Eine Japanerin in Schweden

Winter in Schweden sind ein Erlebnis der besonderen Art. Ohne Sonnenbrille und warme Kleidung, ist ein Aufenthalt im Freien kaum empfehlenswert. Die hat uns Wolf mitgebracht. Yuki Mutter hat dafür unseren Kleiderschrank in Deutschland geplündert.

Der lange Flug von Los Angeles und der Zwischenstopp in Holland sind vergessen, als uns Schwedens Natur willkommen heißt. Unberührt, aber gefährlich für normale TouristInnen. Eisdriften, das mag im ersten Moment spaßig klingen und eigentlich ist es das auch.

Wikinger suchen wir in Schweden vergeblich. Die laufen nur noch in Filmen umher oder in den Sagen der Menschen. Die Kälte springt mich wie ein Tiger an und raubt mir kurz den Atem. Minus 24 Grad sind kein Pappenstiel. Mit Wind sind es noch 10 Grad mehr.

Wolf ist happy uns zu sehen und hätte uns am liebsten umarmt. Aber er kennt mich und weiß, dass Abstand besser für ihn ist. „Ihr seid  meine Lebensretter“, lässt er uns wissen und strahlt über das ganze Gesicht. Nur zwei Ingenieure haben es halb gesund nach Schweden geschafft. Der Rest ist noch immer außer Gefecht.

Das Monster

Entsprechend kurz wird unser Aufenthalt sein. Und bei den Autos sind wir auch limitiert. Ein eisblauer Golf lächelt mich an. Geduckt auf vier Winterreifen steht er da. Wolf grinst, als er meinen Blick bemerkt. „Ja“, sagt er, „das ist unser Schätzchen.“

Der Golf R hat eine abenteuerliche Reise hinter sich. Per Zug und Fähre nach Norden und dann sind die Jungs in den Winter gefahren. „Drei Männer, drei Autos“, erklärt uns Wolf und verpflichtet mich zum Stillschweigen über die beiden anderen Modelle. Ich darf nur schreiben, dass es zwei Audi mit mächtig dicken Motoren sind.

Wolf hat in einer Nachtschicht Hand angelegt und letzte Feinheiten am Golf eingestellt. Vor mir steht ein knapp 500 PS starkes Monster, das vor Kraft nur so strotzt. Beeindruckend ist anders, ich bin mehr gewohnt. Kann nun der Spaß beginnen?

Der Elchtest

Aber zum Spaß sind wir eigentlich nicht nach Schweden geflogen. Dieser Golf hat einen Elchtest zu bestehen. Die Tuningschmiede hat die Leistung des Wagens derart massiv erhöht, dass keine Schraube original geblieben ist. Sensoren melden die Daten des Wagens, die Wolf mit Argusaugen überwacht. Hält der Motor die Belastung aus?

Warum Schweden, warum diese Tests in beißender Kälte, die Mensch und Material an die Grenze der Belastbarkeit bringen? Die Antwort steht schon in der Frage, es geht um die Haltbarkeit der Komponenten. Was unter extremen Bedingungen funktioniert, wird auch im normalen Alltag gut aussehen.

Aber warum Yuki und ich als Fahrerinnen, wären andere nicht billiger gewesen? Die Antwort darauf gibt es später. Und sie wirft erneut Pläne um. Wir steigen ein und nach dem Funkcheck erwacht der Motor zum Leben. Er faucht und röchelt heiser, Allradantrieb schiebt den Golf nach vorn. Nur andere drehen durch.

Ich gewöhne mich schnell an den eisigen Untergrund. Vor und hinter mir stehen Wagen quer, TouristInnen, die keine Ahnung von Driftmanövern haben. Auch ich bin weit davon entfernt, die Ideallinie zu finden, das ist unmöglich auf diesem Terrain.

Aber ich schlage mich gut und werde schneller, was Elfchen sehr leise werden lässt. Angst haben nur die anderen, wir sind mit Buddhas Segen unterwegs. Und wenn der nicht helfen will, wird es andere Götter geben. JapanerInnen sind in der Auswahl nie verlegen.

In der Summe quer

Wie fahren sich 500 Allrad PS auf eisigem Untergrund? Anders, als im normalen Straßenverkehr. Man (Frau) muss selbst erleben, wovon ich hier spreche. Geradeaus war gestern. Ich fahre in der Summe quer.

Der Golf tänzelt, schiebt wahlweise über die Vorderräder und bricht überraschend nach hinten aus. „Lastverteilung mangelhaft“, gebe ich an Wolf weiter, der hörbar schnauft und vermutlich nickt.

Ich denke an Deutschland. Düsseldorf ist plötzlich nicht mehr fern. Aber nach dem Karneval fliegen wir zuerst wieder in die USA. Dieses Jahr passt es, dieses Jahr geht’s zum Dinah Shore.  Falls keine weitere Kurskorrekturen kommen, wird es im Mai zurück nach Europa gehen. Die Reisetanten grüßen den Rest der Welt.

Frau(en) am Steuer

Vorsichtiger, aber mit genug Selbstbewusstsein ausgestattet, übernimmt Yuki schließlich das Steuer. Lästerzungen behaupten ohnehin, dass sie die Chefin im Elfenheim sei. Aber das wüsste ich, wir sind ein (gutes) Team. Grüße an eine gewisse Kampfsportlerin an dieser Stelle, die hat das richtig erkannt.

Der Benzinverbrauch des Wagens kann nur als abenteuerlich bezeichnet werden. Fast 20 Liter rauschen durch den Turbomotor. Das liegt mit an der Temperatur, dem höheren Rollwiderstand der Winterreifen und Sitz- und Lenkradheizung. Natürlich auch am Motor selbst, der viel mehr Leistung als in der Serie hat.

Nach einer Stunde  machen wir Pause und wärmen uns bei Tee und guter Laune auf. Wolf wiegt den Kopf, der Motor läuft nicht wirklich rund. Er bespricht sich mit seinen Ingenieuren und ich notiere erste Punkte des Artikels. Die erneute Zeitumstellung macht uns zu schaffen, wirklich fit zu sein ist anders.

Technik, die begeistert

Schon jetzt ist klar, dass wir kein normales Wochenende haben können. Zwar fahren wir nur halbe Tage, aber auch danach ist noch Arbeit angesagt. Und beim reinen fahren wird es dieses Jahr kaum bleiben, das stand schon vor der Reise fest.

Zwar sind wir keine MechanikerInnen, aber ich passe nur, wenn ein Motor lediglich aus Einzelteilen besteht. Das dürfen dann die richtigen Schrauber machen. Wir werden beim Abgleich der Daten assistieren. Verbunden mit Wolfs Bitte „Macht bloß nichts kaputt!“ Was der nur immer hat, mein Gasfuß ist bekanntlich sanft. Und am Laptop bin ich Spitze.

Yuki dreht Runde um Runde auf dem Eis. Eine Japanerin in Schweden, Elfenpower pur! Ein alter BMW dreht sich vor uns übers Eis. Plötzlich bleibt der Wagen stehen. Zwei blonde Frauen steigen aus, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen.

Die Elfen

Wir stoppen und schon kommen Helfer gelaufen. „Der Wagen ist kaputt“, höre ich auf Englisch. Alva und Ylva sind Zwillingsschwestern und wollten schon immer driften lernen.

Alva, die Elfe und Ylva, die Wölfin, treffen wir später im Hotel. Die Mädels sind 21 und super lieb. „Wir kennen Deutschland“, erzählt uns Ylva, die eindeutig die Chefin ist.

Wir erfahren, dass ihr Vater das Abenteuer bezahlt. Interessiert hören sie zu, als ich von Los Angeles erzählen. Dass wir ein Paar sind stört die beiden nicht. Alva gesteht uns, dass auch sie schon etwas mit Frauen hatte. Und ihre Schwester lacht.

„Wir nehmen das nicht so genau“, sagt sie. Schnell wird klar, dass die beiden mehr als nur flirten wollen. Aber unser Abenteuer heißt Treue, das mache ich den beiden lächelnd klar. Trotzdem bleibt die Stimmung gut und wir sprechen über Schweden.

Natürlich kommen auch Asylanten als Thema vor und Ylvas Gesicht verfinstert sich. „Wir haben zu viele davon“, sagt sie. „Ich habe keine Vorurteile, aber ich will nichts mit Afrikanern anfangen!“ Klare Worte, die auf taube Ohren stoßen. Die Zahl der Vergewaltigungen wächst dramatisch.

Was in Deutschland Köln war, gab es auch in Schweden. Polizei und Regierung versuchten das damals zu vertuschen. Entsprechend heftig hat die Öffentlichkeit reagiert. Als ich davon erzähle Kurse für Frauen zu geben, werden die beiden Mädels richtig wach.

Wir sprechen eine gute halbe Stunde über Selbstverteidigung. Als die beiden auf ihr Zimmer gehen ist klar, dass auch sie die Abwehr von Attacken lernen wollen. Ich habe zu Wendo oder Krav Maga geraten. Das ist einfach und sehr effektiv. Und gute TrainerInnen werden auch den mentalen Aspekt lehren.

The „New Deal“

Am nächsten Morgen geht die Fahrt im Golf weiter. Wolf hat geschraubt, jetzt ist der Wagen fit. Weniger fit sind die Ingenieure. Einer liegt wieder mit Fieber im Bett. Wolfs sorgenvolle Miene, hat noch einen anderen Grund. Die Absatzzahlen sind stark eingebrochen, Deutschland spart beim Turbobums.

Zum Glück für die Firma gibt es den Japan Deal. Trotzdem sieht die Zukunft alles andere als rosig aus. „Wir brauchen neue Märkte“, lässt Wolf mich wissen. „Und ein anderes Konzept.“

Trotz Müdigkeit bin ich sofort hellwach. Als wir vor Jahren mit den Autotests begannen, habe ich mich bewusst gegen eine Mitarbeit beim Management ausgesprochen. Aber soll ich die Familie wirklich hängen lassen?

„Papa hat nie etwas erwähnt“, sagt Yuki, „wie schlimm ist es?“ Wolf schweigt sich aus, was selbst mir Sorgen macht, aber seinen Anruf erklärt. Kurzfristig Fahrer zu finden war auch finanziell unmöglich.

„Hilfst du?“, will Yuki zurück im Auto wissen. „Das wird dann auch ein Elchtest“, erwidere ich und denke schon weiter. Strategien zu entwickeln war schon immer mein Ding. Geld spielte dabei stets die Nebenrolle.

„Wie bringen wir das deinem Papa schonend bei?“, denke ich laut nach. „Lass mich machen“, sagt Elfchen und gibt mir einen Kuss. „Mit Männern kann ich besser als du.“ Ich muss lachen. Das ist Humor, den ich mag. Wie gut, wenn Frau eine Elfe hat.

 

Lichter der Großstadt – Teil 7: Eiskalt

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“, hat Colonel John „Hannibal“ Smith vom A-Team einst gesagt. Auch in meinem Leben spielen Pläne eine Rolle. Ohne Konzept geht eine Mayumi nie aus dem Haus. Und doch habe ich mir meine Spontanität erhalten, die Yuki oft wahnsinnig macht. Sie ist der stabile Faktor meines Lebens. Ohne sie flöge ich davon.

Deutsche und JapanerInnen können ohne Visa bis zu drei Monaten in den USA bleiben. Wir haben noch in Deutschland einen Antrag gestellt, um unseren B2-Visa Aufenthalt auf sechs Monate auszudehnen. Nach einem kurzen Gespräch im Konsulat, das reine Formsache ist, haben wir diese Bewilligung auch bekommen.

Nach dieser Zeit sollte man wissen, ob man in einem anderen Land „zu Hause“ ist. Zur Not hätte das sonst Onkel Jiro für uns geregelt. Es ist erstaunlich, welchen Einfluss (japanische) Diplomaten haben.

The Drift

Wolfs Anruf erreicht uns kurz vor Mitternacht. „Hallo Yumi“, sagt er“, tut mir leid zu stören, aber ich habe ein Problem.“ Das Problem heißt (echte) Grippe und hat die halbe Mannschaft dahin gerafft. Zumindest ins Bett, sonst geht’s den Jungs ganz gut. Aber der Abflug nach Schweden, der dieses Jahr früher als gewöhnlich ist, wird ohne Fahrer nicht funktionieren.

„Ich brauche Hilfe! Ohne euch platzt der ganze Plan. Könntet ihr euch vorstellen von Los Angeles direkt nach Schweden zu fliegen? Am besten schon gestern? Die Tickets buche ich natürlich, ihr müsstet sie nur am Schalter holen.“

Meine (kaum vorhandenen) Nackenhaare sträuben sich, wenn andere über mich bestimmen wollen. In diesem Fall höre ich einfach zu. Ich mag Wolf, er ist eine Art Onkel für mich. Und er hat wirklich Ahnung von seinem Job.

Yuki verzieht keine Miene, als ich sie kurz informiere. „Geht’s Papa gut?“, fragt sie nach und Wolf kann sie beruhigen. „Er wird dich noch gesondert informieren.“ Ich vereinbare mit Wolf, dass wir ihn am nächsten Morgen anrufen. Die USA schon nach einem Monat wieder zu verlassen stand auf keinem Plan.

Plan B

„Was denkst du?“, frage ich Yuki und plane schon. „Wir machen die zwei Wochen Schweden, nehmen in Deutschland noch den Fasching mit und fliegen pünktlich zum Dinah Shore zurück nach Los Angeles. Was hältst du davon?“ „Und wann machen wir unsere Arbeit für die Firma? (Gemeint ist die deutsch-japanische Kooperation)“, stellt sie die Gegenfrage.

Das ist leider ein Problem, das wir nur schwer lösen können. Der Auftrag bietet finanzielle Sicherheit, auf die wir nicht verzichten können. Und es gibt Termine, die einzuhalten sind. Unmöglich, wenn wir täglich viele Stunden auf dem Eis driften. Aber wir können Wolf und Yukis Vater unmöglich die kalte Schulter zeigen.

„Wir könnten halbe Tage vereinbaren“, schlage ich vor. „Oder uns abwechseln. Ein Tag fahre ich, den anderen du. Oder ich fliege allein und du bleibst in Los Angeles …“ „Spinnst du?“, fragt Yuki und fasst mir an die Stirn. „Du verhungerst doch ohne mich!“

„Ach was“, wehre ich ab. „Ich vernasche dann die Zimmermädchen.“ „Klassischer Fall von Selbstüberschätzung“, kontert Yuki. „Aber dich Flirtliese lasse ich keinen Moment allein. Sonst gehst du wieder mit wilden Kerlen fremd.“ Sie lacht über diesen Insider Witz. (Nachzulesen HIER, falls jemand den Artikel noch nicht kennt.)

„Wir können morgen weiter reden“, schlage ich vor und marschiere Richtung Bett. „Nix da!“, erwidert Yuki. „Wir klären das hier und jetzt. Sonst kann ich wieder die ganze Nacht nicht schlafen. Halbe Tage sagst du? Das wäre immerhin eine Option. Die Korrespondenz zu übersetzen ist recht einfach und dein Konzept steht doch soweit. Okay, ich bin dabei.“

In the cold light of day

Während ich meine Träume selbst bestimmen kann, macht sich Yuki gern Sorgen, die ihr den Schlaf rauben können. Dann nehme ich sie in den Arm und beruhige sie. Auch das ist Liebe, auch das kann ich gut.

Ally und Heather sind traurig, als wir sie am nächsten Morgen informieren. Aber sie haben Verständnis und freuen sich auf ein Wiedersehen im März. Auch Fan Fan und Feng sagen wir noch Goodbye. „Danke, dass du mir geholfen hast!“, sagt er und verbeugt sich vor mir. Zur Info, ich habe ihm „echtes Karate“ beigebracht.

Der Flug nach Schweden dauert einige Stunden. Yukis Vater bringt warme Kleidung für uns mit. Und, da bin ich mir sicher, eine dicke Entschuldigung, in Form eines Geschenks. Ich kenne meinen Schwiegervater gut. Für meinen Blog heißt das eine Pause von zwei Wochen. Ich glaube kaum, dass wen Eisdriften interessiert.

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“, hat Colonel John „Hannibal“ Smith vom A-Team einst gesagt. Aber den alten Plan habe ich eiskalt abserviert. Nur, um neu zu planen. Stay tuned, the Beast will be back soon!

Wenn dieser Artikel erscheint sind wir entweder noch in Holland oder bereits in Schweden. Im Gegensatz zu den letzten Jahren muss ich auch dort ins Internet. Ihr dürft also gern kommentieren. 

Reise

Das Reisefieber hat uns gepackt. Yuki flitzt auf Elfenart durchs Zimmer. Warme Socken, Sport-BH und Slipeinlagen, wohl der Elfe die nie etwas vergisst. Prompt streckt mir meine Süße die Zunge entgegen. Ahnt sie meine frechen Zeilen?

Ein Tor, wer immer stille steht,
drum lebewohl, und reisen wir!
Ich lobe mir, ich lobe mir, die Liebe,
die auf Reisen geht!
Drum säume nicht und träume nicht,
wer meinen Wink versteht.
(August Graf von Platen)

Ich habe einen sechsten Sinn, ein Gespür für Dinge und Personen. Manchmal kann ich ein Stück weit in die Zukunft sehen. Und diese nahe Zukunft ist schneebedeckt.

Hier, wo von Schnee der Berge Gipfel glänzen,
Gedenk ich still vergangner Mißgeschicke,
Zurück nach Deutschland wend ich kaum die Blicke,
Ja, kaum noch vorwärts nach des Nordens Grenzen.
(Frei nach August Graf von Platen)

Yukis Gespür für meinen Humor ist meisterlich. Aber auch das gehört zu unserem vertrauten Spiel. Schweden ruft, die Turbo-Elfen folgen. Das Land der tausend Seen wartet winterlich.

Es scheint, dass das Reisen für mich eigentlich die zuträglichste Lebensart ist.
(August Graf von Platen)

Die dichterischen Worte treffen und meine Seele jubiliert. Zeig mir, oh Welt, diesen, meinen Weg.

Reise Reise Seemann Reise
Jeder tut’s auf seine Weise
(Rammstein)

Wie im vergangenen Jahr, werden wir in Schweden Urlaub mit Arbeit verbinden, um zu driften auf zugefrorenen Seen. Dieser Blog hat daher Pause. Im März gibt es (vielleicht) ein Wiedersehen.

So laß uns noch einmal vereint
Die vollen Gläser schwingen;
Der Abschied werde nicht geweint,
Den Abschied sollt ihr singen
(August Graf von Platen)

Doch soll nicht Trauer nun das Herz erfüllen. Auch wenn sich alles ändert, so bleibt der Elfen heller Schein.

Liebe auf Eis – Teil 2

Der Unfall mit dem RS8, hat fast den Test zerstört. Wieder half der alte Graf und hat für schnellen Ersatz gesorgt. Der neue Audi ist nur zum Teil verändert, dank neuem Fahrwerk und Turbobums. Aber er macht bereits eine gute Figur bei seinen Kameraden. Supersportler unter sich.

Schon vor Wochen hat Wolf diverse Boliden nach Schweden bringen lassen. Es sind nicht nur die Audi, auch ein Godzilla (Nissan GT-R) ist dabei. Er ist der Sonderling auf diesem Kurs. Aber was macht das schon. Wir sind fast alle queer. Und das in des Wortes doppelter Bedeutung. Englisch kann eine lustige Sprache sein.

Ein Ex-Ralley-Profi wird unser Instruktor sein. Er spricht Deutsch und Englisch auf lustige Art. Und meine Mädels fliegen. Aus der Kurve meist und das mit ganz viel Spaß. Für Graf Werner steht ein SUV bereit. Mit Spikes bereift, wie all die anderen Wagen. Ich drifte den Wagen auf dem See umher und der alte Herr lacht. Er versucht es selbst und scheitert zu Beginn. Also lasse ich ihn auf einem kleinen Audi üben, den er gut beherrschen kann. Nicht immer ist Größe besser.

Elfchen düst mit schnellem Reifen Runde um Runde auf dem See. Sie hat sichtlich Spaß und die arme Ilka schreit „Oh jeh!“ Aber Elfen kennen kein Erbarmen. Das habe ich euch doch schon immer gesagt. Die Juristin übt und hats dann gut gemacht. Elfchen hat geschmunzelt und Amelie Freudentränen gelacht. Auch über Ilkas Antrag, den sie ihr nach der Runde macht. Liebe auf Eis: „Sei meine Frau!“ Alle freuen sich und die beiden liegen sich im Arm. Das ist Liebe, das hält warm.

Linda zeigt uns stolz, was sie alles besser kann. Die Security-Expertin hat Fahrsicherheitskurse gehabt, aber noch nie auf einem zugefrorenen See. Eine Spur Wehmut mischt sich in ihre Freude. Sie weiß es, wir werden nach Düsseldorf ziehen. Aber Kilometer werden unsere Freundschaft kaum beenden. Wir bleiben uns für immer nah.

Witzigerweise hat Karin mehr Probleme beim driften, als ihre fast nie Auto fahrende Frau. Die beherrscht den Audi sicher, als hätte sie Benzin im Blut. Soviel zum Thema Rollen. Femme schlägt Butch, das hat meine Karin nun davon. Aber sie freut sich mit ihrer Frau. Neid kennen die beiden nicht. Ihre Töchter lachen und werfen Schneebälle nach mir. Prompt bilden sich zwei Lager. Vorwärts ihr Heldinnen, auf ins winterliche Gefecht!

Die Stunden vergehen. Immer wieder wird heißer Tee und Kaffee gereicht. Und auf Unterkühlungen geachtet. Lappplands Winter können tückisch sein. Nach dem Mittagessen im Hotel folgt prompt die zweite Runde. Aber schon gegen 16 Uhr endet dann der erste Tag. Sport, duschen und eine kleine Feier stehen auf dem Programm. An alles ist gedacht.

Im Fitness-Raum des Hotels gebe ich eine Privatstunde für die Frauen. Einige machen Kampfsport, andere haben das noch nie gesehen. Aber um Gewalt geht es im Karate nicht, das war nie Ziel der Sache. Linda, Yuki und ich wirbeln uns abwechslend über die Matte. Graf Werner im Gefolge von Yukis Eltern schaut kurz vorbei und ist begeistert, als er meine Würfe sieht. „Das würde ich auch gern können“, sagt er im Scherz. Aber seine Enkelin winkt ab und lacht. „Lass mich das machen, Opa Werner“, sagt sie. „Mayumi hat mir schon viel beigebracht.“ Und sie sprach nicht nur von Karate.

Yukis Papa hält nach dem Essen eine seiner Reden. Der Mann ist brillant, wenn es um Worte geht. Ein Rhetoriker, der kaum Sprachprobleme hat. Er blickt auf 2014 zurück, spricht über die Krisen der Welt und über die Sorgen von Menschen, denen es schlechter als uns allen geht. Und er spricht auch Regenbogen-Familien an und wie stolz er auf Yuki und auch mich als Schwiegertochter ist.

Ich tanze mit Yuki, aber an diesem Abend bin ich zum Allgemeingut geworden. Immer wieder wechseln wir und ich tanze die ganze Reihe der Mädels durch. Dabei fällt mir die Bloggerin Emma ein und was sie über Kleider schrieb. Ungewöhnlich für mich bin ich berockt an diesem Abend. Frau Dr. Landar im Abendkleid, wer hätte das gedacht. Aber ich leide gern für einen Spaß. Und den habe ich gehabt.

Aber auch Pläne. Und die werden umgesetzt. Nie mit Gewalt, nie radikal. Es sei denn, dass ich für den Regenbogen kämpfe. Ein Ziel für 2015 ist der Sifu-Titel (Meister) im Wing Chun. Mein Trainer denkt ich sei soweit. Ein Vorteil, wenn man außerhalb der EWTO aufgewachsen ist. Die lehren nur hohle Phrasen, um Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Elfchen und ich haben echtes Wing Chun gelernt. Ohne Tricks und doppelten Boden. Aber auch kompromisslos und hart.

Wie üblich telefoniere ich noch mit meiner Mutter bevor die Schlaffee uns besucht. Auch mit meinem Papa wechsele ich ein Wort und prompt folgt väterlicher Humor. Er kann es nicht lassen und neckt mich, dass er 2015 endlich Enkel will.
„Aber die liegen doch schon auf Eis“, breche ich endlich mein Schweigen. „Elfchen und Ken haben dafür gesorgt.“
Treffer, versenkt! Nie habe ich meinen Papa so sprachlos erlebt. Freudig versteht sich. Und meine Mama weint vor Glück, als ich es ihr gestehe. Dabei sind wir noch nicht mal schwanger.

Ja, die Liebe liegt bei uns auf Eis. Das können meine LeserInnen wörtlich nehmen. Vielleicht noch 2015 wird meine Elfe schwanger werden. Und ich die Großcousine meines eigenen Kindes. Das natürlich ein Mädchen wird! Was habt ihr denn nun gedacht? Und Cousin Ken freut sich für uns wie ein Schnitzel. Auf dass es gut werde, dieses Jahr!

Unsere Geschichte geht noch weiter. Nur für heute ist damit Schluß. Genießt die Zeit mit euren Lieben. Und gebt ihnen mindestens einen Kuss. Damit das Herz sich nie erkältet und die Liebe weiter brennt.

 

Den 1. Teil der Geschichte finden interessierte LeserInnen hier: Liebe auf Eis – Teil 1

Liebe auf Eis – Teil 1

Wir fliegen! Und das nun schon seit Stunden. Yuki schläft in meinem Arm, wie sie das auf Flügen immer macht. Die Reise geht in den hohen Norden der Welt, zu Lapplands vereisten Seen. Aber wir sind nicht allein auf diesem Flug. Frau Dr. Karin Sommer mit Frau und Töchtern ist ebenfalls dabei. Auch Linda darf nicht fehlen. Und natürlich Ilka und Amelie.

Umringt von wild-verrückten Mädels kann dieser Flug nur Spaß bedeuten. Aber die habe ich alle im Griff. Und mich die Vorfreude auf Vilhelmina. Schräg vor mir sitzt Wolf mit seinen Ingenieuren. Auch Yukis Eltern sind dabei. Nur meine haben abgewunken. Eisdriften im Norden ist nicht ihr Ding.

Einen kleinen Fehler muss ich mir eingestehen, ich habe mich im Land geirrt. Vilhelmina liegt in Schweden. Irrtümlich hatte ich den Ort in Norwegen gesehen. Wobei das ehrlich gesagt wenig Unterschiede macht. Da oben ist immer alles weiß. Zumindest im Winter. Und die Sprache ist sowieso fast gleich.

Geplant ist die Reise schon seit einer Weile. Kein anderer Termin war möglich. Es ist fast noch Vorsaison. Der gute Rutsch ins neue Jahr wird wörtlich werden. Wenn auch etwas spät. Und im Wort stand auch Graf Werner, der ebenfalls mitgekommen ist. Mit Frau und Enkelin versteht sich. Und zum Teil hat er das finanziert. Eine Kooperation der Firmen. Herr Graf haben investiert.

Mit Zwischenstops in Amsterdam und Stockholm erreichen wir Vilhelmina nach 8 Stunden. Wir haben die schnelle Variante gewählt. Nur Touristen fliegn länger. Winter im Norden hat eine andere Qualität. Da braucht es dicke Kleidung und keine sexy Unterwäsche. Eingemummt in dickste Daunen, die Köpfe durch Mützen geschützt, geht es zum Charterbus. Das Gepäck wird ins Hotel geliefert. Service, der besonderen Art.

„Ich freue mich wie ein kleiner Junge“, lässt der Graf mich wissen.
„Er redet seit Wochen von nichts anderem mehr“, sagt seine Frau. Und Enkelin Simone lacht.
Während Yuki auspackt muss ich mich dehnen. Ich laufe eine Kata und übe Spagat.
„Elfchen, ich mag dir was zeigen“, sage ich. „Die Technik hast du noch nicht gesehen.“
„Klar, du willst mich wieder hauen“, bekomme ich frech zu hören. Aber sie kommt dann doch und lacht.
Prompt albern wir durchs Zimmer. Yuki wehrt sich tapfer und gibt dann auf. Und ich ihr einen Kuss. Liebe ist, wenn man sich küssen muss.

„Ist gut jetzt“, beendet sie den Spaß und japst nach Luft. „Wart’s nur ab, nach dem Essen räche ich mich!“
„Wie denn?“, will ich wissen.
„So!“, sagt sie und klatscht mir auf den Po.
Liebe auf Elfenart. Ich muss die Süße einfach lieben.
Es klopft und Karin steckt den Kopf ins Zimmer.
„Seit ihr endlich fertig, oder wie lange dauert das noch?“, fragt sie im Scherz. „Eure Liebesspiele könnt ihr später machen.“
Lachend läuft sie davon, als ich einen Schuh nach ihr werfe.
Freundschaft kann auch das ertragen.

Nur wenige Gäste sind in dem Hotel. Auch Auto-Enthusiasten, die auf Abstand bleiben. Wolfs Team hat dafür gesorgt. Und Linda nur kurz böse geschaut, als ein Holländer zu flirten beginnt. Nun sind die Fronten abgesteckt und wir können ungestört zu Bett. Manchmal muss selbst ich nicht kämpfen. Nur mit dem Veranstaltungsplan.
4 Tage wird der Spaß dauern. Und für die meisten Teilnehmer kostenlos sein.
„Ich habe genug Geld“, hat der alte Graf gesagt. „Also bringen Sie Freunde mit.“
Und das habe ich gemacht.

Einige Mädels waren skeptisch bei der Sache. Karin sofort mit dabei. Sie und ich haben uns von jeher gut verstanden. Nur geprügelt hat Karin sich nie. Und bekanntlich habe ich mich immer nur gewehrt. Provokationen inklusive. Ich war ein kleines Biest.

Eine aufgeregte Hühnerschar ist nichts gegen das Geschnatter, das sich am nächsten Morgen abspielt. Ein Bus bringt uns zum See, die Wagen stehen bereit. Ich setze mich locker durch und dirigiere die Gruppe. Auch Yuki macht eine gute Figur. Liebe auf Eis. Aber im positiven Sinn.

Und eisig wird es auch im zweiten Teil. Vielleicht gibt es auch eine Antwort auf die Frage, wie unsere Zukunft aussehen wird. Das könnte durchaus sein.

Fortsetzung folgt …