Die Kriecher sind los!

In meiner Eigenschaft als (S)Expertin bin ich vielen LeserInnen schon bekannt. Aber eine Frau Dr. Landar kann noch soviel mehr! Und das werde ich heute beweisen. Als diplomierte Besserwisserin habe ich im Nebenfach „Belästiger im Gestern und Heute“ studiert und dort viel über Ungeziefer gelernt. Und laut einer Meldung von Antenne Silberfisch, ist es in den letzten Tagen zu einem vermehrten Auftreten des fast in Vergessenheit geratenen gemeinen Kriechers gekommen.

Der gemeine Kriecher sollte auf keinen Fall mit dem allgegenwärtigen Bückling verwechselt werden. Zwar ist beiden Exemplaren eine gewisse Gebeugtheit eigen, der Bückling ist aber meist harmloser. Nicht so der Kriecher. Meist (spät)pubertärer Natur haust er als ewig Gestriger gern in einer feuchten Kellerwohnung. Dort, zwischen ihn wärmenden elektormagnetischen Strahlen überdimensionierter Flat- und Touchscreens, fühlt er sich im eigenen Saft schmorend pudelwohl.

Der gemeine Kriecher verlässt nur selten sein Domizil, in freier Wildbahn ist er so gut wie niemals anzutreffen. Meist handelt es sich bei dem Kriecher um männliche Exemplare, die ich der Einfachheit halber „Männchen“ nenne. Ein kurzes Wort für kurze Beine, das macht Sinn. Der weibliche Kriecher ist ein Sonderexemplar und vom Aussterben betroffen. R.I.P. von mir an dieser Stelle. Die wenigen noch verbliebenen Exemplare sind ohnehin nur nachtaktiv und werden, im Zug der voranschreitenden Evolution, schon bald Geschichte sein.

Es wäre nun ein Fehler anzunehmen, dass es sich bei dem gemeinen Kriecher um ausnahmslos hirnbefreite Wesen handelt. Das muss an dieser Stelle klar verneint werden! Allerdings unterliegt diese Spezies einer deutlichen Beschränktheit ihrer Emotionen. Man könnte sie daher auch emotional verkrüppelt nennen. Diese Verkrüppelung zeigt sich auch deutlich bei der Sprache, die von Grunzlauten dominiert wird.

Gemeine Kriecher sind meist stark kurzsichtig und ihr Sichtfeld auf ein Minimum begrenzt. Dafür ist ihr Geruchssinn gut ausgeprägt, der sie mit unnachahmlicher Sicherheit zu potenziellen Opfern leitet. Von meist schwächlicher Natur scheuen sie die offene Konfrontation und attackieren ihre Gegner aus dem Verborgenen. In den meisten Fällen bleibt es aber bei verbalen Attacken, die sie wollüstig im eigenen Heim zelebrieren. Natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und wenn überhaupt, so nur vor anderen Kriechern.

Gern hinterlässt der gemeine Kriecher auch seine Losung an den Heimen der Ahnungslosen. Diese Duftmarken steigern sein kaum vorhandenes Selbstbewusstsein ins Uferlose! Vor allem dann, wenn ein Hausbewohner versehentlich auf einen solchen Auswurf tritt. Derart beschmutzt wird er zur leichten Beute des Kriechers, der sein Opfer dann mit Haut und Haaren verschlingt. Wer aber auf seine Schritte achtet, wird nie ein Opfer sein.

Wie gefährlich sind nun diese Kriecher und welche Gegenmittel gibt es gegem sie, werden sich meine LeserInnen fragen. Und an genau dieser Stelle setzt mein Expertenwissen an. Gegen den gemeinen Kriecher ist ein ganz besondees Kraut gewachsen, das sich in jedem Garten findet. Die Ignoraris-Pflanze eignet sich ganz vortrefflich zur Bekämpfung. Einmal angewandt hält sie auch den mutigsten Kriecher fern.

Ein weiteres probates Mittel ist die Conscientia-Droge. Eine gehörige Portion davon ausgestreut, lässt die Kriecher flugs das Weite suchen. Alternativ kann ich auch mein neues Buch „Die Kriecher sind los!“ empfehlen. Dort gehe ich genauer auf Kriecher und andere Insekten ein.

Das liebe LeserInnen wars für heute wieder. Im nächsten Beitrag werde ich über Schnüffler und Krabbler schreiben, die immerhin artverwandt mit dem gemeinen Kriecher sind. Alternativ kann es aber auch ein Beitrag über die Spottdrossel sein. Piep!

Bühne der Eitelkeiten

Es ist Premierenabend im Theater. Weltbühne hat es der Gründer einst genannt. Vorzugsweise Dramen spielt man hier.
Der Intendant betritt die Bühne, das Publikum wartet schon gespannt.
„Guten Abend meine Damen, guten Abend meine Herren!“, ruft er und lächelt in die Runde. „Mein Name ist Brown Thrasher Mockingbird. Ich habe heute Abend die große Ehre ein besonderes Glanzstück der Schauspielkunst zu präsentieren. Die Weltpresse hat schon im Vorfeld darüber berichtet. Und vermutlich sind Sie deshalb alle hier.“
Er macht eine kurze Pause und schaut in erwartungsvolle Gesichter.

„Unser Stück trägt den klangvollen Namen Selbstdarstellung und Eitelkeiten“, fährt er fort. „Wir werden die ungeschminkte Wahrheit präsentieren. Die Autoren haben lange daran geschrieben. Und glauben Sie mir, es war nicht leicht! Die richtigen Darsteller zu finden hat Jahre gedauert. Aber nun ist es soweit. Vorhang auf und Bühne frei für „The Worlds finest Drama Queens.“

Verschmitzt lächelnd verlässt der Intendant die Bühne und die Schauspieler treten auf. Sie sind alle mehr oder weniger nackt, ein mittlerer Skandal bahnt sich an.
Pressevertreter schießen sofort Fotos. Ein Hängebusen auf der Titelseite verkauft sich immer gut.

Die Zuschauer sind schnell wieder versöhnt, als das launige Spiel der Damen beginnt. Mit- und gegeneinander tragen sie ihre Zeilen vor. Die entblößten Körper sind schnell vergessen, die nackte Seele tritt ins Rampenlicht. Und was wird den Zuschauern nicht alles geboten! Einblicke in die Abgründe menschlicher Tiefen, Ausblicke auf einstürzende Neubauten und andere Abrissbirnen. Und den einen oder anderen Apfelpo.

„Freundinnen müsste man sein“, rezitiert eine Rothaarige und wendet sich an ihre dunkelhaarige Nachbarin. „Sag, wie geht’s eigentlich deinem Göttergatten? Geht er immer noch mit seiner Sekretärin fremd?“
„Nicht mehr, seit du gekündigt hast“, gibt die Angsprochene mit zuckersüßem Lächeln zurück. „Er hat jetzt einen Sekretär.“
„Ach er ist jetzt schwul?“, flötet die Rote und lacht. „Besonders standhaft war er ja nie. Das liegt vielleicht auch an seinem Alter. Junge Kerle können einfach mehr.“
„Der Sekretär ist aus Holz und schon über hundert Jahre alt“, giftet die Dunkelhaarige. „Aber sag, was macht dein Mann eigentlich jetzt? Stimmt es, dass er in einem Call-Center arbeitet und Hausfrauen beglückt?“

Erste Lacher aus dem Publikum zeugen vom Erfolg des munteren Spiels. Und verspielt geht es weiter, die Damen bitten zum Tanz. Flugs eilen nackte Bengel herbei. Aber in Ermangelung blauer Pillen bleiben die Flaggenmaste ganz schlaff. Glanz und Glorie ist anders. Und Schlachten werden heute mit Worten geschlagen.

„Der Ton macht die Musik“, ertönt plötzlich eine Stimme. Schon stürmt der Star des entblößten Ensembles herbei. Standesgemäß im heiße Luft Ballon.
„Wie meinst du das?“, will eine kleine Dicke wissen? „Ich kann dich einfach nicht verstehen!“
„Bei deinem Verstand kein Kunststück“, gibt Diva zurück. „Sag, hast du abgenommen?“

Pointe reiht sich an Pointe, Gag folgt auf Gag. Das Publikum lacht Tränen, selbst eingefleischte Kritiker sind hin und weg. Die Weltbühne hat einen vollen Erfolg zu vermelden. Besser waren die Darsteller noch nie. „Zickenkrieg im Theater“, lautet die Überschrift am nächsten Tag. Und „Mockingbird ist König.“ „Auf dass das Theater niemals endet!“, wird geschrieben. Und abschließend noch „Selbstdarstellung, wie ich sie mag.“