Wenn Sexismus in die falsche Richtung geht

Dass Sexismus nicht nur ein Hirngespinst ist zeigt ein am Dienstag bei youtube veröffentlichtes Video. Darin ist die Schauspielerin Shoshana Roberts zu sehen, wie sie beim normalen Schlendern durch New York von Männern angesprochen und (sexuell) belästigt wird.

Vielen Dank an dieser Stelle an die „Lesbomatin“, die auf ihrem Blog bereits auf das Video aufmerksam machte. Bei meiner Online-Recherche bin ich dann auf einen Bericht von SPIEGEL-Online gestoßen, der von Morddrohungen gegen die Schauspielerin berichtet.

Auch, wenn sich das Video nicht 1:1 auf Deutschland übertragen lässt, hat jede Frau schon Bemerkungen wie diese erlebt. Besonders krass ist der die Schauspielerin verfolgende Afro-Amerikaner, der dies mehr als fünf Minuten tat. Und das am helllichten Tag! Für ein solches offen ausgelebtes sexistisches Verhalten fehlt mir jegliches Verständnis.

Zum Originalpost der Lesbomatin geht es hier:  KLICK MICH

Auf den Link zum SPIEGEL verzichte ich. Ich bin überzeugt davon, dass meine LeserInnen den Weg dorthin selbst finden.

Ohne Mann fehlt dir was

Sexismus gegen Frauen ist leider noch immer die Regel auf der Welt. Wer anderes behauptet verschließt die Augen vor der Wirklichkeit. Mann vor allen Dingen, geht der Sexiusmus doch von seiner Seite aus. Der Knaller sind dann die Vatertypen, die einen jovialen Sexismus pflegen. „Stell dich nicht so an“, wird gern gesagt“, das ist doch alles halb so wild.“

Genau solche Sätze sind es, die mich oft wütend machen. Mann stelle sich nun bitte vor von gierigen Frauenhänden begrapscht zu werden, wenn er eine überfüllte Bar betritt. Vielleicht würde das der ein oder andere sogar mögen. die Mehrheit der Männer sicher nicht. Und bestimmt kein gestandener Bankdirektor, der zigfacher Großvater ist. Aber Frauen müssen das oft genug erdulden und schweigen meist aus Scham.

„Nicht schon wieder!“, höre ich meine männlichen Leser stöhnen. Und „Ich fühle mich auf mein Geschlecht reduziert.“
Wer so denkt versteht meine Intention leider falsch. Dem kann ich auch nicht helfen.
Pauschale Angriffe gegen die Spezies Mann führe ich nur selten. Ich habe schon lange meinen Frieden mit ihr gemacht. Nachzulesen hier: Klick mich, oder lass es sein. Aber im Leben jeder Frau gibt es Szenen, die niemals geschehen sollten. Und die kein gutes Bild auf gewisse Männer werfen. Davon handelt dieser Bericht.

Die täglichen Übergriffe auf Frauen, die versteckten, oder offenen Belästigungen, waren mir seit jeher ein Gräuel. Und ich kenne genug Heten, die das ebenso sehen. Mit sexueller Orientierung hat das nichts zu tun. Deren Fokus liegt sowieso bei Mann, der Frau gern auf Busen und Po reduziert, als Objekt seiner Lust. Aber lustig ist anders und mit Spaß hat das wenig zu tun. Aktuell gibt es zwei Fälle, die mich wieder rebellisch machen.

Fall 1: Eine Freundin aus der Lesbenszene sucht einen neuen Job. Sie ist gelernte Einzelhandelskauffrau, hat aber auch schon als Bedienung in Kneipen gejobbt. Der Bezirksleiter einer Discounter-Kette bittet sie nach 20 Uhr in einem seiner Märkte zum Vorstellungsgespräch. Vorher habe er keine Zeit sagt er am Telefon. Katja ist ein fraulicher Typ, kurze, dunkle Haare und sehr hübsch. Sie erzählt, wie der Mann sie mit Blicken verschlungen habe. Aber damit kann sie, auch wenn es unangenehm ist.

Spontan habe er ihr eine Stelle als seine Assistentin angeboten. Sie solle dafür dann mit ihm auf Geschäftsreisen und abends mit ihm essen gehen. Bei Katja läuten sofort die Alarmglocken, ihr wird endlich klar, um was es dem Mann wirklich geht. Als sie gehen will erweist sich die Tür als verschlossen. Auf ihre Aufforderung hin sie zu öffnen, hat der Mann nur gelacht und keinen Finger gerührt. Erst als sie droht per Handy die Polizei zu rufen ist er wieder normal geworden. Den Job hat sie natürlich nicht bekommen.

Fall 2: Ein heißer Tag im Juli. Irina steht im Supermarkt an der Fleischtheke, sie ist nur knapp bekleidet. Das Miniröckchen bringt ihre langen Beine perfekt zur Geltung, blonde Haare umrahmen ein Feengesicht. Das ärmellose T-Shirt zeigt mehr, als es verbirgt. Und schon ist Mann in seinem Element. Die Lust erwacht, zeigt Frau doch für ihn eindeutige Signale. Und die heißen „Ich will Sex mit dir.“ Harter Schnitt. Einspruch, Euer Ehren!

Nur leider gibt es keinen Einspruch für Irina. Der verschwitzte Kerl neben ihr reibt deutlich sichtbar unter dem Blaumann sein Geschlecht. Zwei Jugendliche lachen nur, als der Mann stöhnend in seine Hose ejakuliert. Die Verkäuferin schaut weg, Irina ist schockiert. Die Szene ist genau so passiert. Irina hat uns den Vorfall in Tränen aufgelöst erzählt. Im Supermarkt wollte ihr niemand helfen, Man(n) hat nur gelacht. Irina geht zur Polizei und wir begleiten sie. Bis heute ist der Mann nicht gefunden. Hat man(n) wirklich nach ihm gesucht?

Weitaus harmloser, aber durchaus bezeichnend, ist ein Vorfall aus meiner Studienzeit. Der Ort ist die Mensa. Die Beteiligten sind mehr oder weniger arrogante BWL-Studenten.
Meine Mädels und ich sind mit dabei. Ungern zugegeben, aber es war eigentlich ein Arbeitskreis.
Nur drifet die Diskussion schnell ab. Und daran ist Florian schuld. Er gilt als Playboy, Schönling, Womanizer. Und mit Lesben hat er ein Problem, wie ich sehr schnell bemerke.
„Diese blöde Sexismus-Debatte kann ich nicht mehr ertragen“, lässt er mich wissen. „Ihr Frauen tragt doch die alleinige Schuld am männlichen Verhalten. Schaut euch doch nur an!“
„Männer können besser schauen, als denken“, kontere ich lässig. „Aber das wusste ich schon immer und mein Hintern ist nicht für dich.“
Frauen an die Macht.

Florian lacht bitter und holt tief Luft.
„Ihr zieht euch doch extra geil an damit wir scharf werden“, ist seine Meinung. „Und wenn wir dann um euch werben dann wollt ihr angeblich lesbisch sein.“
„Ich bin nicht angeblich lesbisch“, erwidere ich und strahle ihn an. „Das war ich immer schon und werde es immer sein. Wo ist nun dein Problem? Samenstau zu Hause?“
Karin muss laut lachen und Natalie wird rot.
Florian ist mir nicht gewachsen, er steht auf und geht.
Er hat mich nie wieder dumm angemacht.

Ich könnte die Liste sexistischer Übergriffe noch endlos weiterführen und mehr oder weniger krasse Fälle schildern. Aber jede Frau hat diese schon erlebt. Vielleicht nicht einmal bewusst wahrgenommen, ist dieses Verhalten doch schon alltäglich geworden. Und genau dagegen wehre ich mich. Und jede Frau sollte das ebenfalls tun. Vor allem gewisse Politikerinnen, die den Konflikt zwischen den Geschlechtern als längst überwunden ansehen. Aber vermutlich hat Mann das so in seiner engelhaften Güte vorgegeben. Denn ohne Mann fehlt Frau ja angeblich was.

Frauen sind die besseren Menschen

Die Sexismus-Debatte treibt neue Blüten, Gender-Wahn ist in aller Munde. Natürlich ruft das die (S)Expertin Frau Dr. Nandalya Landar (NL) auf den Speiseplan, mag sie doch gern Männer zum Frühstück vernaschen. Antenne Sex (AS) hat für Amazonien-TV ein Interview mit der alleits (un)beliebten Dame geführt. Dabei ging es nicht nur um die Frage, ob Frauen die besseren Menschen sind.

AS: „Guten Morgen, Frau Dr. Landar. Wir freuen uns Sie heute begrüßen zu dürfen. Sie haben ja ein neues Buch geschrieben: Männer sind wie Schwarze Löcher. Wie kamen Sie auf die Idee und um was genau geht es in dem Buch?“
NL: „Lassen Sie mich zunächst meinen Leserinnen und Lesern danken, die mir seit Jahren die Treue halten und auch mein neues Buch auf den ersten Platz der verspiegelten Liste gewählt haben. Wie Sie vielleicht wissen bin ich eigentlich Science Fiction Autorin. Und in dieser Eigenschaft wollte ich ein Buch über ein Raum- und Zeitübergreifendes Schwarzes Loch verfassen. Ein Loch, das sich immer weiter ausdehnt und alles auf seinem Weg anzieht und verschlingt. So, wie eben Mann das macht.“
AS: „Das klingt durchaus spannend, Frau Dr. Landar. Aber auch wieder sexistisch und gegen Mann …“

NL (schnauft hörbar): „Sexistisch? Erlauben Sie mal! Frauen werden seit Jahrtausenden unterdrückt. Nun, da wir endlich unsere Stimme erheben und unsere Frau im Leben stehen, beschwert sich Mann, dass er raus sei.“
AS (leicht verwirrt): „Wie genau meinen Sie das?“
NL (amüsiert): „Frau hat die Lust am eigenen Körper entdeckt und dass sie auch ohne Mann glücklich sein kann. Im Gegenteil beschert eben diese neue Lust ihr endlich das Vergnügen, das ihr Mann meist nicht zu geben vermag. Und wer braucht schon lächerliche 15 Zentimeter mehr zum Glück?“

AS (verägert): „Nur so nebenbei, ich habe 18 Zentimeter und noch jede Frau damit glücklich …“
NL (lacht laut): „Gemessen von der Pobacke bis zur Spitze, oder wie? Aber lassen Sie uns nicht über Größe streiten, die haben Männer meist nicht.“
AS (knirscht hörbar mit den Zähnen): „Einverstanden. Wie also kamen Sie auf den Titel zum Buch?“
NL: „Ich habe mir Schwarze Löcher genau angeschaut. Allen gemeinsam ist der sogenannte Ereignishorizont. Dahinter ist dann das Nichts. Und genau so sehe ich die Männer. Sie ziehen Frau in ihren Bann, entziehen ihr jegliche Energie und lähmen sie dann für immer.“

AS (stößt hörbar die Luft aus): „Und ich dachte immer, es sei genau umgekehrt. Frauen fangen Männer ein, erziehen sie um und formen sie nach ihrem Willen.“
NL: „Ja und? Was sonst sollten sie mit diesen unreifen Wesen machen? Oft muss Frau Mann ja noch aus Muttis Kellerwohnung holen, ihn neu einkleiden und zum (Intim)Friseur schleppen. Lange Haare waren gestern, heute ist weiche Haut angesagt! Und Wolle sollten nur Schafe tragen, wissen Sie?“
AS (mit leicht aggressivem Unterton): „Der weltweite Sexismus gegen Männer hat inzwischen enorme Ausmaße angenommen. In der Werbung werden sie gerne als überflüssige Trottel dargestellt, die ohne Frau lebensunfähig wären. Und das kann man so einfach nicht stehen lassen!“
NL (amüsiert): „Wer bitte bekommt Kinder? Ohne Frauen gäbe es keinen Mann!“
AS: (hämisch): „Und auch keine Frau!“

NL (mit eisiger Stimme): „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden. Dieses starre, patriarchisch geprägte und oft gewalttätige Denken. Ich sage ja nicht, dass Männer völlig überflüssig sind, aber sie müssen sich einfach neu definieren. Die Rolle als Ernährer hat ausgedient. Auch Männer können kochen.“
AS (halbwegs versöhnt): „Ja, das stimmt! Ich koche für mein Leben gern. Aber das Geld verdiene immer noch ich.“
NL (belustigt): „Na ja, Ihre Frau hat auch keine Zeit dafür. Die liegt ja noch mit der Nachbarin im Bett.“

An dieser Stelle musste das Interview leider beendet werden. Der Reporter von Antenne Sex hatte einen Herzinfarkt.

Der reduzierte Mann

Mann ist in der Krise, das haben wir schon seit Jahren gewusst. Zurückgesetzt, dem Weibe untertan, so soll sich Mann nun fühlen. Zumindest dann, wenn es nach einigen Autoren geht. Und haben die nicht immer Recht? Ich muss bei solchen Sätzen immer lachen. Die Realität sieht anders aus. Das soll kein Hetzartikel über Männer werden. Nur (m)eine Sicht der Dinge. Und ich kann nur hoffen, dass Mann damit umgehen kann. Wenn nicht: bitte hier aufhören zu lesen. Vielen Dank.

Angeblich fühlt Mann sich unverstanden, wenn die Feministin das Kommando führt. Dumm nur, dass die wenigsten Frauen Feministinnen sind. Allenfalls kollidiert also Mannes Ego, mit dem von Frau. Und genau da sehe ich das Problem. Feminismus ist gut und wichtig, steht er doch für die Rechte von Frau. Ohne diese Bewegung wäre unser Leben noch ziemlich flau. Darüber werde ich auch nicht diskutieren. Fakten bleiben Fakten. Und vor einigen hundert Jahren, sah die Welt noch anders aus.

In Studien und Interviews, Kolumnen und Büchern, fühlt Mann sich abgewertet, gar auf sein Geschlecht reduziert. Beklagt wird, dass sein Verhalten den Frauen nicht passt. Egal was er täte, es gäbe Schelte und harsche Worte. Und das liebe Männer, ist einfach nicht wahr. Zwar kenne ich wenige Männer, aber durchaus ihr Verhalten. Und das wirkt oft genug überheblich, sexistisch und dominant. Nur bin ich kein „kleines Frauchen“ und lasse genau das nicht mit mir machen. Ich wehre mich. Und das kann ich gut. Streit vorprogrammiert.

Mein und Mannes Ego kollidieren oft. Was nicht immer nur in meiner Person zu finden ist. Mann sieht eine kleine, asiatische Frau und fühlt sich überlegen. Nur passe ich weder in sein Beuteschema, noch will ich seine Untergebene sein. Ausnahmen sind Männer wie mein Vater, oder Wolf, die einfach anders sind. Auch der ein oder andere Blogger, der mir ein anderes Männerbild zeigt. Was ich durchaus gut finde. Auch mein Leben ist ein Lernprozess.

Was mir immer wieder auffällt, ist Mannes Benehmen bei Frau. Das klassische Rollenverständnis sieht ihn an erster Stelle, er bestimmt und dominiert. Dieses Bild wandelt sich langsam. Immer mehr selbstbewusste Frauen treten für ihre Rechte ein und verunsichern damit den Macho-Mann. Plötzlich weiß er nicht mehr wo er steht und findet sich vielleicht in der Küche wieder. Nur, wo ist das Problem? Eure Liebsten werden euch auf Händen tragen. Bildlich gesprochen. Also ab dafür.

Nun gestehe ich Mann durchaus zu, dass er mit gewissen Vorteilen ausgestattet ist. Körperlich gesehen. Aber dicke Muskeln machen keinen Chef. Wirklich stark sein ist anders. Und Intelligenz hat nichts mit Muskeln zu tun. Auch Frauen wissen mittlerweile was sie wollen. Viele mit, viele ohne Mann. Bücher wie „Der dressierte Mann“, „Das entehrte Geschlecht“, oder „Was vom Manne übrig blieb“, sollen Linderung für Mannes arme Seele bringen. Geschrieben von vermutlich „echten Kerlen“, bauen sie den Leser wieder auf.

Mann klagt, jammert und lamentiert sehr gern, dass Frau ihn auf sein Dasein reduziert. Aber was bitte soll das sein? Frau bekommt noch immer klassisch Kinder, während Mann sie macht. Theoretisch zumindest. Als Lesbe brauche ich keinen Mann. Aber nehme ich ihm damit die Macht (in der Welt)? Über mich und meinen Körper schon. Aber ohne Sperma geht es leider nicht. Auch Lesben wollen Kinder haben. Aber ohne Stress, harte Worte und Weinseligkeit. Prost, meine Herren!

Mann erlebt vielleicht in reduzierter Form, wie es Frau seit vielen tausend Jahren geht. Plötzlich fühlt er sich unterdrückt. Und wieder muss ich lachen. Das Problem von Mann: er sieht seine Felle wegschwimmen, seine von keinem Gott gegebene Rolle. Die Rolle hat der Mensch erfunden, der gern andere unterdrückt. Nur unterdrücken Frauen keine Männer. Und sie vergewaltigen sie auch nicht. Sie machen sich allenfalls lustig. Und es adelt den Mann, der dafür ein Lächeln hat. Wir lachen mit. Wo ist das Problem?

Ich bin nicht sexistisch und hasse Männer nicht. Mein Bild von Mann hat sich über die Jahre gewandelt. Ich stehe meine Frau im Leben. Gern auch im Team mit Mann. Wolf und seine Truppe sind ein Beispiel dafür. Ich mag die Typen wirklich gern.  Mein Fazit und abschließendes Plädoyer für Mann: nur mit Respekt und Toleranz, wird es zu einer gewissen Gleichheit kommen. Im Endeffekt reduziert Mann sich selbst, wenn er in Sachen Frau noch im Mittelalter lebt. Und da gehören beide Geschlechter nicht hin. Oder sieht das wer anders?

Sexismus und mein radikales Ich

„Na, kleine Frau? Kann ich Sie auf einen Drink einladen?“
Die Stimme gehört Mann. Typ Handelsvertreter. Schwitzige Achseln und so riecht er auch.
Dunkle Knopfaugen dominieren ein feistes Gesicht. Rotbäckchen im Wohlstandsüberfluss.
Der Mann mag um die vierzig sein. Übergewicht regiert.
Ich sehe ihn betont mitleidig an.
„Falsche Baustelle“, sage ich. „Und die falsche Bar.“

„Ach kommen Sie schon, lässt er nicht locker und geht näher auf mich zu.
„Abstand halten!“, sage ich bestimmt und hebe die rechte Hand.
Wie ein Tanzbär tappst er auf mich zu. Wer hat den hier reingelassen?
Der Queer-Club ist für alle Menschen offen. Aber Heterosexuelle kommen kaum.
Ich bin 19 und nicht gut auf Mann zu sprechen. Vor allem nicht auf den.
Schon der sexistische Spruch „kleine Frau“ macht mich aggressiv.
Mit solchen Sprüchen kann ich nicht.

Dümmlich lächelnd blubbert er mich weiter an und greift nach meiner Hand.
Ein Fehler, den er sofort bereut.
Der Kick in die Kronjuwelen lässt diese klingeln. Ächzend geht er in die Knie.
Die Türsteherinnen eilen herbei und schauen belämmert.
„Sorry“, sagt Ronja. „Kommt nicht wieder vor.“
Muss ich immer alles selber machen?

Zwei Wochen später bin ich auf einer Feier. Die Tante meiner Freundin Silvia hat geladen.
Vierzig ist eine runde Sache. Die Menge lacht und ist vergnügt.
Ich verliere Silvia aus den Augen und unterhalte mich gut.
Plötzlich erklingt ein spitzer Schrei.
Silvia!
Der Weltrekord im Raum durchqueren fällt, als ich nach 2 Sekunden die Szene betrete.
Mit offener Hose steht Silvias Onkel vor ihr. Angetrunken, aber hart.
Nur Silvias Tränen retten ihn an diesem Tag vor mir.
Aber er hat seine Strafe noch bekommen.

Im gleichen Jahr, der Sommer.
Eine Runde aus verschiedenen Leuten. Freunde, Bekannte, Männer und Frauen. Lesben, Schwule, ein heterosexuelles Paar.
Sex ist das Thema des hetero Mannes, der gierig alle Mädels mit den Blicken verschlingt.
Wer hat den nun wieder eingeladen? Ich mag ihn nicht.
Als er darüber spricht, wie er seiner Freundin ins Gesicht ejakuliert und wie „geil“ sie das findet, wird es mir zuviel.
Ansatzlos und ohne Warnung trifft ihn das Wasser aus meinem Glas.
„Wie fühlt sich das an?“, frage ich. „Stehst du drauf? Ist das geil für dich?“
Er wird wütend.
Diesmal hält mich keiner auf.

Drei Beispiele, drei Situationen aus meinem Leben. Das war mein radikales, mein jüngeres Ich. Wenig damenhaft, ich weiß. Aber wer will schon einem Klischee entsprechen?
Und mit Sexismus kann ich einfach nicht. Egal ob offen, oder versteckt. Oder verborgen jovial. Und das hat nichts mit lesbisch zu tun. Nur mit dem Selbstbewusstsein von Frau.
Und daran scheint es vielen zu mangeln. Daher werden sie betatscht, belabert und mit dümmlichen Werbesprüchen eingelullt.

Ihr wahres Potential erreicht Frau oft nicht. Statt Doktorandin zu werden bricht Frau lieber das Studium ab. Statt für ihre Rechte einzustehen zerfleischt sie sich in Selbstmitleid, wenn Mann sie links liegen lässt. Oder jammert, wie schlecht es ihr doch geht, wenn sie keinen hat. Damals bin ich zur Feministin geworden, damals habe ich meinen Weg gefunden.
Aber wenigstens wehre ich mich und nehme nicht alles hin. Damals waren es Kicks. Heute sind Worte mein Kick. Hat wer Lust mit mir zu „kicken“?