Das ist Karate!

Was Karate wirklich ist, habe ich bereits mehrfach geschrieben. Aber noch immer verstehen viele diese Kunst gern falsch. Also ergänze ich meinen letzten Artikel und möchte Ōyama Masutatsu, den Begründer des Kyokushin-Karate, zitieren. Der Fokus liegt dabei heute auf der körperlichen Seite. Warum erkläre ich noch.

„Karate ist kein Spiel. Es ist kein Sport. Es ist nicht einmal eine Technik der Selbstverteidigung. Karate ist zur Hälfte eine körperliche, zur anderen Hälfte eine spirituelle Disziplin.“

So ganz einverstanden bin ich mit dem großen Meister nicht. Man kann das auch durchaus anders sehen. Karate war und ist durchaus Selbstverteidigung für mich. Dieben meinen Geldbeutel zu überlassen, um sie nicht zu verletzen, käme mir niemals in den Sinn. Wer mir, bildlich gesprochen, an die Wäsche will, hat ein Problem.

„Karate hat eine nicht zu leugnende mystische Qualität. Doch all dies ist das Ergebnis von Durchhaltevermögen und Training. Es ist offen zugänglich und hat nichts mit geheimen esoterischen Schriften zu tun, die manche Karateschulen angeblich besitzen. Selbst wenn solche Bücher existieren, sind sie keine praktischen Erklärungen für die Methoden und Techniken des Karate, sondern abstrakte Erklärungen der geistigen Haltung.“

Ōyama Masutatsu hat recht, es gibt keine geheimen Techniken und keine Super Karateka, die allein mit Blicken einen Vorteil für sich verbuchen. Aber im modernen (Sport)Karate werden all jene Techniken nicht mehr gelehrt, die nach Meinung einiger Meister, eine zu große Verletzungsgefahr bei Wettkämpfen darstellten.

Was aber nicht gelehrt wird, gerät schnell in Vergessenheit. Und plötzlich ist Karate pflegeleicht und seine Schüler taumeln gebückt durchs ganze Leben, statt aufrecht und mit Stolz zu gehen. Mein Vater hat mich traditionelles Karate gelehrt. In all seiner Konsequenz. Das ist ein Grund warum ich Kämpfe gewinne und andere sie verlieren. Was auch für das normale Leben gilt.

„Die Kampfkünste wurden erdacht um Siege zu fördern, daher erfordern sie Rivalität. Doch gleich wie stark der Rivale auch ist, der Gerechte wird immer siegen. Davon bin ich überzeugt. Demzufoge muß Karate eine gerechte Kunst sein. Menschliche Wesen, die diesen Namen auch verdienen, sollten gewillt sein, Gemeinheit durch Gerechtigkeit zu bekämpfen, und dies bis zum Tode, falls es nötig sein sollte.

Ohne diesen Willen, in dieser Weise für die Gerechtigkeit einzustehen, was wäre das Leben noch wert? Die höchsten Dinge, die man aus einem Kampf auf der Grenzlinie zum Tod erfahren kann, sind Gerechtigkeit, Höflichkeit und der WEG. Und das Erreichen dieser drei Dinge bedeutet einen gewissen Sieg. Im Vergleich dazu sind Ruhm und Geld ohne Bedeutung.“

Karate kann zu mehr Gerechtigkeit führen. Davon bin auch ich fest überzeugt. Dabei ist es egal ob ich einen kleinen Jungen oder einen alten Mann vor Schlägern rette. Das Ergebnis ist es, das letztlich zählt. Auch der Sieg über mich selbst, wenn ich lächelnd vor einem Provokateur stehe und sein verbaler Angriff verpufft.

Ōyama Masutatsu war eigentlich Koreaner. Aber das ist nur Nebensache. Und er hat Karate auch nicht revolutioniert. So wenig wie Gichin Funakoshi, der Begründer des modernen Karate, dem Shotokan. Traditionelles Karate ist anders. Gelernt hatten sie es beide. Im Ansatz zumindest. Aber dann nur noch den eigenen Stil praktiziert.

Beide, Kyokushin-Karate und Shotokan sind durchaus gut. Mir sind sie zu einseitig, zu sehr vom eigentlichen Ursprung entfernt. Mein Karate war stets anders. Schon als Kind habe ich gern und oft improvisiert. Instinktiv. Gelernt habe ich andere Techniken erst viel später.

Es ist schwierig bis unmöglich, den geistigen Aspekt im Karate mit Worten abzubilden. Dazu ist (m)ein Blog denkbar ungeeignet. Karate und Zen-Buddhismus sind ein Team. Und das ist absolut kein Widerspruch. Es ist der japanische Weg, der im Westen kaum verstanden wird.

Aber ich kann die absolute Kompromisslosigkeit aufzeigen, wenn es im alten, traditionellen Karate darum ging, einen Angriff abzuwehren. Die Formel lautet krass ausgedrückt: Wer einen Karateka attackierte, war ganz schnell besiegt. Und das ist noch heute so, wenn jemand echtes Karate kann. Wobei besiegt nicht unbedingt wörtlich zu verstehen ist. Man kann mit Karate auch richtige Kämpfe vermeiden.

Und genau das ist der Unterschied zwischen Kampfkunst und -sport. Kickboxer, um das System einfach zu benennen, machen nur noch Spaß. Sie tänzeln, sie prahlen und feuern irgendwelche Tritte und Haken ab. Um im Wettkampf Punkte zu bekommen, was ihnen bei einem echten Angriff kaum hilft.

Schnell macht sich Verwirrung breit, wenn ich die Unterschiede im Dojo lehre. „Aber Sensei“, höre ich dann, „das verstehen wir nicht! Es heißt doch im Karate gibt es keinen Erstangriff.“

Nun hat das wieder Gichin Funakoshi gesagt und hat damit durchaus recht. Aber seine Verwässerung des Karate, der daraus entstandene Wettkampfstil, hat mit zum heutigen Problem geführt. „Funakoshi ist nicht in der Lage, etwas anderes als Gymnastik zu unterrichten“, hat Ōyama Masutatsu gesagt und damit den Nerv getroffen, an dem Karate noch immer krankt.

Aber hat er recht? Ja und nein. Shotokan ist ein durchaus guter Stil und richtig erlernt bis ins hohe Alter ausführbar. Aber das gilt für alle Karate Arten, wie diverse Meister noch immer zeigen. Trotzdem halte ich die Okinawa Stile für besser, wenn es um Traditionen geht. Und um mit einer Legende aufzuräumen, auch im Karate gibt es Hebel und Würfe. Wie im traditionellen chinesischen Wushu (Kung Fu).

Das Wissen um die Gesamtheit von Karate muss zwingend erhalten bleiben. Es geht dabei weniger darum wie man jemand töten kann. Wer das nur denkt, hat nichts verstanden und gehört vermutlich in die Psychiatrie.

Ich habe lange gesucht und ein Video gefunden, dass sich „This is Karate!“ nennt. Zwar wird dort der Shōrin-Ryū Stil gezeigt, aber der „Aha-Effekt“ sollte vorhanden sein. Den beiden Sensei geht es wie meinem Vater und mir darum, das echte Karate zu erhalten. Hauen kann jeder. Richtiges Karate nur wenige.

Sie zeigen einen Stil, den viele Thai- und Kickboxer, sowie die koreanischen Taekwon-Do Schüler, noch nie gesehen haben. Die wären alle ziemlich überrascht, wenn es zu einer Auseinadersetzung käme. „Kannst du das alles?“, höre ich die Frage und muss lächeln. Ja und noch eine ganze Menge mehr.

Ich finde die beiden Sensei gut und authentisch. Daher teile ich gern ihr Video. Und nun viel Spaß beim schauen: