Täglich nachgedacht: Klare Worte

Täglich nachgedacht: Klare Worte

Markus Langemann, vom Club der klaren Worte, hat sich selbst übertroffen. Nachdem diverse Volksverhetzer eine Kampagne gegen jene 50 Schauspieler losgetreten haben, die sich mit #allesdichtmachen ironisch gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung aussprachen, schlägt nun Herr Langemann zurück.

Ich verlinke nachfolgend lediglich seine Webseite, die neben dem Video auch den schriftlichen Kommentar enthält. Vermutlich wird es auf Youtube schon bald gelöscht. Zuvor werde ich noch meinen Kommentar abgeben, der mir seit einigen Tagen auf der Zunge brennt.

Die Reaktion der Schauspieler kommt viel zu spät. Einige, die nun um ihre Karriere fürchten, rudern bereits zurück. Nach mehr als einem Jahr Corona-Irrsinn, nach der Einschränkung der Grundrechte, nach einem gefühlt ewigen Lockdown, der Vernichtung von Existenzen, der Zerstörung der Wirtschaft, hat sich die ewige Kanzlerin mit den weiter verschärften Maßnahmen nun selbst ein unrühmliches Denkmal gesetzt. Den Deutschen stört das wenig. Mutti hat ihn schließlich lieb.

(Zwangs)Impfung, Lockerungen für die dann Geimpften, Masken für die Kritiker, all das erinnert stark an das dunkelste Kapitel Deutschlands. Fast hört man den GröFaZ in der Hölle lachen. Ich prophezeie, dass es noch schlimmer werden wird, wenn Merkels Nachfolger die Grünen in die Regierung holt. Auf den Corona-Lockdown, wird dann der Klima-Lockdown folgen. Bitte nicht mehr atmen, nicht mehr denken sowieso!

Die Grünen sind wahre Meister im Tatsachen verdrehen. Sie sehen 5 € für einen Liter Benzin als angemessen. Euro 7, 8, 9, 10 für PKW sind auch ganz toll. Mehr Elektroautos bitte. Wen interessiert schon die dafür nötige Umweltzerstörung! Die ist ohnehin weit weg in Afrika und Chile. Auszusprechen, wer einer der größten Klimasünder ist, das wagt so gut wie kein deutscher Politiker. Wer die Wahrheit lesen möchte:

Telepolis: Das US-Militär – einer der größten Klimasünder in der Welt

Taiwan, Japan und Schweden, selbst afrikanische Staaten stehen in der Corona-P(l)andemie besser da, als die Nation der Dichter und Denker. Die flüchtet lieber in Muttis starke Arme, das macht man so als guter Untertan. Klar ist man für die Ausgangssperre! Auch im Internet gibt es viele Sonnenbilder. In Deutschland wird es nämlich finster.

Der Club der klaren Worte: Böhmermann, der billige Warm-Upper der Twitter-Crowd #allesdichtmachen

Der Mann, der kein Karate konnte

Lügner und Betrüger hat es schon immer auf der Welt gegeben. Wenn Menschen einen Vorteil wittern, schlagen sie hemmungslos zu. Sinnbildlich versteht sich. Einige auch mit brutaler Gewalt. Aber um Gewalt geht es in diesem Artikel nicht. Auch, wenn sie Teil unseres Lebens ist.

Im Karate gibt es Gürtel, die den Leistungsstand repräsentieren. Schwarz trägt nur der Meister, der bis zum 5. Dan selbst Schüler ist. Schwarz trägt auch ein neuer Schüler, der seit 10 Jahren Meister ist. Sagt er und legt eine Urkunde aus Malaysia vor, die niemand entziffern kann. Gleichzeitig aber auch ein Attest vom Arzt. Bandscheibe kaputt, das tut weh!

Angeblich ist der Mann in Hongkong geboren. Aber Kantonesisch spricht er nicht. Er ist Brite mit deutschem Pass und deutscher Mutter. „James heiße ich“, sagt er locker, „aber ihr könnt mich gern Jimmy nennen. So wie mein großes Vorbild, Jimmy Wang Yu.“

Die wenigsten meiner LeserInnen dürften diesen Namen kennen. Aber Wang Yu, war wirklich einst „Der Mann aus Hongkong.“ Er war auch „Der einarmige Schwerkämpfer“ und hat eine Menge Martial Arts-Filme gedreht. Alle auf seine eigene Art. Ich habe niemals einen schlechteren Martial Artist gesehen. Der Mann konnte nichts, das aber richtig gut.

Wang Yu’s Stärke war sein Charisma. Aber wer ihn ungelenk durch alte Filme hopsen sieht, wird meist laut lachen. Wang Yu konnte weder Karate, noch irgend eine Form des Kung Fu. Nur sein Schwertkampf war passabel. Offenbar hat er darin einst Unterricht gehabt. Der Rest war Straßenkampf und einstudierte Schläge.

Der Sensei akzeptiert Jimmy, aber der steht meist im Hintergrund. So gut wie nie nimmt er richtig am Unterricht teil, spart aber nicht mit klugen Sprüchen. Ich bin damals 19 Jahre alt. Es war meine wilde Zeit. Und doch war ich bereits gut darin Betrüger zu entlarven. Wie Jimmy, der nur ein Schauspieler ist.

Meine Chance kommt nach einigen Wochen, als ich den Sensei wegen Verspätung vertreten darf. Wie immer sitzt Jimmy im hintersten Winkel und feuert die anderen Schüler an. Als ich ihn bitte mir zu assistieren, wird er unruhig und will plötzlich gehen. „Ich habe noch einen Termin“, murmelt er. Was nach 20 Uhr am Abend kaum vorstellbar ist.

„Ich brauche doch nur 5 Minuten“, sage ich lächelnd. „Du würdest mir mit deiner großen Erfahrung sehr helfen.“ Jimmy wird bleich, Schweiß tritt auf seine Stirn. Ich habe ihn und er weiß das ganz genau. „Wenn du uns die Sesan-Kata zeigen könntest, ich werde dann dazu etwas erklären.“

„Ja, aber meine Bandscheibe“, protestiert Jimmy schwach. „Ich weiß nicht, ob mein armes Kreuz hält.“ Ungerührt blicke ich den erbärmlichen Lügner an. Dann trete ich blitzschnell zu. Jimmy macht keinen Versuch auszuweichen, er hat den Kick nicht kommen sehen. Keinem Meister wäre das passiert. Das wars mein Junge, du bist blamiert.

Jimmy sitzt verdattert auf dem Hosenboden und meine Schüler sind fassungslos. Unruhe macht sicht breit. Wütende Rufe, der Zorn regiert. „Zieh diesen Gürtel sofort aus“, sage ich bestimmt. „Du bist nur ein Lügenmeister.“ Unser Sensei rettet die Situation und erspart dem Entlarvten weitere Schmerzen. Körperlich. Sein kleines Ego leidet schwer.

Mit knappen Worten informiere ich den Sensei und er nickt. „Meine Schuld“, sagt er zerknirscht. „Ich habe so etwas schon geahnt und wollte es nur nicht sehen. Aber du leitest heute das Training. Entscheide du.“ Ich nicke und gehe drohend auf Jimmy zu. „Warum“, will ich wissen, „was soll dieses Theater?“

Jimmy geht auf die Knie und verbeugt sich immer wieder. Er stottert, versucht sich zu erklären. Unwirsch nehme ich den Gürtel aus seiner Hand. „Ich … ich habe Karate immer geliebt“, flüstert der Lügner. „Ich wollte doch nur so so sein wie Wang Yu!“ „Ein Mann, der kein Karate konnte“, erwidere ich kalt. „Bravo, das hast du geschafft.“

Poltergeist – Wenn das Remake (nicht) erschreckt

Es gibt wenige Dinge, die mich erschrecken. Filmischer Horror gehört nicht dazu. Zu durchschaubar sind Effekte, die (für mich) mit Ansage kommen. Yuki ist da anders, sie kann herrlich kreischen. Das ist weniger Angst, als cineastischer Schock. Und den habe ich (fast) auch bekommen.

Poltergeist steht auf dem Programm, DER Klassiker vor vielen Jahren. Aber es geht weniger um das gelungene Original, vom Remake 2015 ist die Rede. Yuki geht tapfer mit. Dafür ich dann beim nächsten Mal mit in den Liebesfilm. Mag da auch wer eine (Horror)Kritik …?

Ohne große Erwartungen, aber völlig entspannt, sind wir ins Kino geeilt. Der Film beginnt, wie die Werbung für einen Ford-SUV. Ein Blick auf die Schauspieler und mir wird übel. Gutes Spiel ist anders. Das ist TV-Soap Durchschnitt. Inklusive Produzent und Regisseur.

Mit Ausnahme von Kennedi Clements, dem (heimlichen) Star des Films. Sie spielt, die von den Geistern entführte, Madison. Die unvergessene Carol Anne aus dem Original lässt grüßen. Aber was tun, wenn das Drehbuch nur Klischees abliefert? Wirklich neue Szenen? Fehlanzeige! Die Story ist anders erzählt. Chance verpasst meine Herren. Lasst mal uns Mädels ran.

Blutleeres Spiel, mäßige CGI-Effekte, die fast schon Low-Budget wirken, reißen mich kaum vom Hocker. Elfchen zuckt öfter zusammen, mir fallen fast die Augen zu. Sam Rockwell als Vater, ist für mich die absolute Fehlbesetzung. Warum der Mann immer wieder Rollen bekommt, wird ein ewiges Rätsel bleiben. Vielleicht liegt’s am Schurkengesicht. Gut aussehen ist anders.

Eine verzweifelt, die verzweifelte Mutter mimende Rosemarie DeWitt, habe ich schon besser gesehen. Aber vielleicht hat sie auch nur das Lachen über die dümmlichen Effekte verbergen müssen. Der Film „Insidious“, als positives Beispiel, liefert die bessere Story ab. Der Regisseur von Poltergeist hat sich hier deutlich angelehnt. Mit weniger Können. Schade um das Geld.

Ein kleiner Lichtblick ist Jared Harris, der leider auch unter seinen Möglichkeiten bleibt. Ebenso wie der Rest der (farblosen) Truppe, die absolut austauschbar ist. Ohne übersinnliche Kräfte zu haben erahne ich den (bösen) Geist, der die Filmemacher angetrieben haben mag. Und die Chance ist groß, dass der nicht ausgetrieben werden kann. Und wiederkommt. Ob ich die neue Exorzistin drehen soll?

Fazit: Wer (seichte) Unterhaltung mit (billigen) Gruseleffekten sucht, ist beim Poltergeist-Remake gut aufgehoben. Guter Film-Horror, ist heutzutage eher selten anzutreffen. Den Machern gehen die Ideen aus. Aber vielleicht liegt es auch an mir, der Unerschreckbaren, die den japanischen Horrorfilm jedem Hollywood-Remake vorzieht.

Bühne der Eitelkeiten

Es ist Premierenabend im Theater. Weltbühne hat es der Gründer einst genannt. Vorzugsweise Dramen spielt man hier.
Der Intendant betritt die Bühne, das Publikum wartet schon gespannt.
„Guten Abend meine Damen, guten Abend meine Herren!“, ruft er und lächelt in die Runde. „Mein Name ist Brown Thrasher Mockingbird. Ich habe heute Abend die große Ehre ein besonderes Glanzstück der Schauspielkunst zu präsentieren. Die Weltpresse hat schon im Vorfeld darüber berichtet. Und vermutlich sind Sie deshalb alle hier.“
Er macht eine kurze Pause und schaut in erwartungsvolle Gesichter.

„Unser Stück trägt den klangvollen Namen Selbstdarstellung und Eitelkeiten“, fährt er fort. „Wir werden die ungeschminkte Wahrheit präsentieren. Die Autoren haben lange daran geschrieben. Und glauben Sie mir, es war nicht leicht! Die richtigen Darsteller zu finden hat Jahre gedauert. Aber nun ist es soweit. Vorhang auf und Bühne frei für „The Worlds finest Drama Queens.“

Verschmitzt lächelnd verlässt der Intendant die Bühne und die Schauspieler treten auf. Sie sind alle mehr oder weniger nackt, ein mittlerer Skandal bahnt sich an.
Pressevertreter schießen sofort Fotos. Ein Hängebusen auf der Titelseite verkauft sich immer gut.

Die Zuschauer sind schnell wieder versöhnt, als das launige Spiel der Damen beginnt. Mit- und gegeneinander tragen sie ihre Zeilen vor. Die entblößten Körper sind schnell vergessen, die nackte Seele tritt ins Rampenlicht. Und was wird den Zuschauern nicht alles geboten! Einblicke in die Abgründe menschlicher Tiefen, Ausblicke auf einstürzende Neubauten und andere Abrissbirnen. Und den einen oder anderen Apfelpo.

„Freundinnen müsste man sein“, rezitiert eine Rothaarige und wendet sich an ihre dunkelhaarige Nachbarin. „Sag, wie geht’s eigentlich deinem Göttergatten? Geht er immer noch mit seiner Sekretärin fremd?“
„Nicht mehr, seit du gekündigt hast“, gibt die Angsprochene mit zuckersüßem Lächeln zurück. „Er hat jetzt einen Sekretär.“
„Ach er ist jetzt schwul?“, flötet die Rote und lacht. „Besonders standhaft war er ja nie. Das liegt vielleicht auch an seinem Alter. Junge Kerle können einfach mehr.“
„Der Sekretär ist aus Holz und schon über hundert Jahre alt“, giftet die Dunkelhaarige. „Aber sag, was macht dein Mann eigentlich jetzt? Stimmt es, dass er in einem Call-Center arbeitet und Hausfrauen beglückt?“

Erste Lacher aus dem Publikum zeugen vom Erfolg des munteren Spiels. Und verspielt geht es weiter, die Damen bitten zum Tanz. Flugs eilen nackte Bengel herbei. Aber in Ermangelung blauer Pillen bleiben die Flaggenmaste ganz schlaff. Glanz und Glorie ist anders. Und Schlachten werden heute mit Worten geschlagen.

„Der Ton macht die Musik“, ertönt plötzlich eine Stimme. Schon stürmt der Star des entblößten Ensembles herbei. Standesgemäß im heiße Luft Ballon.
„Wie meinst du das?“, will eine kleine Dicke wissen? „Ich kann dich einfach nicht verstehen!“
„Bei deinem Verstand kein Kunststück“, gibt Diva zurück. „Sag, hast du abgenommen?“

Pointe reiht sich an Pointe, Gag folgt auf Gag. Das Publikum lacht Tränen, selbst eingefleischte Kritiker sind hin und weg. Die Weltbühne hat einen vollen Erfolg zu vermelden. Besser waren die Darsteller noch nie. „Zickenkrieg im Theater“, lautet die Überschrift am nächsten Tag. Und „Mockingbird ist König.“ „Auf dass das Theater niemals endet!“, wird geschrieben. Und abschließend noch „Selbstdarstellung, wie ich sie mag.“