Deutschlands homophobe Universitäten

Birgit kann kaum die Finger ruhig halten. Immer wieder trommeln sie leise auf dem Tisch. Sie ist ein Frischling an der Uni, unsicher im Kreis der neuen Menschen.
„Hast du eigentlich einen Freund?“, will eine Rothaarige wissen. Sie heißt Andrea und ist klar die Chefin hier. „Ich habe meinen ja letzte Woche abgeschossen! Der Kerl war immer so weinerlich!“
Die Runde lacht und Birgit beteiligt sich. Pflichtschuldig. Aber die Frage brennt tief in ihrem Hirn.
„Nein“, erwidert sie. „Ich habe keinen Freund.“
Eine Form der Wahrheit.

„Matthes ist doch auch Single“, fährt Andrea fort und schaut Birgit bezeichnend. Sie ist die Alphafrau der Gruppe. Und Mattes ihr kleiner Bruder.
„Schon okay“, wehrt Birgit ab. „Ich habe auch überhaupt keine Zeit für Männer.“
„Ach was!“, wird sie von einer Blonden unterbrochen. „Sex ist total entspannend. Ich komme oft kaum zum schlafen, so wild ist mein Fred.“
Wieder lacht die Runde und Birgit fühlt sich nicht wohl.
Schweigen ist nicht immer Gold.

„Also ich arrangiere mal eben ein Date für dich“, verkündet Andrea. „Mattes ist ein lieber Kerl und kein sturer Rammler.“
Wieder lacht die Runde. Aber jetzt wird es Birgit doch zuviel.
„Ich bin lesbisch“, sagt sie tapfer. Und das Schicksal nimmt seinen Lauf.
Entgeisterte Gesichter sprechen eine deutliche Sprache. Nur ein Mädel drückt spontan Birgits Hand.
„Ach so, ’ne Lesbe“, murmelt Andrea. Es klingt, als spucke sie die Worte aus. „Na dann ist ja alles klar.“
Die Linien sind gezogen, die Fronten abgesteckt.

Die Runde löst sich auf, die Studentinnen gehen auf Distanz. Wie ein Lauffeuer macht die Neuigkeit die Runde.
Offene und versteckte Ablehnung schlägt Birgit nun entgegen. Die vielgerühmte Toleranz und Offenheit gibt es scheinbar nicht.
Nur wenige Studenten bekennen sich zu ihr. Eine davon ist Kerstin, die ihre beste Freundin wird. Sie bricht mit der Gruppe und wird nun auch gemobbt.
Freundschaft ohne Grenzen.

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Birigt, als Person, gibt es nicht. Diese Situation ist erfunden und die Summe von Erfahrungen, die entweder ich, oder andere Lesben an der Uni machten. Während ich selbstbewusst den Weg nach vorn antrat, hatten es andere Frauen schwer. Aber wo genau liegt das Problem?

Viele Menschen unterstellen Lesben ein männliches Verhalten. Kurze Haare, Hosen, Hemden, werden als untypisch für Frauen angesehen. Aber DIE Lesbe gibt es so wenig, wie DEN schwulen Mann. Leider lassen sich viele aus der LGBT-Gemeinde in eine Schublade pressen, oder folgen einem Modetrend, der aus den USA nach Deutschland schwappt.

Aber während man im Alltag homophobe Menschen oft meiden kann, fällt das an einer Uni schwer. Dort, an der Stätte geistiger Elite, erwarten viele Toleranz. Das Gegenteil ist der Fall. Die Uni ist ein Spiegel der Gesellschaft. Junge Menschen treffen sich dort zum lernen. Nur Toleranz wird oft nicht gelehrt, wenn der Professor ein Homophober ist.

Vor einigen Jahren noch fand sich in der (veralteten) Prüfungsliteratur von Psychologie-Studenten, der Hinweis auf Experimente zur Heilung von Homosexualität mittels Elektroschocks. Und das im 21. Jahrhundert. Normalität ist anders.

Normal ist es, wenn bioökologisch fett gemästete Schweine zu Tode gequält … ich meinte natürlich geschlachtet werden. Oder 1000 Afrikaner im Mittelmeer ertrinken. Da schaut man doch einfach weg und schreibt lieber Hetzartikel über Lesben. Auch eine Form von Coming Out, zeigt sie doch das wahre Gesicht der Menschen.

Birgits Ausweg wäre Schweigen gewesen, oder ein (Schein)Verhältnis mit Matthes. Nicht wenige Lesben leben so und leiden unter harten Stößen. Birgit, das bin auch ich. Wer mir dumm kam, dem gab ich die passenden Antworten. Mit spitzer Zunge und scharfen Worten. Mein Weg, nicht der jeder Frau.

Zur Ehrenrettung der Unis muss ich aber sagen, dass dort Ablehnung oft nur unterschwellig spürbar ist. Die geistige Elite hat ganz andere Möglichkeiten, als die Fratze der Gewalt. Gewalt, die übt sie subtil und mit Worten aus. Damit die heile Welt überlebt.

PS: Da ich Happy Ends mag: (Die fiktive) Brigit und Kerstin gehen gemeinsam ihren Weg. Als beste Freundinnen, die sich gut verstehen. Gemeinsam finden sie die Kraft, Mobbing und Häme zu überstehen. Andere StudentInnen haben Selbstmord begangen. Das ist die Realität.

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Wenn der Kom­mi­li­to­ne fummelt

Nyah ist neu an der Uni, Nyah ist aus dem Tschad. Schon als Kind ist sie nach Deutschland gekommen und spricht die Sprache nun perfekt. Ihr Wunsch ist Jura zu studieren, da sie anderen Menschen helfen will. Nyah hat viel erlebt in ihrem Leben, auch Anfeindungen gegen ihre Person. Als Kind war sie „die Schwarze“, oder das „Mädchen aus Afrika.“

Nyah ist ein stilles Mädchen. Etwas schüchtern, aber positiv eingestellt. Ihre ersten Tage an der Uni sind spannend, sie muss hier ihren Weg erst finden. Da hilft es, wenn ältere Semester sich kümmern. Nyah ist Single, sie hat noch keinen Freund gehabt. Schule und (Aus)Bildung sind ihr wichtiger, als flüchtiger Körperkontakt.

Simon ist nicht neu an der Uni, Simon ist ein alter Fuchs. Und als seine Augen Nyah sehen, wird die Lust in ihm geweckt. Er sucht Nyahs Nähe und macht sich bekannt. Seine helfende Hand sucht immer wieder den Körperkontakt, gern fasst er die dunkle Schönheit an.

Nyah ist verunsichert. Zwar mag sie Simon, seine Hilfe, die Hände sind ihr unagenehm. Nyah hat Angst etwas zu sagen, in ihrer alten Heimat widersprechen Frauen nicht. Die Sache eskaliert, als Simon sie zur Party bittet. Um neue Kontakte zu knüpfen geht Nyah widerwillig mit. Ein Fehler, wie sie schnell bemerkt.

Kaum Frauen, aber umso mehr Männer, finden sich in dem Verbindungsheim. Prompt wird sie angestarrt und kommentiert. Nyah hat Angst, sie will nach Hause gehen. Aber Simon bittet sie zu bleiben, er habe noch eine Überrschung für sie. Und die Überrschung gibt es wirklich, als er sie in ein Nebenzimmer lotst und zu küssen versucht.

An dieser Stelle gibt es einen harten Schnitt, die Handlung wird kurz unterbrochen. Die Kriminologin Katrin List bringt es in ihrer Studie auf den Punkt. 81 Prozent der Studentinnen haben bereits sexuelle Belästigung erlebt. Vergewaltigungen seien aber selten. Lediglich 3,3 Prozent der Befragten gaben an, während ihrer Studienzeit sexuelle Gewalt im strafrechtlichen Sinne erlebt zu haben.

Ich habe diese Art der Anmache am eigenen Leib erlebt. Viele Männer interessiert es nicht, ob Frau lesbisch ist. Nur weiß ich mich zu wehren, mit Worten und zur Not mit Tat. Und auf Männerparties gehe ich nicht, ich lebe meist in einer Frauenwelt. Und Frau muss sich zwingend gegen Belästigungen wehren. So, wie ich.

In den USA gibt es weitaus mehr Übergriffe. Sexuell verklemmte Männer nehmen sich mit Gewalt, was Frau nicht freiwillig gibt. Positiv: dort wehren sich immer mehr Studentinnen mit Beschwerden gegen diese Art der Gewalt. Und die Hochschulen reagieren zögernd. Und Deutschland macht das auch.

Nyahs Fall nimmt eine positive Wendung, als ein nigerianischer Kommilitone den Raum betritt. Mit einem Blick erkennt er die Situation und stößt Simon zurück. Nyah zittert und ist kaum zu beruhigen. Anzeige gegen Simon will sie keine machen, aber ihr Retter besteht darauf. Sein Name ist Ochuko und das heißt Geschenk. Und genau das wird er für Nyah werden.

Simon wird nach § 177 StGB wegen sexueller Nötigung angeklagt und in letzter Konsequenz noch von der Uni verwiesen. Es war nicht der erste Vorfall dieser Art. Neben Nyah melden sich noch zwei weitere Studentinnen zu Wort, bei denen Simon seine Masche ebenfalls versuchte. Eine davon hat er sogar geschlagen.

Niemand weiß, wie weit Simon bei Nyah gegangen wäre. Für ihn war es ein harmloser Kuss. Für Nyah Gewalt gegen ihre Person. Und damit hat sie recht. Nach § 177 Abs. 1 StGB ist eine sexuelle Nötigung eine Nötigung, die auf die Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen gerichtet ist, wobei der entgegenstehende Wille des Opfers durch den Täter gebeugt wird.

Ich habe Nyah vor einigen Jahren bei Freunden getroffen und sie hat mir diese Geschichte erzählt. Durch mich ist sie zum Karate gekommen und Ochuko auch. Den hat sie übrigens geheiratet. Nicht wegen der Tat, es war Liebe auf den ersten Blick. Und Ochuko darf auch bei ihr fummeln, wie sie verlegen gesteht.

Liebe braucht keine Ferien

Die Reise nach Japan steht vor der Tür, die Vorbereitungen sind getroffen. Zeit für mich Einkehr zu halten und tief durchzuatmen. Die letzten Monate waren turbulent. Viel mehr, als mein Blog gezeigt haben mag. Zwischen Haushalt, Uni und BWL, gab es noch Sport und die Hilfe für Freunde. Und allein hätte ich all das nicht geschafft.

Yuki und ich sind ein eingespieltes Team. Und auch, wenn es dieses Jahr viele Neuerungen in unserem Leben gab, haben wir schnell eine Routine entwickelt. Nicht zur Routine geworden sind unsere Gefühle, die immer oberste Priorität im Leben haben. Und egal wie selbstbewusst ich bin, ohne meine Elfe wären viele Dinge anders für mich.

Ich reiße mit und fort, habe stets verrückte Ideen. Sie dämpft meine Begeisterung und sorgt dafür, dass unsere Reise nicht übers Ziel schießt. Was mich zur Frage bringt, ob wir ohne einander leben könnten. Die Antwort ist schwierig und auch wieder nicht.

Vielleicht mag unsere Symbiose für viele Menschen langweilig klingen. Vielleicht mag unser Leben nicht das richtige für andere sein. Vielleicht vermissen sie Individualität und Selbstverwirklichung. Aber kann ein Rennwagen ohne Spezialbenzin fahren? Und genau das ist Yuki für mich: Mein Treibstoff, während ich ihr Antrieb bin.

Es gibt Paare, die brauchen Auszeiten. Manche gehen sogar fremd, um wieder zueinander zu finden. Es werden Ferien von der Liebe gemacht und eigene Wege beschritten. Bei all unserer Gemeinschaft ersticken wir die andere nicht. Jede von uns hat ihren eigenen Kopf. Aber wir streiten nie. Die Richtung stimmt. Wir diskutieren nur, wie wir sie erreichen. Und das machen wir gut.

Wenn ich von Antrieb und Treibstoff spreche, so ist das nicht gelogen. Wir kämen auch ohne die andere ans Ziel. Nur anders. Ich wäre wilder und weniger nett, das steht außer Frage. Und Yuki einfach ruhiger im Leben. Und genau das will sie nicht. Wir sind keine Vampire, die an der anderen saugen. Unsere Fähigkeiten ergänzen sich perfekt. Daher werden wir nie Ferien von der Liebe machen.

Entzug auf Raten – Eine Geschichte von der Sucht

Dass ich süchtig bin, habe ich schon eine Weile gewusst. Aber mir war nie klar, wie stark die Sucht fortgeschritten ist. Unruhe erfasst mich. Die Nervosität macht mich unkonzentriert. Die Zahlen und Konzepte vor mir sind nur Schall und Rauch. Zum ersten Mal in meinem Leben will mir etwas nicht gelingen. Die spielerische Leichtigkeit ist weg.

Nun wäre ich nicht meine eigene, ach so perfekte Analystin, wenn ich die Ursache dafür nicht finden könnte. Sofort mache ich mich ans Werk und bewerte meine Situation. Das ist schwieriger als gedacht und wieder schweifen meine Gedanken ab. Selbst Atemübungen wollen nicht helfen. Fast erbost kicke ich gegen den Sessel, der entsetzt nach hinten kippt. So wird das nichts, das ist mir klar. Und Polstermöbel sind undankbare Gegner.

Mit grimmigem Blick tigere ich in die Küche und malträtiere Gemüse und Fleisch. Das fetzt und spritzt und ich bin halbwegs zufrieden mit mir. Nur eine Lösung auf Dauer kann das nicht sein, ich muss mir andere Dinge ausdenken. Vielleicht eine Runde Z? Und hat Wolf nicht von einem neuen Audi gesprochen? Spontan rufe ich an, aber er winkt nur ab.
„Wir sind noch mit dem Steuergerät beschäftigt, du darfst ihn dann die Tage fahren.“
Schneller, höher, weiter.

Halb in Gedanken stecke ich Unterlagen und Laptop in den Rucksack. Erst jetzt wird mir bewusst, was ich da mache. Ein Zeichen, das ist sofort klar! Im Eilschritt geht es die Treppe hinab, der Z wartet schon. Ein Gruß an die Nachbarin, dann erwacht der Motor zum Leben. Ich weiß nun wohin es geht. Aber es gibt immer Momente im Leben, da liegt Nebel auf der Seele und trübt den klaren Blick. Der ist nun weg. Und ich auf meinem Weg.

Der Stuttgarter Verkehr ist und bleibt eine Sache für sich. Selbst schimpfen macht da keinen Sinn. Nur Gelassenheit hilft. Was schwierig ist, wenn die Sucht dagegen spricht. Meine Unruhe wächst, wieso fährt die Nase da vorn nicht endlich weiter? Ganz unjapanisch fange ich an zu fluchen. Lässig fauchend zieht der Z vorbei. Power, die ich meine. Und japanische Schimpfworte sind toll. Mag wer welche lernen?

Fast automatisch wähle ich den Weg zur Uni. Alles andere ist mir heute egal. Um die Zeit weiß ich Yuki in der Mensa. Und falls nicht, so werde ich sie finden. Ich kenne ihren Plan. Eine Kommilitonin sieht mich verwundert an. „Hattest du nicht aufgehört?“, will sie von mir wissen. Ich schenke ihr ein Lachen. „Manche Dinge hören niemals auf“, sage ich orakelhaft und eile weiter. Ewigkeit ich komme!

Ich finde meine Elfe tatsächlich in der Mensa. Wieso nur schaut sie so bedrückt? Mir wird ganz flau im Magen.
„Hey Elfchen“, flüstere ich, „was ist, du siehst so traurig aus.“
Es gibt wenige Dinge auf dieser welt, die mich aus dem Gleichgewicht bringen können. Und Yukis Elfenlachen gehört dazu.
Wortlos schlingt sie die Arme um mich und gibt mir einen Kuss.
„Ihr Zwei seid unglaublich“, höre ich eine Studentin sagen. Aber sie freut sich mit uns und lacht. Liebe ist auch eine Sucht. Was habt ihr denn nun gedacht?

Ich bin völlig ruhig in diesem Moment. Meine Sucht ist vergessen. Ohne Elfe bin ich nichts, das ist mir nun endlich klar. Und ich mag mich nicht mehr von ihr trennen, das entscheide ich spontan. Ich bin noch eingeschrieben an der Uni, das ist mein großes Glück.
Und ab sofort wird dann eben wieder gemeinsam die Zeit verbracht. Einen Abschluss muss ich ja nicht mehr machen. Und arbeiten geht auch dort. Ich bin zu gut für diese Welt.

„Was machst du eigentlich hier?“, will Yuki wissen und blinzelt frech. „Solltest du nicht endlich Geld verdienen?“
Ihr geht es gut, das merke ich.
„Ich war auf Entzug“, sage ich und kitzele sie. „Und das hört ab heute auf. Ich mag wieder die volle Dosis haben. Ist das für dich okay?“
„Aber nur wenn du kochst“, sagt Yuki und meint es alles andere als ernst dabei.
Sie ist glücklich und ich bin es auch. Manchmal muss die Logik den Gefühlen weichen.
Ich liebe dich mein Schatz.

Ich, mein Selbst und das ständig

Die meisten Menschen bleiben fremdbestimmt. Und das ihr Leben lang. Mein Weg war immer anders. Aber anpassen kann ich mich auch. Es lernt sich im Klassenzimmer einfach besser, als einsam vor der Tür. Aber das nur nebenbei und als Einstieg in diesen Bericht. Bekanntlich habe ich BWL studiert. Und auch ausgezeichnet abgeschlossen. Nur arbeite ich nicht mehr im BWL-Bereich und hatte es auch nie mehr vor. Aber Dinge ändern sich und ich bin aufgeschlossen.

Auch Yuki hat einen Titel. Aber das Lehramt war kein Ziel. Unser Weg zurück auf die Uni war gut. Und er war richtig. Aber eben nicht auf Dauer. In den letzten Monaten ist in mir klar geworden, dass ich keine weiteren Jahre studieren will. Mein Plan, in einem Verlag, oder als Redakteurin zu arbeiten, war lediglich eine Laune von mir. Ich sehe mich einfach nicht berockt und bestrumpft durchs Großraumbüro stöckeln und den News von vorgestern nachjagen. Eingezwängt ins Korsett von Konventionen und Lügen, wäre das mein geistiger Tod. Außerdem lüge ich sehr schlecht.

Im LGBT-Bereich werde ich auch weiterhin aktiv bleiben, das stand niemals zur Debatte. Vielleicht ergeben sich in Zukunft andere Möglichkeiten, um die Regenbogenflagge weiter hoch zu halten. Das werden wir dann sehen. Ob das weiter in BaWü ist muss sich noch erweisen. Zur Zeit denken wir über einen Umzug nach Düsseldorf nach. Ohnehin sind wir in letzter Zeit ständig dort, was meine Eltern freut. Nur die spaßige Frage nach Enkeln bringt mich in Rage. Aber Yuki lacht nur und alles ist gut.

Es fällt mir leicht Entscheidungen zu treffen und meinen Lebensweg zu sehen. Für Visionen bin ich immer zu haben. Also habe ich analysiert, was ich wirklich kann und will. Ich kann Karate, Aikido, Kendo und nun auch Wing Chun. Im Karate bin ich Meisterin, den Rest lasse ich folgen. Ich bin Feministin und ich stehe für die Rechte von Frauen. Ich beschütze Menschen gern und gebe meine Kunst auch weiter. All das befähigt mich zur Sensei, dem japanischen Wort für Lehrer(in). Und ich kann BWL. Aber das schrieb ich bereits. Mehr davon in Kürze, ihr werdet schon sehen.

Nun kann man von Kampfkunst nicht immer leben. Auch, wenn das Sicherheitsbedürfnis in Deutschland steigt. Meine Familie ist nicht ganz arm. Und Immobilien im In- und Ausland helfen, um das Leben angenehmer zu gestalten. Meinen Eltern sozusagen auf der Tasche liegen, das war nie mein Ding. Aber warum Hunger leiden, wenn es auch anders geht? Finanzielle Sicherheit ist eine tolle Sache. Aber ausnutzen ist anders.

Meine Liebe zu schnellen Autos ist dann noch einmal eine ganz andere Sache. Die habe ich nie in dem Maß ausgelebt, wie Töchter und Söhne reicher Eltern. Mein Mittelklasse Toyota war mir lange Zeit genug. Ich musste nie mit einem Porsche protzen. Yukis Vater ist Automobilist mit Leidenschaft. Ein Manager mit innovativen Ideen. Er hat uns den Einstig in die Arbeitswelt ermöglicht und sehr bedauert, dass wir gehen. Aber wir arbeiten wieder für ihn. Wenn auch so völlig anders, als er das gern hätte. Ähnlich wie mein Vater kann er aber Yuki keinen Wunsch abschlagen. Und die Idee uns als Testfahrerinnen zu verpflichten kam von ihm.

Begegnungen mit Menschen, wie Graf Werner und der pensionierten Lehrerin Brigitte, haben mich berührt. Auch der Krav Maga-Experte von der Polizei, hat mit meiner Entscheidung zu tun. Und natürlich meine Freundin Linda, mit der ich stärker zusammenarbeiten will. Aber nicht als Angestellte. Der Entschluss steht fest, ich werde selbstständig sein. Freiberuflerin mit A-Lizenz und Schwarzem Gürtel. Was will Frau noch mehr? Und zu Graf Werner gibt es auch noch viel zu sagen. Aber davon in einem anderen Artikel mehr. Titel adeln sich.

Für die Uni bedeutet das Goodbye. Kein Powerstudium, keine Klausur. Es war schön. Auf Wiedersehen. Leider bedeutet es auch den bisher größten Einschnitt in meinem Leben, die Trennung von meiner Frau. Natürlich nicht für immer, was habt ihr denn nun gedacht? Der Plan ist einfach: Master und Frau Dr. machen. Und dann steigt sie bei mir ein. Bei ihrer Begabung nur ein Klacks. Mit nun zwei Autos gibt es da kein Problem. Zur Not bin ich immer zur Stelle. Und exmatrikuliert bin ich noch nicht. Aber es werden lange Stunden ohne meine Elfe sein. Also muss ich schneller fahren und höher kicken. Und das kann ich bekanntlich gut. Und auch malen nach Zahlen.

Linda und ich werden Seminare und Kurse in Selbstverteidigung geben. Bevorzugt für Frauen und Mädchen. Aber auch für Mann. Dann aber nur für solche, die keine polizeiliche Vorgeschichte haben. Und das können Manager, oder Polizeibeamte sein. Für meinen Schwiegervater werde ich ebenfalls weiter Autos fahren. Aber das nur nebenbei und zu anderen Konditionen. Aber BWL wird vorerst wieder meine Hauptsache sein. Trocken, präzise und analytisch gut.

Was das für meinen Blog bedeutet, steht auf einem anderen Blatt. Schon eine Weile bin ich dort weniger aktiv vertreten, aber immer noch präsent. Zum Glück kann ich meist von zu Hause aus arbeiten. Und das soll auch so bleiben.

Leben im Hier und Jetzt

Auf etwas zu warten, war noch nie ein Thema für mich . Ausnahmen gibt es natürlich immer, gemeint ist aber das Leben. Ich lebe im Hier und im Jetzt. Gestern ist vergangen und morgen ist ein neuer Tag.

„Früher war alles besser“, sagen manche Menschen. Zwanghaft halten sie an vergangenen Dingen fest. An ehemaliger Liebe, dem ach so perfekten Job. Sie drehen sich im Kreis, statt selbst aktiv zu werden. Witzigerweise immer mit dem Blick auf die Uhr. In einer Stunde haben sie einen Termin beim Arzt, oder müssen schnell bei einer Freundin sein. Dort wird dann wieder auf hohem Niveau gejammert und sich endlos im Kreis gedreht. Und so dreht sich die Spirale des Verlustes immer weiter, vom einen auf den anderen Tag. Das Leben aber spielt sich Hier und Jetzt ab. Nur im Jetzt erleben wir das wahre Glück.

Hauptsächlich Frauen neigen dazu sich selbst die Schuld an einem Verlust zu geben.
Sätze wie „Ach hätte ich doch damals nur,“ prägen ihr gesamtes Leben. Immer sind sie schuld, wenn ihr Partner sie verlässt. Der Zweifel am eigenen Ich überwiegt.
„Bin ich attraktiv genug? Habe ich etwas falsch gemacht?“
Diese Sätze höre ich immer wieder. Und daher manchmal nicht mehr zu.
Die Vergangenheit war gestern. Heute beginnt ein neuer Morgen, heute beginnt ein neues Glück. Aber nur dann, wenn wir unsere Augen dafür öffnen.

Vergangenes kann uns aber auch unschätzbare Dienste erweisen und ein guter Lehrmeister sein. Vorausgesetzt wir sind offen dafür. Nur dann können wir im im Schatzkästlein der Erinnerungen graben.
Und welch kostbare Dinge gibt es dort immer wieder zu entdecken!
Leider schaffen es viele Menschen nicht, mit alten Dingen abzuschließen, oder sie zu einem guten Ende zu bringen. Jahrelang trauern sie einer verlorenen Liebe hinterher und übersehen dabei einen in sie verliebten neuen Menschen. Alte Geister haben Besitz von ihnen ergriffen, der eigene Geist bleibt kalt und verwirrt.
Diesen Menschen möchte ich zurufen: Nicht das Gestern, das Heute braucht dich! Nimm es einfach an.

Ich kenne Frauen, die ihr ganzes Leben auf den nächsten Tag ausrichten. Daran ist nicht grundsätzlich alles verkehrt. Auch ich plane für eine Zukunft, aber mit Bedacht.
Zweifel sind mir fremd. Darüber habe ich bereits geschrieben. Einfach KLICKEN falls es interessiert.

Ich lege Ziele fest und gehe meinen Weg. Aktiv und ohne lange zu verharren. Und das kann jeder machen!
Wieder muss ich Miyamoto Musashi zitieren, den legendären Samurai. Es ist auch sein Buch, das mich immer wieder nach vorn bringt.
Musashi hat seine Gegner studiert und Schwachpunkte sofort erkannt.
So und nicht anderes habe ich das schon immer getan.
BWL war Klasse, aber letztlich auch ein Doktortitel nicht genug. Germanistik / Neuere deutsche Literatur, ein erstrebenswerteres Ziel.
Das bin ich knallhart angegangen und habe es bisher nie bereut.

Das berühmte „Wenn – Dann – Denken“, ist mir stets fremd geblieben. Oder ein „Was, wenn dieses und jenes passiert?“
Was soll passieren, außer sich ständig im Kreis zu drehen und auf der Stelle zu verharren?
Und das ist kein Leben, das ist und bleibt jammern auf hohem Niveau. Viel wichtiger ist es die Chancen des Augenblicks zu nutzen.
Die Zukunft einmal visualisiert sollte auch angegangen werde. So, wie Musashi seine Gegner. Dabei war ihm fast jedes Mittel Recht.
Und sollte es auch bei Menschen der Neuzeit sein.
Wir brauchen keine alten Miefesocken, oder immer nur die Schmutzwäsche von Gestern zu waschen. Und auf jede noch so dunkle Nacht, wird immer ein sonniger Morgen folgen.
Ziele festlegen heißt die Devise. Dann zurück ins Hier und Jetzt und Augen aufs fürs neue Glück.

Viel Glück dabei. Ich weiß, dass ihr es schaffen werdet!

Plädoyer für die Liebe

Samstag ist Frauenabend. Wir sind eingeladen und eine strahlende Ilka öffnet uns die Tür. In den letzten Wochen ist die Jura-Studentin aufgeblüht. Und das hat sie nicht nur uns zu verdanken. Klar haben wir sie damals nach dem Erlebnis mit der untreuen Gabi aufgebaut und Online Dating mit ihr gemacht. Aber es war auch eine riesige Portion Glück, dass sie auf Amelie traf. Und Amelie, hat sie mit in ihre Welt genommen.

Es gibt Menschen, die sind immer gut gelaunt, immer auf einem guten Weg. Für sie ist ein Glas halb voll und nicht halb leer. Amelie ist eine solche Frau. Im Gegensatz zu mir, ist sie keine wirkliche Alpha. Aber durchaus selbstbewusst. Sie hat kein Helfersyndrom, wie andere Frauen. Aber bei ihr und Ilka schlug der sprichwörtliche Blitz ein. Und eigentlich ist es Ilka, die sich verändert hat.

Wir haben über so einiges geredet an diesem Abend. Natürlich ging es um Liebe, aber auch über die Lage von Frauen in Deutschland und der Welt. Und ich durfte mir nun von gleich zwei Juristinnen anhören, wie es rechtlich um den Fall Alice Schwarzer bestellt ist. Das war interessant, aber spannend ist anders. In einem Akt von Notwehr greife ich zu einer Scheibe Weißbrot und stecke es der überraschten Ilka in den Mund.

Amelie schaut mich entgeistert an.
Yuki reagiert sofort und schenkt ihr ein typisch japanisches Lächeln.
„Wollen wir essen?“, fragt sie in die Runde. „Ich habe Hunger.“
Ilka wirft mir einen gespielt bösen Blick zu, kann aber ein Schmunzeln nicht verbergen. Auch sie hat verstanden.
„Alles gut“, sagt sie schnell zu Amelie. „Das war Mayumi pur. Gewöhn dich besser dran.“

Ilka hat gekocht. Und das kann sie richtig gut! Es gibt Curry-Hähnchen mit Basmati Reis. Zum Nachtisch Früchte mit Eis.
Amelie wirkt etwas gehemmt. Vielleicht ist meine Brot-Attacke auf Ilka doch etwas heftig gewesen. Nicht jeder Mensch kann mit meinem Humor.
Ich deute auf das Hähnchen.
„So viel zum Thema alle Lesben seien Vegetarierinnen“, sage ich. „Aber Ilka hat bestimmt irgendwo noch ein Rudel Katzen versteckt.“
Yuki hält demonstrativ den Atem an.
„Bloß nicht“, meint sie. „Der Abend wäre für mich sprichwörtlich gelaufen.“
„Sie ist allergisch gegen Katzenhaare“, füge ich hinzu. „Sonst hätten wir bestimmt zwei dieser Schmusetiger.“

„Meine Großeltern hatten einen Bauernhof“, erzählt Amelie. „Ich bin dort praktisch aufgewachsen. Zwischen Hühnern, Pferden und Getreide. Und als kleines Mädchen wollte ich immer Tierärztin werden. Oder im Reiten eine Goldmedaille gewinnen.“
„Was ist aus diesen Träumen geworden“, will ich wissen. „Warum nun Jura?“
„Ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn“, erwidert Amelie. „Und nachdem es bei der Polizei nicht klappte, habe ich eben Jura studiert. Ich sah mich schon als große Anwältin die wildesten Fälle vor Gericht verteidigen.“
„Und heute verteidigt sie mich“, wirft Ilka ein und streicht ihr sanft über den Arm. „Das musst du bei Mayumi aber nicht. Du hättest sowieso keine Chance.“
Amelie muss lachen.
„Ilka sagt du machst Karate?“
„Ja“, sage ich. „Karate, Aikido und Wing Chun Kung Fu.“

Amelie nickt begeistert.
„Ich habe bis vor einer Weile Jiu-Jitsu gemacht“, erzählt sie stolz. „Und sogar den 1. Dan. Aber dann ist das Studium immer heftiger geworden und das Training immer weniger. Ich möchte aber unbedingt wieder damit anfangen!“
„Und ich komme dann mit“, fügt Ilka hinzu.
„Finde ich gut“, sage ich. „Yuki und ich trainieren auch zusammen.“
„Du meinst du kitzelst mich immer“, sagt meine Elfe. „Das macht sie nämlich immer!“
„Ach was“, wehre ich ab und strecke meine Hand nach Yuki aus.“
„Wehe!“, zischt sie und alle lachen.

„Wir haben beschlossen, dass Amelie zu mir zieht“, sagt Ilka unvermittelt. „Auch wenn wir uns erst kurz kennen. Es passt einfach. Und ich mag nicht immer Sehnsucht haben.“
Amelie strahlt und greift nach Ilkas Hand.
Yuki lächelt und ich freue mich ebenfalls.
„Wir haben damals zwei Jahre auf diesen Schritt gewartet“, erzähle ich. „Aber es ging nicht anders. Ich war mitten im Studium und wollte nicht so ohne weiteres die Uni wechseln.“
„Sie hat mich absichtlich leiden lassen“, sagt Yuki mit gespieltem Ernst. „Das macht sie immer so. Ich weiß nicht mal warum ich sie geheiratet habe. Kochen kann sie auch nicht.“
„Du meinst du lässt mich nicht“, erwidere ich. „Immer wenn ich in der Küche bin steht sie neben mir und hilft.“
„Ja, weil du zu doof bist um …“
Ich kitzele Yuki nun doch und sie hält die Luft an.

„Keine Angst, das ist kein Streit“, sagt Ilka, um Amelie zu beruhigen. „Das machen die beiden immer so.“
„Reine Selbstverteidigung“, sage ich. „Meine Frau hat den höchsten Gürtel im Kissenwurf.“
„Wie lange kennt ihr euch?“, fragt Amelie.
„Im Sommer werden es sechs Jahre“, sagt Yuki leise und mir wird ganz warm ums Herz.
Aber sie wäre nicht Yuki, wenn nun nicht sofort wieder ein Dämpfer käme.
„Und seit Oktober 2013 haben ich lebenslänglich“, fügt sie hinzu. „Und ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll mit diesem Biest. Vielleicht mögt ihr mich ja verteidigen, wenn ich mich dann wieder scheiden lasse.“
Ich kann nicht anders und fange an zu lachen. Das ist Yuki-Humor pur.

„Ihr seid unmöglich“, meint Ilka und schaut uns abwechselnd an. „Aber auch das ideale Paar. Ihr könnt doch nicht ohne die andere. So viel Harmonie habe ich selten erlebt. Das ist …“, sie denkt kurz nach und nickt. „Das ist ein Plädoyer für die Liebe!“
Amelie hat plötzlich Tränen in den Augen. Sie will etwas sagen, aber ihre Stimme versagt.
Ich zwinkere ihr und Ilka zu.
„Und ihr könnt das auch“, sage ich. „Nur Staatsanwältinnen dürft ihr nicht werden, das käme nicht gut.“
„Warum das denn?“, will Ilka wissen.
„Bis du doof?“, fragt Yuki, die meine Gedanken natürlich kennt. „Staatsanwälte küsst man nicht.“

Von verborgenen Pfaden und einem langen Weg

Winterweg

Es ist Winter geworden in der Schweiz. Die Straßen sind verschneit. Hand in Hand wandern wir durch die Nacht, einem neuen Tag entgegen. Wir machen solche verrückten Dinge. Und oft ist es Yuki, die mich dazu motiviert. Wir sind vor einer Woche mit dem Test-Golf in in den Schnee gefahren. Ein Ausflug im Winter, Urlaub für einen kurzen und doch so langen Tag. Und wir haben geredet, wir haben uns entschieden. Wie versprochen erzähle ich davon.

Wir bleiben stehen und schauen zurück. Deutlich zeichnen Spuren unseren Weg. Und Spuren wollen wir auch auf unserem Lebensweg hinterlassen. Das war immer unser Ziel. Wir sprechen über die Zukunft, über Arbeit, Sport und Spiel. Sicherheit wird bei uns groß geschrieben, da sind wir sehr konservativ. Finanziell sind wir durch unsere Eltern abgesichert. Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Aber sie sind stolz auf uns. Wir haben bereits Berufe, aber unsere Berufung waren sie nicht. Yuki sieht das wie ich. Zwei Herzen, eine Seele.

Vor einer Weile habe ich von meinem Weg ohne Zweifel geschrieben. Aber es ist eine Sache mit 300 km/h über die Autobahn zu brausen, mit Vollgas durch die Nacht. Auf der Autobahn des Lebens geht das nicht. Unebenheiten, Schlaglöcher und lange Staus sind Hindernisse, die unser Fortkommen oft erschweren. Manchmal müssen wir deshalb kleinere Schritte machen. Jeden Tag aufs Neue, jeden Tag ein Stück. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“, steht in der Bibel. Ja, auch darin habe ich gelesen. Dürfen Buddhisten das nicht?

Nach drei Jahren Vollzeit-Job sind Yuki und ich zurück auf die Universität gegangen. Wir haben ein „Leben in Luxus“ aufgegeben, um einen anderen Weg zu gehen. Den Weg der Kunst und Künstler. Nie brotlos und vor allem motorisiert. Möglich gemacht haben das unsere Eltern. Vielen Dank dafür! Noch ist unklar, wohin uns dieser Weg führen wird. Aber ist ankommen immer wichtig? Ist nicht das ganze Leben eine lange Reise?

Nach drei Jahren Uni-Pause ist alles neu. Angst habe ich keine. Lernen ist meine Passion. In den ersten Tagen schaue ich mich um. Neue Wege, neue Menschen, neue Gesichter. Wie jung sie doch noch sind. Yuki und ich fallen kaum auf. Kein Wunder, wir sehen wie Anfang Zwanzig aus. Ein Vorteil Japanerin zu sein. Und laut einem japanischen Online-Test ist das auch mein geistiges Alter. Yuki sagt sie habe immer schon gewusst, dass ich ein Kindskopf bin. Ist sie nicht eine tolle Frau?

Wir bleiben meist unter uns. Wenn wir keinen Kontakt haben müssen, meiden wir andere StudentInnen. Für uns ist die Uni lediglich Pflichtprogramm. Die Kür haben wir hinter uns gelassen. Vor drei Jahren in einer anderen Zeit. Neid kommt keiner auf, die Neugier von KommilitonInnen hält sich in Grenzen. Wir sind und bleiben Außenseiter. Nur Mann ist stärker an uns interessiert. Wir amüsieren uns über die Blicke und gehen bewusst meist Hand in Hand.

Die meisten Männer schreckt das so wenig, wie unsere Eheringe. Sie werden weiter baggern. Wir müssen den ein oder anderen Dämpfer verteilen. Danach herrscht Ruhe, ich kenne das schon. Der Weg unterm Regenbogen kann oft steinig sein. Aber ich weiche Ärger niemals aus. Meist lenke ich ihn um und ab. Mit purer Kraft gewinnt man keinen Kampf.

Unser neuer Studienweg ist etwas chaotisch. Anfangs bringen mir die beiden altem Semester Literaturwissenschaft nicht viel. Das ist Jahre her und wird nicht mehr anerkannt. Aber schon nach kurzer Zeit ist klar, dass ich das erste Semester locker in der Tasche habe. Ein Kinderspiel mit einer studierten Elfe als Frau. Ich werde 3 – 4 Semester pro Jahr machen. Alles andere wäre Zeitverschwendung. Zur Not höre ich auf zu bloggen. Wen interessiert mein Geschreibsel sch0n.

Auch Yuki hat Glück. Sie hat zwar damals abgebrochen, aber ihr werden die Scheine anerkannt. Mein Elfe wird also vor mir fertig sein, was ich ihr von ganzem Herzen gönne. Aber sie will nach dem Master auch ihren Doktor machen, wie sie mir an diesem Morgen in der Schweiz erzählt. Bachelor ist sie schon. Dann bleibt sie an der Uni. Wir werden sehen. Ich bin total stolz auf sie und werde sie unterstützen. Ich habe ja Erfahrung darin.

Es ist Winter geworden. Und nicht nur in der Schweiz. Die Straßen sind verschneit. Hand in Hand wandern wir weiter, den Blick nach vorn gerichtet. Unser Leben mag langweilig klingen, das ist mir schon klar. Wir scheinen vorgezeichnete Wege zu gehen. Aber das sind nur die Wege, die ich zeige. Die verborgenen Pfade gehören uns allein. Dorthin kann uns niemand folgen. Und das wollen wir auch nicht. Vor uns liegt ein langer Weg. Und es wird Zeit, dass wir ihn gehen. Sayonara!

Gar lustig ist das Studentenleben

Als ich nach dem Abitur zur Uni ging war alles anders. Neue Menschen, neue Eindrücke, ein völlig neues Leben. Und doch zum Teil vertraut. Da ich in Düsseldorf studierte brauchte ich keine Wohnung. Und Geld war nie ein Problem. Ich konnte also ganz entspannt lernen. Aber wilde Partys, ein lustig-lockeres Studenleben, habe ich gemieden. Wozu hätte das gut sein sollen? Ich bin durchaus zielorientiert. Was ich erreichen möchte, das gehe ich ohne Umschweife an. Wenn auch auf meine eigene Weise.

Wer nun glaubt ich habe keinen Spaß gehabt, der irrt sich gewaltig. Aber bei mir kam vor dem Vergnügen immer die Arbeit. Ganz klassisch, habe ich nur am Wochenende Party gemacht. Gute Klausuren waren mein Dank. Auch, wenn ich vielleicht einige Jahre länger studierte. Das lag aber weniger an schlechten Noten. Vielmehr fing ich damals dreimal von vorn an. Psychologie, Germanikstik, BWL. Nun habe ich immer schon viel gelesen und Psychologie hat mir am Anfang Spaß gemacht. Aber all diese Theorie, all diese endlosen Stunden vor Büchern, haben mir die Augen geöffnet. Ich habe analysiert und erkannt, dass das kein Weg zum Erfolg für mich wird. Ich denke anders, als viele Menschen. Eine tiefere Beschäftigung mit Depressionen, Borderline und Narzissmus liegt mir nicht. Das liegt weniger an mangelnder Sensibilität, als an meinem unbedingten Lebenswillen. Und der verbietet mir im Meer der Tränen zu schwimmen.

Schon als Teenager habe ich Haikus geschrieben und viel gelesen. Lust auf Literatur, auf Sprache(n), hatte ich schon immer. Germanistik war also meine zweite Wahl. Wie funktionieren Texte, wie funktioniert Sprache? Das hat mich interessiert. Vor allem neuere Deutsche Literaturwissenschaft. Die Idee war damals, Journalistin zu werden, oder in die Werbebranche zu gehen. Auch Rundfunk und Fernsehen standen zur Wahl. Aber nach zwei Semestern habe ich wieder aufgehört. Es lag an der engen Vernetzung der Universität mit der Wirtschaft. Plötzlich hatte ich meine Chance erkannt. Vor allem die Chance auf Sicherheit. Und die hat in unserer Familie große Tradidtion. Was lag also näher, als auf BWL zu schwenken. Und genau das habe ich getan.

Vielleicht war es in gewisser Weise auch Neugier, die mich so handeln ließ. Trotz einer zum Teil konservativen Einstellung, bin ich vielen Dingen gegenüber aufgeschlossen. Tradition bedeutet mir viel, aber auch die Veränderung. Wie im Karate, habe ich mich weiterentwickelt. Komplexe Zusammenhänge zu analysieren, war für mich kein Problem. Das mache ich ohnehin den ganzen Tag. Ich analysiere Menschen, Texte, Situationen. Selbst meinen Blog. BWL hat mir dabei geholfen diese Fähigkeit noch zu meistern. Aber Spaß sieht anders aus. Dazu gleich mehr.

Vielleicht ist dem einen oder anderen Leser der Name Miyamoto Musashi ein Begriff. Musashi war der vermutlich beste Samurai aller Zeiten, der perfekte Krieger. Er hat unter anderem die Zweischwerttechnik entwickelt und in seinem Leben jedes Duell gewonnen. Und davon hatte er er sehr viele. Musashi war nach heutigen Maßstäben ein wilder Kerl. Ein Killer, ein Kämpfer. Im Alter von dreizehn Jahren, hatte er sein erstes Duell. Siebzehn Jahre lang zog er durch Japan und forderte die Besten der Besten heraus. Mit Ende Zwanzig war er unschlagbar. Und doch verbrachte er sein ganzes Leben damit, seine Technik weiter zu verbessern. Musashi ist für damalige Verhältnisse sehr alt geworden. Und es war eine Krankheit, die ihn besiegte. Kein Mensch hat das jemals vollbracht.

Musashi hat das mit dem besiegen wohl anders gesehen. Er hat, den Tod vor Augen, sein berühmtes Werk „Das Buch der fünf Ringe“ geschrieben. Dieses Werk hat ihn unsterblich gemacht. Auch wenn sein Name einige Zeit in Vergessenheit geriet, so wurde er letztlich wiederentdeckt. Seine Schüler haben Musashis Tradition und Schwertkunkst bewahrt. Einer davon ist mein Vater. Er beherrscht sowohl Kendo, wie auch klassisches Kenjutsu, die alte Schwertkunst. Was hat das nun mit BWL zu tun? Nun, das Buch der fünf Ringe kenne ich seit ich ein kleines Mädchen bin. Ehrfürchtig habe ich es gelesen. Auch, wenn mir damals noch das tiefe Verständnis für die Zeilen fehlte. Nun muss man wissen, dass dieses Werk für japanische Manager so etwas wie Pflichtlektüre ist. Sein Inhalt macht selbst nach vielen hundert Jahren noch Sinn. Zwar werden in der Neuzeit keine Schwerter mehr benutzt, aber der Überlebenskampf in Wirtschaftsunternehmen hat viel mit Schlachten und Duellen zu tun.

Durch Yukis Eltern, haben wir sehr gute Kontakte in die Automobilbranche. So gut, dass wir nach Ende des Studiums sofort in den Beruf eingestiegen sind. Drei lange Jahre habe ich als Assistentin gearbeitet. Zahlen, Statistiken, Bewertungen, Analysen, das war nun meine Welt. Kaffee gekocht haben andere, dafür hatte ich nicht studiert. Zicke und Biest, hat nicht nur Mann mich genannt. Dabei wusste ich nur, was ich wollte. Und wie Musashi, so bin ich zielorientiert meinen Weg gegangen. Vielleicht weniger rücksichtslos. Aber auch mit weniger Regeln behaftet. In gewisser Weise war Musashi vermutlich eine Art von Ninja. Er hat sich wenig an die klassischen Samurai-Regeln gehalten. Hatte er ein Duell, so kam er absichtlich zu spät. Er provozierte sein Gegenüber damit und konnte seine Kämpfe so gewinnen. Nutzte sein Gegner ein Langschwert, benutzte Musashi ein noch längeres Schwert. Oder er setzte zusätzlich ein Kurzschwert ein. Der Kampf mit zwei Schwertern war den Samurai damals noch unbekannt.

BWL hat mir selbst als Berufsanfängerin viel Geld eingebracht. Aber auch meine Kreativität in einem Maß eingeschränkt, die mich erschreckt hat. Meine Liebe zu Kunst, zu Musik und Literatur, haben mich gerettet. BWL war plötzlich nur noch ein Meilenstein auf meinem Weg zur Perfektion. Ein gewonnenes Duell. Nun brauchte ich einen neuen und noch besseren Gegner. Und im Spiegel sah ich mich selbst. Yuki und ich sind im Herbst 2013 zurück auf die Universität gegangen. Auch sie wollte eine Veränderung. Da wir fast alles gemeinsam machen, war das nur die logische Wahl. Ich werde auch dieses Duell meistern und meinen Weg gehen. Bis zur Perfektion. Und irgendwann werde ich die perfekte Kriegerin sein, ein weiblicher Musashi. Mein Kenjutsu werden Worte sein, meine Katana die Feder. Und über allem wird der Regenbogen leuchten.

Mein Weg ohne Zweifel

Die Bemerkung einer anderen Bloggerin hat mich zu diesem Beitrag (an)getrieben. Sie schrieb mir als Antwort auf einen Kommentar, dass ich scheinbar immer alles richtig mache. Man könne meinen, in meinem Leben gehe es nur aufwärts und kein Wölkchen trübe meinen Himmel. Manchmal frage sie sich, wie das sein müsse. Und da sitze ich nun auf dem Sofa, mit Laptop richtig auf dem Bauch. In der Küche stapelt sich richtig viel Geschirr, Yuki singt im Bad. Falsch und zwar richtig. Zweifel an diesem Bild habe ich keine. Auch, wenn ich eigentlich richtig viel Hausarbeit machen müsste. Sollte. Könnte. Hausarbeit nicht nur um richtig den Besen zu schwingen. Auch für die Uni. Aber ich habe mich anders entschieden. Und das ist richtig so.

Vielleicht versteht meine mir hoffentlich noch immer gewogene Leserschaft, was ich mit diesen Zeilen sagen will. Nein? Nun gut, so lasst mich weiter ausholen und kurz zurück in die Vergangenheit eilen. Ursprünglich wollte ich Psychologie studieren. Das war mein Traum.  Als Alpha weiß ich immer, was richtig für mich ist. Also fing ich gegen jeden Rat damit an. Nach einem Semester war mir klar, dass ich mit Psychologie nie glücklich werde. Aber ich habe den Schritt nicht bereut sondern den nächsten Schritt gemacht. Hin zum sicheren Hafen BWL. Und wieder hatte ich keinerlei Zweifel. Ich zog es durch und zu meiner Freundin. Nach drei Jahren als Assistentin gab ich auf. Den Job. Nicht sie und nicht mich. Denn weder habe ich den Schritt bereut noch hege ich Zweifel am nächsten Schritt. Wieder weiß ich, was ich will. Warum soll ich an mir zweifeln?

Und genau diese Sichtweise versuche ich seit einer Weile mit meinem Blog zu vermitteln. Leider gelingt mir das nicht immer. In diesen Tagen werde ich bei WordPress mit düster-traurig-melancholischen Blogeinträgen überhäuft. Die Menschen baden in ihrem scheinbaren Leid. Und bei allem Verständnis: Damit kann ich nicht auf Dauer! Es fällt mir zunehmend schwer immer wieder aufmunternde Worte zu finden. Wobei ich diese nicht finde, sondern empfinde! Ich meine wirklich, was ich sage. Für mich sind Gläser NIE halb leer. Ein halbvolles Glas hat übrigens entscheidende Vorteile. Ich verschütte den Inhalt nicht und bin nach dem Genuss nicht übersättigt. Nehmen wir die scheinbar so düsteren Wolken am Sommerhimmel. Sie schützen mich vor der grellen Sonne, die sonst meine Haut verbrennt. Das Bild eines Sees im Morgennebel ist magisch für mich. Mir zeigt er den Eingang in eine andere Welt. Den meisten Menschen nur Tristesse. Und genau das verstehe ich nicht.

Menschen können sich oft nicht für einen Weg entscheiden. Egal, ob im Beruf oder der Liebe. Vor allem bei Gefühlen sind sie überfordert. Da wird gezweifelt und nachgedacht, abgewägt, gegengerechnet, die beste Freundin kontaktiert und endlose Diskussionen geführt. Und genau das ist „Bullshit!“, um es mit einem Lieblingswort von Doris Lessing zu sagen. Wenn ich etwas wollte, habe ich es mir genommen. Oder zumindest versucht es zu bekommen. Was sollten mir Selbstzweifel auch helfen? Mit 20 habe ich aufgehört Gürtelprüfungen im Karate und Aikido zu machen. Ich sah keinen Sinn mehr darin altbackene Übungen vor noch älteren Männern zu laufen. Auch mit Wettkämpfen habe ich von einem Tag auf den nächsten aufgehört. Bereut habe ich das nie. Ich habe die so gewonnene Zeit einfach sinnvoll genutzt.

Wie war das mit der Liebe, mögen sich nun vielleicht einige Leser fragen? Hat Mayumi je bereut? Eine kleine Anekdote aus meinen wilden Jahren: Ich war keine „Shane“ aus „The L-Word“, aber auch kein Kind von Traurigkeit. Es war mein erstes Semester auf der Uni. Ich hatte einige lockere Beziehungen zu anderen Mädchen. Nichts Ernstes. Wir sahen uns, wir gingen aus. Wir küssten uns. Und nein, wir schlugen uns nicht. Eines Tages besuchte ich eine Kommilitonin zu Hause. Wir wollten zusammen eine Referat erarbeiten. Ihre Mutter öffnete die Tür und es war mich um mich geschehen. Sie mochte Anfang bis Mitte 40 sein. Eine sehr attraktive Frau, deren Lächeln, deren Augen mich sofort faszinierten. Ich sah sie und wollte sie.

War ich nun wie gelähmt, schlug mein Herz bis zum Hals? Zumindest hat es mich nicht aufgehalten. Mein Lächeln war entwaffnender als das ihre. Und sie wurde rot. Um es kurz zu machen: Ich hatte eine kurze Affaire mit der Frau. Zweifel weil sie verheiratet und die Mutter einer Kommilitonin war, hatte ich nicht. Ich habe es nach einigen Wochen beendet. Ohne jeden Zweifel. Es war besser so.

Habe ich nun jemals Zweifel an meinem bisherigen Leben, meinem Weg? Hadere ich mit mir? Ich müsste lügen, wenn ich nicht über meine Entscheidungen nachdenken würde. Aber mit einem großen Unterschied. Solche Gedanken beschäftigen mich nie sehr lange, oder auf negative Weise. Jene Frau, die Mutter der Kommilitonin, habe ich ihr Herz gebrochen? Nein. Sie wollte es, ich wollte sie. Alles gut. Ich erinnere mich gern, aber ich verliere mich niemals in diesen Erinnerungen. Ein Blick zurück und dann wieder nach vorn. So soll es sein.

Manche Leute scheinen gern in ihrem Leid zu baden. Ich spreche nun nicht von Menschen, die eine wirkliche Krankheit haben. Die nämlich kennen ihr Problem und gehen meist tapfer dagegen an. Aber der Herbst, der oft trübe November, selbst die Medien tragen alle ihren Teil zur Missstimmug der Menschen bei. Bleibe ich unbeeinflusst vom November? Nein! Aber ich nutze diese Tage um zu schreiben, um nachzudenken. Aber mit einem Ziel. Treiben lasse ich mich nicht. Schwimmt kurz in der Melancholie, aber nutzt sie als Welle, die euch ans nächste Ufer spült. Das ist Teil meiner Philosophie.

Yuki singt immer noch richtig falsch. Das trübe Wetter ist ihr egal. Wir werden es später gemeinsam nutzen, um unsere Wohnung richtig auf Hochglanz zu bringen. Ganz ohne jeden Zweifel.