Leben und andere Kleinigkeiten

Unser Leben in den USA ist anders. Hektischer. Was auch mit meiner Cousine zu tun hat, wir pendeln oft zwischen Santa Barbara und Los Angeles. Es geht ihr besser. Sie ist aktiver und nimmt am Leben teil.

Unsere Freundschaften halten, das Wetter auch. Und mein 4. Dan rückt in greifbare Nähe. Die Techniken sitzen, die Prüfung werde ich bald in Japan machen. Unter Papas strengen Augen, ist doch klar.

Ich übe mit einem Experten, der auch MMA unterrichtet. Seiner ältesten Tochter habe ich dafür mein Karate beigebracht. Nachdem ich ihr zeigte, wie der Ringboden aussah. Mehrfach versteht sich. Heute sind wir dicke Freunde.

Ken wird mit seiner Schwester ebenfalls zurück nach Japan fliegen. Heimat wir kommen. Schon wieder! „Wie finanziert die Japanerin das?“, werden sich Neugierige fragen. Ich arbeite hart für mein Geld. Mehr muss niemand wissen.

Mein Blog verwaist, mir fehlt die Zeit täglich Beiträge zu lesen. Auch meine Sprache leidet. In meinem Kopf ist ein bunter Mix aus Deutsch, Englisch, Japanisch und Mandarin (chinesisch), das ich unbedingt besser kennenlernen will.

Warum Mandarin? Wir planen einen Aufenthalt in China, genauer den Wudang-Bergen. Feng und Fan Fan werden uns begleiten. Die Reise wird im Frühling 2018 sein. Der Plan ist einerseits unser Tai Chi zu verbessern, aber auch Neugier auf China insgesamt.

Ein kurzer Rückblick. Santa Barbara, 25.10.2017. Der Ort, das Haus von Ally und Heather. Yuki macht Frühstück und ich helfe natürlich mit. Während ich Tee koche kommt mir eine Szene in den Sinn. Und biestig wie ich bin, werde ich sie mit euch teilen.

„Willst du, Mayumi, die hier anwesende Yuki zur Frau nehmen, so antworte mit Ja.“ So oder ähnlich wird es später klingen, wenn wir zum zweiten Mal heiraten werden. Wobei das eigentlich die erste Heirat ist, bisher leben wir nur in einer „eingetragenen Lebenspartnerschaft.“

„Aber eine Heirat in den USA zählt doch in Deutschland nicht automatisch!“, höre ich bereits die berechtigte Kritik. Das ist richtig. Aber wer sagt, dass wir zurück nach Deutschland gehen? Falls doch ist es lediglich ein Federstrich.

„Aber zwei Frauen können doch nicht heiraten!“, werden sich auch einige Homophobe empören. Für die gibt es wie immer meinen wunderschönen Mittelfinger.

„Glaubst du wirklich, dass ich dich heirate?“, will Elfchen wissen und lacht über das ganze Gesicht. „Neun Jahre halte ich dich jetzt schon aus, vielleicht sollte ich mir eine Neue suchen.“

„Mach doch“, erwidere ich ungerührt, „ich schnappe mir dann ein nettes Blondchen.“ „Und wer kocht dir dein Essen?“, kontert Yuki frech. „Du wärst doch längst verhungert ohne mich.“

„Soll das heißen, dass ich dich jetzt vernaschen darf?“, frage ich gut gelaunt und gehe auf sie zu. „Geh weg!“, kreischt Yuki, „ich habe schmutzige Hände!“ Ungerührt werfe ich ihr ein Handtuch zu, das sie sofort als Waffe gegen mich benutzt.

„Willst du mich heiraten?“, frage ich aus sicherer Entfernung und höre etwas, das wie „Baka“ klingt. „Also ja“, sage ich und gebe ihr einen Kuss. „Und jetzt trödle nicht rum du Elfenmaus. Wir haben später noch die Welt zu retten.“ Frech wie Yuki ist hat sie: „Und wer rettet mich vor dir?“ gefragt.

 

 

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Thriller

Mitten im Leben zu stehen, war schon immer meine Devise. Andere schauen sich vielleicht nur zu. Oder dem Leben der anderen. Aus Angst, Unsicherheit, Frustration. In die USA zu gehen hat natürlich Mut erfordert. Aber ich habe noch jede Herausforderung angenommen.

Santa Barbara ist kein Thriller für mich. Ich fühle mich hier wohl und heimisch. Wir sind längst angekommen, haben Freunde gefunden und mit der Arbeit klappt es auch. Die Kooperation mit dem kalifornischen Tuner trägt erste Früchte. Der Inhaber ist ebenso verrückt, wie Wolf und seine Ingenieure. Aktuell testen wir einen Nissan GT-R.

Dabei geht es weniger um Höchstgeschwindigkeit, Stabilität und Haltbarkeit sind wichtiger. In den USA ist Show angesagt, also wird der Wagen primär optisch umgebaut. Breitere Reifen, geschmiedete Felgen und eine Folierung hat der Kunde bestellt. Und eine Steigerung der Leistung um 100 PS.

Meine „Pferdestärken“ muss niemand tunen und meine Fassade ist auch noch ganz passabel. Vor allem am letzten Samstag, als wir uns verkleiden. Santa Barbara Thriller Dance ist angesagt. Eine Gruppe von zehn Mädels macht sich auf den Weg zur Show, Ally und Heather führen uns an.

Mit dem Handy mache ich einige (schlechte) Bilder. Die Sonne blendet, aber es ist nicht mehr wirklich warm. Auch in Kalifornien werden die Tage kühler, umgerechnet haben wir etwa 18 Grad. Aber niemand friert, der Thriller Dance hält alle in Atem.

Hunderte Menschen tanzen, wir haben jede Menge Spaß. Wir ernten Blicke, die andere eifersüchtig machen. Wann hat man schon jemals tanzende Elfenzombies gesehen. Yuki und ich geben die japanische Dämonen. Weiß geschminkt, mit pechschwarzem Blick.

Auch der Abend wird lustig, wir lernen neue Leute kennen. Niemand stört sich daran, dass wir lesbisch sind. Die Menschen haben ihre Vorurteile abgelegt. Eine Mexikanerin schenkt mir ihr süßestes Lächeln, aber ich trage den Ring der Macht. „Schade“, haucht sie und taucht in der Masse unter.

„Na die traut sich was!“, gibt Yuki die Eifersüchtige. Ich lache und gebe meiner Elfe einen Kuss. „Ich traue mich lieber mit dir“, necke ich sie. „Besser ist das“, sagt sie frech, „sonst hättest du in Zukunft sehen können, wer dir das Essen macht.“ Yuki ist und bleibt der beste Thriller, aber das habt ihr bestimmt gewusst.