oft. Das echte Leben ist anders. Matriarchat. Eine Form der Gesellschaft, die leider vergangen ist.

N: Natalie. Meine viel zu früh verstorbene beste Freundin, der ich den Namen „Nandalya“ gewidmet habe. Neugier, die zu mir gehört. Ninja. Siehe Shinobi.

O: Okinawa, die Heimat von Karate. O-Sensei (Ueshiba Morihei), ist der Begründer des mordernen Aikido.

P: Philosophie, mit der ich mich oft beschäftigt habe. Herrn Kant fand ich genial. Politik, die ich für schmutzig und verlogen halte. Patriarchat, das ich ablehne und im Einzelfall bekämpfe. PS. Wer mich kennt weiß, dass ich gern schnelle Autos fahre. Auch beruflich. Viel PS macht für mich Sinn. Aber dabei geht es nicht immer um Rekorde. Zur Zeit entwickeln wir einen Hybrid und einen Gasantrieb.

Q: Querdenkerin. Ich denke quer und bin queer. Mein Weg, den ich mit Yuki gehe.

R: Reisen, sind Teil meines Seins. Andere Menschen, Kulturen, Sprachen, sind hochinteressant für mich. Rechtsradikal(e). Es ist ein großer Unterschied national eingestellt zu sein, oder dumpfe Parolen zu gröhlen. Regenbogen. Er ist mein Symbol und meine Flagge. Und die zeige ich stolz. Rot, ist meine Farbe. Sie ist so feurig wie ich.

S: Sensei (Lehrer, Meister). Shaolin-Mönche, deren Leben faszinierend ist. Samurai. Ich entstamme einer langen Linie von Samurai, deren Stammbaum bis ins Mittelalter reicht. Shinobi. Ein Zweig meiner Familie sind Shinobi, die wir auch als Ninja kennen. Sport, ohne den ich niemals leben kann. Stuttgart. Dort leb(t)e ich mit Elfchen. Selbstbewusstsein. Habe ich. Selbstdisziplin, ist meine große Stärke.

T: Tai Chi, Tradition, Tanka, Texte. Tuning. Die weichen Formen des Tai Chi, habe ich vor vielen Jahren gelernt. Tradition ist gut. Aber darin zu verharren bringt den Tod. Ganz offen kritisiere ich Japan dafür, das in seinen Traditionen erstarrt. Tanka und Texte sind meine Form mich mitzuteilen. Immer auf meine eigene Art. Ich mag getunte Autos. Sie sind und bleiben Teil meines Lebens.

U: Universität. Die Zeit dort habe ich genossen. USA, die ich bald besuchen werde. Unbeugsam, ist mein Wille. Ungerechtigkeit dulde ich nicht. Ich gehe wo immer ich kann dagegen an.

V: Vater, der mich auf den Weg gebracht hat und den ich von Herzen liebe. Er mag ein liebenswerter Patriarch sein. Aber meine Mama ist „der Chef“ im Haus. Sie hat sogar mich im Griff. Geformt mit sanfter Frauenhand.

W: Weg, Wing Chun. Auf meinem Weg konnten mir nur wenige Menschen folgen. Wing Chun hilft mir dabei mich selbst zu finden. Wendo, der Weg der Frauen und auch eine gute Art der Selbstverteidigung. Wildfang. Das war und bin ich.

X: Xavier Naidoo, den ich für einen guten Sänger halte. X-Chromosom. Habe ich und bin stolz darauf. Xena, die Kriegerprinzessin. Eine alte Serie, die ich vor Jahren entdeckte. In gewisser Weise bin ich eine Xena.

Y: Yuki, meine Elfe. Yokai / Yuki-onna, ist eine Yokai und die Schneefrau der japanischen Legenden. Eine faszinierende Figur für mich, die ich gern in meinen Texten sehe. Yokai sind japanische Geister / Dämonen, die gern allerlei Schabernack mit Menschen treiben.

Z: Unser Auto, ein roter 370 Z (Nissan). Zen(Buddhismus), den mein Vater mir vermittelt hat. Zatoichi. Eine japanische Kultserie, um einen blinden Masseur. Seine Schwertkunst ist tödlich. Die alten Filme mit Shintarô Katsu sind Legende und noch immer sehenswert. Wobei viel in der Übersetzung verloren geht. Ich empfehle das japanische Original.

Abenteuer Japan – Teil 6: Okinawa-Te

Japan ist ein Land voller Mythen und Legenden. Durch Jahrhunderte der Abschottung, hat sich eine einzigartige Kultur entwickelt. Der Rest der Welt steht Japan gespalten gegenüber. Anime und Manga lieben alle. Auch, das aus Japan stammende Karate. An dieser Stelle dann ein harter Schnitt, denn die Wurzeln des Karate liegen anderswo.

Wir sind zuück aus Shanghai. Wieder ist Fukuoka nur Zwischenstation. Die Reise geht weiter nach Okinawa. Dem Ort, an dem man wirklich Karate erfunden hat. Der Legende nach haben Shaolin-Mönche Kung Fu nach Okinawa gebracht. Dort soll sich ihre Kunst mit einheimischen Praktiken vermischt haben und die Urform des Karate war geboren, das „Te.“

In vielen (amerikanischen) Filmen, wird Karate brutal und als Angriff an die Zuschauer gebracht. Hollywood lässt grüßen. Mit dem wahren Geist, hat das wenig zu tun. Und der weht noch immer in Okinawa. Zwei Stunden dauert der Flug von Fukuoka. Mit dem Mietwagen geht es weiter ins Hotel. Davor lagen Mails und Telefonate, die unseren Besuch erst möglich machten.

Aber was unterscheidet Karate in Okinawa vom Rest der Welt? Ist es wirklich so viel anders? Mein Vater ist Meister im Gōjū-Ryū-Karate, dem harten und weichen Stil. Dessen Ursprünge liegen klar im „Weißen Kranich Kung Fu.“ Wir kennen die klebenden Hände, die auch im Wing Chun zun Alltag gehören. Und wir nutzen, Hebel, Würfe und Bodenkampf, wie im Aikijujutsu.

Der elementare Unterschied von Okinawa-Te (Okinawa-Karate) zu anderen Stilen sind die durchgehend defensiven Techniken. Das klingt zwar gut, stellt aber so manchen Schüler vor Probleme. Weniger wegen der Schierigkeit, aber diese Art des Karate ist für Männer gemacht.

Es wäre wenig klug für eine Frau, den harten Okinawa-Stil zu lernen. Die Philosophie von Block und Konter, ist nicht meine Welt. Ich kann als Frau keinen Schlag eines Muskel-Hünen (hart!) blocken und auf Unversehrtheit meiner Unterarme hoffen. Aber ich kann seine Kraft gegen ihn nutzen. Weich und effektiv.

Ein Dojo in Okinawa ist das „Heim“ des Meisters. Er ist hier Vater, Lehrer und ihm gebührt Respekt. Als wir das Dojo betreten und mit Herrn Tetsuhiro (Name geändert) sprechen, überreiche ich einen kleinen Obulus im Briefumschlag, den er natürlich erst viel später öffnet. Es geht um Respekt, der Meister will kein Geld.

Ich kenne mich und meinen rebellischen Geist. Daher habe ich bewusst nach einem Sensei gesucht, der die alte Okinawa-Schule lehrt. Davon, Schienbeine, Unterarme, Genitalien abzuhärten, hält der Sensei wenig. Noch weniger von Bruchtests. Wie mein Vater ist er der Meinung, ein Brett schlage nicht zurück. Was ich unterschreibe.

Wer nun glaubt ich könne keine Ziegel, oder Bretter zerschlagen, der irrt. Aber muss ich es auch machen? Herr Tetsuhiro lehrt einen Stil, der vor einigen hundert Jahren Standard war. Wozu hohe Tritte, fragt er in die Runde. Der Stand werde davon instabil. Angesprochen sind dabei westliche Gäste, die aus dem Kickboxen und Sport-Karate kommen.

Die Hälfte seiner Schüler sind Europäer und Amerikaner. Und alle sind auf der Suche, wie ein lustiger Mexikaner später berichtet. Der Mann ist weit über 60 und seit 40 Jahren in Karate aktiv. Aber in Okinawa war er noch nie. Er habe hier mehr über sich und den Sport gelernt, sagt er, als in all den vergangenen Jahren.

Yuki ist skeptisch. Sie hat Videos vom Okinawa-Karate gesehen und wie hart Mann dort trainiert. Ich kann sie beruhigen. In diesem Dojo zumindest wird nicht geprügelt. Herr Tetsuhiro hat nur eine Frau als Schülerin. Und das ist seine eigene Tochter Hiromi. Sie soll und wird das Dojo später leiten. Und sie ist wirklich gut!

Mit Interesse schaut der Sensei auf meinen 3. Dan. Er will eine Kata von uns sehen und nickt am Ende. Wir sind willkommen. Let the Games begin! Wir trainieren überwiegend mit Hiromi, die sich gern um uns kümmert. Aber sie hat Respekt vor mir, der immer größer wird.

Der Grund ist die rasende Geschwindigkeit, mit der ich die Techniken adaptiere. Vieles kenne ich. Bei einigen Sachen bin ich skeptisch. Gegen westliche Boxer werden die nicht funktionieren. Da ist mein Stil dann effektiver. Aber ich bin hier nur Gast.

Wir bleiben 5 Tage und haben Spaß. Kein Stress, kein böses Wort. Nur Gleichgesinnte, die alle freundlich sind. Am letzten Tag will der Sensei uns testen. Er bittet seinen Sempai (ältester Schüler) das Kumite zu übernehmen. Unter den kritischen Blicken des Sensei fangen wir an. Werden Frauenhände wieder siegen?

Ich kann diesen Kampf nicht gewinnen, wenn ich nach den Regeln meines Kontrahenten gehe. Der wartet ab und überlässt mir den ersten Schlag. Aber ich bin lange genug im Karate, um alle Tricks zu kennen. Auch, dass man ein Duell mental gewinnen kann. Also mache ich so lange nichts, bis der Sensei nickt. „Gut“, sagt er. „Du hast verstanden.“

Was er meinte war, dass Karate niemals als Angriff genutzt werden soll. Er erlaubt aber doch, dass ich meine Kunst zeige. Mit Yuki. Elfchen schnauft gespielt empört und flüstert „Immer ich.“ Aber sie spielt mit und darf mich auch zu Boden werfen. Und dabei hat sie Spaß.

Spaß hatte ich auch, als ich diese Artikel schrieb. Vielleicht sind sie anders ausgefallen, als manche LeserInnen erwartet hatten. Aber es ist schwierig Japans Kultur in reinen Worten zu vermitteln. Wer mehr erleben will, der sollte Land und Leute vor Ort kennenlenen. Japan, ist immer eine Reise wert.

Abenteuer Japan – Teil 1: Der Tokio Deal

Wenn Menschen Urlaub machen, packen sie gern Sonnencreme und Bikinis ein. Wir reisen anders. In Tokio selbst gibt es keinen Strand. Bei der Tante sind wir nur 2 Tage, dann geht die Reise weiter. Per Flugzeug versteht sich. Mit dem Auto sind 1.000 Kilometer viel zu weit.

Der Grund? Neugier, aber auch Business. Ich vertrete meinen Vater bei einer Transaktion, die uns ein gutes Einkommen bringt. Überhaupt hat er mir Vollmacht für seine Geschäfte übertragen. „Ich ziehe mich davon zurück“, erklärt er mir. „Du wirst Oberhaupt der Familie werden. Ich nur ein Sensei und so ist es gut.“

Schon allein dieser Satz sorgt für einen Lachanfall bei mir. Humor made by Papa. Selbst meine Mama schmunzelt. Meine Eltern werden länger in Japan bleiben. Sogar an eine völlige Rückkehr wird gedacht. Aber Deutschland ohne meinen Vater? Das kann nur daneben sein.

Von den Flügen gibt es wenig zu berichten. Stewards und Stewardessen waren vor mir sicher. Ich war so brav, wie Yuki neben mir. Tokio ist toll, es ist mein zweiter Besuch in dieser Stadt. Quirliges Leben und JapanerInnen satt. Wenige Touristen stechen aus der Menge hervor. Wir tauchen ein und schwimmen mit. Kann man als Japanerin eine Fremde sein?

Ein Taxi bringt uns zur Nobeladresse. Nun wird es ernst. Leben, wie ich es mag. Yuki ist aufgeregt. Sie spielt die Assistentin. Chic im sündhaft teuren Kleid, der Hosenanzug steht mir besser. Ein älterer Herr erwartet uns. Umgeben von einem halben Dutzend Typen. Anwälte, Schleimer, ein Bodyguard.

Mein Vater hat mich vor Herrn Haruno (Name geändert) gewarnt. „Er ist ein Schlitzohr, das zu handeln versteht“, hat er gesagt. Aber (ver)handeln kann ich gut, das liegt in meinen Genen. Und ich kann sehr überzeugend sein.

Förmlichkeiten und Etikette bestimmen das Treffen. Es wird Tee gereicht und vom Wetter gesprochen. Nur ernst nimmt mich der alte Knabe nicht. Sein Fehler. Malen nach Zahlen kann ich besser. Sein Angebot ist versuchter Raub. Prompt erhöhe ich die Summe.

Ich schockiere die Runde mit der Zahl, eisiges Schweigen folgt als Antwort darauf. Verwirrt blättern die Männer in den Papieren. Das Biest hat (k)eine falsche Zahl genannt. Wir feilschen wie Pferdehändler auf dem Markt im Mittelalter. Es macht mir Spaß die Typen vorzuführen.

Yuki ist sehr still, sie fühlt sich unwohl in der Runde. Ich trumpfe auf und werde immer besser. Das ist mein Spiel, BWL gemixt mit Persönlichkeit. Aber der graue Mann will eigensinnig bleiben. Kalte Augen mustern mich. Eine Spur von Wut kann ich in darin lesen. Er beherrscht sich, aber auch das kann ich gut.

„Vielleicht rede ich doch besser mit Ihrem Vater“, sagt er und fixiert mich dabei. „Von Mann zu Mann spricht es sich viel besser.“ Die Beleidigung prallt an mir ab, ich schenke dem Rüpel ein zuckersüßes Lächeln. Das verwirrt jeden Mann.

„Ich werde ihm berichten“, sage ich und stehe auf. „Genießen Sie den Tag.“ Meine Worte sitzen, die Botschaft ist angekommen. Ich nicke Yuki zu und langsam gehen wir zur Tür. Taktik, wie ich sie liebe. Auf halbem weg erreicht mich eine Stimme. „So warten Sie doch!“, holen mich Worte zurück. Ein Anwalt wedelt mit Papieren. „Wir akzeptieren!“

Ich unterzeichne. Alles ist gut, der Deal ein Erfolg. „Sie sind die Tochter Ihres Vaters“, gibt mir Herr Haruno zum Abschied mit. Und das bin ich, sonnenklar. Kopfschüttelnd und lachend hängt Yuki in meinem Arm, als wir wieder durch die Straßen gehen. „Wie hast du das nur gemacht?“, will sie wissen. „Ich dachte die fressen uns jeden Moment!“

„Na ja“, erwidere ich. „Niemand, der weiter Geschäfte machen will, mag Ärger mit meinem Papa haben. Auch ein Herr Haruno nicht. Das habe ich ihm zu verstehen gegeben. Er hätte viel Geld verloren, wenn er heute nicht unterzeichnet hätte. Das wusste er und doch hat er den Preis zu drücken versucht.“

„Ich bin dafür, dass du mich jetzt drückst“, sagt Elfchen frech und gibt mir einen Kuss. „Damit unser Urlaub ein echtes Abenteuer wird.“ Und genau das habe ich gemacht.

Der Rest des Artikels ist mein Posting vom Montag. Auf Details verzichte ich. Im zweiten Teil geht es ans Meer. Oben ohne versteht sich … im Cabriolet. Was habt ihr denn nun gedacht?

Coming Out, was dann?

Düsseldorf, vor einigen Jahren. Yvonne ist süße 21. Zwar jung, aber nicht naiv. Sie ist neu in unserer Runde. Unsicher und introvertiert. Yvonne studiert Sport in Köln. Und Sport sieht man ihr deutlich an. Sie ist ein Kraftpaket und legt im Judo selbst ihren großen Bruder flach.

Yvonne ist lesbisch, das war sie immer schon. „Schon als ich ganz jung war, habe ich nur Mädchen angestarrt“, erzählt sie leise. Yvonne spricht überraschend sanft. Ihre Stimme passt kaum zu ihrer Figur. Burschikoser Auftritt, kurze Haare. Fast die Klischee-Lesbe bei der die Sensibilität regiert.

„Ich wusste immer, dass ich anders bin“, lässt sie uns wissen. „Egal wo ich war, Männer waren stets nur gute Freunde. Kumpel, mit denen ich Spaß haben konnte. Aber in Mädchen war ich immer verliebt.“ Sie zögert kurz und schüttelt dann den Kopf. „Verliebt in Anführungsstrichen“, sagt sie dann. „Als Kind weißt du nichts davon.“

„Mit 15 habe ich mit Martina geknutscht. Wir waren immer zusammen und irgendwann ist es passiert. Aber 15 Jahre alte Mädchen küssen sich nicht! Zumindest nach Meinung unserer Eltern …“ Yvonne schluckt, ihre Augen füllen sich mit Tränen. „Mein Vater hat mich grün und blau geschlagen.“

Spontan greife ich nach Yvonnes Hand, die viel größer ist als meine. Aber ihr Ego ist noch klein und verletzlich. So, wie der ganze Mensch. „Erzähl weiter, wenn du magst“, ermuntere ich sie. „Hier bist du sicher. Hier gibt es keinen Schläger.“

„Thomas, mein Bruder hat mich gerettet“, sagt sie und die Tränen fließen. „Er ist 7 Jahre älter und hat damals schon viele Jahre geboxt. Als er nach Hause kam und sah was passierte, hat er meinen Vater vor die Tür gesetzt, die Polizei gerufen und sich um mich gekümmert. Ohne ihn wäre ich tot.“

„Warum hat dein Vater dich geschlagen?“, will ich wissen. „Wegen diesem einen Kuss?“
Yvonne schüttelt den Kopf. „Ich … ich habe ihm gesagt, dass ich Martina liebe und niemals einen Mann. Das werde er mir austreiben, hat er immer wieder geschrien. Die körperlichen Schmerzen waren eine Sache, schlimmer waren die der Seele. Was empfinden Kinder, wenn sie der geliebte Vater derart schlägt?“

Yvonnes ganzer Körper zittert, sie trinkt einen Schluck. Die Erinnerung ist wieder frisch. „Ich habe das alles damals nicht verstanden. Warum alles so kam. Woher weiß ein Kind, was lesbisch ist? Warum muss es falsch sein eine andere Frau zu lieben?“ „Ist es nicht, Süße“, erwidere ich. „Lesbisch zu sein, ist keine Wahl. Wir werden so geboren. Und das ist gut.“

Yvonne nickt. Zögernd zuerst, dann vehement.
„Ja!“, sagt sie mit fester Stimme. „Lesbisch zu sein ist gut. Das sah auch mein Bruder so, der schon immer mein Beschützer war. Er hat unserem Vater angedroht ihm jeden Finger einzeln zu brechen, wenn er noch einmal die Hand gegen mich hebt. Mein Vater zog aus. Ich habe ihn nie wiedergesehen.“
Schicksale, die das Leben schreibt.

Während meine Mädels vor Entsetzen schweigen, habe ich leise gelacht. Nicht wegen der Gewalt. Aber in Thomas erkenne ich einen Geistesbruder. Einige Tage später lerne ich ihn kennen. Er kommt mit seinem Mann. Die beiden sind lieb. Thomas ein Riese mit goldenem Herz. „Aber Judo kann Yvonne besser“, sagt er stolz. „Ich wollte, dass sie es lernt, um sich zu wehren.“

Ich beginne zu verstehen, was den Vater angetrieben haben mag. Aber Gewalt gegen Frauen, ist keine Option für Mann. Schon damals weiß ich welches große Glück ich habe, mit toleranten Eltern gesegnet zu sein. Yvonnes Geschichte hat mich berührt. Und doch zeigt sie mir, wie mutig sie bereits als Mädchen gewesen ist.

Ebenso mutig erweist sich Martina, die immer zu ihrer Freundin hält. Auch sie lerne ich kennen, die Frauen sind seit Jahren ein Liebespaar. Heimlich bisher, damit Martinas Eltern nichts erfahren. Als sie endlich ihr Schweigen bricht und laut „Ich liebe dich, Yvonne“, sagt, geschieht das auf der Geburtstagsfeier ihrer Mutter. Deren Tränen fließen. Danach ist alles klar.

„Coming Out, was dann?“, ist die Frage, die sich viele Homosexuelle stellen. DIE Antwort darauf gibt es noch nicht. Aber vielleicht eine wachsende Akzeptanz. Das zumindest wünsche ich mir.