Das Lied der Guten

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100 Jahre Krieg

Vor fast genau 100 Jahren, ist die Welt in Flammen aufgegangen. Der 1. Weltkrieg  traf auf eine Zeit, die an der Schwelle zum industriellen Umbruch stand. Vorbei die beschaulichen Tage der alten Kaiserzeit, der Helden und heroischen Schlachten. Modernste Technik hat damals ein Massaker angerichtet. Und die Generäle schauten zu.

Der Krieg von damals tobt noch immer. Wenn auch schon lange nicht mehr in Verdun. Viele Jahre lang haben die Weltmächte Stellvertreterkiege geführt. Egal ob in Korea, Vietnam, Afghanistan. Und in Syrien sieht das nicht viel besser aus. Opposition? Dass ich nicht lache! Die Brandstifter sitzen anderswo und tragen dunkle Masken.

Mir ist bewusst, dass ich sehr kämpferisch wirke. Aber mein Krieg hat wenig mit dem Abschlachten von damals zu tun und was daraus entstanden ist. Wenn es etwas gibt, dass mir Unbehagen bereiten kann, so ist es der Gedanke an Krieg. Ich sorge mich dabei weniger um mich, als um andere Menschen. Und um Kinder, die ich noch nicht habe. Aber was wäre wenn?

Die ZDF-Reportage „Mit Jubel in die Hölle“ hat mich betroffen gemacht. Am Schicksal von drei jungen Männern wurde der Irrsinn gezeigt, dem die Menschen verfallen waren. Vom Heldentod ist dort die Rede, mit Stolz fürs Vaterland zu fallen. Ein Lächeln auf den Lippen … Sind Menschen wirklich so blöd?

Zugegeben, ich habe es mehr mit Frauen. Auch als Kind. Aber auch Frauen sind Soldatinnen und sterben oft einen sinnlosen Tod. Und genau das möchte ich für (meine) Kinder vermeiden! Ich werde kaum freudig dabei zuschauen, wie sich Töchter mit Waffen ausstatten, um für die Ideen vergreister Hohlköpfe ihr Leben zu lassen.

Ich weiß nicht, ob Frauen weniger grausam wären. Die Geschichte zeigt, dass sie sehr oft ihren Anteil an Schlachten hatten. Oder sollte ich „am schlachten“ schreiben? Fakt ist aber, dass Männer die Weltkriege begannen und den Müttern ihre Kinder nahmen.

Die Künstlerin Käthe Kollwitz gehört zu den betroffenen Müttern dieses ersten Schreckenskrieges. Ihr Sohn Peter fiel in Flandern. Daran ist sie fast zerbrochen. Achtzehn Jahre lang hat sie danach an ihrem vielleicht bekanntesten Kunstwerk gearbeitet. Den trauernden Eltern. Zur Erinnerung an ihren Peter.

„Der schreckliche Unsinn, dass die europäische Jugend gegeneinander rast. … Ist also die Jugend in all diesen Ländern betrogen worden? Hat man ihre Fähigkeit zur Hingabe benutzt, um den Krieg zustande zu bringen? Wo sind die Schuldigen?…Und wann und wie wird das Aufwachen sein? Nie wird mir das alles klar werden. Wahr ist nur, dass die Jungen, unser Peter, vor zwei Jahren mit Frömmigkeit in den Krieg gingen, und dass sie es wahrmachten, für Deutschland sterben zu wollen. Sie starben – fast alle“, hat sie 1916, zwei Jahre nach seinem Tod gesagt.

Gibt es dazu viel zu sagen? Auch nach 100 Jahren sind diese Worte so wahr, als habe Käthe Kollwitz sie erst gestern ausgesprochen.
Mit Sorge schaue ich auf die USA und auch nach Osten. Auch auf „Zar Putins“ neues Reich.
Über der Welt schwebt ein Geist, der schon lange nicht mehr erschienen war. Gerufen, beschworen von den Urenkeln jener Schlächter, die nie selber kämpfen.
Wieder rasselt die Jugend der Welt mit ihren Säbeln. Und das ist alles andere als gut.

„Es ist genug gestorben! Keiner darf mehr fallen!“, hat Käthe Kollwitz 1918 gesagt.
Diese Botschaft ist so aktuell wie nie. Und Herr Obama und Herr Putin sollten sie gut und immer wieder lesen. Aber, und davon bin ich überzeugt, diese Worte verstehen Männer nie.