Wer den Schaden hat – Oder wie ich lernte ohne Z zu leben

Mittwoch, 13.07.2016, ca. 19:30 Uhr. Ich überhole einen LKW, der Z faucht und das Getriebe kracht. Der sechste Gang ist weg, zerstört und in Einzelteile zerlegt. Mechanische Geräusche lassen die bittere Wahrheit ahnen.

Sich davonfahren, ein beliebter Motorsport. (Dr. Manfred Hinrich) Schnell unterwegs zu sein bestimmt mein Leben. Aber ich behalte stets den Überblick. Strafzettel kassieren nur die anderen. Und aus den Fugen gerät bei mir nichts.

Yuki hält die Luft an, wir kennen die Szene schon. Aber anders als beim Unfall mit dem schnellen Audi [KLICK] können wir weiterfahren. Zwar auf Risiko, das Restgetriebe kann jeden Moment völlig den Geist aufgeben, aber was soll ich sonst machen? Abschleppen lassen? Wo käme Frau denn da hin!

Die nächste Ausfahrt ist meine und gefühlt langsam tuckern wir zurück Hause. „Getriebeschaden“, sage ich leise und Elfchen nickt betrübt. Noch von unterwegs informiere ich Wolf, der schon lange zu Hause ist. Er flucht herzhaft, das liebe ich an ihm und verspricht sich gleich am nächsten Tag zu kümmern.

Auto gut, alles gut;
Auto mobil, alles mobil;
Auto kaputt, alles kaputt! (Manfred Hinrich)

Mobil zu bleiben und nicht auf der Stelle zu verharren, ist ein Problem für manche Menschen. Dabei geht es um kein Auto. Auch der Geist kann träge werden. Und dann sitzen wir satt und (un)zufrieden vor der Glotze und spielen vielleicht noch Pokemon.

Wir parken den Z, ein wehmütiger Blick, dann geht es mit dem Nissan SUV doch noch zum Training. Yuki nimmt die Sache weitaus mehr mit als mich. Ich mag den Z, aber er ist letztlich nur ein Auto. Zum Glück haben wir zwei davon. Und der Pseudo Geländewagen hält.

Am Donnerstag holen die Jungs den Wagen ab. Grinsend versteht sich. „Na, was haste wieder kaputt gemacht?“, kommt die Frage. Mein gezückter Mittelfinger lässt die beiden lachen. Wir kennen uns gut. Die Zeit ist das Problem, erst am Freitag wird man weitersehen.

Wer das Leben an seinen Augen vorbei ziehen sieht, sitzt wahrscheinlich gerade im Auto. (Gerrit Donat) Autos waren und sind für mich Mittel zum Zweck, aber sie bestimmen nicht mein ganzes Leben. Leider sind viele Menschen zu sehr auf eine Sache fixiert. Ihnen fehlt der Blick über den Tellerrand.

Wolfs Anruf erreicht mich gegen Abend. Er wirkt zerknirscht, was nichts Gutes verspricht. „Sorry Mayumi“, höre ich. „Aber ich fürchte das Teil ist total hin. Es ist nicht nur das Getriebe, auch die Kupplung hat was abgekriegt. Und zwei Zylinder zeigen tiefe Riefen. Das wird dauern, der Wagen ist ziemlich Schrott.“

Entsetzen sieht anders aus. Bei mehr als 600 getunten PS, habe ich immer mit einem solchen Crash gerechnet. Also nehme ich recht cool das an, was mir Mann verspricht. „Ich denke wir werden ihn in etwa 1 – 2 Wochen wieder in Schuss haben. Aber wir sollten vielleicht konservativer vorgehen.“

Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen. (Henry Ford) Wie bei schnellen Wagen, ist es manchmal auch das Leben, das entschleunigt werden kann. Bedächtig und mit reiflicher Überlegung kommt jeder an (s)ein Ziel.

Was Wolf sagen will ist klar. Die 600 + PS sind für den Wagen deutlich zu viel. Es werden dann also „nur“ 500 + werden. Völlig ausreichend und noch immer schnell genug, um jedem Porsche das Gruseln zu lehren. Die Autosuggestion geht über den Porsche hinaus. (Manfred Hinrich) Ich habe noch Visionen.

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Wenn der Porsche zweimal hupt

Es gibt Tage da weiß ich, dass Dinge passieren. Meist mir. Obwohl ich die Friedlichkeit in Person bin.
Meist habe ich Ärger mit Mann, der gern die Wildsau im Blumenbeet imitiert. Grunzen inklusive.
In der Regel sind Klischees daneben und taugen auch nicht wirklich viel. Aber bei manchen Autofahrern ist oft das Gegenteil der Fall.
Platz da, jetzt komm ich!

Mittwoch, 11:30 Uhr, wir fahren in einen Elektronik-Konzern. Der Name ist egal, aber blöd ist anders und Experten gibt es überall.
Die Radar-App im Handy piept, ich habe den Kasten schon gesehen. Brav tuckert der Z mit 50 km/h.
Schnell sein ist anders. Ich komme auch so ans Ziel.
Die Entdeckung der Langsamkeit.

Ein schwarzer Porsche aus Essen fährt (zu) dicht auf. Ich kann das genervte (Rot)Gesicht des Fahrers sehen.
„Da wills wieder einer wissen“, sage ich knapp und Yuki nickt. Sei lieb, sagen ihre Augen.
Ich biege ab und es folgt ein Hupkonzert des Porsche. Auch den Vogel zeigt mir der Mann.
Sein 911er schießt davon und muss prompt bremsen. Stuttgarter Verkehr schließt rasen aus.
Wenn der Porsche zweimal hupt.

Als wir am Ziel sind habe ich den Vorfall schon vergessen. Wir steigen aus und plötzlich hält ein Porsche an.
Das Rotgesicht aus dem Pott. Warum nur immer mir?
„Sie da!“, bellt der Typ auch prompt. „wo haben Sie den Führerschein gemacht?“
Ein BLick zu Yuki, die Rollen sind verteilt. Wir spielen japanische Touristen.
Manche Worte sind nicht einfach zu verstehen.

„Was will der Kerl denn?“, fragt mich Yuki auf japanisch. „Ist der irgendwie doof?“
„Ja, clever ist anders“, erwidere ich und mustere die 1,75 Meter Kugel auf zwei kurzen Beinen. Und eine Rolex trägt er auch.
„Na ist ja mal wieder typisch!“, poltert der Pottler. „Sprechen kein Wort deutsch und fahren so einen Wagen! Oder habt ihr den geklaut?“
Wir lächeln den Typ an, was ihn noch mehr in Rage bringt.
„Sind die alle so da oben?“, will Yuki von mir wissen. „Wenn ja, lass uns in Stuttgart bleiben.“
Der Typ ist keine Perle aus dem Revier.

„Das sage ich Ihnen!“, tobt der Wüterich, „Sie haben mich behindert!“
„Der ist echt behindert“, kommentiert Yuki trocken und mustert ihn von Kopf bis Fuß.
Ich schenke dem Kerl mein süßestes Lächeln und eine Verbeugung mache ich auch.
Noch vor einigen Jahren hätte ich anders reagiert. Aggressiver, wilder. Heute macht es mir Spaß, das Frauchen zu spielen.
Biest incognito. Beware!

Unser Gegenüber tobt noch weiter und verfällt zunehmend in heimischen Dialekt. Einige Stuttgarter bleiben stehen und schütteln den Kopf.
Wir amüsieren uns prächtig und sprechen weiter japanisch, bis ich dem Spiel ein Ende mache.
Angst haben bekanntlich nur die anderen. Dieser Kugelblitz macht sie mir nicht.
„Hömma du Erdmänneken“, sage ich mit eisiger Stimme, „getz is hier abba Schicht im Schacht!“
Sein Mund klappt nach unten, ich kann fast die Mandeln sehen.
Und Goldzähne hat er auch.

Yukis japanische Disziplin hält keine weitere Sekunde, ihr Elfenlachen spornt mich erst richtig an.
„Machma n Kopp zu“, fahre ich fort. „Getz hasse Muffensausen, wie? Dat hasse nich gedacht, wonnich?“
Ich muss keinen Ton mehr sagen. Herr Kugelblitz zieht ziemlich belämmert ab.
Auch Japanerinnen können Dialekt. Ich hoffe er hat euch geschmeckt.

Diese Anekdote ist am Mittwoch, den 01.April genau so passiert. Aber Scherze sind anders und die Realität hat oft einen seltsamen Humor.

Gebt mir ein Z!

„Z“ ist nicht nur der letzte Buchstabe des Alphabets, es wird auch für andere Dinge gern genommen. Die Werbung hat das „Z“ schon längst für sich entdeckt und die japanische Automarke Nissan auch. Unser Ausritt im GT-R trägt Früchte. Zu allererst eine Entschuldigung. Die getunte Variante wies wirklich Fehler auf. Abstimmung und Fahrverhalten waren anders geplant. Die Tücken der Technik spielten leider einen Streich. Als Bonbon wird uns ein neuer Langzeittest in Aussicht gestellt. Aber nur, wenn wir das wirklich wollen. Und das kam so:

Wolf ruft an.
„Guten Morgen meine Süßen“, meldet er sich voll guter Laune. Er darf das zu uns sagen, seine Töchter sind fast so alt wie wir.
„Süßholz gibt’s im Feinkostladen“, lasse ich ihn wissen. „Und die passende Raspel gleich dazu. Also sag an, was Sache ist.“
Sein herzliches Lachen wirkt ansteckend. Der Mann beweist Humor.
„Die Daten für den GT-R kamen gut an“, sagt er und erzählt von dem Problem. „Sie hätten gern einen weiteren Test.“
„Wieder mit diesem Mörderteil?“, frage ich.
„Nein“, erwidert Wolf. „Der ist zur Zeit außen vor. Aber sie haben noch mehr auf Lager. Getestet werden soll ein 370Z.
„Solange man selbst redet, erfährt man nichts“, hat Marie von Ebner-Eschenbach einmal gesagt. Und mir verschlägt es glatt die Sprache.

Wolf interpretiert mein Schweigen falsch.
Yuki sieht mich fragend an. Mein Gesichtsausdruck muss höchste Verzückung gewesen sein.
„Wenn ihr nicht wollt sage ich ab“, meint Wolf.
Aber ich unterbreche ihn schnell.
„Was heißt hier nicht wollen?“, sage ich freudig erregt. „Immer her mit dem Teil!“
„Es soll ein Langzeit Test werden, Mayumi“, gibt Wolf prompt zu bedenken. „Das heißt ihr müsstet nun zwei Wagen fahren. Den Q3 und den Z.“
„Ist an dem Wagen irgendwas besonderes?“, will ich wissen. „Auch so ein Tuningteil, oder Serie?“
„Serie machen nur die anderen“, sagt Wolf und lacht dabei. „Er hat einige Besonderheiten und kommt mit knapp 400 PS. Ach ja und als Roadster. Also oben ohne bei Bedarf.“
Können Kerle nur das Eine denken?

„Und das lässt Männerherzen höher schlagen“, kontere ich ihn aus. „Chauvinist, Macho, Spanner!“
Yuki feixt und Wolf lacht noch mehr.
„Kann ich das als Ja werten?“, will er wissen.
Ich bitte ihn um eine Minute und erzähle Yuki von dem Angebot.
„Für wie lange wäre das?“, fragt sie. „Wir haben nicht unendlich Zeit.“
„Bis Ende August“, erklärt mir Wolf, als ich ihn frage. „So lange „oben ohne“ möglich ist.“
Prognose, Aussicht, Diagnose: Wir haben einen Deal!

Der 370Z ist quasi der kleine Bruder des GT-R. Auch er hat einen V-6 Motor, Hubraum 3,7 Liter. Serie sind 328 PS und 363 Newtonmeter. Unser Wagen hat mehr.
Dafür aber nur 2 Sitze und einen äußerst kleinen Kofferraum. Und das ist weniger, als im Q3. Aber Frau gönnt sich ja sonst nichts.
Das Wetter ist kühl. Zur Sicherheit haben wir warme Jacken und Baseballkappen dabei. Tomboy-Look mit langen Haaren.
Tiefschwarz steht der 370Z in der Morgensonne. Eine freundlich lächelnde Frau davor. Sie ist Model, wie sie uns erzählt und darf später für den Wagen werben.
Ein Fotograf schießt Bilder. Soll er. Von Yuki und mir aber nicht. Das mache ich nachhaltig klar, als er auch uns in Pose setzen will. Sofort ist er beleidigt und wird laut.
Wolf schlichtet und beendet den Disput autoritär. Er ist der Chef, der Fotograf nur Gast.
Manchmal darf auch Mann gern schimpfen. Vor allem, wenn er fast wie ein Vater ist.

Yuki fährt den Q3 nach Hause und ich ihr offen hinterher.
Wir sprechen uns kurz ab und sie packt in Windeseile eine Reisetasche.
Düsseldorf wir kommen! Und das hat einen Grund.
Aufgeregt nimmt Yuki neben mir Platz.
„Lass krachen, Dicke!“, fordert sie mich auf und ich starte schmunzelnd den Motor.
Getunte 400 PS und über 450 Newtownmeter schieben den Wagen brachial nach vorn.
Der Z grollt und faucht, wie sonst nur legendäre Drachen. Und ungehobelt ist er auch.
Leise sein ist anders.

Meine Eltern haben keine Ahnung, dass wir auf dem Weg zu ihnen sind. In letzer Zeit haben wir sie öfters überrascht.
Ursprünglich hatten sie ihr Haus verkaufen wollen, aber der Deal ist in letzter Sekunde geplatzt.
Nun bleiben sie an einem Ort, der seit fast 26 Jahren ihre Heimat ist. Und das hat auch mit dem homophoben Gehabe im Ländle zu tun.
Und auch wir machen uns darüber Gedanken. Davon in Zukunft mehr.
Aber heute leben wir in der Realität. Und genau darüber schreibe ich.
Vorwärts, vorwärts, vorwärts! Unzerstörbar zieh’n wir unsere Bahn!

Dank anderem Fächerkrümmer, 400-Zellen-Sportkatalysatoren und Edelstahl-Abgasanlage ist die Stimme des Z noch tiefer geworden. Und er hält sich nicht zurück.
Die Serie ist bei 250 km/h abgeregelt. Unser Exemplar kann mehr. Nur mag niemand mit weit über 200 km/h offen fahren. Spaß ist anders.
Wir ernten neugierige Blicke von Mann. Ein anderer Z ist neben uns. Aber da steht ein „BMW“ auf der Front. Und der kann dem Nissan kaum das Wasser reichen.
Der Typ versucht zu flirten und mir wird schon wieder schlecht. Mein Fuß zuckt und schon sind wir vorbei.
„Unsere Körper sind der Motor, unser Wille das Benzin“, kommt mir ein Songtext in den Sinn. Dann sind wir auf und davon, der BMW kann uns nicht folgen. Japanpower pur!
Der Makel des 370Z sei, dass er nicht aus Deutschland käme, hat vor Jahr und Tag ein Journalist geschrieben. Aber darüber lache ich nur.
Langsam ist eben anders. Wir streben ungebremst voran.

Weder Audi, Porsche noch BMW können vergleichbares bieten. Vorsprung durch Technik? Eher durch den Preis. Und der ist bei deutschen Autos viel zu hoch.
Nissan kann es besser. Und das ohne ein Billigheimer zu sein.
Und ein Z für ist für uns wirklich anders. Nicht der letzte Buchstabe im Alphabet. Eher ein neuer Anfang, ein Ausflug in die freie Welt der Sportlichkeit.
„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“, hat Goethe einst geschrieben. Und das gilt auch für den 370Z, wenn man ihn mit einem Mensch vergleichen mag.
Porsche-Abfangjäger hat eine Autozeitschrift den 370Z einst genannt. Und das ist alles andere, als ein reiner Spruch.
Der Z ist Spaß und Ehrlichkeit in reinster Form. So und nicht anders muss ein Auto sein.
Folgt uns, wenn ihr könnt!

Das Lenkrad rüttelt und zerrt an meinen Armen, aber der Ritt auf der Kanonenkugel ist keine Gefahr. Ausgelassen folgen wir der Spur von 1000 anderen Wagen. Und wenn es zu langsam wird, so gleiten wir lässig vorbei. Immer im Fluß, immer zu einem Lachen bereit. Und immer der Sonne entgegen, immer auf der Straße des Glücks. Mit dem Blick nach vorn und nie zurück. Wir haben längst eine Entscheidung getroffen und auch die wird wieder richtig sein. Fehler machen nur die anderen. Also gebt Yuki das D und auch das (kleine) R. Lasst sie die Nächste im elitären Bunde sein. Aber mir gebt ein(en) Z! Damit die rasante Fahrt durchs Leben niemals endet. Das wünsche ich mir. Und noch so viel mehr. Aber meine Träume werden wahr, das habe ich schon immer gern bewiesen.

Der wilde Mann

Wenn ich sage ich sei noch nie intim mit Mann gewesen, so muss ich das nun korrigieren. Mit Zustimmung und im Beisein meiner Frau ist es geschehen. Ja, meine Elfe war dabei bei unserem flotten Dreier. Und der war wirklich gut! Der Typ war Wahnsinn pur, tiefschwarz und einfach toll gebaut. Austrainierte Sportlichkeit, Muskeln im Überluss. Welche Frau kann da schon wiederstehen? Und erst sein ach so männlicher Geruch, der brachte mein Näschen zum erbeben. Ich gab mich hin und habe es genossen. Und ich würde es immer wieder tun.

Der Mann ist übrigens Japaner. Sozusagen ein „Beast from the East.“ Wer sonst sollte auch mein neuer Lover sein? Er ist noch jung und steht da wie eine Eins. Noch nie zuvor hat mich etwas oder jemand so erregt. Es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Auch Yuki ist begeistert von seiner Kraft. Selbst zwei Frauen sind für diesen Kerl kein wirkliches Problem. Als die Ältere darf ich mit dem Ritt beginnen und stöhne voller Lust, als er orgiastisch zum Leben erwacht. Lässig schwingt er sich auf Touren und lässt Zeit und Raum vergehen. Ich hole tief Luft und gestehe es: Gemeinsam sitzen wir im neuen Nissan GT-R Black Edition. Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

Alles fing ganz harmlos an und mit einem Anruf von Yukis Vater. Dass der ein Schlitzohr ist, habe ich schon oft erwähnt. Yuki gleicht ihm in der Beziehung bis aufs Haar. Aber sie sieht viel besser aus.
„Tochter, hier ist dein geliebter Vater“, beginnt das Gespräch standesgemäß. Zumindest hat Yuki es mir so erzählt.
„Was soll ich für dich tun?“, fragt sie prompt und ich falle von der Couch vor Lachen. Nur ich bin zu meinem Papa frecher.
„Du darfst ein Auto testen“, hat Yukis Vater ihr gesagt. „Aber was sage ich, ich frage meine andere Tochter.“
Mit der anderen Tochter bin natürlich ich gemeint. Frechdachs Mayumi, die er ebenso liebt.
Männer sind komisch, ich glaube ich muss frecher sein.

„Ja, Väterchen?“, spreche ich zuckersüß in den Hörer. „Was kann ich gegen dich tun?“
Diesmal hält sich Yuki den Bauch vor Lachen.
Mit gespieltem Ernst, aber lachendem Unteron, erzählt mein Schwiegervater mir von einem Deal unter Männern.
„Wir haben euch verkauft“, sagt er und räuspert sich dabei auffällig oft. „Und gehorsame Töchter machen immer, was ihre Väter wollen.“
„Klar doch“, erwidere ich. „Vor allem da wir noch im Mittelalter leben.“
Yuki hört mit und drückt prompt die Freisprechtaste.
„Lieber Papa“, flötet sie, „sag sofort worum es geht.“

Der Deal unter Männern erweist sich als absoluter Übercoup. Die Firma meines Schwiegervaters hat einen Nissan GT-R zum Test bekommen.
„Das Problem war der Ausfall der beiden Werksfahrer“, eröffnet er uns. „Die Firma unserer Geschäftspartner hat keinen Ersatz, niemand dem sie wirklich vertrauen. Und da kommt ihr ins Spiel. Ihr habt doch noch Ferien. Und es wäre wirklich wichtig. Darf ich auf euch zählen?“
Es gibt wenige Dinge auf dieser Welt, die mir die Sprache verschlagen können. Aber der GT-R gehört dazu.
Satte 550 PS treiben den Wagen voran, er hat doppelte Turbokraft und 632 Newtonmeter Drehmoment. Der Motor ist ein V6 mit 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG). Spitze 315 km/h, von 0 auf 100 in unter 3 Sekunden. 97.500 Euro ist dieser Wagen wert. Der neue Porsche Turbo S kostet gleich doppelt so viel. Was ihn nur teurer, aber nicht viel schneller macht.

Überhaupt haben Audi und Porsche ein Problem mit ihren Preisen. Billig sollen nur die anderen sein. Bewusst hat man sich im exklusiveren Marktsegment postiert. Aber teurer muss nicht immer besser sein. Und der GT-R ist gut! Kein Wolf im Schafspelz, er ist in Stahl gepresste Leidenschaft. Und der Clou: Der Wagen wird in zwei Ausbaustufen kommen. Als Serienfahrzeug und Tuning-Bolide. Dann hat er weit über 700 PS. Und das ist alles andere als normal. Wenig normal sind auch die Tests, auf die Wolf verweist.
„Porsche ist stets der Sieger“, erklärt Wolf mit süßsaurem Gesicht.
Wer das glaubt, wird seelig.

Wolf mit Team hat natürlich auf uns gewartet. Direkt auf der Strecke. Fast ehrfürchtig schleichen die Männer um die beiden GT-R, die sich tiefschwarz in der milden Sonne präsentieren. In der Barracke ziehen wir die Overalls und Helme an. Sicherheit ist angesagt. Nur Vollidioten fahren ohne. Der erste Nissan ist bereits verkabelt, das Team hat Motor und Reifen vorgewärmt. Das ist sonst nur im Rennsport üblich und da sehe ich mich nicht. Im Unterschied zu einer Cyndie Allemann fehlen mir auf dem Rundkurs deutliche Sekunden. Die Cyndie bremst auch nie, die steht lieber in der Kurve quer. Und das ist hohe Kunst. Aber dafür sehe ich noch besser aus als sie. Und das ist nicht gelogen.

Was folgt ist ein Gedicht japanischer Motorenkunst. Mit dem GT-R hat sich Nissan mehr als einmal übertroffen. Nie zuvor hatte ich solche Lust auf einen Wagen. Und von mir aus darf der auch total männlich sein. Das schmälert weder Aussehen noch Top-Speed. Und beides ist der Überhammer. Der GT-R ist laut, wild und schüttelt sich. Ein echter Kerl halt. Zahm ist anders. Es röhrt und dröhnt, dann schießt der Wagen in einem Atemzug auf 100 km/h. Gut, es bleibt bei deutlich über 3 Sekunden. Daran ist laut Yuki mein (nicht vorhandener!) Hüftspeck schuld. Aber wer mag schon einer Elfe widersprechen?
2,7 Sekunden sollen es laut Werksangaben sein, aber diesen Beweis blieb der GT-R bisher schuldig. Auch allein im Wagen erreiche ich die nicht. Also kommt meine Elfe wieder mit und jauchzt vor Freude, wenn die brutale Beschleunigung eintritt.

Der Wagen fährt sich hart, direkt und ohne Kompromisse. Der Verbrauch ist hoch, 10 Liter SuperPlus auf 100 km nur eine Illusion. 20 plus kommt der Wahrheit näher. Und 30 Liter sind auch kein Problem. Aber wer will mit diesem Supercar vernünftig sein?
Das DSG schaltet gut und ohne Zeitverlust. Wir wechseln beim Fahrwerk zwischen Komfortmodus und Sport. Und die Rundenzeiten werden schneller.
Eine gute Stunde sind wir unterwegs. Auch Yuki darf natürlich und stellt sich quer. Mit dem Auto, wie auch sonst?
Sie schimpft auf japanisch über den Godzilla, der Spitzname dieses Supercars.
Aber auch Elfen können driften.

Nach einigen Runden hat sie den Bogen raus und zerstört prompt den ersten Reifensatz.
Wolf feixt und Yuki ist gespielt beleidigt, als der Abschlepper kommt.
„Macht gleich weiter mit dem anderen Wagen“, bittet er. „Aber ultravorsichtig, das Teil ist nicht normal.“
Der Ritt in diesem GT-R gleicht dem Ritt auf einer Highspeed-Kugel. Hat schon der normale Motor gebrüllt, so schreit dieser uns nur noch an. Aber egal was ich versuche, die Hinterräder drehen beim Start stets durch. Allrad falsch verteilt. Gefühlte 80 % Kraft an der Hinterachse kommen bei mehr als 700 PS nicht gut. Wie lange sollen diese Reifen halten?
Gute 850 Newtonmeter schieben uns vehement um die Kurven. Und selbst ich stehe öfter quer. Wir bekommen Tritte und Stöße auf unsere zarten Knochen, die jedem Allkämpfer zur Ehre gereichen sollten. Dieser Wagen überzeugt mich nicht. Schlecht abgestimmt ist das Fazit nach nur wenigen Runden. Den mag fahren wer will, beherrschbar ist anders. Die sollen doch die Cyndie rufen.

„Es soll noch eine 600 PS Variante von dem Wagen geben“, erzählt uns Wolf zum Schluss. „Dank Carbonteilen ist der GT-R dann auch 50 kg leichter. Zu schade, dass er noch nicht verfügbar ist.“
Ziemlich durchgeschwitzt nehmen wir eine schnelle Dusche. Yuki, die Fürsorgliche, hat Unterwäsche zum wechseln mitgebracht. Und einen Deostick hat die Frau von heute sowieso dabei.
Frech haut mir Yuki auf den Po, als ich in die bequeme Cargohose steige.
„Das war dann aber auch unser letzter Ritt mit diesem wilden Mann“, lässt sie den Spruch vom Stapel, der mich zu diesem Text verleitet hat.
Und auch da mag ich ihr nicht widersprechen. Aber den normalen GT-R-Godzilla würde ich immer wieder reiten. Dumm nur, dass ich keine 97.500 Euro habe.
Dafür eine Elfe. Und das ist ausreichend und gut.

Legenden sterben nie

Es gibt Legenden, die niemals sterben. Und Legenden, die erst noch geboren werden müssen. Und ich spreche nicht von meiner ungeborenen Tochter. Dass die großartig wird steht außer Frage. Mit mir als Mutter kein Problem. Ich spreche von einem Auto. Genauer einem SUV. Noch genauer dem neuen Porsche Macan, den wir nun schon eine Weile testen.

Bekanntlich ist der getunte RS Q3 vor einigen Wochen einen allzu frühen Tod gestorben. Wolf und das Team waren dem Fehler auf der Spur und haben ihn nun gefunden. Es lag nicht am Tuning, das war professionell. Ein simpler Materialfehler hat den Schaden ausgelöst. Und das kann immer passieren. C’est la vie.

Bisher durfte ich nicht über den Ersatzwagen schreiben. Das ist ab heute vorbei. Nur was genau Wolf damit angestellt hat, das wird ein Geheimnis bleiben. Ich sehe die Leser schon abwinken und das Gesicht verziehen. Ein Porsche SUV wird es heißen. Das ist doch auch nur ein Q5. Und genau da liegen die meisten Leute falsch.

Klar hat der Macan die Bodengruppe des Q5. Er stammt auch aus dem gleichen Großkonzern. Aber viele Feinheiten stammen von Porsche, das wird der geneigte Fahrer dann schon sehen. Baby-Cayenne wird er von Kritikern abschätzig genannt. Andere bezeichnen ihn liebevoll als Tiger. Yuki und ich mögen den Wagen. Auch, wenn er deutlich größer als der eher schnuckelige RS Q3 ist.

Aber wir sollen ihn nicht mögen sondern fahren. Und das haben wir täglich und ausiebig getan. Im Alltag und auf der Autobahn. Und die Messgeräte liefen mit. Das siebenstufige Porsche-Doppelkupplungsgetriebe ist eine Wucht! Selbst der Audi RS 6 kann das nicht wirklich besser. Nur, dass der in der „Wolf-Version“ schneller ist. Aber wer will schon rasen, wenn cruisen so viel besser ist?

Aber wir dürfen den Macan leider nicht länger behalten. Heute ist der Tag des Abschieds gekommem. Das liegt auch an dem reparierten RS Q3, den wir wieder unser eigen nennen dürfen. Zu Testzwecken versteht sich. Neidische Nachbarblicke inklusive. Aber jetzt muss ich gehen und an meiner Legende arbeiten. Schönes Wochenende ihr da draußen.

 

Die Rückkehr des (Erl)Königs – Teil 2

Das Biest

Das Biest

Der ehemalige Flugplatz liegt im milden Sonnenschein.
Sonnenbebrillt gehen wir auf eine Baracke zu.
Techniker und andere Boliden stehen dort. Wir werden schon erwartet.
„Hattet ihr Ärger mit der Polizei?“, will der Chef wissen.
Sein Name ist Wolfgang, kurz Wolf genannt.
Ich kenne ihn, er ist ein Mitarbeiter von Yukis Vater und im gleichen Alter.
„Routinekontrolle“, sage ich. „Haben Sie angefragt?“
Wolf nickt und sein Gesicht verfinstert sich.
„Die suchen nach Ärger“, sagt er. „Jemand hat sie auf uns angesetzt. Wir dürfen vorerst keine Autobahn mehr nutzen zum Test.“

Der Audi ist schnell umgerüstet.
Yuki bewundert einen BMW.
„Was ist das für einer?“, will sie wissen. „Den mag ich, der sieht klein und handlich aus.“
Wolf lacht und will sich kaum beruhigen.
„Das ist der M 235i“, sagt er. „Willst du ihn mal fahren?“
Yuki strahlt.
„Darf ich wirklich?“, will sie wissen.
„Na immerhin bis du du doch auch dafür hier“, scherzt Wolf.
Auch Yuki bekommt jetzt Geld fürs testen. Nur fahren will sie meistens nicht.

„Darf Mayumi mit?“, fragt sie und schaut Wolf bittend an.
Er schmilzt. Niemand kann (m)einer Elfe widerstehen.
Wir drehen eine Runde.
Yuki ist ausgelassen. Sie strahlt und jauchzt und mir wird schlecht.
Besorgt bringt mich Yuki zur Toilette.
Mein Kopf dreht sich und mein Bauch spielt verrückt.
„Mistige Tage“, stöhne ich. „Es ist wieder mal soweit.“
Obwohl ich kaum noch Regelschmerzen habe, hat es mich wieder erwischt. Übelste Krämpfe verderben mir den Tag.
Der Grund ist klar, der Stress der letzten Wochen. Ich habe mich übernommen.

Eine Schmerztablette und Tee wirken Wunder. Eine knappe Stunde später bin ich wieder fit.
„Wir können dann“, sage ich zu Wolf. „Mir geht es wieder gut.“
„Bist du dir sicher?“, fragt er. „Ich lasse dich nicht fahren, wenn du nicht auf der Höhe bist.“
Als Antwort setze ich einen Kick direkt vor sein Gesicht und halte den Fuß dort bewegungslos.
„Oha!“, entfährt es ihm. „Die Karate-Queen schlägt wieder zu.“
Wolf weiß von meinem Sport.
Ich lache und setze den Fuß wieder ab.
„Ach was“, wehre ich ab. „Ich wollte nur zeigen, wie gut es mir geht. Und Regelschmerzen kennt so ziemlich jede Frau. Die bringen uns nicht um.“

Der Audi lauert schon und heißt uns knurrend willkommen.
In kaum mehr als drei Sekunden sind wir auf 100 km/h.
Das Gedicht vom Erlkönig fällt mir ein, während der Wagen vehement nach vorne stürmt. Aber ich benutze eigene Worte, was Yuki zum Lachen bringt.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist Mayumi mit dem Elfenkind;
Der Audi hat die Beiden wohl im Arm,
Er faßt sie sicher, er hält sie warm.

Ach Elfchen, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Spürst Mayumi, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit den vier machtvollen Ringen? –
Oh, Yuki-onna, werden uns die 350 gelingen?. –

„Ihr lieben Kinder, kommt, geht mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich hier;
Manch bunte Blumen sind am Wegesrand,
Meine Mutter gab mir mein rotes Gewand.“

Mayumi, meine Mayumi, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig uns leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Elfenkind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Wollt, feine Mädels, ihr mit mir gehn?
Meine VW-Töchter sollen euch warten schön;
Meine VW-Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen euch ein.“

Mayumi, meine Mayumi, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Tochter am düstern Ort? –
Mein Elfchen, mein Elfchen, ich seh es genau:
Es scheint der alte Porsche so grau. –

„Ich liebe euch, mich reizt eure schöne Gestalt“;
säuselt es aus dem Zuffenhausener Fnsterwald.
Mayumi, meine Mayumi, der Porsche fasst sich ein Herz!
Erlkönigs Motor dröhnt mit hundert Hertz!

Mayumi grauset’s, sie raset geschwind,
Der Audi fährt schneller als jeder Wind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
Hinter ihm der Porsche und der ist tot.

Das Problem bei solchen Wagen sind die Reifen. Daher ist bei vielen Modellen schon bei 250 km/h Schluss. Beim Audi sind auch die Reifen nicht von der Stange. Ihr Preis ist utopisch und wird hier nicht genannt. 347 km/h stehen am Ende für uns zu Buche, ein absoluter Bolidenrekord. Wahnsinn pur, Leidenschaft in Stahl gepresst. Der Wagen kann noch schneller, aber das halten die Reifen nicht mehr aus.

Das Team ist ausgelassen und mir gehts wieder richtig gut.
Die Rückkehr des Königs ist gelungen. Machtvoll glänzen seine Ringe. Und das nicht nur unter Erlen. Noch auf dem Flugplatz schreibe ich diese Zeilen, um dann mit meiner Elfe nach Hause zu eilen. Gehabt euch wohl ihr holden Narren und fahrt langsam mit eurem eigenen Karren. Nach Karneval bin ich zurück. Bis dahin genieße ich mein Eheglück.

Ich geb Gas – Ich will Spaß (Teil 2)

Es ist richtig kalt in Obergoms! Minus 15 Grad verschlagen uns den Atem. Der Golf steht verloren zwischen protzigen Allrad-SUV und fällt trotzdem sofort auf.
„Kann man den schon kaufen?“, spricht uns ein dick vermummter Mann an.
„Weiß ich nicht“, erwidere ich wahrheitsgemäß. Das ist kein Serienwagen.“
Ein Lächeln erscheint auf dem Gesicht des Mannes, eisgraue Haare schauen unter der Mütze hervor.
„Ich hatte vor vielen Jahren einen GTI“, erzählt er uns. „Einen Golf 1 mit 110 PS! Das war 1976, ich glaube da waren Sie noch nicht auf der Welt.“
Das Eis ist gebrochen, der Mann ist keine Gefahr. Er ist schon 75 Jahre alt, wie ich später erfahre und doch noch voller Lebenslust. Aber auf uns steht er nicht.
Er wohnt wie wir im gleichen Hotel und lädt uns auf eine heiße Schokolade ein.
Ich tausche einen Blick mit Yuki. Als sie nickt nehme ich an.
Wir checken zuerst ein und bringen unsere Taschen aufs Zimmer.
Im hoteleigenen Café wartet der Mann auf uns. Neben ihm sitzt eine ältere Frau. Wasserblaue Augen schauen uns neugierig an. Die Frau muss früher wunderschön gewesen sein. Und selbst mit ihren 71 Jahren sieht sie noch immer sehr gut aus. Angelika heißt sie und hat ihrem Mann vier Kinder geboren. Eigentlich ist sie Juristin, aber hat den Beruf nie ausgeübt.
„Werner hat mich von der Universität weg geheiratet“, erzählt sie schmunzelnd. „Damals war ich mit unserem ersten Sohn schwanger.“

Wir unterhalten uns eine Weile. Yuki und ich fühlen uns bei dem Ehepaar wohl. Sie strahlen Ruhe aus, blicken auf ein langes, erfülltes Leben zurück. Werner ist ein Unternehmer aus Hamburg und auch in seinem Alter noch im Geschäft. Adelig. Eigentlich heißt er Werner Graf von … Nein, ich nenne den richtigen Namen nicht. Und Werner ist auch von mir geändert.
Stolz zeigt er uns durchs Fenster seinen Porsche Cayenne.
„550 PS, 283 km/h Spitze. Firmenwagen versteht sich.“
Er zwinkert uns verschwörerisch zu und seine Frau schüttelt den Kopf
„Passen Sie nur auf“, sagt sie. „Sonst erzählt er wieder stundenlang.“
„Ich mag Autos gern“, sage ich. „Privat fahren wir einen normalen Toyota. Aber wer will schon immer nur vernünftig sein?“
„Richtig!“, ruft Werner begeistert und nippt an der heißen Schokolade.
Das Ehepaar ist überraschend normal und aufgeschlossen. Vor allem geistig jung geblieben. Die Zeit vergeht wie im Flug.
Angelika und Yuki sprechen über Kinder, Haushalt und Zukunftspläne.
Ich erzähle Werner von dem Boliden. Ihm kann ich den Namen des Modells nennen, hier im Blog darf ich das nicht. Seine Augen leuchten, als ich die 320 km/h Spitze erwähne.
Dann winkt er ab.
„Ich kann nur noch SUV fahren“, erklärt er mir. Meine Bandscheiben mögen die tiefen Sitze in Sportwagen nicht. Und meine Frau findet den Cayenne auch viel besser.“
Agelika legt ihre Hand auf seine.
„Wie lange sind Sie schon verheiratet?“, will ich wissen.
„Im Sommer werden es 45 Jahre“, sagt Werner stolz.
Er drückt die Hand seiner Frau.
„Im Gegensatz zu den meisten Männern vergesse ich so etwas nicht.“
Plötzlich greift er zum Autoschlüssel.
„Haben Sie Lust den Cayenne zu fahren?“, will er wissen und steht auf. „Kommen Sie, wir drehen eine Runde.“
Yuki nickt mir zu. „Geh nur“, sagt sie leise.

Im Cayenne fühle ich mich sofort an den Boliden erinnert. Kein Wunder, unter der Motorhaube werkelt der gleiche Motor. Aber mehr verrate ich nicht. Im Vergleich zum Porsche ist selbst der Golf R ein Witz. Nicht nur preislich. Den Golf haben sie bei 250 km/h abgeregelt. Aus Gründen der Vernunft.
Graf Werner muss darüber lachen, während  wir durch die winterlichen Straßen fahren.
„Die Sperre kann man entfernen“, lässt er mich wissen. „Das ist kein Problem. Aber VW darf Porsche keine Konkurrenz machen. Kann ja nicht sein, dass der R den S schlägt. Aber die 300 PS reichen bestimmt für 280 km/h.“
Wieder zwinkert er mir verschwörerisch zu. „Wollen Sie es versuchen? Ich zahle den Umbau, eine Werkstatt findet sich bestimmt.“
Ich muss ablehnen. Aus Gründen der Vernunft. Leider.

Der Cayenne fährt sich angenehm und viel entspannter als der Golf. Kraft im Überfluss, Selbstbewusstsein pur. Und dieser nur als martialisch zu bezeichnende Motorklang lässt mein Herz vor Freude hüpfen. 550 PS gelenkt von einer Mayumi-Stärke. Das hat einfach was, das ist stark. Ich fahre zum Hotel zurück und spüre den Wunsch des Grafen. Ausgesprochen hat er ihn nicht. Aber ich kann in seinem Gesicht lesen. Kein Problem, auch der Golf soll nun geadelt werden. Vorsichtig steigt der Unternehmer ein.
„Sagen Sie es bloß nicht meiner Frau“, bittet er. „Sie ist immer so besorgt um mich.“
Wir drehen die gleiche Runde. Altes Herz wird wieder jung. Die Bandscheiben halten. Ich mag den alten Mann, er erinnert mich an meinen Vater. Meine Großeltern habe ich leider nie gekannt. Gas geben kann Graf Werner nicht, aber er hat trotzdem Spaß. Vernünftig sein ist für Spaßbremsen.

Im Hotel verabschieden wir uns, das Ehepaar wünscht uns einen schönen Aufenthalt.
Ich habe Graf Werners Visitenkarte.
„Melden Sie sich, wenn Sie mal in Hamburg sind“, hat er gesagt. „Das ist keine Floskel, ich meine was ich sage.“
Und ich glaube ihm.
Yuki erzählt mir von ihrem Gespräch mit Werners Frau.
„Sie hat nicht gewusst, dass wir zusammen sind. Aber es hat sie nicht gestört.“
„Mich stört es auch nicht, Elfchen“, sage ich und gebe ihr einen Kuss.
Wir verbummeln den Rest des Tages und gehen früh zu Bett. Lange vor Sonnenaufgang stehen wir auf und machen einen Spaziergang im Schnee. Vernunft ist anders. Aber davon berichte ich ein anderes Mal.

Fortsetzung folgt …

Ich geb Gas – Ich will Spaß!

Ich geb Gas – Ich will Spaß, hat Markus vor mehr als 30 Jahren gesungen. Neue Deutsche Welle nannte sich das.
Meine Eltern kennen den Song, sie haben ihn mir oft vorgespielt. Vielleicht rührt daher meine Leidenschaft für schnelle Wagen. Gas gegeben habe ich wieder, bin sozusagen durchgestartet.
Ein schneeweißer Golf R steht am Samstag vor der Tür. 300 PS, DSG-Getriebe, Allrad. Auch das ist „Neue Deutsche Welle.“ Vernunft ist anders.

„Haben Sie ein neues Auto, Frau Landar?“, will eine Nachbarin wissen und schaut mich neugierig an.
„Nur fürs Wochenende“, erwidere ich. Wir dürfen den testen.“
Yuki und ich haben schon vor Wochen ein Hotel in der Schweiz gebucht. Mit Glück, aber das gehört dazu. Eine Nacht mit 3 Sternen, eine Nacht im Schnee.
Der Golf springt an und Enttäuschung steht mir im Gesicht. Ich vermisse das bullernde Geräusch des Achtzylinders, den ich vor Weihnachten fahren durfte.
Yuki liest das Hinweisheft.
„Du musst den Knopf neben dem Schalthebel drücken“, sagt sie. Vier Sekunden schreiben sie.“

Ich habe meine Zweifel, aber höre auf meine Frau. Und wie so oft, hat sie auch diesmal Recht. Der Golf scheint aus dem Tiefschlaf zu erwachen. Seine Stimme wird deutlich, er röhrt los. Ein Golf im Schafspelz sozusagen. Vehement stürmt er über den Asphalt, das DSG-Getriebe schaltet butterweich. Und das schneller, als es ein Mensch vermag. Die Autobahn lockt. Freie Wildbahn für kapitale Hirsche. Aber keine Artgenossen in Sicht. Und Jäger wollen sich nicht zeigen. 200 km/h sind schnell erreicht. Doch Wetter und Verkehr hindern mich an noch mehr Spaß. Im Gegensatz zu dem roten Boliden hat der Golf Winterreifen montiert. Auf Alufelgen versteht sich. Dank Allrad ist das Wetter kein Problem, wir fahren wie auf Schienen. Yuki überwacht mit dem Smartphone die Radarfallen. Als Die App anschlägt gehe ich vom Gas. Grinsend fahren wir an dem Blitzer vorbei. Manchmal müssen auch wir vernünftig sein.

An der Grenze werden wir freundlich begrüßt. Dem Zollbeamten gefällt unser Wagen, das ist deutlich zu sehen. Aber er ist im Dienst und fragt nur nach dem Grund unserer Reise. Außerdem müssen wir noch eine Vignette kaufen und innen an die Windschutzscheibe kleben. Der Beamte schaut in unsere Pässe und ist zufrieden.
„Gute Reise“, wünscht er uns. „Er zögert kurz. „Fahren Sie bitte langsam in der Schweiz“, sagt er. „Sonst kann es teuer werden. Schneller als 120 dürfen Sie nicht.“
Ich bedanke mich für den Rat.
„Uf widerluege“, fügt er noch im Dialekt hinzu.

In der Schweiz sollte man nicht rasen, das war mir zum Glück schon vorher bekannt. Gute 350 Kilometer sind es bis nach Obergoms. Eine Silberscheibe der Band U.D.O. liegt im DVD-Spieler. Der Sänger gleichen Namens kreischt im Duett mit dem Motor. Die Bloggerin Käthe hat mich an den Recken erinnert. Und youtube mir neue Sangeskost geliefert. Manchmal muss ich noch so wild wie Heavy Metal sein.
„It comes to you without a warning, it gets connected to your mind“, höre ich.
Der Titel heißt Metal Machine und unbewusst streichle ich das abgeflachte Lenkrad des Golfs.
Als ich vor Jahren auf U.D.O. und Accept stieß, war ich begeistert. Die Freundin einer Freundin, hat mich zu der Musik gebracht. Noch in Düsseldorf beim Karate-Training. Es kickte sich gut zu den harten Klängen. Und heute im Golf fährt es sich gleich viel besser.

Die Schweiz zeigt sich von der winterlichen Seite. Die frühlingshaften Temperaturen sind vorbei. Schneeregen wechselt sich mit Sonne und Wolken, ein ewiger Wechsel von Schatten und Licht. Unsere Sonnenbrillen sind stets griffbereit.
Wie das Wetter wohl in Japan ist?
Ich mag Berge. Und ich mag auch Schnee. Und ich mag den Golf. Er passt zu mir. Zahm, unauffällig und doch exotisch. Wild auf Knopfdruck, so wie ich.
Vor 2 Jahren waren wir im Winter in Schweden. Ein Wochenende auf der Piste. Aber Ski sind wir damals nicht gefahren. Auf tief verschneitem Untergrund und einem zugefrorenen See, haben wir Allradgetriebene PS-Schleudern ausprobiert. Kein Urlaub! Es war harte Arbeit. Sponsored by Family. Und wir hatten jede Menge Spaß.

„Das Auto gefällt dir, ja?“, will Yuki wissen.
„Ja Elfchen“, sage ich. „Er ist zwar nicht rot, aber er macht Spaß. Und er ist so herrlich unvernünftig.“
Sie lacht.
„Du wirst nie erwachsen“, stellt sie fest.
„Look and see the metal machine …“, kreischt Udo.
Wie Recht der Mann doch hat.
Vernunft ist anders.

Vernünftig werde ich auch heute sein und die Fortsetzung erst morgen präsentieren.

Mit Vollgas durch die Nacht

Ich habe das Glück Beziehungen zur Automobilbranche zu haben. Familienbedingt. Daher darf ich ab und an einen sogenannten Boliden fahren. Das macht mir durchaus Spaß. Nur darüber schreiben darf ich eigentlich nicht. Zumindest wenn es die Marke, technische Details, oder den Motor betrifft. Was bleibt mir also übrig, als von einem Flitzer zu sprechen? In Rot versteht sich! Und wie lange ich von unserer Wohnung bis nach Düsseldorf brauche. Vielleicht könnte ich noch von der Höchstgeschwindigkeit sprechen, die jenseits der 300 km/h liegt. Und das ist richig schnell!

Samstag, 14.Dezember 2013, 2:30 Uhr in der Nacht. Es ist recht kalt, als wir zu dem ausgeliehenen Flitzer gehen.
„Hat der auch eine Sitzheizung?“, will Yuki wissen.
„Logisch“, erwidere ich. „Das Teil hat alle Extras.“
Wir verstauen zwei kleine Reisetaschen im Kofferraum und nehmen Platz. Und über genügend Platz verfügt dieser Bolide wirklich. Zwei kleine Mädels wirken recht verloren darin.
Ich drücke verschiedene Knöpfe am ultraergonomiaschen Ledersitz. Leise summend passt er sich mir an.
Als ich den Motor starte bleibt mir fast die Luft weg.
Yuki schaut mich entgeistert an, als das blubbernde Dröhnen an unsere Ohren dringt.
„Irre!“, sagt sie.
Der Wagen hat kein Schaltgetriebe, sondern eine Automatik. Und Allrad. Und trotzdem verrate ich die Marke nicht.
Xenon Licht zeigt mir den Weg, als ich den Automatikhebel auf S, wie Sport stelle. Wenn schon, dann richtig!
Als ich Gas gebe macht der Wagen einen Satz nach vorn und presst uns in die Sitze.
„Uff“, entfährt es Yuki. „Mein Bauch!“
Ich muss lachen und genieße das Gefühl. Der Bolide schießt die Straße entlang und ich muss mich und das Fahrzeug bremsen. Noch sind wir nicht auf der Autobahn.
„Braucht der viel Benzin?“, will Yuki wissen.
„Ja“, sage ich. „Aber wir müssen das ja nicht zahlen.“
Mit dem Wagen habe ich nämlich eine spezielle Tankkarte bekommen. Extra auf meinen Namen ausgestellt. Volltanken also kein Problem.
Etwas mehr als 400 km liegen vor uns. Die sind mit dem Auto normalerweise nicht unter 4 Stunden zu schaffen. Aber das ist kein normales Auto mehr. Das ist Wahnsinn pur. Mehr als 500 PS, über 300 Spitze. Ob ich die ausfahren kann? Ich bin gespannt.

Es ist wenig Verkehr um diese Zeit. Schnell entwickele ich ein Gefühl für den Boliden, der Kraft satt sein eigen nennt. Vermutlich lassen wir momentan etliche Männerherzen höher schlagen. Was nicht nur an unserem exotischen Aussehen liegt. Diesmal ist es der rote Wagen. Und der ist ultradeutsch.
Auf der Autobahnauffart beginnt der Spaß erst richtig.
Ich trete das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Mit weit über 200 Sachen schieße ich über den Asphalt. Ein BMW will nicht zur Seite weichen. Mir ist das egal. Ich überhole ihn noch auf der Auffahrt. Schade nur, dass ich das Gesicht des Fahrers nicht sehen kann. Vermutlich wird er seinen Wagen morgen verschrotten vor lauter Frust.
Die Federung des Boliden ist kaum als solche zu bezeichnen. Wie ich weiß, sind daran auch die dicken Reifen schuld. Trotz der kalten Jahreszeit hat der Wagen noch immer den Sommerlook. Ein Risiko. Aber Bußgeld zahlen muss ich nicht.
Yuki ist aufgeregt. Wie eigentlich immer, wenn wir Autos testen. Selbst fahren will sie das rote Technikwunder nicht.
„Mach du“, hat sie gesagt. „Ich schaue nach dem Weg.“
Aber das muss sie nicht. Selbst ohne Navigationsgerät kenne ich den im Schlaf. Aber ich habe es eingeschaltet und freue mich über den Komfort. Warum auch nicht?

Deutschland bei Nacht ist schön, auch wenn wir kaum viel davon sehen. Nur ab und an eine Nebelbank und den bleichen Mond. Und einige andere Wagen. Aber die huschen wie Schatten nach hinten vorbei. Der Tacho zeigt 240. Und da geht noch mehr.
Ökonomisch ist ein Fremdwort für den Wagen. Er ist auch viel zu teuer. Mehr als 100.000 Euro ohne Extras. Superlative pur. Niemand kauft den, hat man mir gesagt. Solche Wagen werden geleased.
Plötzlich tauchen Scheinwerfer im Rückspiegel auf, der sofort automatisch abblendet. Ich schaue nach links. Ein Porsche zieht vorbei. Kölner Nummernschild.
„Oh, oh“, entfährt es Yuki. „Mach das bloß nicht!“
Sie kennt mich eben. Und sie weiß, was jezt geschieht. Der ahnungslose Porschefahrer wird es gleich erleben.
Kickdown! Der Bolide brüllt auf und stürmt los. Blinker links und Lässig am Porsche vorbei. Warum ist nur die Autobahn so schmal geworden?
280 km/h und da geht noch mehr! Angst habe ich keine.
Der Porsche hält dagegen. Soll er, der wird sich noch wundern.
290 km/h.
Yuki hält sich die Augen zu.
300 km/h. Der Porsche ist noch immer neben mir.
Viel mehr kann der Bolide eigentlich nicht. Dieses spezielle Modell dann schon. Bei dem ist nämlich erst bei 320 km/h Schluss. Aber woher soll das der Porschefahrer wissen?
Adrenalin pur, als die Tachonadel auf 310 klettert. 315 … 320.
Der Porsche gibt auf und fällt zurück, verabschiedet sich mit einem kurzen Lichthupensignal.
Ich lache, die Anspannung fällt leicht ab.
Der Verbrauch des Wagens hat die 20 Liter Marke weit überschritten. Auch das eine Superlative.

In dieser Nacht breche ich vermutlich ein Dutzend Gesetze, was ohne Folgen bleibt. Die Radar App im Smartphone warnt uns vor Radarfallen. Alles geht gut. Während die Tanknadel rapide fällt, bleibe ich meist jenseits der 250 km/h.
Wir unterhalten uns, oder hören Musik.
„Weißt du, dass wir verrückt sind“, sagt Yuki. „Wir fahren hier mit Vollgas durch die Nacht, während alle Leute schlafen.“
„Andere düsen mit Vollgas durchs Leben“, erwidere ich. „Wir nur ab und zu.“
Yuki nickt und holt tief Luft. Sie wirkt müde, aber bleibt tapfer wach.
Nach 2 Stunden und 40 Minuten kommen wir an. Der Tank ist fast leer.
Das Haus meiner Eltern liegt im Dunkeln. Sie schlafen und ahnen nichts von ihrem Glück.
Ich habe natürlich meinen Schlüssel. Im Flur ziehen wir die Schuhe aus und schleichen in mein altes Zimmer. Die Heizung läuft. Auf dem Bett liegt ein Blatt Papier.
„Schön, dass ihr da seid“, hat meine Mama geschrieben. „Wir freuen uns auf euch.“
„Deine Mama ist eine solche Petze“, sage ich gespielt empört und Yuki lacht.
„Komm lieber ins Bett“, sagt sie. „Sonst petze ich dich.“
Ich muss lachen und gebe ihr einen Kuss.
Wer das Wort „petzen“ in dem Zusammenhang nicht kennt: Es wird in einigen Teilen Deutschlands statt zwicken gebraucht. Und meine Frau darf selbst das mit mir machen.
Yuki schläft fast sofort in meinen Armen ein. Ich liege noch eine Weile wach. Mit meiner Frau in meinem Kinderzimmer. Zu Hause.
Morgen wird mein Papa mich in sein Dojo zitieren, um meine Fortschritte zu testen. Ich habe ihn vermisst.
Yuki wird bei meiner Mama bleiben und beim kochen helfen. Angeblich kann ich das ja nicht.
Bruder Schlaf nähert sich im roten Flitzer, meine Augen fallen zu.
„Nicht so schnell“, murmele ich. „Ich mag nicht mehr mit Vollgas durch die Nacht.“