Die undemokratische Gesellschaft

Köln kommt nicht zur Ruhe. Dabei geht es weniger um die massenhaften Übergriffe von muslimischen Männern gegenüber deutschen Frauen, sondern um den Bundesparteitag einer demokratischen Partei.

Ich finde es schäbig, ja schwach, dass die meisten Journalisten, dass sogar PolitikerInnen, keine klaren Worte gegen Übergriffe auf Menschen fanden. Gewalt ist keine Lösung, wenn man einen politischen Gegner bekämpft.

Aber der linke Intellektuelle war gestern, heute skandieren seine Enkel „Deutschland verrecke!“ Diese SPIEGEL-Online Kolumne beschreibt es hart und fair: Jagdszenen am Rhein. Danke, Jan Fleischhauer, das haben Sie gut gemacht!

Wahlk(r)ampf

Wahlkampf wird mit Worten ausgetragen. Wenn ich finde, dass Partei A schlecht und Partei B Spitze ist, werde ich das in einem sachlichen Streitgespräch vor möglichst vielen Leuten klären, aber Worte wie „Nazi-Schlampe“ oder „Linksversiffte Hure“ vermeiden.

Wer Eisenstangen statt Argumenten benutzt, wer lieber Pflastersteine statt Sachthemen wirft, stellt sich außerhalb der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und gehört hart und konsequent bestraft.

Aber ein Staat, der mehrheitlich von linken Kräften geleitet wird, dieser Staat braucht offensichtlich Fußsoldaten, die hirn- und planlos Steine gegen politische Gegner werfen. Der von diesen Kräften eingesetzte Bundespräsident, hat geschwiegen. Und damit den ersten Fehler seiner neuen Karriere gemacht.

(K)Ein Wort

„Es ist falsch politischen Parteien, auch wenn man sie nicht mag, die sich aber innerhalb der Regeln der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegen, ihr Existenzrecht zu bestreiten.“ Diese oder eine ähnliche Aussage vermisse ich.

Sie kam dann doch, aber von dem Wissenschaftler Professor Werner Patzelt, der den Lehrstuhl für Politische Systeme und Systemvergleich an der TU Dresden hat. Professor Patzelt zur Demonstration in Köln wörtlich:

„Es wäre Sache des Bundespräsidenten gewesen an dieser Stelle darauf hinzuweisen, was denn tatsächlich die Spielregeln unserer Demokratie sind. Und dass einschüchtern von politischen Gegnern ganz gewiss nicht dazu gehört.“

Deutschland duldet und finanziert (Anti)Faschisten, die gegen alles und jeden sind. Vielleicht sollte man in Berlin ernsthaft darüber nachdenken, ALLE gewalttätigen Gruppierungen, sofern das juristisch machbar ist, endlich zu verbieten. Und ich meine wirklich alle, egal ob „Links“ oder „Rechts.“

Die Antifa schert sich so wenig um Recht und Gesetz, wie die Glatzen mit den Springerstiefeln. Beide Seiten, da werde ich ganz unjapanisch deutlich, sind hirnlose Vollpfosten für mich.

Gelebte Demokratie

Vielleicht sollte man MinisterpräsidentInnen auf einen Schnellkurs in Demokratie schicken, wenn ihnen entfallen ist, dass gemäß Parteiengesetz, § 9 Mitglieder- und Vertreterversammlung (Parteitag, Hauptversammlung), eine demokratische Partei einen Bundesparteitag abhalten muss.

Man stelle sich nur das Aufgebot an Polizei und Geheimdiensten vor, wenn plötzlich eine Partei beim Bundesparteitag der Linksgrünmittigen demonstriert. Vermutlich wäre sie danach verboten.

Deutschlands freiheitliche Ordnung gründet auf dem „Streit“, dem Diskurs über politischen Positionen. Ich finde es bezeichnend, dass die meisten Deutschen keine Ahnung von Demokratie zu haben scheinen und nur noch die Propaganda des durch Zwang finanzierten Staatsfunks plärren.

„Wir“ und  die anderen

Sind wir alle zu gewalttätigen Hooligans geworden, die entweder Pro oder Contra (Partei der eigenen Wahl einsetzen) sind und den „Gegner“ mit Böllern und Fäusten bekämpfen?

Mir zeigt es klar die Defizite unserer politischen Kultur: Aufgehetzte Massen, die zur Selbstjustiz greifen, vom Volk entfremdete PolitdarstellerInnen (Eliten), die sich von „Blitzumfragen“ treiben lassen und JournalistInnen, die klar selbst politische AktivistInnen (geworden) sind.

Aber das passt zum Bild der Lämmer und Eliten, das ich schon mehrfach gezeichnet habe. Dieses Bild lässt mich schwarz für Deutschlands Zukunft sehen, wenn niemand diesen Trend stoppt.

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Frauen, Männer, Feminismus

Feminismus ist vielen Menschen suspekt. Die Rede ist nicht nur von Männern. Auch Frauen wehren sich oft vehement gegen den „feministischen Alleinvertretungsanspruch.“ Aber ist das nicht kontraproduktiv? Es ist leider so, dass viele Köche einen Brei verderben können. Jeder köchelt nach eigenem Rezept.

Viele Menschen, viele Meinungen, dieser Spruch kommt nicht von ungefähr. Aber ehrlich, liebe Mädels, wo wäre die Welt ohne starke Frauen? Und doch lese ich immer wieder Argumente, die Frauen gegen Feministinnen Front machen lassen. Wobei man fairerweise sagen sollte, dass es „den Feminismus“ überhaupt nicht gibt.

Die Bewegung ist zutiefst zerstritten. Von radikal bis überintellektuell. Viele Frauen finden sich in keinem dieser Lager wieder und gehen auf Distanz zu ihren Schwestern. Mit Parolen wie „Lieber am Herd, als in der Chefetage“, haben sie eine neue Front geschaffen. Das geht soweit, dass Feministinnen offen abgestemeplt werden.

Frauen sind oft die größten Feindinnen anderer Frauen. Manche aus purer Eifersucht, oder Neid. Aber sie spielen damit jenen Männern in die Hände, die Frauen noch immer als „Frauchen“ sehen. Willige Dienerinnen, aber die Sklaverei ist lange abgeschafft.

Nicht alle Feministinnen sind männerfeindlich. Aber der Versuch, Mann in die Bewegung einzubinden, ging gewaltig schief. Männer vertreten eigene Positionen und dominieren noch immer gern. Und doch sind Männer wichtig, um Gleichberechtigung nicht zur Farce zu machen. Frauen wollen niemand dominieren. Wir bestimmen auf unsere Art.

Ein Mann hat einmal gesagt, dass er Feminismus brauche, weil Männer nicht stärker oder klüger seien als Frauen. Damit hat er recht. Dicke Muskeln taugen wenig, wenn Mann ein Kind auf dem Arm tragen soll. Weibliche Ausdauer ist gefragt und runde Hüften. Danke dafür an Mutter Natur.

Wir brauchen Feminismus aus vielen und ganz verschiedenen Gründen. Aber wir brauchen keinen Streit darüber, wer die besten Argumente hat. Feminismus ist letztlich ein Plus für alle Menschen. Auch Männer können davon profitieren. Und Frauen sie dafür lieben. Egal, ob Vater, Ehemann, oder Freund.

Höflichkeit ist (k)eine Zier

Ein Satz von Goethe hat meine Kreativität geweckt. Danke dafür, lieber Bernd. Er lautet „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist“ und stammt aus Faust 2. Für mich als deutsche Japanerin ist dieser Satz sehr interessant. Kenne ich doch beide Welten.

Japaner haben Höflichkeit in ihren Genen. So zumindest scheint es oft. Ein Beispiel dafür ist meine Mutter, gegen die ich wirklich ein Frechdachs bin. Von meiner Mutter gibt es nie ein böses Wort zu hören. Sie beherrscht die Kunst japanischer Höflichkeit perfekt.

Aber warum ist der Japaner so, was macht uns so anders, so (scheinbar) distanziert? Wieder reise ich in der Zeit zurück, ins Japan des späten Mittelalters. Das Tokugawa-Shogunat isoliert Japan vom Rest der Welt. Mehr als 200 Jahre wird die Familie Japan mit eiserner Hand beherrschen. Und doch gibt es keinen Krieg.

Japan ist nicht reich an Bodenschätzen und die bewohnbare Fläche sehr begrenzt. Die Menschen müssen lernen oft auf engstem Raum zu leben. Ohne Streit, ohne böse Worte. Das funktioniert deshalb so gut, da es kaum soziale Konflikte gibt. Die begrenzten Ressourcen werden effektiv genutzt und so etwas wie allgemeiner Wohlstand ist verbreitet.

Aber auch die innere Distanz zu anderen Menschen, die in jener Zeit entsteht. Man begegnet sich täglich, man erweist sich gegenseitig Respekt. Ist es Lüge, wenn man andere Menschen grüßt? Amerikaner beherrschen die Höflichkeit sehr gut. Viel besser, als die Deutschen das tun. Wobei ich die Frage „Wie geht’s?, doch lieber ehrlich beantworte, statt mit dem typischen „I am fine, how are you doing today?“

Die von mir sehr geschätzte japanische Schriftstellerin Hisako Matsubara hat es so formuliert:

„Das ist die Essenz japanischer Höflichkeit: Verhalte dich so, daß der andere sein Ansehen wahren – besser noch – mehren kann.“

Versteht ihr, was das heißt? Und was es für alle bedeutet? Der Deutsche sieht Dinge viel zu negativ. Schwarz. Weiß. Keine andere Farbe. Kein anderes Bier. Und doch gibt es sie, die „Fifty Shades of Grey.“ Und ich meine nicht den Film. Höflichkeit erweise ich auch Feinden. Zumindest bevor es den Mittelfinger gibt.

Die Akte Vanessa

Vanessa strahlt, als wir sie besuchen. Ihr Elternhaus ist zur Babykrippe umfunktioniert.
Die Zwillinge sind völlig aus dem Häuschen, seit sie ein Brüderchen haben.
Kevin ist der Star und wirklich süß. Pausbäckig kräht er in die Runde und lässt die Frauenherzen schmelzen.
Wie machen Kinder das?

Alle meine Mädels sind da, auch Karin mit Frau und Kindern. Volles Haus, volles Programm. Aber Spaß ist anders, das ist ein Arbeitsbesuch.
Ilka, Amelie und Jo(hanna), die Expertin für Familienrecht, besprechen sich in einer Ecke. Und sie wissen was sie tun.
Linda gibt Vanessa ungefragt Tipps zur Babypflege, aber die verdreht nur die Augen und lacht.
„Ich habe schon zwei Kinder“, amüsiert sie sich.
Linda stört das wenig. Einmal in Fahrt ist sie kaum zu bremsen.
„Du bist viel zu schwach, um klar zu denken“, erklärt sie Vanessa.
Das ist Humor, wie ich ihn mag.

Kevin ist 6 Wochen alt, ein süßer Wonneproppen. Jede der Frauen will ihn halten und der Kleine findet das gut.
Auch ich darf und prompt grinst Yuki mich frech an.
„Mama M“, sagt sie leise und ich fühle, wie gut das tut. Aber Gefühle kann ich kontrollieren und nicht sie mich.
Ein eiskalter Engel und das ist kein leerer Spruch.
Kevins blaue Augen scheinen mir in die Seele zu blicken. Er ist seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Und der ist kein netter Mann.
Morgen Kinder wird’s was geben!

Yuki und Vanessa sprechen lange und meine Elfe hält Kevin im Arm.
Der Kleine kräht und strampelt. Beruhigt wird er dann an Vanessa Brust.
Ich gestatte mir ein Lächeln. Mama Yuki, das steht ihr gut.
Aber wollen wir wirklich Kinder haben?
Selbst Yuki zweifelt noch. Aber ich sehe den Wunsch in ihren Augen.
Ihr Kinderlein kommet.

Vanessa und Bernd haben gesprochen. Mehrfach. Aber es gab keinen Konsens.
Bernd will das Sorgerecht für die Kinder, das hat er Vanessa angedroht.
„Oder du kommst zu mir zurück“, hat er ihr angeboten. „Dann bleibt alles, wie es ist.“
„Ja, du gehst fremd und ich bin dein Frauchen“, kontert Vanessa. „Die Mutter deiner Kinder. Nein danke, das hatten wir schon, damit bin ich durch!“
Als Bernd laut wird, hat Linda ihn freundlich nach draußen geführt. Linda als Bodyguard, das kann sie gut.
Ob Bernds Arm noch immer schmerzt?

Vanessas Eltern werden ihr jegliche Hilfe geben. Was nicht nötig ist, die Juristinnen wollen kein Geld. Selbst die Unkosten will Jo nicht haben. Sie hat nur abgewunken und „Wozu hat man Freunde?“, gesagt. „Der Typ hat keine Chance“, erklärt uns Jo. „Wir sind dabei eine Verfügung zu erwirken, so dass er sich Vanessa nicht mehr nähern darf.“
„Ich hätte große Lust ihn zu besuchen“, sage ich. „Kein Mann greift eine Freundin an! Auch wenn es nur Worte waren.“
Eiskalt, wie das Schweigen.

In meinem Leben habe ich schon einige Dramen erlebt, aber „Die Akte Vanessa“ schlägt dem Fass den Boden aus.
Wie Bernd, haben sich bisher nur wenige Männer benommen.
„Nicht selten verursacht der Rosenkrieg einen markanten Rückgang des Lebensstandards und führt einen oder beide Partner in den finanziellen Ruin“, hat ein Experte gesagt.
Und dann sind da immer noch die Kinder. Die verstehen die Situation noch nicht. Nur, dass Papa „böse“ ist.
(Wie) Lieben Männer ihre Kinder?

Die Zwillinge leiden. Bernd mag alles sein, aber er ist kein wirklich schlechter Vater. Nur wird ihm das kaum helfen.
Gut für Vanessa, wir Frauen halten zusammen. Solidarität und Freundschaft hat nichts mit sexueller Orientierung zu tun. Und nicht alle in unserem Kreis sind Lesben.
Es vergeht kein Tag an dem nicht eine Frau bei Vanessa ist. Einkäufe macht, sie fährt, oder die Zwillinge hütet. Das alles damit Vanessa schlafen kann.
Meist ist es eins von Lindas Mädels, das quasi als Aufpasserin agiert.
Traurig, aber wahr.

Rosenkriege sind nicht schön. Ich muss sie nicht erleben.
Bei dieser Schlacht führe ich kein Kommando und überlasse den Juristinnen das Feld.
Jo ist ein guter General und Linda Frau genug, um für Vanessas Sicherheit zu sorgen.
Aber ich bleibe die Regenbogenkriegerin. Ein falsches Wort von Bernd und ich bin da.
Auf der Heimfahrt habe ich das Thema mit Yuki besprochen und sie gefragt was sie über Scheidung denkt.
„Wenn du mich verlässt kratze ich dir natürlich die Augen aus“, antwortet sie mit sanftem Lächeln. „Und jetzt mach die Akte Vanessa zu und gib mir einen Kuss.“
Elfenakte(n) können so einfach sein.

Wer die Vorgeschichte lesen mag:

Teil 1 – Lebe deinen Traum

Teil 2 – Wenn Frauen hassen

Rivalen unter heißer Sonne

Ein Bericht im SPON über den Beinahezusammenstoß zweier Kampfjets, hat mich spontan diesen Artikel schreiben lassen. Um wen es sich bei den „Kontrahenten“ handelt? Natürlich um die alten Rivalen China und Japan. Seit Jahren gibt es von beiden Seiten immer wieder kleine Provokationen, die ich hier in Deutschland nicht nachvollziehen kann. Sie sind und bleiben scheinbar stets „Rivalen unter heißer Sonne.“

Die Geschichte beider Länder ist lang und von Leid geprägt. Und die alten Japaner waren, nach heutigen Maßstäben gemessen, alles andere als nett. Aber das ist lange her. Halb vergessen, aber offensichtlich nicht vergeben. Und auch eine Frage der Eitelkeit. Da rasselt Mann mal wieder mit dem Säbel, egal ob er in Tokio oder Peking sitzt.

Auf der anderen Seite ist nun aber die Presse. Und bekanntlich ist im Sommer saure Gurkenzeit. Es gibt kaum News, also wird sich an Kleinigkeiten aufgehangen. Und das können die Schmierfinken gut. Natürlich haben Yuki und ich noch Familie in Japan. Daher blicken wir immer in unsere alte Heimat zurück.

Auf die angeblichen Spannungen zwischen China und Japan angesprochen winkt man dort meist ab. Alles halb so wild, heißt es. Diese Kabbeleien seien nun mal so. In Wirklichkeit verstehe man sich recht gut. Wem soll man also glauben? Cousin Ken war bereits in China unterwegs und kann nur Positives berichten. Und das finde ich gut.

Gut finde ich auch, dass ich in Deutschland lebe und hier aufgewachsen bin. Mit ganz anderen Freiheiten, als in Japan möglich. Auch in Bezug darauf, dass ich lesbisch bin. Beide Länder haben ihre guten, aber auch weniger guten Seiten. Für mich überwogen in Deutschland stets die Möglichkeiten, die ich hier habe.

Auch, wenn ich in meinem Herzen Japanerin bleibe, so werde ich stets eine Deutsche sein. Und als Kind zweier Welten möchte ich den Militaristen in Peking und Tokio mit auf den Weg geben: hört mit dem Unsinn auf! Wenn ihr euch streiten wollt, so macht das mit Gedichten, mit Literatur, oder im sportlichen Vergleich.

Und lächelt einfach, wenn ihr nicht der Sieger seid. Aber vermeidet Kämpfe. Denn das ist weise. Und auch den Schmierfinken im Sommerloch gebe ich einen Rat mit auf den Weg: springt zur Abkühlung ins kalte Wasser. Mit kühlem Kopf schreibt es sich viel besser.

Zickenstreit und Motorpower

Streit liegt an diesem Wochenende in der Luft, die Blicke fliegen. Zwei Zicken starren sich an und nur eine wird gewinnen.
„Du hast sowas von keine Chance“, sage ich zu Yuki.
„おばはん“, wirft sie mir an den Kopf und strahlt mich dabei an.
Triumphierend hält sie mir den Autoschlüssel vor die Nase. Auch da steht Audi drauf.
Wolf hat ihn gebracht und Tests gefordert. Auf seine väterliche Weise. Er weiß, was sonst passiert.

Nun mag Yuki kleine Wagen. Dabei ist sie etwas größer als ich. Aber da ist sie typisch Frau.
Worte wie „süß“ und „schnuckelig“ kommen ihr leicht von den Lippen, wenn sie solche Autos sieht.
Der Audi A1 Quattro ist nicht wirklich klein. Aber groß ist anders. Und er hat richtig viel PS.
„400 plus“, hat Wolf gesagt und dabei nur gegrinst.
Und das liegt in der Klasse unseres Test RS Q3. Nur ist der kleine Audi leichter.

Natürlich ist der Wagen rot und hat einen ultracoolen Sound. Und eigentlich möchte ich ihn fahren, aber suche lieber Streit.
Spaßhalber versteht sich. Wir machen sowas gern.
„Wo haben Sie nur immer diese Autos her“, will die neugierige Nachbarin wissen und wünscht uns einen schönen Tag.
Manierlich langsam verlassen wir die Stadt.
Yuki drängelt und zieht auf der Autobahn an mir vorbei. Aber wir rasen nicht. Es ist nur Spaß.
Von den Leistungsdaten spricht alles für den getunten RS Q3. Fünf Zylinder gegen vier.
Und auch der Hubraum ist einen halben Liter größer. Leider auch die Hüften.

Wolfs Ingenieure haben wieder gezaubert. Und das haben sie gut gemacht.
Ein solcher Umbau kostet sehr viel Geld. Dafür kann man schon ein normales Auto kaufen.
Aber es wird auch Kunden für diesen Wagen geben. Schneller, höher, weiter. Understatement pur.
Auf einer abgesperrten Strecke geht es dann zur Sache.
Die Sonne lacht, als Yuki ihre Runden dreht. Und meine Elfe hat sichtlich Spaß.
Aber schnell ist anders, das kann sie einfach nicht.

Als Yuki Pause macht verlange ich den Schlüssel.
Im Normalfall fahren wir zusammen. Aber heute geht das Datentechnisch nicht.
Auf der Beifahrerseite prangen Testgeräte und der Sitz ist ausgebaut.
Der Motor des A1 steht wirklich gut im Futter. Schneller geht es kaum auf 100 km/h.
Aber die Elektronik hat auch ihre schlechten Seiten. Mir fehlt die letzte Ehrlichkeit.
In Schweden durfte ich damals Autos ohne Hilfssyteme fahren. Und das kam richtig gut.
Nur so lernst du fahren.

Meine Rundenzeiten sind leicht besser. Aber Yuki macht das nicht viel aus.
„Dafür bin ich im A1 trotzdem schneller, als du im RS Q3“, lässt sie mich wissen.
Top, die Wette gilt!
Wolf schnauft nur und gibt uns grünes Licht.
Was soll er auch gegen unser bezauberndes Lächeln sagen? Und zwei Töchter hat er selbst.
Lasset die Spiele beginnen.

Wie erwartet zieht mir der A1 beim Start davon.
Aber Gewicht ist nicht alles.
Die Stärke des Q3 ist der brutale Drehmoment. Und  seine fünf Zylinder.
Auch Yuki hat natürlich Fahrstunden genommen. Damals, als wir in Schweden waren.
Wir können driften und Autos um Kurven scheuchen, wo andere schon um Hilfe schreien.
Aber ich kann es etwas besser. Das ist nun mal so.

Yuki behält die Übersicht im Leben. Sie plant, ist fürsorglich und ein wahrer Schatz.
Und seit sie mich kennt, ist sie auch viel offener geworden. Aber noch immer weniger aggressiv.
Aggressiv im positiven Sinn und aufs normale Leben bezogen.
Aber ein „Frauchen“ ist sie nicht.
Und heute überrascht sie mich. Oder ist es doch der Wagen?
Meine Elfe fährt einen heißen Reifen. Und ich habe keine Chance.

Es trennen uns letztlich nur wenige Meter, aber Yuki kommt als Erste ins Ziel.
Sie strahlt, lacht und hüpft vor Freude. Und ich freue mich gleich mit.
Wolf schmunzelt, als wir uns in den Armen liegen.
„Du hast mich aber nicht etwa gewinnen lassen?“, will Yuki dann doch wissen.
Vehement schüttele ich den Kopf.
„Nein Elfchen“, erwidere ich ehrlich. „Du hast mich fair geschlagen. Aber verloren habe ich trotzdem nicht.“

„Ach?“, sagt Yuki schmunzelnd und ahnt offenbar schon was nun kommt.
„Ich habe dich“, sage ich leise. “ Und das ist schon der Hauptgewinn in diesem Leben. Da verliere ich ein Rennen gern. Von mir aus jeden Tag.“

Wenn die Nachbarschaft zur Hölle wird

Die lieben Nachbarn sind ein oft leidiges Thema in diesem Land. Überlaute Musik, wilde Partys, Möbelrücken sind nur einige Punkte deutscher Wirklichkeit. Vor einigen Jahren, ich wohnte noch in Düsseldorf bei meinen Eltern, rief mich eine gute Freundin an. Sie war völlig aufgelöst und mit den Nerven am Ende. Der Grund war ein jüngeres Ehepaar, das schon beim Einzug die Nacht zum Tag machte. Stundenlanges Poltern wechselte sich mit Hammer und Bohrgeräuschen und das bis spät in die Nacht. Das Ordnungsamt musste schließlich für Ruhe sorgen, ein Novum in diesem bisher so ruhigen Haus.

Tanja, meine Freundin, wohnte seit 2 Janren dort. Sie studierte Mathematik und tat sich äußerst schwer. Ich sah sie nicht sehr oft, meist brütete sie über ihren Büchern. In gewisser Hinsicht habe ich ein Helfersyndrom. Wobei ich das eher Kämpfersyndrom nenne. Ich setze mich ins Auto und fuhr zu ihrer Wohnung, die in einem durchaus noblen Düsseldorfer Viertel lag. Eigentumswohnungen, 8 Parteien. Nur 2 Wohnungen waren vermietet. Die meiner Freundin und eben jene des Ehepaars.

Meine Freundin sah bleich aus, übernächtigt.
„Das geht jetzt schon seit fast 2 Wochen so“, klagte sie ihr Leid. „Reden mit den Leuten bringt nichts, dem Vermieter ist es egal. Er will lediglich seine Miete, um den Rest soll sich die Hausgemeinschaft kümmern.“
Noch während wir sprachen, wummerte irgendwo im Haus eine Stereoanlange und Tanja zuckte erschrocken zusammen.
„Es geht schon wieder los“, seufzte sie und schaute auf die Uhr. „21 Uhr. Die treiben das jetzt wieder so lange, bis ich das Ordnungsamt anrufe.“
„Was ist denn mit der Polizei?“, wollte ich wissen. „Wieso rufst du die nicht und die kümmern sich darum?“
„Die kommen nicht“, sagte Tanja. „Das habe ich schon versucht.“
Verzweifelt schaute sie mich an.
„Ich habe am Mittwoch eine wichtige Klausur. Wenn ich die verhaue kann ich das Semester vergessen.“
„Was sind das denn für Typen?“, wollte ich von Tanja wissen. „Arbeiten die denn nicht?“
Sie lachte bitter.
„Arbeiten? Die schlafen bis Mittags, hat mir Frau Jankiewvicz gesagt. Angeblich bekommen die Hartz IV. Und hast du den dicken BMW vor der Tür gesehen? Der gehört diesem sauberen Paar!“
Ich hatte und auch eine Idee.
„Warte hier“, sagte ich. „Ich regele das jetzt. Aber du kommst danach mit zu mir. Keine Wiederrede. Ich kläre das mit meinen Eltern, du kannst bis zur Klausur im Gästezimmer schlafen. Und danach wird sowieso hier Ruhe sein.“
Tanja sah mich mit einer Mischung aus Angst und Ehrfurcht an. Ich wusste schon lange, dass sie mich bewunderte. Aber sie war hetero und ich mit einem anderen Mädchen liiert.
Ich marschierte also in den zweiten Stock und klingelte an der Tür. Die laute Musik setzte fast sofort aus. Dann öffnete eine dunkelhaarige Frau, bei der es mir fast den Atem verschlug. Nicht wegen dem Anblick. Die dicke Schminke, die schrillen Klamotten und Stöckelschuhe, waren nicht mein Ding. Es war die Wolke aus billigem Parfüm und Schweiß, die mir den Atem raubte. Sie quoll aus der Wohnung und zerfetzte meine Nase. Zumindest empfand ich das so.

„Jaaa?“, dehnte sie. „Was ist los?“
Eine Alkoholfahne wehte mir ins Gesicht.
Instinktiv wich ich einen Meter zurück, dann ertönte eine barsche Männerstimme.
Die Quelle des intensiven Geruchs trug lediglich Boxershorts und baute sich vor mir auf.
„Was willsten?“, herrschte er mich an. „Wir haben doch nur …“
„Ihr“, unterbrach ich ihn, „habt heute zum letzten Mal diesen Lärm verursacht. Meine Freundin hat eine wichtige Klausur zu schreiben und konnte wegen diesem Lärm nicht lernen.“
„Dann soll sie sich Kopfhörer anziehen“, erwiderte er feixend. „Und wer bist du überhaupt? Dich habe ich noch nie gesehen.“
Er musterte mich von Kopf bis Fuß und hielt sich leicht schwankend am Türrahmen fest.
„Komm wieder rein, Frank“, sagte seine Frau und wollte ihn in die Wohnung ziehen.
Unwirsch wehrte er ihre Hand ab.
„Halts Maul“, lallte er und wandte sich dann mir wieder zu. „Und du Tussi verziehst dich besser wieder. Sonst bekommst du Ärger mit mir.“
Ich musste lachen.
„Bist ein harter Mann, wie?“, ging ich auf seinen Tonfall ein. „Ein harter Mann, der gern Frauen schlägt.“
Er starrte mich an und in seinem Gesicht arbeitete es.
„Nicht, Frank. Bitte komm …“, flehte seine Frau. Aber diesmal schlug er ihr ins Gesicht.
Wenn ich eins nicht leiden kann, so ist das Gewalt gegen Frauen. Und das in jeglicher Form. Bevor der Mann überhaupt wusste, wie ihm geschah, hatte ich seinen Arm gepackt und ihn aus dem Gleichgewicht gebracht. Er landete auf dem Hosenboden und glotzte mich verständnislos an. Aikido in Reinform. Das kannte er nicht.
„Pass gut auf, was ich dir jetzt sage, harter Mann,“ sagte ich. „Wir haben zwei Möglichkeiten. Eine Strafanzeige bei der Polizei mit anschließender Unterschriftenaktion für den Vermieter. Dann seid ihr im Handumdrehen wieder draußen. Oder wir klären das auf der Stelle. Wie liegt an dir.“
„Dir haue ich aufs Maul du Tussi!“, brüllte er und kam wieder auf die Beine. „Was glaubst du, wer du bist“, fuhr er fort und holte aus. „Ich werde …“
Mein ansatzloser Tritt traf ihn in den Magen und raubte ihm die Luft. Ächzend ging er in die Knie.
„Was wirst du?“, fragte ich freundlich. „Mich schlagen? Ich warne dich hiermit! Mit deiner Frau kannst du das Spiel vielleicht machen, mit mir dagegen nicht.
Besagte Frau sand stocksteif neben ihm und starrte mich nur an.

Überraschend schnell kam der Pöbler wieder auf die Beine.
„Das bereuste!“, geiferte er. „Ich mach dich platt!“
Ich lächelte nur, als er wie ein wilder Stier auf mich zu stürmte. Ausweichen, Kraft umlenken, Armhebel waren eins. Er landete sehr unsanft mit dem Gesicht voran auf dem Boden, wo er stöhnend liegenblieb.
„Tja harter Mann“, spottete ich. „Bist offenbar doch nicht so hart. Der Boden ist härter. Gibst du jetzt Ruhe?“
„Bitte, wir wollen keinen Ärger“, sprach die Frau mich an. „Mein Mann hat seine Arbeit verloren. Die Firma ist in Konkurs gegangen. Seitdem trinkt er. Bitte, schlagen Sie ihn nicht. Er ist kein schlechter Kerl.“
„Nur er trinkt?“, wollte ich wissen? Aber sie sah nur zu Boden und antwortete nicht.
Ich trat zu ihr und nahm ihre Hand.
„Schauen Sie mich bitte an,“ sagte ich. „Schlägt er sie oft?“
Die Frau fing an zu weinen. Das war mir Antwort genug. Nun bin ich keine Sozialarbeiterin, aber anderen Menschen helfe ich gern.
„Sie sind nicht aus Düsseldorf?“, wollte ich wissen. Der Dialekt der Beiden klang nämlich völlig anders.
Sie verneinte.
„Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf“, fuhr ich fort, „dann gehen Sie zu einer Beratungsstelle, oder ins Frauenhaus. Dort bekommen Sie Schutz und Hilfe. Allein schaffen Sie das nicht. Glauben Sie mir bitte. Ich möchte Ihnen wirklich helfen.“
Sie biss sich auf die Lippen. Beschämt, ängstlich und doch hoffnungsvoll.
„Danke“, flüsterte sie. „Vielen Dank.“

„Komm hoch“, wandte ich mich weniger freundlich an den Mann. „Und benimm dich! Sonst wird es richtig bitter.“
Ächzend kam er auf die Beine, seine Nase blutete stark. Er wich vor mir zurück, sein Wille war gebrochen.
„Bringen Sie ihn rein“, forderte ich die Frau auf. „Und versorgen Sie ihn. Aber sorgen Sie bitte auch dafür, dass ab sofort Ruhe herrscht. Und nicht nur heute. Schaffen Sie das? Ich mag nicht wiederkommen müssen.“
Sie nickte schnell und nahm den Mann am Arm.
„Moment noch“, sagte ich und wandte mich an ihn.
„Haben Sie mich auch verstanden?“
Sein „Ja“ war kaum zu verstehen. Dann schloß sich die Wohnungstür.
Normalerweise bin ich nicht so aggressiv. Aber ich hatte instinktiv gespürt, dass Diskussionen hier fehl am Platz waren. Und wer mich kennt weiß, dass ich nicht mal Ernst gemacht habe an jenem Abend.

Wieder bei meiner Freundin angekommen schaute sie mich mit großen Augen an. Neben ihr stand eine kleine Reisetasche.
„Was hast du gemacht?“, fragte sie. „Du hast die Beiden doch nicht etws verpügelt?“
„Nein“, sagte ich wahrheitsgemäß. „Nur ihn. Er hat auch versprochen in Zukunft brav zu sein. Trotzdem kommst du bis zur Klausur mit zu mir nach Hause. Danach sollte das Problem im Haus gelöst sein. Ich glaube nicht, dass du noch mal Ärger mit den Leuten habwn wirst.“

Und genau so war es auch. Das Ehepaar zog überraschend schnell wieder aus und bemühte sich dabei keinen großen Lärm zu machen. Ob die Frau ins Frauenhaus ging weiß ich leider nicht. Auch nicht, was aus den Beiden wurde. Aber nicht alle Fälle haben eine Kampfsporterfahrene Freundin, oder gehen so glimpflich aus. Ich kann mich vermutlich glücklich schätzen, immer im Haus meiner Eltern gelebt zu haben. Die einzigen Geräusche machte ich selbst, wenn ich durch die Zimmer tobte. Eine höllische Nachbarschaft, die hatte ich noch nicht. Aber selbst wenn, ich trete auch einem Teufel in den Hintern.