Eine Japanerin in Schweden

Winter in Schweden sind ein Erlebnis der besonderen Art. Ohne Sonnenbrille und warme Kleidung, ist ein Aufenthalt im Freien kaum empfehlenswert. Die hat uns Wolf mitgebracht. Yuki Mutter hat dafür unseren Kleiderschrank in Deutschland geplündert.

Der lange Flug von Los Angeles und der Zwischenstopp in Holland sind vergessen, als uns Schwedens Natur willkommen heißt. Unberührt, aber gefährlich für normale TouristInnen. Eisdriften, das mag im ersten Moment spaßig klingen und eigentlich ist es das auch.

Wikinger suchen wir in Schweden vergeblich. Die laufen nur noch in Filmen umher oder in den Sagen der Menschen. Die Kälte springt mich wie ein Tiger an und raubt mir kurz den Atem. Minus 24 Grad sind kein Pappenstiel. Mit Wind sind es noch 10 Grad mehr.

Wolf ist happy uns zu sehen und hätte uns am liebsten umarmt. Aber er kennt mich und weiß, dass Abstand besser für ihn ist. „Ihr seid  meine Lebensretter“, lässt er uns wissen und strahlt über das ganze Gesicht. Nur zwei Ingenieure haben es halb gesund nach Schweden geschafft. Der Rest ist noch immer außer Gefecht.

Das Monster

Entsprechend kurz wird unser Aufenthalt sein. Und bei den Autos sind wir auch limitiert. Ein eisblauer Golf lächelt mich an. Geduckt auf vier Winterreifen steht er da. Wolf grinst, als er meinen Blick bemerkt. „Ja“, sagt er, „das ist unser Schätzchen.“

Der Golf R hat eine abenteuerliche Reise hinter sich. Per Zug und Fähre nach Norden und dann sind die Jungs in den Winter gefahren. „Drei Männer, drei Autos“, erklärt uns Wolf und verpflichtet mich zum Stillschweigen über die beiden anderen Modelle. Ich darf nur schreiben, dass es zwei Audi mit mächtig dicken Motoren sind.

Wolf hat in einer Nachtschicht Hand angelegt und letzte Feinheiten am Golf eingestellt. Vor mir steht ein knapp 500 PS starkes Monster, das vor Kraft nur so strotzt. Beeindruckend ist anders, ich bin mehr gewohnt. Kann nun der Spaß beginnen?

Der Elchtest

Aber zum Spaß sind wir eigentlich nicht nach Schweden geflogen. Dieser Golf hat einen Elchtest zu bestehen. Die Tuningschmiede hat die Leistung des Wagens derart massiv erhöht, dass keine Schraube original geblieben ist. Sensoren melden die Daten des Wagens, die Wolf mit Argusaugen überwacht. Hält der Motor die Belastung aus?

Warum Schweden, warum diese Tests in beißender Kälte, die Mensch und Material an die Grenze der Belastbarkeit bringen? Die Antwort steht schon in der Frage, es geht um die Haltbarkeit der Komponenten. Was unter extremen Bedingungen funktioniert, wird auch im normalen Alltag gut aussehen.

Aber warum Yuki und ich als Fahrerinnen, wären andere nicht billiger gewesen? Die Antwort darauf gibt es später. Und sie wirft erneut Pläne um. Wir steigen ein und nach dem Funkcheck erwacht der Motor zum Leben. Er faucht und röchelt heiser, Allradantrieb schiebt den Golf nach vorn. Nur andere drehen durch.

Ich gewöhne mich schnell an den eisigen Untergrund. Vor und hinter mir stehen Wagen quer, TouristInnen, die keine Ahnung von Driftmanövern haben. Auch ich bin weit davon entfernt, die Ideallinie zu finden, das ist unmöglich auf diesem Terrain.

Aber ich schlage mich gut und werde schneller, was Elfchen sehr leise werden lässt. Angst haben nur die anderen, wir sind mit Buddhas Segen unterwegs. Und wenn der nicht helfen will, wird es andere Götter geben. JapanerInnen sind in der Auswahl nie verlegen.

In der Summe quer

Wie fahren sich 500 Allrad PS auf eisigem Untergrund? Anders, als im normalen Straßenverkehr. Man (Frau) muss selbst erleben, wovon ich hier spreche. Geradeaus war gestern. Ich fahre in der Summe quer.

Der Golf tänzelt, schiebt wahlweise über die Vorderräder und bricht überraschend nach hinten aus. „Lastverteilung mangelhaft“, gebe ich an Wolf weiter, der hörbar schnauft und vermutlich nickt.

Ich denke an Deutschland. Düsseldorf ist plötzlich nicht mehr fern. Aber nach dem Karneval fliegen wir zuerst wieder in die USA. Dieses Jahr passt es, dieses Jahr geht’s zum Dinah Shore.  Falls keine weitere Kurskorrekturen kommen, wird es im Mai zurück nach Europa gehen. Die Reisetanten grüßen den Rest der Welt.

Frau(en) am Steuer

Vorsichtiger, aber mit genug Selbstbewusstsein ausgestattet, übernimmt Yuki schließlich das Steuer. Lästerzungen behaupten ohnehin, dass sie die Chefin im Elfenheim sei. Aber das wüsste ich, wir sind ein (gutes) Team. Grüße an eine gewisse Kampfsportlerin an dieser Stelle, die hat das richtig erkannt.

Der Benzinverbrauch des Wagens kann nur als abenteuerlich bezeichnet werden. Fast 20 Liter rauschen durch den Turbomotor. Das liegt mit an der Temperatur, dem höheren Rollwiderstand der Winterreifen und Sitz- und Lenkradheizung. Natürlich auch am Motor selbst, der viel mehr Leistung als in der Serie hat.

Nach einer Stunde  machen wir Pause und wärmen uns bei Tee und guter Laune auf. Wolf wiegt den Kopf, der Motor läuft nicht wirklich rund. Er bespricht sich mit seinen Ingenieuren und ich notiere erste Punkte des Artikels. Die erneute Zeitumstellung macht uns zu schaffen, wirklich fit zu sein ist anders.

Technik, die begeistert

Schon jetzt ist klar, dass wir kein normales Wochenende haben können. Zwar fahren wir nur halbe Tage, aber auch danach ist noch Arbeit angesagt. Und beim reinen fahren wird es dieses Jahr kaum bleiben, das stand schon vor der Reise fest.

Zwar sind wir keine MechanikerInnen, aber ich passe nur, wenn ein Motor lediglich aus Einzelteilen besteht. Das dürfen dann die richtigen Schrauber machen. Wir werden beim Abgleich der Daten assistieren. Verbunden mit Wolfs Bitte „Macht bloß nichts kaputt!“ Was der nur immer hat, mein Gasfuß ist bekanntlich sanft. Und am Laptop bin ich Spitze.

Yuki dreht Runde um Runde auf dem Eis. Eine Japanerin in Schweden, Elfenpower pur! Ein alter BMW dreht sich vor uns übers Eis. Plötzlich bleibt der Wagen stehen. Zwei blonde Frauen steigen aus, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen.

Die Elfen

Wir stoppen und schon kommen Helfer gelaufen. „Der Wagen ist kaputt“, höre ich auf Englisch. Alva und Ylva sind Zwillingsschwestern und wollten schon immer driften lernen.

Alva, die Elfe und Ylva, die Wölfin, treffen wir später im Hotel. Die Mädels sind 21 und super lieb. „Wir kennen Deutschland“, erzählt uns Ylva, die eindeutig die Chefin ist.

Wir erfahren, dass ihr Vater das Abenteuer bezahlt. Interessiert hören sie zu, als ich von Los Angeles erzählen. Dass wir ein Paar sind stört die beiden nicht. Alva gesteht uns, dass auch sie schon etwas mit Frauen hatte. Und ihre Schwester lacht.

„Wir nehmen das nicht so genau“, sagt sie. Schnell wird klar, dass die beiden mehr als nur flirten wollen. Aber unser Abenteuer heißt Treue, das mache ich den beiden lächelnd klar. Trotzdem bleibt die Stimmung gut und wir sprechen über Schweden.

Natürlich kommen auch Asylanten als Thema vor und Ylvas Gesicht verfinstert sich. „Wir haben zu viele davon“, sagt sie. „Ich habe keine Vorurteile, aber ich will nichts mit Afrikanern anfangen!“ Klare Worte, die auf taube Ohren stoßen. Die Zahl der Vergewaltigungen wächst dramatisch.

Was in Deutschland Köln war, gab es auch in Schweden. Polizei und Regierung versuchten das damals zu vertuschen. Entsprechend heftig hat die Öffentlichkeit reagiert. Als ich davon erzähle Kurse für Frauen zu geben, werden die beiden Mädels richtig wach.

Wir sprechen eine gute halbe Stunde über Selbstverteidigung. Als die beiden auf ihr Zimmer gehen ist klar, dass auch sie die Abwehr von Attacken lernen wollen. Ich habe zu Wendo oder Krav Maga geraten. Das ist einfach und sehr effektiv. Und gute TrainerInnen werden auch den mentalen Aspekt lehren.

The „New Deal“

Am nächsten Morgen geht die Fahrt im Golf weiter. Wolf hat geschraubt, jetzt ist der Wagen fit. Weniger fit sind die Ingenieure. Einer liegt wieder mit Fieber im Bett. Wolfs sorgenvolle Miene, hat noch einen anderen Grund. Die Absatzzahlen sind stark eingebrochen, Deutschland spart beim Turbobums.

Zum Glück für die Firma gibt es den Japan Deal. Trotzdem sieht die Zukunft alles andere als rosig aus. „Wir brauchen neue Märkte“, lässt Wolf mich wissen. „Und ein anderes Konzept.“

Trotz Müdigkeit bin ich sofort hellwach. Als wir vor Jahren mit den Autotests begannen, habe ich mich bewusst gegen eine Mitarbeit beim Management ausgesprochen. Aber soll ich die Familie wirklich hängen lassen?

„Papa hat nie etwas erwähnt“, sagt Yuki, „wie schlimm ist es?“ Wolf schweigt sich aus, was selbst mir Sorgen macht, aber seinen Anruf erklärt. Kurzfristig Fahrer zu finden war auch finanziell unmöglich.

„Hilfst du?“, will Yuki zurück im Auto wissen. „Das wird dann auch ein Elchtest“, erwidere ich und denke schon weiter. Strategien zu entwickeln war schon immer mein Ding. Geld spielte dabei stets die Nebenrolle.

„Wie bringen wir das deinem Papa schonend bei?“, denke ich laut nach. „Lass mich machen“, sagt Elfchen und gibt mir einen Kuss. „Mit Männern kann ich besser als du.“ Ich muss lachen. Das ist Humor, den ich mag. Wie gut, wenn Frau eine Elfe hat.

 

Urlaub, Elfen, Meeresrauschen – Eine Turbofahrt ins Glück

Die ganz Welt ist verrückt geworden. So zumindest scheint es. Frau Sonne sendet Hitzewellen und religiöse Fanatiker haben „das Ende“ im Blick. Ein Ende gibt es zumindest für einen Macho-Finanzminister, der nun vermutlich in die frühe Rente geht. Wer die zahlen soll ist fraglich. Vielleicht hat Yanis Varoufakis einen besonderen Deal.

Die USA fegen Japan vom künstlichen Rasen. (Überlegene) Kraft gegen Charme. Und die deutschen Mädels trauern sind aber noch immer besser als die Herren. Deren Weltmeisterschaft ist nur noch schöner Schein. „Es war einmal …“, werden sie den Enkeln noch erzählen. Ich blicke lieber nach vorn.

Auch auf den geplatzten Reifen. Zum Glück ist nicht wirklich viel passiert. Der Z hat also Pause. Oben ohne macht keinen Sinn bei 40 Grad. Der Norden lockt, das Meer kühlt die erhitzten Körper. Wir albern am Strand umher, Liebesglück im Sommer. Mannes Blick folgt uns voll Gier. Lachend laufen wir Hand in Hand.

Turbo-Motoren mögen kühle Luft. Erst dann kommen sie auf Touren. In der Liebe sieht das anders aus. Im Herbst der Gefühle herrscht Dauerfrost. „Nicht schon wieder Autos!“, höre ich meine LeserInnen stöhnen. Aber Autos habe ich keine im Sinn. Nur (m)eine hitzige Elfe.

Am Strand steigen die Temperaturen und verwirren Mannes Sinn. 2 Holländer steuern grinsend auf uns zu. Ein Blick zu Yuki und Elfchen nickt. Lässig lege ich ein Bein auf ihre Schulter. Die Männer zögern, als ich spielerisch gegen imaginäre Feinde kicke. „Dat werkt niet“, höre ich und muss lachen. Gut erkannt meine Herren.

Wir werden oft nach dem Geheimnis unserer Liebe gefragt und wie wir so harmonisch miteinander leben können. Warum gibt es bei uns niemals Streit? Die Antwort ist einfach und auch wieder kompliziert. Ein Erklärversuch von (m)einer Elfe:

Yuki schreibt: Hoffnungslos romantisch zu sein halte ich für sehr naiv. Kein Mensch ist so, wie ich ihn (sie) gern hätte. Mayumi verkörpert Stärke für mich. Die Schulter in der Not. Wobei „Not“ nur ein Sinnbild für das ganze Leben ist. Es sind oft Kleinigkeiten, die unsere Beziehung so einfach machen. Das fängt schon beim Haushalt an.

Ich mag es zu kochen und kreative Ideen umzusetzen. Da kann ich dann richtig bestimmend werden und übernehme das Kommando. In Wirklichkeit ist das ein Spiel. Meine Süße hilft mir, wo sie kann. Und um mit einer Legende aufzuräumen: Ja, sie kann gut kochen!

Immer ehrlich zu sein, ist ein weiterer und wichtiger Faktor. Wir teilen Dinge. Schokolade, wie auch Neuigkeiten. Geheimnisse voreinander? Wozu? Und doch haben wir Freiräume, die wir auch brauchen. Aber wir gehen niemals ohne die andere aus.

Mayumi schreibt: Der Kurzurlaub am Meer tut gut. Eisgekühlt schlafen wir in der Nacht. Auf Eis liegen (leider) auch unsere Kinder. Die Frauenärztin macht uns wenig Hoffnung. „Ohne Hormone wird das nichts“, erklärt sie immer wieder. Aber sie versteht die Abneigung. Alles gut.

Yuki schreibt: Ich mag noch immer Kinder haben. Aber enttäuscht, am Boden zerstört? Warum sollte ich das sein? Ich höre auf meinen Körper und der ist für ein Baby nicht bereit. Nun richte ich den Blick auf Berlin und hoffe auf die Ehe-Öffnung. Vielleicht können wir dann ein Baby adoptieren, das keine Mutter hat.

Mayumi schreibt: Yuki und ich sind wie zwei Seiten einer Medaille. Oder das Yin und das Yang. Wir ergänzen uns und treiben die andere zu Höchstleistungen an. Dabei geht es weniger um Rekorde, als vielmehr um Spaß. Langweile haben nur die anderen. Wir sind immer auf Tour(en), wir sind Aufputschmittel pur.

Der Flitzer

Als der (getunte Klein)Wagen im Rückspiegel erscheint bin ich sofort gewarnt. Da will es wieder ein Männlein wissen. 180 km/h zeigt der Tacho. Aber hier ist freie Fahrt. Hier, das ist die Autobahn. Irgendwo in der bunten Republik. Der Z faucht leise. Ein unterschätzter Drachen. Der kann Feuer speien und noch viel mehr.

Elfchen hat den Drängler auch gesehen. „Bitte kein Rennen“, sagt sie mir. Ich winke ab. Nach rasen steht mir nicht der Sinn. Aber eine Lektion sollte der Flitzer lernen. Wir kennen die Strecke. Sie ist seit Wochen tägliche Routine. Und wir wissen, wo ein Blitzer steht.

Der Z hat Ausbaustufe 3 erreicht. Statt Kompressor befeuern nun 2 Turbos den Motor. 550 PS + macht das in der Summe. Nur fliegen ist schöner, der Z fühlt sich auch am Boden wohl. Umgebaut hat den Wagen die wölfische Bande. Ihr Grinsen hat mich angesteckt. Der Virus von Geschwindigkeit und Kraft.

„Da geht noch mehr“, hat Wolf stolz verkündet, als er die handgeschmiedeten Rennkolben eingesetzt hat. „600 PS + ist das nächste Ziel. Du bist doch mit dabei?“ Die Frage ist rhetorisch, ich habe bekanntlich Benzin im Blut. Und Elfchen kommt immer mit.

Im normalen Leben ist mir das Wort „Bi“ suspekt. Ich bin lesbisch und das straight. Kommt ihr noch mit? Aber in Autos machen 2 Turbolader Sinn. Der erste nimmt die Anfahrschwäche, Nummer 2 gibt den enormen Schub. Mein Schub ist die Liebe, die Lebenslust. Und Yuki, meine Elfe. Ohne sie wäre ich nur halb so schnell.

„Blitzer in 2,5 (Kilometer)“, lässt mich Yuki wissen. „Du geht jetzt besser vom Gas.“ Ich nicke und strahle sie an. Das dynamische Duo auf Tour. Die Überholspur haben wir schon lange besetzt. In Sachen Liebe, die wir seit Jahren langsam nutzen. Dafür hält sie länger, als bei den Sprintern. Bei uns ist der Weg das Ziel.

Der Z atmet aus. Widerwillig zwar, aber er gehorcht. Die Tachonadel fällt auf schlappe 120 km/h. Mehr geht an der Stelle nicht. Die Polizei ist gnadenlos. Hinter uns droht eine Faust zum Himmel. Lichthupe und Blinker links. Ich muss unwillkürlich lachen. Kein Wunder, dass Mann nicht länger lebt. Bei all der Aufregung, die er immer hat.

Die Blitzer-App schlägt Alarm, wir sind jetzt mitten im Geschehen. Ruckartig ziehe ich auf die freie, rechte Spur … und bremse den Wagen ab. Der Flitzer ist kurz verdattert, das ist deutlich zu sehen. Dann tritt er durch. Oder besser dreht. Hoch. Und die Radarfalle klickt. Das wird teuer, lieber Flitzer-Mann.

Für heute sind wir am Etappenziel einer Reise angekommen, die noch lange nicht zu Ende ist. Bald mehr von „The Beauty and the Beast.“

Wen die Vorgeschichte des Nissan 370Z interessiert, der sollte HIER KLICKEN.

 

Speed-Dating – Wenn Leidenschaft auf Schönheit trifft

Unter Speed-Dating versteht man eine ursprünglich aus den USA stammende Methode, schnell neue Flirt- oder Beziehungspartner, aber auch Geschäftskontakte zu finden. (Quelle Wikipedia) Ich habe ein Speed-Dating der anderen Art. In Stahl gepresste Leidenschaft trifft Mensch. Die Emotionen kochen. Fünf schnelle Frauen, fünf schnelle Autos. Da ist sofort Spaß dabei. Ausgedacht hat sich das Wolf, der Mann für schnelle Runden. Der Hintergrund ist einfach: Ein Vergleichstest der besonderen Art. Gesucht wird der beste Sportwagen für Frauen.

Auch Graf Werner und Dr. Holm, sowie die Nissan-Tuningschmiede sind an diesem Date beteiligt. Irgendwer muss das Ganze finanzieren. Und die haben alle Geld.
Der Test ist Teil eines Seminars, das ich für die Frauen halte. Immer nur BWL ist auch Managerinnen zu trocken. Und menschlich kommt Frau sich durch Spaß viel näher. Es fördert gute Zusammenarbeit.
Neben Yuki ist auch eine lustige Französin dabei, deren Akzent mich an Cyndie Allemann erinnert. Aber Carole hat dunkle Haare und lebt mit Mann und Kind im hohen Norden.
„Isch ‚abe schon loangö keinön schnellön Wagön mähr gefahrön“, erklärt sie fröhlich. „Abör frühör war isch Rallö gefahrön. ‚eute renne isch immör meinör Tochtör ‚inter’ör.“
Sie zeigt uns Bilder und schon ist die Arbeit vergessen. Kinderlachen, was will Frau noch mehr?
Einen Sportwagen zumindest nicht. Carole fährt SUV.

Ellie – Elisabeth – hat grüne Katzenaugen, rote Haare und überall Sommersprossen. Die perfekte Hexe mit Hang zum Zauberstab, wie sie schmunzelnd erzählt.
Gemeint ist natürlich der Schalthebel eines Wagens, den sie in Sommer offen fährt.
„Privat fahre ich Kleinwagen“, sagt sie fast verschämt. „Der hat weniger als 100 PS. Wozu im Alltag rasen? Aber gern oben ohne, das kühlt die heiße Stirn.“
Die Frauen lachen, das Band der Freundschaft zieht sich enger. Sympathie ist wichtig in diesen trüben Tagen.

Simone ist eine kühle Blonde, die uns alle um Längen überragt. Mit 1 Meter 81 ist sie wirklich eine große Frau. Und sie ist Graf Werners Enkelin, das kann sie nicht verhehlen.
„Eigentlich bin ich Leichtathletin“, stellt sie sich vor. „Aber von Opa Werner habe ich die Liebe zu schnellen Autos geerbt. Und nun auch noch die Firma.“
Was untertrieben ist, Simone ist Graf Werners Augenstern. Schon am Telefon war sie sympathisch. Sie hat verstanden und mir zugehört.
Fünf schnelle Frauen, fünfmal geballte Power. Und nun liebe LeserInnen sind die Herren dran.

Für mich steht ein alter Bekannter bereit, der von mir bereits gerittene „Wilde Mann.“
„840 PS hat der Godzilla jetzt“, wird mir von einem Nissan-Techniker gesagt. „Und er hat einige Kilo abgespeckt.“
Das ist leider nötig bei dem GT-R, auch Sportwagen haben oft Übergewicht.
Elfchen bekommt den Audi A1 im Super RS Look. Aus Wettbewerbsrechtlichen Gründen darf ich die Pferdestärken nicht nennen, aber es ist Power pur.
„Miss Ralley“, necke ich sie frech und bekomme prompt die Zunge gezeigt.
Die Frauen lachen. Sie wissen, dass wir verheiratet sind.

Für Carole steht der Ölprinz bereit, der nun endlich standfest ist. 400 Diesel-Turbo-PS treiben ihn voran. Ob der Wagen hält? Die Frisur der Französin bestimmt.
„Isch werdö den Auto nüscht kapütt fa’rön“, verkündet Carole und lacht.
Wolf grinst und zeigt auf mich.
„Die da aber schon“, sagt er und flüchtet, als ich ihm mit einem Kick in den Hintern drohe.
„Rote Karte, hohes Bein!“, ruft er aus der Baracke. Vermutlich geht er Fußball checken.

Auch ein Amerikaner hat sich in die Liga der schnellen Wagen gemogelt.
Als der Mustang GT Shelby an den Start rollt leuchten Ellies Katzenaugen.
Fast werde ich neidisch, als der V8 munter röhrt. Knapp 700 Turbo-PS soll er haben und das ist keine Zauberei.
Nur vom Fahrwerk ist Ellie wenig begeistert.
„Da sind meine Beine besser“, lästert sie.
Und da hat das Mädel recht.

Ein weiteres Mannsbild gibt sich die Ehre. Kein Poser und er hat auch keine Lederhosen an.
Der BMW M5 aus München steht fast bescheiden neben dem Shelby GT. Aber seine aufgeladenen 620 PS lassen nun Simone strahlen.
„Den moag i'“, sagt sie mit bayrischem Akzent und zwinkert. „Aber jeden Tag fahren? Das sollen andere machen.“
Privat fährt Simone Golf. Wenn auch einen GTI. Getunt versteht sich, aber nur dezent.
Schnelle Frauen braucht das Land.

Der Godzilla und der Shelby sind die wahren Konkurrenten. Die anderen Wagen kommen bei dieser Power kaum mit.
Wer will 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h schlagen? Auch der Shelby kann das nicht.
Der GT-R ist eine Rakete und irgendwie aus einer anderen Welt. Aber ausgereizt ist anders. Es gibt Wagen mit über 1000 PS.
Ich prügele den Boliden über Stock und Stein. Das ist Geschwindigkeit, so muss das sein.
Aber pure Kraft bleibt selten Sieger. Auf Dauer hilft nur Bescheidenheit.

Keiner der anderen Wagen erreicht die Werte des GT-R, was keine Überraschung ist. Selbst ich fühle mich mit dem Supercar fast überfordert.
Die Lenkung zerrt an meinen Armen und der Motor schreit mich böse an. Ziemlich entnervt fahre ich zur Messbaracke.
Das ist kein Tuning, wie ich es mag.
Wolf steht bereit, um die Daten zu besprechen. Sein besorgter Blick trifft meine Augen.
„Das Monster ist kein Alltagsauto“, sagt er leise. „Lass mal die anderen Fraun ran.“
„Klar“, sage ich und lache schon wieder. „Her mit den kleinen Fummlerinnen!“
Prompt tippt sich meine Elfe an die Stirn.

Auch Yuki winkt nach nur einer Runde im Godzilla ab. Der GT-R ist nicht ihr Ding.
„Zu groß, zu laut, zu schnell“, ist ihr Fazit. „Das ist kein Auto für eine Frau.“
Unterdessen bin ich den Mustang Shelby gefahren und habe ihn auf Herz und Nieren geprüft. Nur der Sound des V8 hat mich überzeugt, Abstimmung und Fahrwerk sind wenig europäisch.
Der BMW kann alles gleich viel besser, begeistert zerstöre ich fast den ersten Reifensatz. Aber der Bayer fährt sich (für mich!) trotzdem wie auf Schienen. Und das sehen auch die anderen Frauen so.
Wir wechseln munter die Boliden und tauschen uns darüber aus.
„Isch findö dön kleinön Audi sähr süß“, strahlt Carole nach ihrem Date. „Shölby und BMWö mag üsch abör nüscht.“
Dafür mögen wir die lustige Französin, die uns am Ende des Tages alle zu sich nach Hause einlädt.

Der Ölprinz ist der wahre Star des Tages. Die dieseligen Turbo-PS lehren im Alltag weitaus höher motorisierte Wagen das Fürchten.
Selbst Yuki mag den Verwandten des RS6, Erinnerungen an unsere Fahrten kommen auf.
Auch Ellie und Simone finden lobende Worte, präferieren aber den BMW.
Zwei stimmen für den Ölprinz, eine für den A1 und zwei für den BMW.  was unter dem Strich Audi zum Sieger macht.
Wie war das mit den Ringen der Macht?

Leider endet der Tag dann noch sehr spektakulär. Ellie verunglückt mit dem kleinen Audi und muss ins Krankenhaus. Der Wagen ist Schrott, sie hat überlebt.
Achsenbruch und Reifenplatzer bei 210 km/h standen auf keinem Papier.
Die Entwarnung kommt schnell, Ellie geht es gut. Noch im Krankenhaus plant sie das nächste Date. Diesmal ganz klassisch mit Mann.
Nur schnell soll das nicht vonstatten gehen. Mit Geduld kommt Frau auch ans Ziel.
Aber das habe ich schon vor einer Weile für mich erkannt.

Fünf Frauen, fünf schnelle Wagen und ein Wolf. Nicht im Schafspelz, aber immer gut für ein (Speed)Date, der besonderen Art.

 

Mehr über meine erste Begegnung mit dem „Wilden Mann“ gibt es hier zu lesen: Der wilde Mann

Den Ölprinz können Interessierte ebenfalls bei mir entdecken: Der Ölprinz

Die erste Begegnung mit einem Boliden gibt es an dieser Stelle nachzulesen: Mit Vollgas durch die Nacht

Im Zeichen der Fünf

Die Autorin Enid Blyton hat einst über die „Fünf Freunde“ geschrieben. Die Bücher sind weltbekannt. Nun schreibe ich keine Bücher, aber mit „Fünf Freunden“ bin ich schon seit einigen Wochen in einer besonderen Mission unterwegs. Quasi als Agentin im „Zeichen der Fünf.“ Yuki ist wie immer meine Komplizin. Klar, ohne Elfe fehlt mir was. Aber Heimlichkeit ist niemals gut, unsere Mission ist hochoffiziell. Und natürlich Rot! Das ist nun mal meine Farbe. Wieso greift Yuki jetzt zum Lippenstift und spitzt den Mund?
Rote Lippen soll man küssen.

Kurze Pause, gleich geht’s weiter. Ich habe mal eben an meiner Elfe genascht.
Dabei fing alles mit einem Abschied an. Aufmerksame Leser werden sich vielleicht erinnern.Wenn nicht bitte HIER KLICKEN.
Aber jedem Abschied wohnt ein neuer Anfang inne. Und das hat nun nicht Hermann Hesse gesagt. Ein Mann ist trotzdem beteiligt. Sein Name: Wolf. Seine Funktion: Leitender Ingenieur. Ein Mensch, wie ich ihn mag.

Wolf hat ein Einsehen gehabt, wie ich bereits HIER erwähnte. Aber eigentlich war es auch an der Zeit, den Audi TT RS Roadster zu fahren.
Serie ist anders, unser Wagen hat über 400 PS. Und damit so viel, wie unser Q3. Nur fährt sich der Roadster anders.
Aber ist er mit seinen fünf Zylindern wirklich besser, als der Nissan 370Z mit deren sechs?
Diverse Tests bescheinigen dem Japaner ein behäbiges Fahrverhalten. Schwergängig soll die Schaltung sein und der Motor etwas schlapp.
Dumm nur, dass der Z damit noch immer die meisten (Sport)Wagen alt aussehen lässt.
Dumm auch, dass ein Z um viele tausend Euro preiswerter, als die Konkurrenz von Audi ist.
Von Porsche ganz zu schweigen.

Für den Mehrpreis eines Porsche kann man den Z zum Tuner bringen und spart dann noch immer richtig Geld. Mein Z hatte 410 PS. Kein Turbo mit Loch, hat ihm Leben eingehaucht. Es war das Heulen eines Drachen, auch liebevoll Kompressor genannt.
Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Leistung sofort und über das ganze Drehzahlband.
Aber Turbobums ist anders. Leider auch die Haltbarkeit. Hohe Leistung fordert immer Tribut. Wieso hält Yuki nun das Bein in die Luft?
Ach so: schneller, höher, weiter!

Was nun macht den TT RS so schnell und angeblich besser?
Es ist eben jener Turbo, jener brutale Tritt ins Kreuz, der den Wagen brachial nach vorn marschieren lässt.
Ich mag Audi und das sage ich nun nicht, weil ich die Wagen teste. Aber der TT RS ist im Vergleich zum Nissan 370Z nur zweite Wahl für mich. Diverse Tester sehen das ganz anders. Da quetscht sich ein 1 Meter 95 Mann in den Japaner und spricht von wenig Platz.
Dümmlich nickend steht der wesentlich kleinere Kollege daneben. Wieder ein gefaketer Test. Yuki dagegen sitzt warm und weich auf meinem Schoß. Sie ist echt, das kann ich fühlen.

Der Audi-Roadster ist alles andere als Serie. Wolfs Leute haben ihn ziemlich umgebaut.
Zum direkten Vergleich bin ich auch einen Serien TT RS gefahren. Der hatte die gleichen Probleme. Und diese Probleme liegen beim Allrad verborgen, der mit dem Wagen nicht so recht harmonieren will. Im Klartext: der Wagen untersteuert stark. Und das kann problematisch werden. So, wie alle scharfen Kurven.
Nur Elfen kurven besser.

Mit untersteuernden Wagen kann ich und Yuki natürlich auch. Aber Frau und Herr Normalo nicht. Die schmeißen den Wagen vermutlich aus der Kurve. Der Nachteil eines umgebauten Frontantriebs. Der Nissan fährt sich besser. Knochentrocken, ehrlich, radikal.
Heckantrieb ist manchmal besser. Vor allem, wenn Frau ihn fahren kann.
Wieso zeigt Yuki mir nun ihr hübsches Hinterteil?
Frech zwicke ich sie in den Po. So komme ich nie zum bloggen. Es ist ein Kreuz mit dieser Frau!

Die 410 PS im getunten 370Z reichen locker aus, um dem Audi TT die Heckleuchten zu zeigen. Und von wegen abgeregelt bei 250 km/h, mein Wagen lief viel schneller. Der Kompressor-Umbau ist lediglich Stufe 1 des Tunings. Sozusagen die kleine Schwester davon. Stufe 2 ist Twinturbo-Power. Und damit sind es dann 535 PS.
Superlativen sind mein Ding. Kann mir noch jemand folgen?

Mein neuer Z wird genau diesen Umbau haben. Das ist auch der Grund warum ich so sehr leide. Lieferzeit und Tuning machen Frau zu schaffen. Und schon naht der Herbst, dieser windige Gesell! Regen, Sturm und fallende Blätter wollen mir den Tag vermiesen. Aber mich hält niemand auf! Und in Sachen Haltbarkeit wird auch der Motor des Nissans bestehen. Schlechte Autos bauen nur die anderen. Das sieht auch meine Elfe so und gibt mir einen Kuss. Alles nur wegen der Haltbarkeit lässt sie mich wissen.

Nun haben viele Tuner das Problem, zu hart und krass abgestimmte Wagen zu liefern. Wer bitte soll die fahren?
Ultraharte Fahrwerke lassen solche Sportler oft über die Piste hüpfen, oder bescheren dem Fahrer Probleme im Kreuz.Alltag nein danke heißt es in solchen Wagen! Lieber lasse ich meine Finger über Yukis Karosse gleiten.
Wir sind uns einig gewesen, dass Alltagstauglichkeit an erster Stelle steht.
Ja zum Turbo, aber Nein zu einem Rennsport-Tuning.
Wieso zieht Yuki nun die Augenbrauen nach?

Damit keine Fragen aufkommen und sich auch der Neid in Grenzen hält: der Z wird als Firmenwagen laufen.
Dreifach gesponsort, mehr muss niemand wissen. Alles legal und ich spare mir mein Geld.
Das investiere ich dann in unsere fünf noch ungeborenen Kinder. Damit es auch (über)morgen noch „Im Zeichen der Fünf“ heißen wird. Weniger geht nicht, aber immer mehr. Aber das habt ihr euch bestimmt alles schon gedacht.
Und meine Elfe ist auch ganz ohne jedes Tuning ein „ultraheißes Geschoss.“
Wieso wirft sie mir nun ein Kissen an den Kopf?

The Need for Speed

Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Und das in allen Lebenslagen. Geschwindigkeit ist stets das Ergebnis harter Arbeit. Und wenn es nur die Kolben sind. Aber um Motoren und Autos dtehen sich diese Zeilen weniger. Auch, wenn sie Teil meines Lebens sind.

Es gibt Menschen, die immer auf der Überholspur fahren. Egal wo sie sind, egal was sie auch machen. Ohne Sinn und Verstand legen sie los und kommen irgendwie an. Und das war nie mein Ding. Zum Überholen gehört für mich eine Rennlizenz. Aufs Leben übertragen sind das Diplome. Aber selbst die machen noch nicht schnell.

Was vielen Menschen fehlt, ist der unbedingte Wille zu siegen. Und das entsprechende Talent. Mein absoluter Wille hat mich immer schon nach vorn gebracht. Egal ob im Karate, oder in der Schule, ich wollte stets die Beste sein. Das aber nie auf Kosten anderer Menschen und nie mit absoluter Verbissenheit.

Mein Weg durchs Leben war immer von Spaß geprägt. Die nüchterne Ernsthaftigkeit vieler Menschen, geht mir fast völlig ab. Nur wenn ich wirklich möchte, so wird bei mir die Logik regieren. Dann werde ich zum „eiskalten Engel“, der andere dominiert. Und das wollt ihr nicht wirklich sehen.

Nun ist es nicht so, dass ich ungebremst durchs Leben brause. Selbst ich muss mich an gewisse Regeln halten. Und ohne Treibstoff bleibt auch mein Turbo kalt. Mit Autos verglichen sind Yuki und ich Kleinwagen und Sportcoupe. Wobei, seit sie mich kennt, nun auch ihre Karosse schneller fährt. Und ich trete manchmal auf die Bremse. Damit meine Elfe mir folgen kann. Und gemeinsam fährt es sich viel besser.

Aber Geschwindigkeit ist für mich so wichtig, wie für andere das tägliche Brot. Nur nach wirklich langen Nächten, ist meine Elfe vor mir wach. Und mit wenig Schlaf stottert dann auch mein Motor. Aber als Kind des Sommers starte ich bei Sonne richtig durch. Heute war ich bereits im Z unterwegs, den ich nicht mehr missen möchte.

Selten hat mich ein Wagen derart begeistert, wie dieser Porsche Abfangjäger. Nur der GT-R war noch eine Spur besser. Aber selbst eine Turbobiene wie ich, muss auf dem Boden bleiben. Mein Entschluss steht daher fest, der Auris wird noch dieses Jahr dem Z weichen. Und Geld ist nicht das Problem. Frau gönnt sich ja sonst nichts.

In Sachen Unternehmensberatung läuft es auch sehr gut. Mein Konzept trägt erste Früchte, die von mir betreute Firma schwimmt sich langsam frei. Zahlen können so einfach sein, wenn man Konsequenzen zieht. Zu verdanken habe ich den Job Graf Werner, bei dem wir vor einigen Wochen zu Gast gewesen sind. Aus den bekannten Gründen wird es darüber vorerst keinen Artikel geben.

Eine zweite Firma aus dem Norden, hat mittlerweile angefragt. Wieder auf Vermittlung des Grafen, dem ich dafür dankbar bin. Mir macht es großen Spaß nun mein BWL so völlig anders einzusetzen. Kreativ, ungewöhnlich und schnell. Ich zaubere Ideen und Vorschläge aus der Hosentasche, die dort offenbar im Dutzend liegen, in Wirklichkeit aber auch das Ergebnis meines Studiums sind.

The Need for Speed wird mich hoffentlich auch weiterhin begleiten und mein Leben interessanter machen. Gemächlich fahren nur die anderen. Und nun muss ich weiter, Liebe tanken. Damit mein Sommer nie zu Ende geht.

Der Ölprinz

Bedient mit „Q3“ und „370Z“ wollte ich eigentlich keinen weiteren Autotest mehr machen. Aber manchmal kommen die Dinge anders. Und Tuning ist nun mein neuer Nebenjob. Dazu in Kürze mehr. Zwar habe ich keine Ausbildung auf diesem Gebiet, aber auch keine Hemmungen, um selbst Hand anzulegen. Und nach einigen Jahren Interesse auf dem Gebiet kann selbst ich schon an getunten Wagen schrauben. Aber ich soll ja nur fahren. Und das kann ich gut. Das Objekt der Begierde ist ein alter Bekannter. Oder besser gesagt, der jüngere Bruder. Warum müssen Autos immer männlich sein?

Audi A6 Avant 3.0 TDI quattro heißt der Wagen. Und er ist strahlend weiß. 313 Diesel-PS schieben den Wagen in knapp über 5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Und stolze 650 Newtonmeter pressen den Fahrer in den Sitz. Aber das ist Serie und voll langweilig, wie Wolf grinsend erzählt.
Gut gelaunt im Overall steht er neben mir und wedelt mit Papieren.
„Wir müssen der Konkurrenz zeigen, wo der Hammer hängt“, erklärt er mir. „Die hat den Avant schon auf 360 PS gebracht. Aber wir wollen mehr.“
Im Endeffekt ist der 3.0 TDI die Diesel-Variante des RS 6. Zwar mit weniger Technik ausgerüstet, aber das ist manchmal mehr.
„Das wird unser Ölprinz“, prägt Wolf den Titel meines Blogs. Und erklärt mir gleich noch woher der Name stammt.
Wo sind nur all die Indianer?

Wir unterhalten uns über die Tuning-Möglichkeiten und wie man es falsch, oder richtig macht.
Ich spreche Wolf auf die externen Steuergeräte an, die man bei diversen Firmen auch übers Internet erwerben kann.
„Das ist Chiptuning für Arme“, winkt er sofort ab. „Dem richtigen Steuergerät werden durch diese Zusatzboxen lediglich falsche Werte vorgegaukelt und so der Einspritzdruck erhöht. Seriöse Tuner geben sich damit nicht ab.“
„Was genau ist der Nachteil?“, will ich sofort wissen.
„Du veränderst damit die technischen Daten eines Wagens“, erwidert Wolf. „Mehr Leistung, höhere Geschwindigkeit, aber auch höhere Abgaswerte. Und wenn du das nicht eintragen lässt erlischt gleich noch die Betriebserlaubnis. Außerdem ist es Versicherungsbetrug. Von möglichen Schäden an Motor, Getriebe und Elektronik ganz zu schweigen.“
Weniger ist wirklich oft mehr.

„Aber was genau verursacht diese Schäden?“, hake ich nach.
„Die Hersteller von Motoren haben sich etwas dabei gedacht, wenn sie dem Wagen lediglich 300 PS und eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h geben“, erklärt Wolf weiter. Mit solchen Werten hat der Wagen eine hohe Lebensdauer und stirbt nicht den Hitzetod. Außerdem bleibt der Verbrauch im Rahmen. Und das ist wichtig in der heutigen Zeit. Ein Diesel soll bekanntlich sparen helfen. Du fährst dann vielleicht eine Luxuslimousine, aber mit viel weniger Verbrauch dem Benziner gegenüber.“
„Und höherem Preis“, werfe ich ein, was Wolf schmunzeln lässt.
„Ja, das ist leider so“, stimmt er mir zu. „Dabei gibt es dafür keinen Grund. Und früher waren Diesel auch billiger, als Benziner. Aber mit dem Einsatz der Turbos, der enormen Leistungssteigerung solcher Ölprinzen, hat man die Preisschraube kräftig angezogen.“
Er geht mit mir ins Büro und zeigt mir Tests von Diesel-Boliden, die ihren Benzingetriebenen Brüdern locker davon fahren.
„Selbst ein Porsche Carrera S hat gegen den Avant keine Chance. Die Automatik im Audi schaltet wesentlich schneller, als es das Schaltgetriebe im Porsche vermag. Aber nur auf den ersten Metern. Die Endgeschwindigkeit eines Benziners bleibt für den Diesel nur ein Traum.“
Viel Rauch um nichts.

„Wie genau passt ihr denn die getunten Wagen an?“, will ich wissen. „Bei dem RS 6 ist mir das einigermaßen klar. Aber kann man einen Diesel genau wie einen Benziner tunen?“
Wolf lacht und schüttelt den Kopf.
„Das wäre zu einfach,“ erwidert er. „Wir machen unser Tuning unter anderem über eine Kennfeldanpassung im Motorsteuergerät. Dort gibt es immer Spielraum nach oben, der Hersteller reizt den Motor nie ganz aus. Der Vorteil davon ist, dass wir alle Parameter ändern können, das Intervall zur Reinigung des Partikelfilters anpassen und nicht nur am Einspritzdruck pfuschen. Die Abgaswerte unserer Wagen bleiben also im Rahmen und es bilden sich keine schwarzen Rauchfahnen bei Volllast.“
„Und was ist mit dem Verbrauch?“, frage ich. „Der steigt doch bestimmt immens?“
„Nur bei Vollgas“, sagt Wolf. „Oder könnt ihr euch über den Q3 beschweren? Getunte Diesel verbrauchen im Normalbereich sogar bis zu einem Liter weniger, als die Serie. Rufst du die Leistung aber ab, so werden es locker 1 -2 Liter mehr.“
Hat jemand mal ’nen Euro?

„Was ist mit Turbolader und Getriebe?“, setze ich mein Interview fort, zu dem ich mich spontan entschlossen habe. „Halten die eine hohe Mehrleistung aus?“
„Das ist ein guter Punkt, Mayumi“, sagt Wolf. „Und der wird von vielen Tunern gern und bewusst übersehen. Die Mehrleistung wird auch über eine höhere Drehzahl der Turbolader abgerufen, was natürlich auf die Haltbarkeit geht. Halbwegs seriöse Tuner verkaufen Zusatzboxen, die lediglich 25 – 30 PS Mehrleistung und ca. 50 Newtonmeter Drehmoment bringen. Das liegt meist noch im Rahmen von Motor und Getriebe und verursacht in der Regel keine Schäden. Geht aber natürlich auch auf die Lebensdauer. Mehr Leistung heißt auch mehr Verschleiß. Trotzdem sind Schäden nicht die Regel und treten nur bei Billigboxen auf, die zu viel Leistung von dem Wagen fordern. Nur geht es bei guten Boxen meist um Eco-Tuning und einen geringeren Dieselverbrauch. Das klappt nicht immer perfekt. Einige Autohersteller verbauen Motorsteuergeräte, die ihre Zusatzbrüder mehr oder weniger ignorieren. Opel macht das bei einem seiner Eco-Diesel so. Da kommt dann trotz Box nur wenig Mehrleistung an.“
Potzblitz, so was aber auch!

„Bei der ersten Version des RS 6, den ich letzten Dezember fuhr, ist doch lediglich das Steuergerät umprogammiert worden?“, frage ich. „Stimmt das so?“
„Fast“, sagt Wolf, dem es Spaß macht meine Fragen zu beantworten. „Wir hatten das normale Steuergerät gegen ein frei probrammierbares Modell ersetzt. Das hat einiges einfacher gemacht. Aber erst die zweite Ausbaustufe hat den Wagen dann zum absoluten Überflieger gemacht. Aber das weißt du ja bereits.“
„Und das wird jetzt auch in dem Diesel so gemacht?“
Wolf nickt.
„Wir werden auch die beiden Turbolader durch andere Modelle ersetzen. Sonst kämen wir kaum höher als ca. 360 PS. 400 + sollen es aber auf jeden Fall werden. Und um die 750 Newtonmeter Drehmoment. Ob der Wagen das aushält darfst du dann testen.“
Den letzten Satz meint er nicht ernst. Das wird meist auf dem Leistungsprüfstand gemacht. Besteht er den Test schlägt meine Stunde. Dann werde ich den Ölprinz fliegen lassen. Und 250 km/h werden dann nicht das Limit sein.
Nur der Himmel ist meine Grenze.

Ein Zeitsprung. Es ist genau zwei Tage nach dem Gespräch.
Wolf steht vor den Resten des 3.0 TDI und ich direkt daneben.
Das klingt nun schlimmer, als es wirklich ist. Aber der Audi hat einen Getriebeschaden. Bei auf dem Prüfstand gemessenen 410 PS und 760 Newtonmetern, hat die Mechanik versagt.
„Nicht schlimm“, sagt Wolf, während seine Mechaniker sich auf den Wagen stürzen. „Ich hatte es mir fast gedacht. Der bekommt jetzt eine Rennkupplung und ein Renngetriebe. Dann hält er die PS.“
Leider erweist sich auch das als Fehleinschätzung. In diesem Audi ist der Wurm drin, wie ich einige Stunden später von einem betrübten Wolf per Handy erfahre.
„Der Kühler ist geplatzt“, erzählt er mir. „Wir bauen einen anderen ein. Aber das wird bis morgen dauern. Du kannst aber trotzdem vorbei kommen, wenn du willst. Ich habe eine alte Ausgabe des Ölprinzen gefunden. Den kannst du so lange lesen.“
Humor ist, wenn Wolf trotzdem lacht.