Ich kann nicht glücklich sein!

Immer wieder begegne ich Menschen, die das Unglück für sich gepachtet haben. Sie jammern, sie seufzen, es geht ihnen schlecht. Glücklich sind immer nur die anderen. „Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich sein ist der Weg“, hat Buddha gesagt. Für mich habe ich das schon vor Jahren erkannt. Unglücklich war ich aber nie. Das entspricht so wenig meiner Natur, wie die düstere Stimmung an einem Regentag. Und ist nicht auch der Regen ein Glück für Menschen? Er sorgt für Wachstum, für Wasser und damit für Brot. Auch das ist somit Glück.

„ich bin froh und glücklich, wenn die Prüfungen endlich vorbei sind“, höre ich immer wieder KommilitonInnen sagen. „Dann geht es mir endlich gut!“
Nur um dann am Ende des Studiums darüber zu jammern, wie glücklich sie doch auf der Uni waren. Der Mensch als Wechselbalg der Gefühle. Nur glücklich sind die meisten nicht.

„Wenn ich 5 kg abgenommen habe, werde ich glücklich sein“, hat eine Bekannte zu mir gesagt.
Aber ich habe nur den Kopf geschüttelt. Sie ist eine der Unzufriedenen dieser Welt, die das Glück vergebens jagen.
„Du wirst auch dann noch jammern“, sage ich ihr offen. „Glücklich sein, das ist kein Ziel. Du bist es, oder bist es nicht.“
Verständnislos schaut sie mich an. Sie hat die Worte nicht begriffen.

„Wie meinst du das?“, giftet sie los. „Natürlich ist das ein Ziel für mich!“
„Blödsinn“, erwidere ich. „Das Glück liegt im Hier und Jetzt, im Augenblick. Und nicht bei 5 kg weniger im Übermorgen. Du kannst kein Ziel erreichen, wenn du permanent unzufrieden bist. Siehst du das nicht ein?“
Sie ist beleidigt. Typisch Zicke. Mir ist es egal, Menschen wie sie brauche ich nicht.
Aber sie will es nun genauer wissen.
„Ich soll mir also keine Ziele setzen?“, fragt sie mit bösem Blick.
„Das habe ich nicht gesagt“, erwidere ich sanft. „Ziele sind sehr wichtig. Aber sie bringen dir kein Glück.“
Sie schüttelt vehement den Kopf und versteht mich noch immer nicht.
Glück, das haben nur die anderen.

„Aber Fakt ist doch, dass ich total unzufrieden mit meiner Figur bin“, jammert sie und deutet auf ihre Hüften.
„Was ist daran verkehrt?“, will ich wissen und schaue sie prüfend an. „Du wirst auch mit weniger Gewicht kein Model sein. Nimm dich so an, wie du bist.“
„Du bist gemein!“, lässt sie mich wissen und prompt schießen Tränen in ihre Kulleraugen. „Meine Freundin hat auch gesagt sie fände mich zu dick.“
Ich kann nicht anders und muss grinsen. Bei ihrer Freundin ist das Wort mollig noch untertrieben.
Und genau das sage ich ihr.
Mayumi pur, Ehrlichkeit in Reinkultur.

„Es kann ja nicht jede so dürr sein wie du!“, wirft sie mir an den Kopf. „Schau dich doch nur an!“
Ich schenke ihr ein Lächeln, die Worte gehen an mir vorbei.
Wie eine Ballerina drehe ich mich und wiege provozierend meine Hüften.
„Ja, schau nur“, sage ich. „So sieht Glück aus. Aber dieses Glück liegt in mir. Ich mache es nicht an anderen Menschen, oder Dingen fest. Ich bin mit mir zufrieden. Du mit deinem Leben auch?“
Sie schaut zu Boden und verneint die Frage.
So einfach können Fakten sein.

„Und wie hast du diesen Zustand erreicht?“, stellt sie die alles entscheidende Frage. „Was genau hast du gemacht?“
„Ich habe mich selbst angenommen“, sage ich. „Viele Menschen warten auf das Glück. Dir geht es doch gut, oder nicht? Du bist gesund, du hast einen guten Beruf und deine Arbeit macht dir doch auch Spaß. Was fehlt dir zum glücklich sein?“
Sie überlegt, aber findet keine Antwort. Schon wieder steigen Krokodilstränen bei ihr auf.
Die Frau kann auf Kommando.

„Schau“, versuche ich es erneut und habe eine Idee. „Nehmen wir an, dass man dir ein neues Auto zum Geburtstag schenken möchte. Empfindest du nicht schon Glück über das avisierte Geschenk? Oder erst wenn es dann vor dir steht?“
„Klar freue ich mich jetzt schon“, sagt sie sofort. „Aber noch mehr, wenn ich das Auto dann habe.“
„Aber du stimmst zu, dass beides Glück ist?“, bohre ich weiter.
„Ja schon“, erwidert sie. „Aber …“
„Kein aber!“, unterbreche ich sie und greife zum ultimativen Mittel. „Du isst doch gern Schokolade“, fahre ich fort. „Wie geht es dir dabei?“
„Dann bin ich glücklich“, sagt sie sofort und strahlt mich an.“
Glück kann so einfach sein. Ob sie jetzt verstanden hat?

Fett im Bett

Dass die Welt spinnt, habe ich immer schon gewusst. Zum Lachen bringt mich heute aber ein Bericht der WELT online. Menschen in Beziehungen treiben demnach weniger Sport. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) will herausgefunden haben, dass die Sportbegeisterung bei Verheirateten deutlich nachlasse. Der Grund: Die Partner müssten ihre Attraktivität nicht mehr unter Beweis stellen.

Ich denke kurz nach und schüttele dann den Kopf. Zwar treibe ich auch weniger Sport als noch vor 10 Jahren. Aber das hat mit meiner Ehe wenig zu tun. Als Kind und Teenager habe ich den Zwang verspürt mich auszutoben. Ich war nur glücklich, wenn ich nach einem Training völlig erschöpft unter der Dusche stand. So viel anders ist das nicht geworden. Nur setze ich meine Kraft jetzt effektiver ein. Wir gehen aber immer noch zweimal pro Woche ins Wing Chun und mindestens einmal ins Aikido. Wir joggen auch oft, oder gehen spazieren.

Aber ich will es genau wissen und zeige Yuki den Artikel.
„Stimmt doch“, sagt sie. „Du bist voll fett.“
„Ach ja?“, erwidere ich und kneife ihr in den Po. „Und was bitte ist das?“
„Reservemuskeln“, gibt sie ungerührt zurück. „Ich wette du bist schwerer als ich.“
„Niemals!“, protestiere ich und zeige auf meinen flachen Bauch.
Sie lächelt und blickt auf meine Oberschenkel. Die sind zwar in der Cargohose kaum zu sehen, aber wirklich etwas dicker als ihre.
„Und wer bitte hat dich zum Karate mitgenommen?“, will ich wissen und ziehe gespielt beleidigt die Augenbrauen hoch.
„Ich war viermal pro Woche im Fitness Center“, erwidert Yuki. „Und ich bin gelaufen und Rad gefahren. All das habe ich aufgegeben.“
„Aber nicht wegen mir“, sage ich. „Du hattest Spaß am Karate und Aikido.“
„Klar“, meint sie. „Und an dir.“
„Ach, jetzt etwa nicht mehr?“
„Das muss ich mir noch überlegen. Wer will schon mit einer solch fetten Tussi wie dir leben“, sagt sie frech.
Jetzt will ich es genau wissen. Hose, Kapuzenpulli und T-Shirt fliegen in die Ecke und ich stehe nur in Unterwäsche da.
Yuki sieht mir ungerührt zu. Ein Meisterstück japanischer Selbstbeherrschung.
„Los ausziehen,“ fordere ich sie auf. „Wir gehen jetzt auf die Waage.“
„Wenn du meinst,“ gibt sie zurück. „Du wirst schon sehen, was du davon hast.“
Als ich ins Bad gehe haut sie mir frech auf den Po.
„Eindeutig zu fett“, lästert sie. „Ich lasse mich scheiden.“
„やんちゃな”, sage ich und sie lacht. Und nein, ich werde das nicht ins Deutsche übersetzen. Lernt gefälligst Japanisch, wenn ihr mich verstehen wollt.
Unsere supermoderne Digitalwaage ist ein Hochzeitsgeschenk. Sie zeigt erstaunliche 52,4 Kilogramm.
Yuki schaut mich triumphierend an und schubst mich von der Waage. „Dickerchen“, lästert sie und schaut auf ihr Ergebnis, das exakt 51,9 Kilogramm beträgt.
„Dafür habe ich mehr Muskeln als du“, sage ich bestimmt.
„Und wo bitte sollen die sein?“, will Yuki wissen. „An deinem fetten Po?“
„Du fütterst mich ja immer mit Schokolade“, werfe ich ein. „Kein Wunder also, dass ich schwerer bin als du. Und trotzdem sind das Muskeln. So!“
„Klar doch“, sagt sie sanft und zeigt ihr zauberhaftes Elfenlächeln.
Unvermittelt schmiegt sie sich an mich.
„Aber wenn ich ehrlich bin, so ein bisschen mehr von dir mag ich gern“, flüstert sie.
Was gibt es noch mehr zu sagen? Außer, dass die Welt spinnt und Wissenschaftler keine Ahnung haben. Aber davon viel.

Wenn zwei Mädels shoppen gehen

Wir haben uns schon einige Wochen auf diesen Tag vorbereitet und hart trainiert dafür. Lange Spaziergänge durch Parks und Felder, haben unsere Beine gestählt. Ebenso Kampfsport und ausgedehnte Joggingstunden. Auch unsere Geldbeutel sind gut trainiert, gefüllt mit allerlei buntem Papiergeld. So gerüstet stürzen wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück in den Weihnachtswahn. Ohne Toyota. Dafür mit dem Bus. Kämpfen werden wir hoffentlich nicht müssen. Auch, wenn der Gang durch die Menge durchaus eine Art Kampf sein mag.

Weihnachten bedeutet mir schon immer sehr viel. Und Yuki auch. Trotz unserer japanischen Wurzeln sind wir auch typische Kinder des Westens. Und auch wenn wir (auf dem Papier) Buddhisten sind, so mögen wir diesen Brauch sehr. Ich tauche gern in diese magische Zeit der Besinnung ein. Nur mit dem Kommerz kann ich nicht. Und dem Winterblues der Menschen.

Die Lichter der Großstadt stechen mir in die Augen. Weihnachtlich bunt, grell. Mit allerlei Tand überladene Tannen an jeder Ecke. Schnell sind wir im Weihnachtsstress.
Menschen hasten an uns vorbei. Einigen steht die Verzweiflung im Gesicht geschrieben.
„Die last minute Käufer“, murmele ich und Yuki nickt.
Wir haben unsere Geschenke schon lange gekauft.
„Hey, Karate-Chick!“, dröhnt eine burschikose Stimme an mein Ohr.
Eine Freundin im Tomboy-Look bahnt sich einen Weg durch die Menge und drückt uns die Luft aus den Rippen.
„Na ihr Süßen“, sagt sie. „Was treibt euch in den Wahnsinn?“
„Du, wenn du mich nicht gleich loslässt“, sage ich und kitzele sie frech.
Sie lacht und lässt uns gehen.
„Ich warte auf meine Frau“, verkündet sie. „Sie hatte heute Dienst und wir müssen für ihre Mutter noch ein Geschenk besorgen.“
Wir wünschen ihr viel Spaß und frohe Weihnachten.
„Bis bald im Training“, ruft sie uns nach.

Tapfer marschieren wir durch die Massen. Wie Königinnen fühlen wir uns nicht. Auch, wenn der Straßenname dies gern hätte.
Im Glaspalast der Galeria-Kaufhof lockt reduzierte Unterwäsche. Aber davon haben wir genug. Karierte Schlafanzüge und Söckchen wecken unser Interesse.
„Sexy Look“, haucht Yuki mir neckend ins Ohr. „Darin bist du bestimmt unwiderstehlich.“
Ich werfe mich in Pose. Das Mädel neben uns lacht.
„Mein Freund mag sowas nicht“, sagt sie und ihr Blick verdüstert sich kurz. „Ich kaufe ihn trotzdem. Umtauschen kann ich ihn immer noch.“
„Ja, das solltest du wirklich machen“, erwidere ich.
Sie hat verstanden und presst die Lippen zusammen. Glücklich ist sie nicht.
Die wenigsten Menschen scheinen das momentan zu sein. Ich kann es spüren. Warum das so ist, habe ich nie verstanden. Sollte Weihnachten nicht ein Fest der Freude sein?
Das Mädel hat sich entschieden und strebt zur Kasse. Sie zögert, kommt zurück.
„Danke“, sagt sie mit Tränen in den Augen.
Wieder draußen im Gewühl schaut mich Yuki fragend an.
„Was war das denn?“, will sie wissen. „Glaubst du wirklich, sie trennt sich?“
„Ja“, sage ich. „Sie hat eben eine Entscheidung getroffen.“

Wir bummeln weiter.
Yuki zieht mich in eine Douglas-Filiale.
Nur Minuten später taumeln wir halb betäubt nach draußen und ringen verzweifelt nach Luft.
„Das war keine gute Idee“, sagt Yuki. „Tut mir echt Leid.“
Wir gehen weiter.
„Schon okay, Elfchen“, sage ich. „Ich finde dich auch ohne Parfüm dufte.“
Der saure Duft nach Glühwein beißt in meine Nase.
Yuki würgt.
Mit angehaltenem Atem retten wir uns in ein Juweliergeschäft.
Sofort sind wir von süßen Weihnachtsklängen und dem nicht minder klebrigen Lächeln eines Anzugträgers umgeben. Um unsere Ruhe zu haben spielen wir das Touristenspiel und sprechen Japanisch.
Der Anzug ist verwirrt und fragt auf Deutsch nach unseren Wünschen.
Wir antworten mit absichtlich schlechtem Englisch.
Er versteht uns nicht und wir haben Zeit gewonnen.
In Ruhe schauen wir uns um. Die Preise in dem Laden sprengen unser Budget. Nach 5 Minuten verbeugen wir uns freundlich und gehen. Gekauft haben wir nichts.

Wir beschließen auch weiterhin japanische Touristen zu spielen. Nur die leckeren Zimtwaffeln bestellen wir auf Deutsch.
Ein älteres japanisches Ehepaar spricht uns an. Sie sind aus Tokio und hocherfreut heimische Worte zu hören.
Wir unterhalten uns eine Weile. Sie sind schon zum vierten Mal in Deutschland.
„Ein Vorteil, wenn man Rentner ist“, sagt der Mann.
Ich mustere ihn genauer.
„Ja, ich bin schon 69“, sagt er und lacht.
Die Frau bemerkt die Eheringe an unserer Hand.
Unsere Blicke treffen sich. Sie versteht.
„Meine Nichte lebt in Kalifornien sagt sie leise. „Mit ihrer Frau.“
Der Mann wirkt kurz überrascht und schaut uns abwechselnd an. Dann lächelt er wieder.
„Wir haben leider keine Kinder“, sagt er. „Aber ich wäre stolz darauf solch mutige Töchter zu haben.“
Seine Worte tun mir gut. Und Yuki auch.
Nach einem Abschiedsbild verschwindet das Paar im Weihnachtstrubel.
„Nette Leute“, sagt Yuki. „Schade, dass meine Großeltern nicht so aufgeschlossen sind.“

„Wohin jetzt?“, will ich wissen.
Meine Stimme klingt fremd. Gepresst. Ganz plötzlich ist meine Stimmung auf einem Tiefpunkt angelangt.
Yuki bemerkt es sofort.
„Weg hier“, sagt sie bestimmt. „Wir müssen raus aus diesem Irrsinn.“
Wir retten uns in ein Cafe. Am Fenster und bei heißer Schokolade prallt der Trubel von uns ab. Irgendwie hatten wir uns den Tag anders vorgestellt. Aber auch wir können uns dem allgemeinen Wahnsinn nicht entziehen. Leider.
Zwei angetrunkene Jugendliche taumeln ins Cafe. Älter als Vierzehn sind sie nicht. Sie gröhlen und verlangen nach Bier und Schnaps.
Die Bedienung weist sie ab und auf das Jugendschutzgesetz.
Ich ahne, was nun kommt und eile ihr zu Hilfe. Yuki ist neben mir.
Wir verfrachten die pöbelnden Teenager nach draußen. Dank Aikido kein großes Problem. Einen Tritt in den Hintern bekommen sie von mir noch mit. Das musste einfach sein.
Unter dem Beifall der anderen Gäste gehen wir zu unserem Tisch zurück.
Mein Tag ist gerettet. Yuki verdreht die Augen und lacht.
„Vielen, vielen Dank!“, sagt die Bedienung sichtlich erleichtert. „Wie … wie haben Sie das gemacht?“
„Wir machen Kampfsport“, antworte ich wahrheitsgemäß.
„Kann ich das auch lernen?“, will sie wissen. „Wir haben leider oft Probleme mit solchen Gästen.“
Ich erzähle ihr von Wen-Do und schreibe ihr Lindas Adresse auf.
Wir trinken aus und wollen zahlen. Aber die Bedienung winkt nur ab.
„Geht aufs Haus,“ sagt sie. „Frohe Weihnachten für sie Beide.“

„Wollen wir noch schnell in die Drogerie und dann vielleicht auf unserem Wanderweg spazieren gehen?“, fragt Yuki, als wir zurück im Trubel sind. „Und heute Abend ins Kino?“
„Gute Idee“, erwidere ich. „Und wer weiß, vielleicht treffen wir das Christkind unterwegs.“
Yuki schmiegt sich an mich.
„Da bin ich mir ganz sicher“, sagt sie leise. „Erzähl mir davon, ja?“
Ich überlege kurz.
„Es war einmal …“, fange ich an.

Und 2014 erzähle ich vielleicht in meinem Blog weiter. Fohe Weihnachten, Frieden und einen guten Rutsch ins Jahr 2014. Bis bald ihr da draußen, vergesst mich nicht.

Mein kurzes Leben als Mann

Einmal im Leben die Rollen tauschen! Das, haben sich schon viele Menschen gedacht. Die Gründe dafür sind verschieden. Männer möchten Frau verstehen, oder als Lesbe verführen. Das hat doch was. Warum sonst gäbe es lesbische Pornos? Für Frauen sind die nicht gemacht. Warum Frau Mann sein möchte weiß ich nicht. Am Penis kanns nicht liegen. Vielleicht am dickeren Oberarm, der lässig-elegant auch schwere Lasten wuchtet. Nur Babies nicht. Da wird Mann schnell müde. Ausdauer ist nicht sein Fall. Wie war das noch mit dem starken Geschlecht?

In den letzten Tagen haben mich verschiedene Teufel geritten. Und prompt kommt mir eine Idee. Ich will ein Mann werden! Zumindest in Second Life, dem virtuellen Zweiten Leben. Neue Accounts zu registrieren kostet nichts. Gute Kleider, Haare umd Schuhe schon. Aber ich bin lange genug in dieser Welt, um alle Tricks zu kennen. Verstärkt durch Yuki gehe ich ans Werk. Natürlich muss sie mit. Der Recke Takumi ist schnell erstellt. Noch sieht er etwas bider aus. Während Yuki ein Second Life Fashion Blog googelt stapfe ich durch den einen oder anderen Shop. Yuki dirigiert mich zu coolen Stiefeln und einer virtuellen Zigarette. Dampfend und nur halb angezogen geht es weiter. Schlimm ist das nicht. Takumi hat keinen Penis. Den müssen Männer dort für teures Geld kaufen. Ob das eine Option für die reale Welt wäre?

„Du brauchst noch Haare“, sagt Yuki. „Ich habe auch schon einen Shop gefunden.“
Zufrieden betrachte ich unser Werk. Mein Held sieht richtig gut aus. Nun wird es Zeit sich ins Vergnügen zu stürzen.
Das Nachtwerk fällt mir ein. Dort ist Tag und Nacht Betrieb. Kaum angekommen wird mein Avatar freundlich begrüßt. Klar, der DJ will ein Trinkgeld haben. Er bettelt auch um eine Spende für den Club. Aber Takumi hat keine Linden Dollar. Und echtes Geld  geben wir für SL nicht mehr aus.
Ich tanze eine Weile und schaue mir die Avatare an. Einige sehen sehr stylish aus.
Ein Girl in Latexklamotten und riesigem Busen macht sich vor mir breit. Ihr Name ist Busenfee. Laut ihrem Profil ist sie 25 Jahre alt und aus Berlin. Sie mag Spaß und Sex und heiße Männer. Und ab und zu auch eine Frau. Bi sei sie, schreibt sie.

Ich weiß sofort, dass sich dahinter ein Mann verbirgt. Selbst in SL kann ich die meilenweit riechen.
„Hey Süßer“, flüstert sie mir zu. „Wollen wir Spaß haben?“
Yuki bekommt einen Schreikrampf vor Lachen und nickt mir zu.
Zum Schein gehe ich auf das offenherzige Angebot ein und bitte die Busenfee um einen Tanz.
Wir wiegen uns im Takt gut gemachter Animationen und lauschen harten Techno Klängen.
Meine angehende Eroberung flüstert mir einige plumpe Baggersprüche ins virtuelle Ohr. Keiner davon kann mich vom Hocker reißen.
Nach etwa 10 Minuten Warmlaufphase bringt sie mich zu ihrem Schloss.
„Habe ich selbt gebaut“, erzählt sie stolz. „Ich wollte immer schon in einem Schloss leben. Gefällts dir? Und jetzt zeige ich dir noch meinen Dungeon!“
Yuki füttert mich mit Schokolade.
„Als Stärkung“, sagt sie frech.

Ich kann mir vorstellen, was Lady Busen mir zeigen will und werde nicht enttäuscht. Im mittelalterlichen Stil gehaltende BDSM-Möbel springen mir ins Gesicht.
„Ich bin ja so heiß“, flüstert sie lüstern. „Du musst mich ganz hart ran nehmen, okay? Ich stehe total auf Fesselspiele. Du doch bestimmt auch.“
Worauf ich stehe geht die Busenfee nichts an. Ich tippe einige belanglose Sätze, die mein Interesse zeigen sollen. Yuki versorgt mich weiter mit Schokolade.
„Du bist ein toller Boi“, sagt sie gut gelaunt. „Meine Avatarin könnte dich glatt heiraten.“
„Hey, das gilt nicht“, protestiere ich scherzhaft und bekomme einen Kuss.

Vor mir wiegt sich die Busenfee in einem Bauchtanz.
„Gefalle ich dir?“, will sie wissen. „Soll ich mich ausziehen, damit du meinen heißen Körper sehen kannst?“
Sie wartet keine Antwort ab und macht die Drohung wahr. Gute 2 Meter virtueller Busen und Po prangen vor mir. Schön ist anders.
Ich kann nicht mehr und pruste los. Yuki liegt mir in den Armen. Wir schnappen nach Luft.
„Mach doch was!“, sagt Yuki mit Lachtränen in den Augen. „Oder lass mich an die Tastatur.“
„Nix da!“, erwidere ich. „Das ist mein Avatar, bastel dir doch selbst einen Mann.“
„Doofie“, kommt es prompt. „Mach jetzt!“

Die Busenfee wird ungeduldig.
„Was ist denn los?“, will sie wissen. „Hast du etwa keinen Bock auf mich?“
„Den hast du schon abgeschossen“, tippe ich. „Ich habe selten so gelacht. Weiß deine Frau eigentlich, was du in Second Life so treibst? Oder gehst du noch zur Schule?“
Treffer, versenkt! Die Busenfee lässt ihre Maske fallen und beschimpft mich übelst. Ich höre interessiert zu, vielleicht kann ich ein neues Schimpfwort lernen. Aber die virtuelle Dame ist kein Gegner für mich. Außerdem suche ich Spaß und keinen Streit. Daher gehe ich. Aber sie hört nicht auf und tippt immer weiter im Flüsterfenster. Zum Schluss blockiere ich sie. Ruhe kehrt ein.
Ich schaue Yuki an und sie mich.
„Hast du noch Schokolade?“, will ich wissen.
„Nein“, sagt sie sanft. „Nur mich.“
Ich logge mich aus Second Life aus. Der Held Takumi ist mir plötzlich egal geworden. Und wenn ich ehrlich sein soll möchte ich auch dort kein Mann sein. Auch, wenn ich als Buddhistin an die Wiedergeburt glaube, im echten Leben nicht. Vermutlich war ich früher Wildkatze. Und das möchte ich wieder sein. Miau!