Abenteuer Japan – Teil 4: Die Shinobi

Von Kamakura nach Kameyama sind es gut 4 Autostunden. Theoretisch, also fast. Mit viel Verkehr und Staus wird aus der Fahrt ein Abenteuer. Und Japans Sonne brennt. Wir tragen Baseball-Kappen, kurze Hosen und ärmellose Shirts. Yuki verteilt Sonnencreme auf mir und hat sichtlich Spaß, als ich das Näschen rümpfe. Dabei riecht sie gut. Aber Yuki noch besser.

Cousin Naoki hat Großvater Satoshi von seinem Besuch in Deutschland berichtet. Auch, dass ich mit Frau lebe und lesbisch bin. Der alte Mann ist durchaus konservativ. Aber als er mir schrieb formulierte er auf seine Weise, dass er Yuki gern kennenlernen mag. Und genau das ist geschehen.

Elfchen ist total aufgeregt, als wir am Ziel der Reise sind. Ist die Frisur okay, soll sie eine Jacke tragen? Um sie zu beruhigen fahren wir zuerst ins Hotel und duschen. Danach geht es uns beiden besser. Schnell noch das Geschenk in der Kühlbox überprüft, Elfchen hat wirklich Schokolade eingepackt.

Ich rufe den Großvater an, der sich auch prompt meldet. „Ja kommt nur“, sagt er, „ich freue mich schon.“ Selbst ich bin gespannt, wie Satoshi reagieren wird, wenn er Yuki gegenüber steht. Mit Akzeptanz ist es in Japan eine andere Sache. Gab es nie lesbische Shinobi?

Die Begrüßung ist von Respekt geprägt. Vor uns steht ein Urgestein japanischer Geschichte. Dunkle Augen mustern uns wissend. Im Haus erwartet uns Gebäck und frischer Tee. Satoshi freut sich über die mitgebrachte Schokolade. Als Yuki sie überreicht huscht ein Lächeln über sein Gesicht.

„Schön wie die Yuki-onna“ (legendäre japanische Schneefrau / Schneekönigin), sagt er leise. „Aber weniger kalt, das kann ich sehen.“ Japans Sonne geht auf und Elfchen strahlt. Ich übersetze den Satz für meine LeserInnen: Satoshi hat Yuki auf seine Weise als Mitglied der Familie akzeptiert.

Das war keineswegs selbstverständlich. Yukis Großeltern ignorieren mich als ihre Partnerin. Wenn wir sie besuchen, werde ich als (beste) Freundin behandelt. „Naoki hat den Besuch in Deutschland genossen“, sagt der alte Mann nach einer Weile. „Er ist immer sportlich unterwegs und mag es, wenn er das leben kann.“

„Sport finde ich wichtig“, erwidere ich und erkenne die Kritik. „Aber es gibt zu viele, die sich Weltmeister nennen.“ Der Großvater nickt leicht und gießt mehr Tee in unsere Tassen. „Ich las einst ein christliches Zitat“, fährt er fort. „Der größte Trick des Teufels sei es, die Menschen glauben zu lassen das es keinen Teufel gäbe. Das hat er gut gemacht.“

Satoshis dunkle Augen liegen lange auf mir. Locker halte ich seinen Blicken stand. Plötzlich klingelt es und Satoshi bittet mich die Tür zu öffnen. „Ich bin in meinem Alter nicht mehr so schnell“, lässt er mich augenzwinkernd wissen. „Familienbesuch vermutlich, ich habe sie eingeladen.“

Und wirklich steht Naoki vor der Tür. Begleitet wird er von einem halben Dutzend Frauen und Männer, die seine Familie sind. „Meine Eltern“, stellt er zwei sympathische Japaner vor. „Meine Frau, meine Schwester, meine beiden Brüder.“ Es werden neugierige Blicke gewechselt. Die Frauen nehmen sofort Yuki in Beschlag. Ich bleibe bei den Männern.

Die Atmosphäre ist entspannt, alle wissen über uns Bescheid. Aber es gibt keine Kritik, kein böses Wort. Wir sprechen über Kinder und wie wichtig diese sind. „Ich sehe hier keine Kinder“, sagt Satoshi plötzlich  schaut uns durchdringend an. Naoki schnauft hörbar und sein Vater lacht.

„Wisst ihr“, sagt mein neuer Cousin, „Großvater zieht uns ständig damit auf. „Besucht ihn nur öfter und ihr werdet auch seine Opfer sein.“ Dann grinst er frech zu Yuki und mir. „Sagt mal, wann bekommt ihr zwei eigentlich Kinder?“ Prompt kassiert er dafür spielerische Schläge von den Frauen, die sich bei uns entschuldigen.

Lachend flüchtet er zu seinen Brüdern, die vorsorglich auch in Deckung gehen. „Kinder halten Großvater jung“, ruft Naoki aus der Zimmerecke. „Frau, wir sollten …“, aber weiter kommt er nicht. Unter großem Gelächter verschließt seine Frau ihm den Mund. Selbst Satoshi schmunzelt leicht. Spaß auf japanisch. Hier regieren Frauen.

Die Stunden vergehen wie im Flug. Wir fühlen uns willkommen. Und das bei völlig fremden Menschen, die doch Teil meiner Familie sind. Interessant für mich waren Satoshis Worte zum Sport und dem Teufel, mit denen er uns eine Botschaft vermittelt hat.

Satoshi kritsierte sanft, dass Naoki uns seine Kampfkunst zeigte. Und er machte sich auf seine Weise darüber lustig, dass die Shinobi nur eine Legende für die meisten Menschen sind. Dass sie existieren wissen wir. Der Beweis lebt in Kameyama. Als wir fahren verlassen wir Freunde. „Kommt wieder“, bittet uns der alte Mann. Und genau das ist der Plan.

Im fünften Teil der Reise geht es übers Meer. Meine LeserInnen erfahren, warum Mandarin ziemlich chinesisch für japanische Ohren klingt.

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Abenteuer Japan – Teil 3: Der große Buddha

Religion, Zen-Buddhismus, hat meinen Lebensweg mit geprägt. Aber im Gegensatz zu den sanften Buddhisten, bin ich mehr die militante Verfechterin. Gut, das ist allein meine Sache und mindert nicht meine Gläubigkeit. Nur wird mich niemand schlagen, so lange ich mich wehren kann.

Schon seit ich ein Kind bin stehe ich für andere auf und habe sie tapfer verteidigt. Ganz in der Tradition der Samurai, die ebenfalls Schwächere schützten. Diese martialischen Krieger sind sehr oft auch Dichter, Künstler gewesen. Mit Worten, Gemälden, Kalligrafie.

Wir sind noch immer in Kamakura. Ganze 65 Tempel und 19 Schreine kann der Gläubige dort besuchen. Etwas viel für uns. Die Hauptattraktion in Kamakura ist der Daibutsu, eine riesige bronzene Buddhastatue. Sie steht in Hase, im Westen der Stadt, auf dem Gelände des Tempels Kotoku-in.

Die aus Bronzeplatten zusammengesetzte Statue ist 11,40 Meter hoch und wiegt 850 Tonnen. Also ein wirklich schwerer Mann. Elfchen ist auch beim Glauben auf meiner Linie. Buddhistin mit durchaus kämpferischen Flair. Aber um Yuki böse zu machen bedarf es mehr. Bei mir reicht schon ein Funke und mein Pulver explodiert.

Aber Zen-Buddhismus, Karate und eiserene Disziplin, haben diese möglichen Explosionen in gezielte Bahnen gelenkt. Vom Wildfang meiner frühen Jugend bin ich in diesen Tagen weit entfernt.

Wir fahren zum Tokei-ji-Tempel, der vor allem sehenswert wegen seiner großartigen Gartenanlagen ist. Dort blüht es fast immer. Natur, wie sie der Japaner mag. Die Menschen denen wir begegnen sind meist Frauen. Einige wirken bedrückt, die meisten sind sehr still.

Tokei-ji ist 1285 als Nonnenkloster gegründet worden und war stets ein Zufluchtsort für Frauen. Wer sich drei Jahre lang als Nonne im Tempel aufhielt, galt als rechtmäßig geschieden. Tempel, Kirchen sind für mich Orte der Besinnung. Dort finde ich mich selbst. Und jene Ruhe, die der Alltag nicht immer bieten kann.

Wir fahren dann doch in Richtung Daibutsu. Unser Ziel ist Kannon, die wohl berühmteste buddhistische Gottheit. Bewusst sage ich Gottheit. Kannons Geschlecht – eigentlich heißt sie Avalokiteshvara – ist nicht eindeutig geklärt. Ich zumindest sehe eine Frau in ihr. Das Sinnbild, der „Großen Mutter.“

Kannons 11 Gesichter ermöglichen es der Göttin, in alle Richtungen zu schauen und jeden wahrzunehmen, der ihrer Hilfe bedarf. Angeblich stammt die Statue aus dem 9. Jahrhundert und gehört mit mehr als 9 Metern Höhe, zu den größten Holzstatuen Japans. Ich schließe die Augen und fühle die Verbundenheit mit ihr.

„Vielleicht sollten wir Nonnen werden“, denke ich laut nach. „Und wer kocht dir dann dein Essen?“, kontert Yuki frech. „Ohne mich verhungerst du doch.“ Der große Buddha scheint bei diesem Satz zu lächeln. Ist ja mal wieder typisch Mann! Aber es sei ihm verziehen. Und Elfchen weiß, dass ich besser (vor Wut) kochen kann.

Teil 4 Der Reise bringt uns zurück nach Iga. Großvater Satoshi bittet zum Tee.

Abenteuer Japan – Teil 2: Mission Liebe

Der Himmel über uns ist offen. Im gemieteten Cabrio geht es weiter von Tokio nach Kamakura. Weniger, um dort die Tempel und den großen Buddha zu sehen. Sonne und Meer liegen uns im Sinn. Schon sehe ich empörte Blicke. Wie kannst du nur, Mayumi!

Ich kann, will und werde. JapanerInnen haben ihre eigene Form der Gläubigkeit. Da wird gern Shintoismus und Buddhismus gemixt. Und christliche Feste finden wir sowieso cool. Also Herrn (Coca Cola) Weihnachtsmann. Den Osterhasen haben sie bekanntlich schon vor Jahren (in Österreich) totgefahren.

Das Hotel haben wir bereits von Deutschland aus gebucht. Besser ist das, es herrscht Hochsaison. Aber Strandmiezen waren wir noch nie. 2 Tage Meer und es geht weiter. Aber in diesen beiden Tagen haben wir viel Spaß. Wie albern wie Teenager umher und am Abend machen wir Sport.

Ja, Mayumi Sensei ohne Karate geht so mal überhaupt nicht. Wir finden eine kleine Kickbox-Schule, die auch Gäste akzeptiert. Die Truppe ist nett und westlich aufgeschlossen. „Gudden Tack!“, werde ich von einem Schüler begrüßt, der sein im Internet erlerntes Deutsch versucht.

Auch in Japan mache ich kein Hehl aus unserer Beziehung und stelle Yuki immer als meine Frau vor. Das sorgt oft für konsternierte Blicke. Dem Sensei ist es völlig egal. Eher die Ausnahme, als die Regel. Ein Mädel schaut sehr interessiert. Eigentlich ist Itoe 35 und ebenfalls in eine Frau verliebt. Aber sie hat auch einen Ehemann. Aus Vernunft, wie sie es formuliert.

Wir erfahren das nach dem Sport, als wir zusammen Essen gehen. Die japanische Wirklichkeit kann hart für Homosexuelle sein. „Ich weiß es seit ich ein Mädchen bin“, erzählt uns Itoe. Aber die Menschen können so grausam sein. Ich wollte meinen Eltern kene Schande machen und haben einen Mann akzeptiert.“

„Weiß er davon?“, will ich wissen und Itoe verneint. „Er würde mich erschlagen“, flüstert sie. „Bist du deshalb zum Kickboxen gekommen?“, will ich wissen, obwohl ich die Antwort bereits weiß. Sie nickt und es ist Angst in ihren Augen. „Hab keine Angst“, sage ich zu ihr. „Dir wird kein Leid geschehen.“

Ich tauche einen Blick mit Yuki und Elfchen nickt. Nein, ich werde keine Ehemänner prügeln. Aber den Frauen helfen. Und prompt habe ich einen Plan. „Hast du den Flyer vom Pub aus Tokio noch?“, frage ich Yuki. Sie strahlt, sie hatte die gleiche Idee.

Wir treffen Itoe und Yuri am nächsten Abend. Die beiden sind süß und fürchterlich verlegen. Aber sie lieben sich, das kann ich deutlich sehen. Auch Yuri hat einen Ehemann. Aber das kann so nicht weitergehen. Wir haben mit Tokio telefoniert. Korea, als Retter in der Not. Und nein, das ist kein Fehler im Text.

Die beiden koreanischen Mädels werden für Unterkunft und Anonymität sorgen. Frau hilft sich, wenn sie es kann. Itoe und Yuri lieben sich seit einigen Jahren. Immer heimlich, immer in Angst. Japan ist komisch, wenn es um Lesben geht. Werden schwule Männer einigermaßen toleriert, ignoriert man lesbische Frauen einfach.

Frau hat in Japan Hete zu sein und Kinder zu gebären. Und ansonsten gehorsam gegenüber dem Ehemann zu sein. So zumindest das altvordere Denken einer ganzen Schicht. Aber immer mehr Frauen wehren sich. Zaghaft noch, aber der Widerstand wächst.

Ich ermuntere Itoe und Yuri nach Tokio zu gehen. Der Plan gemeinsam wegzulaufen ist schon lange gereift. Sie haben Angst und sind doch voll Hoffnung, als sie uns in die Augen sehen. Um vorzugreifen: es hat funktioniert und wir haben neue Freundinnen gewonnen. Ja, 2 Ehemänner blieben verlassen zurück. Aber so ist es für alle Seiten besser.

Zur Liebe gehört auch Glück. Und eine Mayumi, die jede „Mission Liebe“ possible macht. Hat Elfchen gesagt! Und mich (mit Küssen) gezwungen, das zu schreiben. Und wer kann dieser Süßen schon widerstehen?

Im dritten Teil treffen wir auf den Buddha, der ziemlich schwergewichtig ist.

Abenteuer Japan – Teil 1: Der Tokio Deal

Wenn Menschen Urlaub machen, packen sie gern Sonnencreme und Bikinis ein. Wir reisen anders. In Tokio selbst gibt es keinen Strand. Bei der Tante sind wir nur 2 Tage, dann geht die Reise weiter. Per Flugzeug versteht sich. Mit dem Auto sind 1.000 Kilometer viel zu weit.

Der Grund? Neugier, aber auch Business. Ich vertrete meinen Vater bei einer Transaktion, die uns ein gutes Einkommen bringt. Überhaupt hat er mir Vollmacht für seine Geschäfte übertragen. „Ich ziehe mich davon zurück“, erklärt er mir. „Du wirst Oberhaupt der Familie werden. Ich nur ein Sensei und so ist es gut.“

Schon allein dieser Satz sorgt für einen Lachanfall bei mir. Humor made by Papa. Selbst meine Mama schmunzelt. Meine Eltern werden länger in Japan bleiben. Sogar an eine völlige Rückkehr wird gedacht. Aber Deutschland ohne meinen Vater? Das kann nur daneben sein.

Von den Flügen gibt es wenig zu berichten. Stewards und Stewardessen waren vor mir sicher. Ich war so brav, wie Yuki neben mir. Tokio ist toll, es ist mein zweiter Besuch in dieser Stadt. Quirliges Leben und JapanerInnen satt. Wenige Touristen stechen aus der Menge hervor. Wir tauchen ein und schwimmen mit. Kann man als Japanerin eine Fremde sein?

Ein Taxi bringt uns zur Nobeladresse. Nun wird es ernst. Leben, wie ich es mag. Yuki ist aufgeregt. Sie spielt die Assistentin. Chic im sündhaft teuren Kleid, der Hosenanzug steht mir besser. Ein älterer Herr erwartet uns. Umgeben von einem halben Dutzend Typen. Anwälte, Schleimer, ein Bodyguard.

Mein Vater hat mich vor Herrn Haruno (Name geändert) gewarnt. „Er ist ein Schlitzohr, das zu handeln versteht“, hat er gesagt. Aber (ver)handeln kann ich gut, das liegt in meinen Genen. Und ich kann sehr überzeugend sein.

Förmlichkeiten und Etikette bestimmen das Treffen. Es wird Tee gereicht und vom Wetter gesprochen. Nur ernst nimmt mich der alte Knabe nicht. Sein Fehler. Malen nach Zahlen kann ich besser. Sein Angebot ist versuchter Raub. Prompt erhöhe ich die Summe.

Ich schockiere die Runde mit der Zahl, eisiges Schweigen folgt als Antwort darauf. Verwirrt blättern die Männer in den Papieren. Das Biest hat (k)eine falsche Zahl genannt. Wir feilschen wie Pferdehändler auf dem Markt im Mittelalter. Es macht mir Spaß die Typen vorzuführen.

Yuki ist sehr still, sie fühlt sich unwohl in der Runde. Ich trumpfe auf und werde immer besser. Das ist mein Spiel, BWL gemixt mit Persönlichkeit. Aber der graue Mann will eigensinnig bleiben. Kalte Augen mustern mich. Eine Spur von Wut kann ich in darin lesen. Er beherrscht sich, aber auch das kann ich gut.

„Vielleicht rede ich doch besser mit Ihrem Vater“, sagt er und fixiert mich dabei. „Von Mann zu Mann spricht es sich viel besser.“ Die Beleidigung prallt an mir ab, ich schenke dem Rüpel ein zuckersüßes Lächeln. Das verwirrt jeden Mann.

„Ich werde ihm berichten“, sage ich und stehe auf. „Genießen Sie den Tag.“ Meine Worte sitzen, die Botschaft ist angekommen. Ich nicke Yuki zu und langsam gehen wir zur Tür. Taktik, wie ich sie liebe. Auf halbem weg erreicht mich eine Stimme. „So warten Sie doch!“, holen mich Worte zurück. Ein Anwalt wedelt mit Papieren. „Wir akzeptieren!“

Ich unterzeichne. Alles ist gut, der Deal ein Erfolg. „Sie sind die Tochter Ihres Vaters“, gibt mir Herr Haruno zum Abschied mit. Und das bin ich, sonnenklar. Kopfschüttelnd und lachend hängt Yuki in meinem Arm, als wir wieder durch die Straßen gehen. „Wie hast du das nur gemacht?“, will sie wissen. „Ich dachte die fressen uns jeden Moment!“

„Na ja“, erwidere ich. „Niemand, der weiter Geschäfte machen will, mag Ärger mit meinem Papa haben. Auch ein Herr Haruno nicht. Das habe ich ihm zu verstehen gegeben. Er hätte viel Geld verloren, wenn er heute nicht unterzeichnet hätte. Das wusste er und doch hat er den Preis zu drücken versucht.“

„Ich bin dafür, dass du mich jetzt drückst“, sagt Elfchen frech und gibt mir einen Kuss. „Damit unser Urlaub ein echtes Abenteuer wird.“ Und genau das habe ich gemacht.

Der Rest des Artikels ist mein Posting vom Montag. Auf Details verzichte ich. Im zweiten Teil geht es ans Meer. Oben ohne versteht sich … im Cabriolet. Was habt ihr denn nun gedacht?

Urlaub zu Hause

„Ich bin dann mal weg“, oder „Schöne Ferien“, könnte der Titel dieses Beitrags sein. Aber kann ich meinen LeserInnen wirklich mehr als 4 Wochen Mayumilose Zeit zumuten? Einige werden froh darüber sein, dass die „olle Japanerin“ Ruhe gibt. Endlich keine (kritischen) Fragen. Freut euch. Alles gut.

Aber was ist Urlaub, was bedeutet uns diese „schönste Zeit des Jahres?“ Erholung, Entspannung vom Alltag, werden viele sagen. Endlich mal kein Stress! Nur um dann auf extreme Bergtouren zu gehen, Tiefsee Tauchurlaub zu machen, oder abenteuerliche Segelfahrten. Andere liegen träge in der Sonne, oder saufen am Ballermann. Ist das Urlaub? Kaum!

Yuki und ich verwirklichen uns über das tägliche Leben, den Alltag. Kurztrips in andere Städte inbegriffen. In den letzen Monaten sind wir quer durch die Republik gedüst. Rostock, Kiel und München sind 3 Stationen unserer Fahrt. Wir hatten Spaß, haben nebenbei (viel) Geld verdient und Menschen in Not (damit) geholfen.

Japan ist Heimat für uns. Urlaub machen dort nur die anderen. Wir aber kehren zu unseren Wurzeln zurück und tanken Kraft für neue Abenteuer. Vielleicht erleben wir sie auch. Dieser Blog hat nun Sommerpause und wird (vielleicht) wieder Ende August seine Pforten öffnen. Vielleicht bleiben wir auch länger, das werden wir noch sehen.

Daher an dieser Stelle (k)ein „Sayonara!“

Liebe auf Eis – Teil 1

Wir fliegen! Und das nun schon seit Stunden. Yuki schläft in meinem Arm, wie sie das auf Flügen immer macht. Die Reise geht in den hohen Norden der Welt, zu Lapplands vereisten Seen. Aber wir sind nicht allein auf diesem Flug. Frau Dr. Karin Sommer mit Frau und Töchtern ist ebenfalls dabei. Auch Linda darf nicht fehlen. Und natürlich Ilka und Amelie.

Umringt von wild-verrückten Mädels kann dieser Flug nur Spaß bedeuten. Aber die habe ich alle im Griff. Und mich die Vorfreude auf Vilhelmina. Schräg vor mir sitzt Wolf mit seinen Ingenieuren. Auch Yukis Eltern sind dabei. Nur meine haben abgewunken. Eisdriften im Norden ist nicht ihr Ding.

Einen kleinen Fehler muss ich mir eingestehen, ich habe mich im Land geirrt. Vilhelmina liegt in Schweden. Irrtümlich hatte ich den Ort in Norwegen gesehen. Wobei das ehrlich gesagt wenig Unterschiede macht. Da oben ist immer alles weiß. Zumindest im Winter. Und die Sprache ist sowieso fast gleich.

Geplant ist die Reise schon seit einer Weile. Kein anderer Termin war möglich. Es ist fast noch Vorsaison. Der gute Rutsch ins neue Jahr wird wörtlich werden. Wenn auch etwas spät. Und im Wort stand auch Graf Werner, der ebenfalls mitgekommen ist. Mit Frau und Enkelin versteht sich. Und zum Teil hat er das finanziert. Eine Kooperation der Firmen. Herr Graf haben investiert.

Mit Zwischenstops in Amsterdam und Stockholm erreichen wir Vilhelmina nach 8 Stunden. Wir haben die schnelle Variante gewählt. Nur Touristen fliegn länger. Winter im Norden hat eine andere Qualität. Da braucht es dicke Kleidung und keine sexy Unterwäsche. Eingemummt in dickste Daunen, die Köpfe durch Mützen geschützt, geht es zum Charterbus. Das Gepäck wird ins Hotel geliefert. Service, der besonderen Art.

„Ich freue mich wie ein kleiner Junge“, lässt der Graf mich wissen.
„Er redet seit Wochen von nichts anderem mehr“, sagt seine Frau. Und Enkelin Simone lacht.
Während Yuki auspackt muss ich mich dehnen. Ich laufe eine Kata und übe Spagat.
„Elfchen, ich mag dir was zeigen“, sage ich. „Die Technik hast du noch nicht gesehen.“
„Klar, du willst mich wieder hauen“, bekomme ich frech zu hören. Aber sie kommt dann doch und lacht.
Prompt albern wir durchs Zimmer. Yuki wehrt sich tapfer und gibt dann auf. Und ich ihr einen Kuss. Liebe ist, wenn man sich küssen muss.

„Ist gut jetzt“, beendet sie den Spaß und japst nach Luft. „Wart’s nur ab, nach dem Essen räche ich mich!“
„Wie denn?“, will ich wissen.
„So!“, sagt sie und klatscht mir auf den Po.
Liebe auf Elfenart. Ich muss die Süße einfach lieben.
Es klopft und Karin steckt den Kopf ins Zimmer.
„Seit ihr endlich fertig, oder wie lange dauert das noch?“, fragt sie im Scherz. „Eure Liebesspiele könnt ihr später machen.“
Lachend läuft sie davon, als ich einen Schuh nach ihr werfe.
Freundschaft kann auch das ertragen.

Nur wenige Gäste sind in dem Hotel. Auch Auto-Enthusiasten, die auf Abstand bleiben. Wolfs Team hat dafür gesorgt. Und Linda nur kurz böse geschaut, als ein Holländer zu flirten beginnt. Nun sind die Fronten abgesteckt und wir können ungestört zu Bett. Manchmal muss selbst ich nicht kämpfen. Nur mit dem Veranstaltungsplan.
4 Tage wird der Spaß dauern. Und für die meisten Teilnehmer kostenlos sein.
„Ich habe genug Geld“, hat der alte Graf gesagt. „Also bringen Sie Freunde mit.“
Und das habe ich gemacht.

Einige Mädels waren skeptisch bei der Sache. Karin sofort mit dabei. Sie und ich haben uns von jeher gut verstanden. Nur geprügelt hat Karin sich nie. Und bekanntlich habe ich mich immer nur gewehrt. Provokationen inklusive. Ich war ein kleines Biest.

Eine aufgeregte Hühnerschar ist nichts gegen das Geschnatter, das sich am nächsten Morgen abspielt. Ein Bus bringt uns zum See, die Wagen stehen bereit. Ich setze mich locker durch und dirigiere die Gruppe. Auch Yuki macht eine gute Figur. Liebe auf Eis. Aber im positiven Sinn.

Und eisig wird es auch im zweiten Teil. Vielleicht gibt es auch eine Antwort auf die Frage, wie unsere Zukunft aussehen wird. Das könnte durchaus sein.

Fortsetzung folgt …

 

Wenn einer eine Reise tut

Mit nun immerhin 31 Jahren bin ich recht tolerant geworden. Aber es gibt noch immer Dinge, mit denen ich nicht kann. Und negative Reiseberichte über mein Japan gehören definitiv dazu. Nun ist es eine Sache sich freundlich über die Eigenarten der Japaner zu unterhalten. Aber die ganze Reise „Scheiße“ zu finden, zeugt von keinem guten Stil. Und klar, immer waren die Japaner schuld. Wer macht schon eigene Fehler?

Wir sind auf der Rückreise aus Japan. Zum Glück haben wir auch in diesem Urlaub wieder Business-Class gewählt. So reist es sich besser und Geld ist nicht alles. Aber ich habe die Reise ohnehin nicht bezahlt. Ein Vorteil, wenn man erfolgreiche Eltern hat, die das dann unter Geschäftsausgaben buchen können. Oder besser gesagt ich. Immerhin berate ich meinen Vater ja nun. Aber selbst Mehrwert schützt vor Dummheit nicht, wie wir bemerken dürfen.

Schräg vor uns sitzt ein älterer Herr. Bewusst verzichte ich auf die Nationalität. Aber der Mann spricht Deutsch, wenn auch mit starkem Akzent.
„So eine Scheiße“, hat er gesagt und uns direkt angesprochen. „Die wollten bei der Einreise wissen, was ich an Geld mitführe. Das geht die doch nichts an!“
„Die“, das ist der japanische Zoll und „der“ hat nur seine Pflicht getan. Höflich wie immer, aber ihm Rahmen der Gesetze. Auch wir mussten Rede und Antwort stehen. Was ist schon dabei?

Der Mann sieht das anders und lässt sich weiter negativ darüber aus. Einige deutsche Worte haben uns verraten. Im Normalfall sprechen wir auf Flügen nur Japanisch. Kein Fehler, aber wir werden in Zukunft wieder darauf achten. Inkognito reist es sich oft besser.
„Es geht um Devisenkontrolle und Geldwäsche“, erkläre ich ihm. „Und das ist nicht nur in Japan so.“
„Alles Käse!“, regt der Mann sich weiter auf. Er ordert Nachschub an Wein bei der Stewardess und prostet uns dann zu. „Wie kommen Sie denn mit den Japanern klar?“, will er wissen und mustert uns gierig. „Sind Sie aus Thailand? Ich finde ja Thais unheimlich hübsch! Ich muss da mal wieder Urlaub machen …“
Er lacht bei diesen Worten und leckt sich die feisten Lippen.
„Wir sind in Japan geboren“, erwidere ich beherrscht. „Man könnte also durchaus sagen, dass wir Japanerinnen sind.“
Seine Kinnlade klappt nach unten. Clever sein ist anders.

„Auch gut“, erwidert der Mann dann lapidar. „Was haben Sie denn da gemacht?“
„Das nennt sich Urlaub“, sage ich und lächle ihn an. „Und den haben wir immer noch.“
Demonstrativ setze ich mir die Kopfhörer auf. Yuki schaut schon komisch.
Trotz der Musik höre ich die Stimme des Mannes, der nun über das japanische Wetter schimpft.
Natürlich war es entweder zu kalt, zu regnerisch, oder viel zu warm. Und das ist dem Mann aus den Bergen angeblich fremd.
Lügen haben kurze Beine. Und seine sind nicht sonderlich lang.

Yuki schaut mich fragend an, aber ich schüttele nur leicht den Kopf.
Aber Hilfe kommt von anderer Seite, von einem jungen Mann.
„Könnten Sie bitte leise sein?“, sagt er in akzentfreiem Deutsch.
Auch er ist Japaner, das erkenne ich sofort.
Seine Augen funkeln, er ist sichtlich genervt.
„Man wird sich doch noch unterhalten dürfen“, poltert der Angetrunkene. „Ich …“
„Niemand möchte ihre schlechte Laune hören“, wird er von dem Japaner unterbrochen. „Behalten Sie die für sich!“
Ich bin erstaunt. Endlich klare Worte!

Der Mann murmelt etwas und ordert das nächste Glas Wein.
In Vino Veritas. Aber wer will schon seine Wahrheit hören?
Eine Weile herrscht Ruhe. Yuki blättert in einem Buch und ich döse vor mich hin.
Der Urlaub war toll und leider viel zu kurz. Wie immer, wenn ich aus Japan komme, fühle ich eine Art Leere in mir.
Meine Eltern bleiben noch länger. Sie haben uns die Reise bezahlt, die Geschäfte liefen gut. Damit das so bleibt, muss mein Vater sich eine Weile in Japan darum kümmern. Aber den 370 Z in Rot hat er versprochen. Natürlich als Tuning-Modell. Und nein, ich habe nicht danach gefragt. Schuld ist mein Schwiegervater. Unsere Väter haben sich das fein ausgedacht.
„Damit ihr immer schnell bei uns seid“, war ihr gemeinsamer Kommentar.
Humor, den Männer meinen.

„Das muss man sich mal vorstellen“, beginnt der Mann erneut seine Litanei. „Da habe ich diesen Termin mit dem Japaner und dann lässt der Kerl mich einfach warten! So eine Frechheit gäbe es in Europa nicht, ich habe meine Zeit doch nicht gestohlen!“
Unaufgefordert erzählt er das seinem Nachbarn, der ihn gekonnt ignoriert.
Der junge Japaner presst die Lippen zusammen. Ich kann das Zeichen deuten. Das riecht nach Ärger und den muss ich nicht haben. Aber scheinbar ziehe ich ihn magisch an.
Das Essen wird serviert und der Mann schimpft nun über japanische Tischsitten und wie ekelhaft er die doch fände. Fleischbrocken fallen dabei aus seinem Mund und beschmutzen seine Hose.
„Bisher wusste ich nicht, dass Schweine auch fliegen können“, sage ich auf japanisch. „Aber heute, werde ich eines Besseren belehrt.“
Yuki feixt und knufft mich in die Seite. Auch der junge Japaner lacht.
Der Pöbler hat nichts verstanden. Streit suchen immer nur die anderen.

„Diese Stäbchen in Japan sind einfach nur daneben!“, wettert der Mann bereits weiter. „Wie soll man da seine Mahlzeit essen?“
„Indem man weniger schimpft und die Sitten lernt“, sage ich scharf. „Mit Stäbchen zu essen ist nun wirklich nicht schwer. Aber manche Leute können das nicht einmal mit Messer und Gabel.“
Der Mann schweigt verblüfft. Das hat er nicht erwartet. Stumm stopft er sich sein Essen in den Mund und ordert noch mehr Wein.
Der löst schon bald seine Zunge wieder und das Gemotze geht weiter.
Nun ist ihm auch der Flug zu lang. „Nie wieder reise ich nach Japan“, tobt er. „Die sollen ihre Geschäfte in Zukunft ohne mich machen. Mein Geld ist viel zu schade für dieses Volk.“
Taler, Taler du musst wandern!

Als der Mann sich wieder seinem Wein hingibt stehe ich auf und gehe zur Stewardess.
Die Frau ist besorgt, sie hat das Problem erkannt. Ärger im Flugzeug muss niemand haben.
Sie ruft nach einer Kollegin, die hier das Sagen hat. Die Frau hört zu und nickt.
Situationen wie diese kommen selten vor. Aber es gibt sie leider immer wieder.
„Wir kümmern uns darum“, sagt die Stewardess und verbeugt sich vor mir. „Vielen Dank für die Hilfe.“
Muss ich immer alles machen?

Auf dem Weg zu Yuki höre ich den Mann bereits wieder lamentieren. Nun hat er den japanischen Verkehr im Visier und dass Japaner auf der „falschen Straßenseite“ fahren.
„Ich würde das sofort ändern“, tönt er. „Wie funktioniert das überhaupt?“
„Indem man es versucht“, unterbreche ich ihn und bedeute dem jungen Japaner sich nicht weiter einzumischen.
„Ruhig bleiben“, sage ich leise. „Wir dürfen uns nicht provozieren lassen.“
Er ballt die Fäuste. Etwas sagt mir, dass er Kampfsport macht. Aber eine Prügelei im Flieger wird ihm zum Nachteil gereichen, auf keinen Fall darf er sie beginnen.
„Er hat Japan schon wieder beleidigt“, sagt er. „Das kann ich nicht ertragen!“
„Der Mund ist das Tor des Unglücks, die Zunge seine Wurzel“, zitiere ich. „Aber es liegt nicht an uns, diese Wurzel auszureißen.“
Verblüfftes Schweigen schaut mich an und Yuki drückt meine Hand.
Im Alter werde ich noch weise.

Ich spreche auf Deutsch weiter und fange ein Gespräch über die Schönheit Japans an.
Der junge Mann versteht und schlägt in die gleiche Kerbe. Er stellt sich als Daisuke vor und ist in Deutschland geboren.
„Ich lebe in Düsseldorf“, sagt er. „Kennen Sie die Stadt?“
„Da bin ich aufgewachsen“, erwidere ich. „Aber jetzt lebe ich in Stuttgart bei meiner Frau.“
Daisuke verzieht keine Miene, er nickt Yuki nur freundlich zu. Homophob ist er zumindest nicht.
„Ich habe meinen Onkel besucht“, erzählt er weiter. „Der ist ein Meister im Karate. Er sagt ich sei schon richtig gut!“
Was zu beweisen wäre.

Der Betrunkene brabbelt etwas vor sich hin. Ich verstehe „Schlitzaugen und Lesben“ und hole tief Luft. Aber eingreifen muss ich nicht.
Wie aus dem Nichts steht ein Mann in Uniform neben uns und spricht den Pöbler auf Englisch an.
Der wird sehr schnell sehr still, als er den Kapitän erkennt. Die Androhung der Notlandung mit voller Kostenübernahme hat gefruchtet.
Der Kapitän wendet sich noch kurz an den jungen Japaner, der noch immer zornig ist. Auch er wird beruhigt, dann spricht der Kapitän mit mir.
„Vielen Dank für die Hilfe,“, sagt er auf Japanisch. „Aber lassen Sie sich bitte nicht weiter provozieren und ignorieren Sie den Mann. Man wird sich bei der Landung um ihn kümmern.“
Ich deute aus dem Fenster.
„Auf die Notlandung wäre ich gespannt.“
Der Kapitän deutet ein Lächeln an.
Wir haben uns verstanden.

Der Rest der Reise verläuft ruhig. Der Wüterich ordert nur noch Kaffee und schweigt eisern.
Wir unterhalten uns ein wenig mit Daisuke. Er ist erst 19 Jahre alt und wirklich nett. Und eine deutsche Freundin hat er auch.
„Leider konnte sie nicht mit nach Japan“, sagt er traurig. „Ich vermisse sie sehr.“
Noch einmal fängt er mit Karate an und wie sehr er diesen Sport liebt. Wettkämpfe will er machen und Deutscher Meister werden.
Yukis schelmisches Lächeln kann er nicht deuten.
„Es ist nur ein Titel“, sage ich. „Und der bedeutet nichts. Karate hat nichts mit Wettkämpfen zu tun, der Geist dahinter ist so völlig anders.“
Engeistert schaut er mich an.

„Das hat mein Onkel auch gesagt“, sagt er betroffen. „Aber woher wissen Sie das?“
„Ach ich mache auch so ein bisschen Karate“, erwidere ich. „Die Wettkampfbühne habe ich in Ihrem Alter verlassen. Damit habe ich den wahren Sieg errungen, über die Eitelkeit und den Stolz.“
Daisuke ist erstaunt, aber wenig überzeugt. Die Ungeduld der Jugend brennt lichterloh in ihm.
Ich kann mich gut erinnern.
Im Verlauf des Gesprächs kommen meine Gürtel auf den Tisch und Daisuke sinkt förmlich im Sitz zusammen.
Er wird sehr still und beißt sich auf die Lippen.
Yuki zwickt mich, sie hat sichtlich Spaß.
Hat Daisuke etwa Angst vor mir?

Eigentlich wäre die Geschichte nun hier zu Ende. Aber in jedem Drama gibt es einen zweiten Akt.
Bei der Landung in Frankfurt verlässt der Pöbler wortlos die Maschine und wird noch auf der Gangway von zwei Beamten in Empfang genommen. Damit hat er nicht gerechnet.
Auch Daisuke verlässt den Flieger und verbeugt sich vor mir.
Seine Form der Entschuldigung.
„Auf Wiedersehen“, sagt er leise. „Ich habe wieder etwas gelernt. Vielen Dank dafür.“
Japaner haben einfach die besseren Manieren.

Hier endet die Reise nach Japan nun für den Moment. Ich hoffe, dass sie meinen LeserInnen gefallen hat. Es war ein etwas anderer Reisebericht. Ohne Fotos und ohne die üblichen Beschreibungen der Natur. Dafür mit Bildern, die ich vermitteln wollte. Und das ist mir hoffentlich gelungen.

Der selbstbewusste Mann

Kämpfen lernen, um nicht kämpfen zu müssen, das bleibt eine Kunst. Deeskalation, Meditation, das ist ein neuer Weg für mich. Ich bin noch immer in Japan und auf einem Aikido-Seminar. Ich sitze neben meinem Vater und auch Ken und Yuki sind dabei. Für Ken bleibt diese Kunst fremd, aber er mag uns gern begleiten.

Eine Gruppe Amerikaner hat auch ihren Weg ins Dojo gefunden. Die Männer sind jung und laut, der Haarschnitt verrät die Soldaten. Sie machen Karate und Judo, Aikido ist neu für sie. Mein Vater ist der Ehrengast, der Veranstalter ruft uns nach vorn. Gemeinsam zeigen wir Techniken. Abwechslend rollen wir über den Boden.

Ich habe Spaß und zeige Techniken, die meinen 1. Dan weit übersteigen. Aber wer sagt, dass ich die nicht kann? Die Amerikaner haben Probleme, sie sind zu steif und wenig talentiert für diesen Sport. Auch mit der Sprache hapert es, ihr Japanisch ist furchtbar schlecht. Ich versuche zu helfen und prompt macht mich einer der Männer an. Sein Name ist Tim, er ist der Anführer der Truppe. Ein First Lieutenant (Oberleutnant) und furchtbar stolz auf sich.

„Ich wollte ja schon immer mal wissen, was sich unter einem Aikido-Rock verbirgt“, sagt er im Scherz zu seinen Kumpels.
Die Männer lachen. Ich bin gewarnt.
„Mein Fuß“, erwidere ich gelassen und lächele Tim an. „Machen wir jetzt weiter?“
Tims Augen werden schmal. So hat wohl noch keine Frau mit ihm geredet. Aber er schweigt.
Soll das schon alles gewesen sein?

Mein Vater schaut mich kurz an, aber ich nicke nur kurz. Alles unter Kontrolle, kein Problem für mich.
Diese Amerikaner haben kein Talent für Aikido, das kann ich ganz klar sagen. Aber der Kommandeur hat sie zu dem Seminar verdonnert, ihr Nahkampf ist zu schlecht.
Sie erzählen das unaufgefordert in einer Pause. Auch, wie gut sie (angeblich) im Karate sind. Unter den eher kritischen Blicken der Japaner zeigen sie Kicks und Sprünge.
Nichts, was mich vom Hocker reißt. Zu wild, zu unpräzise. Mit anderen Worten: schlecht.

Der beste Mann der Fünfergruppe, ist ein asiatisch aussehender Mann mit Namen John. Seine Mutter sei Chinesin erzählt er mir und entschuldigt sich für seine Kameraden.
„Die meinen das nicht so“, sagt er. „Aber Tim ist ein wilder Kerl.“
„Mit wenig Talent“, entgegne ich. „Selbst sein Karate ist grottenschlecht.“
Johns Mutter hat ihn etwas Hung Gar Kung Fu gelehrt. Aber das kennt die US-Army nicht. Daher muss er nun Karate machen.
Wir philosophieren kurz über Karate und Kung Fu, dann geht das Seminar schon weiter.
Ich bleibe als Dolmetscherin bei den Amerikanern. Ein Fehler, wie sich noch herausstellen soll.

Tim lässt keine Gelegenheit verstreichen, um mich mit Blicken auszuziehen. Ich kann den Ärger riechen.
Am Ende des ersten Tages eskaliert die Sache schon. Tim fragt nach einem Date.
„Warum sollte eine Japanerin mit dir ausgehen wollen?“, frage ich ihm amüsiert. „Vor allem, wenn sie verheiratet ist.“
Tims Grinsen friert ein, John fängt an zu lachen.
„Wenn du mich jetzt entschuldigst“, fahre ich fort, „meine Frau wartet auf mich.“
Wenn Blicke töten könnten.

Tim presst die Zähne zusammen, seine Fäuste sind geballt.
„Eine Lesbe also“, sagt er abfällig. „Ist ja mal wieder typisch. Was du brauchst, ist ein richtiger Mann!“
„Und du willst dieser Kerl sein?“, frage ich. „Du willst es mir mal so richtig besorgen?“
Tim grinst schon wieder, das sind Worte nach seinem Geschmack.
„Das kannst du laut sagen, Baby“, dröhnt er. „Hinterher willst du nie wieder zu einer Frau!“
„Na dann immer los“, provoziere ich ihn und gehe auf ihn zu. „Machen wir es doch gleich hier auf der Matte.“
Endlich fällt bei Tim der Groschen.

„Du willst gegen mich antreten?“, prustet er. „Baby, für dich brauch ich genau einen Kick!“
„Zeig ihn mir“, fordere ich ihn freundlich auf. „Ich kann es kaum erwarten.“
Mein Lächeln zeigt Wirkung, Tim wirkt verunsichert. 1:0 für mich.
„Das meinst du nicht ernst?“, will er wissen. „Ich kann doch keine Frau schlagen.“
„Stimmt“, erwidere ich sanft. „Du kannst mich nicht schlagen.“
Was ich beweisen kann.

John gibt mir im Hintergrund immer wieder Zeichen. Er amüsiert sich prächtig.
Mein Vater schaut demonstrativ in eine andere Richtung, Ken und Yuki treten neben mich.
„Wenn ich es mir richtig überlege, dann sollten wir besser keinen Wettkampf machen“, sage ich. „Der wäre ziemlich unfair und schnell zu Ende.“
„Endlich wirst du vernünftig“, erwidert Tim selbstbewusst. „Das würde übel für dich enden.“
„Ich war mehr besorgt um dich“, erkläre ich ihm ruhig. „Für dein Karate reicht ein normaler Aikdio-Schüler.“
Meine Worte zeigen Wirkung, mit hochrotem Kopf packt Tim mich am Arm. Aber ich bin gut gelaunt und lasse ihn lediglich ins Leere laufen.
Und doch ist Japans Boden hart.

Ken feixt, Yuki verdreht die Augen und mein Vater schüttelt leicht den Kopf.
Die Show ist beendet bevor sie begann.
John hilft Tim aufzustehen. Plötzlich wirkt der Offizier nicht mehr so überlegen. Und Schmerzen hat er auch.
„Lass gut sein“, sagt John. „Du willst dich doch nicht blamieren. Denk bitte daran, wir sind hier nur Gäste.“
Tim mag ein Hitzkopf sein und keine Manieren haben. Aber wirklich dumm ist er nicht, wie seine nächsten Worte beweisen.
„Scheiße“, sagt er und reibt sich die Hüfte. „Da habe ich wohl mal wieder Mist gebaut.“
Er zögert kurz und murmelt ein „Sorry“ in meine Richtung.
Der Mann hat seine Lektion verstanden.

Am nächsten Tag kommt er nicht wieder.
„Er hat sich krank gemeldet“, lässt John uns wissen. „Aber das liegt weniger an seiner geprellten Hüfte, als vielmehr an seinem verletzten Stolz. Ich möchte mich im Namen der US-Army für sein Verhalten entschuldigen.“
Er schaut den Rest der Gruppe an.
„Das kommt nie wieder vor“, fügt er noch hinzu und seine Männer nicken.
„Fein“, sage ich fröhlich. „Dann lasst uns weiter üben.“
Warum sehen die nun so erschrocken aus?

Angst und Wut sind schlechte Ratgeber im Leben. Auch der scheinbar Schwächere kann einen Sieg erringen. Und manchmal reichen Worte. Auch gegen einen selbstbewussten Mann.

Nur der Himmel ist die Grenze

Japans Sonne scheint warm an diesem Tag. Die Regenzeit ist endlich vorüber. In einer Nachtschicht haben wir mit Ken zusammen seinen Skyline fahrbar gemacht. Die neuen Tubolader sind schnell eingebaut, der Rest des Umbaus ist bereits Geschichte. Müde aber glücklich sitze ich am Steuer. Ken hat mir die Ehre der ersten Fahrt überlassen.

Der Nissan Skyline GT-R R34 ist als Filmstar wohlbekannt. Paul Walker hat ihn in den „Fast and Furious“ Filmen gefahren. Aber wer nimmt schon 280 PS, wenn er getunte 500 PS haben kann? Die Beschleunigung presst uns in den Sitz. Aber keine Angst, wieder wird dies kein Bericht über Autos werden. Der Name Skyline passte nur so gut.

Wir lachen und haben Spaß. Wieder ist es ein komisches Gefühl auf der scheinbar falschen Seite zu sitzen. Und doch bin ich hier richtig, denn hier bin ich zu Hause. Japan ist in meiner Seele, meinem Herzen. Nie war ich japanischer, als in diesem Jahr.

Als ob Yuki meine Gedanken lesen kann, liegt ihre kleine Hand plötzlich auf meiner. Ich weiß was du denkst, sagen ihre Augen. Und auch dafür liebe ich sie. Ken räuspert sich, er kann uns fühlen. Aber bei aller Sensibiltät bleibt er doch Mann. Und Tränen zeigen nur die anderen.

In der Tuning-Branche wird gern und viel geschraubt. Dieser Gedanke schießt mir durch den Kopf, als aus dem Autoradio ein Lied ertönt. „Sky is the limit“, höre ich. Und da stimme ich natürlich sofort zu. Für mich gibt es kaum Grenzen, ich mache immer was ich will.

Schule, Studium, Beruf, Karate, all das gehört zu mir und meinem Weg. Und wer soll mich schon stoppen? Das macht dann die Polizei. Aber wir waren nicht zu schnell. Der Beamte weist nur freundlich auf eine Vollsperrung hin, die ein umgestürzter LKW verursacht hat.

Ich sehe sein Interesse an dem Wagen, aber er ist im Dienst und darf nicht fragen. Wir werden umgeleitet und entschließen uns spontan einen Ausflug zu machen. Die Insel Nokonoshima ist nicht weit entfernt. Wir stellen den Skyline ab und setzen mit der Fähre über.

Erster Hunger meldet sich und wir kaufen uns ein Frühstück. Grüner Tee weckt unsere Lebensgeister. Wir mieten Fahrräder und fahren um die Wette. Natürlich sind wir zu laut, natürlich fallen wir auf. Fettnäpfchen, ich komme! Aber die Menschen lächeln nur, es sind nur wenige Japaner auf der Insel.

Wir treffen ein amerikanisches Ehepaar aus Boston. Er ist Ex-Soldat und war früher in Mannheim stationiert. „Ich habe 17 Jahre in Deutschland gelebt“, lässt Bill uns wissen. Er kann noch immer deutsch und ist stolz darauf. Seine Frau stammt aus dem Süden der USA, genauer Alabama. Ich kann sie nur schwer verstehen, der Dialekt ist fürchterlich.

Sie sind zwar typische Amerikaner, aufgeschlossen, freundlich, aber doch sehr an fremden Kulturen interessiert. „In Japan habe ich auch gelebt“, sagt Bill. „Und in Korea. Aber Deutschland vermisse ich sehr. Wir werden nächstes Jahr dort Urlaub machen.“

Der Tag vergeht, die Amerikaner verabschieden sich. Die Fähre bringt uns zurück aus dem Blumengarten. Wir brauchen Schlaf, selbst Tee kann uns jetzt nicht helfen. Ken hat die meiste Energie und fährt nun stolz seinen Wagen. Ziemlich fertig kommen wir bei Tante Kazumi an. Die fackelt nicht lange und steckt uns ins Bett.

Tanze Kazumi ist die forschere Ausgabe meiner Mutter. Herzensgut, aber weniger sanft. Und sie mag klare Worte, was eher untypisch für eine Japanerin ist. Aber damit kann ich und ich liebe sie dafür. Nur Ken mault kurz, als er nach Hause geschickt wird. Ein Blick seiner Mutter lässt ihn zum Lämmchen werden. Frauenpower pur!

Im Bett liegend muss ich immer wieder an Deutschland denken. Der Name weckt ein Gefühl in mir. Ich vermisse meine Mädels, die Drachenzwerge, mein Wing Chun. Und doch bleibt meine andere Heimat hier in Japan so fremd. Warum kann ich nicht in beiden Ländern leben? Die Idee ist geboren, Umsetzung folgt. „Sky is the limit?“ Nicht für mich!

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – Teil 2

Japans Zauber muss noch warten. Übermüdet gehen wir zu Bett.
Sanft schlummere ich in Yukis Armen ein und träume klar.
Ich laufe durch einen Kirschblütenhain. Auch Karin und Natalie sind da. Alle meine lieben Menschen und Yuki geht mit mir Hand in Hand.
Klar zu träumen, den Traum selbst zu bestimmen, das ist nicht jedem Mensch gegeben. Ich kann es seit ich bewusst denken kann.
Alpträume haben nur die anderen. Mein Schlaf ist stets erfrischend. Wenn er nur länger gewesen wäre.
Und ich kann ziemlich zicken, wenn man meine Ruhe stört.

Vom Gefühl her sind nur Minuten vergangen, als Ken lautstark ins Zimmer stürmt.
„Aufstehen!“, ruft er immer wieder. „Es ist schon spät!“
Er reißt uns die Decke weg und Tante Kazumi schimpft ihn aus.
Mein Kick trifft ihn leicht in den Bauch und lachend fällt er auf den Hosenboden.
„Raus du Verrückter“, sage ich bestimmt und versuche böse zu schauen. Aber das ist alles Spaß, ein altes Ritual seit Kindertagen.
Er rappelt sich auf und läuft noch immer lachend davon. Ich höre „Schlafmütze!“ und Yuki wirft ein Kissen nach ihm.
Treffer, versenkt. Meine Elfe wirft nie daneben. Das hat er nun davon.

Fukuoka präsentiert sich noch immer europäisch. 27 Grad, bewölkt, Regenrisiko 30 Prozent.
Es ist ein großes Hallo an diesem Tag, wir verteilen die Geschenke. Auch der Onkel ist da und freut sich riesig mit und über uns.
Gefühle zeigen nicht immer nur die anderen. Und das finde ich richtig gut.
Meine Cousinen nehmen mich in Beschlag. Bis auf wenige Mails haben wir kaum Kontakt. Sie haben Familie, sie leben ihr eigenes Leben. Aber Deutschland steht für beide auf dem Reiseplan.
Natürlich haben wir sie eingeladen. Und wenn irgend möglich, werden wir ihnen unsere andere Heimat zeigen.
Ich schmuse mit meiner kleinen Nichte und Yuki schaut mich seltsam an.
Ahnt ihr was sie denkt?

Der Tag vergeht mit viel Reden und noch mehr Neuigkeiten. Irgendwann sehnt sich mein Körper nach Sport.
Ken deutet meinen Blick richtig und rettet unser Leben. Die Sportsachen sind schnell gepackt und gemeinsam verlassen wir das Haus.
Wir fahren in sein Dojo, der Sensei erinnert sich an uns.
„Willkommen“, sagt er. „Ich freue mich sehr. Ihr dürft gern mit uns trainieren.“
Stolz erzählt Ken von meinem 1. Aikido-Dan. Er ist ein kleines Plappermaul.
„Der wahre Meister schweigt von seiner Kunst“, wird er vom Sensei prompt getadelt. „Dann zeig uns bitte, was du dagegen kannst.“
Ken schaut leicht belämmert, stimmt aber zu.
Ich lache. Endlich darf ich meinen Cousin werfen!

Er gibt sich Mühe und Yuki feixt. Auch der Meister schmunzelt. Alle haben Spaß.
Ein Novum im Dojo. Aber der Mann ist wirklich nett und sehr westlich aufgeschlossen. Und auch die Schüler erinnern sich und lachen mit.
„Bleib weg von ihr“, rät der Sensei Ken. Aber der will nicht hören und versucht immer wieder Schläge und Kicks.
Er gibt auf, als ich ihm mehrfach den Schwung nehme. Es macht sich nicht gut am Boden zu sein.
„Du bist gemein“, lässt er mich wissen und macht ein schmollendes Gesicht. Spaß im Übermaß der Gefühle. Ken ist eine Marke für sich.
In Wirklichkeit ist Ken ein Meisterschüler, aber selbst wenn er es könnte, er schlägt seine Cousine nicht.

Der Unterricht wird ernst, ich genieße die Stunde.
Ich mag den Sensei, er ist sehr gut in dem was er tut. Und der Sport bringt mir die Energie zurück.
Wir haben ausgemacht, dass wir zweimal pro Woche in dem Dojo trainieren. Und der Sensei mag gern mein Aikido sehen.
Ich werde die ein oder andere Stunde leiten und meine Kunst vermitteln. Auch das ein Novum, aber der Sensei will es so.
Natürlich sind einige Schüler skeptisch. Aber ohne vorzugreifen, sie haben mich akzeptiert.
Auch das Bild der Frau in Japan ändert sich. Vor allem, wenn sie überzeugen kann.

Für Yuki ist Kyokushin-Karate fremd. Aber Angst hat sie keine. Und die Erinnerung an den Vorfall vor einem Jahr ist lange vergessen.
Und wer mag schon ernsthaft mit einer Elfe kämpfen?
Das mache ich und prompt kitzelt sie mich.
„Du machst dich gut mit einem Kind im Arm“, lässt sie mich plötzlich wissen. „Du solltest das viel öfter tun.“
Ich ahne was sie mir sagen will. Aber bin ich, sind wir wirklich schon dazu bereit?
Frauen sind schon seltsame Wesen, findet ihr nicht?

Entspannt fahren wir nach Hause. Ken plappert unentwegt.
Er erzählt von seiner Arbeit und mag von unserem Studium wissen. Natürlich auch von meiner Selbstständigkeit.
„Ich habe leider wenig Zeit“, lässt er uns wissen. „Sonst wäre ich schon wieder bei euch dort. Die Projekte stapeln sich und das ist gut.“
„Was hast du mit dem Skyline gemacht, dem alten Wagen?“, frage ich. „Den hast du doch nicht etwa verkauft?“
Ken lacht herzlich. „Bin ich denn verrückt? Der steht in der Tiefgarage und wartet auf neue Turbolader. Dann wird er richtig schnell.“
Ich erzähle vom getunten GT-R und seine Augen leuchten.
Auch Ken hat Benzin im Blut.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, heißt es in einem Gedicht von Hermann Hesse.
Ja, ich fühle mich zu Hause. Ja, ich fühle mich gut. Wir sind in Japan angekommen. Deutschland ist ein Name geworden, ein halb vergessener Traum.
Ich werde meinen Traum von Japan träumen. Zusammen mit meiner Elfe. Zusammen in einem verzauberten Land.
Sayonara!