Von Großmeistern und Geschäften

Dies wird die vorerst letzte Folge aus der Kampfsport-Welt sein. Mir war es wichtig Interessierten einen kleinen Einblick in diese vermutlich fremde Welt zu geben.

Immer wieder werde ich auf Wing Chun und Kampfsport angesprochen. Und dass (kleine) Frauen einfach keine Chance gegen schwere Männer haben. Nur was bedeutet klein und was bedeutet Chance? Eine Konfrontation auf der Straße ist kein Wettkampf. Auch, wenn Selbstverteidigung und Kampfsport in aller Munde ist, so haben doch die wenigsten Menschen dieses Talent. Einer Frau sollen im Training vor allem die Hemmungen genommen werden. Und ihre Angst vor dunklen Ecken. Und NEIN, auch Wing Chun kann kein Allheilmittel sein!

Was ist nun Wing Chun? Der Legende nach hat die Nonne Ng Mui den Stil erfunden, als sie den Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange beobachtet hat. Weitere Quellen sprechen davon, dass auch Schausteller denen sie begegnet ist ihren Teil zu Wing Chun beigetragen haben. Den Namen verdankt der Stil aber einem jungen Mädchen mit Namen Yim Wing Chun, das die Nonne auf dem Marktplatz eines Dorfes traf. Yim Wing Chun soll Ärger mit einem Verehrer gehabt haben, der sie unbedingt heiraten wollte. Um ihr zu helfen unterrichtete die Nonne das Mädchen, nach der dieser Stil genannt worden ist. Yim Wing Chun besiegte ihren ungeliebten Verehrer in einem Zweikampf und blieb frei.

Aber ist dieser Stil wirklich so effektiv, wie mancher es uns glauben machen möchte? Zu Wing Chun muss man sagen, dass es ein recht simples und einfach zu erlernendes System ist. Leider wird es von einer gewissen Organisation seit Jahrzehnten gnadenlos ausgenutzt und zum Nachteil dieser Kunst vermarktet. Wing Chun ist und bleibt Straßenkampf, Selbstverteidigung (SV). Aber es ist durch seine direkte, andere Art einem starren Karate durchaus überlegen. Wobei das immer von dem Mensch abhängt und von seinem Trainingsgrad.

SV ist ein schwieriges Thema. Was da taugt und was nicht, bewerten verschiedene „Glaubensgruppen“ unterschiedlich. Als durch die Kung Fu-Filme der 70iger Jahre Wing Chun bekannter wurde, begann der (Un)Stern zweier Männer zu strahlen: Leung Ting und Keith R. Kernspecht. Während Leung Ting noch immer behauptet ein direkter Schüler des legendären und Bruce Lee Lehrers Ip Man zu sein, gibt es keine wirklichen Beweise dafür. Ein Foto kann jeder machen, eine Aussage trifft dies meist nicht. Der selbsternannte Großmeister Leung Ting hat schnell erkannt, dass sich mit „Kung Fu“ gutes Geld machen lässt. Aus einem einfachen System, das keine Gürtelfarben kennt, hat er zig Schülergrade erfunden. Seiner International WingTsun Association (IWTA) steht er als Guru und Meister vor.

Ob Leung Ting gut ist, oder war, das vermag ich nicht zu sagen. Einige Videos zeigen einen dünnen Mann, der seine Techniken verstolpert. In einem anderen Video bezieht einer seinr Schüler Prügel von einem anderen Kung Fu Kämpfer. Aber jeder macht Fehler. Keith R. Kernspecht ist ein anderes Kaliber. Der Mann versteht sein Handwerk, das steht außer Frage. Und er ist clever und reich mit Wing Chun geworden. Nach Leung Tings Vorbild hat er bereits 1976 die heutige Europäische WingTsun-Organisation (EWTO) gegründet. Was immer man der EWTO und Kernspecht vorwerfen kann, ohne ihn gäbe es vermutlich kein wie auch immer geartetes Wing Chun / Wing Tsun / Ving Tsun in Europa.

Nur, wo liegen die Mängel der EWTO? Warum werfen so viele Menschen ihr Geldgier vor? Die Antwort ist recht einfach. Wenn ich als Boxer in einen Club eintrete, werden mir sehr schnell und ohne Zusatzkosten, die Grundlagen vermittelt. Ich lerne, was eine Gerade ist, ein Jap, ein Haken. Im Karate werden vom Trainer auch die höheren Katas gezeigt, wenn danach gefragt wird. Warum sollte das anders sein? Die EWTO macht all das nicht. Sie verlangt Geld vom Schüler für jeden Grad. Ohne abgeschlossene Prüfung lehrt der Sifu den Schüler nicht weiter. Nur bleibt es nicht bei der Prüfung und der dafür fälligen Gebühr. Der Sifu erwartet oft auch um kostenpflichtige Privatstunden gebeten zu werden und der Schüler muss zwingend einen Vorbereitungslehrgang machen. Und auch der kostet Geld. Ein durchschnittlicher EWTO-Schüler wird also seine ersten Jahre mehr oder weniger im Verein vergeuden. Effektiv zu kämpfen lernt er dort nie. Aber er wird effektiv zur Kasse gebeten.

Die EWTO betreibt seit Jahrzehnten Bauernfängerei. Sie erzählt von einem „unschlagbaren System“ für jedermann. Die Mehrheit der Trainierenden hat keinerlei Straßenerfahrung und wird diese auch nie bekommen. Ein EWTO-Geschädigter hat das vor Jahren so formuliert: „EWTO-Schüler fühlen sich von wem auch immer bedroht und suchen ein System, das ihnen die Angst nimmt. Und das, ohne dass sie viel dafür tun müssen. Diese Leute sind alles andere als Kämpfer-Typen, sie wollen nicht kämpfen, weder verletzen, noch verletzt werden. Sie suchen mehr einen Schutzschild. Und landen bei der EWTO.“

Das sind harte Worte und der Mann hat recht. Ein System kämpft nicht, wenn man in einer dunklen Gasse angegriffen wird. Das macht einzig und allein der Mensch. Wing Chun wird kein magischer Helfer in der Not sein und auch keinen Notarztwagen rufen. In EWTO-Schulen wird eine Illusion aufgebaut, die dem realen Leben nicht standhalten kann. Auch ein guter Wing Chunler wird bei einem (Straßen)Kampf nicht immer der Sieger sein, oder völlig unverletzt bleiben. Die Allmachtsgeschichten des Märchenonkels Kernspecht sind nicht viel mehr als das. Er ist der Guru, der freundliche Übervater und das macht er nicht schlecht. Unympathisch ist anders, der Mann hat es drauf! Nur ist er alles andere, als unschlagbar! Aber wer nur mit Schülern niederer Grade kämpft, der kann das kaum beweisen. Und denen ist er natürlich nach 40 Jahren Training haushoch überlegen.

Klassisches Wing Chun hat deutliche Nachteile, wenn man es mit dynamischem Kickboxen und Thai Boxen vergleicht. Da Wing Chun-Schüler sehr oft kein Sparring machen, werden sie im Ernstfall vorgeführt. Ihnen fehlt die Praxis, um ihr System anzuwenden. Und dann müssen sie noch feststellen, dass das starre festhalten an einem alten System vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Wing Chun ist gut, aber es bedarf langer Übung, um darin ein wirklicher Meister zu werden. Kombiniert man es aber mit anderen Systemen, macht regelmäßiges Sparring, dann sieht das etwas anders aus.

Ich habe schon als junges Mädchen über den Tellerrand von Karate und Aikido geblickt und so mittlerweile Wing Chun für mich gefunden. Und ich habe das Glück gehabt auf Menschen zu treffen, bei denen Geld nicht im Vordergrund steht. Klar kommt auch der Trainer samt Partnerin aus der EWTO und hat dort nach eigenen Worten anfangs seine Zeit verschwendet. Zum Glück gibt es aber immer mehr Systeme, die ein ehrliches Wing Chun lehren wollen. Und dort kamen die beiden schon vor Jahren unter. Und ehrliches Wing Chung vermitteln sie uns auch. Beide Trainer wissen, dass sie nicht unschlagbar sind und sind immer bereit neue Dinge zu lernen.

Wer sich für Wing Chun interessiert, der sollte im Internet nach „Wong Shun Leung Ving Tsun“, bzw. „Philip Bayer VT“, „Lo Man Kam Wing Chun“, „Garry Lam Ving Tsun“ oder auch „Lok Yiu Wing Chun“ suchen. Das alles sind gute Systeme, in denen ehrlich gelehrt wird. Da ich selbst mehr oder weniger eine Art „Straßenkampf“ betreibe, war Wing Chun die ideale Ergänzung für mich. Und ja, ich sparre auch. Nicht immer nur mit Yuki. Auch mit und gegen Mann. Nur so lerne ich, nur so werde ich besser. Und die Diskussion „Du als Frau kannst keinen Mann besiegen“, die führe ich an dieser Stelle nicht. Ich kann, ich habe, ich werde. Punkt.

Fazit: Wer einfach nur SV sucht, der muss nun kein wie auch immer geartetes Wing Chun machen. Die beste SV bietet das System, das „dir“ liegt und das „du“ regelmäßig betreibst. Das kann Karate, Kung Fu, Krav Maga oder sonstwas sein. Nur Extremcouching nicht.

Gut, besser, Ich!

Die provokativ gewählte Überschrift soll kein Lobgesang auf meine Person sein. Auch, wenn ich wirklich selbstbewusst bin. Ich möchte heute auf Fragen eingehen, die mir immer wieder begegnen. Gemeint sind Fragen aus der Kampfsport-Welt. Wen das nicht interessiert, der darf an genau dieser Stelle mit dem Lesen aufhören. Alles gut.

Seit vielen Jahren wird mir die Frage gestellt, was das beste „System“ ist, die beste Kampfkunst, die beste Selbstverteidigung. Die Antwort ist ganz einfach: Das beste System gibt es nicht! Und schon sehe ich, wie sich die Kickboxer und Karatekas dieser Welt in Szene setzen und mir das Gegenteil beweisen wollen. Sollen sie, es schert mich wenig. Warum ist das so, was macht mich so „arrogant?“ Mit Arroganz hat meine Meinung nichts zu tun, aber mit in fast 26 Jahren erworbenem Können und Wissen. Denn im Gegensatz zu den meisten Sportlern, habe ich meine „Kunst“ jeden Tag trainiert. Ja, täglich! Und das kam so …

Als ich fünf Jahre alt war, hat mein Papa mit dem Karate Training bei mir angefangen. Mit unglaublicher Geduld hat er dafür gesorgt, dass ich nicht nur perfekt kickte. Auf den Knien sitzend hat er mir auch Aikido beigebracht und das aus dem Schwertkampf stammende Kendo. Wir haben meditiert und ich habe sowohl Kanji-Zeichen, wie auch Hiragana gelernt. Später kam noch das Katakana (und Romaji) dazu. Ihm war immer wichtig, dass ich Training als Gesamtheit verstanden habe, dass mein (rebellischer) Geist und mein Körper, eine perfeke Einheit bilden. Und dazu gehört seiner Meinung nach auch das Wissen um Zen-Buddhismus und Kalligrafie.

Selbst heute trainiere ich noch täglich, wenn auch völlig anders als in jungen Jahren. Yuki und ich gehen 2 x pro Woche ins Wing Chun und 2 x in ein Aikido-Dojo. Unabhängig davon kann man mich im Wohnzimmer Katas laufen sehen und Kicks aus dem Karate üben. Oder ich stehe wirklich mit einem Holzschwert im Wohnzimmer umd schlage auf imaginäre Gegner ein. Vielleicht mache ich auch nur einen Spagat und übe mit Yuki Chi Sao, die klebenden Hände aus dem Wing Chun. Unter anderem habe auch ich Taekwon-Do trainiert, Tai Chi Chuan und Hung Gar Kung Fu. Und seit einer Weile auch Wen-Do und Krav Maga. Ich war und bin immer offen für ein neues System, für neue Dinge. Ich halte nie an alten Zöpfen fest.

Nun gibt es die Meinung vieler Sensei und Sifu, dass nur der wirklich gut in etwas ist, der sich auf „seine Kunst“ konzentriert. Denen gebe ich durchaus recht! Aber so ganz bin ich dann doch nicht damit einverstanden. Und das hat einen bestimmten Grund. Nehmen wir das traditionelle Chinesische Kung Fu. Schön anzuschauen, mit oft tiefem Stand, imitiert es Tierbewegungen. Als Kung Fu über Okinawa nach Japan kam, hat es sich verändert. Japaner sind wahre Meister darin Dinge anzupassen. Egal, ob es die Kanj-Zeichen, oder eben nun Karate ist. Die verschiedenen Karate-Stile sind nichts anderes, als ein mehr oder weniger um überflüssige Bewegungen reduziertes Kung Fu. Ob die nun wirklich überflüssig sind, darüber lässt sich streiten. Karate ist nicht besser, es ist nur anders. Wirklich vergleichen kann man die Stile nicht.

Aber genau das wird immer wieder gern getan. Auf youtube finden sich unzählige Filmchen, die etwa „Kung Fu vs. Karate“ heißen, oder „Wing Chun vs. Kickboxing – must see!“ Letzteres Video sollte man sich nur anschauen, wenn man Ahnung hat. Sonst glaubt der Zuschauer wirklich, dass Wing Chun schecht ist. Aber schlecht, bzw. unerfahren, war der Mensch! Wing Chun ist Selbstverteidigung, Straßenkampf. Von einer Frau für Frauen entwickelt, unterrichtet es heute vorzugsweise Mann. Und macht gutes Geld damit. Leider. Dazu ein anderes Mal mehr. Jedes System kämpft nach Regeln, die zum Teil völlig unterschiedlich sind. Man kann auch Poker nicht mit Schafskopf vergleichen, das macht ebenfalls null Sinn. Wing Chunler praktizieren selten mit anderen Stilen, oder üben sich im Kampf. Das war nie der Sinn dieses Systems. Lässt ein Wing Chunler sich also auf Kämpfe mit Karate-, oder Taekwon-Do-Regeln ein, kann er nur den kürzeren ziehen. Er ist limitiert, sein Gegner darf aber quasi alles machen. Alles, was er aus seinem System kennt.

Egal, ob Judo, Aikido, oder Kung Fu. Ein Vergleich „Mann gegen Mann“ kann niemals fair ausgehen. Der Judoka ist dem Kung Fu Meister im Nahkampf überlegen. Wenn der clever ist, dann packt der Judoka ihn aber nicht. Und bezieht die Prügel seines Lebens. Auch „Karate gegen Kung Fu“ wird nicht wirklich funktionieren. Es wird schließlich nach irgendwelchen Regeln gekämpft. Vermutlich werden also beide KämpferInnen mehr oder weniger Kickboxing machen und  der, oder die bessere gewinnt. So einfach ist das. Mit einer Ausnahme, auf die ich näher eingehen möchte. Angenommen ein Shaolin Kampfmönch – lassen wir ihn 30 Jahre alt sein – und ein gleichaltriger Deutscher Meister im Karate stehen sich gegenüber. Diese Begegnung wird es im Normalfall nie geben, Mönche kämpfen eigentlich nicht. Wenn man weiß, wann die Ausbildung eines Mönches beginnt, so darf man ihm nun ca. 25 Jahre komplettes körperliches und geistiges Training unterstellen. Kampfmönch wird nur, wer außergewöhnliche Begabung zeigt.

Der Deutsche Meister trainiert vielleicht auch schon seit 10 – 15 Jahren. Aber er ist und bleibt Hobbysportler. Für den Mönch ist es Beruf(ung), den er täglich mehrere Stunden praktiziert. Dieser Kampf muss nicht stattfinden, der Ausgang steht bereits fest. Es sei denn, der Karateka ist ein neuer „Bruce Lee.“ Und das ist unwahrscheinlich. Der Karateka hat keine Chance, er wird gnadenlos vorgeführt und ausgekontert. Und genau an dieser Stelle stehe ich. Ich habe mich schon lange vom Wettampfsport abgewandt und praktiziere quasi eine Art Straßenkampf-System. Unkonventionell und vor allem ohne Regeln. Ich analysiere Gegner und Situationen und setzte instinktiv die richtige Technik ein. Oder bin clever genug, um den Kampf zu vermeiden. Denn unbesiegbar bin ich nicht. Nur schwer auszurechnen. Denn ich bin flink und klein.

„Du kannst niemals einen 100 Kilo Mann besiegen“,  hat man zu mir gesagt. Doch kann und habe ich schon. Wobei das natürlich keine wirklichen Gegner waren, sondern ganz normale Menschen. Dummheit wäre es, mich einem 100 Kilo Kickboxer nach seinen Regeln zu stellen. Da kann ich nur alt aussehen. Genau diesen Fehler sehe ich allzu oft. Was mache ich mit meinen 1,62 Meter und zur Zeit knapp 53 kg gegen einen solchen Mann? Auf Distanz bleiben? Toller Plan! Weglaufen ist eine Option, wenn möglich. Deeskalation ebenso. Geht das alles nicht, so muss ich mich ihm stellen. Aber auf Distanz ist er mir überlegen. Er hat längere Beine und mehr Kraft. Und genau da setze ich dann an. Ich gehe ihm entgegen! Wenn er tritt steht er nur auf einem Bein. Dann bin ich da und er (f)liegt. Wer das nicht glaubt soll sich die von mir sehr verehrte Yoko Okamoto ansehen. Sie ist ein 6. Dan im Aikido und mit der spaßt auch Mann nicht. Oder sucht nach Emi Yamagishi. Sie ist nur 1,49 Meter klein, 48 kg leicht und eine Meisterin im Judo. Sie hat mehrfach demonstriert, wie sie ohne jede Kraft und mit perfekter Technik deutlich schwerere PartnerInnen werfen kann. Auch, den 110 kg schweren Nicholas Pettas, der das kaum glauben konnte.

„Aber Sparring und Straßenkampf haben kaum etwas gemeinsam“, höre ich die Kritiker nun sagen. „Da herrschen andere Regeln.“ Genau richtig, erwidere ich. Nur gibt es auf der Straße keine Regeln. Dort kämpfe ich vielleicht um mein Leben und wende daher, an Wettkampfregeln gemessen, unfaire Mittel an. Unfair heißt, dass ich dem Gegner in die Augen steche, oder in den Unterleib und Kehlkopf schlage. Wenn ich es kann. Und das bringt mich zurück zum „besten System“ und den wahren Meistern. Was ist ein wahrer Meister? Wirklich nur jemand, der z. B. sein Hung Gar Kung Fu perfekt ausüben kann? Klar kann er das! Wer das 30 Jahre und länger täglich macht, der wird darin eine Perfektion entwickelt haben, die ohnegleichen ist. Blickt er aber nicht über den Tellerrand, behält er andere Systeme nicht im Auge, so kann das ein böses Erwachen geben. Und genau das habe ich immer gemacht und mir das Beste der verschiedenen Stile herausgepickt. Vielleicht werde ich dann niemals die Katas so schön laufen, wie ein reiner Karateka, aber ich werde kompletter sein.

Vor vielen Jahren wollte es eine (Jugend)Meisterin im Taekwon-Do genauer wissen. Sie hat mich mehrfach provoziert. Es gab dann einen „Freundschaftskampf“, aber nicht nach ihren Regeln. Im Taekwon-Do sind Schläge zum Kopf nicht erlaubt, was im Wettkampf gut, aber für die Selbstverteidigung totaler Blödsinn ist. Die „Kleine“ war größer und kräftiger als ich, aber eben nicht flinker. Sie hat versucht, die Reichweite ihrer langen Beine gegen mich auszunutzen. Gesprungene Drehkicks waren eine große Gefahr. Dumm nur, dass ich schneller war, höher sprang und ihr vermutlich noch immer das Köpfchen brummt. Ich habe sie mit einem ähnlichen Angriff klassisch ausgekontert. Zuvor hatte ich sie bereits mehrfach von den Beinen geholt. Heute kann ich darüber nur noch lachen. Alle hohen Kicks sind meist pure Show und wenig effektiv, wenn der Gegner schneller ist.

In einem weiteren Beitrag werde ich mehr über Wing Chun erzählen. Nicht über die Geschichte und Legende(n). Es geht mir darum aufzuklären, was alles möglich und was unmöglich ist. Den Grund werdet ihr dann lesen. Gut, besser, Ich! Dazu stehe ich ganz selbstbewusst. Ich habe mich gefunden, meinen Stil. Und das gilt nicht nur für Karate, Aikido und Kung Fu. Das gilt für mein gesamtes Leben und für meine Frau. Sayōnara!

Kochrezepte und Kung Fu

Heute habe ich mir einen besonderen Beitrag ausgedacht, ich werde der ganzen Welt beweisen, wie gut ich kochen kann!

Ein Sprint in die Küche. Wild blicke ich mich um, überlege kurz. Lässig öffne ich die Kühlschranktür. Grundstellung. Links lauern Hähnchenbrustfilets. Die sind kein Thema, aber weiter unten wird es schärfer. Meine Kung Fu Faust stößt vor und elegant greife ich den Paprika und Knoblauch an. Eine Chilishote will sich verstecken. Auch sie hat keine Chance!

Ich verlagere das Körpergewicht. Eine Drehung zum Messerblock. Doppeldeckung. Er wehrt sich nur kurz. Mit einem Kampfschrei stürze ich mich todesmutig auf das Gemüse und schneide die Paprika in schmale Streifen. Fetzen fliegen. Ich wechsele zur Gottesanbeterin Technik. Zack zack zack … So muss das sein!

Auf flinken Socken rutsche ich quer durch die Küche zum Vorratsschrank. Tiefer Shaolin Stand, ein Griff ins gut gefüllte Innere bringen je eine Flasche Erdnuss und Sesamöl ans Tageslicht. Pfeffer, ich brauche noch Pfeffer. Der ist gefährlich, beißt gern in Nase und Gaumen. Atemtechnik. Geschafft! Und eine Karotte sollte es noch sein und natürlich die lecker süße Sojasauce. Ich entspanne mich, atme aus. Das war großes Kung Fu!

Ich konzentriere mich erneut. Noch einmal der tiefe Stand. Kettenfauststoß. Aua! Ich bin getroffen, die Somen Nudeln attackieren meine Haut. Wer hat nun wieder die Packung aufgelassen? Ich drehe die Hand und packe fest zu. Feinste Wing Chun Technik. Ich bin zu gut für diese Welt!

Wieder eine schnelle Drehung. Gefahr! Die noch offene Schranktür will mich attackieren, aber ein Absatzkick lässt sie krachend ins Schloss fallen. Mit mir doch nicht! Es scheppert laut. Ein fliegender Topf! Ich greife an, nutze sein Gewicht gegen ihn. Wasser, Salz, Nudeln! Nach ca. 5 Minuten ergeben sie sich der Hitze. Walle walle manche Strecke …!

Ein zweiter Topf wird angegriffen. Wasser fließt. Hitze wallt, leicht siedet das Nass. Da, hier, dort … ich werfe das Hähnchenfleisch ins weiche Wasser, salze nach wie einst Ilsebill. Nun muss es garen, köcheln. Leicht. Bruce wäre stolz auf mich!

Ein Sprung zur Wand. Schon ertönt der Gong zur nächsten Runde. Löffel trifft auf Pfanne, in der das Erdnussöl nun leicht erhitzt. Ich nicke zufrieden und erstarre. Etwas stimmt nicht. Ich habe den Sesam übersehen. Hinterhältige Ninja Körner die ihr seid! Aber wo nur? Da! Ein Schrei, ich rutsche, lande in Yukis Armen.

„Was bitte machst du da?“
„Kochen mein Schatz, kochen.“
„Nee, ist klar Süße.“
Yuki schaut sich um, schüttelt den Kopf.
„Die Küche ist kein Trainingscamp. Wolltest du nicht einen Beitrag bloggen …?
Ich strahle meine Elfe an, gebe ihr einen Kuss. Bin weg …

… und Yuki schreibt diesen Beitrag weiter:

Für dieses Gericht brauchen wir
500 g Hähnchenbrustfilet
je eine Chili- und eine Paprikaschote
2 Karotten, 2 TL Szechuanpfeffer, 2 Knoblauchzehen und 6 EL Sesam
5 EL süße Sojasauce, 6 EL geröstetes Sesamöl und 400 g japanische Somen Nudeln
Erdnussöl

Der Sesam wird in einer Pfanne ohne Öl angeröstet, die Nudeln in etwas Salzwasser 3-5 Minuten gekocht. Paprika, Möhren, Knoblauch und Chili klein hacken, in die Pfanne mit dem erhitzten Erdnussöl geben und ca. 5 Minuten anbraten. Sesam, Szechuanpfeffer, Sojasauce, das Hähnchenfleisch sowie das Sesamöl dazugeben und 3 Minuten umrühren. Falls es zu trocken ist: Einen Schuss Wasser hinzugeben. Es muss nun nicht zwingend süße Sojasauce sein, oder Szechuanpfeffer. Und wer keine Somen Nudeln findet, darf auch gern Alternativen ausprobieren. Ein großes Rezept ist das nun nicht. Aber stellt euch nur vor, was meine Süße sonst noch alles angestellt hätte!