Wer hat hier die Hosen an?

Frauen die Hosen tragen hat es nicht immer gegegben. Frauen die sprichwörtlich die Hosen anhaben schon länger. Nun bin ich selbst ein Fan des sogenannten Tomboy-Looks. Kleider und Röcke trage ich nur selten. Vor allem bei lesbischen Frauen geht mit diesem Look auch die Kurzhaarfrisur einher. Und die ist nun so überhaupt nicht meine Welt. Ich mag einfach die bequeme Kleidung, weniger Frau bin ich deshalb noch lange nicht. Und warum soll ich mich im engen Rock zur Uni quälen, wenn das in Cargohosen viel einfacher geht? Außerdem haben die so praktische Taschen, in denen Frau lebenswichtige Dinge verstauen kann.

Ich höre schon den empörten Aufschrei meiner Leserinnen und den dezenten Hinweis auf die für Frau unverzichtbare Handtasche. Darüber kann ich nur milde lächeln. Klar nenne ich auch die eine oder andere Handtasche mein eigen, aber im Alltag trage ich sie nicht. Für mich ist ein Rucksack unverzichtbar. Vom Schokoriegel über die Wasserflasche bis zum Lipgloss ist dort (fast) alles drin. Wobei ich Labello und das Lipgloss natürlich meist an der Frau trage. Unstandesgemäß in der Hosentasche. Da gibt’s auch noch neben dem Handy ein Taschenmesser. Und auf der anderen Seite den Kaugummi umd die Haarbürste. Ohne die gehe ich nie aus dem Haus. Den anderen Inhalt verrate ich nicht.

Yuki und ich könnten in dieser Hinsicht Zwillinge sein. Mit ein Grund, warum wir uns so gut verstehen. Sie, als die Fürsorgliche, hat das bis zur Perfektion entwickelt. Papiertaschentücher, Pflaster, Bananen und Slipeinlagen, haben für sie oberste Priorität. Auch eine Schachtel Aspirin, falls wir jemals Kopfweh haben. Vorsorglich versteht sich. Wer uns sieht könnte uns sowieso für Schwestern halten und nicht für ein junges Ehepaar. Dabei sehen wir uns auch nicht ansatzweise ähnlich. Yuki ist viel hübscher als ich. Wobei sie immer das Gegenteil behauptet. Aber selbst sieht man sich immer in einem anderen Licht.

In unserer Beziehung hat keine die Hosen an, keine will die andere dominieren. Das mag seltsam klingen, funktioniert aber recht gut. Wir entscheiden gemeinsam und diskutieren Dinge aus. Trotzdem mögen wir Hosen und ziehen die auch gemeinsam an.

Wenn aus Frauen Männer werden

In Zeiten sich verändernder Rollen von Frau und Mann spricht man auch gern vom Genderwahn. Vor allem in der virtuellen Welt von Second Life (SL) fällt das besonders auf. Hinter den dortigen Avataren verbergen sich oft genau gegensätzliche Menschen. Männer entdecken ihre weibliche Seite und (lesbische) Frauen werden zu Bois. Nein, das ist kein Tippfehler. Was Boi(s) genau bedeutet kann jeder Interessierte HIER nachlesen.

Nun herrscht in der LGBT-Community of Second Life ein gesundes und durchaus berechtigtes Misstrauen. Viele Männer schleichen sich als Frau in die Szene ein und versuchen Cybersex mit Frau zu haben. Ich kann darüber nur lachen. Aber erlaubt ist, was gefällt. Mir gefällt das nicht. Vor diesem Hintergrund ist der vermutlich größte und älteste Frauen Club in Second Life, „Greek Gold Lesbian Resort (GGLR) dazu übergegangen, einen Voice-Check zu machen. Mitarbeiter des Clubs unterhalten sich mit neuen „Bois“ oder Frauen, um die wahre Identität festzustellen. Mann hat da keine Chance, selbst wenn er per Software seine Stimme verstellt. Das kommt immer raus.

Es gibt aber auch hetero Frauen in Second Life, die männliche Avatare haben. Der Hintergrund ist einfach: Sie wollen ihre Ruhe haben! Vor wem? Vor Mann. Männer in SL haben selten Probleme mit dümmlicher Anmache durch einen anderen Mann. Und die Gay Community ist eher harmlos und manierlich unterwegs. Ich habe in meinen mehr als 5 Jahren dort kaum einen schwulen Mann getroffen. Und wenn doch, war er die Höflichkeit in Person. Ich für mein Teil hatte wenig Probleme mit dem anderen Geschlecht. Vermutlich weil ich mich selten außerhalb der lesbischen Szene bewegte, oder mit Yuki einfach nur auf Entdeckungsreise durch die virtuelle Welt ging.

Aber kommen wir zurück in die reale Welt. Auf meiner Suche nach Lesestoff bin ich heute auf das amerikanische Model Elliot Sailors gestoßen. Nein Elliot ist kein Mann! Auch, wenn sie mittlerweile so ausschauen mag. Elliot Sailors ist eine verheiratete hetero Frau, die mit 30 Jahren zu alt für ihren Model Job geworden war. Dank ihrer markanten Gesichtszüge fiel ihr die Entscheidung dann nicht schwer: In Absprache mit ihrem Mann ging sie zum Friseur und ließ sich einen Kurzhaarschnitt verpassen. Mit eingeschnürter Oberweite, Flanellhemd und Jeans – Stichwort Tomboy Look -, wagte sie den Neuanfang. Und der gelang! Allerdings erst nach einem Auftritt in der TV-Today Show.

Wer sich Bilder von Elliot anschauen möchte wird im Internet schnell fündig. Es gibt sie auf Facebook und diversen anderen Seiten. Selbet der Welt online war sie einen Artikel wert. Dort steht aber nur genau das, was schon anderswo zigfach geschrieben worden ist. Ich bin nicht so der Fan von kurzen Haaren. Vor allem dann nicht, wenn Schwestern diese als Kennzeichen tragen. Yuki und ich haben „lange“ Haare und das bleibt auch so.

Schmunzeln musste ich dann über Elliots Aussage, dass ihr nun da sie als Mann unterwegs sei niemand mehr die Tür aufhält. Wo ist das Problem, Schwester? Ich habe keines damit meiner Frau die Tür zu öffnen, oder sie dann eben mir. Ist halt so bei uns und das ist gut so! Zum Mann werde ich dadurch noch lange nicht.