Damals in Japan – Teil 3: Inari

Wie bei den meisten JapanerInnen, wird bei mir fröhlich Shintoismus und Buddhismus vermischt. Diese japanische Eigenart, habe ich bereits in diesem Artikel vorgestellt, den einige LeserInnen vielleicht noch nicht kennen: Japan, deine Religionen!

Wir sind in Kyoto. 650 Kilometer im SUV und eine Menge Eindrücke liegen hinter uns. Die eigene Heimat als Touristin zu erleben, ist einzigartig für mich. Ich tauche in mein Japan ein. Ein fremdes Land und doch wunderbar vertraut.

Wir machen uns auf den Weg zum Fushimi-Inari-Schrein und wandern durch unzählige Tempeltore, die von Privatpersonen oder Unternehmen gespendet worden sind. Man stelle sich diesen Brauch in anderen Religionen vor. Undenkbar vermutlich.

Yuki lacht, als ich ihr vorschlage auch ein Tor zu spenden. „Und demnächst wirst du noch Kaiserin von Japan werden“, sagt sie frech. „Ministerpräsidentin reicht“, kontere ich gelassen. „Dann erlaube ich die Ehe für alle.“

Ich mag Tempel sehr. Die einzigartige Atmosphäre zieht mich immer wieder in ihren Bann. Hier werde ich wieder völlig zur Japanerin und Deutschland zur fernen Erinnerung.

Yuki kauft zwei Amulette. Auch sie wirkt verändert, ihr Lächeln ist tiefer als sonst. Spürt auch sie die Verbundenheit mit Japan, die ich fühle? Sie nickt, als ich sie frage. Ein Schwobamädle auf den Spuren der Samurai.

Fuchsstatuen am Wegrand wechseln sich mit Teichen ab. Der Aufstieg zum Tempel dauert mehr als eine Stunde. Ich sehe es als Training, das natürlich ebenfalls auf dem Programm steht. Ein Dojo zu finden ist nicht schwer. Wir haben auch in Japan trainiert.

Im Tempel angekommen, werden wir mit einem Ausblick auf Kyoto belohnt, der einzigartig ist. Eine Familie mit zwei kleinen Mädchen kommt vorbei. Die beiden winken uns zu und Yuki knufft mich leicht.

Wir mögen Kinder, das ist keine Frage. Aber wir werden unser Leben nicht nach ihnen richten. Eigene zu bekommen, ist für uns ausgeschlossen. Ich habe schon berichtet warum.

Eine Adoption steht noch im Raum, aber vorher müssen wir noch viele Dinge klären. Weder Yuki noch ich werden jemals die klassische Frauenrolle übernehmen. Aber ein „Karate Kid“ wäre durchaus cool.

Auf dem Rückweg besuchen wir ein Restaurant und stärken uns mit Nudeln und Tee. Wieder sehen wir die Familie, die beiden Mädchen sehen nun müde aus. Aber es gibt kein Geschrei, keine Tränen. Tapfer essen sie und machen sich wieder auf den Weg.

Kinder in Japan wachsen anders auf. Disziplinierter und zum Teil unter hartem Leistungsdruck. Meine Eltern haben mich niemals bevormundet und mir scheinbar immer meinen Willen gelassen. In Wirklichkeit haben sie mich nur geschickt gelenkt, was ich ihnen gern verzeihe.

Es ist bereits Abend, als wir wieder im Hotel ankommen. Yuki ist müde, aber duschen muss noch sein. Die Klimaanlage sorgt für eine angenehme Temperatur und prompt schläft meine Elfe ein.

Als der Schlaf mich kitzelt ergebe ich mich auch. Schon ziehen erste Traumbilder in mir auf. Ich lenke sie und bin wieder im Tempel. Neben mir, als Füchsin, die Inari.

„Du warst lange weg“, sagt sie leise. „Hast du mich vermisst?“, will ich wissen und die kleine Füchsin lacht. „Ich bin immer bei dir“, erwidert sie rätselhaft. „Aber das hast du doch bestimmt gewusst.“