The way of the Blog

Blogs leben von Lesern, oft liebevoll auch (Ver)Folger genannt. Seit einer Weile habe ich davon mehr als 250. Und das macht mich stolz. Nun kann ich selbst unmöglich 250 + Blogs pro Tag lesen, oder kommentieren. Das bitte ich alle LeserInnen zu verstehen. Meine Elfe droht sonst mit Scheidung, was ich kaum riskieren kann. Und Geld verdienen muss ich auch. Natürlich in High Heels am Steuer teurer Wagen. Was habt ihr denn nun gedacht?

Ironiemodus off und zurück zu den harten Fakten. Was macht eine Testfahrerin eigentlich im Winter, werden sich viele LeserInnen fragen. Die Antwort ist einfach: testen! Im Idealfall auf Eis und Schnee und bei fetten Minusgraden. Norwegen ist schon gebucht. Ja Norwegen steht vor der Tür. Wolfs Team wird dort einige Tage verbringen und die getunten Wagen testen. Aber erst in einigen Wochen. Ich berichte dann davon.

Yuki und ich werden dabei sein und die Wagen auf vereisten Seen fahren. Zwar ist eine Menge Spaß garantiert, aber es ist auch Arbeit pur. Bis dahin düse ich zum Beispiel mit einem RS8 durch die Gegend, bei dem Wolf den Motor hochgezüchtet hat. Im Idealfall verbinde ich diese Arbeit mit einem Job als Beraterin. Vorgestern habe ich auf diese Weise einen Firmenchef verblüfft. „Sie fahren einen solchen Wagen …?“, hat er gefragt. Natürlich habe ich genickt und den Job bekommen. Vermutlich hat den Mann der Anblick bis in die Träume verfolgt. Am nächsten Tag hat er sich bei Wolf gemeldet umd einen umgebauten RS8 geordert. Was mir Prozente bringt. Seid umschlungen ihr Millionen!

Auch getrennt habe ich mich noch 2014. wieder. Von verwaisten Blogs natürlich! Was habt ihr denn nun gedacht? Der Grund ist einfach und nie persönlich gemeint. Wer einige Monate nichts veröffentlicht, der bloggt nicht mehr. Ich finde es schade, wenn ich solche Blogs aus dem Reader lösche. Aber es gilt den Überblick zu behalten, Wehmut hilft da kaum weiter. Wer wiederkommt, zu dem finde ich gern zurück. Bis dahin: macht es gut.

Aktuell folge ich 60 Blogs und diese Zahl möchte ich nicht mehr überschreiten. Aber wenn ich Zeit habe stöbere ich in meiner Liste und habe schon diverse Perlen gefunden. Die kommentiere ich, aber nicht regelmäßig. Es gibt auch Blogs,  die ich bewusst gestrichen habe. Als Zielscheibe frustrierter Internet-Papiertiger tauge ich kaum. Noch weniger für Chauvinisten.

„Warum schreiben Yuki oder du nicht über japanische Küche?“, hat mich nicht nur Frau gefragt. Meine Antwort: Weil ich das langweilig finde. Ja, ich kann kochen. Und das sehr gut. Überwiegend japanisch, deutsches Essen mag ich nicht. Fette Haxen, verbrannte Schnitzel, oder Gulasch soll essen wer will. Mir wird davon schlecht. Aber ich lese zumindest einige Food-Blogs gern. Und da gibt’s auch immer „lecker Kuchen!“

Yuki hat wenig bis keine Zeit zum bloggen. Studium und Masterarbeit sind wichtig. Und nebenbei hilft sie noch mir. Beim fahren und beraten. Merke: Eine erfolgreiche Frau braucht immer eine Frau, die neben ihr steht. Gleichberechtigt. Und das ist meine Elfe.

Wohin führt mich dieser Blog? Diese Frage ist rhetorisch und wenig Überlegung wert. Er führt immer zum nächsten Artikel, den ich oft spontan entscheide. Egal ob über Feminismus, Politik, oder einfach noch’n Gedicht.

Ohne Mann fehlt dir was

Sexismus gegen Frauen ist leider noch immer die Regel auf der Welt. Wer anderes behauptet verschließt die Augen vor der Wirklichkeit. Mann vor allen Dingen, geht der Sexiusmus doch von seiner Seite aus. Der Knaller sind dann die Vatertypen, die einen jovialen Sexismus pflegen. „Stell dich nicht so an“, wird gern gesagt“, das ist doch alles halb so wild.“

Genau solche Sätze sind es, die mich oft wütend machen. Mann stelle sich nun bitte vor von gierigen Frauenhänden begrapscht zu werden, wenn er eine überfüllte Bar betritt. Vielleicht würde das der ein oder andere sogar mögen. die Mehrheit der Männer sicher nicht. Und bestimmt kein gestandener Bankdirektor, der zigfacher Großvater ist. Aber Frauen müssen das oft genug erdulden und schweigen meist aus Scham.

„Nicht schon wieder!“, höre ich meine männlichen Leser stöhnen. Und „Ich fühle mich auf mein Geschlecht reduziert.“
Wer so denkt versteht meine Intention leider falsch. Dem kann ich auch nicht helfen.
Pauschale Angriffe gegen die Spezies Mann führe ich nur selten. Ich habe schon lange meinen Frieden mit ihr gemacht. Nachzulesen hier: Klick mich, oder lass es sein. Aber im Leben jeder Frau gibt es Szenen, die niemals geschehen sollten. Und die kein gutes Bild auf gewisse Männer werfen. Davon handelt dieser Bericht.

Die täglichen Übergriffe auf Frauen, die versteckten, oder offenen Belästigungen, waren mir seit jeher ein Gräuel. Und ich kenne genug Heten, die das ebenso sehen. Mit sexueller Orientierung hat das nichts zu tun. Deren Fokus liegt sowieso bei Mann, der Frau gern auf Busen und Po reduziert, als Objekt seiner Lust. Aber lustig ist anders und mit Spaß hat das wenig zu tun. Aktuell gibt es zwei Fälle, die mich wieder rebellisch machen.

Fall 1: Eine Freundin aus der Lesbenszene sucht einen neuen Job. Sie ist gelernte Einzelhandelskauffrau, hat aber auch schon als Bedienung in Kneipen gejobbt. Der Bezirksleiter einer Discounter-Kette bittet sie nach 20 Uhr in einem seiner Märkte zum Vorstellungsgespräch. Vorher habe er keine Zeit sagt er am Telefon. Katja ist ein fraulicher Typ, kurze, dunkle Haare und sehr hübsch. Sie erzählt, wie der Mann sie mit Blicken verschlungen habe. Aber damit kann sie, auch wenn es unangenehm ist.

Spontan habe er ihr eine Stelle als seine Assistentin angeboten. Sie solle dafür dann mit ihm auf Geschäftsreisen und abends mit ihm essen gehen. Bei Katja läuten sofort die Alarmglocken, ihr wird endlich klar, um was es dem Mann wirklich geht. Als sie gehen will erweist sich die Tür als verschlossen. Auf ihre Aufforderung hin sie zu öffnen, hat der Mann nur gelacht und keinen Finger gerührt. Erst als sie droht per Handy die Polizei zu rufen ist er wieder normal geworden. Den Job hat sie natürlich nicht bekommen.

Fall 2: Ein heißer Tag im Juli. Irina steht im Supermarkt an der Fleischtheke, sie ist nur knapp bekleidet. Das Miniröckchen bringt ihre langen Beine perfekt zur Geltung, blonde Haare umrahmen ein Feengesicht. Das ärmellose T-Shirt zeigt mehr, als es verbirgt. Und schon ist Mann in seinem Element. Die Lust erwacht, zeigt Frau doch für ihn eindeutige Signale. Und die heißen „Ich will Sex mit dir.“ Harter Schnitt. Einspruch, Euer Ehren!

Nur leider gibt es keinen Einspruch für Irina. Der verschwitzte Kerl neben ihr reibt deutlich sichtbar unter dem Blaumann sein Geschlecht. Zwei Jugendliche lachen nur, als der Mann stöhnend in seine Hose ejakuliert. Die Verkäuferin schaut weg, Irina ist schockiert. Die Szene ist genau so passiert. Irina hat uns den Vorfall in Tränen aufgelöst erzählt. Im Supermarkt wollte ihr niemand helfen, Man(n) hat nur gelacht. Irina geht zur Polizei und wir begleiten sie. Bis heute ist der Mann nicht gefunden. Hat man(n) wirklich nach ihm gesucht?

Weitaus harmloser, aber durchaus bezeichnend, ist ein Vorfall aus meiner Studienzeit. Der Ort ist die Mensa. Die Beteiligten sind mehr oder weniger arrogante BWL-Studenten.
Meine Mädels und ich sind mit dabei. Ungern zugegeben, aber es war eigentlich ein Arbeitskreis.
Nur drifet die Diskussion schnell ab. Und daran ist Florian schuld. Er gilt als Playboy, Schönling, Womanizer. Und mit Lesben hat er ein Problem, wie ich sehr schnell bemerke.
„Diese blöde Sexismus-Debatte kann ich nicht mehr ertragen“, lässt er mich wissen. „Ihr Frauen tragt doch die alleinige Schuld am männlichen Verhalten. Schaut euch doch nur an!“
„Männer können besser schauen, als denken“, kontere ich lässig. „Aber das wusste ich schon immer und mein Hintern ist nicht für dich.“
Frauen an die Macht.

Florian lacht bitter und holt tief Luft.
„Ihr zieht euch doch extra geil an damit wir scharf werden“, ist seine Meinung. „Und wenn wir dann um euch werben dann wollt ihr angeblich lesbisch sein.“
„Ich bin nicht angeblich lesbisch“, erwidere ich und strahle ihn an. „Das war ich immer schon und werde es immer sein. Wo ist nun dein Problem? Samenstau zu Hause?“
Karin muss laut lachen und Natalie wird rot.
Florian ist mir nicht gewachsen, er steht auf und geht.
Er hat mich nie wieder dumm angemacht.

Ich könnte die Liste sexistischer Übergriffe noch endlos weiterführen und mehr oder weniger krasse Fälle schildern. Aber jede Frau hat diese schon erlebt. Vielleicht nicht einmal bewusst wahrgenommen, ist dieses Verhalten doch schon alltäglich geworden. Und genau dagegen wehre ich mich. Und jede Frau sollte das ebenfalls tun. Vor allem gewisse Politikerinnen, die den Konflikt zwischen den Geschlechtern als längst überwunden ansehen. Aber vermutlich hat Mann das so in seiner engelhaften Güte vorgegeben. Denn ohne Mann fehlt Frau ja angeblich was.

September im Elfenland

Ein typischer Morgen im Hause Yuki und Mayumi. Wie fast immer bin ich vor meiner Elfe wach.
Ausgeruht und voller Ideen kann so der neue Tag beginnen.
Zeilen eines Haikus schwirren durch meine Gedanken und sofort schreibe ich sie auf.
Nachts ist es bereits empfindlich kalt geworden. Bald hat es ein Ende mit dem Sommer.
September im Elfenland.

Während ich nachdenke fängt unser Wecker zu piepsen an. 7 Uhr dreißig, Zeit um aufzustehen.
Neben mir regt sich meine Elfe.
„Mach aus!“, murmelt Yuki und zieht sich die Decke über den Kopf.
Frech zwicke ich sie in den süßen Po und bekomme einen Kissenwurf zum Dank.
Auch Elfen können biestig sein.

Irgendwelche Gremlins haben meine Socken versteckt. Barfuß marschiere ich in die Küche.
Die Sonne winkt durchs Fenster, es wird ein schöner Tag.
Frühstück ist angesagt. Ich decke den Tisch und koche frischen Tee.
„Kommst du, Elfchen?“, rufe ich und höre ein „Gleich!“
Können Elfen immer schlafen?

Kurz darauf steht eine verschlafene Yuki hinter mir und schnuppert den frischen Tee.
„Magst du Toast, soll ich vielleicht Brötchen holen, oder wollen wir japanisch essen?“, frage ich gut gelaunt.
Elfchen murmelt etwas und setzt sich an den Tisch.
Ich interpretiere das Wort als „Toast“ und suche nach der Marmelade.
„Bitteschön meine Süße“, necke ich Yuki und sie lacht.
Aber richtig wach ist sie noch immer nicht.

„Summer has come and passed
The innocent can never last
wake me up when September ends“, klingt es aus dem Radio.
Ich greife nach Yukis kleiner Hand und fühle ein Kribbeln in meinem Bauch.
„Habe ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe?“, frage ich.
„Nö“, erwidert sie frech. „Es wird aber auch Zeit dafür. Schließlich bin ich die Mutter deiner zukünftigen Kinder.“
Können Elfen nur das Eine denken?

Ja, das Thema Kind(er) ist wieder auf dem Tisch. Und nicht nur an diesem Morgen.
Falls wir Japan mit Studium und Arbeit unter einen Hut bekommen, wird Yuki schwanger werden. Ken steht schon bereit dafür.
„Endlich Sex mit Frau“, hat er im Scherz gesagt. „Das wollte ich schon immer testen.“
Zur Strafe haben wir ihn so lange gekitzelt, bis er um Gnade gebettelt hat.
Natürlich wird er nicht mit Yuki schlafen. Schwanger werden geht auch anders.
Unser Glück.

Das Telefon klingelt, meine Mama meldet sich.
„Wir sind zu Hause“, lässt sie mich wissen.
Zu Hause, das bedeutet Düsseldorf. Und ich sehe mich schon auf dem Weg.
Yuki nickt sofort, als ich den Vorschlag mache. Wir müssen nur vorher noch bei Wolf vorbei.
Wagentausch ist angesagt, er hat uns eine Überraschung versprochen. Aber davon ein andermal mehr.
Sweet, sweet September blue.

Tee und Toast wecken Yukis Lebensgeister und fröhlich singend verschwindet sie im Bad.
Ich folge und gemeinsam putzen wir die Zähne. Nun kommt das morgendliche Wiegen-Ritual.
„Boah bist du fett!“, neckt sie mich prompt, als die Waage mehr als 53 kg zeigt.
„Ach ja?“, kontere ich. „Hattest du nicht 54 letzte Woche?“
„Ich habe schwere Knochen“, sagt Elfchen mit Unschuldsmiene.
September, i’ll always remember you.

And i can’t fight it
And i can’t choose
The more she wins me
The less i lose (Lyrics by Chris Rea „September Blue“)

Entzug auf Raten – Eine Geschichte von der Sucht

Dass ich süchtig bin, habe ich schon eine Weile gewusst. Aber mir war nie klar, wie stark die Sucht fortgeschritten ist. Unruhe erfasst mich. Die Nervosität macht mich unkonzentriert. Die Zahlen und Konzepte vor mir sind nur Schall und Rauch. Zum ersten Mal in meinem Leben will mir etwas nicht gelingen. Die spielerische Leichtigkeit ist weg.

Nun wäre ich nicht meine eigene, ach so perfekte Analystin, wenn ich die Ursache dafür nicht finden könnte. Sofort mache ich mich ans Werk und bewerte meine Situation. Das ist schwieriger als gedacht und wieder schweifen meine Gedanken ab. Selbst Atemübungen wollen nicht helfen. Fast erbost kicke ich gegen den Sessel, der entsetzt nach hinten kippt. So wird das nichts, das ist mir klar. Und Polstermöbel sind undankbare Gegner.

Mit grimmigem Blick tigere ich in die Küche und malträtiere Gemüse und Fleisch. Das fetzt und spritzt und ich bin halbwegs zufrieden mit mir. Nur eine Lösung auf Dauer kann das nicht sein, ich muss mir andere Dinge ausdenken. Vielleicht eine Runde Z? Und hat Wolf nicht von einem neuen Audi gesprochen? Spontan rufe ich an, aber er winkt nur ab.
„Wir sind noch mit dem Steuergerät beschäftigt, du darfst ihn dann die Tage fahren.“
Schneller, höher, weiter.

Halb in Gedanken stecke ich Unterlagen und Laptop in den Rucksack. Erst jetzt wird mir bewusst, was ich da mache. Ein Zeichen, das ist sofort klar! Im Eilschritt geht es die Treppe hinab, der Z wartet schon. Ein Gruß an die Nachbarin, dann erwacht der Motor zum Leben. Ich weiß nun wohin es geht. Aber es gibt immer Momente im Leben, da liegt Nebel auf der Seele und trübt den klaren Blick. Der ist nun weg. Und ich auf meinem Weg.

Der Stuttgarter Verkehr ist und bleibt eine Sache für sich. Selbst schimpfen macht da keinen Sinn. Nur Gelassenheit hilft. Was schwierig ist, wenn die Sucht dagegen spricht. Meine Unruhe wächst, wieso fährt die Nase da vorn nicht endlich weiter? Ganz unjapanisch fange ich an zu fluchen. Lässig fauchend zieht der Z vorbei. Power, die ich meine. Und japanische Schimpfworte sind toll. Mag wer welche lernen?

Fast automatisch wähle ich den Weg zur Uni. Alles andere ist mir heute egal. Um die Zeit weiß ich Yuki in der Mensa. Und falls nicht, so werde ich sie finden. Ich kenne ihren Plan. Eine Kommilitonin sieht mich verwundert an. „Hattest du nicht aufgehört?“, will sie von mir wissen. Ich schenke ihr ein Lachen. „Manche Dinge hören niemals auf“, sage ich orakelhaft und eile weiter. Ewigkeit ich komme!

Ich finde meine Elfe tatsächlich in der Mensa. Wieso nur schaut sie so bedrückt? Mir wird ganz flau im Magen.
„Hey Elfchen“, flüstere ich, „was ist, du siehst so traurig aus.“
Es gibt wenige Dinge auf dieser welt, die mich aus dem Gleichgewicht bringen können. Und Yukis Elfenlachen gehört dazu.
Wortlos schlingt sie die Arme um mich und gibt mir einen Kuss.
„Ihr Zwei seid unglaublich“, höre ich eine Studentin sagen. Aber sie freut sich mit uns und lacht. Liebe ist auch eine Sucht. Was habt ihr denn nun gedacht?

Ich bin völlig ruhig in diesem Moment. Meine Sucht ist vergessen. Ohne Elfe bin ich nichts, das ist mir nun endlich klar. Und ich mag mich nicht mehr von ihr trennen, das entscheide ich spontan. Ich bin noch eingeschrieben an der Uni, das ist mein großes Glück.
Und ab sofort wird dann eben wieder gemeinsam die Zeit verbracht. Einen Abschluss muss ich ja nicht mehr machen. Und arbeiten geht auch dort. Ich bin zu gut für diese Welt.

„Was machst du eigentlich hier?“, will Yuki wissen und blinzelt frech. „Solltest du nicht endlich Geld verdienen?“
Ihr geht es gut, das merke ich.
„Ich war auf Entzug“, sage ich und kitzele sie. „Und das hört ab heute auf. Ich mag wieder die volle Dosis haben. Ist das für dich okay?“
„Aber nur wenn du kochst“, sagt Yuki und meint es alles andere als ernst dabei.
Sie ist glücklich und ich bin es auch. Manchmal muss die Logik den Gefühlen weichen.
Ich liebe dich mein Schatz.

Ich, mein Selbst und das ständig

Die meisten Menschen bleiben fremdbestimmt. Und das ihr Leben lang. Mein Weg war immer anders. Aber anpassen kann ich mich auch. Es lernt sich im Klassenzimmer einfach besser, als einsam vor der Tür. Aber das nur nebenbei und als Einstieg in diesen Bericht. Bekanntlich habe ich BWL studiert. Und auch ausgezeichnet abgeschlossen. Nur arbeite ich nicht mehr im BWL-Bereich und hatte es auch nie mehr vor. Aber Dinge ändern sich und ich bin aufgeschlossen.

Auch Yuki hat einen Titel. Aber das Lehramt war kein Ziel. Unser Weg zurück auf die Uni war gut. Und er war richtig. Aber eben nicht auf Dauer. In den letzten Monaten ist in mir klar geworden, dass ich keine weiteren Jahre studieren will. Mein Plan, in einem Verlag, oder als Redakteurin zu arbeiten, war lediglich eine Laune von mir. Ich sehe mich einfach nicht berockt und bestrumpft durchs Großraumbüro stöckeln und den News von vorgestern nachjagen. Eingezwängt ins Korsett von Konventionen und Lügen, wäre das mein geistiger Tod. Außerdem lüge ich sehr schlecht.

Im LGBT-Bereich werde ich auch weiterhin aktiv bleiben, das stand niemals zur Debatte. Vielleicht ergeben sich in Zukunft andere Möglichkeiten, um die Regenbogenflagge weiter hoch zu halten. Das werden wir dann sehen. Ob das weiter in BaWü ist muss sich noch erweisen. Zur Zeit denken wir über einen Umzug nach Düsseldorf nach. Ohnehin sind wir in letzter Zeit ständig dort, was meine Eltern freut. Nur die spaßige Frage nach Enkeln bringt mich in Rage. Aber Yuki lacht nur und alles ist gut.

Es fällt mir leicht Entscheidungen zu treffen und meinen Lebensweg zu sehen. Für Visionen bin ich immer zu haben. Also habe ich analysiert, was ich wirklich kann und will. Ich kann Karate, Aikido, Kendo und nun auch Wing Chun. Im Karate bin ich Meisterin, den Rest lasse ich folgen. Ich bin Feministin und ich stehe für die Rechte von Frauen. Ich beschütze Menschen gern und gebe meine Kunst auch weiter. All das befähigt mich zur Sensei, dem japanischen Wort für Lehrer(in). Und ich kann BWL. Aber das schrieb ich bereits. Mehr davon in Kürze, ihr werdet schon sehen.

Nun kann man von Kampfkunst nicht immer leben. Auch, wenn das Sicherheitsbedürfnis in Deutschland steigt. Meine Familie ist nicht ganz arm. Und Immobilien im In- und Ausland helfen, um das Leben angenehmer zu gestalten. Meinen Eltern sozusagen auf der Tasche liegen, das war nie mein Ding. Aber warum Hunger leiden, wenn es auch anders geht? Finanzielle Sicherheit ist eine tolle Sache. Aber ausnutzen ist anders.

Meine Liebe zu schnellen Autos ist dann noch einmal eine ganz andere Sache. Die habe ich nie in dem Maß ausgelebt, wie Töchter und Söhne reicher Eltern. Mein Mittelklasse Toyota war mir lange Zeit genug. Ich musste nie mit einem Porsche protzen. Yukis Vater ist Automobilist mit Leidenschaft. Ein Manager mit innovativen Ideen. Er hat uns den Einstig in die Arbeitswelt ermöglicht und sehr bedauert, dass wir gehen. Aber wir arbeiten wieder für ihn. Wenn auch so völlig anders, als er das gern hätte. Ähnlich wie mein Vater kann er aber Yuki keinen Wunsch abschlagen. Und die Idee uns als Testfahrerinnen zu verpflichten kam von ihm.

Begegnungen mit Menschen, wie Graf Werner und der pensionierten Lehrerin Brigitte, haben mich berührt. Auch der Krav Maga-Experte von der Polizei, hat mit meiner Entscheidung zu tun. Und natürlich meine Freundin Linda, mit der ich stärker zusammenarbeiten will. Aber nicht als Angestellte. Der Entschluss steht fest, ich werde selbstständig sein. Freiberuflerin mit A-Lizenz und Schwarzem Gürtel. Was will Frau noch mehr? Und zu Graf Werner gibt es auch noch viel zu sagen. Aber davon in einem anderen Artikel mehr. Titel adeln sich.

Für die Uni bedeutet das Goodbye. Kein Powerstudium, keine Klausur. Es war schön. Auf Wiedersehen. Leider bedeutet es auch den bisher größten Einschnitt in meinem Leben, die Trennung von meiner Frau. Natürlich nicht für immer, was habt ihr denn nun gedacht? Der Plan ist einfach: Master und Frau Dr. machen. Und dann steigt sie bei mir ein. Bei ihrer Begabung nur ein Klacks. Mit nun zwei Autos gibt es da kein Problem. Zur Not bin ich immer zur Stelle. Und exmatrikuliert bin ich noch nicht. Aber es werden lange Stunden ohne meine Elfe sein. Also muss ich schneller fahren und höher kicken. Und das kann ich bekanntlich gut. Und auch malen nach Zahlen.

Linda und ich werden Seminare und Kurse in Selbstverteidigung geben. Bevorzugt für Frauen und Mädchen. Aber auch für Mann. Dann aber nur für solche, die keine polizeiliche Vorgeschichte haben. Und das können Manager, oder Polizeibeamte sein. Für meinen Schwiegervater werde ich ebenfalls weiter Autos fahren. Aber das nur nebenbei und zu anderen Konditionen. Aber BWL wird vorerst wieder meine Hauptsache sein. Trocken, präzise und analytisch gut.

Was das für meinen Blog bedeutet, steht auf einem anderen Blatt. Schon eine Weile bin ich dort weniger aktiv vertreten, aber immer noch präsent. Zum Glück kann ich meist von zu Hause aus arbeiten. Und das soll auch so bleiben.

Von verborgenen Pfaden und einem langen Weg

Winterweg

Es ist Winter geworden in der Schweiz. Die Straßen sind verschneit. Hand in Hand wandern wir durch die Nacht, einem neuen Tag entgegen. Wir machen solche verrückten Dinge. Und oft ist es Yuki, die mich dazu motiviert. Wir sind vor einer Woche mit dem Test-Golf in in den Schnee gefahren. Ein Ausflug im Winter, Urlaub für einen kurzen und doch so langen Tag. Und wir haben geredet, wir haben uns entschieden. Wie versprochen erzähle ich davon.

Wir bleiben stehen und schauen zurück. Deutlich zeichnen Spuren unseren Weg. Und Spuren wollen wir auch auf unserem Lebensweg hinterlassen. Das war immer unser Ziel. Wir sprechen über die Zukunft, über Arbeit, Sport und Spiel. Sicherheit wird bei uns groß geschrieben, da sind wir sehr konservativ. Finanziell sind wir durch unsere Eltern abgesichert. Und das ist keine Selbstverständlichkeit. Aber sie sind stolz auf uns. Wir haben bereits Berufe, aber unsere Berufung waren sie nicht. Yuki sieht das wie ich. Zwei Herzen, eine Seele.

Vor einer Weile habe ich von meinem Weg ohne Zweifel geschrieben. Aber es ist eine Sache mit 300 km/h über die Autobahn zu brausen, mit Vollgas durch die Nacht. Auf der Autobahn des Lebens geht das nicht. Unebenheiten, Schlaglöcher und lange Staus sind Hindernisse, die unser Fortkommen oft erschweren. Manchmal müssen wir deshalb kleinere Schritte machen. Jeden Tag aufs Neue, jeden Tag ein Stück. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“, steht in der Bibel. Ja, auch darin habe ich gelesen. Dürfen Buddhisten das nicht?

Nach drei Jahren Vollzeit-Job sind Yuki und ich zurück auf die Universität gegangen. Wir haben ein „Leben in Luxus“ aufgegeben, um einen anderen Weg zu gehen. Den Weg der Kunst und Künstler. Nie brotlos und vor allem motorisiert. Möglich gemacht haben das unsere Eltern. Vielen Dank dafür! Noch ist unklar, wohin uns dieser Weg führen wird. Aber ist ankommen immer wichtig? Ist nicht das ganze Leben eine lange Reise?

Nach drei Jahren Uni-Pause ist alles neu. Angst habe ich keine. Lernen ist meine Passion. In den ersten Tagen schaue ich mich um. Neue Wege, neue Menschen, neue Gesichter. Wie jung sie doch noch sind. Yuki und ich fallen kaum auf. Kein Wunder, wir sehen wie Anfang Zwanzig aus. Ein Vorteil Japanerin zu sein. Und laut einem japanischen Online-Test ist das auch mein geistiges Alter. Yuki sagt sie habe immer schon gewusst, dass ich ein Kindskopf bin. Ist sie nicht eine tolle Frau?

Wir bleiben meist unter uns. Wenn wir keinen Kontakt haben müssen, meiden wir andere StudentInnen. Für uns ist die Uni lediglich Pflichtprogramm. Die Kür haben wir hinter uns gelassen. Vor drei Jahren in einer anderen Zeit. Neid kommt keiner auf, die Neugier von KommilitonInnen hält sich in Grenzen. Wir sind und bleiben Außenseiter. Nur Mann ist stärker an uns interessiert. Wir amüsieren uns über die Blicke und gehen bewusst meist Hand in Hand.

Die meisten Männer schreckt das so wenig, wie unsere Eheringe. Sie werden weiter baggern. Wir müssen den ein oder anderen Dämpfer verteilen. Danach herrscht Ruhe, ich kenne das schon. Der Weg unterm Regenbogen kann oft steinig sein. Aber ich weiche Ärger niemals aus. Meist lenke ich ihn um und ab. Mit purer Kraft gewinnt man keinen Kampf.

Unser neuer Studienweg ist etwas chaotisch. Anfangs bringen mir die beiden altem Semester Literaturwissenschaft nicht viel. Das ist Jahre her und wird nicht mehr anerkannt. Aber schon nach kurzer Zeit ist klar, dass ich das erste Semester locker in der Tasche habe. Ein Kinderspiel mit einer studierten Elfe als Frau. Ich werde 3 – 4 Semester pro Jahr machen. Alles andere wäre Zeitverschwendung. Zur Not höre ich auf zu bloggen. Wen interessiert mein Geschreibsel sch0n.

Auch Yuki hat Glück. Sie hat zwar damals abgebrochen, aber ihr werden die Scheine anerkannt. Mein Elfe wird also vor mir fertig sein, was ich ihr von ganzem Herzen gönne. Aber sie will nach dem Master auch ihren Doktor machen, wie sie mir an diesem Morgen in der Schweiz erzählt. Bachelor ist sie schon. Dann bleibt sie an der Uni. Wir werden sehen. Ich bin total stolz auf sie und werde sie unterstützen. Ich habe ja Erfahrung darin.

Es ist Winter geworden. Und nicht nur in der Schweiz. Die Straßen sind verschneit. Hand in Hand wandern wir weiter, den Blick nach vorn gerichtet. Unser Leben mag langweilig klingen, das ist mir schon klar. Wir scheinen vorgezeichnete Wege zu gehen. Aber das sind nur die Wege, die ich zeige. Die verborgenen Pfade gehören uns allein. Dorthin kann uns niemand folgen. Und das wollen wir auch nicht. Vor uns liegt ein langer Weg. Und es wird Zeit, dass wir ihn gehen. Sayonara!

Gar lustig ist das Studentenleben

Als ich nach dem Abitur zur Uni ging war alles anders. Neue Menschen, neue Eindrücke, ein völlig neues Leben. Und doch zum Teil vertraut. Da ich in Düsseldorf studierte brauchte ich keine Wohnung. Und Geld war nie ein Problem. Ich konnte also ganz entspannt lernen. Aber wilde Partys, ein lustig-lockeres Studenleben, habe ich gemieden. Wozu hätte das gut sein sollen? Ich bin durchaus zielorientiert. Was ich erreichen möchte, das gehe ich ohne Umschweife an. Wenn auch auf meine eigene Weise.

Wer nun glaubt ich habe keinen Spaß gehabt, der irrt sich gewaltig. Aber bei mir kam vor dem Vergnügen immer die Arbeit. Ganz klassisch, habe ich nur am Wochenende Party gemacht. Gute Klausuren waren mein Dank. Auch, wenn ich vielleicht einige Jahre länger studierte. Das lag aber weniger an schlechten Noten. Vielmehr fing ich damals dreimal von vorn an. Psychologie, Germanikstik, BWL. Nun habe ich immer schon viel gelesen und Psychologie hat mir am Anfang Spaß gemacht. Aber all diese Theorie, all diese endlosen Stunden vor Büchern, haben mir die Augen geöffnet. Ich habe analysiert und erkannt, dass das kein Weg zum Erfolg für mich wird. Ich denke anders, als viele Menschen. Eine tiefere Beschäftigung mit Depressionen, Borderline und Narzissmus liegt mir nicht. Das liegt weniger an mangelnder Sensibilität, als an meinem unbedingten Lebenswillen. Und der verbietet mir im Meer der Tränen zu schwimmen.

Schon als Teenager habe ich Haikus geschrieben und viel gelesen. Lust auf Literatur, auf Sprache(n), hatte ich schon immer. Germanistik war also meine zweite Wahl. Wie funktionieren Texte, wie funktioniert Sprache? Das hat mich interessiert. Vor allem neuere Deutsche Literaturwissenschaft. Die Idee war damals, Journalistin zu werden, oder in die Werbebranche zu gehen. Auch Rundfunk und Fernsehen standen zur Wahl. Aber nach zwei Semestern habe ich wieder aufgehört. Es lag an der engen Vernetzung der Universität mit der Wirtschaft. Plötzlich hatte ich meine Chance erkannt. Vor allem die Chance auf Sicherheit. Und die hat in unserer Familie große Tradidtion. Was lag also näher, als auf BWL zu schwenken. Und genau das habe ich getan.

Vielleicht war es in gewisser Weise auch Neugier, die mich so handeln ließ. Trotz einer zum Teil konservativen Einstellung, bin ich vielen Dingen gegenüber aufgeschlossen. Tradition bedeutet mir viel, aber auch die Veränderung. Wie im Karate, habe ich mich weiterentwickelt. Komplexe Zusammenhänge zu analysieren, war für mich kein Problem. Das mache ich ohnehin den ganzen Tag. Ich analysiere Menschen, Texte, Situationen. Selbst meinen Blog. BWL hat mir dabei geholfen diese Fähigkeit noch zu meistern. Aber Spaß sieht anders aus. Dazu gleich mehr.

Vielleicht ist dem einen oder anderen Leser der Name Miyamoto Musashi ein Begriff. Musashi war der vermutlich beste Samurai aller Zeiten, der perfekte Krieger. Er hat unter anderem die Zweischwerttechnik entwickelt und in seinem Leben jedes Duell gewonnen. Und davon hatte er er sehr viele. Musashi war nach heutigen Maßstäben ein wilder Kerl. Ein Killer, ein Kämpfer. Im Alter von dreizehn Jahren, hatte er sein erstes Duell. Siebzehn Jahre lang zog er durch Japan und forderte die Besten der Besten heraus. Mit Ende Zwanzig war er unschlagbar. Und doch verbrachte er sein ganzes Leben damit, seine Technik weiter zu verbessern. Musashi ist für damalige Verhältnisse sehr alt geworden. Und es war eine Krankheit, die ihn besiegte. Kein Mensch hat das jemals vollbracht.

Musashi hat das mit dem besiegen wohl anders gesehen. Er hat, den Tod vor Augen, sein berühmtes Werk „Das Buch der fünf Ringe“ geschrieben. Dieses Werk hat ihn unsterblich gemacht. Auch wenn sein Name einige Zeit in Vergessenheit geriet, so wurde er letztlich wiederentdeckt. Seine Schüler haben Musashis Tradition und Schwertkunkst bewahrt. Einer davon ist mein Vater. Er beherrscht sowohl Kendo, wie auch klassisches Kenjutsu, die alte Schwertkunst. Was hat das nun mit BWL zu tun? Nun, das Buch der fünf Ringe kenne ich seit ich ein kleines Mädchen bin. Ehrfürchtig habe ich es gelesen. Auch, wenn mir damals noch das tiefe Verständnis für die Zeilen fehlte. Nun muss man wissen, dass dieses Werk für japanische Manager so etwas wie Pflichtlektüre ist. Sein Inhalt macht selbst nach vielen hundert Jahren noch Sinn. Zwar werden in der Neuzeit keine Schwerter mehr benutzt, aber der Überlebenskampf in Wirtschaftsunternehmen hat viel mit Schlachten und Duellen zu tun.

Durch Yukis Eltern, haben wir sehr gute Kontakte in die Automobilbranche. So gut, dass wir nach Ende des Studiums sofort in den Beruf eingestiegen sind. Drei lange Jahre habe ich als Assistentin gearbeitet. Zahlen, Statistiken, Bewertungen, Analysen, das war nun meine Welt. Kaffee gekocht haben andere, dafür hatte ich nicht studiert. Zicke und Biest, hat nicht nur Mann mich genannt. Dabei wusste ich nur, was ich wollte. Und wie Musashi, so bin ich zielorientiert meinen Weg gegangen. Vielleicht weniger rücksichtslos. Aber auch mit weniger Regeln behaftet. In gewisser Weise war Musashi vermutlich eine Art von Ninja. Er hat sich wenig an die klassischen Samurai-Regeln gehalten. Hatte er ein Duell, so kam er absichtlich zu spät. Er provozierte sein Gegenüber damit und konnte seine Kämpfe so gewinnen. Nutzte sein Gegner ein Langschwert, benutzte Musashi ein noch längeres Schwert. Oder er setzte zusätzlich ein Kurzschwert ein. Der Kampf mit zwei Schwertern war den Samurai damals noch unbekannt.

BWL hat mir selbst als Berufsanfängerin viel Geld eingebracht. Aber auch meine Kreativität in einem Maß eingeschränkt, die mich erschreckt hat. Meine Liebe zu Kunst, zu Musik und Literatur, haben mich gerettet. BWL war plötzlich nur noch ein Meilenstein auf meinem Weg zur Perfektion. Ein gewonnenes Duell. Nun brauchte ich einen neuen und noch besseren Gegner. Und im Spiegel sah ich mich selbst. Yuki und ich sind im Herbst 2013 zurück auf die Universität gegangen. Auch sie wollte eine Veränderung. Da wir fast alles gemeinsam machen, war das nur die logische Wahl. Ich werde auch dieses Duell meistern und meinen Weg gehen. Bis zur Perfektion. Und irgendwann werde ich die perfekte Kriegerin sein, ein weiblicher Musashi. Mein Kenjutsu werden Worte sein, meine Katana die Feder. Und über allem wird der Regenbogen leuchten.

Studierende Mütter in Deutschland – Die Qual zwischen Hörsaal und Kind

Ein Kommentarchat mit einer Blog-Freundin, hat mich auf die Idee dieses Textes gebracht. Es ging dabei um (werdende) Mütter und um das Studium allgemein. Auch um das oft leidige Thema Anwesenheitspflicht bei Vorlesungen.

Vermutlich werden nun „ältere Semester“ hellhörig werden und fragend auf diese Zeilen schauen. War es nicht bisher gängige Praxis, sich in überfüllte Hörsääle zu zwängen, um dann in hinterster Reihe das ein oder andere Wort des Dozenten zu verstehen? Nun, das war einmal! In der Realität sind Hörsääle heute oft verwaist, der Dozent stellt seine „Thesen“ online zur Verfügung. Wären da nicht uneinsichtige Rektoren, die Studierende zur Teilnahme zwingen. Wie? Durch Anwesenheitslisten.

Richtig so, mag sich nun der ein oder andere Leser denken. Endlich stehen diese faulen Studenten wieder zeitig auf und lernen etwas! Dieser Denkweise kann ich nur den berühmten Vogel zeigen. Inmitten einer Unzahl an Studenten lernt der Einzelne nichts. Höchstens wie er seinen Eintrag auf der Liste manipuliert. Gelernt wird effektiv zu Hause. Die ach so tollen Hörsääle aus TV- und Kinofilmen sind oft nur Legende, der hochsympathische und -motivierte Dozent ein Witz.

Als (werdende) Mutter hat Frau ganz andere Probleme zu lösen, als sich um eine Anwesenheitsliste und -pflicht zu kümmern. Was zählt ist das Ergebnis, die Klausur. Verbocke ich die, ist es meine eigene Schuld. Daran ändert auch stundenlanges Sitzen in überfüllten Hörsäälen nicht viel.

Natürlich gibt es Missbrauch, dem diese Listen entgegen wirken sollen. Sozialschmarotzer, die dann von Kindergeld, BaFög oder Hartz IV leben und sich einige Jahre eine Partyreiche Zeit gönnen, haben die Listen scheinbar notwendig gemacht. Ich finde sie schlecht und möchte aus der Sicht von Frau aufzeigen warum das so ist.

Nehmen wir Jule B., die ich soeben erfunden habe. Jule ist 21 Jahre jung, hat ein gutes Abitur bestanden und studiert seit 4 Semestern Psychologie. Sie lebt mit Ansgar zusammen, einem angehenden Mediziner. Die beiden lieben sich, was sich dann in Svenja wiederspiegelte, ihrer vor wenigen Monaten geborenen Tochter.

Super, mag sich nun der Leser denken. Warum konnten die beiden nicht verhüten, oder mit dem Kinderwunsch warten? Nun, warum sollten sie? Warum ist es nicht möglich ein familiengerechtes und -freundliches Studium zu ermöglichen? Jule hat nun das Problem eine Kita für ihr Baby zu finden. Alternativ nimmt sie es zur Uni mit. Das kommt nicht gut an, Babies haben Hunger, müssen gewickelt werden und sind nicht immer gut gelaunt. Das stört die Vorlesung und Jule muss den Hörsaal verlassen.  Und das bevor sie sich in die Liste eintragen kann.

Wo liegt nun der Fehler? Bei Jule mit Sicherheit nicht. Unsere Gesellschaft braucht Kinder, um weiter zu bestehen. Aber dieses Land tut nichts dafür, dass Familien sie auch haben wollen. Im Gegenteil werden jungen Familien nicht nur an der Uni Steine in den Weg gelegt. Aber Jule  ist eine starke Frau und gibt nicht auf. Sie sucht nach einem Fernstudium und kann in Zukunft mehr oder weniger entspannt zu Hause lernen. Mutter und Kind tut das gut. Svenja wächst und gedeiht und Jule kann sich ihren Traum erfüllen. Aber die Regel ist das nicht.

Junge Familien in Deutschland haben mit vielen Hürden zu kämpfen. Die werden oft noch höher, wenn es sich dabei um lesbische Paare handelt. Klar, in unserer noch immer homophoben Welt, in einem konservativ geprägten Deutschland, ist das leider so. Genau das war ein Grund für Yuki und mich noch keine Kinder zu haben. Ich bin eine Kämpferin, aber nicht um jeden Preis. Damit haben meine Gegner zwar scheinbar einen ersten Punktsieg errungen, aber das Ende ist das noch nicht.

Ich habe schon ein Diplom und studiere nur erneut, um mir (m)einen Traum zu erfüllen. Und erst dann werde ich Mama. Ach Moment … Yuki sagt ich solle das relativieren. Sie würde die Kinder bekommen, ich müsse sie dann bekochen. Gibt’s da vielleicht auch einen Bachelor Studiengang? Nur so eine Idee …