Leben und andere Kleinigkeiten

Unser Leben in den USA ist anders. Hektischer. Was auch mit meiner Cousine zu tun hat, wir pendeln oft zwischen Santa Barbara und Los Angeles. Es geht ihr besser. Sie ist aktiver und nimmt am Leben teil.

Unsere Freundschaften halten, das Wetter auch. Und mein 4. Dan rückt in greifbare Nähe. Die Techniken sitzen, die Prüfung werde ich bald in Japan machen. Unter Papas strengen Augen, ist doch klar.

Ich übe mit einem Experten, der auch MMA unterrichtet. Seiner ältesten Tochter habe ich dafür mein Karate beigebracht. Nachdem ich ihr zeigte, wie der Ringboden aussah. Mehrfach versteht sich. Heute sind wir dicke Freunde.

Ken wird mit seiner Schwester ebenfalls zurück nach Japan fliegen. Heimat wir kommen. Schon wieder! „Wie finanziert die Japanerin das?“, werden sich Neugierige fragen. Ich arbeite hart für mein Geld. Mehr muss niemand wissen.

Mein Blog verwaist, mir fehlt die Zeit täglich Beiträge zu lesen. Auch meine Sprache leidet. In meinem Kopf ist ein bunter Mix aus Deutsch, Englisch, Japanisch und Mandarin (chinesisch), das ich unbedingt besser kennenlernen will.

Warum Mandarin? Wir planen einen Aufenthalt in China, genauer den Wudang-Bergen. Feng und Fan Fan werden uns begleiten. Die Reise wird im Frühling 2018 sein. Der Plan ist einerseits unser Tai Chi zu verbessern, aber auch Neugier auf China insgesamt.

Ein kurzer Rückblick. Santa Barbara, 25.10.2017. Der Ort, das Haus von Ally und Heather. Yuki macht Frühstück und ich helfe natürlich mit. Während ich Tee koche kommt mir eine Szene in den Sinn. Und biestig wie ich bin, werde ich sie mit euch teilen.

„Willst du, Mayumi, die hier anwesende Yuki zur Frau nehmen, so antworte mit Ja.“ So oder ähnlich wird es später klingen, wenn wir zum zweiten Mal heiraten werden. Wobei das eigentlich die erste Heirat ist, bisher leben wir nur in einer „eingetragenen Lebenspartnerschaft.“

„Aber eine Heirat in den USA zählt doch in Deutschland nicht automatisch!“, höre ich bereits die berechtigte Kritik. Das ist richtig. Aber wer sagt, dass wir zurück nach Deutschland gehen? Falls doch ist es lediglich ein Federstrich.

„Aber zwei Frauen können doch nicht heiraten!“, werden sich auch einige Homophobe empören. Für die gibt es wie immer meinen wunderschönen Mittelfinger.

„Glaubst du wirklich, dass ich dich heirate?“, will Elfchen wissen und lacht über das ganze Gesicht. „Neun Jahre halte ich dich jetzt schon aus, vielleicht sollte ich mir eine Neue suchen.“

„Mach doch“, erwidere ich ungerührt, „ich schnappe mir dann ein nettes Blondchen.“ „Und wer kocht dir dein Essen?“, kontert Yuki frech. „Du wärst doch längst verhungert ohne mich.“

„Soll das heißen, dass ich dich jetzt vernaschen darf?“, frage ich gut gelaunt und gehe auf sie zu. „Geh weg!“, kreischt Yuki, „ich habe schmutzige Hände!“ Ungerührt werfe ich ihr ein Handtuch zu, das sie sofort als Waffe gegen mich benutzt.

„Willst du mich heiraten?“, frage ich aus sicherer Entfernung und höre etwas, das wie „Baka“ klingt. „Also ja“, sage ich und gebe ihr einen Kuss. „Und jetzt trödle nicht rum du Elfenmaus. Wir haben später noch die Welt zu retten.“ Frech wie Yuki ist hat sie: „Und wer rettet mich vor dir?“ gefragt.

 

 

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Thriller

Mitten im Leben zu stehen, war schon immer meine Devise. Andere schauen sich vielleicht nur zu. Oder dem Leben der anderen. Aus Angst, Unsicherheit, Frustration. In die USA zu gehen hat natürlich Mut erfordert. Aber ich habe noch jede Herausforderung angenommen.

Santa Barbara ist kein Thriller für mich. Ich fühle mich hier wohl und heimisch. Wir sind längst angekommen, haben Freunde gefunden und mit der Arbeit klappt es auch. Die Kooperation mit dem kalifornischen Tuner trägt erste Früchte. Der Inhaber ist ebenso verrückt, wie Wolf und seine Ingenieure. Aktuell testen wir einen Nissan GT-R.

Dabei geht es weniger um Höchstgeschwindigkeit, Stabilität und Haltbarkeit sind wichtiger. In den USA ist Show angesagt, also wird der Wagen primär optisch umgebaut. Breitere Reifen, geschmiedete Felgen und eine Folierung hat der Kunde bestellt. Und eine Steigerung der Leistung um 100 PS.

Meine „Pferdestärken“ muss niemand tunen und meine Fassade ist auch noch ganz passabel. Vor allem am letzten Samstag, als wir uns verkleiden. Santa Barbara Thriller Dance ist angesagt. Eine Gruppe von zehn Mädels macht sich auf den Weg zur Show, Ally und Heather führen uns an.

Mit dem Handy mache ich einige (schlechte) Bilder. Die Sonne blendet, aber es ist nicht mehr wirklich warm. Auch in Kalifornien werden die Tage kühler, umgerechnet haben wir etwa 18 Grad. Aber niemand friert, der Thriller Dance hält alle in Atem.

Hunderte Menschen tanzen, wir haben jede Menge Spaß. Wir ernten Blicke, die andere eifersüchtig machen. Wann hat man schon jemals tanzende Elfenzombies gesehen. Yuki und ich geben die japanische Dämonen. Weiß geschminkt, mit pechschwarzem Blick.

Auch der Abend wird lustig, wir lernen neue Leute kennen. Niemand stört sich daran, dass wir lesbisch sind. Die Menschen haben ihre Vorurteile abgelegt. Eine Mexikanerin schenkt mir ihr süßestes Lächeln, aber ich trage den Ring der Macht. „Schade“, haucht sie und taucht in der Masse unter.

„Na die traut sich was!“, gibt Yuki die Eifersüchtige. Ich lache und gebe meiner Elfe einen Kuss. „Ich traue mich lieber mit dir“, necke ich sie. „Besser ist das“, sagt sie frech, „sonst hättest du in Zukunft sehen können, wer dir das Essen macht.“ Yuki ist und bleibt der beste Thriller, aber das habt ihr bestimmt gewusst.

 

 

 

Ein Leben lang auf Reise

Unser Leben ist zur Zeit eine große Reise. Waren wir letzte Woche noch in Fukuoka, ist nun Deutschland angesagt. Aber vorher haben wir Zeit in Los Angeles verbracht und einige wichtige Dinge geregelt.

Wie zum Beispiel die Zukunft unseres Apartments, das wir vorübergehend an ein Frauenpaar vermietet haben. Nicht ganz überraschend, haben sich Riko und Madison bei uns gemeldet, die beiden Mädels vom Dina Shore. Sie sind seid Juni in Los Angeles und haben Probleme mit ihrer Wohnung bekommen.

„Wir haben keine Nacht geschlafen, so laut war es dort“, erzählt Madison, als wir uns treffen. Der Vermieter macht Ärger und besteht auf dem Vertrag. Aber Riko ist Anwältin und weiß was sie machen muss. Sie sind schon auf der Suche nach einer neuen Bleibe und wohnen in einem günstigen Motel.

Mir kommt eine Idee, die ich mit Yuki per Augenkontakt abstimme. „Wir können euch unser Apartment überlassen“, biete ich den beiden an, wir werden einige Monate nicht in Los Angeles sein.“ „Vermutlich kommen wir erst im September wieder“, fügt Yuki hinzu, „aber das wissen wir noch nicht.“

Unsere beiden neuen Freundinnen sind total aus dem Häuschen vor Glück. Vor allem, als ich ihnen den Preis nenne und die Lage. Klar ist es teurer als ihr jetziges Motel, aber ich verlange keinen Wucherpreis. Und Sicherheiten haben beide.

Sicher im Flieger, hat uns unser Weg über Düsseldorf nach Stuttgart geführt. Wir waren auch in Hamburg, haben kurz Berlin unsicher gemacht und sind dann nach Frankfurt geeilt. Zur Zeit besuchen wir in Holland Freunde und fahren in Kürze wieder nach Düsseldorf. Und im August ruft wieder Japan.

Yuki nehmen die Reisen mehr mit, als sie eingestehen will. Ich bemerke es und spreche es an. „Alles gut“, sagt sie und strahlt mich an, „wenigstens ist mit dir das Leben nie öde. Die Mama deiner Kinder kann ich später noch spielen.“ Seht ihr nun das wahre Biest?

Eher milde gestimmt, rauscht das politische Leben scheinbar unbeachtet an mir vorbei. Ich verfolge die Neuigkeiten mit Interesse, aber nehme absichtlich Abstand davon. Habe ich aufgegeben?

Fast könnte man das glauben, haben wir doch immerhin unseren bisher größten Sieg errungen. „Wir“, das ist die deutsche LGBT-Community. Wahltaktisch klug von der SPD eingefädelt, wird sie kein Kapital aus der Eheöffnung für alle schlagen. Ohne Merkels Zustimmung, wäre die Sache geplatzt.

„Aber sie hat doch dagegen gestimmt!“, höre ich meine LeserInnen sagen. Ja, das hat sie. Aber sie hat die Abstimmung möglich gemacht. Und da sie das positive Endergebnis vorher kannte, hat sie dagegen gestimmt.

Dieser so einfach, wie geniale Schachzug, hätte auch von einer Japanerin kommen können. Auch wenn ich Merkel nicht mag, das hat sie klug gemacht. Reicht das schon zur erneuten Kanzlerschaft?

Ist das nun der endgültige Durchbruch für Homosexuelle oder doch nur ein weiterer Meilenstein? Ich rechne mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht und einer Grundgesetzänderung. Mich stört das wenig, Yuki war schon immer meine Frau.

Die Politik muss vorerst ohne meine Kommentare leben. Und auch  dieser Blog wird vorerst stiller werden. Momentan fehlen mir Zeit und Lust dafür.

Dabei gäbe es eine Menge zu erzählen. Etwa wie ich kurz im MMA unterwegs gewesen bin oder der unschöne Zwischenfall mit einer Koreanerin in Fukuoka.

Ich könnte auch von dem Waisenhaus berichten und wie uns dort die Kinderherzen zugeflogen sind. Aber wir haben entschieden in Zukunft weniger Privates zu zeigen. Auch davon wird der nächste Beitrag handeln. Bis dahin dürft ihr den Sommer genießen. Wir lesen uns. Bis bald!

 

 

 

 

Lichter der Großstadt – Teil 10: Turbo

Der folgende Beitrag bildet einen Zeitraum vor unserem Aufenthalt in Japan ab. Er ist die literarisch aufgearbeitete Realität eines etwas verrückten Tages. Zeitlich bedingt, wird es vorerst weniger Beiträge von mir geben. Der Rückflug nach Deutschland steht kurz bevor und im August ist wieder Japan angesagt. 

Die Zahl Zwei hatte schon immer besondere Bedeutung für mich. Und das, obwohl ich einmalig bin. Vermutlich hatte ich schon als kleines Mädchen erkannt, dass Frau im Doppelpack zur Höchstform aufläuft. Will das wer bezweifeln?

Entsprechend innig, aber kindlich-harmlos, war meine Freundschaft mit Natalie. Heute ist Yuki meine bessere Hälfte. Sie bremst sanft mein kämpferisches Wesen aus. Zumindest dann, wenn ich sie lasse.

Als in Japan geborene Frau, hatte ich schon immer zwei Heimatländer. Und seit 2015 (wieder) einen Doppelpass. Aber was in Deutschland legal ist, wird von Japan nicht anerkannt. Nur weiß dort kein Offizieller, dass ich (noch) Deutsche bin. Und selbst wenn, wird es stillschweigend geduldet. Ob ich (wir!) es bleibe(n), wird noch entschieden. Aber eigentlich geht das niemand etwas an.

Seit ich Autos teste, habe ich viel über Technik und Fahrverhalten gelernt. Und ein Doppelturbo macht einen Wagen richtig schnell. Warum ich das schreibe wollt ihr wissen? Mache ich etwa wieder einen Autotest? Die Erklärung folgt sofort.

Wir lernen Sascha, die eigentlich Alexandra heißt, an einem Samstag in der Abbey (LINK!) kennen. Schlanke 1,72 Meter wirbeln durch den Raum. Die blonde Kurzhaarfrisur steht ihr gut. Wenn ich eine Alpha bin, hat sie auf den ersten Blick das Prädikat „Über“ verdient. Aber oft trügt der Schein, wie wir später noch sehen.

Sascha ist in Russland geboren. „Den Ort findest du auf keiner Karte“, sagt sie mit deutlichem Akzent. Aber sonst ist ihr Englisch perfekt, sie lebt schon zehn Jahre in den USA. Sie ist eine Bekannte von Nina, mit der sie im gleichen Fitness Center trainiert. Nina kennen wir durch Ally, die mit Ehefrau Heather neben uns sitzt.

Nina, die noch Verwandte in Dänemark hat und stolz auf die Herkunft ihrer Vorfahren ist, kann kaum die Augen von Sascha lassen. Bahnt sich hier etwas an? Sascha ist eine Art Playgirl. Sie hat Geld, das ist deutlich zu sehen.

„Papa hat mir verboten zu arbeiten“, erzählt sie locker. Es klingt selbstverständlich und kein Stück arrogant. „Aber ich mache trotzdem mein Ding“, fährt sie fort und zeigt stolz Bilder ihres Jobs. „Ich bin Bodyguard für Schauspielerinnen und andere Prominente.“

„Ernsthaft oder nur aus Spaß?“, hake ich nach, „magst du darüber mehr erzählen?“ „Schon aus Spaß“, sagt Sascha, „aber ich nehme das sehr ernst! Papa hat dafür gesorgt, dass ich Krav Maga trainiere. Ich habe es in Israel gelernt, dort war ich ein Jahr im Kibbuz.“

„Die militärische Form?“, frage ich und Sascha nickt leicht überrascht. „Du kennst das?“, will sie wissen und erfährt nun meinen Hintergrund. Ihr Lächeln wird noch breiter, KampfkünstlerInnen unter sich.

Mir entgeht ihr Seitenblick auf Nina nicht. Die brünette Schönheit ist mehr als einen kurzen Augenblick wert. Soll ich Schicksal spielen? Yuki schüttelt fast unmerklich das hübsche Köpfchen. „Lass es!“, heißt das. Aber will ich das auch?

Sascha erzählt, dass sie Prominente beim Shopping oder zu Veranstaltungen begleitet. „Einige sind lesbisch, andere fühlen sich besser mit einer Frau.“ Ich weiß wovon sie spricht, auch ich hatte vor Jahren kurz das Vergnügen. Spaß gemacht hat es immer.

Nina, die vor Nervosiät kaum noch sitzen kann, stellt eine entscheidende Frage. „Hast du schon Probleme gehabt?“ Sascha schenkt ihr einen Blick, der sich in Ninas Seele bohrt. „Ich würde das nicht Probleme nennen“, erwidert sie verschmitzt, „aber Paparazzi.

Vor etwa einem Jahr war ich mit einer Managerin aus Boston unterwegs, die zum Dinah Shore gekommen ist. Ich habe es selbst kaum für möglich gehalten, aber diese völlig elegante und durchgestylte Frau, bei der jede Wimper so perfekt saß wie das Kostüm, hat sich in eine ausgelassen feiernde Partymieze verwandelt. Die hatte einen Traumkörper sage ich euch!“

„Und du warst mit ihr im Bett?“, gehe ich in die Offensive, was Sascha breit grinsen lässt. „Aber hallo!“, lacht sie, „was glaubst denn du? Normal trenne ich Arbeit und Vergnügen, aber diese Frau war die Wucht!“

Plötzlich beißt sie sich auf die Unterlippe, als sie bemerkt, wie Nina den Blick abwendet. „Ich bin keine Spielerin“, sagt sie leise, „das ergab sich aus dem Augenblick. Und ich habe noch niemals eine Frau betrogen, mit der ich zusammen war.“

„Du wolltest etwas über Paparazzi erzählen?“, bringe ich das Thema wieder auf den Tisch. „Was ist passiert, seid ihr belästigt worden?“ „Ja,“ erwidert Nina. „Eine Frau ist uns vom Dinah Shore ins Hotel gefolgt. Zumindest habe ich mir das so erklärt.

Ich nenne die Managerin „Mandy“, der wahre Name ist egal. Wir waren also im Bett, als plötzlich die Tür aufging und eine Frau Bilder von uns machte. Sie hat ein Zimmermädchen bestochen, habe ich später erfahren. Für die Bilder hätte sie ein Vermögen bekommen. Hätte …“

Sascha schweigt und schaut bezeichnend in die Runde. „Okay ich war fast nackt,“ fährt sie fort, „aber ich bin ihr trotzdem hinterher und habe sie unten in der Lobby gestellt. Ich habe ihr den Arm verdreht und sie wieder nach oben ins Zimmer gebracht. Polizei brauchten wir keine. Ich habe die Bilder gelöscht, ihr in den Hintern getreten und sie nach Hause geschickt. Die Bitch macht das bei mir nie wieder!“

Selbst Nina muss nun lachen und Sascha schenkt ihr einen tiefen Blick. Prompt wird sie rot, Verliebte können so lustig sein! „Hattest du schon mit Gewalt zu tun?“, will ich wissen. „Leider ja“, gibt Sascha zu, „ein Dieb ist auf dem Set in den Wohnwagen einer Schauspielerin eingedrungen.“

Wortlos hebt sie ihr hautenges T-Shirt und zeigt uns eine gut verheilte (Messer)Narbe. „Meine Klientin hat gedreht und ich bin nur kurz zum Wohnwagen und wollte frische Unterwäsche für sie holen, als ich diesen Typ überraschte.

Als er mich sah zog er sofort ein Messer und hat mich attackiert. Ich bin ausgewichen, aber so ein Wohnwagen ist sehr eng und er hat mich doch seitlich erwischt. Dann war er tot.“ „Du hast ihn umgebracht?“, fragt Nina entsetzt und Sascha lacht schon wieder.

„Nee, aber mein Ellbogen hat seine Nase zertrümmert und ihn ins Reich der Träume geschickt. Hatte ich doch schon im Gym erzählt.“ Nina wirkt verlegen und schaut hilfesuchend in die Runde. Schicksal, warum nur immer ich?

„Deine Freundin hatte bestimmt Angst um dich“, sage ich und Yuki verdreht die Augen. „Das war nur eine Fleischwunde und ich bin meist solo“, höre ich. „Beziehungsstress, das ist so eine Sache.“

„Sagtest du nicht, dass du treu bist wenn …?“, werfe ich ein und plötzlich wirkt Sascha verlegen. Habe ich ihren schwachen Punkt entdeckt? Ich kenne die Antwort schon, bevor sie weiter spricht.

„Jaaa …“, dehnt sie das Wort, „aber was soll ich machen? Die stehen doch alle auf mich!“ „Und du greifst zu“, stelle ich fest. „Das erinnert mich an meine wilden Jahre.“ „Und heute bist zu zahm?“, fragt Sascha provokant und versucht ein Augenduell.

Nach knapp zwanzig Sekunden gibt sie auf. Niemand schlägt mich auf diesem Terrain. Nur in Sachen Autos, da ist sie mir „über.“ Noch in der Abbey haben wir das Thema gewechselt und Sascha sich beeindruckt von meinem Z gezeigt.

„Der war zu klein für mich“, sagt sie, „Papa hat mir dann den Ferrari California T geschenkt.“ Nun gibt es wenige Autos, die mich wirklich beeindrucken können, aber der Ferrari gehört definitiv dazu. 560 Pferdestärken beleben einen 4 Liter V8.

Sascha lädt uns spontan zu sich nach Hause ein. Das Haus ist riesig, aber wirkt kalt und leer. Ebenso der Pool, an dem wir im Schatten sitzen. „Ich brauche Abkühlung“, sagt Sascha plötzlich und zieht sich völlig ungeniert aus. Nur im Höschen springt sie kopfüber ins Wasser und Nina fällt fast in Ohnmacht.

„Ich stehe total auf Sascha!“, flüstert sie, „aber sie lässt mich am ausgestreckten Arm verhungern! Was soll ich denn noch machen?“ „Zieh dich aus und spring rein“, sage ich. „Zeig ihr, wie hübsch du bist.“

Als hätte Sascha die Wort gehört, spritzt sie Wasser in unsere Richtung. „Los ausziehen, Mädels“, bestimme ich und springe kopfüber ins Wasser. Eine knappe Minute später gibt es eine Wasserschlacht, bei es nur Gewinnerinnen gibt.

Später holt Sascha Badetücher. Sie hat sichtlich Spaß Gesellschaft zu haben. Auffällig oft sucht sie Ninas Nähe und trocknet ihr sogar den Rücken ab. Ally und Heather grinsen wie Honigkuchenpferde und Elfchen zwinkert mir frech zu. Vermutlich nur, da ich sowieso die Hübscheste bin! Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

Später geht es in die Küche und das Chaos ist perfekt. Jede hat eigene Ideen und wir stehen uns selbst im Weg. Sascha will russisch, ich japanisch, Ally mexikanische Pfanne kochen. Was dann folgt, hat sogar mich überrascht.

„Raus hier!“, bestimmen Yuki, Heather und Nina im Chor, „wir kümmern uns ums Essen und ihr könnt weiter über Autos erzählen.“ Rollenverteilung der besonderen Art. Auch wir können gut kochen. Aber wir spielen in diesem Fall gern mit.

Wir sind längst trocken, die T-Shirts mittlerweile auch. Leger gekleidet sitzen wir am Tisch und genießen einen Mix aus drei Nationen, der unbeschreiblich lecker ist. Ein perfekter Tag, den nur NeiderInnen dekadent nennen.

Dass es bei Sascha und Nina gefunkt hat, wird immer offensichtlicher. Wir fahren nach Hause, Nina bleibt. Ihre Augen leuchten, als Sascha sie zur Probefahrt im Ferrari einlädt. Und soweit ich weiß „kurven“ die beiden immer noch. Umeinander. Wie anders soll man die verliebten Blicke erklären, die beide seit Tagen unzertrennlich machen?

Mir hat Sascha den Ferrari geliehen und ist mit Nina in Urlaub geflogen. Ich darf also für eine Weile ein Auto fahren, das in meine Doppel(turbo)sammlung passt. Wobei mir (m)eine Elfe reicht. Zwei wären deutlich zu viel. Die kosten zu viel (Sprit).

 

Lesbisch in Japan – (K)Ein Problem

Schon mehrfach habe ich über Homosexuelle in Japan geschrieben und wie sehr sie dort zu leiden haben. Weniger im wörtlichen Sinn, es gibt keine „Hexenprozesse.“ Vor allem in Tokio und Osaka gibt es eine ständig wachsende LGBT-Community.

Aber noch immer existiert kein Gesetz zur Eheöffnung, noch immer sind große Teile der Bevölkerung zumindest skeptisch. Auch Japan wird sich ändern. Nur wird es länger dauern, als anderswo. Homosexualität in Japan wird quasi ignoriert. Dafür gibt es keine Verfolgungen.

So wenig, wie die heterosexuelle Mehrheit, so wenig reden Homosexuelle über das Thema. Viele leben verborgen und gehen sogar Scheinehen untereinander ein. So ist es alles andere als ungewöhnlich, wenn Lesben und Schwule heiraten und sogar Kinder miteinander haben.

Wie das „technisch“ funktioniert, soll hier kein Thema sein. Aber echtes Glück sieht anders aus.  Es ist vor allem die angeblich so zahlenmäßig geringe jüngere Generation, die dem Thema viel offener gegenüber steht. Angeblich deshalb, da auch japanische Medien nicht immer die volle Wahrheit sagen.

Zum demografischen Problem wird es noch einen separaten Artikel geben. Heute sind „die Lesben“ dran, speziell Koyuki Higashi. Ich verfolge ihren Weg seit einer Weile und bin mächtig stolz auf sie. Sollte ich jemals Japan als Heimat wählen, werde ich sie auf jeden Fall treffen.

Ich will ohne viele Worte ihre Geschichte vorstellen, die im nachfolgenden Video zu finden ist. Verbunden mit der Hoffnung, dass der „kleine Schnee“, wie Koyuki übersetzt werden kann, die Weichen für Toleranz und Aufklärung stellt.

Launige Lesben und lustige Besucher

Nach einigen Monaten Pause gibt es heute eine neue Folge der lesbisch-lustigen Suchbegriffe und meiner launigen Antworten. Der Großteil der Suchanfragen betraf erneut „Sex mit Japanerin“, was vom Niveau der Besucher zeugt.

Angeblich ist Deutschland „Weltmeister“ in Sachen Pornos online schauen. Ob ich mich auch „entblößen“ sollte? Pro Klick bekäme ich dann bestimmt 1.000 Euro! Ach, das wäre was! Einige der Suchbegriffe, hatte ich schon mehrfach behandelt. Andere waren so dämlich, dass sie keine Beachtung fanden.

1.-  lesbischsein erkennen / frau in frau verliebt anzeichen = Viele lesbische Frauen hatten vor ihrem Coming Out Beziehungen zu Männern. Wie weiß Frau also, dass sie einen Mann liebt? Ich kann diese Frage nicht beantworten. Aber ich weiß, dass Liebe kein Geschlecht kennt. Wenn es also im Bauch kribbelt, wenn Frau kaum noch an etwas anderes, als die „tolle Frau“ denken kann, so könnte das ein Anzeichen sein. Easy, isn‘t it.

2.-  beziehung mit einer japanerin = Kann DER Volltreffer, aber auch DER Albtraum für jeden Deutschen werden. Die kulturellen Unterschiede sind gewaltig und Japanerinnen auf keinen Fall die schüchternen Mäuschen, die Mann so gern sieht.

3. – wie dominiere ich als lesbe = Warum willst „du“ dominieren? Zwar gibt es auch bei lesbischen Paaren durchaus eine Rollenverteilung, aber nicht im klassischen Sinn. Es sei denn, dass „du“ eine devote, hörige Gespielin suchst. Die gibt es bestimmt. Ich kenne keine. Und wenn „du“ nicht dominant bist, im positiven Sinn, wirst „du“ es auch niemals werden.

4. – schnappatmer psyche = Der vermutlich beste Suchbegriff seit langer Zeit. Der „gemeine Schnappatmer“, ist eine vom Aussterben bedrohte Spezies, die durch eine abgehackte Sprache und ein rotes Köpfchen auffällt. Nicht zu verwechseln mit der ordinären Schnapsdrossel, die ist viel zu vergeistigt dafür.

5. – bi frau liebt hetero frau = Was vermutlich unglücklich endet. Heten können Freundin, aber nie Partnerin für queere Frauen sein. Sie umzudrehen funktioniert meist nur begrenzt und ist dann der Neugier von Frau geschuldet.

6. – scissoring mit hetero freundin – Ich könnte mich immer wieder wegwerfen vor Lachen, wenn ich das Wort „scissoring“ lese. Das sind reine Fantasien von Männern, die mit heterosexuellen Darstellerinnen Pornos für andere Männer drehen. Beide reiben sich dann vermutlich die feuchten Hände.

7. – lesbe sex mit mann = Klassiker Nr. 1! Meine klassische Antwort: Lesben haben keinen Sex mit Mann.

8. – www frauen befriedigen sich mit besenstiel.com = Klassiker 2! Klassisch ist auch die Seite www mann hat den besenstiel im Hintern. Unbedingt anschauen und ausprobieren. Vielleicht gibt es dann weniger dämliche Suchanfragen.

9. – frauen lieben lesben = Logisch. Alle Frauen lieben mich.

10. – wing chun dauer um es zu lernen = Mit einem guten und fairen Sifu (Meister), dem nicht nur am Geld gelegen ist, sehr viel Talent und genug Zeit, ist Wing Chun in 1 – 2 Jahren vollständig erlernbar. Ich spreche dabei von der reinen Technik. Ein wirklicher Sifu ist man dann noch nicht. Mit weniger Zeit, aber doch regelmäßigem Training gehe ich  von etwa 5  Jahren aus. Wer länger braucht ist vermutlich in der EWTO oder EVTF und wird dort finanziell abgezockt.

11. – was heißt auf japanisch wohin gehst du = Doko iku no / Doko ni iku no

12. – was mögen japanerinnen beim sex = Natürlich stehen sie auf Gewalt und Peitschenhiebe, die sie dem Mann ihrer Wahl angedeihen lassen.

13. – lesbische freundin mann = Das funktioniert vermutlich wenn Mann begreift, dass sie nicht in sein Beuteschema passt und Respekt für ihn kein Fremdwort ist. Mir ist bewusst, was die Frage auch bedeuten kann. Aber das wird in einem anderen Punkt behandelt.

14. – stehen lesben auf high heels? = Ja, aber ziemlich wackelig.

15. – erotik unter frauen erfüllender = Über auch. Ja.

16. – opfer spottdrossel = Ach „du“ warst das?

17. – deutsche lesben von mann bekehrt = Träumt weiter.

18. – wer steuert die antifa = Jeder, der diese Linksfaschisten bezahlt. Zur Zeit sind das überwiegend die „linken“ Parteien. Wer die Antifa als harmlos bezeichnet, hat noch immer nicht begriffen, was das Ziel dieser Chaoten ist. Aber Deutschland bleibt auf dem linken Auge blind.

19. – ich hete in lesbe verliebt = Ich höre dieses verschämte „Ich bin zwar heterosexuell, aber habe schon mit einer Frau geschlafen“, immer wieder. Wenn „du“ eine Frau liebst, bist „du“ entweder bisexuell oder selbst lesbisch. Steh dazu und hör damit auf dir etwas vorzumachen.

20. – frauen lieben frauen was passiert = Etwas tolles, sie werden ein Paar!

Entschuldigung, dass ich Deutsche(r) bin!

Schon mehrfach, habe ich über die deutsche Identitätskrise geschrieben, wie ich sie sehe und wie man ihr begegnen kann. Heute möchte ich erneut einen Teilaspekt aufgreifen, der mir in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen ist.

Es handelt sich um die Abschwächung der eigenen Meinung, die aus einem guten Argument nur noch ein laues Lüftchen macht. Das folgende Beispiel hat einen realen Hintergrund. Ich habe es in dieser Form vor einigen Jahren auf der Demonstration für den umstrittenen Bildungsplan in Stuttgart erlebt.

„Ich finde es total falsch, dass Lesben und Schwule heiraten und Kinder haben dürfen, aber das ist jetzt nicht irgendwie als Angriff auf Sie gemeint!“, hat mir eine ältere Dame gesagt und mir verlegen ins Gesicht gelächelt.

Unabhängig davon, dass ich diese Meinung daneben finde, hat sie jedes Recht sie zu vertreten. Witzig in diesem Zusammenhang fand ich lediglich den letzten Teil, in dem sie sich quasi bei mir dafür entschuldigt.

Daran erinnert worden bin ich durch ein Gespräch mit einer Afroamerikanerin, die genau dieses Phänomen mehrfach beobachtet hat. Tyna hat zwei Jahre in München gelebt und war dort auch in Sachen Liebe unterwegs.

„Das klingt jetzt bestimmt wie ein Klischee“, lässt sie mich wissen, „aber ich liebe nun mal blonde Frauen!“ Sie strahlt über das ganze Gesicht bei diesen Worten und zeigt mir Bilder von ihrer Freundin.

Erika ist aus München und arbeitet dort als Hotelmanagerin. Aber die Beziehung kriselt, daher ist Tyna in die USA zurückgekehrt. „Ich habe diese ständigen Entschuldigungen nicht mehr ertragen“, erzählt Tyna weiter. „Wenn du eine Meinung hast, dann vertritt sie doch!“

„Um was ging es konkret?“, hake ich nach und werde von der Antwort überrascht. „Um die Hautfarbe, um Schwarze generell und wie sie sich zum Teil benehmen. Und glaub mir eins, ich bin keine Freundin davon!“

Tynas Augen schießen Blitze, sie hat sich in Rage geredet und kritisiert scharf das Verhalten dunkelhäutiger, amerikanischer Jugendlicher und Gangmitglieder, die ein falsches Bild auf alle werfen.

„Aber wenn Erika darüber sprach, hat sie sich immer dafür bei mir entschuldigt! Baby, habe ich zu ihr gesagt, mit mir kannst du offen sprechen!“ Sie schaut mich an. „Du hast doch lange in Deutschland gelebt, ist dir dieses Verhalten auch schon aufgefallen?“, will sie wissen?

Ich muss kaum überlegen und nicke fast sofort. Unzählige Beispiele fallen mir dazu ein und auch der Grund, warum sich Deutsche fast immer entschuldigen. Das ist oft weniger der Höflichkeit geschuldet, als vielmehr der Angst als Rassist zu gelten oder eine politisch unkorrekte Meinung zu vertreten.

Ich erkläre Tyna etwas zur deutschen Geschichte und dem eingehämmerten Schuldbewusstsein der Deutschen. „Die haben also Angst sie selbst zu sein?“, fragt sie nach und schüttelt die Rasta-Mähne. „Aber du würdest mir die Wahrheit sagen?“

„Darauf kannst du wetten, Süße“, sage ich. „Und jetzt schwing‘ deinen schwarzen Hintern ans Telefon und ruf deine Freundin an. Und wenn du mir morgen nicht erzählst, dass ihr wieder zusammen seid, dann verhaue ich ihn dir!“

Tynas schallendes Lachen hat ansteckend  gewirkt. „Sorry“, hat sie aus Spaß gesagt“, das ist mir jetzt so rausgerutscht.“