Ich bin gut und du bist böse!

Gut und Böse sind Werte, die schon unsere Vorfahren kannten. Die Nacht ist dunkel und bringt den Schrecken. Der Tag aber die warme Sonne zurück. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Dort verbrennt eine gnadenlose Sonne Mensch und Tier, die sich davon im schützenden Mantel der Nacht erholen.

Von Freundinnen bin ich oft als „Biest“ bezeichnet worden. Für (manche) Männer bin ich ein Albtraum auf zwei Beinen. Aber reicht das aus, um mich zu einem bösen Menschen zu machen? Ich selbst halte mich ganz selbstbewusst für gut.

Der Buddhismus kennt keinen weltimmanenten Dualismus von Gut und Böse. Dort kämpft kein „Teufel“ gegen einen „Gott.“ Der Mensch ist von Natur aus weder gut noch schlecht. Der Mensch ist das Produkt seiner karmischen Konditionierung. Im Positiven wie im Negativen.

Einzig die Menschen haben beide Wertbegriffe geschaffen. Keine überirdische Macht hat sie dabei geleitet. In manchen Religionen werden diese Werte absichtlich ausgenutzt, um klare (Feind)Bilder zu schaffen. Und plötzlich schlagen sich „Brüder“ die Köpfe ein.

Angeblich „gute Götter“ verlangen Blutopfer. Allein die Vorstellung, dass irgendein Gott eines Blutopfers bedarf, um Sünde vergeben zu können, zeugt von einem perversen, in jedem Fall aber infantilen Gottesbild. Das haben klar Menschen ihrer Zeit erschaffen. Viel geändert hat sich daran bis heute nichts.

In der Philosophie gibt es keine einheitliche Definition für Gut und Böse, da es sich um subjektive Wahrnehmungen handelt. Und Menschen können beides sein. Der strahlende Held, der als Arzt täglich Leben rettet und abends seine Frau verprügelt, die als Hausfrau gut ist und in Wirklichkeit (bösen) Sex mit der Nachbarin hat.

Der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau, hat es anders ausgedrückt. Für ihn ist der Mensch von Natur aus gut. Seiner Meinung nach ist die Gesellschaft und der Eigensinn, die zum Bösen führen. Ganz vorn: das Eigentum. Karl Marx hat es dann abgeschafft. Prompt sind Teile der Welt im (bösen) Staatsterror versunken.

Immanuel Kant sieht das auf seine Weise. „Der Mensch besitze die Freiheit, sich für das Gute oder das Böse zu entscheiden“, hat er gesagt. „Indem er sich für das Böse entscheide, verstoße er gegen das Sittengesetz, das mit Vernunft erkannt werden könne.“

„Das Böse“ hat mehrere Gesichter und tritt in vielerlei Gestalten auf. Sie heißen Lug, Trug und Mord und tanzen lachend um die Feuer. Der Mensch hat daraus den Teufel gemacht. Klar, es ist immer einfacher, die Schuld bei anderen zu suchen. Niemand will ein Mörder sein. Dieses Prädikat verdienen jene Politiker, die Krieg gegen andere führen. Um „Gutes“ zu tun, ist klar.

Religion als Waffe

Im Namen von Göttern, haben Menschen schon immer andere Menschen verfolgt. Sie haben Kreuzzüge gegen ihre Schwestern und Brüder geführt. Buddhisten sind kein Stück besser, als andere Religionen. Man denke nur an die Kriege in Asien.

Mit dem Unterschied, dass es dabei selten um den Glauben ging. Politische Interessen, die Suche nach Rohstoffen, haben Japans Samurai nach China gebracht. Die Chinesen nach Korea und und und …

Wer anders ist, wird gern verfolgt. „Und willst du nicht mein Bruder sein …“, stand auf so mancher Fahne. Auch in der heutigen Zeit ist das kaum besser. Die Welt brennt noch immer. Verbohrte Greise predigen Hass und schicken die Jugend in den Tod. Mit Bomben, Attentaten und Lügen. „Das Paradies erwartet euch!“

Angeblich haben sie mit „Gott“ gesprochen und der hat den Weg gezeigt. Jede Seite sieht sich als die einzig wahre an. Dabei bedeutet das Wort „Allah“ auch nur „Gott.“ Christen, Juden und Moslems streiten schon immer, weil (falsche) Prediger es so wollen. Aber Religion ist für alle Menschen da. Und ein Gott verbreitet keinen Hass.

Ein Missbrauch von Religion(en), ist so alt wie die Götter selbst. In ihrem Namen werden Wahrheiten verkündet, die Menschen aufgeschrieben haben. Diese Wahrheiten kosten andere Menschen das Leben. So, wie in Israel, Indonesien und dem Sudan. In Wirklichkeit geht es stets um weltliche Interessen. Um Rohstoffe, Macht und sehr viel Geld.

Dafür brennen Städte in Syrien, dafür sterben Menschen in der Türkei. Die Attentäter sterben mit. Ganze Generationen sind bereits verblutet. Politische Konstrukte, wie der Islamische Staat (IS), verbreiten Angst und Schrecken. Kein Gott hat das gewollt. Der Sinn des Lebens ist zu leben. Friedlich. Punkt!

Abenteuer Japan – Teil 3: Der große Buddha

Religion, Zen-Buddhismus, hat meinen Lebensweg mit geprägt. Aber im Gegensatz zu den sanften Buddhisten, bin ich mehr die militante Verfechterin. Gut, das ist allein meine Sache und mindert nicht meine Gläubigkeit. Nur wird mich niemand schlagen, so lange ich mich wehren kann.

Schon seit ich ein Kind bin stehe ich für andere auf und habe sie tapfer verteidigt. Ganz in der Tradition der Samurai, die ebenfalls Schwächere schützten. Diese martialischen Krieger sind sehr oft auch Dichter, Künstler gewesen. Mit Worten, Gemälden, Kalligrafie.

Wir sind noch immer in Kamakura. Ganze 65 Tempel und 19 Schreine kann der Gläubige dort besuchen. Etwas viel für uns. Die Hauptattraktion in Kamakura ist der Daibutsu, eine riesige bronzene Buddhastatue. Sie steht in Hase, im Westen der Stadt, auf dem Gelände des Tempels Kotoku-in.

Die aus Bronzeplatten zusammengesetzte Statue ist 11,40 Meter hoch und wiegt 850 Tonnen. Also ein wirklich schwerer Mann. Elfchen ist auch beim Glauben auf meiner Linie. Buddhistin mit durchaus kämpferischen Flair. Aber um Yuki böse zu machen bedarf es mehr. Bei mir reicht schon ein Funke und mein Pulver explodiert.

Aber Zen-Buddhismus, Karate und eiserene Disziplin, haben diese möglichen Explosionen in gezielte Bahnen gelenkt. Vom Wildfang meiner frühen Jugend bin ich in diesen Tagen weit entfernt.

Wir fahren zum Tokei-ji-Tempel, der vor allem sehenswert wegen seiner großartigen Gartenanlagen ist. Dort blüht es fast immer. Natur, wie sie der Japaner mag. Die Menschen denen wir begegnen sind meist Frauen. Einige wirken bedrückt, die meisten sind sehr still.

Tokei-ji ist 1285 als Nonnenkloster gegründet worden und war stets ein Zufluchtsort für Frauen. Wer sich drei Jahre lang als Nonne im Tempel aufhielt, galt als rechtmäßig geschieden. Tempel, Kirchen sind für mich Orte der Besinnung. Dort finde ich mich selbst. Und jene Ruhe, die der Alltag nicht immer bieten kann.

Wir fahren dann doch in Richtung Daibutsu. Unser Ziel ist Kannon, die wohl berühmteste buddhistische Gottheit. Bewusst sage ich Gottheit. Kannons Geschlecht – eigentlich heißt sie Avalokiteshvara – ist nicht eindeutig geklärt. Ich zumindest sehe eine Frau in ihr. Das Sinnbild, der „Großen Mutter.“

Kannons 11 Gesichter ermöglichen es der Göttin, in alle Richtungen zu schauen und jeden wahrzunehmen, der ihrer Hilfe bedarf. Angeblich stammt die Statue aus dem 9. Jahrhundert und gehört mit mehr als 9 Metern Höhe, zu den größten Holzstatuen Japans. Ich schließe die Augen und fühle die Verbundenheit mit ihr.

„Vielleicht sollten wir Nonnen werden“, denke ich laut nach. „Und wer kocht dir dann dein Essen?“, kontert Yuki frech. „Ohne mich verhungerst du doch.“ Der große Buddha scheint bei diesem Satz zu lächeln. Ist ja mal wieder typisch Mann! Aber es sei ihm verziehen. Und Elfchen weiß, dass ich besser (vor Wut) kochen kann.

Teil 4 Der Reise bringt uns zurück nach Iga. Großvater Satoshi bittet zum Tee.

Weihnachten zu Hause

Wir, die wir im Wohlstand leben, werden an Weihnachten zu Hause sein. Aber wo ist „zu Hause“ überhaupt? Viele Menschen haben auch dieses Jahr ihr Heim, ihr Land verloren. Hilflos irren sie durch fremde Länder und werden kaum anerkannt. Ohnmächtig, ohne Geld und Sprache, schauen sie auf die für sie Reichen dieser Welt.

Wieder einmal, wie schon seit Jahrhunderten, wird Religion für Krieg benutzt. Machthungrige Patriarchen überziehen die Welt mit Feuer und Schwert. Und das ist falsch. Alte Männer opfern einmal mehr die Jugend der Welt. Und der Teufel lacht, um es mit christlicher Symbolik zu sagen.

„Kriege entstehen aus dem Scheitern, das Menschsein der Anderen zu verstehen“, hat der Dalai Lama gesagt. Ich sage, dass es billigste Machtgier ist, um dem eigenen Ego zu schmeicheln. Um Geld und Ressourcen anzuhäufen.

Die Mächtigen der Welt spielen ein böses Spiel. Es ist Schach mit dem Glauben der Menschen. Bauernopfer inklusive. Die Leidtragenden sind die Menschen, die hilflos vor dem Terror fliehen. Sie haben ihr Zuhause verloren, sie sind an Weihnachten allein. Rechte Hohlköpfe stehen nun in Deutschland auf, um Front gegen „Ausländer“ zu machen. Gegen den Islam, gegen Menschen die anders sind.

Anders als wer, frage ich? Wir alle, die wir satt und sicher in unseren Heimen sitzen, sind AusländerInnen in einem anderen Teil der Welt. Das sollten wir nie vergessen, wenn wir rührselig in weihnachtliche Stimmung verfallen und dicke Geschenke unser eigen nennen.

Auch ich werde Weihnachten im Kreis der Familie verbringen. Meine Eltern sind bereits hier. Wir sind in Deutschland zu Hause. Wir, dir wir aus Japan sind. Aber wir geben immer ein Stück von unserem Glück weiter. Und zur Not kämpfen wir auch dafür. Auch für die, die anders sind. Macht ihr das auch?

Wir, die wir im Wohlstand leben, sollten aufhören zu jammern. Wen interessiert es angesichts des Elends auf der Welt, ob der Zweitwagen von Familie Neureichoberprotz, einen Reifenschaden hat. Reicht denen die Hand, die alles verloren haben. Das wünsche ich mir für dieses Weihnachten, für das kommende Jahr. Und weniger Jammerblogs, auf allerhöchstem Niveau.

Schließen möchte ich diesen Beitrag mit den Worten von Charles Dickens: „Und ich werde an Weihnachten nach Hause kommen. Wir alle tun das oder sollten es tun. Wir alle kommen heim oder sollten heimkommen. Für eine kurze Rast, je länger desto besser, um Ruhe aufzunehmen und zu geben.“  

In diesem Sinn wünsche ich allen meinen LeserInnen friedliche und frohe Weihnachten. Wir lesen uns bald wieder. Nie angepasst und immer kämpferisch.

Japan, deine Religionen!

Japaner sind Buddhisten, das weiß doch jedes Kind. Weit über 80 Prozent der Bevölkerung gehören diesem Glauben an. Japaner sind aber auch Shintoisten. Und auch diese Zahl liegt bei weit über 80 Prozent. Ein Widerspruch, gar eine Lüge? Nein! Frau Dr. Landar erklärt, wie Religion in Japan funktioniert.

Aber zurück zu den Prozenten, die eine statistische Unmöglichkeit sind. Auch in Japan gibt es keine Sonderrechnung, wenn man die beiden Zahlen addiert. Aber zu 100 Prozent steht fest, dass Japaner sehr pragmatisch sind. Und das gilt auch bei Religion. Als Mädchen habe ich den Buddhismus erfahren und wie die alten Weisen ticken. Und dass der Shintoismus über allem steht.

Im Westen ist man meist Christ und wird im Sinn der Bibel erzogen. Dass die christliche Kirche heidnische Wurzeln hat, wird gern übersehen. Ich will hier nur das Osterfest, den Weihnachtsbaum und Allerheiligen nennen. Und, dass Kirchen oft auf heidnischen Kultplätzen stehen. Alles kein Problem, wenn man ehrlich ist.

Der Japaner hat kein Problem damit, sich aus dem (Über)Angebot der Religionen das zu herauszuholen, was ihm passt. Beispiel gefällig? Kinder werden shintoistisch getauft, wobei Taufe nur ein Vergleichswort zur Beschreibung der Zeremonie ist. Geheiratet wird in Japan gern nach christlichem Vorbild und gestorben buddhistisch. Alles klar?

Ich selbst bin mit Hausgöttern, Yokai und Geistern aufgewachsen, die für mich selbstverständlich sind. Und Buddha ist und war kein Gott. Für einen Mann, war er recht weise. Und Fehler hatte er natürlich auch. Als Vertreterin des Zen-Buddhismus bin ich bekanntlich sehr kämpferisch unterwegs. Mein Weg, nicht der des Buddha.

Was Japaner nicht kennen, ist die im Westen vorherrschende Trauerkultur, diese viele Menschen lähmende Angst vor Teufel, Tod und Sündenfall. Das hat die unreformierte Kirche damals nur erfunden, um ihre Schäfchen besser zu kontrollieren. Wer in Angst lebt, der braucht einen Erlöser. Wer in Angst lebt, der zahlt. Und Rom bleibt an der Macht.

Japaner verehren ihre Ahnen in einer Weise, wie es auch Chinesen tun. Selbst japanische Christen haben kein Problem damit, diese Sitte weiter zu pflegen. Aber Christen sind und bleiben die Minderheit in Japan, das waren sie immer schon. Sie mixen munter die Sitten und werden dafür gern kritisiert. Aber wo ist das Problem?

Man kann sagen, dass sich in Japan viele Religionen vermischen und so eine eigene Form des Glaubens erschaffen haben. Shintoismus und Buddhismus ebenso, wie der Taoismus und Konfuzius Lehren. Ein weiser Mensch hat einmal Synkretismus dazu gesagt, was es vermutlich trifft. Aber die Menschen glauben. Und das ist alles was zählt.

„Japan, deine Religionen!“, habe ich bewusst als Überschrift gewählt. Aber sie spiegelt kaum wieder, wie Japan wirklich ist. Faszinierend auf alle Fälle, egal ob Buddhist, oder Shintoist über den Köpfen der Menschen steht. Ich bete übrigens meine Elfe an. Und das mindestens zu 1000 Prozent. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

Warum ich nicht (typisch) deutsch bin

Um Deutsche zu verstehen muss, man kein Deutscher sein. Aber es hilft. So lange ich zurückdenken kann bin ich Deutsche. Das steht auch so in meinem Pass. Da steht aber auch, dass ich in Fukuoka geboren worden bin. Genau das macht mich wieder zur Japanerin, was ich nun beweisen werde. Dabei geht es auch um Religion und deren Unterschiede. Tiefreligiöse Menschen sollten diesen Beitrag vielleicht meiden. Weder ist es meine Absicht religiöse Gefühle zu verletzen, noch werde ich mich auf Grundsatzdiskussionen über Religion einlassen. Aber ich sage was ich denke. Und bei aller Toleranz, ist das ist mein gutes Recht.

Gestern habe ich über Japan und Japaner geschrieben und sie milde kritisiert. Ja, ich finde Deutschland in vielen Punkten besser. Aber es gibt auch in diesem Land Dinge, die meine Toleranz belasten. Dinge, die ich anders mache und zur Not auch kritisiere. Als Kind zweier Welten mache ich keinen Spagat. Ich bin einfach so, wie ich bin. Aber wie sehe ich meine Deutschen, was macht mich so undeutsch?

Dazu muss der geneigte Leser wissen, dass ich Buddhistin bin. Mit anderen Religionen habe ich wenig am Hut. In deren Namen haben die Menschen viel Leid über ihresgleichen gebracht. Man denke nur an die Christenverfolgungen der Antike, die Expansionskriege des Islam und die Kreuzzüge der Christen ins Heilige Land. Toleranz ist anders. Aber wie ich bereits mehrfach schrieb: Die Bibel und auch den Koran hat kein Gott geschrieben. Das waren Menschen ihrer Zeit. Und die legen Religion nach Gutdünken aus. Oder um es anders zu formulieren: Menschen haben Religion erfunden. Und auch Buddha war kein Gott.

Bibel, Kirche und Religion haben in Deutschland ein Weltbild geschaffen, das es in Japan nicht gibt. Die Rede ist von der Einstellung der Deutschen zu Tod und Vergänglichkeit. Aber das ist bei so ziemlich allen Christen weltweit der Fall. Hölle, Fegefeuer, Sündenfall sind Worte, die fremd für mich sind. Und auch wenn ich Kirchen als Orte der Begegnung mag, so kann ich den Lehren nicht folgen. Japans größte Religion ist der Buddhismus. Dort spricht man von einem ewigen Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt. Verlust und Vergänglichkeit gelten als natürliche Bestandteile dieses Kreislaufs und damit alles Lebens. Warum kann das nicht auch bei Deutschen so sein?

Im Gegensatz zum Japaner jammert der Deutsche auf meist hohem Niveau. Egal ob über das Wetter, oder die eigene Person, ständig wird lamentiert und geheult. Und auch das Selbstbild westlicher Menschen ist oft Erziehungssache. Die eigene Person als Mittelpunkt zu sehen, das wird dem Kind schon anerzogen. Ebenso der Egoismus, der abstruse Formen annehmen kann. Deutsche sind lauter als Japaner. Und das in allen Lebenslagen. Gefühle zeigen gehört zum guten Ton. Vor allem, wenn man im Fußball gewonnen hat. Das ist nicht negativ, aber positiv ist anders. Vor allem deutsche Männer fand ich immer ungehobelt. Und das hat mein Bild von Mann mit geprägt.

Körperhygiene und Sauberkeit haben im Westen eine andere Tradition, als im überreinlichen Japan. Während ich bei Deutschen an verschiedenen Tagen durchaus die gleichen Kleidungsstücke bemerken durfte, gibt es das im Haus Mayumi nicht. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, die gleiche Hose, das gleiche T-Shirt, an zwei Tagen zu tragen. Das gilt auch für die Unterwäsche, die ich an heißen Tagen auch mehrfach wechsele. Und Deo ist für mich Pflicht. Leider sieht das ein Teil der hiesigen Bevölkerung anders. Entsprechend atemraubend ist deren Körperduft.

Geld und Besitz spielt in Deutschland eine große Rolle. Der Satz „Mein Haus, mein Boot, mein Pferd“, ist legendär. Dieses Verhalten ist mir zuwider. Ich protze nicht mit Geld. Jahrelang bin ich statt Sportwagen nur Corolla gefahren. Aber noch in diesem Jahr gönne ich mir den eigenen Z. Die Firma Porsche wird es mit Sicherheit verschmerzen. Alles gut. Alkohol, speziell Bier, hat in Deutschland Tradition. Aber schon der Geruch ist mir zuwider. Und von Wein wird mir schlecht. Lieber bleibe ich bei Saft, oder Wasser, was mich wieder zur Außenseiterin macht.

Die deutsche Sprache hat so ihre Tücken. Ich mag sie durchaus und auch wieder nicht. Sie ist hart, direkt. In Japan spricht man mehr indirekt. Beides hat Vorteile. Aber Amerikaner finde ich oft höflicher, als den durchschnittlichen Deutschen. Meine Sprache ist zum Teil komprimiert und auf das Wesentliche reduziert. Haiku-Stil, hat Yuki das genannt.

Deutsche vertreten ihre Meinung gern mit Nachdruck. Sie möchten (mit Gewalt!) andere überzeugen. So wenig ich die indirekte japanische Art mag, so wenig mag ich Zwang. Und genau den spüre ich, wenn ich diskutiere. Mann und auch Frau, wollen mir ihre Sicht der Dinge aufzwingen. Nur, wo bleibt der Resepekt? Richtig, er ist meist nicht vorhanden. Und das werfe ich meinen Deutschen vor. Seine Meinung zu vertreten ist okay. Aber es kommt auf das „wie“ an. Und da liegen viele Menschen voll daneben.

Was mir in Deutschland fehlt, ist mehr Nationalstolz. Ich persönlich bin stolz darauf in diesem Land zu leben und mich Deutsche zu nennen. Nur sehen das nicht alle Deutschen so. Fest eingebunden in Europa und doch zum Teil argwöhnisch von Nachbarstaaten beäugt, katzbuckeln sie seit vielen Jahren. Sie ducken sich vor Zentralräten und dem großen Bruder USA. Nur nichts falsches sagen, es könnte Konsequenzen haben! Na und? Ich erlaube mir ganz offen politische Systeme und deren Handlungen zu kritisieren. Egal ob in Israel, oder den USA. Wo ist das Problem? Wir sind alle Menschen. Schwestern, Brüder, Freunde. Und Freunde dürfen auch Kritik üben. Nur ausspionieren sollten sie sich nicht.

Am Ende dieses Artikels komme ich zu deutschem Essen, das mir schwer im Magen liegt. Ja, auch Klein-Mayumi musste Hamburger probieren und sich den Magen damit verderben. Wir kochen meist japanische (asiatische) Gerichte, experimentieren aber auch sehr gern. Aber Schweinshaxen und Schnitzel gibt es bei uns nicht. Und auch sonst kein fettiges, opulentes Essen. Die deutsche Küche kann durchaus mehr! Nur leider wird das immer seltener genutzt. Ausnahmen finde ich in diversen Blogs. Dortige Gerichte sind durchaus lecker.

Mit meiner forschen Art ecke ich oft an. In Japan werde ich als Deutsche angesehen, in Deutschland bleibe ich immer die Japanerin. Auch, weil ich in kein Schema passe. Nur habe ich damit kein Problem. Aber ich bin damit untypisch deutsch (und japanisch) geworden. Und das wird sich nie ändern.

Reizthema Religion – Sind wir wirklich tolerant?

Fanatiker sehen sich als göttlich inspirierte Menschen. Zumindest wenn sie ihre Religion vertreten. Als Buddhistin stehe ich jedem anderen Glauben offen gegenüber. Aber religiöse Fanatiker, die mag ich nicht. Die folgende Geschichte ist genau so passiert. Aber literarisch aufgearbeitet. Manchmal ist es hilfreich Stichworte zu notieren. Weniger hilfreich, sie dann zu verlegen. Aber mein altes Zimmer im Düsseldorfer Elternhaus gibt es noch. Und dort habe ich vor einer Weile wahre Wortschätze gefunden.

November 2007. Draußen ist es bereits dunkel. Das Wetter ist unangenehm und recht kalt. Der Tag an der Uni war lang, heute waren die Vorlesungen Pflicht. Das Karate-Training verspricht Entspannung. Und Spaß, den habe ich. Mit meinen Mädels mache ich Sparring, danach leite ich die Kindergruppe. Die Kleinen sind süß und teilweise sehr begabt. Am Ende der Halle trainieren die Männer. Ein dunkelhaariger Neuling fällt mir auf. Geschätzte 30 Jahre alt. Er wirkt übereifrig und hat einen stechenden Blick, mit dem er alle Frauen mustert.
Sofort wächst mein Widerwille.

„Wer ist das?“, frage ich die Haupttrainerin Adele in einer ruhigen Minute.
„Der ist neu“, sagt Adele und zuckt die Schultern. „Ägypter sagt er. Sein Name ist Pierre. Hat dort angeblich den Braunen Gürtel gemacht. Aber davon war nicht viel zu sehen. Ich habe ihm gesagt wenn er mir entsprechende Papiere bringt und die Katas laufen kann, erkennen wir den an. Bis dahin darf er ihn nicht tragen.“
„Welchen der drei Gürtel denn?“, will ich wissen.
Braungurte gibt es vom 3. bis 1. Kyu. Wobei der 1. höher ist.
„Natürlich den 1.“, sagt Adele und schmunzelt. „Du weißt doch meine Süße, sie sind alle furchtbar gut.“
Maulhelden aller Länder vereinigt euch.

Adele ist halbe Französin, farbig und zehn Jahre älter als ich. Ihr Vater stammt aus Afrika, die Mutter aus Paris. Aber die Familie lebt seit Ewigkeiten in Düsseldorf.
Adele liebt Karate über alles. Und ihren deutschen Ehemann. Und sie ist einige der wenigen Frauen, die mich Süße nennen dürfen.
Die Info reicht mir. Aber ich habe kein gutes Gefühl bei Pierre. Immer wieder sehe ich ihn zu den Mädels gieren. Ich blende ihn vorerst aus und kümmere mich um die Kids, die mit wildem Eifer bei der Sache sind. Nach dem Training bildet sich eine lockere Gruppe. Frauen und Männer, die über dies und jenes sprechen.
Auch Pierre ist dabei und redet einige Sätze mit. Bis die Sache eskaliert.
Diskussionkultur ist anders.

Pierre ist zwar Ägypter, aber französische Vornamen haben in seiner Familie Tradition. Und er ist koptischer Christ, was er unaufgefordert erzählt. Auch von den Übergriffen auf Kopten im Mai 2007 in Bamha, einer Stadt südlich von Kairo.
„Meine Familie lebt dort noch immer“, erklärt er uns mit leichtem Akzent. „Radikale Moslems haben meine Schwester verletzt. Und die Polizei hat weggeschaut. Kopten haben nur Nachteile in Ägypten. Daher habe ich auch in Deutschland studiert.“
Selin, ein in Deutschland geborenes türkisches Mädchen schaut betroffen.
„Ich bin auch Muslimin“, sagt sie leise. „Aber diese Radikalen mag ich nicht.
Das finde ich gut.

Kurz darauf entbrennt eine Diskussion über Religionen und Gott, die ich nur mit halbem Ohr verfolge.
Ich spreche mich mit Adele über das nächste Training ab.
Selin ist es egal, ob jemand Jude, Christ oder Hindu ist. Für sie sind alle Menschen gleich.
„Ich verstehe diese Aufregung um Religion nicht“, fügt sie hinzu. „Wir meinen doch alle das Gleiche.“
„Ich glaube nicht an Gott, oder die Bibel“, wirft Judith ein. „Ich bin auch nicht getauft.“
Pierre giftet los, Auftritt des Narren.

„Dann werden Sie jetzt mit mir ein Problem haben!“, sagt er mit lauter Stimme und macht einen halben Schritt auf die erschrockene Judith zu.
Ich wittere Gefahr und bin mit einem Satz bei der Gruppe und stelle mich schützend vor Judith. 1,62 Meter Mayumi Power pur gegen locker 1,85 Maulheld Pierre.
„Welches Problem soll sie haben?“, frage ich ihn sanft. „In diesem Dojo gilt Respekt. Und den lässt du zur Zeit vermissen.“
„Ich glaube an Gott!“, lässt Pierre mich wissen und seine Augen funkeln. „Und das muss jeder respektieren!“
„Niemand hat etwas gegen Gott und deinen Glauben gesagt“, erkläre ich ihm. „Aber Judith glaubt an keinen Gott. Und das hast auch du zu respektieren. Das nennt man Toleranz.“
Aber Pierre lässt das nicht gelten und holt zum religiösen Rundumschlag aus. Mit sich überschlagender Stimme bringt er seine Argumente vor.
Bin ich im falschen Film?

„Stop!“, rufe ich und unterbreche seinen Redefluss. „Hast du mir überhaupt zugehört?“
Aber mit dem Mann ist nicht zu reden. Reizthema Religion, ich sehe schon.
„Ich bin Buddhistin“, sage ich. „Aber ich toleriere jede Religion. Hast du damit auch ein Problem?“
Pierre hat und das lässt er mich wissen. Er hat sich in Rage geredet, Schweiß steht auf seiner Stirn. Der Mann wirkt angespannt, er ist Fanatiker. Und das ist niemals gut.
„Ich will, dass sie sich bei mir entschuldigt“, geifert er. „Sie hat meinen Gott beleidigt. Und du geh mir aus dem Weg!“
Er macht den Fehler, den die meisten nur einmal machen, und greift nach mir.
Woher soll der Maulheld wissen, dass ich auch Aikido kann?
Auf die Knie ihr Bauern, Japan ist zu Gast.

Ich fixiere Pierre am Boden und er kreischt und zetert überlaut.
Aber er kann sich nicht rühren. Und er ist clever genug und versucht es auch nicht.
Aikido in Reinkultur, Pierre ist besiegt von seiner Kraft.
Adele samt Dojo-Besitzer sind neben mir und fordern Pierre zum gehen auf. Ich lasse ihn los und wie ein geprügelter Hund dackelt er davon.
„Dieser Verein braucht keine Fanatiker“, gibt ihm Adele mit auf den Weg. „Wir sind alle Schwestern und Brüder. Egal ob Moslem, Buddhist, Hindu oder Christ.“
Toleranz kann so einfach sein.

Die Hölle ist in dir

Vorab möchte ich mich bei theomix bedanken, dessen Gedanken über Teufel und Hölle mich inspiriert haben. Auf keinen Fall soll das nun eine kontroverse Diskussion über Himmel und Hölle, einen Gott, oder böse Mächte werden. Als Buddhistin respektiere ich jede andere Religion. Auch, wenn ich wenig damit anfangen kann, was manche Menschen aus den aufgeschriebenen Lehren machten.

Ewiges Leid, Elend, Buße, Verdammnis und Tod sind Themen, mit denen ich einfach nicht kann. Auch mit dem Leben in Sünde, der Keuschheit und dem bösen Teufel. Für mich lediglich eine Figur aus einer Legende. Und davon gibt’s in Japan viele. Ebenso wie Hausgötter und Dämonen, die allgegenwärtig sind. Aber im Gegensatz zu Europäern jammern Japaner nicht. Wir kennen keine Hölle und ihren Fürsten der Nacht. Und daher haben wir vor ihm auch keine Angst.

Aber ich schweife ab. Mir geht es um jene Hölle, sie sich Menschen selbst erschaffen. Tag für Tag brennen sie im eigenen Fegefeuer, geben dafür aber immer anderen die Schuld. Der Teufel, Dämonen, oder dunkle Mächte, haben sie zu Drogen greifen lassen. Das allzu schwere Leben ist Schuld zum Alkoholiker zu werden. Der Mord musste sein, hat ihn doch der Höllenfürst befohlen. „Die Hölle, das sind die anderen“, hat Sartre gesagt. Und immer wieder sind diese anderen dann schuld.

An der Stelle winke ich ab und hole ganz tief Luft. Wir alle tragen die Verantwortung für unser eigenes Leben und keine höhere Macht. Niemand lenkt unsere Schritte, wenn wir den Weg in den Abgrund wählen. Wir entscheiden, ob wir dem dumpfen Klang dämlicher Lieder lauschen, oder von der 456ten Folge von „Liebesfluch am Matterhorn“ eingeseift werden. Wir kaufen Deutschlands Revolverblatt Nr. 1, niemand zwingt uns dazu. Und niemand zwingt euch diesen Blog zu lesen. Aber ich freue mich, wenn ihr es tut.

„Die Hölle ist in dir“, steht als Textzeile in einem Lied. Genau so sehe ich das auch. Es ist immer nur ein Schritt in den unbekannten Himmel, hin zur rettenden Tür. Und es ist an der Zeit, dass wir ihn gehen. Kommt wer mit?