Starke Frauen: Rika Usami und Kiyou Shimizu

Freundinnen, die seit Jahren meinen Blog verfolgen, haben mir zum 5. Dan gratuliert. Leider konnte ich bisher keine dazu bewegen, auch einen Kommentar zu schreiben. Haben die etwa Angst?

„Ich erstelle mir doch keinen Blog!“, ist der einhellige Tenor, „es reicht doch, wenn ich dir eine Mail / SMS schicke!“ Das sehe ich natürlich anders und drohe scherzhaft Konsequenzen an. Aber die Mädels fühlen sich sicher, schließlich lebe ich weit entfernt.

Linda, mit der ich lange in Stuttgart Kurse gab, erinnert mich in einem Telefongespräch an zwei Videos, die ich schon lange mit meinen LeserInnen teilen wollte. Die beiden Filme zeigen die Japanerinnen Rika Usami und Kiyou Shimizu, die eine Kata in Reinkultur vorführen.

Eine Kata im Karate ist eine Übungsform, die aus stilisierten Kämpfen besteht, welche jedoch im Karate meist gegen imaginäre Gegner geführt werden. Ich kenne viele davon und kann sie auch gut laufen. Aber gegen die beiden Mädels aus dem Video, hat auch eine Mayumi keine Chance. Schon sehe ich Unverständnis auf den Gesichtern meiner LeserInnen und höre die Frage „Warum ist das so?“

Die Antwort ist einfach, Kata zu laufen ist für die beiden ein Beruf. Während ich mich auf reine Kampfkunst und Selbstverteidigung konzentriere, die Kata nur als Pflicht im Training zeige, ist sie für diese beiden die Kür.

Wer sich nun vielleicht die Frage stellt, ob ich die beiden bei einem Zweikampf – Kumite – schlagen könnte, der hat Karate noch immer nicht verstanden. Sportkarate hat Regeln, ich lehre pure Selbstverteidigung.

Ich bin stolz auf die Leistungen der beiden jungen Frauen, die fast wie Schwestern wirken. Niemand präsentiert eine Kata besser als sie. Das erste Video zeigt Rika Usami, die 2013 ihre Goldmedaille gewann und danach (fast!) Tränen zeigte. Dieser emotionale Ausbruch, hat ihr damals die Herzen zufliegen lassen.

Auch das Herz einer Kiyou Shimizu, die nun ihre Nachfolgerin ist. “I wish that my Kata will impress many people“, hat sie vor einigen Jahren in einem Interview gesagt. Und dann ist ihre Zeit angebrochen, nachdem Rika ihren Rücktritt erklärte. Nun ist sie die Königin.

 

Über Lindas Frage „Bist du bei den Spielen in Japan dabei?“ musste ich schmunzeln. Selbstverständlich werde ich dann in Japan sein und mir so viel wie möglich von Olympia und seinen starken Frauen ansehen.

 

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Kuro-obi – Black Belt

Auf besonderen Wunsch einer Leserin, aber eigentlich weil ich es so möchte, wird es nun doch diesen Beitrag über meine (unsere!) Dan-Prüfung(en) geben. Er bildet die Ankunft in Japan und die jüngere Vergangenheit ab. Viel Spaß beim lesen.

Japan, Fukuoka, Heimat. Nie zuvor, habe ich das derart intensiv empfunden. Bin ich keine Deutsche mehr? Deutschland hat mich tief geprägt. Dafür werde ich auf ewig dankbar sein. Aber ich bin und bleibe Japanerin. Und so ist es gut.

Die Tante, der Onkel und meine Eltern erwarten uns in Fukuoka. Die Begrüßung ist für japanische Verhältnisse herzlich. „Hallo mein kleines Mädchen“, höre ich meine Mutter sagen. Hat sie etwa Tränen im Gesicht? Mein Papa schmunzelt, als ich „Hast du mich vermisst, Väterchen?“, frage.

Yuki freut sich ebenfalls. Familie ist nun mal wichtig, das habe ich schon immer gesagt. Und Yuki gehört ganz selbstverständlich dazu. Meine Cousine wird sofort von allen bemuttert. Die verlorene Tochter ist heimgekehrt. Wird die Therapie halten? Alle hoffen es.

Die Mädchen sind müde aber glücklich, so viele bekannte Menschen zu sehen. Ken wirkt traurig. Sein Freund hat sich feige per SMS getrennt. Manche Menschen sind einfach nur Idioten. Aber Ken schüttelt den Kopf, als ich meine Hilfe anbiete.

Glück und Tränen

Yuki vermisst ihre Eltern. Das war schon in Santa Barbara so. Was sie nicht weiß, die beiden sind längst in Japan angekommen. Kurz darauf fließen bei Elfchen die Tränen vor Glück und ihre Mutter weint gleich mit. Was die nur immer haben! Ich bin natürlich völlig cool.

Es fühlt sich ungewohnt und doch richtig an, um diese Jahreszeit in Japan zu sein. Ich mache einige schlechte Bilder der vorweihnachtlichen Hakata Station. Die spinnen meine Japaner! Aber so sind wir, traditionsbewusst und doch Neuerungen aufgeschlossen. Und auch Santa Claus habe wir natürlich adoptiert.

Es gibt viel zu erzählen, die Zeit vergeht wie im Flug. Nach einer kleinen Ewigkeit landen wir todmüde im Bett. Ich träume klar und laufe über verschneite Wiesen. Neben mir freut sich die Inari. Auch sie werde ich besuchen. „Du bist zu Hause, Mayumi“, sagt sie leise. „Ich freue mich auf dich.“

Dojo

Die Tage vergehen, im Dojo assistiere ich meinem Vater, der plötzlich die höheren Kata von mir sehen will. Was hat er nun schon wieder vor? Ich tue ihm den Gefallen und laufe sie perfekt. Nur die amtierende Weltmeisterin kann das noch besser.

Aber die, um einen Vergleich mit Autorennen zu ziehen, fährt in der Formel 1. Ich nur in der Oberliga. Die SchülerInnen schauen fast ehrfürchtig zu. „Das ist doch keine Meisterschaft!“, liegt mir auf der Zunge, aber ich verkneife mir den Satz. Manchmal kann auch ich ein Engel sein.

Es macht Spaß in Japan zu trainieren. Alles ist vertraut und doch ganz anders. Disziplin wird hier bewusst gelebt. Im Ausland wird Karate oft mit Kickboxen gleichgesetzt. Ein Fehler, der fatale Folgen haben kann.

Traditionelles Karate kennt keinen Erstangriff, aber die Verteidigung ist effektiv. Der aus dem Karate entstandene Sport lässt den spirituellen Hintergrund vermissen. Salopp ausgedrückt prügelt man sich dort nur.

Der Test

Bekanntlich ist mir ein Teil der Wartezeit zum 4. Dan erlassen worden. Alles ist möglich, wenn man das von offizieller Seite will. Yuki wird für den 1. Dan geprüft. Sie ist ein wenig aufgeregt, aber guter Dinge. Und dann ist es endlich soweit.

Ich verzichte auf die Einzelheiten der Prüfung, die wären nur für wirkliche Kenner interessant. Yuki besteht mit Bravour. Ich habe die Ehre ihr den Schwarzen Gürtel umzubinden. Sie war schon immer (m)eine Meisterin. Nur auf den Kuss muss ich verzichten. Manche Regeln gelten auch für mich.

Dann bin ich an der Reihe. Unter kritischen Blicke zeige ich mein Können, beantworte Fragen und erkämpfe mir den Weg im Kumite. Wie immer muss ich mich zügeln und darf keine fremden Techniken nutzen. Normalerweise mache ich das instinktiv.

Hochkonzentriert beende ich den letzten Prüfungsteil. Plötzlich gibt es eine unerwartete Pause. Ist irgendwas passiert? Man bittet mich um einen Augenblick Geduld, die Prüfer beraten sich.

Kein Zweifel

Ich habe keinen Zweifel, dass ich bestanden habe. Aber etwas geht hier vor, das ich nicht auf der Rechnung habe. Ein älterer Sensei mit freundlichen Augen winkt mich herbei. Neben ihm sitzt mein Vater und der Rest der Kommission.

Japaner haben die Fähigkeit völlig ausdruckslos zu blicken. Das kann ich besser und schaue ungerührt zurück. Bei meinem Vater hat das noch immer in einem Schmunzeln resultiert. Man(n) teilt mir mit, dass ich die Prüfung bestanden habe. Plötzlich kommt ein „Aber …“

„Ihre Leistungen sind außerordentlich“, beginnt der alte Mann. „Wir haben das sehr ausführlich geprüft und auch wenn Sie normalerweise aufgrund ihres noch jungen Alters und der soeben erst bestandenen Prüfung zum 4. Dan, die Voraussetzungen für den 5. Dan nicht erfüllen, wird es, auf Antrag ihres Lehrers, eine Ausnahme geben. Sind Sie bereit?“

Yukis fassungsloses Gesicht werde ich nie vergessen. Für einen Moment spüre ich einen kleinen Stich im Bauch. Dann blicke ich in die Augen meines Vaters. „Du verdienst es!“, lese ich dort und er nickt mir aufmunternd zu. Einige Stunden später erhebt er mich in die Meisterklasse.

Meisterlich

Dan-Grade zu überspringen ist eine absolute Ausnahme und war lange verpönt. In meinem Fall und das erklärt man mir auch, ist es die lange Trainingszeit, meine überzeugende Darstellung der Techniken und mein Wissen, die diesen Schritt erst möglich machen.

Vermutlich liegt es auch daran, dass man Nachwuchs braucht und daher fördert. Und so ein wenig ist es Respekt vor meinem Vater, der immerhin einer Berufung folgte und die Jugendauswahl für Olympia trainiert.

Auch zahlt sich aus, dass ich bei meinen zahlreichen Seminaren immer „Gōjū-Ryū Karate“ unterrichtet habe. Zumindest auf dem Papier. Jetzt verstehe ich endlich, warum Schlitzohr Papa Kopien davon wollte. Diese Seminare werden als außerordentliche Leistung gewertet.

Ich brauche keinen Dan, als Aushängeschild, aber diese Ehrung erfüllt mich mit Stolz. Wer nun glaubt man habe mir diesen Gürtel geschenkt, der hat keine Ahnung von Karate! Die Prüfung war ultrahart, jeder Schritt, jede Antwort musste stimmen.

Eigentlich, das sagt man mir auch, hätte es keiner Prüfung bedurft. Wieder war es mein Vater, der genau darauf bestand. „Um Vorteilnahme auszuschließen“, erklärt er mir später. Das finde ich gut, er hätte mir den Gürtel auch schenken können, Dan Grade können in Ausnahmefällen ohne technische Prüfung vergeben werden.

„Und was erwartest du dafür?“, will ich von meinen Vater wissen, als wir wieder zu Hause sind. „Dass du eine gehorsame Tochter bist“, kommt seine Antwort wie aus der Pistole geschossen. Er flüchtet, als er meine Blicke sieht und meine Mutter lacht. Das ist japanischer Humor, wie ich ihn gern mag.

Der 5. Dan bedeutet für mich, dass ich nicht länger Schülerin bin. Ab dieser Stufe zähle ich zur Meisterklasse, wo mein Vater schon lange zu Hause ist. Er ist mächtig stolz, das kann er kaum verbergen. Auch auf Yuki, die er wie eine zweite Tochter liebt.

Japan, Fukuoka, Heimat. Nie zuvor, habe ich das derart intensiv empfunden. Ich bin zu Hause angekommen. Frohe Weihnachten euch allen. Wir lesen uns, das ist doch klar.

Karate heute – Zurück zu den Wurzeln

Vor mehr als einem Jahr, habe ich den Beitrag „Das ist Karate!“ verfasst. Dort habe ich auf die Unterschiede zwischen der Kampfkunst und dem daraus entstandenen Sport hingewiesen.

Aber noch immer herrscht großes Unverständnis darüber, was Karate wirklich ist. Kickboxer und muskelbepackte Mixed Martial Arts (MMA) Fighter rühmen sich, die besten auf der Welt zu sein.

Aussagen wie diese zeigen nur wieder, dass man(n) wie so oft nichts versteht. MMA ist ein Sport, bei dem es feste Regeln gibt. Traditionelles (Okinawa) Karate dient nur der Selbstverteidigung.

Wieder sind es die beiden Sensei aus dem damaligen Video, die „Karate für die Straße“ zeigen. Und das wie ich finde richtig gut! Vermutlich werden nun einige LeserInnen verblüfft die Köpfe schütteln und sagen „Das habe ich schon anderswo gesehen!“

Ja, das haben sie wirklich, andere Kampfsportarten haben sich nämlich kräftig beim Original bedient. Auch und ganz besonders, das angeblich so tolle MMA, das lediglich die niederen Instinkte der Massen anspricht.

Aber bis auf das damals noch unbekannte Boxen, hat man so schon vor Jahrhunderten auf Okinawa trainiert. Mit allerdings erheblichen Konsequenzen für Angreifer, wenn es den Ernstfall gab.

Immer mehr Sensei besinnen sich auf die Wurzeln des Karate und wollen diese entweder selbst lernen, oder an ihre Schüler weitergeben. Vielleicht hat dieses neue Interesse an (m)einer Kunst etwas mit den Olympischen Spielen in Japan zu tun und bietet die einmalige Chance, den Wettkampfsport Taekwon-Do abzulösen.

 

 

Karate als Therapie

Dieser Beitrag ist noch vor unserer Abreise nach Los Angeles entstanden und hat es erst jetzt auf meinen Blog geschafft. 

Bekanntlich hatte ich meine Cousine nach Deutschland geholt, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Ihre Töchter waren begeistert und haben unsere Herzen im Sturm erobert. „Tante Yumi mach mal Spaß!“, war noch die harmlose Variante ihrer Begeisterung.

Karate ist ein Fremdwort in der Familie meiner Mutter. Diese Tradition hat sich über meinen Vater an mich vererbt. Nur mein Onkel ist als Polizist damit vertraut. Die Mädchen trainieren tapfer mit, als wir sie mit ins Training nehmen. Sie haben das schon öfter gemacht und ihre Mutter schaut immer dabei zu. Meine Cousine ist etwas älter als ich, wir hatten nie sehr innigen Kontakt. Vermutlich war ich ihr zu wild, ich habe immer nur mit Cousin Ken gespielt.

Trotzdem ist unser Verhältnis gut, in unserer Familie gibt es keinen Streit. Unsportlich war meine Cousine nie, sie hat in der Schule Leichtathletik gemacht. Aber das ist nun schon eine Weile her. Seit der Geburt der Kinder ist sie Hausfrau gewesen.

Die Mädchen zeigen uns stolz ihr Können, meine Cousine lächelt und freut sich für sie. „Was wäre, wenn du es auch versuchst?“, stelle ich die entscheidende Frage. Yuki schaut mich an, sie weiß was jetzt passiert.

Cousinchen reagiert auf typisch japanische Art, sie lächelt verlegen und hält sich die Hand schnell vor den Mund. „Ja, ja, ja, Mama!“, rufen die Mädchen im Chor und auch die anderen Frauen nicken. Die Trainerin macht sowieso was ich sage, sie war früher meine Schülerin.

Es macht nun keinen Sinn im Einzelnen auf das Training einzugehen. Geholfen hat es, was nicht immer selbstverständlich ist. Die Depression meiner Cousine ist durch den Schock des Betruges ausgelöst worden, auch wenn es schon vorher in der Ehe kriselte.

In langen Gesprächen haben wir die Wahrheit erfahren. Schon als sie 2015 zu Besuch in Deutschland war gab es kleinere Probleme. Die Details bleiben privat. Wer länger verheiratet ist, wer vielleicht selbst schon eine Scheidung hinter sich hat, wird wissend nicken. Ehekrisen sind weltweit immer gleich.

Während meine Cousine auf ihre Art um die Beziehung kämpfte, hat ihr Mann schon damals andere Frauen gehabt. Er hat es ihr gestanden, was mich in Rage brachte. Prompt habe ich gehandelt. Wie, das wisst ihr bereits.

Seit unserer Rückkehr nach Deutschland trainiert meine Cousine bei uns mit und beweist einiges Talent. Zumindest was die weiche Abwehr von Angriffen betrifft. Nur selbst zuzuschlagen fällt ihr schwer. Dabei ist die Idee fernöstliche Kampfkünste als Therapie einzusetzen nicht neu. In einer Studie hat man bereits an Parkinson Erkrankte ins Karate geholt.

Als ich meine Tante und Ken informiere, zeigen sie sich begeistert. „Barbie-Cousinchen, du bist die absolute Wucht!“, ruft er ins Telefon. „Ja klar“, erwidere ich trocken, „jetzt kann dich auch deine Schwester endlich verhauen.“

Der Psychologe in Los Angeles hat mittlerweile bestätigt, dass die Idee Früchte trägt. Meine Cousine ist auf dem Weg der Besserung. Karate als Therapie! Ich liebe es, wenn (m)ein Plan funktioniert. 

Und Macheath, der hat ein Messer …

Dieser Beitrag stellt keinen Aufruf zur Gewalt dar. Er richtet sich an interessierte LeserInnen, die mehr über Selbstverteidigung erfahren möchten und vielleicht einen kleinen Einblick in meine Welt gewinnen wollen. Entstanden ist er bereits vor meinem Urlaub. Ein Grund war mein blankes Entsetzen darüber, was von angeblichen „Experten“ in Sachen Selbstverteidigung angeboten und gelehrt wird. 

Juli 2017. Der Ort: Das Dojo eines Karate-Clubs. Das Land: Deutschland. Der Anlass: Ein Seminar für Selbstverteidigung. Die Zielgruppe: Frauen. SeminarleiterIn: Ich

In Deutschland ist das Interesse an Selbstverteidigung neu erwacht. Seit „Köln I“ haben Frauen meine Kurse überrannt. Aber kann ich ihnen wirklich Sicherheit bieten?

Zusammen mit meiner Freundin Linda, gebe ich Kurse in verschiedenen Städten. Die folgenden Szenen sind wirklich so passiert und ähneln sich immer wieder. Der Inhalt des Artikels bildet lediglich jene Ausschnitte ab, die zum besseren Verständnis der Thematik beitragen sollen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Mir geht es nicht darum, bestimmte Kampfkünste oder -techniken schlecht zu reden. Aber die Abwehr gegen ein Messer funktioniert meist nur im Dojo.

Der Grund ist einfach: Angreifer führen keine starre Technik aus. Abwehrtechniken dienen als Grundgerüst, um sich zu verteidigen. Das muss der Schüler wissen. Und der Lehrer auch.

Der (Dis)Kurs

Mehr als ein Dutzend Mädchen und Frauen stehen vor mir, die meisten sind völlig unerfahren und haben noch nie Selbstverteidigung praktiziert. Aber alle vereint sie der Wunsch nach Hilfe und wie Frau sich besser schützen kann.

Frauen müssen lernen, die eigene Angst zu kontrollieren. Hilflos kreischende Mäuschen braucht in diesen Tagen niemand. Selbst ist die Frau. Viele deutsche Männer kämpfen nur am Tresen. Hoch die Tassen, Prost!

Ich spreche allgemeine Dinge an, die Praxis kommt später. „Selbstverteidigung beginnt primär im Kopf“, beginne ich. „Ein aufrechter Gang, Blickkontakt mit einem möglichen Aggressor, vor allem die Vermeidung einer gefährlichen Situation sind nur einige Regeln, um sich als Frau zu schützen.“

„Aber bedeutet das nicht, auf liebgewordene Freiheiten zu verzichten?“, will eine Teilnehmerin wissen. „Ich gehe nun mal gern Party machen und ich habe keinen Freund.“ „Wo ist das Problem mit mehreren Frauen zu gehen, von denen eine fährt und nüchtern bleibt?“, ist meine Gegenfrage. „Man wechselt sich dabei ab, so hat jede ihren Spaß.“

„Und wenn uns wer mit der Waffe bedroht?“, kommt schon die nächste Frage, die typisch für das klischeehafte Denken mancher Menschen ist. „Die Chancen in Deutschland auf einen Bewaffneten zu treffen sind eher gering“, erwidere ich. „Eventuell wird ein Messer benutzt, aber meist damit nur gedroht. Die wenigsten Kriminellen haben Waffen.“

„Ja, aber was wenn doch?“, wird nachgehakt. „Wie schützt Frau sich dann?“ „Gegen einen Messerstecher gibt es fast keinen Schutz“, erwidere ich wahrheitsgemäß. „Gebt ihm was er verlangt, es ist in den meisten Fällen nur Geld!“ Aber die Frau will es wissen. „Und wenn er mehr will, also vergewaltigen und so?“, fragt sie.

Und Macheath, der hat ein Messer …

„Ich habe Dinge gesehen, die Ihr Menschen niemals glauben würdet … (Teilzitat aus dem Film „Blade Runner“)

Auch ich habe auf youtube Dinge gesehen, die mir die Tränen in die Augen trieben. Ich spreche von Abwehrtechniken gegen Messerstecher, die blanker Unsinn sind. Keine Kampfkunst, weder Karate noch Wushu (Kung Fu) oder Krav Maga, kann gegen ein Messer bestehen. Gibt es daran Zweifel? Dann bitte weiter lesen.

Schlimm dabei, der Messerstecher muss über keinerlei (Kampfkunst)Erfahrung verfügen. Ein Messer ist und bleibt tödlich. Wer etwas anderes verkauft, der lügt. Es mag es auf der Welt eine Handvoll Menschen geben, die gegen einen Messerstecher bestehen können. Ein reiner Kampfsportler kann das meist nicht.

Und damit könnte ich diesen Beitrag schließen und zur Tagesordnung übergehen. Aber es geht natürlich weiter. Ich hole ein Plastikmesser, stelle mich hinter Yuki und halte es an ihren hübschen Hals. „Was macht man dagegen?“, frage ich und schaue in die Runde. Hilflose Blicke. Es herrscht Ratlosigkeit, keine weiß ein Gegenmittel.

Wehrlos

„Yuki?“, frage ich, „weißt du etwas?“ „Ja“, erwidert Elfchen, „ich mache nichts! Bewege ich mich jetzt, ende ich mit durchschnittener Halsschlagader und verblute in weniger als zwei Minuten.“

„Aber wozu sind wir dann hier, wenn es keine Abwehr gibt?“, will die Frau wissen, die es noch immer nicht verstanden hat. „Du bist hier um zu lernen, wie du diese Situationen vermeidest,“ erwidere ich. „Und was du doch tun kannst, wenn jemand wirklich etwas Böses von dir will. Mit und ohne Messer.“

Ich löse mich von Yuki und trete einen Schritt zurück. „Spielen wir die Szene real durch. Das hier ist eine dunkle Straße, ich bin ein Finsterling und sie auf dem Weg nach Hause. Ich komme ihr entgegen, sie sieht mich und handelt.“

Wir gehen aufeinander zu, Yuki hält Blickkontakt mit mir und lässt mich keinen Moment aus den Augen. „Hey Süße“, sage ich und bleibe stehen. „Was machst du hier so allein?“ „Lass mich in Ruhe!“, erwidert Yuki mit lauter Stimme. Sie hält Blickkontakt und beobachtet dabei kurz die Umgebung, aber ich bin allein.

„Ach jetzt hab dich doch nicht so, Schätzchen“, gebe ich den Bösewicht. „Ich will doch nur etwas Spaß mit dir!“ Yuki läuft los, die Mädels schauen perplex. „Weglaufen, meine Damen!“, sage ich, „immer weglaufen, wenn das möglich ist!“

„Und wenn ich meine hohen Schuhe trage?“, will eine andere Frau wissen. „Dann ziehst du sie aus“, sage ich. „Und zur Not kannst du sie noch als Waffe benutzen.“ Die Frauen sind nicht überzeugt. Die Angst vor einem Vergewaltiger sitzt tief. Leider auch die Hemmungen sich wirklich zu wehren.

Gestochen scharf

Ich reiche das Plastikmesser in die Runde. „Schaut euch das genau an“, sage ich. „Im Gegensatz zu den meisten Küchenmessern, hat dieses hier zwei Schneiden und wäre real noch gefährlicher. Angeblich funktionierende Abwehrtechniken sehen meist nur im Dojo gut aus und bringen dem Anbieter eines Kurses viel Geld. Aber sie sind so gut wie immer nutzlos, wie ich euch zeigen werde.“

Linda, die einen schwarzen Pullover trägt, stellt sich in Positur. Ich hole ein mit einem Kreidestück präpariertes Plastikmesser und gebe erneut den Bösewicht. Aggressiv „steche“ ich auf Linda ein, die weder meine Angriffe abwehren noch ihnen ausweichen kann. Schnell füllt sich der Pullover mit weißen Strichen.

Wir zählen nach und kommen auf 17 Treffer, die Frauen schweigen betroffen. „Der Fehler, der in solchen Kursen gemacht wird, es wird davon ausgegangen, dass der Angreifer den Arm stehen lässt. Aber selbst ein ungeübter Messerstecher wird genau so nicht handeln und mehrfach zustechen oder schneiden. Das Ergebnis könnt ihr bei Linda sehen.“

„Und es gibt wirklich überhaupt keine Möglichkeit der Abwehr?“, will eine Frau wissen, die sichtlich verängstigt wirkt. „Doch“, erwidere ich, „aber die wirst du als Ungeübte nicht überleben. Ich zeige euch etwas anderes. Linda?“

Linda nickt und gibt nun die Angreiferin. Ich habe ein Handtuch gegriffen, dass (m)eine Jacke darstellen soll und werfe es ihr ins Gesicht. Während sie abgelenkt ist laufe ich weg. Gefahr gebannt. Punkt.

„Auf Distanz bleiben, ist die oberste Regel,“, sage ich. „Werft etwas nach ihm. Ein Feuerzeug vielleicht eine Zigarette, eine Jacke die ihr auf den Arm tragt oder greift in einem Raum nach egal was! Es spielt keine Rolle, ob es ein Aschenbecher, eine Flasche oder ein Teller ist. Werfen und dann weg!“

Komm mir (nicht!) zu nahe!

„Im Fernsehen habe ich mal gesehen, wie ein Experte einen Messerstecher entwaffnet hat“, meldet sich eine Frau zu Wort. „Er hat gesagt, man solle in den Angreifer gehen. Ist das denn falsch?“

„Vielleicht ist er ein Ausnahmetalent“, erwidere ich, „oder er kann Gedanken lesen. Man kann die Distanz verkürzen, wenn man eine Chance sieht. Aber im Normalfall bist du dann tot oder schwer verletzt. Also lass es.“

Ich warne an dieser Stelle ausdrücklich davor, mit bloßen Händen gegen Messerstecher vorzugehen. Und ich warne eindringlich vor sogenannten „youtube-Meistern,“ die diesen Schwachsinn verkaufen. Es gibt mehrere Beispiele, die ich auf keinen Fall bewerben will. Diese Menschen handeln grob fahrlässig.

Ihnen geht es vermutlich um „Klicks“, sprich Geld, das sie mit Werbung auf ihrem Kanal oder mit ihren Kursen verdienen. Noch unsinniger ist übrigens die Abwehr gegen eine Pistole. Auch die funktioniert meist nur im Film.

Es gibt Ausnahmen im militärischen Bereich. Aber dann muss ich wissen was ich mache, wie ich einen Aggressor ablenken kann, um eine eigene Aktion zu starten. Für die meisten Menschen gilt: Finger weg von solchen Abwehrtechniken.

Hol das Stöckchen!

In vielen Kursen wird gelehrt, wie man sich gegen Messer mit einem (Teleskop)Schlagstock verteidigt. Das funktioniert schon, aber …! Wer hat in der Realität einen Stock dabei? Wo liegt in einer U-Bahn oder dunklen Seitenstraße ein abgebrochener Ast?

Davon abgesehen gilt ein Teleskopschlagstock als Waffe und darf in der Öffentlichkeit von Privatpersonen nicht mitgeführt werden. Im Dojo sieht das anders aus. Hier darf ich ihn zu sportlichen Zwecken benutzen.

Ich zeige meinen staunenden Teilnehmerinnen, wie einfach Frau sich mit einem  Teleskopschlagstock wehren kann. „Aber das“, füge ich hinzu, „erfordert Übung. Und von euch hat keine einen solchen Stock dabei. Das ist sicher.“ Die Verwirrung bei den Frauen wächst, bin ich zu weit gegangen?

„Vielleicht habt ihr einen Regenschirm“, sage ich und Elfchen stellt sich in Positur. „Mit einem Regenschirm kann man einen Gegner auf Distanz halten, ihn entwaffnen und auch zu Fall bringen. 

Wichtig dabei, schnell und effektiv zu handeln. Ein Schlag auf die Finger, den Oberschenkel oder zwischen die Beine, ein Stich in den Bauch, all das wirkt wahre Wunder. Wir üben das jetzt.“

Die Frauen sind erleichtert und das Seminar nimmt seinen Lauf. Einige beweisen Talent, andere Hemmungen. Wie kann ich ihnen helfen? „Alltägliche Gebrauchsgegenstände sind effektive Mittel zur Selbstverteidigung“, gebe ich den Frauen mit. „Und was ist, wenn wer den Schirm greift?“, kommt die ebenfalls erwartete Frage.

„Dann lässt du los“, erwidere ich. „Schaut her.“ Yuki greift nach meinem Schirm, den ich zur Abwehr nutzen will. Ich lasse ihn einfach los und sie kassiert zwei (angedeutete) Ohrfeigen. Dann laufe ich weg. So einfach kann das sein. Möglichkeiten gibt es immer.

„Greift er den Schirm, sind seine Hände blockiert und ich kann gegen sein Knie oder Schienbein treten“, fügt Yuki hinzu. „Ein Angreifer hat dann schlechte Karten und ich erneut die Kontrolle.“ Elfchen hat viel gelernt. Ich bin stolz auf sie.

Es geht eine Träne auf Reisen

„Und was ist mit Pfefferspray?“, kommt eine ebenfalls erwartete Frage, die mir in allen Seminaren begegnet. „Grundsätzlich müssen wir zwischen Pfefferspray und CS-Gas unterscheiden“, erwidere ich. „Zum Einsatz gegen Menschen ist in Deutschland nur CS-Verteidigungs-Spray zugelassen.

CS-Gas ist relativ harmlos und kann bei falscher Anwendung mehr Probleme verursachen als lösen. Pfefferspray ist in Deutschland für die Tierabwehr gedacht und darf nur in einer wirklichen Notsituation gegen einen Aggressor eingesetzt werden.“ 

Ich demonstriere das mit einer leeren Dose, die Yuki in einer Handtasche hat. Als ich sie belästige versucht sie danach zu greifen, was ihr aber nicht gelingt.

„Solche Sprays sind in der Handtasche völlig nutzlos“, sage ich. „Wenn es mitgeführt wird, sollte die Dose stets in der Hand gehalten werden, wenn Frau sich vielleicht in einer dunklen Tiefgarage aufhält.

Beim Einsatz im Freien ist auf den Wind zu achten. Weht der von vorn, werde ich auf keinen Fall sprühen. Sonst gehen meine eigenen Tränen auf Reisen.“ Alles lacht, der Spruch war gut.

Und es geht doch

„Ich möchte euch zeigen, wie ein Messerkampf aussieht“, sage ich. „Das heißt, wenn beide ein Messer haben und es auch zu benutzen wissen.“ Weder Linda noch Yuki können mir dabei helfen. Für diese Demonstration habe ich Anna mitgebracht, die uns mit Ehefrau Meli auf der Tour begleitet.

Anna, die Krav Maga unterrichtet, versteht sich auch auf Messerkampf. Und prompt gehen wir mit Plastikmessern aufeinander los. Nun wäre es eine Illusion zu glauben, dass Frau hier unverletzt bliebe. Ein Messerkampf läuft anders ab. Hinterher weisen unsere Unterarme rote Streifen auf und im Ernstfall wären wir nun übelst verletzt.

Zusammen mit Anna demonstriere ich danach Abwehrtechniken, die funktionieren können. Aber selbst mir ist klar, dass ich im Ernstfall die eine oder andere Schramme abbekomme. Nachahmung nicht empfohlen. Mein Rat bleibt: „Lauft weg, vermeidet den Kampf!“

Falls weglaufen unmöglich ist, die Jacke um den Arm wickeln, die Handtasche als Schutz benutzen und zur Not den eigenen Unterarm vor den Körper halten. Mit der Außenseite natürlich! Ein paar zerschnittene Muskeln heilen, die Pulsader(n) nicht.

Kampfsport

„Und was ist, wenn wir auf wen treffen, der vielleicht Karate kann?“, wird die Frage gestellt. Dafür habe ich den Kickboxer Robert dabei, der sich meist dezent im Hintergrund hält.

Robert hilft oft aus, wenn ich Seminare gebe. „Ich stehe auf Schmerzen“, hat er augenzwinkernd gesagt. Aber es macht ihm Spaß. Und er hat so einiges von mir gelernt. Außerdem mag er Frauen und das kann ich gut verstehen.

„Die Chance auf einen bösartigen Kampfsportler zu treffen sind gering“, sage ich.  „Aber falls ihr nun auf so einen Verrückten trefft, müsst ihr einfach unfair werden. Ich zeige euch, wie das geht.“

Robert gibt nun den Finsterling und belästigt mich verbal. Er packt mich am Arm und kassiert eine (angedeutete!) Ohrfeige dafür. Gespielt wütend will er mir einen Kick verpassen, den ich mit einem Tritt zwischen seine Beine kontere.

Theatralisch geht er zu Boden. Dabei habe ich den Kick nur angedeutet. „Das“, sage ich, „dient nur der Demonstration, ist aber eine effektive Methode, um sich zu wehren. Und eigentlich gegen jeden Aggressor“, füge ich hinzu und muss an die unschöne Szene in Fukuoka mit der Koreanerin denken. „Jeder Mensch hat Schwachpunkte“, erkläre ich, „niemand ist unbesiegbar.“

Notwehr

Yuki und ich spielen weiter. Ich bedrohe sie mit dem Plastikmesser in einer neuen Szene. „Geld her, los mach!“, sage ich und fuchtele ungeschickt mit dem Messer. Brav händigt sie mir ihren Geldbeutel aus. „Klug zu sein, ist ebenfalls Selbstverteidigung“, sage ich.

In der nächsten Szene soll Yuki mir das Messer aus der Hand kicken und bekommt dafür einen angedeuteten Stich ins Bein. „Und bevor ich den wegen einiger Euro riskiere, werde ich lieber das Geld hergeben. Das ist ersetzbar, mein Leben nicht.“

Auch ein scheinbar harmlos wirkender Stich ins Bein kann tödlich enden. Wird die Schlagader getroffen war es das mit diesem Leben. Erneut spielen wir die Szene mit dem Messer am Hals von Yuki. „Du machst mich total an“, sage ich. „Los, da ans Auto, wir haben jetzt gleich Spaß!“ Ein kleiner Tisch soll das Auto simulieren.

Ich dränge Yuki nach vorn und fummelte an ihrer und meiner Hose. Dabei muss ich aber das Messer von ihrem Hals nehmen. Yukis Reaktion kommt sofort, wobei ich nicht näher darauf eingehen möchte. Der Lerneffekt soll sein, dass wenn Frau sich in einer derart bedrohlichen Situation befindet, sie trotzdem einen kühlen Kopf bewahren soll. Ein harter Tritt auf den Fuß soll nur als ein mögliches Beispiel gelten.

Ein Angreifer wird immer Fehler machen, die es zu erkennen und auszunutzen gilt. Er kann weder eine Pistole noch ein Messer permanent am Kopf des Opfers halten, wenn er wirklich böse Absichten hat. Mit allen Mitteln zu reagieren, die Frau zur Verfügung stehen, ist dabei durch den Notwehrparagraph gedeckt.

§32 StGB: Notwehr ist diejenige Verteidigung welche erforderlich ist, einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwehren. Eine versuchte Vergewaltigung in Tateinheit mit einem Messer durch einen Tritt in den Unterleib abzuwehren, ist in meinen Augen legitim. Wobei das eine eher harmlose Abwehr ist. Ich kenne härtere Methoden.

Härte

„Und was, wenn zwei Männer kommen?“, kommt die nächste Frage. „Einer hält mich vielleicht fest und der andere …“ Schweigen befällt die Runde, die Frauen schauen bedrückt. „Im Endeffekt gilt das Gleiche wie bisher. Nie allein durch dunkle Straßen gehen, Distanz zu einem möglichen Aggressor halten, laut und bestimmt mit Worten sein und alle, wirklich alle Maßnahmen treffen, um einer Vergewaltigung zu entgehen.“

„Fast jede hat ein Handy“, füge ich hinzu. „Frau kann das auch als Waffe nutzen. Auch einen Kugelschreiber oder eine Haarbürste. Ihr habt mehr Möglichkeiten in der Handtasche, als ihr vielleicht glaubt.“

„Ja, aber ist das denn legal?“, fragt eine Frau, „damit kann ich doch wen böse verletzen!“ Ich gehe einen Schritt auf sie zu und prompt weicht sie zurück. „Mäuschen“, sage ich zu der deutlich größeren und älteren Frau, „wir sprechen von einem Mann, der dich vergewaltigen will! Warum also willst du Rücksicht nehmen?“

Keine Rücksicht

Ich schaue in die verunsicherte Runde. „Mädels“, sage ich, „trennt euch von euren rosa Filterblasen! Wer glaubt einen Angreifer schützen zu müssen, wer falsche Rücksicht auf dessen Wohlbefinden nimmt, wer einen Vergewaltiger noch entschuldigt, der sollte jetzt nach Hause gehen!“

Ich winke Yuki und Linda zu mir. Sie sollen die Angreifer spielen. „Los,“ sage ich, „ihr beiden Süßen seit jetzt die Bösen und ich wehre mich. Fangt an.“ Wir spielen „dunkle Straße“ und „Wortgefecht.“

„Stopp, bleibt zurück!“, rufe ich und weiche nach hinten aus. Aber dort ist die Wand, Endstation für mich. Linda und Yuki haben mir den Weg versperrt, ich kann nicht weg.

Linda, die deutlich größer und kräftiger ist als ich, packt überraschend zu und schlingt die Arme um mich. Ich kann mich nicht bewegen, meine Arme sind blockiert. Lindas Kinn schwebt über meinem Kopf den ich angedeutet nach oben ziehe.

Egal ob ich richtig treffe, der Schock wird den Griff automatisch lösen. Treffe ich richtig, ist der Bösewicht KO. Aber vermutlich beißt er sich auf die Zunge, löst den Griff, weicht zurück und schafft damit den nötigen Platz für den finalen Kick in die Kronjuwelen. Spiel, Satz, Sieg! Will jemand mehr?

Was ist mit Bösewicht Zwei? In den meisten Fällen wird der das Weite suchen, wenn er harten Widerstand bemerkt. Fall er doch angreift, was Yuki demonstriert, benutze ich vielleicht mein Handy, den Auto- oder Haustürschlüssel als Waffe. Egal wo ich damit treffe, das tut höllisch weh.

Absichtlich habe ich auf Aikido und Karate-Techniken verzichtet. Die kann ich perfekt, aber diese Mädels nicht. „Tritte auf den Fuß, in die Hoden, durchs Gesicht kratzen, beißen, Kniestöße, alles ist erlaubt, wenn es um unser Leben geht!“, gebe ich der Gruppe mit.

„Auch zum Schein nachgeben, den Täter in Sicherheit wiegen und dann so hart wie möglich zuschlagen. Danach weglaufen und die Polizei bzw. Passanten, Autofahrer zu Hilfe rufen.“

Noch ein Hinweis an meine LeserInnen, die vielleicht selbst Kampfsport betreiben und an Abwehrtechniken gegen ein Messer glauben: Nehmt einen Filzstift oder ein mit Kreide präpariertes Plastikmesser und testet es selbst. Dann reden wir weiter.

 

Und es war Sommer

Sommer in Deutschland sind anders, Sommer in Deutschland sind oft kalt und nass. Aber der Z brüllt vor Freude, der Wagen hat mich bestimmt vermisst. Der neue Motor hält, 500 PS schieben ihn vehement nach vorn.

Das wird (k)ein Autobericht. Nur ein kurzes Update meiner Aktivitäten. In den letzten Wochen stand Selbstverteidigung auf dem Programm. Zusammen mit Freundinnen, habe ich Seminare gegeben. Vielleicht schreibe ich darüber einen kurzen Bericht, der die Spreu vom Weizen trennen soll.

Leider gibt es in dieser Branche auch Scharlatane, die nur das Geld der Menschen wollen und ihnen falsche Sicherheit verkaufen. Stichwort: Abwehr gegen Messer und Pistolen. Meist blanker Unsinn und lebensgefährlich.

Wir haben auch Wolf besucht, der uns eine so nicht erwartete Offerte macht. Nachdem der Deal mit Amerika steht, die Stuttgarter Firma wieder im finanziellen Aufwind ist, sitzt auch bei Yukis Papa das Geld locker. Und Wolf ist (s)ein gehorsamer Chefingenieur.

„Meine zwei Lieblingsjapanerinnen!“, begrüßt er uns. „Wie viele kennst du noch?“, will ich wissen und er schnauft empört. „Frech wie immer!“, höre ich. „Dabei habe ich tolle Neuigkeiten für euch. Aber wenn ihr sie nicht hören wollt …“

„Du kannst gern einen Tritt ans Schienbein haben“, sage ich ungerührt. Aber das alles ist nur Spaß, wir kennen und respektieren uns. „Es geht um den Z“, sagt Wolf. „Wollt ihr ihn mit nach Los Angeles nehmen?“

Yuki reißt die Augen auf und Japans Sonne strahlt. „Klar“, sage ich, „wieso kommst du erst jetzt mit der Idee?“ Warum Wolf nun wie „Kalt wie Eis“, murmelt, wird nur er wissen. Ich bin bekanntlich hitzig.

Der zeitlich begrenzte Import eines deutschen Autos in die USA ist kein größeres Problem. Ja, es kostet um die 1.200 Dollar, das Auto in die Staaten zu verschiffen. Aber das zahlt die Tuning Schmiede. Ich sage „Ja!“

Das bedeutet Abschied von meinem Schätzchen zu nehmen. Die Reise in die USA ist lang. Der Vorteil der Aktion, das Auto muss nicht umgerüstet werden und darf sogar mit deutschem Kennzeichen weiter gefahren werden. Aber nur für ein Jahr, danach muss es zurück. Wir auch?

Zurück werden auch wir fliegen. Nach Fukuoka und von dort wieder in den Sommer der USA. Wem das nun wieder „zu persönlich“ ist, den kann ich an dieser Stelle beruhigen. Mehr Infos gibt es darüber nicht.

Für diesen Blog bedeutet das vier Wochen Pause. Ich melde mich im September aus Los Angeles. Genießt den deutschen Sommer.

 

Wenn der Linke kommt – Gedanken zum G20-Gipfel

Hamburg, die Randale beim G20-Gipfel, ist an mir vorbei gegangen. Wir waren in Prag und haben unsere eigene Randale gemacht. In Form eines Kampfkunst-Seminars, das Stilübergreifend gewesen ist. Krav Maga, Musado, (Aiki)Jujutsu, von allem war etwas mit dabei.

Dabei waren in Hamburg auch Chaoten, denen es um Gewalt und Zerstörung gegangen ist. Ob es wirklich Linke waren, wird die Polizei besser wissen. Aber die war, von der Politik einmal mehr im Stich gelassen, überfordert. Aber ist das wirklich so?

Was genau ist in Hamburg passiert, was wird der aufgebrachten Öffentlichkeit vermittelt? Wem nutzt die Randale, wem schadet sie? Schaut man sich die folgenden Sätze an wird klar, dass in Hamburg Wahlkampf gemacht worden ist.

„Seien Sie unbesorgt: Wir können die Sicherheit garantieren. Wir werden Gewalttaten und unfriedliche Kundgebungsverläufe unterbinden“, hat Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz im Vorfeld angekündigt. „Wir richten ja auch jährlich den Hafengeburtstag aus.“

Das klingt im ersten Moment gut, weiß der Mann etwa was er tut? Der Antifa ist „Onkel Olaf“ gut bekannt. Immerhin duldet er sie in seiner Stadt. Oder glaubt wirklich irgendwer, dass solche Krawalle ohne das Wissen der Mächtigen möglich wären?

Ist Onkel Olaf der Bundesmutti auf den Leim gegangen und Opfer seiner eigenen Geister geworden? Blanker Hohn dabei, auf beiden Seiten standen vom Staat bezahlte „Aktivisten.“ Wie ich das meine? Nachdenken hilft.

100 Millionen Euro für den „Kampf gegen Rechts“, hat sich Deutschland genehmigt. Auch damit wird indirekt die Antifa finanziert, die einmal mehr Wahlkampfhilfe für Mutti betrieb. Und Onkel Olafs Entschuldigung klingt lahm. Von Rücktritt reden wir später.

Ja. Angela I., hat sich Wahlkampfhilfe nach Deutschland geholt und zwar in Form von weiteren 19 Regierungschefs. Das soll den interessierten BürgerInnen zeigen, „Seht nur her, was ich die Mutti alles kann!“

Aber warum Hamburg und nicht die Lüneburger Heide? Damit der Bürger was zu schauen hat, wenn sein Kleinwagen lichterloh brennt und auch Oma Lieschens Bäckerei in Flammen aufgeht. Dann und nur dann kann man schärfere Gesetze machen. Dämmert etwas, meine Damen und Herren?

Dämmern wird es vielen nach den nächsten Wahlen, dass sie ihr eigenes (Todes)Urteil unterschrieben haben. Vielleicht nicht sofort. Die Veränderungen werden langsam kommen. Aber sie kommen. Mit Sicherheit. Hat jeder das Wortspiel erkannt?

Natürlich meldet sich auch der gute Heiko zu Wort. Immer mit Maß und klarem Ziel. „Das sind asoziale Schwerstkriminelle“, hat er BILD gesagt und auf den bösen Vermummten gezeigt. Und heimlich übt die Bundeswehr den Häuserkampf. Fragt sich gegen wen. Das sehen wir spätestens dann, wenn die KSK auch gegen (Thema der eigenen Wahl) Demonstranten eingesetzt wird.

Was die Öffentlichkeit nicht begreift und was sofort die „Verschwörungstheorie!“ Rufer aus den Hinterzimmern lockt, wir werden von den Eliten vorgeführt. In der Politik gibt es keine Zufälle. Dort wird eiskalt taktiert. Kollateralschäden inklusive. Kaputte Scheiben? Nicht so schlimm! Das Ziel ist alles.

Deutschland entwickelt sich seit Jahren weg von der (Schein)Demokratie. Die Eliten haben erkannt, dass damit kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Und der Nationalstaat ist sowieso ein Produkt aus der Vergangenheit. Es leben die „Vereinigten Staaten“ Die von Europa, was habt ihr denn nun gedacht?

Ja, die BürgerInnen werden wieder Mutti wählen und eine Schwarz-Gelbe Koalition. SPD, GRÜNE, LINKE und vermutlich die AfD, werden nach der Wahl traurig in der Ecke sitzen und sich gegenseitig auf die Finger schauen. Die Politik machen andere.

Die Weichen sind gestellt, Mutti wird uns weiter regieren. Dafür gibt es keine Alternative. Bis dahin werden sich friedliche Demonstranten und Polizisten die Wunden lecken und auf Rache sinnen. Das ist zwar menschlich, aber ziemlich dumm.

Dumm, da es den Eliten in die Hände spielt, die beide Seiten nur benutzen. Der Gag, beide sind BürgerInnen Deutschlands, das abgeschafft wird. Aber ich habe bekanntlich „keine Ahnung.“ Oder doch?

Lichter der Großstadt – Teil 6: Dunkel war die Nacht

Wir verbringen einige Tage in Los Angeles, Venice Beach ist unser Ziel. Dort wissen wir auch die Büros von Google, auf den krassen Gegensatz sind wir weniger gefasst. Obdachlose campieren am Straßenrand, ein Mann schiebt seine ganze Habe in einem Einkaufswagen vor sich her.

Auch das sind die USA, extremer Reichtum und bittere Armut gehen Hand in Hand. Compton, Watts und South Central sind jene Viertel der Millionenstadt, die der normale Amerikaner kaum betritt. Von Doris weiß ich, dass eine nächtliche Autopanne dort lebensgefährlich ist.

The Fall

Wir treffen Doris wieder und tauschen Neuigkeiten aus. „Trump macht mir Sorgen“, sagt sie, „ich hoffe er weiß was er da macht.“ Sie ist in Uniform und sitzt im Streifenwagen. „Na, Lust auf eine Tour?“, fragt sie und lacht, als wir begeistert nicken. „Dann rein mit euch, ich zeige euch mein L.A.“

Es ist nach 18 Uhr, aber der Verkehr ist noch immer dicht. Wir fahren nach East Los Angeles, die Gegend dort ist einigermaßen sicher. „Ich will euch jemanden vorstellen“, sagt Doris. „Sein Name ist Alberto, er war früher ein Gangmitglied und hat einige Jahre im Gefängnis gesessen. Heute ist er sauber und kümmert sich um Obdachlose. Er kann euch mehr von der dunklen Seite erzählen.“

Alberto ist Mitte Vierzig, beide Arme sind schwer tätowiert. Sein Gesicht ist ein Buch aus Narben, sein Lächeln ist echt. Wache Augen mustern mich. „Hallo, Lieutenant“, begrüßt er Doris, wen haben Sie heute mitgebracht?“ Doris stellt uns vor und Alberto deutet eine Verbeugung an. „Das macht man doch in Japan so, ja?“

Doris und er reden dann über Menschen, deren Schicksal und Namen keinen Platz in diesem Artikel haben. Aber ihre Geschichten sind krass. So, wie Albertos.“ „Ich war Gangmitglied seit ich denken kann“, erzählt er. „Du wirst in den Slums geboren und kommst dort kaum jemals raus. Mein Glück, ich habe keinen umgebracht. Und im Gefängnis hast du jede Menge Zeit.“

Alberto war an einem schweren Raubüberfall beteiligt, der seiner Bande fast 50.000 Dollar einbrachte. „Wir dachten damals wirklich, das große Los gezogen zu haben“, sagt er. „Wie konnten wir auch wissen, dass wir gefilmt worden sind?“ Er grinst. „Mein Gesicht war auf dem Video deutlich zu sehen. Zwei Tage später war ich verhaftet.“

„War das deine erste Haftstrafe?“, will ich wissen und Alberto schüttelt den Kopf. „Als Jugendlicher war ich einige Monate in einem sogenannten Bootcamp. Dort haben sie uns mit militärischem Drill auf den rechten Weg gebracht. Es gab dort diesen Trainer, der uns Boxen lehren wollte. Keiner hat damals begriffen, welche Chance er uns geboten hat.“

Alberto schaut mich an, plötzlich liegt ein Schatten auf seinem Gesicht. „Was ich lernte habe ich dann auf der Straße eingesetzt und den Mann damit enttäuscht. Ich wusste es damals nicht besser, Gewalt gehörte zu meinem Leben.“

Er schaut nachdenklich auf seine Hände. „Hätte ich die Disziplin, die ich heute habe, ich hätte den Wachmann nicht ins Koma geprügelt. Im Knast habe ich auch geboxt. Zu Beginn war es Selbstverteidigung, so habe ich mir Respekt verschafft. Mit der Zeit begriff ich, dass ich mich entweder ändere oder mein Leben im Knast enden wird.

Resurrection

Ich begann Bücher zu lesen und vertraute mich einem Psychologen an. Ohne ihn wäre ich vermutlich längst gestorben. Ich verdanke es seiner Fürsprache, dass ich an Kursen und Programmen teilnehmen durfte, die mir den Zugang zu meinem jetzigen Job ermöglicht haben.“

Alberto hat einen Abschluss als Sozialarbeiter gemacht und lebt diesen Beruf mit wahrer Leidenschaft. „Ich kenne die Gangs“, sagt er und sie respektieren mich jetzt.“ Ob er keine Angst habe, will ich wissen und wieder schaut Alberto auf seine Hände.

„Weißt du“, erwidert er, „ich kann wirklich ausgezeichnet boxen. Einige wollten das testen, heute sind wir Freunde.“ Er schaut mich bezeichnend an und ich verstehe. „Bei einigen führt der Weg nur über Härte“, sage ich.

„Alberto ist eine große Hilfe, wenn wir Gangmitglieder verhören“, sagt Doris. „Sie trauen uns nicht und sprechen wirklich nur mit ihm. Er packt sie bei der Ehre und sie beginnen zu reden. Nicht immer, aber oft.“

Ich kenne Slums. Irgendwie ähneln die sich alle. Robert’s Market ist noch nicht im Gangland. Ich kaufe für mehr als siebzig Dollar Lebensmittel ein und schenke sie Alberto.

„Danke! Damit retten wir Leben“, sagt er. „Ich verteile das Zeug und ihr wartet bitte im Wagen! Steiget auf keinen Fall aus, egal was passiert!“

The Dark

Wir drehen eine Runde durch Inglewood. Alberto fährt uns in seinem alten Ford. Er zeigt auf Häuser und nennt Namen. „Hier bin ich aufgewachsen“, erklärt er uns. Doris hat das Funkgerät in der Hand und sich beim Revier gemeldet. Ein Funkspruch von ihr und die Kavallerie reitet los. Aber alles bleibt friedlich.

Die Szene wirkt wie in einem Film. Eine Seitenstraße ist die Kulisse, die Lichter der Großstadt sind verblasst. Das Viertel wirkt wenig einladend auf mich. Alberto spricht mit einer Gruppe Jugendlicher, die am Straßenrand stehen.

„Yo wassup man“, höre ich und ein Afroamerikaner baut sich vor Alberto auf. Er überragt ihn locker, aber unser Guide zeigt keine Angst. Das ist auch kaum nötig, Alberto wird von allen respektiert. Ich erkenne es an der Haltung des jungen Mannes, der unseren Fahrer als höhergestellt ansieht. Als er ihm dann noch einige Lebensmittel gibt, ist die Stimmung fast ausgelassen gut.

„Das ist Aaron“, stellt ihn Alberto vor. „Ein, wie ich hoffe, bald guter Boxer im Halbschwergewicht. Ich trainiere die ganze Bande.“ Später erzählt uns Alberto, dass Sport oft die einzige Chance für solche Jugendliche ist. „Denen gibt niemand einen Job oder eine Chance. Wer aus gewissen Vierteln stammt, wird zum Aussätzigen.“

Die Nacht gibt den Straßen eine besondere Note. Gnädig verhüllt sie sie dunklen Seiten der Stadt. Unsere kleine Tour dauert knapp zwei Stunden, dann haben wir genug gesehen. Auch das sind die USA, wie sie nur wenige kennen. Alberto fährt uns zurück. „Hattest du Angst?“, will er wissen und ich schüttele den Kopf.

„Ich habe das Gefühl, dass du dich wehren kannst“, sagt er zum Abschied. „Aber komm nie auf die Idee allein in diese Gegend zu fahren!  Dort herrschen andere Gesetze. Die falsche Straße zur falschen Zeit und Los Angeles hat wieder einen neuen Toten. Frage den Lieutenant, sie weiß mehr davon.“

Keinen Toten, aber eine Art Begräbnis gibt es in der nächsten Folge, die eisig werden wird.

Lichter der Großstadt – Teil 2: Hass

Sich in der Fremde heimisch zu fühlen, ist für viele schwer. Wir sind gut darauf vorbereitet. Ein Hausmeister Service hat sich bisher um die Wohnung gekümmert. Die Möbel sind einfach, aber funktional. Telefon, Internet und Kabelfernsehen sind geschaltet. Ein kleiner Schreibtisch steht auch bereit.

„Fett wie du bist passen wir da nicht beide dran“, lästert Yuki und strahlt, als ich „Ich liebe dich auch“ sage. Wir rufen unsere Eltern an und bedanken uns (un)artig für den BMW. Unser Lachen überwindet alle Grenzen. „Immer fleißig trainieren, Tochter“, gibt mir mein Papa noch mit. „Aber verprügele nicht wieder alle Männer!“ Der Satz spielt auf einen Vorfall an, als ich einen älteren Herrn vor einem aggressiven Autofahrer rettete.

Was kann ich dafür, wenn der über seine Füße stolpert? Okay, ich gebe zu, ich habe nachgeholfen. „Halb zog sie ihn, halb sank er hin“, heißt es. Immer wieder lustig, wie sehr sich Männer überschätzen. Der alte Herr hat sich bei mir bedankt.

Die Einladung

Die Klingel reißt mich aus meinen Gedanken. Freundlich lächelnd steht Ellie vor der Tür. „Ob Sie vielleicht Lust hätten mit uns zu Abend zu essen?“, fragt sie. „Unsere Tochter kommt auch und wir würden uns wirklich freuen.“ Ich wechsele einen Blick mit Yuki und sage zu, als Elfchen nickt.

Der Tag vergeht, wir richten uns ein, die Zeitumstellung ist noch immer heftig. Auch das Wetter ist so völlig anders, als wir es von Deutschland im Winter kennen. Aber wer nun glaubt, es herrsche eitel Sonnenschein, der hat Los Angeles noch nie im Winter besucht.

Extreme Hitze? Fehlanzeige! Die Durchschnittstemperatur liegt bei circa 19 Grad. Celsius versteht sich, was habt ihr denn nun gedacht? Aber Herbst in dieser Stadt ist weitaus angenehmer, als Nebel und heftiger Wind, den Deutschland dann zu bieten hat.

Ich schaue auf meinen Blog und finde die Weihnachtswünsche. Soll ich einen neuen Artikel schalten? Vorbereitet ist er. Und mein Zorn (auf deutsche Politik) sowieso grenzenlos. Also auf ins Gefecht! Aber mir bleibt wenig Zeit zum lesen anderer Blogs.

Ohnehin habe ich mich noch in Deutschland von einigen getrennt. Verwaiste Blogs verstopfen nur den Reader. Und manche (Themen) interessieren mich nicht mehr. Normalerweise ist Internet im Urlaub tabu. Aber diese Reise ist kein Urlaub im klassischen Sinn.

Hass

Gegen 20 Uhr geht es in Richtung Nachbarwohnung. Wir haben einen Kalender mit Düsseldorfer Motiven als Gastgeschenk dabei. Davon habe ich ein Dutzend nach Amerika gebracht. Ellie hat uns gebeten auf keinen Fall Abendkleider anzuziehen. „Wir sind hier in Kalifornien“, hat sie gesagt, „da ist alles weniger formell.“

Eine blonde Frau mit harten Augen, wird uns als „Tochter Doris“ vorgestellt. „Ich bin Lieutenant“, stellt sie klar. Ihr Blick verrät sie, diese Frau hat ein Problem. „Aus Deutschland kommen Sie, ist ja interessant“, höre ich. „Ich wusste bisher nicht, dass dort auch Asiaten leben.“

„Wir sind Japanerinnen mit deutscher Staatsbürgerschaft“, stelle ich richtig, was Doris mit abfälligem Lächeln quittiert. „Es gibt doch auch viele Japaner in den USA“, setze ich nach und schaue sie freundlich lächelnd an. Das Duell der Augenblicke.

„Leider“, höre ich und Ellie wird blass, „wir haben viel zu viele Kriminelle.“ „Japanische Yakuza in Los Angeles?“, frage ich amüsiert. „Das ist kaum vorstellbar. Aber bekanntlich sehen wir alle gleich aus, bestimmt haben Sie das verwechselt.“

Yuki schaut mich warnend an und Frank ringt um seine Fassung. „Doris“, sagt er, „ich glaube kaum, dass unsere beiden Gäste das jetzt hören möchten. Hattest du nicht versprochen, die Arbeit zu Hause zu lassen?“

„Ist ja schon gut“, wehrt Doris ab und mustert mich intensiv. „Was machen Sie beruflich, wenn ich fragen darf?“ Ihre Augen werden schmal, als ich von meinem Tätigkeiten spreche und dass ich auch Karate unterrichte. „Karate, hm? Das ist doch dieser altmodische Kram, den heute niemand mehr braucht. In Los Angeles nennen wir das Kickboxen!“

„Doris hat mehrfach die Meisterschaft gewonnen“, erzählt uns Ellie stolz. „Ich war erst dagegen, dass sie trainiert. Aber Frank hat mich überzeugt. Warten Sie, ich hole schnell die Bilder!“ Bevor ich etwas sagen kann, ist sie verschwunden und kommt mit einem riesigen Fotoalbum zurück.

Karate-Kid

„Schaut ihr nur“, ruft sie und verschwindet in der Küche. „Ich muss jetzt das Essen holen gehen.“ Frank zeigt uns die entsprechenden Bilder. Wir sehen eine junge Doris, die riesige Pokale hält. „Ist eine Weile her“, ergänzt Doris meine Gedanken. „Aber ich mache das immer noch.“

Herausfordernd sieht sie mich an. Sucht sie etwa Streit mit mir? Ich weiß genau, wie tief die Worte treffen, als ich „Kickboxen ist ein guter Freizeitsport“, sage. „Ich lehre traditionelles Karate“, füge ich hinzu. „Sie kennen den Unterschied bestimmt.“

Doris Gesichtsausdruck zeigt mir, dass sie keinen blassen Schimmer hat. Zeit um aufzuklären. „Kickboxen, wie auch Sportkarate, ist lediglich die abgemilderte Wettkampf Form“, erkläre ich freundlich.“ Und das tut Doris richtig weh.

„Wie jetzt?“, will sie wissen, „glauben Sie wir machen da nur Spaß?“ „Darum geht es nicht“, erwidere ich. „Traditionelles Karate ist reine Selbstverteidigung und wird auf keinen Fall für Wettkämpfe genutzt. Das würde auch kaum funktionieren. Im Ernstfall ist der Gegner tot.“

„So ein Unsinn“, poltert Doris los. „Sie haben doch echtes Kickboxen noch nie gesehen!“ „Was ist echtes Kickboxen?“, will ich wissen. „Sprechen wir von Leichtkontakt, Vollkontakt oder Pointfighting? Welche Form haben Sie gemacht?“

„Vollkontakt natürlich!“, erklärt mir Doris mit veränderter Stimme fest. Meine Kenntnisse haben sie überrascht. Aber noch glaubt sie sich auf der Siegerstraße.“Die meisten Kämpfe habe ich gewonnen“, lässt sie mich wissen und schaut mich durchdringend an.

Ich nicke und schenke ihr ein weiteres Lächeln. „Ihr Fokus liegt also auf dem Kampf. Das genau meinte ich vorhin, Kickboxen ist weit von echtem Karate entfernt. Der Geist ging verloren, die spirituelle Seite. Echte Karateka suchen keinen Kampf, sie verteidigen sich und andere.“

Gegen jede Regel

„Haben Sie schon mal gekämpft?“, will Doris wissen. Ihre Augen werden noch härter, als ich eher beiläufig von meinen Wettkämpfen spreche. „Bis auf mein erstes Turnier, habe ich nie verloren. Und das war keine Niederlage im klassischen Sinn. Ich wurde wegen Regelverstoß disqualifiziert.“

„Tiefschlag?“, will Doris wissen und lächelt spöttisch. „Die Regeln muss man natürlich kennen!“ „Klassisches Karate kennt keine Regeln“, erwidere ich. „Das habe ich versucht zu erklären. Als Kind habe ich nur das gemacht, was ich lernte und instinktiv auf einen Angriff reagiert. Ich hatte vergessen, dass Hebel verboten sind.“

„Natürlich!“, empört sich Doris. „Wir haben feste Regeln und …“ „Verlieren deshalb eine echte Auseinandersetzung“, unterbreche ich ihr Argument. „Ich habe aus dieser ersten Erfahrung gelernt und beim nächsten Turnier gewonnen. Und auf der Straße gibt es keine Regeln.“

Ich erzähle von einigen Vorfällen und dass auch Yuki fleißig übt. Dass wir ein Paar sind interessiert hier niemand. Die Stimmung entspannt sich merklich, aber Doris ist weiter skeptisch.

Vehement versucht sie mich von (ihrem) Kickboxen zu überzeugen. Ich stoppe ihren Redefluss mit der Bemerkung „Alle, die mir bisher echtes Kickboxen zeigen wollten, habe ich zu Boden geschickt.“ Auf den Zusatz „Ich zeige es Ihnen gern“ verzichte ich. Aber die Spitze sitzt.

Manche mögens heiß

Ellie hat Truthahn auf mexikanische Art serviert. Eine Eigenkreation, die köstlich schmeckt. Wirklich scharf ist anders, mein Gaumen ist mit Wasabi gestählt. Doris ist recht schweigsam, aber in ihr brodelt es. Als sie kurz ins Bad geht raunt mir Ellie die Wahrheit zu. „Ein guter Freund und Kollege ist vor einem Jahr von einer koreanischen Gang erschossen worden. Ich hatte das vergessen.“

Doris (aufgesetztes) Lächeln, als sie wieder zu uns kommt, lässt mich Gefahr ahnen. Lächeln kann ich besser, das liegt mir im Blut. Will sie mich nur provozieren oder ist es ehrlich gemeint?

„Ich habe mich schlecht benommen“, beginnt sie. „Meine bisherigen Erfahrungen mit Asiaten sind eher negativ, das habe ich auf Sie übertragen. Ich entschuldige mich dafür. Aber vielleicht hätten sie Lust den Polizeisportverein zu besuchen und uns ihre Kunst vorzuführen?“

Meine Fähigkeiten Menschen zu durchschauen und ihnen stets einen Schritt voraus zu sein, hat mir schon oft den Hintern gerettet. Doris will mit mir kämpfen . Aber Menschen wie Doris besiegen sich selbst durch unbedachte Aktionen. Ich muss dann nur kontern. Und das mache ich hart und effektiv.

„Ob es so klug von mir wäre einen Officer zu schlagen?“, erwidere ich diplomatisch. Doris zuckt leicht zusammen. Plötzlich sieht sie nachdenklich aus. Das Handy rettet sie vor der Antwort und einer Blamage. „Ein Notfall“, entschuldigt sie sich. „Ich muss leider gehen.“

Auch wir verabschieden uns. „No hard feelings“, überrascht mich Doris und reicht mir die Hand. „Ich bin manchmal etwas forsch“, fügt sie hinzu. Haben Sie eine schöne Zeit in Los Angeles.“ Das hat sie ehrlich gemeint. Ich kann in Augen lesen.

Ehrlich sind auch die verlegenen Blicke ihrer Eltern, die ich schnell beruhigen kann. „Danke!“, flüstert mir Ellie zu. Dann entschweben wir ins in unsere Wohnung. „Ich dachte schon du verhaust die jetzt“, sagt Yuki und wirkt erleichtert. „Sie hat verstanden“, erwidere ich und gebe Elfchen einen Kuss.

Dein Freund und Helfer

Der nächste Tag beginnt viel zu schnell. Sind wir nicht eben erst zu Bett? Als wir ins Auto steigen, versperrt uns ein Polizeiwagen den Weg. Der Beamte ist zwar freundlich, aber will unsere Papiere sehen. „Wo ist das State Test Certificate (Eine Bescheinigung für den Abgastest)?“, will er wissen und runzelt die Stirn, als ich es ihm zeige.

„Gibt es ein Problem, Officer?“, frage ich. „Ist etwas nicht in Ordnung?“ „Bleiben Sie beim Wagen“, verlangt er und ruft über Funk die Zentrale. Ich kann nur die Hälfte verstehen, ahne aber, dass er uns ein Ticket schreiben will. Der Grund? Vermutlich keiner, er hat vielleicht nur sein Soll für diesen Monat nicht erfüllt.

Vielleicht liegt es auch am Wagen, ein neben uns parkender Mercedes hat auch ein Ticket bekommen. Diese Unsitte Autofahrer abzuzocken, ist leider auch in Deutschland Alltag geworden. Den Ländern fehlt Geld, das sie sich auf diese Weise holen. In unserem Fall zu Unrecht, daher will ich keine Strafe zahlen.

Auch seine Drohung, den Wagen stillzulegen beeindruckt mich wenig. Ich weiß, dass alles in Ordnung ist. Bevor die Sache eskaliert steht Frank neben mir. Er habe den Beamten schon eine Weile vom Fenster aus beobachtet, erzählt er später. Der sei bekannt für solche Sachen.

„Ich habe meine Tochter informiert“, sagt er. „Bleiben Sie ganz ruhig, sie war sowieso auf dem Weg hierher. Plötzlich grinst er. „Zufällig ist sie sein Boss“, fügt er hinzu. Der Officer zuckt zusammen, als er Franks Worte hört. „Der Lieutenant ist ihre Tochter?“

Als Doris im Freizeitlook auftaucht, versinkt er fast im Boden. Noch kleiner wird der Hüne, als sie ihn zurück auf Streife schickt. Vorher hat sie die Papiere kontrolliert, die sie in Ordnung fand. Im Wagen warten zwei blonde Mädchen, die Doris wie aus dem Gesicht geschnitten sind. Ihre Töchter, die noch zur Schule gehen.

„Alles gut“, sagt Doris, die wie ausgewechselt ist. „Noch mal sorry für gestern“, fügt sie leise hinzu. „Ich hatte einen wirklich miesen Tag. Wir wollen mit der ganzen Familie shoppen gehen. Wollen Sie vielleicht mit?“

Wir hatten andere Pläne, aber sagen spontan zu. Was uns neue FreundInnen bringt. Doris ist wirklich okay, wenn man sie näher kennt. Das hat nur seine Zeit gedauert.

Fun, fun, fun

Mit Einheimischen auf Tour zu gehen, ist in jeder fremden Stadt okay. Doris kennt viele Läden, die günstiger als der Durchschnitt sind. Ihre Töchter sind liebenswerte Kopien der dominanten Mutter. Wer hier wen im Griff hat, wird schnell klar.

Wir finden einen Laden mit queerer Mode, die Verkäuferin sieht absolut stylish aus. Um mehrere T-Shirts reicher geht es zum Walk of Fame. Zwar kennen wir den schon, aber Doris besteht darauf. In einer ruhigen Minute erzählt sie mir von ihrem Mann. Den sie rausgeworfen hat, als er sie betrog.

„Das mit der Liebe war sowieso vorbei“, sagt sie. „Wir haben nur noch zusammen gelebt. Aber mich betrügt man nicht!“ Ich muss schmunzeln, als sie mir von einem Verhältnis erzählt, das sie mit einem Kollegen hat. „Aber ich bin noch sehr unsicher, wie es weitergeht und ob.“

Sie zwinkert mir verschwörerisch zu. „Vielleicht hätte ich die Liga wechseln sollen“, sagt sie. „In Kalifornien ist das ja schon normal.“ „Du bist nicht lesbisch“, erwidere ich. „Glaub mir, ich kann das fühlen.“ Wir verstehen uns und sie lacht.

Aus Spaß und wirklich ohne Hintergedanken, habe ich sie doch im Polizeisportverein besucht und so lange über die Matte gewirbelt, bis sie lachend aufgegeben hat. Darauf mir „ihr Kickboxen“ zu zeigen, hat sie verzichtet. Sport verbindet über Landesgrenzen. Und ich bin nur manchmal ein Biest.

Kurz vor dem Jahreswechsel, haben wir uns bei Ally und Heather einquartiert. Sie und ihre Eltern wären sonst tödlich beleidigt gewesen. Außerdem haben sie viel Platz und wir waren im Handumdrehen Teil der Familie. Mit Privatsphäre, das ist klar.

Über unser (fast) normales Leben in Kalifornien, werde ich im nächsten Artikel schreiben. Und wie ich wieder zum „Tai Chi Girl“ geworden bin.

Klartext: Die Meinung im Wandel der Zeit

Eigentlich sollte das mein letzter Blogeintrag werden. Aber eigentlich ist ein komisches Wort. Immerhin haben es nun 600 Beiträge an die Öffentlichkeit geschafft.

Was als harmloser Spaß begann, hat sich zu einem achtbaren Projekt entwickelt. Aktuell folgen 420 LeserInnen meinem Blog. Die wenigsten kommentieren. Aber das ist durchaus normal.

In vielen Beiträgen, habe ich ganz bewusst Reaktionen provoziert. Die Rechnung ging immer auf und prompt kamen die VerfechterInnen diverser Ligen aus der Deckung.

(D)Eine Meinung zählt!

Die eigene Meinung zu vertreten ist wichtig und gut. LeserInnen dürfen gern eine andere Meinung haben und sie mit mir teilen. Ich bitte sogar darum.

Aber wer nur (subtil) attackieren kann, wer (versteckte) Beleidigungen im sprachlichen Repertoire gepachtet hat, der sollte sich in extra dafür geschaffene Foren trollen. Dort streitet man oft und auch sehr gern.

Im Lauf der Zeit, hat sich dieser Blog und meine Meinung gewandelt. Einigen ist das suspekt. Deren Ego kann wenig mit einer Japanerin anfangen, die (ihr) Deutschland und die Deutschen kritisiert. Die rosa(rote) Brille trübt oft den Blick.

Ich kommentiere wenig, aber dafür ehrlich und sehr direkt. Und ich stellte gezielte Fragen, die man angeblich nicht verstehen (leiden) kann. Eitel Sonnenschein war gestern. Bei mir wird Klartext gesprochen.

Klartext

Klartext spreche ich auch über die Wiederwahl von Angela Merkel zur Kanzler-Kandidatin. Mangels Alternative(n). Nee, ist klar meine Damen und meine Herren von der CDU. Sie haben den sicheren (Alters)Sitz im Bundestag gewählt.

Da sonnt sich nun eine Frau im Beifall der Delegierten, auch wenn sie ein schlechtes Ergebnis eingefahren hat. Wie skrupellos muss man als Mensch sein, um so zu reagieren.

Und die Rote Karte bekommt von mir die ARD, die sich, durch das Verschweigen der Festnahme des Mörders von Maria Ladenburger, erneut an die Spitze der Lügenpresse setzt. Womit wir wieder beim Staatsfunk wären und beim programmierten Mensch. Möchte noch jemand „Verschwörungstheorie“ rufen?

Mord als Lohn der Hilfe

Maria durfte kurze 19 Jahre leben. Ein Flüchtling, hat ihr Leben ausgelöscht. Die Ironie, Marias Vater ist ein hoher EU-Beamter, der für Flüchtlingsfragen zuständig ist und Maria war als Flüchtlingshelferin tätig.

Das ist so tragisch, wie die Vergewaltigung zweier chinesischer Studentinnen durch einen Iraker in Bochum. Aber Flüchtlinge und Asylbewerber nun pauschal zu verdammen, ist völlig daneben. Das machen lediglich Populisten.

Die Masse der oft illegal nach Deutschland gekommenen Menschen ist friedlich. Dass viele nicht in dieses Land gehören, dass sie kein Recht und keine Chance auf Asyl haben, das steht dann auf einem anderen Blatt. Auch darüber muss man sprechen.

Bedürftigen zu helfen, ist nie verkehrt. Aber wer die Hand beißt, die ihn füttert, den muss man hart bestrafen. Darüber sollte man nicht nur reden, man muss es endlich tun.

Täter und Opfer in der Diskussion

Was mich massiv stört, ist die unsägliche Diskussion darüber, ob Deutsche ebenso kriminell wie „Ausländer“ sind. In der Statistik liest sich das anders. Man muss das aber sehr genau differenzieren. Und das wird oft nicht gemacht.

Von Asylbewerbern begangene Diebstähle mit Armut zu entschuldigen, ist zynisch. Entschuldigt das auch die Vergewaltigung von Frauen beim Samenstau?

Nehmen wir in Deutschland lebende Türken, die klar die Drogenkriminalität beherrschen. Zum Teil haben sie deutsche Pässe. Haben wir ein deutsches oder türkisches Problem?

Aber auch hier gilt, dass die Masse der Türken friedlich ist und keinen Ärger will. Leider ist es eine kriminelle Minderheit, die die öffentliche Meinung nicht nur beherrscht sondern auch langsam vergiftet.

Den Kardinalfehler begehen dabei aber die friedlichen Migranten, die sich nicht klar gegen ihre eigenen Leute stellen. Ganz im Gegenteil wird deren Verhalten oft noch toleriert. Auch darüber muss man reden.

Und über jedes Opfer, über jede Tat, die durch wen auch immer begangen worden ist. Und wenn es ein „Flüchtling“ war, der Oma Ernas Kaffeekasse stahl, dann wird er wieder ausgewiesen. Da gibt es keine Diskussion.

Tat und Täter

Apropos Opfer! Wer die Pressekonferenz der Polizei in Bochum gesehen hat, dem sind vielleicht einige Dinge aufgefallen. Unter anderem war die Rede von einem „gefährlichen Gegenstand“, mit dem die beiden Frauen bedroht worden sind.

Der Täter, ein Iraker, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Und ich behaupte an dieser Stelle, es war nicht seine erste Tat. Die abstruse These, dass Familienväter harmlos seien, wird damit ad absurdum geführt. Aber auch das sollte man nicht pauschalisieren.

Leider ist dies kein Einzelfall. Die männlich dominierte Gesellschaft arabischer Staaten, sieht Frauen als dem Mann untertan an. Und diese Mentalität wird auch ins Gastland transportiert. Mit allen negativen Folgen.

Wer derart gezielt seine Opfer sucht, wie der Iraker und vermutlich ein Messer benutzt, hat bereits einen kriminellen Hintergrund. Aber das hat niemand überprüft. Stattdessen Hunderttausende nach Deutschland gewunken, die eben nicht alle harmlos sind.

Mit Gewalt und Waffen kenne ich mich aus. Auch damit, wie, warum und wann Täter sie benutzen. Und ich habe im Lauf der Jahre eine sehr gute Vorstellung davon bekommen, was Kriminelle bewegt.

Ich zitiere noch einmal Professor Bassam Tibi, der in Syrien geboren worden ist und dessen Worte man für all die zugereisten Terroristen, Vergewaltiger und Mörder auslegen kann, die in Deutschland Straftaten begehen.

Wörtlich hat er gesagt: „Unter den Leuten aus meiner Heimat Syrien, die nach  Deutschland flüchten, befinden sich auch manche, die zuvor ihre Nachbarn ermordet haben – nicht alle sind Engel, Ingenieure und hochgebildete Akademiker, wie deutsche Medien suggerieren.“

Und es sind genau diese deutschen Staatsmedien mit ihrer Willkommenskultur, es ist unsere Bundeskanzlerin mit der Aushebelung deutscher Gesetze und ihrem Satz „Wir schaffen das!“, die eine indirekte Mitschuld an solchen Verbrechen haben.

Deutsche Streitkultur

Dieser Blog wird vorerst nicht geschlossen. Ich werde versuchen im gewohnten Rhythmus aus den USA zu schreiben. Neun Stunden Zeitunterschied werden das zu einer Herausforderung machen. Mit Abstand zu Deutschland werden sich Themen bestimmt wandeln. Aber wer schweigt, der macht sich schuldig.

„Ich hasse, was du sagst, und ich werde Mittel und Wege finden, dich von künftigen Diskussionen auszuschließen!“, ist das verbreitete Mittel deutscher Streitkultur.

Wenn sich nun einige LeserInnen aus diversen Gründen herausgefordert fühlen und (wieder) bei mir kommentieren möchten, so sollten sie sachlich zu bleiben. Streit (im Internet) ist nur verlorene Lebenszeit.

Man kann eine andere Meinung haben und trotzdem freundschaftlich diskutieren. Ich vermute, das haben die wenigsten gelernt. Aber verbale Attacken machen auch Zwerge groß.

JapanerInnen sind Patrioten, das ist nun mal so. Wir sind stolz auf unser Land, das wird sich niemals ändern. Ich bin doppelt stolz, denn ich habe (noch) beide Pässe.

Wem das nicht passt, wer sich und seine Herkunft als Deutscher verleugnet, wer lieber alles Fremde hofiert, den fordere ich auf zu gehen. Löscht meinen Blog aus eurem Reader, ich habe kein Problem damit.

Mir ist es gleich, ob diesem Blog fünfzig oder fünfhundert LeserInnen folgen. Ich weine niemand eine Träne nach. Qualität geht mir vor Quantität und kontroverse Sachlichkeit vor Unterstellungen.