Eine Reise in den Themenwald

Auf der Suche nach einem bestimmten Artikel, bin ich heute im Themenwald gewesen. Spannend ist es dort und wunderbar bunt. Findige Themenhüter, haben Schneisen ins Dickicht geschlagen. Und Schilder aufgestellt. Damit Wanderer die Richtung finden. Und den Artikel auch.

Ich wähle einen Weg. der sich „Zur Regenbogenpresse“ nennt. Am Ende, so weiß ich, wird dort in einer alten Windmühle kalter Kaffee serviert. Natürlich mit einem Häubchen (Lügen)Sahne und dem (Doppel)Korn Wahrheit. Zum Wohl, meine Damen und Herren!

Der Themenwald ist der älteste Wald der Erde. Er hat vom Anbeginn der Zeiten existiert. Allerlei seltsame Gewächse stehen am Wegesrand. Tief verwurzelt? Fehlanzeige! Die sind eher oberflächlich. Und oft sieht man sie vor lauter Unkraut nicht.

In der Mitte des Themenwaldes liegt die Gerüchtehütte. Müde Wanderer treffen sich dort zum Stelldichein. Der Hüttenwirt, Herr Bert Gröhlemeier, begrüßt mich mit „Holladidudeldö!“ und gibt gleich noch einen gesprungenen Doppelaxel. Leider fällt er dabei aufs Hinterteil. Was für ein Bild, das tut bestimmt weh!

Heute ist Live-Musik auf der Hütten angesagt. Gregorianische Gesänge weisen mir den Weg. Gabe Riel ist der Sänger. Unterstützt von seiner Band „Die Roten Socken.“ Der Hit „Braindead, but happy“, erschallt ein ums andere Mal.

Gleich nebenan gibt es die Aufforstung „Stimmungsmache.“ Zarte Pflänzchen gedeihen dort prächtig und gut. Leider nur die auf der rechten Seite. Links ist es zu dunkel dafür. Auch die Mitte ist recht kahl geworden. Wo nur sind die ganzen Indianer?

Eine (Spott)Drossel fliegt schimpfend an mir vorbei und flattert gegen einen Spiegel. Den hatte sie vermutlich nicht im Fokus. Auf einer Lichtung kann ich eine Schar Schmierfinken erkennen. Die essen Einheitsbrei und hüpfen wild um einen Kessel Buntes.

Plötzlich raschelt es im grünen Wortgestrüpp. Ein Weißblauer Pfau bahnt sich keck seinen Weg ins Licht und lässt einige Zeilen fallen. Ötzi hieße er und sein Sozialer Horst sei voll, erklärt er mir. Daher müsse er nun zu Mutti ins Kloster fliegen. Angelika! Mir grauts vor dir.

Aufklärung heute: Wie Lesben wirklich sind!

Interviews zu haben, ist für mich stets ein Hochgenuss. Sie zu führen sogar noch mehr. Erst letzte Woche sprach ich mit dem bekannten Regisseur Dick R. Lümmel. Lümmelchen, wie ihn seine Freunde gern nennen, hat einige großartige Filme gemacht. Sein Welterfolg „Auch Mini-Würstchen schmecken lecker“, kam besonders bei Menschen mit Hang zu Kleinigkeiten an.

Ausgerüstet mit Erfolg und Geld, hat sich Lümmelchen an ein weiteres Projekt gewagt. Er hat mein Buch „Sieben Lesben und die Dauerwurst“ verfilmt, das endlich die nackte Wahrheit über diese Spezies erzählt. Schonungslos und mit offener Bluse, haben wir dann noch ein Interview geführt. Hier nun, was ich Lümmelchen zu sagen hatte.

Lasziv räkele ich mich auf der Couch. Natürlich trage ich kein Höschen unterm Rock. Das machen (falsche) Lesben nie! Außerdem habe ich es dem Produzenten schon verkauft, der noch immer daran schnüffelt. „Also meine Süße, dann erzähl uns doch mal, um was es in diesem Buch wirklich geht“, beginnt Dick schwitzend und rutscht unruhig auf seinem Stuhl umher. Was hat er nur, der Lümmelmann?

„Es ist ein offenes Geheminis, dass es überhaupt keine Lesben gibt“, beginne ich und himmele Lümmelchen an. „Ich wollte endlich mit dieser Legende aufräumen. Mann hat das schon immer gewusst. Aber was macht Frau nicht alles für ein paar Zentimeter mehr!“ Noch während ich spreche, hat der Hunger auf Wurst mich gepackt. Dick sieht das sofort und packt umständlich eine frische Fleischwurst aus, die ich mir schmecken lasse.

„Jetzt erzähl doch mal“, fordert Lümmelchen mich auf, während ich  schlucke. „Warum machen Frauen das mit Mann.“ Ich bin leicht verwirrt. Mein Hirnchen ist völlig überfordert. „Wie … machen?“, frage ich. „Weil uns die Wurst schmeckt! Es geht doch immer nur im die Wurst. Oder etwa nicht?“ Lümmelchen seufzt ergeben. Vermutlich mag er auch etwas essen.

„In Wirklichkeit tun Frauen nur so, als ob sie andere Frauen küssen“, fahre ich fort. „Ich meine ehrlich jetzt, das ist doch widerlich! So ein sabbernder Zungenkuss mit Mädels? Ekliger geht’s doch kaum!“ Verschwörerisch schaue ich ihn an und winke ihn näher zu mir „Es ist ja so, mit einem Auge schauen wir dabei auf Mann und ob er eine von uns haben will.“ „Oder beide“, wirft Lümmelchen ein und leckt sich seine Lippen. „Du kommst doch nachher noch auf einen Snack?“

„Nichts war ich lieber täte“, sage ich und fühle erwachende Lust … An dieser Stelle muss ich eine Pause machen. Elfchen liegt auf dem Boden vor Lachen und bittet mich aufzuhören. Und mir geht es auch kaum besser. Gut, weiter im Text. Lachtränen getrocknet? Alles klar und ab dafür.

Was als „Dr. Landar Satire“ begann, hat einen ernsten Hintergrund: saudämliche Kommentare von Mann, die Lesben sich immer wieder anhören dürfen. So protzt Mann gern, er habe schon so und so viele Lesben bekehrt. Das sei alles nur eine Frage seiner Präsenz. Oder war doch Potenz gemeint? Wie weit es damit her ist, hat mir eine Freundin erzählt. Der Rekord läge bei traurigen 20 Sekunden, sagt sie mir. Danach habe ihr Ex geschnarcht. Zu dumm, Lesben küssen auch nach 20 Minuten noch. Nur keinen Mann.

Einige Männer brüsten sich gern damit, dass sie „Lesben“ umdrehen können. Oder haben. Oder doch nur wollen. Also den Plan haben sie. Theoretisch. Vielleicht … Also nächstes Jahr bestimmt! Fazit: das Ego dieser Typen ist so groß, wie das Würstchen zwischen ihren Beinen klein ist. Apropos Größe. Die Durchschnittsgröße eines Penis liegt in Deutschland unter 13 Zentimetern. Ausgefahren versteht sich, also hart. Als Teenager, habe ich mich im Internet auf Fleischbeschau begeben. Erregung Fehlanzeige. Mir wurde beim Anblick schlecht.

Analysiert Frau die männlichen Sex-Fantasien wird eins sofort klar, diese Typen haben ein Problem. Sie fühlen sich nur dann als richtige Kerle, wenn sie sexuelle Macht über Frau ausüben können. Und sei es nur in Foren, im allseits so beliebten Internet. Ich vermute, dass zum männlichens Balzverhalten auch jene Grunzlaute gehören, die man bei der Paarung von Gorillas immer hört. Der herbe Duft von Achselschweiß inklusive. (*)

In der Realität sitzen solche Typen sabbernd am PC und schauen sich gefakte Lesben-Pornos an. Dort und nur dort können sie mit „Lesben“ schlafen. Im wahren Leben wird das nie geschehen.

(*): Beim Schreiben dieses Textes sind keine Tiere verletzt worden. Die angesprochenen Gorillas erfreuen sich bester Gesundheit.

Journalismus, Mord und Poesie

Das Rauschen im (virtuellen) Blätterwald geht mir seit Jahren auf die Nerven. Gemeint sind nicht die Blätter von Bäumen, das klingt meist wunderschön. Vielmehr sind es die Medien, die ich an den Pranger stelle. Für ihr Schweigen, aber auch für unnötigen Lärm. Gezielt werden wir mit dünnen Fakten bombardiert, mit Mord, Tod und Gewalt. Und natürlich mit solch hochinteressanten Themen wie dem Dschungelcamp. Genüsslich berichten Reporter über (ehemalige) Möchtgern-Prominente und ihren Hang zur Selbstdarstellung. Gierig stürzt sich der Kleingeist auf solche Themen, lenken sie doch vom ungeliebten Alltag ab.

Egal ob nun Syrien, Afghanistan, oder Iran, Mord und Totschlag muss her. Wen interessieren schon die schönen Dinge? So zumindest müssen Reporter und Chefredakteure denken, die uns täglich mit diesem Schmutz besudeln. Ihr Zwang dies zu tun kann nur gesteuert sein. Welcher vernünfitige, liebende und an Kunst interessierte Mensch würde sonst so handeln? Natürlich besteht die Welt nicht nur aus Glück und Harmonie. Schöngeredet wird zuviel auf dieser Welt. Aber wer sich Nachrichten gezielt anschaut, wer eine Zeitung aufmerksam liest, der wird schnell erkennen was ich meine. Negative Schlagzeilen überwiegen. Sie werden uns als meist kommentarloser Einheitsbrei serviert, der schwer verdaulich in unseren Bäuchen liegt.

Und dann gibt es die Witzbolde, die Homophoben und die sarkastischen Schreiberlinge. Die mag ich besonders gern … aufs Korn nehmen. Aktuell ist es ein gewisser David Hugendick von der ZEIT online. Er macht sich über Julia Engelmann Gedanken. Wie, kennt ihr nicht? Doch kennt ihr! Julia Engelmanns youtube-Spot sprengt seit Wochen jeden Rahmen. Die Studentin der Psychologie ist quasi über Nacht mit diesem Beitrag  berühmt geworden. Ihr Poetry-Slam-Text ist beindruckend, in die Tagesschau hat er es nie geschafft. Auch nicht ins heute-Journal. Dafür nun immerhin ins Oberstübchen eines von der ZEIT Gesegneten. Und der findet den wohl nicht so gut.

Der Herr Hugendick hat natürlich Germanistik und Politikwissenschaft studiert. Und er betreut bei der ZEIT den Schwerpunkt Literatur. Natürlich macht ihn das zum Fachmann, wie alle Germanisten. Aber witzig ist anders werter Herr. Wer sich profilieren muss, der schmiert solche Zeilen an die Wand. Dabei ist Graffiti meist Kunst. Hugendicks Worte nicht. Süffisant macht er sich Gedanken über die Botschaften in Julia Engelmanns Poetry-Slam-Text. Befremdlich wirke es, wenn eine Autorin sich bereits mit 21 Jahren großmütterlich um ihren narrativen Nachlass sorge.

Ich muss zugeben, ich habe bei diesem Satz tief Luft geholt. Er zeigt wieder deutlich, wo Deutschland in Bezug auf Gleichberechtigung steht. Mann bestimmt also nach wie vor. Auch über die Worte und den Bauch von Frau. Klar, ohne seinen Erguss geht es nun mal nicht. Ohne die geistigen Ergüsse von Menschen wie Hugendick schon. Vielleicht sollte er probeweise das Ressort wechseln und über Kommunalpolitik schreiben. Bestimmt fiele ihm auch zur Sanierung von Abwässerkanälen, das eine oder andere sprachliche Glanzstückchen ein. Und es röche dann weniger streng. Auf jeden Fall würde ihm bestimmt ein Durchmarsch gelingen.

„Man sollte ja immerhin über jeden Zwanzigjährigen froh sein, der lieber übernächtigt auf Dächern rumstehe, anstatt von einer Karriere in einer Unternehmensberatung zu träumen“, fabuliert Hugendick. Ich überlege kurz, wo er in diesem Alter war. Aber ich kann es mir denken. Und das liegt am Stallgeruch. Vor meinem geistigen Auge sehe ich ihn ebenfalls auf Dächern stehen und unterdrücke den Impuls zu rufen „Spring!“ Das wäre schließlich gemein. Wobei Menschen wie Hugendick immer weich fallen und gut schwimmen können. Allerdings nie gegen den Strom. Menschen wie er suhlen sich im Ätzbrei eigener (Fremd)Worte, die sie im Studium in sich hineingewürgt haben und die sie nun zum Besten geben.

Zu guter Letzt macht er sich Gedanken darüber, ob nicht jede Generation die Massagelyrik bekäme, die sie verdiene. Bei diesem nur als zynisch zu bezeichnenden Auswurf wird mir richtig übel. Ich frage mich ernsthaft, was Hugendick widerfahren sein muss, was ihn so negativ geprägt hat. Da steht eine junge Frau, fast noch ein Mädchen und schenkt uns wundervolle Worte. Und das mit 21 Jahren. Sie denkt, sie dichtet, sorgt sich. Ja, Frauen sorgen sich, das ist ihre Natur. Und lieber benutze ich ihre Worte zur Seelenmassage, als weiter im journalistischen Abfall zu lesen.

Mir graut es davor, wenn Menschen wie Hugendick den ZEITgeist vermitteln wollen. Und der besteht wie immer nur aus Mord, Hass und Gewalt. Nie aus den schönen Dingen des Lebens. Daher muss es ihm ein Bedürfnis gewesen sein, auch Julias Lyrik zu zerreden. Glaubt er wenigstens. Lassen wir ihn in diesem Wahn. Julias Worte sind gewaltig und schön. Hugendicks Artikel nicht. Julias Worte werden die ZEIT überdauern, sie sind soviel mehr als nur „Noch ’n Gedicht.“