Die Macht der Worte – Manipulation im Alltag

Die Macht der Worte – Manipulation im Alltag

Jeder Mensch manipuliert andere, wird aber auch von anderen manipuliert. Aussagen wie „Niemand kann mich manipulieren“ oder „Das funktioniert bei mir nicht“, sind reine Selbstüberschätzung. Schon das Baby schreit so lange, bis die Mutter ihm die Brust oder Flasche gibt. Der geliebte Hund schaut uns beim Mittagessen so lange mit seinen braunen Kulleraugen an, bis er ein Stück vom Braten erhält. Das alles ist Manipulation und unsere Reaktion darauf.

Ich bin (nicht) immun!

Es kann durchaus sein, dass die von mir in einem vorherigen Beitrag angesprochenen Psychopathen zum Teil „immun“ gegen manche Beeinflussungen sind. Das ist ihrer flachen Gefühlswelt und fehlenden Empathie geschuldet. Trotzdem kann man auch diese Typus manipulieren, was aber kein Thema sein soll. Niemand ist immun gegen Manipulationen, das halte ich im Voraus fest. Durch die sogenannte „Kognitive Verzerrung“, quasi Softwarefehler im Gehirn, ist jeder manipulierbar.

Im Gegensatz zu meinen Eltern kann ich (Hoch)Deutsch ohne (japanischen) Akzent sprechen. Allerdings kann ich ihn ebenso imitieren, wie den Düsseldorfer Dialekt. Mir klar gesprochenen und kurzen Sätzen kann ich daher mehr erreichen und glaubhafter wirken, als mit fehlerhaftem Deutsch. Wenn ich meinen Schülern sage „Ich bringe euch das beste Karate der Welt bei“, werden sie mir das vermutlich glauben. Immerhin glaube ich auch selbst daran. Radebreche ich den Satz „Bringe ich euch bestes Karate von Welt bei“, wirkt das eher belustigend.

Die Macht der Worte

Worte richtig oder falsch eingesetzt sind unglaublich mächtig. Mit Worten kann man Menschen manipulieren. Neurolinguistisches Programmieren, kurz NLP genannt, ist ein Motivations- und Kommunikationsmodell, das in den 1970er Jahren entwickelt worden ist und unser gesamtes Denken, Fühlen und Verhalten durch die Sprache systematisch verändern (umprogrammieren) kann.

NLP wird zum Beispiel in der Paartherapie eingesetzt, ist aber vor allem für Außendienstmitarbeiter, Manager und Politiker, aber auch Erzieher und Lehrer interessant. NLP ist also ein durchaus nützliches Modell, das gezielt zur Manipulation anderer missbraucht werden kann. Der Satz „Was wäre, wenn …“ ist nur ein harmloses Beispiel dafür.

Dunkle Rhetorik

Bewusst und von den falschen Menschen eingesetzt, ist NLP quasi eine „tödliche“ Kunst. Mit NLP kann man zum Beispiel Kollegen dazu bringen, die ungeliebte Statistik zu erstellen. Wobei Frauen neben dem koketten Augenaufschlag oft Schmeichelei anwenden, Männer versuchen es vielleicht mit Lob. Dunkle Rhetorik zielt auf die Emotionen des Gegenübers ab. Die kindlich-naive Kanzlerkandidatin der GRÜNEN nutzt genau diese Emotionen, wenn sie ihre albernen Reden hält.

Viele, wenn nicht alle Politiker nutzen Dunkle Rhetorik. In der herbeigetesteten Corona-Pandemie geht es stets um unsere Gesundheit und angedachte Steuererhöhungen sind natürlich für das Klima gut. Ebenso der geplante Umstieg auf Elektroautos. „Schaut nur hin, wie gut für die Umwelt die sind!“ Wirklich gibt es durch den Verzicht auf den Verbrennungsmotor so gut wie keinen CO2-Ausstoß. Verschwiegen wird jedoch, dass die Herstellung eines E-Autos mehr CO2 produzieren kann, als Otto Normalverbrauchers Diesel in einem Jahr.

Beispielhaft

Die Mutter eines japanischen Mädchens, dessen Appetit auf Fisch eines Tages kaum vorhanden war, hat dieses mit den Worten manipuliert „Dieser Fisch ist extra für dich durchs weite Meer geschwommen und mag nur von dir gegessen werden. Er ist also für dich gestorben.“ Was bei jedem anderen funktioniert hätte, ging bei diesem Mädchen schief. Sie nahm den Fisch, packte ihn in eine Zeitung und sagte „Dann sollten wir Herrn Fisch jetzt beerdigen.“ Sicherlich kann sich jeder denken, wer dieses Mädchen war.

Scherz beiseite, Dunkle Rhetorik funktioniert so gut wie immer. Bewusst oder als NLP eingesetzt, erreichen damit vor allem Politiker und Manager ihr Ziel. Auf emotionaler Ebene sind Frauen leichter angreifbar. Oft zielt daher die Werbung auf Frauen ab. Ein weiteres und meiner Meinung von jedem durchschaubares Beispiel sind Hinweise auf den Klimaschutz, die im Badezimmer eines Hotels angebracht sind. „Bitte Handtuch mehrfach benutzen, Sie schützen damit das Klima“ stand dort sinngemäß. Auch wenn dadurch wirklich Energie und Waschpulver eingespart wird, das ist dunkelste Rhetorik.

Überzeug mich!

Andere zu überzeugen funktioniert durch Wiederholungen eines (Schein)Arguments. Kurze, klare Sätze sind dafür wichtig. Ellenlange Satzkonstrukte erreichen das Gegenteil. Anders ausgedrückt suggeriert uns Einfachheit die Wahrheit. Mein exotisches Aussehen hat mir dabei geholfen anderen „besseres Karate“ beizubringen. Eine Japanerin muss das nach Meinung anderer besser können, als eine deutsche Trainerin. Natürlich habe ich meine Schüler(innen) in diesem Glauben noch bestärkt.

Eine Kanzlerin Merkel, die weder exotisch aussieht noch besonders überzeugend reden kann, muss stets andere Mittel anwenden, die der sprachlichen Manipulation. Ihr berühmter Satz „Wir schaffen das!“, hat die Deutschen mit emotionaler Wucht getroffen. Auf mich wirkte es mehr wie die Durchhalteparole eines Generals, der seine Niederlage nicht eingestehen will.

Sprachliche Tricks

Die richtigen Worte können Wunder bewirken. Das ist kein inhaltsleerer Satz, keine Phrase. Worte gezielt eingesetzt, machen mein Gegenüber zum willigen Opfer jeder Manipulation. Das folgende Beispiel stammt aus einem Rhetorikseminar, ist zwar politisch, soll aber nur als Beispiel dienen. Es geht um das Wort „Flüchtlingskrise.“ Schon das Wort Flüchtling ist falsch. Wenn ich aus Japan nach Taiwan fliehe, ist Flüchtling die richtige Wahl. Passiere ich aber 27 Staaten auf meinem Weg nach Österreich, werde ich zur Migrantin.

Krise impliziert eine Bedrohung. Ebenso wie Flüchtlingswelle oder Flüchtlingsstrom. Wenn man nun noch das Wort Flüchtlingstsunami benutzt, ist die sprachliche Manipulation vollkommen. Die Angst vor den Fremden wächst und das Ziel der Manipulation ist erreicht. Deutsche Medien sollten das eigentlich wissen, sie haben aber bereits in der „Flüchtlingskrise“ wie auch in der „Corona-Pandemie“ kläglich versagt. Allerdings war es zum Teil Absicht, genau diese Worte zu verwenden.

Scheinargumente

Dunkle Rhetorik zeichnet sich auch durch Scheinargumente aus. „So haben wir das schon immer gemacht!“ ist ein klassisches Beispiel dafür. Auch Zitate von Autoritätspersonen, dem angesehenen „Professor Dr. Humoris Causa“, können Scheinargumente sein. Der Zitierende weiß genau, dass sich dieser Professor auch irren kann. Nun scheint es vielleicht so, dass Dunkle Rhetorik böse ist und von anderen in finsterer Absicht verwendet wird. Mit Sicherheit gibt es solche Menschen, Dunkle Rhetorik wird aber auch durchaus positiv eingesetzt.

Wichtig ist es, die Manipulation, das Scheinargument anderer zu erkennen. In Krisenzeiten ist das besonders wichtig. Leider sind viele Menschen bereits derart umprogrammiert, dass sie jedes Wort von Politikern und Medien für bare Münze nehmen. Aber schon die einfache Frage „Wem nützt es?“ durchbricht die Phalanx aus sprachlichen Tricks und gezielt eingesetzten Emotionen und zeigt uns eine andere Wahrheit auf.

Disclaimer

Dieser Beitrag ist selbstverständlich (k)eine Manipulation. Risiken und Nebenwirkungen sind (nicht) beabsichtigt. (Fast) Jeder ist herzlich eingeladen, die Kommentarspalte zu verwenden, die mir (k)einen Vorteil bringt. Den Smiley an dieser Stelle darf sich jeder denken.

Der Tag an dem ich „Geh sterben!“ sagte

„Hate speech“ im Internet ist in aller Munde. Egal ob bei youtube oder Facebook. Viele Kommentare sind die Zeit nicht wert, um sie zu lesen. Dem stimme ich vorbehaltlos zu.

Aber ich möchte auch auf Besonderheiten hinweisen, die wir in Japan kennen. Wir benutzen durchaus Schimpfwörter, die für westliche Ohren wenig schicklich sind. Beispiel(e) gefällig?

Baka, das kontextabhängig als Dummerchen bis Idiot benutzt werden kann und meist in der Gegend von Tokio gesprochen wird. Ahou hat eigentlich die gleiche Bedeutung, aber eigentlich auch nicht.

Ahou zu sagen gilt in Teilen Japans als schwere Beleidigung. Baka dagegen wird oft unter Freunden benutzt und ist eher harmloser Natur. Was in Teilen Japan anders gesehen wird. JapanerIn zu sein ist wirklich schwer!

Aber in Deutschland ist das auch nicht so viel anders. Jedes Bundesland hat seinen eigenen Dialekt. Und was der Bayer lustig findet, ist vielleicht ein Affront in Sachsen.

Yuki und ich necken uns ständig. Sie nennt mich oft Dickerchen, da ich bis zu einem Kilo schwerer bin und ich sie Frechdachs. Und manchmal sagt sie auch Baka zu mir. Seht ihr, wie ich leide?

Ein Rückblick. Ich bin acht Jahre alt. Der Ort Düsseldorf, wieder der Pausenhof der Schule. Vor einem Jahr, habe ich dem fetten Jungen die Nase gebrochen, als er mich hinterrücks zu Boden stieß. Man(n) kennt mich also und dass ich mit Vorsicht zu genießen bin.

Aber da gibt es diesen neuen Jungen. Er starrt und sucht ständig meine Nähe, was sehr unangenehm für mich ist. Schon damals waren mir „Männer“ suspekt.

Als er sich heute in unser Gespräch einmischt schaue ich ihn kurz an und wie aus der Pistole geschossen kommt mein „Geh sterben!“ Während meine LeserInnen nun vielleicht verwundert schauen, wird jeder Japaner nun sofort schmunzeln und verstehen, was hier passiert ist.

„Geh sterben, willst du sterben, stirb“ sind gängige japanische Beleidigungen und Flüche, die niemand ernsthaft so meint. Ich habe damals nur die japanischen Worte (bewusst) falsch übersetzt. Mit Worten traf ich schon immer.

Gemeint habe ich, dass er verschwinden solle. (Geh / Fahr zur Hölle) Aber der Effekt war sehenswert. Sein offener Mund und das Lachen meiner Freundinnen, haben mich zur Siegerin gemacht.

Von diesem Tag an blieb er mir fern. Ich hörte nur, dass er Angst vor mir bekommen hat. „Die hat so böse Augen“, soll er einem Freund gesagt haben, der das seiner Schwester erzählte. Und diese mir. Dabei bin ich ein liebes (B)Engelchen.

„Stirb oder geh sterben“ ist ein sehr verbreiteter Fluch in Japan und selten ernst gemeint. Sonst wären die meisten JapanerInnen Leichen. Und mein Laptop auch.

 

Das Onee-chan Syndrom

Als „Onee-chan“, wird in Japan die „ältere Schwester“ bezeichnet. „Chan“ entspicht der deutschen Endung „chen“ und ist die von Frauen verwendete Verniedlichungsform. Die Onee-chan kann auch eine Baka sein. Und das übersetze ich jetzt nicht.

Menschen sind komisch, wenn es um Äußerlichkeiten geht. „Klein“ weckt gern den Instinkt des Beschützers. Vor allem Mann sieht in Frauen gern das „kleine Mädchen“ und auch (ältere) Frauen neigen zu dieser Sicht.

„Du musst das so sehen!“, wird gern vermittelt und vehement mit Worten aufgetrumpft. Nun sind Menschen verschieden und nicht jeder glaubt das, woran andere glauben. Aber jeder sollte lernen, die Standpunkte anderer zu akzeptieren, auch wenn sie nicht den eigenen entsprechen. Egal in welchem Zusammenhang.

Aber jede Art der Kommunikation hat ihre Tücken. Das war schon immer so. Die größte Hürde ist stets das eigene Ego und die Einstellung zu Gesprächsthema und GesprächspartnerIn.

Für viele Menschen sind „Gespräche“ ganz offensichtlich eine Form des Vergleichskampfes, in dem es nur das Ziel gibt, den oder die Gesprächspartner mit der eigenen Meinung zu überzeugen. Ein Fehler, wie wir gleich sehen. So, liebe LeserInnen, funktioniert Kommunikation nämlich nicht.

Kampf setzt bei mir ein Denkszenario in Gang, das mir ein Schlachtfeld zeigt. Das Wort besteht wieder aus zwei anderen Worten: Schlacht(en) und Feld. Dort haben sich stets grausame Dinge abgespielt, wenn Menschen anderen Menschen das Leben nahmen. Sie haben sich dort gegenseitig abgeschlachtet, Gliedmaßen abgehackt für ihr Recht.

Und das bringt mich wieder zur Kommunikation zurück, die viele als persönliches Schlachtfeld sehen. Ihr Ego muss stets der Gewinner sein. Dumm nur, dass die anderen Gesprächsteilnehmer auch ein Ego haben, das genauso wenig verlieren will. Ich führe Dialoge. Schlachten schlage ich anderswo.

Nachrichten, Sprache kann man stets einer Kommunikationsdiagnose unterziehen. Stimmen Gestik, Mimik überein? Gibt es widersprüchliche Signale, übt der Sender vielleicht Ironie. Aber kaum jemand kennt die Unterschiede zwischen kongruenten und inkongruenten Botschaften, oder hat überhaupt davon gehört.

Bei der inkongruenten Kommunikation (iK) gehen die sprachlich übertragene Information und die Mimik, Gestik und Stimmqualität des Senders auseinander. In Foren, Chats, Mails passiert das häufig. Menschen fehlt der direkte Kontakt. Gleiches geschieht auch bei Gesprächen, wenn sich eine Seite nonkonform verhält.

Jeder sollte sich fragen, was er mit einem Gespräch erzielen möchte. Den Gesprächspartner an die Wand reden und sich dadurch vielleicht einen Feind schaffen oder mit seiner Unterstützung ein Gesprächsziel erreichen. Letzteres wäre schön.

Japaner und der liebe Dialekt

Nachdem ich bei den spöttischen Weltmeisterschaften in Witzelen, die Titel für feinen Humor und beißenden Spott gewonnen habe, steht mein Telefon kaum noch still. Selbst die Herren Hinz und Kunz wollen ein Selfie mit mir machen. Und die EMMA natürlich auch.

Als bekannteste Auslandsjapanerin der Welt, ist das kein Wunder. Auch DSDS hat schon angefragt. Klar, wenn man so hübsch und talentiert ist wie ich. Das weiß auch der Bohlen. Nur ist bei mir nix zu holen. Das deutsch-japanische Internetradio „Kirschblüte“, hat mich dann doch zu einem Interview verführt, was in nachfolgendem Artikel resultiert.

„Guten Tag, Frau Dr. Landar“, begrüßt mich der Reporter in mittelprächtigem Japanisch und verbeugt sich vor mir.
Skeptisch schaue ich ihn an. Das habe ich schon besser gesehen.
„Wir freuen uns Sie in unserer heutigen Sendung begrüßen zu dürfen“, fährt er leicht verlegen fort und rückt seine Nerd-Brille zurecht. „Wie Sie wissen machen wir eine Reportage über Japan und stellen auch die Frage, warum Japaner so wenig Englisch sprechen. Sie als Multilinguistische Expressionistin können uns bestimmt darüber Auskunft geben.“
Das schreit sofort nach meinem Widerspruch. Dem Typen werde ich was husten!

Ich stelle mich in Pose, wie es Jackie Chan kaum besser kann.
„You’ve gotta be fucking kidding me!“, erwidere ich in breitem US-Slang. „Are you fucking serious about that?“
„Ich meinte doch auch all die anderen Japaner“, beeilt sich der Reporter zu sagen. „Ihr Englisch ist wirklich toll. Und ohne jeden Dialekt!“
„Schleimer“, entfährt es mir prompt und seine Gesichtszüge entgleisen. Das hat er nun davon.
Und der deutsche Sendeleiter schwitzt.

„Japaner verlieren nicht gern ihr Gesicht“, erkläre ich. „Und sie vermeiden Fehler, wenn es nur irgendwie geht. Europäer sehen das als schüchtern an, aber es ist einfach Teil japanischer Tradition. Stellen Sie sich nur vor, dass sie Japanisch lernen und  es im Hörfunk der Welt präsentieren sollen. Würden Sie das tun?“
„Aber ich bin doch Japaner!“, sagt der Mann verlegen. „Nur leider nicht so berühmt wie Sie.“
Ich mustere den Kerl kritisch. Für mich sieht der wenig japanisch aus, er ist eindeutig aus Hawai.
Wie war das mit den Vorurteilen?

„Na wenn Sie schon alles wissen, was wollen Sie dann von mir?“, entrüste ich mich gekonnt. „Dann könnte ich auch Sie interviewen und nach ihrem Englisch fragen. Aber Sie sind ja in Amerika geboren, also zählt das wieder nicht.“
„Also eigentlich stammt meine Familie aus Osaka“, wirft der Reporter ein. „Nur mein Vater ist Amerikaner.“
Was man auch deutlich sieht.

„Manche Japaner können nicht mal richtig japanisch“, sinniere ich und wieder wird der Kerl ganz blass.
Ja, das war richtig böse von mir. Wobei ich gestehem muss, dass Japaner gern über andere Japaner lästern. Wir klassifizieren uns und haben sogar Vorurteile. Wenn sich Japaner treffen regiert meist die Förmlichkeit. Keiner der beiden mag einen Fehler machen. Es wird versucht sich ein Bild des Gegenüber zu machen, indem man auf Sprache, Herkunft und Alter achtet. Nur gelästert wird nie. Das darf nur ich.

Ganz witzig spielt auch die Blutgruppe in Japan eine große Rolle. Egal ob A, B, AB, oder 0, jeder Blutgruppe werden Eigenarten zugeschrieben. Das ist fast so wie bei den Sternzeichen, nur lange nicht so detailliert. Japaner unterscheiden auch, ob jemand in Japan geboren ist und dort lebt. Und auch ich bin abgestempelt, als Auslandsjapanerin. Was mich wenig stört und nur noch interessanter macht.

„Japan als Insel hat es doppelt schwer in Kontakt mit Ausländern zu kommen“, sage ich. „Die jahrhundertelange Abgeschiedenheit, die Shogun-Diktatur, sie haben die Öffnung Japans lange verhindert. Und selbst heute gibt es wenig Gelegenheit, die englische Sprache umfassend zu üben. Außerdem ist sie für den normalen Japaner sehr schwer.“
Der Reporter nickt, das kann er nachvollziehen. „Japanisch selbst ist auch nicht einfach“, gesteht er mir. „Ich habe es erst als Teenager richtig gelernt, da meine Eltern in Deutschland lebten und ich spät zurück nach Japan kam. Auch mein Englisch ist nicht so besonders gut.“
Milde gestimmt nicke ich. Nun wird so einiges klar.

„Ein großes Problem für Japaner sind auch die Buchstaben „R“ und „L“, fahre ich mit der Erklärung fort. „Angeblich können Japaner diese nicht sprechen, was totaler Humbug ist. Wie Sie wissen gibt es diese Laute in der japanischen Sprache nicht. Nur einen Mischlaut, der so ähnlich klingt. Woher also soll der Japaner nun wissen, wie er Christina Aguilera ausspechen soll?“
Der Reporter nickt, das hat er verstanden.
„Chlistina Aguirela“, versucht er sich und scheitert.
Selbst der Sendeleiter lacht. Kein Wunder, der ist aus Franken.

„In meinem neuen Buch „Gebt mir ein(e) R!“, gehe ich näher auf die Problematik ein“, erkläre ich und freue mich wie ein Schnitzel, als der Sendeleiter die Augen verdreht.
Weiß der etwa, dass die BWM S 1000 R ein Motorrad ist? Immerhin kennen sich Franken mit den rollenden R gut aus.
Zumindest der Reporter ist begeistert, als er durch die weiß-blauen Seiten blättert.
„Plivat fahle ich ja Cablioret“, gesteht er mir in „broken English“, wie einst Frau Faithfull krächzte. Und das bevor sie zum „L“ für Lucy Jordan kam.
Aber um (die) Rolling Stones geht es heute nicht. Die fallen nur dem Sendeleiter vom Herz, als ich endlich gehe.
Was der Typ nur immer hat?

Im roten Z gehts zurück nach Hause. Und dort habe ich (m)eine sprachlose Elfe geküsst. Liebe hat ihren eigenen Dialekt.

Warum man in Japan nicht Chinesisch spricht

Für die meisten Menschen bleiben Japan und China ewig fremde Länder. Das liegt vor allem an der Schrift, die Europäer in den Wahnsinn treiben kann. Gemeint ist Kanji und nicht noch Japans Kana, die sowieso nur wir verstehen. Schaut man sich die Kanji in beiden Ländern an, so wirken sie auf den ersten Blick gleich. Ein Irrtum, wie wir gleich bemerken.

Japan hat als Schrift einst die chinesischen Kanji übernommen und auch lange 1:1 genutzt. Nun sind Japaner dafür bekannt, Dinge gern zu ändern. Aber eigentlich haben das die Chinesen getan. Die Reform der Kanji hat Japan so nicht übernommen und bereits 1946 eine eigene gemacht. Nur in Taiwan, Korea und Hongkong blieb die Langschrift Maß aller Dinge, was für weitere Verwirrung sorgt. Und im Lauf der Zeit haben sich auch Bedeutungen verändert, wie ich noch zeigen werde.

Ein Wort zu Koreanern, die nun wirklich Probleme mit Chinesen haben. Dort hat man sogar eine eigene Schrift erfunden, um den Kanji zu entgehen. Was ich schade finde und mittlerweile viele Koreaner auch. Daher ist es verständlich, wenn das Interesse an Kanji neu erwacht.

Und dann gibt es noch die Kokuji-Zeichen, die eigens für Japan geschaffen worden sind. Auf den ersten Blick sind das auch nur normale Kanji. Nur bezweifle ich stark, dass die in China jemand lesen kann. Ebenso habe ich meine Probleme mit Zeichen, die eine völlig andere Bedeutung haben. Aber beim Schwein – 猪 – ist es fast kein Problem. Wir sagen Wildschwein / Wildsau dazu. Aber Wild mag ich nicht essen. Das bin ich lieber, wenn auch gezähmt durch meine Elfe.

Das Zeichen 手紙 ist ein perfektes Beispiel für einen großen Unterschied. Ulrike vom bambooblog wird nun vermutlich lachen und das „Klopapier / Toilettenpapier“ erkennen. Aber in Japan heißt das auch Brief. Gut, aus Papier sind die beide. Und mit so manchem Brief kann Frau sich den Hintern wischen. Witzig ist das Zeichen auf jeden Fall.

Chinesen und Japaner können sich durchaus noch mit Kanji unterhalten. Auch, wenn es zunehmend schwieriger wird. Das liegt mit daran, dass nicht alle Japaner alle Kanji lesen können. Und auch ich bin nicht perfekt. Trotzdem traue ich mir zu in China meine Frau zu stehen und zumindest den Sinn von Worten zu erkennen. Und einige Mandarin-Worte kann ich schon. China, wir kommen! Zumindest irgendwann.

Die ganz alten Kanji sind kaum noch in Gebrauch. Die braucht keiner mehr und niemand mag sie nutzen. Aber mein Papa hat darauf geachtet, dass ich sehr viele neue Kanji lesen kann. Aber noch besser kann ich die beiden Kana. Vielleicht sollte ich den Blog doch auf Japanisch …? Ich meine ja nur, das wäre Fun.

Nein, in Japan kann man kein Chinesisch. Daher hat man auch die eigene Schrift erschaffen. Wo käme der stolze Japaner da auch hin, wenn die chinesischen Schwestern und Brüder, die auch noch erfunden hätten. Dass die Kana auch nur reduzierte Kanji sind, das haben viele vergessen.

Japanerinnen und Gaijin – Wenn sich Frauen trauen

Bei westlichen Männern geht die Legende, dass Japanerinnen einfach zu haben sind. Gezielt kommen Sex-Touristen nach Japan, um dort die sanfte Frau fürs Bett zu treffen. Und fahren meist enttäuscht wieder ab. So einfach ist das nicht mit der willigen Japanerin.

Woher stammt nun die Legende? Sind daran wieder Pick-Up-Artists schuld? Junge Japanerinnen sind oft anders, als es noch ihre Mütter waren. Deutlich an Europa, oder den USA interessiert, öffnen sie den Horizont für neue Kontakte. Nicht die Schenkel meine Herren. Das machen wirklich nur die Schlampen. Und die gibt es in jedem Land.

Englisch als Sprache steht in Japan hoch im Kurs. Aber die Umsetzung ist oft schwierig. Das gilt auch für Deutsch, oder Spanisch. Alles Sprachen, die für JapanerInnen nicht ganz einfach sind. Und doch kann Frau sie lernen. Und macht es mehr als Mann.

Ja, es gibt in Japan die „Gaijin-Jägerinnen.“ (Junge) Frauen, die gezielt mit westlichen Männern schlafen. Darüber möchte ich kein Wort verlieren. Irrungen und Wirrungen gibt es auf der ganzen Welt. Ich möchte von der normalen Japanerin erzählen, die vielleicht etwas mehr an Bildung hat und schon im Ausland war.

Das japanische Wort Gaijin (Mensch von draußen) wird vorwiegend für westliche (weiße) Ausländer verwendet. Niemals für einen anderen Asiaten, oder im Ausland lebenden Japaner. Laut wikipedia ist das Wort am schwinden, was ich bezweifeln möchte. Es wird noch sehr häufig genutzt. Und eigentlich heißt es Gaikokujin, wird aber immer abgekürzt.

In der Regel wirken Japanerinnen schüchtern. Was in der Tradition begründet liegt. Aber manche bringen durchaus den Mut auf und sprechen westliche Männer an. Nicht um Sex zu haben, pure Neugier steht im Vordergrund. Oft ist es auch eine völlig falsche Vorstellung von der fremden Kultur, die Japanerinnen so handeln lässt.

So gelten Italiener als romantisch, Spanier als leidenschaftlich und Deutsche werden als zuverlässig klassifiziert. In Bars, Clubs, oder Vereinen, gibt es regelmäßige Sprachabende für Lernwillige, die gern andere Menschen treffen. Alles ganz harmlos und ohne Zwang. Aber durchaus mit Konsequenzen. Liebe kennt keine Grenzen, das ist auch in Japan so.

Aber die japanische Höflichkeit verwirrt oft Männer und lässt sie die Dinge anders sehen. Ein zartes Lächeln, ein scheuer Blick, wird sofort als Versprechen für mehr genommen. Ein möglicher Kontakt zwischen Gaijin und Japanerin muss langsam wachsen. Wählt Mann sie nur wegen der Mandelaugen aus, so wird sie das schnell bemerken und jedes Interesse verlieren.

Die kulturrellen Unterschiede sind oft riesig. Und es bedarf einer Menge Toleranz, Verständnis und Respekt, um dem jeweils anderen Partner dauerhaft ins fremde Land zu folgen. Einfacher, aber nie ganz einfach, ist es im Ausland lebende Japanerinnen zu treffen und vor den Traualtar zu führen. Nur mich und Yuki nicht. Wir haben uns bereits gefunden und sind ein Ehepaar.

Fazit: Wer ein zartes, scheues Sex-Püppchen sucht, der ist in Japan falsch. Eigentlich in ganz Asien und auf der ganzen Welt. Aber das habt ihr bestimmt alles schon gewusst.

Die Gesichter der Welt

Schon oft hat man mich nach den Unterscheidungsmerkmalen von Asiaten gefragt und ob es die überhaupt gibt. Für Europäer ist es schwer aisatische Gesichter zu erkennen. Dabei kann das so einfach sein! Als kleiner Tipp für Ratewillige sei noch gesagt, dass es den typischen Asiaten nicht gibt. Wie hilft das der Frage weiter?

Ich, als geborene Expertin für Japan und Japaner, bin zu einer umfassenden Aufklärung natürlich prädestiniert. Einmal mehr erklärt Frau Dr. Landar Japan und Japaner. Und China und Korea gleich mit. Nur Thais sehen dann doch etwas anders aus. Es sei denn, dass es dort lebende Chinesen sind. Alles klar?

Was unterscheidet nun den typischen Japaner vom Koreaner und was macht einen Chinesen aus? Ist die Hautfarbe anders, die Nasenform? Sind es noch schmalere Augen, noch höhere Wangenknochen? Von sogenannten Experten wird behauptet, dass Japaner am kleinsten sind. Unsere Hautfarbe sei heller und unsere Augen runder. Aber dieses Gerücht stammt vermutlich aus der Manga-Ecke. Da gibt es Kulleraugen zuhauf.

Koreaner sind angeblich alle dünn und groß. Und die Augen sind ganz schmal. Vermutlich weil sie stets übers Meer blicken, ob nicht Japans Flotte wieder kommt. Chinesen wird eine „gelbliche“ Hautfarbe angedichtet. Im Westen spricht man gern von der „gelben Gefahr.“ Dabei ist auch das nur Blödsinn pur.

Was ist nun Wahrheit und was Legende? Und essen alle Deutschen wirklich Sauerkraut? Tragen die Franzosen alle noch Schnauzer und sind Italiener alle 1 Meter 50 groß? All das ist so großer Quatsch, wie die Legenden über Asien. Aber das habt ihr bestimmt alles schon gewusst.

Speziell in China gibt es eine ganze Reihe verschiedener Völker, die sich durchaus unterscheiden. Und auch in Japan gibt es Unterschiede. So, wie in Deutschland auch. Und warum sollte es in Korea anders sein? Kleidung, Sprache und Frisuren können die Unterschiede viel deutlicher machen, als es Gesichter tun.

Ich für mein Teil kann Unterschiede durchaus erkennen. Aber auch völlig daneben liegen. Wie bei einer in Japan lebenden Koreanerin, die chinesische Wurzeln hat. Aber sie spricht die drei Sprachen fließend. Und das ist voll gemein! Die Gesichter der Welt unterscheiden sich durchaus. Aber letztlich sind alle Menschen Brüder. Oder Schwestern, weil mir die weibliche Form einfach besser gefällt. Aber auch das habt ihr schon gewusst.

Die Kriecher sind los!

In meiner Eigenschaft als (S)Expertin bin ich vielen LeserInnen schon bekannt. Aber eine Frau Dr. Landar kann noch soviel mehr! Und das werde ich heute beweisen. Als diplomierte Besserwisserin habe ich im Nebenfach „Belästiger im Gestern und Heute“ studiert und dort viel über Ungeziefer gelernt. Und laut einer Meldung von Antenne Silberfisch, ist es in den letzten Tagen zu einem vermehrten Auftreten des fast in Vergessenheit geratenen gemeinen Kriechers gekommen.

Der gemeine Kriecher sollte auf keinen Fall mit dem allgegenwärtigen Bückling verwechselt werden. Zwar ist beiden Exemplaren eine gewisse Gebeugtheit eigen, der Bückling ist aber meist harmloser. Nicht so der Kriecher. Meist (spät)pubertärer Natur haust er als ewig Gestriger gern in einer feuchten Kellerwohnung. Dort, zwischen ihn wärmenden elektormagnetischen Strahlen überdimensionierter Flat- und Touchscreens, fühlt er sich im eigenen Saft schmorend pudelwohl.

Der gemeine Kriecher verlässt nur selten sein Domizil, in freier Wildbahn ist er so gut wie niemals anzutreffen. Meist handelt es sich bei dem Kriecher um männliche Exemplare, die ich der Einfachheit halber „Männchen“ nenne. Ein kurzes Wort für kurze Beine, das macht Sinn. Der weibliche Kriecher ist ein Sonderexemplar und vom Aussterben betroffen. R.I.P. von mir an dieser Stelle. Die wenigen noch verbliebenen Exemplare sind ohnehin nur nachtaktiv und werden, im Zug der voranschreitenden Evolution, schon bald Geschichte sein.

Es wäre nun ein Fehler anzunehmen, dass es sich bei dem gemeinen Kriecher um ausnahmslos hirnbefreite Wesen handelt. Das muss an dieser Stelle klar verneint werden! Allerdings unterliegt diese Spezies einer deutlichen Beschränktheit ihrer Emotionen. Man könnte sie daher auch emotional verkrüppelt nennen. Diese Verkrüppelung zeigt sich auch deutlich bei der Sprache, die von Grunzlauten dominiert wird.

Gemeine Kriecher sind meist stark kurzsichtig und ihr Sichtfeld auf ein Minimum begrenzt. Dafür ist ihr Geruchssinn gut ausgeprägt, der sie mit unnachahmlicher Sicherheit zu potenziellen Opfern leitet. Von meist schwächlicher Natur scheuen sie die offene Konfrontation und attackieren ihre Gegner aus dem Verborgenen. In den meisten Fällen bleibt es aber bei verbalen Attacken, die sie wollüstig im eigenen Heim zelebrieren. Natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und wenn überhaupt, so nur vor anderen Kriechern.

Gern hinterlässt der gemeine Kriecher auch seine Losung an den Heimen der Ahnungslosen. Diese Duftmarken steigern sein kaum vorhandenes Selbstbewusstsein ins Uferlose! Vor allem dann, wenn ein Hausbewohner versehentlich auf einen solchen Auswurf tritt. Derart beschmutzt wird er zur leichten Beute des Kriechers, der sein Opfer dann mit Haut und Haaren verschlingt. Wer aber auf seine Schritte achtet, wird nie ein Opfer sein.

Wie gefährlich sind nun diese Kriecher und welche Gegenmittel gibt es gegem sie, werden sich meine LeserInnen fragen. Und an genau dieser Stelle setzt mein Expertenwissen an. Gegen den gemeinen Kriecher ist ein ganz besondees Kraut gewachsen, das sich in jedem Garten findet. Die Ignoraris-Pflanze eignet sich ganz vortrefflich zur Bekämpfung. Einmal angewandt hält sie auch den mutigsten Kriecher fern.

Ein weiteres probates Mittel ist die Conscientia-Droge. Eine gehörige Portion davon ausgestreut, lässt die Kriecher flugs das Weite suchen. Alternativ kann ich auch mein neues Buch „Die Kriecher sind los!“ empfehlen. Dort gehe ich genauer auf Kriecher und andere Insekten ein.

Das liebe LeserInnen wars für heute wieder. Im nächsten Beitrag werde ich über Schnüffler und Krabbler schreiben, die immerhin artverwandt mit dem gemeinen Kriecher sind. Alternativ kann es aber auch ein Beitrag über die Spottdrossel sein. Piep!

Warum ich nicht (typisch) japanisch bin

Um Japaner zu verstehen, muss man kein Japaner sein. Aber es kann helfen. Was aber, wenn selbst Japaner sich nicht mehr verstehen? Und das ist mir passiert. Bekanntlich bin ich in Japan geboren und habe dort auch vier Jahre gelebt. Ich finde keine Erinnerung an diese Zeit und kenne sie nur aus Bildern und Erzählungen meiner Eltern. Und die sind zu meinem großen Glück nicht traditionell japanisch. Warum schreibe ich das? Habe ich Probleme mit Japanern?

Um das, um mich besser zu verstehen, muss ich mehr von Japan/ern erzählen und wie Land und Leute wirklich sind. Japaner werden völlig anders erzogen, als Amerikaner, oder Europäer. Selbstlosigkeit und die Bereitschaft der Gesellschaft zu dienen, gilt noch immer als hohes Gut. Vor diesem Hintergrund muss man die alten Saumrai sehen, die todesverachtend in die Schlacht für ihren Fürsten zogen. Leider ist dieses Denken heute kontraproduktiv. Die atomare Katastrophe von Fukushima, hat die Grenzen japanischer Mentalität deutlich gezeigt. Hilfe von Fremden? Vielen Dank, wir haben alles im Griff. Nein sagt man bekanntlich nicht.

Für Japaner gilt der Grundsatz nie das Gesicht zu verlieren. Das gehört sich einfach nicht. Wer sich die stoischen Mienen japanischer Sumo-Ringer bei Sieg, oder Niederlage anschaut, der wird das klar erkennen. Wobei Sportler durchaus Emotionen zeigen, das habe ich schon mehrfach gesehen. Egal, ob beim Karate, oder Skisprung. Der Kontakt mit dem Westen hat diese Japaner geprägt und sie dadurch offener gemacht. Aber die Regel bleibt das Lächeln. Und das können Japaner gut.

Japaner stellen weder sich noch die eigene Leistung in den Vordergrund. Individualismus ist verpönt. Die eigene Leistung wird in die Firma eingebracht, die Familie, das Land. So denkt und lebt der Japaner. Und damit kann ich nicht. Nun dränge ich mich nicht in den Vordergrund, oder prahle mit meinen Schwarzen Gürteln. Ich habe sie, na und? Aber allein schon dieser Blog, die Art und Weise wie ich schreibe, sie macht mich ziemlich unjapanisch. Und Yuki damit auch.

Wer mit Japanern spricht, wird schnell die Unterschiede in der Denkweise erkennen. Viele Menschen neigen dazu, dem Gesprächspartner die eigene Meinung aufzudrängen. Wer das in Japan macht, wird niemals akzeptiert. Der Japaner glaubt in diesem Fall, als minderwertig angesehen zu werden. Dann wird der Geschäftspartner zum Gaijin. Und das wird er sehr schnell spüren. Geschäfte macht er dann keine mehr. Auch Japaner können fremdenfeindlich sein. Und das unnachahmlich.

Japaner sprechen meist neutral, um niemand zu verletzen. Und da setzte Klein-Mayumis Widerwille ein. Ich hatte (m)eine Meinung und habe sie vertreten. Und damit meine Eltern schockiert. Dieser rebellische Geist ist nicht plötzlich entstanden. Er ist langsam gewachsen und war doch schon immer da. Zum Glück haben meine Eltern es verstanden, mich sanft an der langen Leine zu führen. Sonst wären sie, oder ich, daran zerbrochen.

Trotz nahezu dreißig Jahren in Deutschland, sind meine Eltern viel japanischer als ich. Aber sie haben sich an meine Art gewöhnt und dass ich ein kleiner Wirbelwind bin. Sie haben sich aber auch selbst etwas vom typischen Japanertum entfernt. Nur Gefühle zeigen, das können sie noch immer schlecht. Auch, wenn meine Mutter sich durchaus ein Lächeln bei Freunden erlaubt, so würde sie niemals laut lachen. Das ist verpönt, so ist sie erzogen.

Klein-Mayumi hat sie vor vielen Jahren auf einem Schulfest an die Hand genommen und einen Freudentanz mit ihr gemacht. Während die Augen meines Vaters leicht zuckten, was seine Form von Lachen ist, taute meine Mutter nur langsam auf. Immerhin war ihr Lächeln dann vorhanden und das war wie Sonnenschein für mich. Ja, ich habe meine Probleme mit Japan und Japanern. Egal, ob in Deutschland, oder Übersee. Ich mag meine alte Heimat sehr, die Sprache, die Kultur. Aber ich werde immer anders sein und könnte nie in Japan leben. Zumindest nicht ohne Probleme zu bekommen. Und das wäre weniger toll.

Unser Japan-Urlaub steht nun vor der Tür. Wir haben fleißig die Regeln geübt und uns gegenseitig an die Eigenarten erinnert. Trotzdem werden wir in den einen, oder anderen Fettnapf treten. Das war schon immer so. Bei meiner Familie ist das kein Problem, die kennen mich bereits sehr gut. Für meine LeserInnen mag der Bericht sehr negativ klingen und zeigen, dass ich Japan nicht mag. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Eben weil ich Land und Leute liebe, kritisiere ich sie sanft. Auf Dauer kann auch Japan sich dem Fortschritt nicht verschließen. Und selbst wenn einige liebenswerte Eigenarten verschwinden, völlig ändern wird sich der Japaner nie. Und ich ebenfalls nicht.

Mein Japan – Teil 1

Heute möchte ich über Japan schreiben und habe einige Eigenheiten kurz auf den Punkt gebracht. Denn das Zeitalter der Aufklärung hat begonnen. Meine Damen und Herren, Frau Dr. Landar erklärt Japan und JapanerInnen. Und was man als Gaijin am Besten niemals macht.

Menschen in Amerika und Europa sind laut. Und sie haben kein Benehmen. Das zumindest ist die Meinung von Japanern, wenn sie Gaijin zum ersten Mal ereleben. Japaner sind anders. Japaner sind vor allem leise. In Öffentlichen Verkehrsmitteln wird eisern geschwiegen. Laute Gespräche und klingelnde Mobiltelefone sind verpönt. Man repspektiert die Privatsphäre anderer deutlich mehr, als in Europa und den USA.

Vermutlich wird der eine oder andere meiner Leser schon japanische Filme gesehen haben und das nun vehement verneinen. Aber Filme sind Show und haben mit der realen Welt nicht viel zu tun. Oder es lief eine Reportage über Tokio. Aber Tokio ist Tokio, dort gelten manchmal andere Gesetze. Das ist wie mit Berlin, Moskau, oder auch Paris. Alles ist dort irgendwie ein wenig lockerer und zum Teil auch weniger kompliziert.

Japans Jugend ist rebellisch. Sie ist schrill, bunt und oft laut. Witzig dabei, dass sie dann immer noch leiser, als in Europa ist. Männer in Japan sind auch anders. Und sie begrapschen gerne Frau. Das wird „Chikan“ genannt und ist ein echtes Problem. Vor allem in der oft übervollen U-Bahn geschieht das gern. Dicht an dicht gedrängt darf Frau dann Mannes Hand am Hintern spüren. In diesem Fall hilft oft den Grapscher zu outen und laut zu werden.

Der Betreffende wird meist vor Scham im Boden versinken wollen und sein Tun bereuen. Ganz mutige Frauen werden seine Hand ergreifen und ihn der Polizei, oder dem Zugpersonal übergeben. Zumindest in Tokio gibt es daher Abteile nur für Frauen. Ob das in anderen Städten auch so ist weiß ich leider nicht. Vermutlich aber schon. Um nicht fälschlicherweise beschuldigt zu werden, halten manche Männer sich daher mit beiden Händen und deutlich sichtbar an Haltegriffen in der U-Bahn fest.

Japaner küssen wenig. Zumindest außerhalb des Hauses. Erwachsene werden diese Art der Zuneigung selten in der Öffentlichkeit zeigen. Bei Jugendlichen ist das schon eher der Fall. Wer nach Japan reist und dort Japaner begrüßt, der gibt bitte nie die Hand zum Gruß. Hände schütteln hat in Japan keine Tradition. Nur, wenn der Japaner die Hand anbietet, darf man sie auch ergreifen. Wird er aber meistens nicht. Es wird sich stattdessen verbeugt. Und hier kommt für den Gaijin das nächste Problem.

Verbeugen ist nämlich nicht gleich verbeugen. Eine in der Hierarchie tiefer gestellte Person verbeugt sich tiefer und länger als die höher gestellte. Grundsätzlich stehen Ältere über Jüngeren, Männer über Frauen, Kunden über Verkäufern und Gäste über Gastgebern. Dabei legen Männer die Hände seitlich an die Schenkel, Frauen legen die Hände aufeinander und halten sie vor die Oberschenkel. Japaner sind Ausländern gegenüber aber durchaus nachsichtig, wenn es um die richtige Verbeugung angeht. Und falls der Gastgeber, oder Geschäftspartner dann doch eine Umarmung anbietet, ist man als Gaijin oft überrascht. Auch Japaner gehen mit der Zeit.

In Japan sagt man nicht Nein. Das Wort wird so gut es geht vermieden. Es gilt als unhöflich das Wort „iie“ zu sagen, das einem Nein am nächsten kommt. Iie wird meist im Zusammenhang mit „Nein, danke“, verwendet, um z. B. Komplimente abzuwehren. Nur Klein-Mayumi hat das anders gesehen. Laut meinen Eltern habe ich oft vehement verneint. Und wenn es im japanischen dafür keine Worte gab, soll ich auf Deutsch verneint haben. Als Gaijin mit kaum vorhandenen Sprachkenntnissen, sollte man auch auf Englisch ein schroffes „No“ vermeiden. Wer höflich und blumig etwas umschreiben kann, kommt auch zum Ziel.

Titel und Hirarchien sind in Japan wichtig. Immer noch und immer wieder. Daher sind Visitenkarten äußerst interessant. Und auch der Umgang damit. Wer mit Japanern Geschäfte machen möchte, sollte seine Visitenkarten immer bei sich tragen. Die des Japaners ist mit beiden Händen entgegenzunehmen, aufmerksam und interessiert zu lesen, um sie dann mit größtmöglicher Sorgfalt in der Brieftasche zu verstauen. Das kommt gut an und ist bei Geschäften schon die halbe Miete.

Wer japanische Filme sieht, wird sich über japanische Essgewohnheiten wundern. Der eben noch so vornehme Japaner schlürft und schmatzt, wenn er eine Nudelsuppe vor sich hat. Das ist nun alles, aber kein schlechtes Benehmen. Im Gegenteil ist es ein Teil der japanischen Esskultur. Wer schlürft und schmatzt zeigt deutlich, dass es ihm schmeckt. Rülpsen gehört in Japan nicht zum guten Ton. Wer das macht ist schnell geächtet. Auch öffentlich die Nase putzen kennen Japaner nicht. Das macht man ohne andere Menschen.

Und wenn wir schon beim Essen sind, so gehört das Trinken mit dazu. Auf keinen Fall darf man sich selbst sein Glas nachschenken. Das wird als Zeichen der Gier gewertet. In einer geselligen Runde wird immer der Tischnachbar für ein volles Glas bei dem ihm an mächsten Sitzenden sorgen. Gleiches wird aber auch erwartet. Wer einen Kater vermeiden möchte lässt besser einen Rest im Glas, oder trinkt einfach Flaschenbier. Prost!

Damit all diese Infos nicht zu sehr verwirren, sage ich für heute leise Tschüss. Morgen gibts dann mehr von mir und meinem aufgeklärten Japan.