Schön sein muss der Mensch

„Schön sein muss der Mensch, edel und gut.“ Zwar gibt es das Zitat in dieser Form nicht, die Aussage trifft aber durchaus zu. Seit Jahren verkauft uns die Werbung das Bild vom jugendlich-schlanken Menschen, der immer gut gelaunt durchs Leben geht. Kein Fältchen, kein überflüssiges Pfund, ziert einen makellosen Körper. Und auch der Verstand ist gar wunderbar. So weit die Werbung, zurück zur Realität.

Werbestrategen ist etwas gelungen, was einzigartig ist auf der Welt: sie haben vor allem den weiblichen Teil der Bevölkerung in ihren Bann gezogen und aus der Bahn geworfen. Zutiefst verunsichert stehen diese Frauen vor dem Spiegel und betrachten kritisch, was sie dort sehen. Aber moment bitte! Kritisch? Nein, sage ich an dieser Stelle. Sie sehen ein Bild, dass man ihnen vermittelt hat.

Die Liebe zum eigenen Körper ist bei vielen Frauen kaum vorhanden. Wie oft habe ich von Freundinnen gehört, dass sie (wieder) auf Diät sind, ab sofort keine Süßigkeiten mehr essen und Alkohol strikt meiden. Geändert hat das am Hüftgold meist wenig, selbst Models sind selten perfekt. Da wird am Computer hemmungslos retuschiert, das ach so kurze Bein verlängert und der Busen eine Nummer größer gemacht. Oder kleiner, wie es Mann beliebt.

Apropos Mann, der bekommt nun auch sein Fett weg. Leider nur mit Worten, hat doch auch er das gleiche Problem. Sixpacks haben nur die anderen, der Mann von Welt trägt Speck. Das Komische bei den meisten von Zweifeln geplagten Menschen: in Wirklichkeit sind sie perfekt. Eine gute Figur liegt immer im Auge des Betrachters und hat mit Werbestrategen wenig zu tun. Die übrigens oft übergewichtig sind. Eine Folge langer Stunden am PC. Training machen auch nur die anderen.

Ich hatte nie Probleme mit Übergewicht und auch mein Busen ist nicht groß. Zwar sieht Yuki das anders, aber das ist nur Spaß. Wir haben beide (viel zu) wenig Körperfett. Auch eine Folge von unserem Sport. Zweifel an meiner Figur hatte ich nie. Vielleicht wäre ich gern größer, oder hätte gern längere Beine. Aber die Realität sieht anders aus.

Und genau diese Realität habe ich für mich genau so akzeptiert und das Beste aus meinen Möglichkeiten gemacht. Vor allem aber mag ich mich. Und genau das macht den großen Unterschied aus. Warum sollten mich Zweifel plagen, ob meine Frau mich noch liebt mit nun 53 Kilogramm? Auch Frauen können Muskeln haben. Wenn auch nie so dick wie Mann.

Auch Yuki mag ihren Körper. Das hat sie durch mich gelernt. Auch sie hat früher durchaus Zweifel gehabt. Seit sie mich kennt sind die Vergangenheit. Für mich ist Yuki die perfekte Frau. Und selbst mit 60 Kilo wäre sie das noch. Zwar ernte ich nun einen vorwurfsvollen Blick, aber das muss bei uns so sein. Liebe, die ich meine.

Als kleines Fazit bleibt mir noch zu sagen, dass jeder an seinem Selbstbild arbeiten sollte. Hört weniger auf vollschlanke Werbestrategen. Bleibt wie ihr seid, nehmt euch selbst an. Dann seid ihr schön, edel und gut.

Heldinnen wie wir

„Sei die Heldin deines Lebens, nicht das Opfer“, hat die US-amerikanische Schriftstellerin und Bloggerin Nora Ephron einmal gesagt. Und damit hat sie recht. Viele Frauen leben quasi in der Deffensive, vertrauen auf Mann und warten ab. Worauf, das habe ich nie verstanden. Das Leben verteilt keine Geschenke und Wunder sind selten geworden.

Saskia war ein solches Frauchen, sie war unsere Schönheitskönigin. Die Barbie im rosa Kleid. Schon in jungen Jahren umgarnte sie die Jungs, die ihr scharenweise zu Füßen lagen. Ich gebs zu, auch ich mochte ihren Hintern, ihr durchaus süßes Gesicht. Weniger die giftigen Worte, die sie anderen Mädchen gern vor die Füße spie.

Saskias Eltern hatten Geld. Sogar eine ganze Menge davon. Wir nannten sie „Prinzessin S“ und lachten über sie. Sie revanchierte sich mit billigen Intrigen. Nein, so eine Freundin braucht Frau nicht. Und irgendwie konnte ich sie auch nicht wirklich riechen. Und das lag mit an ihrem teuren, aber doch aufdringlichen Parfüm.

Ihre schulischen Leistungen waren nicht besonders. Saskia war schön. Eine blonde Göttin. Aber eine Göttin ohne Verstand. Dumm im klassischen Sinn war sie nicht. Sie hatte zum lernen nur einfach keine Zeit. Tennis, Lover und Friseur. Schöne Frauen habens schwer.

Das Abitur hat sie irgendwie geschafft und danach tapfer BWL studiert. Allerdings nicht in Düsseldorf, dort hat sie den Numerus Clausus (NC) weit verfehlt. Aber mit reichen Eltern findet sich immer eine Uni, die selbst bei einem NC von 3,x freudig nickt.

Saskia war alles, aber keine Heldin. Sie war feige, arrogant und zu gut für unsere normale Welt. Aber sie war auch eine arme Person, die kein eigenes Leben hatte. Sie musste schön sein, sie musste anderen gefallen, das war ihr ganzes Lebensziel. Wie sie den Bachelor in BWL machte, ist mir bis heute nicht klar. Kann man Titel kaufen?

Ihr Leben verlief nach Schema F. Schön sein, Studium, Heirat, Kinder. Und natürlich die Firma ihrer Eltern erben, als diese vor einigen Jahren bei einem Unfall starben. Geleitet hat sie die aber nie. Das hat ihr Mann gemacht und sie nach Strich und Faden betrogen. Nicht nur mit anderen Frauen. Auch um ihr ganzes Geld.

Saskia blieb das Armenhaus erspart. Aber es geht ihr schon lange nicht mehr gut. Ich war heute in Düsseldorf und habe sie dort getroffen. Zufall, oder Schicksal? Wer vermag das zu sagen. Keine Spur von Arroganz, war bei ihr zu finden. Im Gegenteil freute sie sich mich und Yuki zu sehen.

Auch von Homophobie keine Spur. Das war keine Show, kein schlangenhaftes Spiel. Ich kann gut in Menschen lesen. Auch und vor allem in solch megaschönen Wesen. Saskia sieht noch immer sehr gut aus. Aber sie ist ein anderer Mensch. Zwei Kinder hat sie und ist geschieden. Die Firma insolvent.

Wir sitzen in einem Stra­ßen­ca­fé. Saskia trinkt Cappuccino, wir grünen Tee.
Saskia streicht sich eine Locke aus der Stirn. Ein bitterer Zug liegt um ihren Mund. Das macht sie älter, als sie wirklich ist.
Gezeichnet vom Leben. Sie hat alles verloren.

Genau das sagt sie uns, aber Mitleid will sie nicht. Es ist nur ihre Art Dinge zu sehen.
„Du hast deine Kinder und du hast dich“, versuche ich ihre Perspektive zu ändern. „Ihr habt euch. Ihr lebt und es geht euch gut.“
„Wir leben in einer kleinen Mietwohnung“, sagt Saskia leise. „Mein Elternhaus ist weg. Zwangsversteigert. Ich habe einen Offenbarungseid leisten müssen und kann froh sein nicht im Gefängnis zu sitzen. Mein Mann ist weg, lebt irgendwo in Südamerika. Die Scheidung war schon letztes Jahr. Und ich bin nur noch Tippse mit Halbtagsjob.“
Yuki schaut mich an. Sie hat verstanden wer hier vor uns sitzt.
„Du bist nicht das Opfer“, sage ich. „Du hast dich selbst dazu gemacht.
Saskia nickt. Es ist kaum zu glauben, aber Barbie gibt mir recht.

„Wie habt ihr mich immer genannt? Prinzessin S?“, fragt sie amüsiert. Galgenhumor der besonderen Art, das ist deutlich zu sehen.
„Das passte gut zu dir“, erwidere ich. „Wir nannten dich auch Prinzessin auf der Erbse.“
„Empfindlich, giftig und voll von falscher Moral“, sagt sie mir. „Ich weiß das alles. Jetzt. Damals war ich nur ein Mädchen. Heute bin ich ein Nichts.“
„Du bist nur dann ein Nichts, wenn du dich selbst dazu machst“, entgegne ich. „Wann stehst du endlich auf und nimmt dein Leben selbst in die Hand?“
„Wie denn?“, will sie von mir wissen. „Mit zwei Kindern, die ich kaum ernähren kann? Mit Offenbarungseid und Schulden?“
Sie winkt ab, als ich etwas sagen will.
„Ich hatte meine Chance“, fährt sie fort. „Aber ich habe mich immer auf andere verlassen. Auf meine Eltern, meinen Mann. Jetzt bin ich am Boden. Und mir fehlt einfach die Kraft aufzustehen. Du hast sie immer gehabt, Mayumi. Und dafür bewundere ich dich. Ehrlich.“

„Sei die Heldin deines Lebens, nicht das Opfer“, hat die US-amerikanische Schriftstellerin und Bloggerin Nora Ephron einmal gesagt. Und damit hat sie recht.
Das Gespräch mit Saskia hat mich an diese Worte erinnert. Helfen kann ich ihr leider nicht. Sie ist ihres eigenen Glückes Schmied, sie allein hält alle Fäden in der Hand. Aber sie muss auch daran ziehen, darf nicht die Marionette anderer sein.

Die wahre Schönheit

Wahre Schönheit kommt von innen heißt es. Wissenschaftliche Untersuchungen haben dieses Klischee bestätigt. Die Bewertung von Fotos fiel bei den Probanden anders aus, wenn sie die betreffenden Personen kannten. Das (gute) Aussehen spielte dann eine weniger große eine Rolle. Als typisch japanische Schönheit, habe ich all diese Probleme nicht. Vor allem nicht mit meinem (guten) Namen. Aber dazu später mehr.

Wie nehmen wir anderen Menschen eigentlich wahr? Was gilt als schön und was nicht? Als Frau, die selbst nur Frauen liebt, sehe ich viele Dinge anders. Und auch wieder nicht. Aber immerhin muss ich keinem Mann gefallen. Viele Frauen glauben, dass es eine Pflicht zur Schönheit gibt. Mit allerlei Cremes und Gels wird der Körper malträtiert. Auch diverse Färbemittel dürfen nicht fehlen. Wollte die Frau von Welt nicht immer schon ein süßes Blondchen sein? Nagellack und Mascara sind der Alltag. Das lebenswichtige Lipgloss nicht zu vergessen. Hüftspeckig zwängt sich die so verschönte Dame dann gern in viel zu enge Jeans, die ihr nicht nur während der Regel arge Probleme bereiten. Und das Prinzessinnen Füßchen muss natürlich in genau jenen schmalen Schuh, auf dem sie dann stöckelnd zu ihrem Prinzen eilt. Und meist doch fällt. Herein. Aber lassen wir das.

Ich kenne fast keine Frau, die sich dem Schön- und Schlankheitswahn entziehen kann. Selbst bei Lesben ist das oft der Fall. Abgesehen von einigen eher fragwürdigen Frauen, die das Wort Deo, oder Achselhaarrasur vermutlich nur vom Hörensagen kennen. Die finden sich vielleicht dufte, ich ihren Duft dagegen nicht. Dank asiatischer Gene bin ich zwar keine Miss World, aber ich sehe deutlich jünger aus. Selbst mit meinen stolzen 30 Jahren habe ich noch keine Falten. Das wird dank dickerer Oberhaut auch noch eine ganze Weile so bleiben. Forschungen haben ergeben, dass Asiatinnen bis zum 50. Lebensjahr um mindestens 10 Jahe jünger aussehen und auch kaum Falten haben. Angeblich kehrt sich dann das Bild um und wir altern schneller. Meine Mutter beweist das Gegenteil. Klar hat sie einige Falten, ein Runzelgesicht noch lange nicht.

Auch mir fiel es schwer, mich dem Schönheitswahn zu entziehen. Dank modernster Lasertechnik, habe ich schon lange keine Achselhaare mehr. Die waren zum Glück eher spärlich vorhanden. Auf diese Weise spare ich mir aber eine hautreizende (Nass)Rasur. Und nein, ich bin kein bisschen eitel. Vor allem bei (überflüssiger) Körperbehaarung ergreift der Wahn schnell Besitz von Frau. Da wird gezupft und epiliert, getrimmt und kahl geschoren. Aus den Badezimmern dieser Welt erklingen täglich die Schreie von Frauen. Weniger lustbedingt, als schmerzgeplagt. Wer schön sein will, muss leiden. Frei nach dem Motto: Rasierst du noch, oder wachst du schon?

Aber was hat das alles nun mit meinem (guten) Namen zu tun? Immer wieder fragen mich Menschen, was Mayumi genau bedeutet. In der Regel antworte ich darauf, dass man ihn mit „wahrer Bogen“ übersetzen kann. Kann, ja. Aber nicht muss. Japanisch ist als Sprache etwas verrückt, immerhin haben wir mehrere Alphabete. Und  die werden zum Teil auch fleißig gemischt, was Lernende oft zur Verzweiflung bringt. Und zu allem Überfluss kann Mayumi in Kanji Zeichen auch auf verschiedene Art geschrieben werden. Wie eigentlich alle Namen. Und jedes Mal bedeuten die etwas anderes. Die für eine Frau richtige Übersetzung meines Namens lautet „Wahre (sanfte) Schönheit.“ Aber wozu soll das gut sein? Ich brauche keine Komplimente. Den japanischen Namen Mami kann man übrigens auch mit „Wahre Schönheit“ übersetzen. Kann. Ich sage doch, Japanisch ist verrückt.

Süß und sanft wollte ich schon als Kind nie sein. Lieber wild und ungestüm. Gemocht aber schon. Also habe ich mich für den Bogen entschieden und für meinen Namen andere Kanji-Zeichen benutzt. Bekanntlich kämpfe ich gern. In Wort und Tat. Und ich sehe mich als eine Art Kriegerin. Wem das nun spanisch, oder besser chinesich vorkommt, dem muss ich widersprechen. In Japan benutzt man zum Teil andere Kanji-Zeichen. Ganz verloren wäre ich in China aber nicht. Nur bei der Sprache. Die richtigen Zeichen meines Namens lauten 真優美. Und so, haben mich meine Eltern auch genannt. Meine Leser bitte nicht. Sonst fange ich an mit Worten zu schießen. Oder verstecke mich im マユミ (まゆみ). Und das ist ein japanischer Strauch. Die Zeichen stehen aber auch für Mayumi. Alles klar?