Kuro-obi – Black Belt

Auf besonderen Wunsch einer Leserin, aber eigentlich weil ich es so möchte, wird es nun doch diesen Beitrag über meine (unsere!) Dan-Prüfung(en) geben. Er bildet die Ankunft in Japan und die jüngere Vergangenheit ab. Viel Spaß beim lesen.

Japan, Fukuoka, Heimat. Nie zuvor, habe ich das derart intensiv empfunden. Bin ich keine Deutsche mehr? Deutschland hat mich tief geprägt. Dafür werde ich auf ewig dankbar sein. Aber ich bin und bleibe Japanerin. Und so ist es gut.

Die Tante, der Onkel und meine Eltern erwarten uns in Fukuoka. Die Begrüßung ist für japanische Verhältnisse herzlich. „Hallo mein kleines Mädchen“, höre ich meine Mutter sagen. Hat sie etwa Tränen im Gesicht? Mein Papa schmunzelt, als ich „Hast du mich vermisst, Väterchen?“, frage.

Yuki freut sich ebenfalls. Familie ist nun mal wichtig, das habe ich schon immer gesagt. Und Yuki gehört ganz selbstverständlich dazu. Meine Cousine wird sofort von allen bemuttert. Die verlorene Tochter ist heimgekehrt. Wird die Therapie halten? Alle hoffen es.

Die Mädchen sind müde aber glücklich, so viele bekannte Menschen zu sehen. Ken wirkt traurig. Sein Freund hat sich feige per SMS getrennt. Manche Menschen sind einfach nur Idioten. Aber Ken schüttelt den Kopf, als ich meine Hilfe anbiete.

Glück und Tränen

Yuki vermisst ihre Eltern. Das war schon in Santa Barbara so. Was sie nicht weiß, die beiden sind längst in Japan angekommen. Kurz darauf fließen bei Elfchen die Tränen vor Glück und ihre Mutter weint gleich mit. Was die nur immer haben! Ich bin natürlich völlig cool.

Es fühlt sich ungewohnt und doch richtig an, um diese Jahreszeit in Japan zu sein. Ich mache einige schlechte Bilder der vorweihnachtlichen Hakata Station. Die spinnen meine Japaner! Aber so sind wir, traditionsbewusst und doch Neuerungen aufgeschlossen. Und auch Santa Claus habe wir natürlich adoptiert.

Es gibt viel zu erzählen, die Zeit vergeht wie im Flug. Nach einer kleinen Ewigkeit landen wir todmüde im Bett. Ich träume klar und laufe über verschneite Wiesen. Neben mir freut sich die Inari. Auch sie werde ich besuchen. „Du bist zu Hause, Mayumi“, sagt sie leise. „Ich freue mich auf dich.“

Dojo

Die Tage vergehen, im Dojo assistiere ich meinem Vater, der plötzlich die höheren Kata von mir sehen will. Was hat er nun schon wieder vor? Ich tue ihm den Gefallen und laufe sie perfekt. Nur die amtierende Weltmeisterin kann das noch besser.

Aber die, um einen Vergleich mit Autorennen zu ziehen, fährt in der Formel 1. Ich nur in der Oberliga. Die SchülerInnen schauen fast ehrfürchtig zu. „Das ist doch keine Meisterschaft!“, liegt mir auf der Zunge, aber ich verkneife mir den Satz. Manchmal kann auch ich ein Engel sein.

Es macht Spaß in Japan zu trainieren. Alles ist vertraut und doch ganz anders. Disziplin wird hier bewusst gelebt. Im Ausland wird Karate oft mit Kickboxen gleichgesetzt. Ein Fehler, der fatale Folgen haben kann.

Traditionelles Karate kennt keinen Erstangriff, aber die Verteidigung ist effektiv. Der aus dem Karate entstandene Sport lässt den spirituellen Hintergrund vermissen. Salopp ausgedrückt prügelt man sich dort nur.

Der Test

Bekanntlich ist mir ein Teil der Wartezeit zum 4. Dan erlassen worden. Alles ist möglich, wenn man das von offizieller Seite will. Yuki wird für den 1. Dan geprüft. Sie ist ein wenig aufgeregt, aber guter Dinge. Und dann ist es endlich soweit.

Ich verzichte auf die Einzelheiten der Prüfung, die wären nur für wirkliche Kenner interessant. Yuki besteht mit Bravour. Ich habe die Ehre ihr den Schwarzen Gürtel umzubinden. Sie war schon immer (m)eine Meisterin. Nur auf den Kuss muss ich verzichten. Manche Regeln gelten auch für mich.

Dann bin ich an der Reihe. Unter kritischen Blicke zeige ich mein Können, beantworte Fragen und erkämpfe mir den Weg im Kumite. Wie immer muss ich mich zügeln und darf keine fremden Techniken nutzen. Normalerweise mache ich das instinktiv.

Hochkonzentriert beende ich den letzten Prüfungsteil. Plötzlich gibt es eine unerwartete Pause. Ist irgendwas passiert? Man bittet mich um einen Augenblick Geduld, die Prüfer beraten sich.

Kein Zweifel

Ich habe keinen Zweifel, dass ich bestanden habe. Aber etwas geht hier vor, das ich nicht auf der Rechnung habe. Ein älterer Sensei mit freundlichen Augen winkt mich herbei. Neben ihm sitzt mein Vater und der Rest der Kommission.

Japaner haben die Fähigkeit völlig ausdruckslos zu blicken. Das kann ich besser und schaue ungerührt zurück. Bei meinem Vater hat das noch immer in einem Schmunzeln resultiert. Man(n) teilt mir mit, dass ich die Prüfung bestanden habe. Plötzlich kommt ein „Aber …“

„Ihre Leistungen sind außerordentlich“, beginnt der alte Mann. „Wir haben das sehr ausführlich geprüft und auch wenn Sie normalerweise aufgrund ihres noch jungen Alters und der soeben erst bestandenen Prüfung zum 4. Dan, die Voraussetzungen für den 5. Dan nicht erfüllen, wird es, auf Antrag ihres Lehrers, eine Ausnahme geben. Sind Sie bereit?“

Yukis fassungsloses Gesicht werde ich nie vergessen. Für einen Moment spüre ich einen kleinen Stich im Bauch. Dann blicke ich in die Augen meines Vaters. „Du verdienst es!“, lese ich dort und er nickt mir aufmunternd zu. Einige Stunden später erhebt er mich in die Meisterklasse.

Meisterlich

Dan-Grade zu überspringen ist eine absolute Ausnahme und war lange verpönt. In meinem Fall und das erklärt man mir auch, ist es die lange Trainingszeit, meine überzeugende Darstellung der Techniken und mein Wissen, die diesen Schritt erst möglich machen.

Vermutlich liegt es auch daran, dass man Nachwuchs braucht und daher fördert. Und so ein wenig ist es Respekt vor meinem Vater, der immerhin einer Berufung folgte und die Jugendauswahl für Olympia trainiert.

Auch zahlt sich aus, dass ich bei meinen zahlreichen Seminaren immer „Gōjū-Ryū Karate“ unterrichtet habe. Zumindest auf dem Papier. Jetzt verstehe ich endlich, warum Schlitzohr Papa Kopien davon wollte. Diese Seminare werden als außerordentliche Leistung gewertet.

Ich brauche keinen Dan, als Aushängeschild, aber diese Ehrung erfüllt mich mit Stolz. Wer nun glaubt man habe mir diesen Gürtel geschenkt, der hat keine Ahnung von Karate! Die Prüfung war ultrahart, jeder Schritt, jede Antwort musste stimmen.

Eigentlich, das sagt man mir auch, hätte es keiner Prüfung bedurft. Wieder war es mein Vater, der genau darauf bestand. „Um Vorteilnahme auszuschließen“, erklärt er mir später. Das finde ich gut, er hätte mir den Gürtel auch schenken können, Dan Grade können in Ausnahmefällen ohne technische Prüfung vergeben werden.

„Und was erwartest du dafür?“, will ich von meinen Vater wissen, als wir wieder zu Hause sind. „Dass du eine gehorsame Tochter bist“, kommt seine Antwort wie aus der Pistole geschossen. Er flüchtet, als er meine Blicke sieht und meine Mutter lacht. Das ist japanischer Humor, wie ich ihn gern mag.

Der 5. Dan bedeutet für mich, dass ich nicht länger Schülerin bin. Ab dieser Stufe zähle ich zur Meisterklasse, wo mein Vater schon lange zu Hause ist. Er ist mächtig stolz, das kann er kaum verbergen. Auch auf Yuki, die er wie eine zweite Tochter liebt.

Japan, Fukuoka, Heimat. Nie zuvor, habe ich das derart intensiv empfunden. Ich bin zu Hause angekommen. Frohe Weihnachten euch allen. Wir lesen uns, das ist doch klar.

Ein schwarzer Tag in meinem Leben

Mein Leben ist so bunt, wie der Regenbogen Farben hat. Selbst graue Tage gehen spurlos an mir vorbei. In meinem Herzen ist kein Platz für Trauer, oder winterliche Melancholie. Und doch ist am vergangenen Wochenende etwas geschehen, was die Farbe aus meinem Leben genommen hat. Mein Geist ist in die Dunkelheit geglitten. Der Tag war Rabenschwarz.

Es ist Samstag 6:30 Uhr, als der Wecker in meine Ohren summt. Sofort bin ich hellwach und ziehe Elfchen frech die Decke weg. „Biest!“,  ruft sie sofort, das Kopfkissen verfehlt mich um Zentimeter.
Lachend fliehe ich vor ihr und bin als Erste in der Küche.
„Beil dich Schlafmütze!“, rufe ich und beginne mit meinem Werk.
Aber Elfen brauchen immer 5 Minuten länger, als ihr menschliches Pendant.
Der Spaß endet schnell, dieser Tag wird noch ereignisreich.
Yuki ist aufgeregt und ich die Ruhe selbst. Was soll schon groß geschehen?

Es folgt Frühstück und Zähneputzen. Die (Un)Sitte das vor dem Frühstück zu machen werde ich nie verstehen. Gepackt haben wir schon am Abend und geduscht natürlich auch. Auf die Idee ungewaschen ins Bett zu gehen kämen JapanerInnen nie.
Der Audi Q3 hat ausgedient, der Nissan Qashqai ist unser neuer Wagen. Wolf hat ihn kurzerhand für die Firma gekauft, als neues „Biestmobil“, wie er ihn nennt.
Immerhin hat der Audi uns treu gedient und fast störungsfrei durch die Monate begleitet. Aber ein Motorschaden war das Aus. Der Test war trotzdem positiv, die Daten bleiben wichtig.
Aber wir bekommen bald einen neuen Dauertester. Nur was es ist, das will uns Wolf noch nicht verraten. Ich starte den kleinen Diesel, Düsseldorf wir kommen!

Deutlich langsamer als sonst, aber dafür entspannt erreichen wir gegen Mittag mein Elternhaus. Von dort geht die Reise schon bald weiter. Mit meinem Vater im Gepäck.
Wir reden wenig, seine Miene ist grau an diesem Tag. Vielleicht sind es auch nur die Schatten des Winters. Mein Vater ist kein negativer Mann.
Ein flaches Gebäude harrt unserer Ankunft schon. Mit flinken Schritten eilen wir zur Tür. Neonlicht ersetzt das öde Grau.
Unsere Wege trennen sich kurz, Yuki und ich müssen einen anderen Weg gehen. In der Umkleide ziehen wir uns um. Die Haare werden zum Pferdeschwanz gebändigt.
Schweigend gehen wir einen langen Gang entlang.´Es folgt ein schwarzer Tag in meinem Leben, den ich so schnell nicht vergessen kann.
Mein Vater wartet schon. Auch er im Karate-Gi. Was habt ihr denn nun gedacht?

Streng wirkende Männer und eine Frau mustern mich kritisch. Mehr als zehn Jahre ohne jede Praxis ist ihnen suspekt.
Nun mag eine Mayumi vieles sein, aber dumm mit Sicherheit nicht. Und im Karate-Verband bin ich immer Mitglied geblieben.
Trainiert habe ich bekanntlich immer. Auch, wenn mein Fokus auf anderen Dingen lag. Aber Karate bleibt immer ein wichtiger Teil in meinem Leben. Karate liegt mir im Blut.
Schon vor der Karate-WM in Bremen, habe ich intensiv für den 3. Dan geübt. Wobei es nur Wiederholungen waren. Das Programm kann ich im Schlaf.
(M)Ein weiterer Weg zur Meisterschaft, wie mein Vater gern erklärt.

Es ist lange her, dass ich im Karate eine Prüfung machte. Entsprechend hoch ist die Skepsis der Trainer. Aber mein Vater ist auch dabei. Meister unter sich.
Nach dem 2. Dan bin ich eigene Wege gegangen und habe mich umorientiert. Gürtel waren mir plötzlich weniger wichtig. Und ganz ehrlich, im Kumite schlage ich auch einen höheren Dan. Ich habe Yuki auch Karate beigebracht. Sie kann das richtig gut. Ihr Rang ist viele Stufen unter Schwarz. Aber wer will meine Elfe schlagen? In der Liebe zu mir ist sie ohnehin unerreicht, da hält sie alle Gürtel dieser Welt. Entsprechend tapfer steht sie neben mir. Und ich liebe sie dafür.
Die Prüfung beginnt. Lasset die Spiele beginnen. Jetzt wird gekickt.

Viele Menschen haben ein falsches Bild vom Schwarzen Gürtel. Sie glauben, dass man nun ein(e) MeisterIn ist. Natürlich ist das richtig und auch wieder falsch. Großmeister sehen das etwas anders.
In Wahrheit bleibt man bis zum 5. Dan (Meister)SchülerIn. Erst dann folgt die wahre Meisterstufe. Aber schon lange vor dem 1. Dan, habe ich Karate als Weg für mich erkannt.
Dan ist das japanische Wort für Stufe / Rang. Und dort stehe ich Gürtelmäßig auf dem zweiten (Meister)Rang Zwei. Mein Dickkopf hat einst mehr verhindert. Aber das ist nun vorbei.
Elfchen darf auch zeigen was sie kann. Sie beginnt und ich bin wie immer fasziniert.
Yuki tanzt einen Reigen, der aus purer Eleganz geboren worden ist.
Zwar ist es „nur“ Grün, was sie als Farbe erhält. Aber ich weiß, was meine Elfe wirklich kann.
Wie im Aikido, wird sie auch im Karate ihre Frau stehen. Und im Leben steht sie gleichberechtigt neben mir.

Nun geht es los für mich. Hochkonzentriert trete ich nach vorn.
Sie testen mich so hart, wie ich erwartet hatte. So muss ich alle Kata aus dem Schülerbereich zeigen, was kein Problem bedeutet.
Auch Kihon Ido ist gefragt, sie wollen die Grundtechniken sehen. Die Zeit vergeht fast ohne Pause, der Körper ist nun Karate.
Mein Geist ist klar und fokussiert, nichts außer diesem Tag ist wichtig.
Ich muss zwei Kämpfe bestreiten. Zeit mich zu amüsieren.
Ein Mädel mit dem 1. Dan liegt nach 10 Sekunden auf der Matte. Sie hat keine Chance gegen mich. Und sie fällt immer wieder, ein wenig tut sie mir leid.
Der Schwarze Gürtel macht noch keine Kämpferin.

Der deutlich größere Mann ist schwerer zu knacken, er setzt auf Konter und seine langen Beine. Das wird spaßig. Normal bin ich die Konternde. Aber ich kann auch voll auf Angriff gehen. Normalerweise kämen nun Mayumi typisch z. B. Tritte zum Knie. Aber das hier ist Sport. Ich will niemand verletzen.
Mein Karate-Stil ist anders, aber das darf ich in einer Prüfung nicht zeigen. Hier wird auf Tradition geachtet.
Aber 1,62 Meter geballte Energie besiegt auch einen Mann, der sich für überlegen hält. Und so einige Techniken im Goyu-Ryu Stil sind mit dem Aikido verwandt.
Muss ich mehr erzählen?

Aus den Augenwinkeln beobachte ich die Reaktionen der Prüfer, die deutlich überrascht und begeistert sind. Mein Vater gestattet sich ein leichtes Schmunzeln.
Vielleicht noch ein Wort über ihn, der immer auch mein Sensei ist. Bei aller Liebe zu mir bleibt er streng, wenn es um Fragen des Karate geht.
Er hat mich nie bevorzugt. Meine Gürtel sind ehrlich erworben, niemand hat sie mir geschenkt.
Und auch an diesem Tag gibt es kein Pardon. Nach Selbstverteidigung, Kampfrichterwesen, Kata, Erklärung der Techniken und intensiven Fragen zum Karate sehe ich die Farbe Schwarz!
Schwarz ist mehr, als nur eine Farbe. Und Schwarz habe ich mir redlich verdient.

Es ist wieder mein Vater, der mir stolz die Urkunde zum 3. Dan überreicht. Und auch einen neuen Gürtel, der nun drei Streifen hat: Sandan, der Grad des anerkannten Schülers, wie es im Karate heißt. Bis zum 4. Dan muss ich nun vier Jahre warten. Vielleicht drei, bei verkürzter Vorbereitungszeit. Und wenn es nach meinem Vater geht, so müssen weitere Grade her. Mein Leben ist so bunt, wie der Regenbogen Farben hat. Selbst graue Tage gehen spurlos an mir vorbei. Aber dieser 6. Dezember ist (m)ein schwarzer Tag. Und das ist richtig gut.

Wer mehr über die Farbe Schwarz lesen möchte, dem empfehle ich folgende Artikel:

Klick mich: Drei Farben Schwarz und Die Farbe Schwarz

 

Die Farbe Schwarz

Schwarz, so heißt es, sei die dunkelste aller Farben. Für viele Menschen gilt Schwarz als Farbe des Todes. Sie steht für die Trauer, das Böse und Bedrohung. Schwarz ist für mich keine negative Farbe. Schwarz steht für Unbezwinglichkeit, Erneuerung, Würde, Macht, Ernsthaftigkeit und Exklusivität.

Schwarz steht auch für den Meistergrad, den 1. Dan im Aikido. Und genau den habe ich am Wochenende erworben. Und das finde ich gut. Die Vorgeschichte finden Interessierte hier KLICK. Schwarz, so heißt es, entstehe beim Fehlen eines Farbreizes im Auge. Warum nur fühlen die sich plötzlich so feucht an? Hat das was mit „Wasserfarben“ zu tun?

Der Schritt war lange überfällig, Techniken und Philosophie habe ich seit Jahren beherrscht. Nur mein Dickkopf hat die Prüfung bisher verhindert. Aber damit ist nun Schluss. Auch ich muss manchmal über meinen Schatten springen. Und auch der ist bekanntlich Schwarz.

Schwarz, so heißt es, sei auch eine Farbe der Macht. Aber ich brauche keine Macht. Wer sich mit Macht und Erfolgen brüstet, der verdient sie nicht. Trotz allem ist der 1. Dan mehr als nur ein Symbol. Für mich ist er Einstieg in die Trainerwelt. Hochoffiziell darf ich nun andere lehren. Und auch das finde ich gut.

Yuki strahlt und fliegt in meine Arme. Auch sie ist geprüft und hat bestanden. Sie trägt nun den braunen Gürtel. Wobei sie gleich mehrere Stufen übersprungen hat. Geht nicht? Geht sehr gut! Der Trainer entscheidet und sie war reif dafür. Auch der ist stolz. Vielleicht hat er auch Angst vor meinem Vater. Der hat sehr ernst geschaut und ist noch viel höher dekoriert.

Stolz hat uns mein Vater Urkunde und Gürtel überreicht. Das hat er sich nicht nehmen lassen. Die Prüfung selbst war kein Problem. Im Gegenteil hat sie richtig Spaß gemacht und ich wieder richtig Lust bekommen, den Weg der Farben zu gehen. Daher ist es entschieden, der 3. Dan im Karate wird dieses Jahr noch folgen. Dann ist es aber gut.

Die Farbe Schwarz, so heißt es, berge Mystisches und Geheimnisvolles in sich. So, wie eine Mondlose Nacht, in der man nicht die Hand vor Augen sehen kann. In gewisser Weise trifft das auch auf die Budo-Welt zu. Mit dem 1. Dan beginnt ein neues Kapitel für den Lernenden. Zwar darf er nun lehren, sein Lernprozess ist aber noch lange nicht zu Ende.

Und lernen will und werde ich. Mein Leben lang. Vielleicht werde ich dann eines Tages auch so gut wie meine Elfe sein, die mir im Kissenwurf und im Lächeln deutlich überlegen ist. Da hat sie mindestens einen 10. Dan. Ob das an ihren schwarzen Haaren liegt?

Schwarz, so heißt es, sei die dunkelste aller Farben.
„Schwarz“, flüstere ich Yuki zu, „ist die schönste aller Farben.“
Sie lacht und sie versteht.

Drei Farben Schwarz

Mit dem Ttel des Artikels lehne ich mich an drei Filme an, die ab 1993 für Furore sorgte. Es sind die Filme „Drei Farben: Blau / Weiß / Rot.“ Aber ich drehe keinen Film. Ich schreibe lediglich über mein Leben. Und dem habe ich beschlossen eine weitere Farbe zu geben. vor mehr als zehn Jahren habe ich mit dem Farbenrausch aufgehört und keine Prüfungen mehr in Karate und Aikido gemacht. Das soll nun wieder anders werden und das hat einen Grund.

Im Karate habe ich den 2. Dan, den zweiten Schwarzen Gürtel. Mehr braucht kein Mensch. Aber mit dem 1. Dan darf ich lehren und das kann ich richtig gut. Vor allem Frauen und Kinder. Im Aikido habe ich keinen Meistergrad. Zumindest nicht auf dem Papier. Aber ich mag auch in dieser Sportart lehren. Und ein 1. Dan gehört dazu.

Yuki wird mich wie immer unterstützen und auch eine Prüfung machen. Aber vom 1. Dan in Karate, oder Aikido ist sie noch ein ganzes Stück entfernt. Aber niemand sollte meine Elfe jemals unterschätzen. Auch ohne Gürtel ist sie gut.

Im Unterschied zu mir ist für sie alles Spaß und Spiel. Sie scheint die Techniken zu tanzen, so zumindest sieht das bei ihr aus. Ich dagegen schlage zu. Dynamik gegen Eleganz. Als Duo unschlagbar. Zwei Seelen, eine Idee. Natürlich ist mein Papa begeistert, als ich ihm die Neuigkeit erzähle. Er wird mich gründlich vorbereiten und bei der Prüfung anwesend sein.

Im Aikido gibt es normalerweise keine Gürtel. Dort trägt man nur Oberteil und Hosenrock. Der 1. Dan wird lediglich symbolisch verliehen. Auch, wenn man das in Europa und Amerika ganz anders sieht. Aber was interessieren mich westliche Neuerungen, wenn ich einen japanischen (Groß)Meister zum Vater habe?

Der Sinneswandel kommt nicht von ungefähr und hat sich schon länger angedeutet. Linda hat Anteil an meinem neuen Denken. Sie braucht eine Trainerin. Und für immer will ich meine freie Zeit nicht in getunten Autos verbringen. Das macht Spaß und auch durchaus Sinn. Nur eben nicht auf Dauer. Da fehlt mir dann der Faktor Mensch.

Um Geld geht es dabei nicht. Das kann ich anders besser verdienen. Aber Frauen und Kindern zu helfen ist mir wichtig. Und da gehört auch Training mit dazu. Es fördert Fitness, aber auch den Geist. Und es ist gut gegen jede Art von Gewalt. Klassisches Aikido werde ich nicht unterrichten. Mein Stil wird angelehnt an Daitō-ryū Aiki-jūjutsu sein. Und das ist mit Jiu Jitsu verwandt.

Nach der Aikido-Tradition wird Kindern Aikido erst ab vierzehn Jahren vermittelt. Und das halte ich für falsch. Aber ich halte so einige Sachen der traditionellen Meister für überholt. Selbstverteidigung hat sich verändert, was zum Glück auch Linda so sieht. Zwar sind Traditionen wie Meditation durchaus wichtig, sie fördern die Konzentration. Aber im Straßenkampf gilt es blitzschnell zu reagieren.

Vielleicht werden sich nun viele LeserInnen fragen, wann ich das alles machen will. Und was aus meinem Wing Chun Training wird. Die Antwort ist so einfach, wie unkompliziert. Zur Zeit haben wir Semesterferien und ein Studium dauert kaum den ganzen Tag. Auch im Wing Chun strebe ich die Lehrerwürde an. Aber bis zu dem Tag ist es noch etwas hin.

Mir ist schon mehrfach die Frage gestellt worden, wie ich die drei Stile kombiniere. Von unmöglich war die Rede und dass ich niemals so gut sein könne, wie ein Meister in nur einer Sportart. Für diese Aussage habe ich nur ein japanisches Lächeln. Denn es geht sehr gut. Nur fehlt vielen Leuten genau dieses Talent.

Drei Schwarze Gürtel sind keine Besonderheit. Mein Papa hat noch einige mehr. Für mich sind sie lediglich Farben. Für ihn ein tieferer Sinn. Den kann ich sehen, mag aber seinen Weg nicht gehen. Aber der Geist des Budo lebt auch in mir. Ich bin eine Regenbogenkriegerin.