Absolut Mayumi

Seit ich blogge, hat sich mein Leben verändert. Ich teile private Dinge mit einem wachsenden Publikum. So nebenbei verkaufe ich noch getragene Höschen, die wirklich dufte sind. Okay, das war jetzt ein Spaß unterhalb der Gürtellinie, der einen ernsten Hintergrund hat. Davon gleich noch mehr.

„Im Internet leide die Privatsphäre“, hat ein kluger Mensch gesagt. „Soziale Netzwerke seien die Pest der neuen Zeit.“ WordPress ist (m)eine Bühne, für die ich ein Drehbuch schreibe. Drei Staffeln sind schon abgedreht. Zur Zeit läuft Nummer Vier. Die vermutlich die letzte ist. Irgendwann habe selbst ich genug.

„Warum stellst du keine Bilder von dir und Yuki ein?“, hat man mich bereits gefragt. „Es wäre toll dich als Sensei im Dojo zu sehen.“ Auch fotogene Reiseberichte wünschen sich manche LeserInnen. Oder ein persönliches Treffen mit mir.

Als offener und sehr direkter Mensch nehme ich nie ein Blatt vor den Mund. Aber muss ich nun jede Faser meines Wesens mit anderen teilen? Ist mein Gesicht wirklich so interessant? Oder meine Adresse, Telefonnummer und Bankverbindung/en? Oder mag doch jemand meine Höschen kaufen?

Nun gibt es Blogger, die mit Worten ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie haben noch einen youtube Kanal, leben von Werbeeinnahmen und möglichst vielen Klicks. So nebenbei verkaufen sie vielleicht wirklich (nicht getragene!) Unterwäsche oder einen Schnellkochtopf. Sollen sie, alles gut.

Ich allein entscheide, was andere von mir lesen dürfen. Es war bisher nur wenigen Online Bekanntschaften vergönnt, einen Blick auf mich zu werfen. Auch wenn ich den Wunsch durchaus verstehen kann, werde ich daran niemals etwas ändern. Wozu auch?

Wobei ein Treffen mit mir witzig wäre. Die Verlegenheit auf der Gegenseite regiert bestimmt. „Schönes Wetter heute“, höre ich. „Deine Hose / Bluse / etc. sieht aber wirklich toll aus …“ Echt jetzt? Ich blogge so nebenbei und unter der Woche. Arbeit ist oft am Wochenende angesagt. Oder die Familie. Punkt.

Zwar kann man mich als Unternehmensberaterin buchen, aber das nur außerhalb meines Blogs. Es fiele mir im Traum nicht ein, ihn als berufliche Werbeplattform zu missbrauchen. „Thoughts of the Beast“, ist eine Spielwiese für mich, auf der ich Gedanken teile.

Niemand muss meiner Meinung sein oder meinen Blog dauerlesen. Wer bin ich schon, um genau das zu verlangen? Vielleicht kann ich mit meinen Texten einige LeserInnen inspirieren, sie ermutigen und ihnen neue Hoffnung geben. Ein Lächeln als Danke reicht.

Eine Bloggerin, die ich seit einer Weile lese, hat ein sehr unschönes Erlebnis gehabt. Auf einer Party stellte sich der Freund eines Freundes als „Follower“ heraus und hat scheinbar alles über sie gewusst. Und damit eine staunende Zuhörerschaft beglückt.

Vermutlich spekulierte er auch auf Einblick in ihr Höschen. Seine Bemerkungen sollen zumindest in diese Richtung gegangen sein, hat sie geschrieben. Die Bloggerin hat daraufhin die Notbremse gezogen, dem Typen eine Ohrfeige verpasst und die Party verlassen. Ich finde, das hat sie gut gemacht.

Noch am gleichen Tag, hat sie allzu private Details von ihrem Blog gelöscht und ihn dann für eine Weile offline genommen. Mittlerweile hat sie ihn mit einem Passwort geschützt, das sie vorerst nur noch an ihr „bekannte Personen“ vergibt. Enttäuschung inklusive.

Seit ich blogge, hat sich mein Leben verändert. Ich teile private Dinge mit einem wachsenden Publikum. Und ich verkaufe keine getragenen Höschen, auch wenn ich wirklich dufte bin.