Der wilde Mann

Wenn ich sage ich sei noch nie intim mit Mann gewesen, so muss ich das nun korrigieren. Mit Zustimmung und im Beisein meiner Frau ist es geschehen. Ja, meine Elfe war dabei bei unserem flotten Dreier. Und der war wirklich gut! Der Typ war Wahnsinn pur, tiefschwarz und einfach toll gebaut. Austrainierte Sportlichkeit, Muskeln im Überluss. Welche Frau kann da schon wiederstehen? Und erst sein ach so männlicher Geruch, der brachte mein Näschen zum erbeben. Ich gab mich hin und habe es genossen. Und ich würde es immer wieder tun.

Der Mann ist übrigens Japaner. Sozusagen ein „Beast from the East.“ Wer sonst sollte auch mein neuer Lover sein? Er ist noch jung und steht da wie eine Eins. Noch nie zuvor hat mich etwas oder jemand so erregt. Es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Auch Yuki ist begeistert von seiner Kraft. Selbst zwei Frauen sind für diesen Kerl kein wirkliches Problem. Als die Ältere darf ich mit dem Ritt beginnen und stöhne voller Lust, als er orgiastisch zum Leben erwacht. Lässig schwingt er sich auf Touren und lässt Zeit und Raum vergehen. Ich hole tief Luft und gestehe es: Gemeinsam sitzen wir im neuen Nissan GT-R Black Edition. Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

Alles fing ganz harmlos an und mit einem Anruf von Yukis Vater. Dass der ein Schlitzohr ist, habe ich schon oft erwähnt. Yuki gleicht ihm in der Beziehung bis aufs Haar. Aber sie sieht viel besser aus.
„Tochter, hier ist dein geliebter Vater“, beginnt das Gespräch standesgemäß. Zumindest hat Yuki es mir so erzählt.
„Was soll ich für dich tun?“, fragt sie prompt und ich falle von der Couch vor Lachen. Nur ich bin zu meinem Papa frecher.
„Du darfst ein Auto testen“, hat Yukis Vater ihr gesagt. „Aber was sage ich, ich frage meine andere Tochter.“
Mit der anderen Tochter bin natürlich ich gemeint. Frechdachs Mayumi, die er ebenso liebt.
Männer sind komisch, ich glaube ich muss frecher sein.

„Ja, Väterchen?“, spreche ich zuckersüß in den Hörer. „Was kann ich gegen dich tun?“
Diesmal hält sich Yuki den Bauch vor Lachen.
Mit gespieltem Ernst, aber lachendem Unteron, erzählt mein Schwiegervater mir von einem Deal unter Männern.
„Wir haben euch verkauft“, sagt er und räuspert sich dabei auffällig oft. „Und gehorsame Töchter machen immer, was ihre Väter wollen.“
„Klar doch“, erwidere ich. „Vor allem da wir noch im Mittelalter leben.“
Yuki hört mit und drückt prompt die Freisprechtaste.
„Lieber Papa“, flötet sie, „sag sofort worum es geht.“

Der Deal unter Männern erweist sich als absoluter Übercoup. Die Firma meines Schwiegervaters hat einen Nissan GT-R zum Test bekommen.
„Das Problem war der Ausfall der beiden Werksfahrer“, eröffnet er uns. „Die Firma unserer Geschäftspartner hat keinen Ersatz, niemand dem sie wirklich vertrauen. Und da kommt ihr ins Spiel. Ihr habt doch noch Ferien. Und es wäre wirklich wichtig. Darf ich auf euch zählen?“
Es gibt wenige Dinge auf dieser Welt, die mir die Sprache verschlagen können. Aber der GT-R gehört dazu.
Satte 550 PS treiben den Wagen voran, er hat doppelte Turbokraft und 632 Newtonmeter Drehmoment. Der Motor ist ein V6 mit 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG). Spitze 315 km/h, von 0 auf 100 in unter 3 Sekunden. 97.500 Euro ist dieser Wagen wert. Der neue Porsche Turbo S kostet gleich doppelt so viel. Was ihn nur teurer, aber nicht viel schneller macht.

Überhaupt haben Audi und Porsche ein Problem mit ihren Preisen. Billig sollen nur die anderen sein. Bewusst hat man sich im exklusiveren Marktsegment postiert. Aber teurer muss nicht immer besser sein. Und der GT-R ist gut! Kein Wolf im Schafspelz, er ist in Stahl gepresste Leidenschaft. Und der Clou: Der Wagen wird in zwei Ausbaustufen kommen. Als Serienfahrzeug und Tuning-Bolide. Dann hat er weit über 700 PS. Und das ist alles andere als normal. Wenig normal sind auch die Tests, auf die Wolf verweist.
„Porsche ist stets der Sieger“, erklärt Wolf mit süßsaurem Gesicht.
Wer das glaubt, wird seelig.

Wolf mit Team hat natürlich auf uns gewartet. Direkt auf der Strecke. Fast ehrfürchtig schleichen die Männer um die beiden GT-R, die sich tiefschwarz in der milden Sonne präsentieren. In der Barracke ziehen wir die Overalls und Helme an. Sicherheit ist angesagt. Nur Vollidioten fahren ohne. Der erste Nissan ist bereits verkabelt, das Team hat Motor und Reifen vorgewärmt. Das ist sonst nur im Rennsport üblich und da sehe ich mich nicht. Im Unterschied zu einer Cyndie Allemann fehlen mir auf dem Rundkurs deutliche Sekunden. Die Cyndie bremst auch nie, die steht lieber in der Kurve quer. Und das ist hohe Kunst. Aber dafür sehe ich noch besser aus als sie. Und das ist nicht gelogen.

Was folgt ist ein Gedicht japanischer Motorenkunst. Mit dem GT-R hat sich Nissan mehr als einmal übertroffen. Nie zuvor hatte ich solche Lust auf einen Wagen. Und von mir aus darf der auch total männlich sein. Das schmälert weder Aussehen noch Top-Speed. Und beides ist der Überhammer. Der GT-R ist laut, wild und schüttelt sich. Ein echter Kerl halt. Zahm ist anders. Es röhrt und dröhnt, dann schießt der Wagen in einem Atemzug auf 100 km/h. Gut, es bleibt bei deutlich über 3 Sekunden. Daran ist laut Yuki mein (nicht vorhandener!) Hüftspeck schuld. Aber wer mag schon einer Elfe widersprechen?
2,7 Sekunden sollen es laut Werksangaben sein, aber diesen Beweis blieb der GT-R bisher schuldig. Auch allein im Wagen erreiche ich die nicht. Also kommt meine Elfe wieder mit und jauchzt vor Freude, wenn die brutale Beschleunigung eintritt.

Der Wagen fährt sich hart, direkt und ohne Kompromisse. Der Verbrauch ist hoch, 10 Liter SuperPlus auf 100 km nur eine Illusion. 20 plus kommt der Wahrheit näher. Und 30 Liter sind auch kein Problem. Aber wer will mit diesem Supercar vernünftig sein?
Das DSG schaltet gut und ohne Zeitverlust. Wir wechseln beim Fahrwerk zwischen Komfortmodus und Sport. Und die Rundenzeiten werden schneller.
Eine gute Stunde sind wir unterwegs. Auch Yuki darf natürlich und stellt sich quer. Mit dem Auto, wie auch sonst?
Sie schimpft auf japanisch über den Godzilla, der Spitzname dieses Supercars.
Aber auch Elfen können driften.

Nach einigen Runden hat sie den Bogen raus und zerstört prompt den ersten Reifensatz.
Wolf feixt und Yuki ist gespielt beleidigt, als der Abschlepper kommt.
„Macht gleich weiter mit dem anderen Wagen“, bittet er. „Aber ultravorsichtig, das Teil ist nicht normal.“
Der Ritt in diesem GT-R gleicht dem Ritt auf einer Highspeed-Kugel. Hat schon der normale Motor gebrüllt, so schreit dieser uns nur noch an. Aber egal was ich versuche, die Hinterräder drehen beim Start stets durch. Allrad falsch verteilt. Gefühlte 80 % Kraft an der Hinterachse kommen bei mehr als 700 PS nicht gut. Wie lange sollen diese Reifen halten?
Gute 850 Newtonmeter schieben uns vehement um die Kurven. Und selbst ich stehe öfter quer. Wir bekommen Tritte und Stöße auf unsere zarten Knochen, die jedem Allkämpfer zur Ehre gereichen sollten. Dieser Wagen überzeugt mich nicht. Schlecht abgestimmt ist das Fazit nach nur wenigen Runden. Den mag fahren wer will, beherrschbar ist anders. Die sollen doch die Cyndie rufen.

„Es soll noch eine 600 PS Variante von dem Wagen geben“, erzählt uns Wolf zum Schluss. „Dank Carbonteilen ist der GT-R dann auch 50 kg leichter. Zu schade, dass er noch nicht verfügbar ist.“
Ziemlich durchgeschwitzt nehmen wir eine schnelle Dusche. Yuki, die Fürsorgliche, hat Unterwäsche zum wechseln mitgebracht. Und einen Deostick hat die Frau von heute sowieso dabei.
Frech haut mir Yuki auf den Po, als ich in die bequeme Cargohose steige.
„Das war dann aber auch unser letzter Ritt mit diesem wilden Mann“, lässt sie den Spruch vom Stapel, der mich zu diesem Text verleitet hat.
Und auch da mag ich ihr nicht widersprechen. Aber den normalen GT-R-Godzilla würde ich immer wieder reiten. Dumm nur, dass ich keine 97.500 Euro habe.
Dafür eine Elfe. Und das ist ausreichend und gut.