Die Rückkehr des (Erl)Königs – Teil 3

Wir sind zurück von den tollen Tagen. Und toll waren wir wirklich unterwegs. Nur nicht als Clowns, eher als Heldinnen.
Aber davon werde ich ein andermal berichten.

Es gilt Abschied zu nehmen vom Boliden. Diesmal wird es für immer sein.
Der Audi hat seinen Zweck erfüllt und kommt wieder in die Tuningschmiede. Andere Tester werden ihn jetzt fahren und neue Dinge ausprobieren.
Wir werden ihn nicht wiedersehen.
Aber der Nebenjob hat seine guten Seiten. Wir werden nie mehr ohne schnellen Wagen sein.
Der Toyota steht ab sofort bei meinen Schwiegereltern und ein Audi vor unserer Tür.

Yuki strahlt, als sie den Wagen sieht. Es ist ein roter SUV.
Audi RS Q3 steht auf dem Kühlergrill. Und das ist wieder mal gelogen.
Im Original hat der Wagen 310 PS. Dieser 150 mehr.
Wolf hat ihn uns gebracht.
„Unser neuestes Baby“, sagt er stolz. „Fünf Zylinder, Allrad, 7-Gang Automatik, modifizierter Motor. Und nicht abgeregelt!“
Er grinst bei diesen Worten.
„Aber keine Dummheiten machen, das müsst ihr mir versprechen! Der Wagen ist locker für 280 km/h gut. Eher mehr.“

Wir versprechen es und drehen eine spontane Runde.
Der Wagen hat Kraft satt! Weniger, als der Bolide, aber deutlich mehr, als der meist bidere Rest auf Deutschlands Straßen.
Yuki fährt sicher, aber nimmt einen falschen Weg, was wir ziemlich schnell bereuen.
Die Polizeikontrolle ist schon von Weitem zu sehen. Und das sind keine Dilettanten.
Yuki stöhnt leise auf. „Was muss ich auch über die Theo fahren!“
Mit Theo ist die Theodor-Heuß-Straße in Stuttgart gemeint. Und dort kontrolliert die Polizei gern getunte Wagen.
Wir haben kein Glück an diesem Abend, ein Beamter in Uniform und Warnweste winkt uns heraus.
„Schönes Auto begrüßt er uns. Aber ich glaube damit stimmt was nicht. Papiere bitten und einmal aussteigen, die Damen. Wir schauen uns das genauer an.“

Wir bleiben gelassen und stellen uns neben den Wagen, während sich gleich drei Beamte auf den Audi stürzen.
Neben uns schwitzt ein junger Mann, die Angst steht ihm im Gesicht.
Sein Golf weist erhebliche Mängel auf, er hat so gut wie nichts eingetragen.
Plötzlich röhrt ein Audi heran, der Bolide kommt angeflogen.
Wolf springt aus dem Wagen und geht auf die Beamten zu.
„Darf ich fragen, wo das Problem ist, meine Herren?“, fragt er höflich aber bestimmt. „Meine beiden Mitarbeiterinnen haben einen Termin im Werk. Und an dem SUV ist alle okay.“

„An dem Wagen sind Veränderungen vorgenommen worden“, erklärt der leitende Beamte eisig. „Sie sind der Chef, der beiden Damen? Und was ist das, ist der RS 6 da auch getunt?“
„Das ist unser Job“, erwidert Wolf lächelnd. „Wir sorgen dafür, dass die Serie sicher wird. Und ja, ich bin der leitende Ingenieur des Teams. Gibts nun etwa ein Problem?“
Der Disput geht hin und her. Der Polizist ereifert sich und Wolf bleibt cool und absolut gelassen.
Neben uns bricht für den Schwitzenden die Welt zusammenm, als ein Abschleppwagen kommt und seinen Golf auflädt. So hat er den Abend kaum verplant.
„Viel Glück euch“, murmelt er und greift zum Handy, mit dem er sich ein Taxi ruft.
Lustig ist anders.

„Wir sind keine Hobbyschrauber“, höre ich Wolf mit lauter Stimme sagen. „Was wir machen hat Hand und Fuß und ist vor allem eingetragen. Und diese Reifen-Felgenkombi ist für den Audi zugelassen!“
„Ist sie nicht!“, widerspricht der Polizist.“ „Genau die fehlt in meiner Liste!“
„Ihre Liste ist mir Scheißegal“, erklärt ihm Wolf nun doch leicht ungehalten. „Der TÜV gab seinen Segen, also kein Problem. Und wenn eure Daten nicht stimmen, so ist das nicht mein Problem.“
„Das gibt Ärger“, sage ich auf japanisch und Yuki nickt. „Vielleicht rufst du besser deinen Vater an.“

Die Sache eskaliert, die Polizei ist kurz davor den SUV aus dem Verkehr zu ziehen.
Yukis Vater rettet.
Sehr höflich, aber sehr bestimmt, präsentiert er weitere Papiere.
Die Polizei kommt bei ihm nicht zu Wort, mein Schwiegerpapa kennt sein Metier.
Kleinlaut geben die Beamten nach und stoppen einen Ford.
„Die Rennsemmel!“, entfährt es Yuki.
Erinnert sich noch wer an Dennis?

Nicht ohne etwas Schadenfreude sehen wir zu, wie der nicht sehr große Fahrer noch mehr schrumpft.
Fast habe ich Mitleid mit ihm.
Wolf unterhält sich mit Yukis Vater. Beide wirken unaufgeregt.
„Meidet die Theo bitte“, sagt Wolf. „Ich hatte es euch noch sagen wollen, aber ich kam zu spät.“
„Woher wusstest du eigentlich wo wir sind?“, frage ich.
Wolf grinst und deutet auf sein Handy. „GPS-Ortung“, verkündet er nicht ohne Stolz. „Die Wagen müssen das haben. Gegen Diebstahl. Das ist Pflicht.“
„Wo wollt ihr hin?“, will mein Schwiegerpapa wissen. „Es gibt gleich Abendessen. Ihr kommt doch mit?“
Das ist keine Bitte, aber diesem Mann nehme ich nichts krumm.
Familie ist wichtig.

Ein allerletzter Blick auf den Boliden.
Wolf sieht es und kommt auf mich zu.
„Ich kann dich verstehen“, sagt er mir. „Der Wagen ist Wahnsinn pur. „Aber der RS 3 auch nicht von schlechten Eltern. Und immerhin dürft ihr den eine ganze Weile behalten.“
Wir fahren durch den Abend, die Stadt bleibt schnell zurück.
„Der König ist tot, es lebe der König“, sage ich. „Aus Sechs wird Drei, aber es bleibt bei den Vier.“
„Und du bist meine Nummer Eins“, meint Yuki und gibt mir einen Kuss.
Welche Frau braucht schon einen König, wenn sie eine Elfe hat!