Gedanken einer Ausländerin: Das Fremde

Mit diesem Beitrag werde ich eine unregelmäßige Reihe beginnen, die mein Leben als Ausländerin in den USA und Deutschland zeigt. „Moment mal“, werden einige meiner LeserInnen sagen, „du hast doch einen deutschen Pass!“ Aber macht mich ein Stück Papier zu einer richtigen Deutschen oder werde ich für in Deutschland geborene immer nur die Fremde, die Ausländerin sein?

Regelmäßige BesucherInnen meines Blogs kennen vielleicht meinen türkischen Onkel Ahmed, den (Geschäfts)Freund meines Vaters. Mit seiner Existenz habe ich ein weiteres Geheimnis zu „meinen Männern“ gelüftet. Auch wenn ich den Namen verändert habe, Onkel Ahmeds Philosophiestudium ist echt.

Ich kenne ihn seit mehr als 25 Jahren, mit seinen EnkelInnen bin ich aufgewachsen. Uns verbindet echte Freundschaft über alle Grenzen von Religion und Politik, die bis heute hält.

Vor fast genau einem Jahr, im Oktober 2016, habe ich ein langes Gespräch mit ihm geführt, das, wegen aktueller Ereignisse, nie den Weg auf meinen Blog gefunden hat. Unter anderem hatten wir über die Flüchtlingskrise und Fremdenfeindlichkeit gesprochen, die heiklen Themen unserer Zeit. Diesen Teil gibt es nun zu lesen.

Türkischer Honig

„Rassismus ist noch immer ein Thema auf der Welt“, hat Onkel Ahmed augenzwinkernd gesagt, als ich ihn zum Spaß mit japanischen Schimpfwörtern eindecke. Wie so häufig wenn wir uns sehen, hat er mich scherzhaft „Kobold(in)“ genannt, dabei ist auch er nur knappe 1,70 Meter groß.

Ich greife das Stichwort auf und während er mich mit türkischem Honig besänftigt will ich von ihm wissen, ob er jemals wirklichem Rassismus in Deutschland begegnet ist. Er überlegt kurz und wiegt dann den Kopf. „Na ja“, sagt er, „die üblichen Sprüche, aber mehr war da nie. Wie sind deine Erfahrungen?“

„Durchwachsen“, erwidere ich wahrheitsgemäß, „ich hatte eher Probleme mit Homophobie. Das weißt du bestimmt. Aber die Zeiten haben sich geändert. Viele Deutsche haben Angst vor Überfremdung und bringen das mit offener Ablehnung zum Ausdruck.“ „Was verständlich ist“, stimmt mir Onkel Ahmed zu, „Frau Merkel hat die Bevölkerung überfordert und für Rassismus die Tür weit aufgemacht. Auch viele Neuankömmlinge haben den im Gepäck.“

„Du klingst wie ein AfD-Politiker“, necke ich ihn und weiß, dass er schon immer treuer SPD Wähler gewesen ist. „Jeder der gegen die herrschende Meinung ist, wird sofort diskreditiert“, erwidert er. „Diese Haltung finde ich erschreckend. Wir, die wir vor den Folgen warnen, werden nicht gehört. Dabei müsste man es besonders in Düsseldorf viel besser wissen.

Ich glaube Frau Merkels Satz <<Wir schaffen das!>> war Ausdruck ehrlichen Willens. Aber sie hat einen entscheidenden Fehler gemacht. Ich spreche nicht von politischen Strömungen, ich spreche von der dadurch geschaffenen Angst. Erinnerst du dich an die Bankenkrise vor einigen Jahren und welche Sicherheit Frau Merkel den Bürgern gab?“

„Du meinst, dass das Geld der Sparer sicher sei?“, frage ich und Onkel Ahmed nickt. „Ja“, sagt er, „diese Garantie hat gefehlt. Das Volk schaut doch auf die Regierung und will von ihr vertreten werden. Aber plötzlich sieht es ein Staatsversagen. Ein Satz wie <<Niemand muss Angst vor den Flüchtlingen haben, wir schaffen das, liebe Bürgerinnen und Bürger!>>, wäre vielleicht besser angekommen.“

„Zusammen mit dem Hinweis, dass niemand Angst um seinen Arbeitsplatz oder seine Sozialleistungen haben muss“, füge ich noch hinzu. „Genau das hat sie versäumt und sich wie eine Despotin benommen. Und damit nicht nur meinen Widerstand geweckt.“

Philosophisch nachgedacht

Onkel Ahmed schaut mich nachdenklich an, ich ahne bereits was folgen wird. Der Philosoph ist erwacht und wird einen Vortrag halten. „Weißt du warum Menschen Angst vor Fremden haben?“, will er wissen. „Und zwar unabhängig von der sozialen oder materiellen Komponente?“ „Sag du es mir“, ermuntere ich ihn und höre seinen Ausführungen tapfer zu.

„Das Menschen Angst vor dem Fremden haben ist normal“, beginnt er. „Aber vor welchem Fremden fürchten wir uns, dem Fremden außer uns oder in uns, wie es der deutsche Philosoph Bernhard Waldenfels formulierte. Fremdheit beginnt doch schon im eigenen Haus, in uns selbst und auch der eigenen Sprache.

Unterscheiden müssen wir sie in eine radikale und relative Form. Schon der eigene Partner kann fremd erscheinen, eine quietschende Tür Ängste in uns wecken. Aber relative Fremdheit ist vorübergehend und wird unter günstigen Umständen zur neuen Erfahrung. Das radikale Fremde ist das eigentliche Problem und schafft im Übermaß eben jene Angst, die nun durch dieses Land schleicht.“

Die Hofierung des Fremden

„Ich habe keine Angst“, werfe ich ein. „Aber vermutlich ist Angst das falsche Wort dafür. Ich muss immer alles ergründen.“ Onkel Ahmed schmunzelt. „Ja“, sagt er, „ich erinnere mich. Wie war das damals, als du Shisha rauchen wolltest?“ Wir müssen beide lachen und Yuki schaut verwundert. Prompt hat ihr Onkel Ahmed die Geschichte erzählt.

„In Deutschland sehe ich zwei Lager“, sage ich als er fertig ist. „Eine Seite hofiert alles Fremde, die andere Seite hat die von dir angesprochene Angst. Hast du eine philosophische Erklärung oder ist das einfach nur politisch?“

„Mit der Hofierung des Fremden meinst du bestimmt die Linken“, erwidert er. „Aus reiner Selbstverleugnung überhöhen sie nun das Fremde. Darüber sprechen wir später noch. Lass mich dir ein Beispiel auf deine Frage geben. Im Urlaub bist du eine Fremde in der Fremde. Du magst das Fremde vielleicht gern, die Sprache, die Kultur.

Alles, was uns aus sicherer Distanz begegnet, hat den Reiz des Exotischen, das unsere Neugier anregt. Aber nun dringt das Fremde in das eigene Heim ein. Dieser plötzliche Überfluss macht vielen Angst und verführt zu Abwehrmaßnahmen, die sich gegen das Fremde richten, als müsse man es überwinden. Abwehr bedeutet nicht zwingend Gewalt, Abwehr kann sich auch in Demonstrationen manifestieren.

Das Fremde, bleiben wir beim Beispiel Flüchtlinge, wird für alle eigenen Probleme verantwortlich gemacht. Dieser Projektionsmechanismus funktioniere besonders gut, wenn der Einzelne wenig oder keinen Kontakt zu Flüchtlingen habe, hat ein Psychologe gesagt. Aber das halte ich für zu pauschal.“

„Ist vielleicht auch eine gewisse Eifersucht dabei?“, will ich wissen. „Wenn wir Frau Merkel als Mutter und Deutsche als ihre Kinder sehen, haben diese Kinder jetzt vielleicht einfach Angst davor, dass Mutti die fremden Kinder mehr als die eigenen liebt.“

Onkel Ahmed nickt. „Auch das spielt eine Rolle“, stimmt er mir zu. „Aber kommen wir zu denen, die alles Fremde lieben und sich selbst und Deutschland hassen. Sie sind das Opfer einer ideologischen Strömung, die sich tief in ihr Bewusstsein eingegraben hat. Man könnte sie auch konditioniert nennen. Tragisch daran, Betroffene können das nicht selbst erkennen.“

Auf der Flucht vor dem eigenen Ich

„Sind diese Menschen also quasi auf der Flucht vor dem eigenen Ich?“, frage ich. „Das könnte man sagen“, erwidert Onkel Ahmed. „Sie verleugnen sich und ihre Herkunft, überhöhen das Fremde und üben zum Teil sogar Gewalt gegen Andersdenkende aus.

„Bist du dir treu geblieben?“, will ich wissen, „kennst du dich?“ Onkel Ahmed nickt. „Wie du habe ich den deutschen Pass, aber ich bleibe doch Türke. Und ich liebe meine alte Heimat ebenso, wie dieses neue Land. Daran ist nichts falsch.

Als falsch sehe ich Merkels Entscheidung an und die dadurch entstandene Überforderung der Gesellschaft. Die Menschen sind zum Teil erschrocken, was passiert. Bernhard Waldenfels hat einmal gesagt <<Das Erschrecken ist ein Pathos, das uns widerfährt, gleich dem Erstaunen, mit dem laut Platon die Philosophie beginnt.>>

Wir schauen nun also erschrocken auf ein Heer von Leibern, dich sich mit Macht in unser Heim drängen. Die Fahnenschwenker nenne ich grenzenlos naiv, die Populisten ewig Gestrige. Die einen haben zu viel, die anderen zu wenig Fremdvertrauen.

Wie wir mit in diesem Fall relativer Fremdheit umgehen lässt sich wunderbar an dir festmachen. Hast du nicht sozusagen gefremdelt, als du die deutschen und so fremdartigen Laute erstmals hörtest? Heute sprichst du sie besser als ich. Du hast die Fremdheit angenommen.“

„Den Fremden als das zu begreifen was er ist“, denke ich laut nach, „ist das der Schlüssel?“ „Der Schlüssel liegt im Begreifen des eigenen Ichs“, erwidert er. „Nur wer sich selbst nicht fremd ist, wird auch den Fremden akzeptieren können. Aber viele Deutsche verleugnen sich.“

Einfach und radikal

Er schmunzelt, als ich die Augen verdrehe. „Das ist sehr philosophisch gedacht, schon klar“, fährt er fort. Ich will auch nicht weiter darauf eingehen. Vermutlich werden die meisten solche Überlegungen nicht verstehen. Aber ich möchte doch noch zumindest einen Satz zu der radikalen Fremdheit sagen.

Radikale Fremdheit erleben wir, wenn wir vor etwas stehen, das sich außerhalb jeder und besonders unserer kulturellen Ordnung befindet. Deutsche und Europäer haben Angst vor der Überfremdung. Stell dir vor was passiert, wenn plötzlich 30 Millionen Fremde in Deutschland leben. Das wäre eine radikale Erfahrung!“

„Du glaubst an soziale Unruhen?“, hake ich nach, „Aufstände?“ „Ich glaube an eine zunehmende Aggressivität und Gewaltbereitschaft,“ erwidert er. „Die Abgehängten, wie sie schon der Spiegel nannte, werden sich erbittert wehren. Noch ist es lediglich Pegida oder die AfD, aber was passiert, wenn sich Millionen vereinen, wenn diese Menschen begreifen, wer die wirkliche Macht im Staate ist?“

„Aber dazu bedarf es einer charismatischen Gallionsfigur“, werfe ich ein. „Ich sehe zur Zeit keine.“ „Wir stehen erst ganz am Anfang einer sich verändernden Gesellschaft“, fährt Onkel Ahmed fort. „Die Parteispitzen der Volksparteien haben es bisher verstanden, sich selbst als alternativlos darzustellen. Jeden möglichen Konkurrenten hat man mundtot gemacht. Das wird sich noch bitter rächen.“

„Wird sich Deutschland verändern?“, frage ich, „siehst du eine Islamisierung?“ „Wen fragst du?“, will er wissen, „den Muslim oder den Philosophen?“ „Ich dachte du bist Gemüsehändler“, erwidere ich und bekomme ein lachendes „Frechdachs!“ zu hören.

Zur Aufklärung: Onkel Ahmed hat Philosophie studiert und danach den Laden seiner Eltern übernommen, der aber mittlerweile geschlossen ist. Im Hinterzimmer hat er vielen StudentInnen Nachhilfe gegeben und sie auf ihrem Weg inspiriert. Als Kind habe ich ihn respektlos Teephilosoph genannt, als er mit meinem Vater über Theologie und Religionen debattierte.

Fromm

„Ich sehe durchaus eine sich ausbreitende Frömmigkeit auch unter Türken“, fährt Onkel Ahmed fort. „Das hat verschiedene Gründe und mit wirklichem Glauben oft wenig zu tun. Im Islam finden viele scheinbar ihre verloren geglaubte Identität wieder. Plötzlich ist da ein WIR-Gefühl, ein falscher Stolz, mit dem sie sich über andere erheben. So war, wie ich vermute, die nicht reformierte und von Geistlichen mit politischen Ämtern beherrschte christliche Kirche.

Im Christentum gab es die Reformation, die Aufklärung, die dem Islam völlig fehlt. Der Islam ist wörtlich genommen eine Gefahr für jede Gesellschaft, wenn seine Anhänger die Scharia über menschliche Gesetze stellen. Der Islam ist dann harmlos, wenn Gläubige über die alten Suren schmunzeln und mit ihren deutschen Freunden ein Bier trinken gehen. So wie ich.

Viele Türken sind solidarisch mit Deutschland. Wir leben gern hier, wir mögen Deutschland genau so, wie es nun mal ist. Erdogans Phantasien, die politischen Ziele von Terrorgruppen, all das lehnen viele vehement ab. Wir gehen vielleicht in eine Moschee, die aber nicht zwingend wie im Orient aussehen muss. Aber in Wirklichkeit glauben die wenigsten an einen Gott. Das ist wie bei den Christen. Die gehen in die Kirche, weil es alle tun.“

Die Invasion

„Was kann oder sollte die Politik machen, um das Flüchtlingsproblem zu lösen?“, will ich von ihm wissen. „Hast du dir darüber schon Gedanken gemacht?“ „Ehrlich zu sich und den Bürgern sein“, erwidert er. Aber Ehrlichkeit und Politik schließen sich aus. Das afrikanische Problem war viele Jahrzehnte nur aufgeschoben. Jetzt bricht es los.“

„Viele Konservative empfinden die Flüchtlinge bereits als Invasion“, stelle ich fest. „Ich zum Teil auch, aber das liegt auch in meiner Abneigung gegen aggressiv auftretende Männer begründet. Nur dich liebe ich natürlich heiß und innig, Onkelchen.“

Onkel Ahmeds Lachen ist ansteckend. Ich mag diesen alten Mann, der einerseits die Sanftmut in Person ist und andererseits richtig gut boxen kann und das schon gegen weniger nette Mitmenschen praktizierte. Auch mir hat er früher viel über diesen Sport beigebracht.

„Schon vor einigen Jahren gab es Hinweise auf immer mehr Menschen, die sich auf die gefährliche Reise nach Europa machen“, sagt er und bestätigt damit die Aussagen von Experten, deren Warnungen meist ungehört verhallen.

„Du hast das Stichwort Invasion benutzt. Was Deutschland braucht ist ein Auswahlverfahren für qualifizierte Kräfte. SPD und Grüne haben das ignoriert und Frau Merkel ist früher einen anderen Kurs gefahren. Wo sie heute steht siehst du selbst.“

Ich stehe mit diesem Beitrag nun am Ende. Ein anderer Teil des Interviews, die Warnung und Sorge vor Terroranschlägen, ist einige Wochen später von der Realität überholt worden und bleibt daher unveröffentlicht. Abschließen möchte ich meinen Beitrag mit einem Zitat von Professor Norbert Bolz, der den bemerkenswerten Artikel „Linke Lebenslügen“ schon 2010 in der taz geschrieben hat:

„Die Akzeptanz der Einwanderer hängt daran, dass die Immigration nicht als Invasion erscheint. Der Eindruck der Invasion entsteht am leichtesten bei Wirtschaftsflüchtlingen und beim Nachzug von Großfamilien. Natürlich muss Deutschland stets politisch Verfolgten Asyl gewähren; aber die Kriterien dafür sollten dem gesunden Menschenverstand nachvollziehbar sein.“

Zweifel ist der Anfang des Verstehens

„Zweifel ist der Anfang des Verstehens“, heißt es in der Philosophie. „Ohne Zweifel gäbe es kein tieferes Verständnis.“ Und verstehen wollen wir. Alle? Wenn ich mir die Masse der Menschen betrachte, so gehen viele scheinbar ohne diese Zweifel umher. Graue Gestalten, ohne Lebenszweck. Geboren um zu sterben. Das macht (ohne Zweifel) keinen Sinn.

Brot und Spiele waren in Rom beliebter Zeitvertreib. Gladiatoren kämpften für die johlende Masse. Wenn auch im mehr oder weniger sportlichen Wettkampf, wie neuste Forschungen zeigen. Die wenigsten Gladiatoren haben sich gegenseitig umgebracht. Brot und Spiele bestimmen noch immer unser Leben. Nur Hamburg hat aufbegehrt, die haben daran gezweifelt und mitgedacht.

„Willst du Zweifel nicht zulassen, dann lässt du einfach Worte in dein Hirn sickern ohne Verständnis“, hat der Philosophieprofessor Jay Garfield gesagt. Und da komme ich mit meinem Blog ins Spiel, habe ich doch genau über dieses Thema einst geschrieben. [KLICK MICH, ODER LASS ES]

Wobei es mir damals um Selbstzweifel ging, die ich nicht habe. Warum sollte ich mit abgeschlossenem BWL-Studium auch daran zweifeln, dass ich die Firma XY nicht aus der Krise führen kann. Ich habe und werde. Da kann sich jeder sicher sein. Ohne jeden Zweifel.

Aber auch eine Alpha wie ich hat durchaus ihre Zweifel. Weniger an mir, aber an den anderen, ob z. B. deren Entscheidungen richtig sind. Berechtigte Zweifel hege ich auch daran, ob die Presse stets die Wahrheit schreibt. Und ob Staatsfrauen und -männer noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind.

Ich bezweifle viele Dinge. Angefangen beim Verstand von manchen Männern und ihrer emotionalen Intgerität, bis zum Walfang in Japans Gewässern und ob der wirklich nötig ist. Und von genau dieser Ebene des Zweifels gleite ich fließend zum Nicht-Glauben über. Ich löse den Zweifel auf und glaube, dass Politik verlogen ist. Ein Glauben, der sich schon lange als Wissen gefestigt hat..

Ohne Zweifel nehme ich viele Dinge wahr, die anderen verborgen bleiben. Das macht mich nicht zu Wonderwoman, aber ich habe den Blick für die Realität.

Der eine oder andere mag sich fragen, ob wir Zweifel überwinden können. Ich muss keine Philosophin sein um klar zu sagen, dass das geht. Mit meiner Fähigkeit alles zu analysieren, bin ich auf dem richtigen Weg. Ich denke mit, hinterfrage und handele, wenn Zweifel zu Wissen wird.

Zweifel ist bei allem gut. Zu zweifeln setzt den Prozess des Verstehens in Gang. Wenn wir Dinge hinterfragen, haben wir mitgedacht. Wir nehmen nicht länger hin, was uns Politiker erzählen. Und dass wir es schaffen. Wir? Vor allem was. Vielleicht Deutschland, Europa nun am Ganges zu verteidigen. Das versteht man doch, da hat kein Mensch Zweifel. Oder doch?

Ich bin gut und du bist böse!

Gut und Böse sind Werte, die schon unsere Vorfahren kannten. Die Nacht ist dunkel und bringt den Schrecken. Der Tag aber die warme Sonne zurück. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Dort verbrennt eine gnadenlose Sonne Mensch und Tier, die sich davon im schützenden Mantel der Nacht erholen.

Von Freundinnen bin ich oft als „Biest“ bezeichnet worden. Für (manche) Männer bin ich ein Albtraum auf zwei Beinen. Aber reicht das aus, um mich zu einem bösen Menschen zu machen? Ich selbst halte mich ganz selbstbewusst für gut.

Der Buddhismus kennt keinen weltimmanenten Dualismus von Gut und Böse. Dort kämpft kein „Teufel“ gegen einen „Gott.“ Der Mensch ist von Natur aus weder gut noch schlecht. Der Mensch ist das Produkt seiner karmischen Konditionierung. Im Positiven wie im Negativen.

Einzig die Menschen haben beide Wertbegriffe geschaffen. Keine überirdische Macht hat sie dabei geleitet. In manchen Religionen werden diese Werte absichtlich ausgenutzt, um klare (Feind)Bilder zu schaffen. Und plötzlich schlagen sich „Brüder“ die Köpfe ein.

Angeblich „gute Götter“ verlangen Blutopfer. Allein die Vorstellung, dass irgendein Gott eines Blutopfers bedarf, um Sünde vergeben zu können, zeugt von einem perversen, in jedem Fall aber infantilen Gottesbild. Das haben klar Menschen ihrer Zeit erschaffen. Viel geändert hat sich daran bis heute nichts.

In der Philosophie gibt es keine einheitliche Definition für Gut und Böse, da es sich um subjektive Wahrnehmungen handelt. Und Menschen können beides sein. Der strahlende Held, der als Arzt täglich Leben rettet und abends seine Frau verprügelt, die als Hausfrau gut ist und in Wirklichkeit (bösen) Sex mit der Nachbarin hat.

Der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau, hat es anders ausgedrückt. Für ihn ist der Mensch von Natur aus gut. Seiner Meinung nach ist die Gesellschaft und der Eigensinn, die zum Bösen führen. Ganz vorn: das Eigentum. Karl Marx hat es dann abgeschafft. Prompt sind Teile der Welt im (bösen) Staatsterror versunken.

Immanuel Kant sieht das auf seine Weise. „Der Mensch besitze die Freiheit, sich für das Gute oder das Böse zu entscheiden“, hat er gesagt. „Indem er sich für das Böse entscheide, verstoße er gegen das Sittengesetz, das mit Vernunft erkannt werden könne.“

„Das Böse“ hat mehrere Gesichter und tritt in vielerlei Gestalten auf. Sie heißen Lug, Trug und Mord und tanzen lachend um die Feuer. Der Mensch hat daraus den Teufel gemacht. Klar, es ist immer einfacher, die Schuld bei anderen zu suchen. Niemand will ein Mörder sein. Dieses Prädikat verdienen jene Politiker, die Krieg gegen andere führen. Um „Gutes“ zu tun, ist klar.

Das Problem mit dem Glück

„Glück, das haben immer nur die anderen!“, sagen viele Menschen und drehen sich jammernd im Kreis. Sie stimmen damit ein in jenen Abgesang, den schon die Philosophen sangen. Aber haben die wirklich recht? In der deutschen Sprache wird der Begriff „Glück“ in zwei sehr unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht:

1. Glück im Sinne von „Glück haben“
2. Glück im Sinne von „Glück empfinden“

Und mit „Glück empfinden“, haben viele Menschen ein Problem. In vielen Diskussionen der letzten Wochen, ist mir die negative Grundhaltung der Menschen aufgefallen. Zynisch-verbitterte Kommentare zu Beiträgen, haben mich nachdenklich gemacht. Liegt es wirklich nur an der Jahreszeit, oder ist es allgemeine Geisteshaltung? Sind die Deutschen ein Volk von Heulsusen geworden? Und war das schon immer so?

Nun ist es Fakt, dass Sonne und Licht das Wohlbefinden steigern. Die positiven Emotionen steigen, mit der Länge der Tage. Im Winter gibt es nur Dämmerlicht. Der Philosoph Aristoteles hat einst gesagt, dass der Mensch durch sein Handeln zu seinem Glück selbst beitragen kann. Also zünde ich im Winter eine Kerze an. Wo ist das Problem?

„Aber das ist doch kein Glück!“, höre ich nun meine LeserInnen sagen. „Glück hast du, wenn du im Lotto gewinnst. Oder, wenn du wie in deinem Fall, ein gutes Leben hast.“
Was dabei übersehen wird und was ich nicht oft genug betonen kann, ich habe in beiden Fällen aktiv zu diesem Glück beigetragen. Weder kann ich auf einen Lottogewinn hoffen, ohne eine Zahlenreihe zu tippen, noch wird das Leben mich verwöhnen, ohne den Schritt nach vorn. So und nicht anders funktioniert „Glück.“

Der Philosoph Demorkit nennt Freude und Frohsinn die einzig wahre Glückseligkeit. Und schon haben viele Menschen ein neues Problem.
„Wie soll ich Freude empfinden, wenn das Geld nie reicht“, höre ich. „Und ohne PartnerIn kann ich nicht glücklich sein!“
In beiden Fällen sind diese Menschen fremdbestimmt. Sie machen ihr Glück an anderen Faktoren fest. Und das wird so nicht funktionieren.

„Glück liegt in den Genen“, habe ich bereits gehört. Aber niemand wird als Glückskind geboren. Das gibt es nur im Märchen. Glück, glücklich sein, erfordert oft harte Arbeit. Den Zustand zu halten, aber noch viel mehr. Ein allzu glücklicher Mensch versinke schnell in Langeweile, haben Philosophen gesagt. Und da muss ich entschieden widersprechen.

Pascal Bruckner will das Glück entlarvt haben. In seinem Buch „Verdammt zum Glück“ gibt er sich skeptisch, ob der Begriff „Glück“ nicht völlig ausgehöhlt sei. Ein leeres Wort, ohne jeden Sinn. Das Streben nach Glück sei zum Diktat geworden und seine Erfüllung werde nur noch an äußeren Standards, wie Schönheit und Konsumgütern, gemessen.

Arthur Schopenhauer hält es für einen Irrtum, glücklich werden zu wollen. Nur durch Ausbildung der eigenen Persönlichkeit, durch Anstrengung und durch geistigen Reichtum sei das Dasein zu ertragen, hat er gesagt. “Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich sein ist der Weg”, hat Buddha gesagt. Und der war weiser, als alle Philosophen.

Nun bin ich keine Philosophin, aber ich habe (m)eine eigene Philosphie. Mein Leben dreht sich nicht im Kreis und ich jage keinem Glück hinterher. Ich lebe mein Leben aktiv. Mit Elfe. Und das ist mein Glück.

Wer mehr über Glück lesen möchte, der darf gern auch diesen Beitrag lesen: Ich kann nicht glücklich sein!

Nur der Wille zählt

Jeder Mensch hat einen Willen und ist in der Lage Entscheidungen zu treffen. Der Wille kommt von wollen sagt man. Und das ist so dumm wie falsch. Richtig ist: der Mensch hat einen Willen, der ihm ein freiheitliches Handeln ermöglicht. Aber nur in Grenzen.

Einen autonomen Willen zu haben heißt nicht, wir könnten machen, was wir wollen. Wäre dem so, wir würden empirischen Faktoren wie Lust und Neigung folgen. In Wirklichkeit machen wir die Gesetze, denen wir gehorchen, selbst.

Nun sehe ich schon meine LeserInnen verständnislos die Köpfe schütteln. Mayumi auf Drogen, oder durchgeknallt? Vielleicht einfach nur abgehoben, kreisend in Outer Space? „Faselei!“, wie Herr Kant zu sagen pflegte. Aber zugegeben hat mich der Philosoph Kant fasziniert.

Vielleicht steht auch die Frage im Raum, ob ich unter die Philosophinnen gegangen bin. Das kann ich klar verneinen. Wenn, so war ich dort immer schon, als kleine Schülerin der reinen Lehren von Ethik und Moral. Vermutlich lege ich sie anders aus, immerhin irrt der Mensch so lang er strebt.

Aber zurück zu den Gesetzen, zur Philosophie und dem (freien) Willen. Wenn wir heute das Wort Gesetz hören, so denken wir automatisch an einen Staat, eine Verfassung, eine Regierung. Vielleicht auch an die Justiz, an Gesetzeshüter. Und so falsch ist das nicht. Wir, die wir unsere eigenen Gesetze erlassen, sind sowohl Regierung als auch Ordnungsmacht.

Wir, die wir nach unseren Gesetzen leben, sind für uns verantwortlich. Aber sind diese Gesetze auch gut? Nein. Allein unser Wille ist es. Kant sagt dazu: „Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.“

Ist nun die Tat, die dem Willen nachfolgt, ebenso edel und gut? Die Almosen, die wir vielleicht einem Bettler geben? Nehmen wir an ein Paar – in diesem Fall Mann und Frau – ist in der Stadt unterwegs. Am Straßenrand sitzt ein Bettler. Die Frau, deren Herz der Anblick rührt, will ihm spontan (guter Wille) einige Münzen geben. Der Mann bemerkt dies und kommt ihr zuvor.

Kritische Beobachter der Szene werden nun sofort den Finger heben. Ich übergehe an dieser Stelle bewusst einige Punkte Kants, die für das Ergebnis nicht wirklich zählen und richte den Fokus auf Mann. Was waren seine Motive, das Geld zu spenden? War es wirklich sein guter Wille?

Die Antwort ist einfach, es ist ein klares NEIN. Es gab weder eine Neigung, noch eine Pflicht, das Geld zu geben. Allein die Hoffnung damit seiner Partnerin zu imponieren, um mehr Zuwendung zu bekommen. Die Handlung ist also nur in eigennütziger Absicht geschehen. Er will etwas erreichen.

Man könnte nun darüber diskutieren, ob er das aus taktischem Kalkül, oder doch aus Liebe tat. Gestehen wir ihm „In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten“, zu. Auch Männer können lieben.

Als ich vor Jahren einen alten Mann vor Schlägern rettete, habe ich das nicht in eigennütziger Absicht getan. Ich habe spontan gehandelt, mit meinem guten Willen. Ich tat es, weil ich es kann, weil ich eine Notlage erkannte und meiner Neigung zu helfen entsprochen habe. Es war mein Wille, mein Gesetz. Und das ist gut.

Nun sind nicht alle unsere „Gesetze“ nach ethischen Maßstäben richtig. Aber im Gegensatz zum Tier, haben wir die Freiheit uns zu entscheiden. Und wir haben einen Verstand. Leider benutzen wir den oft manipulativ. „Ich tue etwas, um etwas zu erhalten.“ Das ist Eigennutz.

Nicht ganz uneigennützig, habe ich nun diesen Beitrag geschrieben. Ich wollte meine LeserInnen erreichen. In guter Absicht versteht sich! Und dieser gute Wille ist alles, was zählt.

Die Lust als Lebensziel

Menschen haben Gefühle, Menschen haben Lust. Lust ist eine zuhöchst angenehme Weise des Erlebens. Bei Menschen gern gleichgesetzt mit Sex. Aber soll das wirklich alles sein? Ist der Mensch nur seinen Trieben unterworfen?

Jeder Mensch ist einzigartig und doch sind wir alle miteinander verwandt. Unser Verstand unterscheidet uns vom Tier. Auch, wenn sich manche Menschen mehr wie Tiere benehmen. Besonders im Hinblick auf Moral und die Sexualität. Aber diese Spezies lasse ich außen vor, sie gibt es nur in einer mir fremden Welt.

Der griechische Philosoph Epikur hat Lust als Lebensziel proklamiert. Nur hat der gute Mann damit nicht das Ausleben aller Triebe im Sinn gehabt. Epikur definiert Lust als Freiheit von Schmerz und Angst.

Nun sind manche Menschen Sklaven ihrer Lust. Ihr ganzes Leben und Streben dreht sich um Sex. Zur Ehrenrettung von Mann kann ich das auch auf Frau beziehen. Wobei der Prozentsatz ein sehr geringer ist. Fast schon vernachlässigbar, wie ich finde.

In (schlechten) Filmen wird gern die Femme fatale beschworen, die Männer verschlingende Frau. Lasziv und mit Intellekt ziehen solche Weibchen die Männer aus und lassen sich begatten. So mancher Held stirbt danach einen schnellen Tod. Samenraub der besonderen Art.

Aber das sind Extreme, die der Unterhaltung dienen. Auch wird die Promi-Frau gern von der Presse ausgeschlachtet, wenn sie Gefühle zeigt. Sofort werden ihr Affären angedichtet, oder eine lesbische Liebhaberin. Sex sells, das ist sonnenklar.

Epikur definiert Lust als Freiheit von Schmerz und Angst. Sei diese Freiheit vollständig erreicht, dann empfinde der Mensch eine Glückseligkeit, die der der Götter entspräche. Nun glaube ich nicht an Götter, aber das Glück ist mir bekannt. Und die Seelenruhe, die ich früher durch Meditation und Zen-Buddhismus erreichen wollte.

Heute bedeutet Glückseligkeit Liebe für mich. Liebe und Yuki, meine Frau. Nach Epikur ist für dauerhaftes Glück keineswegs angebracht, alles zu tun, was Lust erzeugt; vielmehr sei zu bedenken, ob die Folgen eventuell unangenehm seien. Epikur lehnt übermäßiges Essen ebenso ab wie Geschlechtsverkehr.

Das ehrt den Mann und beim Essen gebe ich ihm recht. Aber auf tägliche Küsse verzichten, das ist nicht drin. Nur Sex als Lebenszweck lehne ich ab. Da sind Yuki und ich uns einig. Sklavinnen unserer Triebe waren wir noch nie.

Epikur sagt klar, dass es kein ständiges Anwachsen der Lust gibt, sondern dass diese schon dann an ihre Grenzen kommt, wenn alles Schmerzvolle beseitigt ist. Begierden, die über das zum Leben Notwendige hinausgehen, müssen daher nicht befriedigt werden, um Lust zu erzeugen.

Ich vermute, dass Epikur wenig mit Frauen am Hut hatte. Ich widerspreche ihm zumindest in einer Sache. Die, der täglich gelebten Liebe, der kleinen Gesten, der Berührungen, dem liebevollen Kuss. Und davon kann ich nie genug bekommen. Nach dieser Lust bin ich süchtig, sie ist (m)ein Lebensziel.

Die Kritik der reinen Vernunft

Vernunft und Unvernunft liegen oft dicht beisammen. Fast möchte man sie Engel, oder Teufel nennen. Und auch in meiner Brust wohnen diese beiden munteren Gesellen, denen ich ausnahmsweise die männliche Form zugestehen mag. In mir hat ein Kampf getobt, der keinen Sieger kennt. Vernunft trifft auf Unvernunft. Wers lesen mag, der folge nun meinen Zeilen. Wer nicht, der gehe seiner Wege. Alles gut.

Was aber ist die Vernunft, was will uns dieses Wort nun lehren? Ich zitiere nachfolgend Immanuel Kant, den vielleicht wichtigsten Philosophen. Bei der Vernunft unterschied Kant zwischen der („reinen“) theoretischen und der praktischen Vernunft. Die theoretische Vernunft ist die Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen, sich selbst zu prüfen und unabhängig von der Erfahrung zu den apriorischen Vernunftsideen (Seele, Gott, Welt) zu gelangen.

Die theoretische Vernunft hat mich schon immer begleitet. Ich war mir selbst stets die beste Analytikerin. In dieser Funktion liege ich nun mit mir selbst auf der Couch und höre meinen Gedanken zu. Ich hinterfrage mich und meine Ziele. Nie lange und immer sehr direkt. Zögern, das machen nur die anderen. Ich verharre nur kurz und stürme dann davon.

Meine welt ist bunt, geprägt von Elfen, BWL und einem Regenbogen. Die Welt ist, die Dinge sind. Alles was ist nennen wir Seiendes. Auch die alltäglichen Dinge des Lebens. Die können erfreulich, oder nützlich sein. Ein Geschenk, ein Wagen, auch Auto genannt. All dies nennen wir ist. Zu allem was ist verhalten wir uns. Die Frage ist nur wie und warum. Beantworten kann ich die Frage nicht, das konnte Kant viel besser.

Nur hatte Kant mindestens den 10. Dan in seinem Fach, um einen Vergleich mit Karate zu wagen. In der Philosophie bleibe ich die kleine Schülerin. Mit vielleicht einem lichten Moment. Aber es sind Kants Thesen, die ich meisterlich für mich verwende. Seine Worte helfen. Nur, wo hört Kant auf und wo fängt Mayumi an?

Ich habe nachgedacht und das sehr intensiv. Laut Kant ist der Verstand das zentrale Maß aller Erkenntnis. Jede Erkenntnis besteht aus Sinnlichkeit (Wahrnehmung) und Verstand, denn die Sinnlichkeit ist auf den Verstand angewiesen, und der Verstand auf unsere fünf Sinne.

Und auch mir ging ein Licht auf. Nicht plötzlich, kein „Heureka – Ich hab’s!“ Es war ein wochenlanger Denkprozess. Das Ergebnis lest ihr hier. Ich habe mein Verhalten auf den Leistungsprüfstand geschleppt. Mayumi, die Turbofrau. Immer ungebremst durchs Leben. Aber niemals gegen die Wand. Unfälle bauen nur die anderen. Und die haben keine Rennlizenz.

Nach einigen Durchläufen dann die Analyse. Und die Erkenntnis wog schwer. Um den Verstand drehen sich die erkannten Gegenstände. Und zwar so, wie wir sie sehen und nicht wie sie in Wirklichkeit sind. Mein Blick fiel auf Zahlen. Aber Statistiken und Top-Speed als Lebenszweck? Zahlen, Namen, Artikel – ein Blog. Felgen, Motor, Farbe – ein schneller Wagen.

Anders als bei Kant, hat sich mein Verstand um nichts anderes mehr gedreht. Und das habe ich nun klar und mit Vernunft erkannt. Ich habe eine Erfahrung gemacht und eine Erkenntnis gewonnen. Und ich übe Kritik an meinem Verhalten, das von Zugriffen und Schnelligkeit geprägt worden ist.

Die Vernunft kann nur das an der Natur (an Dingen) erkennen, was sie vorher in sie hineindenkt. Blog und Auto haben sich nicht verändert. Sie waren da. Einfach. Aber meine Gedanken sind zu schnell gekreist. Mein Fazit: Langsamer komme ich auch zum Ziel. Was das bedeutet wird die Zukunft zeigen. Bis dahin lese ich den „Kategorischen Imperativ.“ Und ihr habt mich hoffentlich verstanden. Oder etwa nicht?

Von Freund und Feind

FreundInnen fragen mich immer wieder, wie mein Verhältnis zu China und Korea ist. Diese Frage mutet vielleicht seltsam an, macht aber für Japaner durchaus Sinn. Die Geschichte der drei Völker ist von Hass und Gewalt geprägt, was ich leider nicht verstehen kann. Und damit habe ich vermutlich vorab jene Frage schon geklärt. Aber ich möchte noch mehr zu dem Thema sagen.

China ist für mich ein faszinierendes Land. Die Geschichte, die Kultur, ist einzigartig. Die Japaner haben viel von China übernommen, aber auf japanische Bedürfnisse angepasst. Ob das nun immer besser war, ist schwer zu sagen. Kanji-Zeichen funtionieren in China sehr gut. Chinesen brauchen keine zweite, oder gar dritte Schrift. Nur die Japaner hatten eigene Ideen und das Hiragana und Katakana erfunden. Und an den Kanji-Zeichen haben sie auch gebastelt, was zu einigen Verwirrungen führen kann.

Die alten Japaner waren nicht immer sehr nett zu anderen Völkern. Daran führt kein Weg vorbei. Schuldig an Kriegen fühle ich mich nicht. Warum sollte das so sein? Ich lebe im „Hier und Jetzt“ und nicht vor tausend Jahren. Irgendwann werden wir China besuchen und auf den Spuren von Kaisern und Philosophen wandeln.

Das Talent der Japaner Dinge zu übernehmen ist unbestritten. So auch geschehen mit Kung Fu. Das heißt heute in Japan Karate. Wirklich besser ist es nicht. Nun kann ich den Aufschrei in Japan förmlich hören und auch bei glühenden Karate-Verfechtern in aller Welt. Aber das ist mir egal. Ich kenne beide Welten sehr gut. Letztlich kommt es immer auf den Menschen an. Ein schlecht trainierter Karate-Schüler, wird einem Meister des Kung Fu immer unterliegen. Und umgekehrt. Das wars. Ein ultimatives System gibt es in der Kampfkunst nicht.

Von Korea weiß ich nicht sehr viel. Nur, dass dort nette Menschen leben, die tolle Filme machen. Und ich kenne Taekwon-Do. Gespanntes Verhältnis meinerseits zu Koreanern? Fehlanzeige. Sieht man von den beiden jungen Koreanern ab, die Yuki und mich im Asia-Shop angemacht haben. Aber das war ein Einzelfall und meine harten Worte eine typische Mayumi Anti-Mann-Reaktion.

Für mich gibt es keine „bösen“ Nachbarn, oder gar verhasste Völker. Mein Feindbild war lange ausschließlich Mann. Aber der hatte keine Nationalität. Heute sind es meist PolitikerInnen und JournalistInnen. Und alle homophoben Menschen. Gegen die stehe ich auf. Zur Not mit Wort und Tat.

Für mich sind Chinesen und Koreaner Freunde. Aber Franzosen und Engländer auch. Auch Polen, oder Russen. Wo ist das Problem? Gemeinsam können wir so viel mehr erreichen, als wenn wir uns bekriegen. Ich stehe lieber im friedlichen Wettstreit um die schönsten Worte, als einen Krieg mit Fäusten zu beginnen.

Lebenswege

Die (japanische) Sagenwelt ist voll von Mythen und Kreaturen, denen kein Mensch je wirklich begegnen mag. Auch in Europa ist das nicht anders. Hier waren es vor allem Vampire und Werwölfe, die das Denken von Menschen bestimmten. Nun sind Sagen und Mythen eine Sache. Etwas ganz anderes sind real existierende Gefahren. Wir begegnen auf unserem Weg durchs Leben, den unterschiedlichsten Charakteren. Manche sind echte Frohnaturen, denen nichts und niemand jemals die Laune verderben kann. Andere sind Denker, Philosophen. Dann gibt es die Kämpfer und die Verlierer, um nur einige Kategorien zu nennen.

Für mich besteht das Leben aus Wegen und Kreuzungen. Wege können breit und schmal, steinig und steil, aber auch sehr verschlungen sein. Ich für mein Teil schaue mir nicht nur den Weg an sonderrn achte auch auf den Wegesrand. Dort gibt es Schönheit und Glück, aber auch abstoßende Dinge, wie Krieg, Hass und Niedertracht, zu sehen. Eine Gefahr die wir oft übersehen begegnet uns an den Kreuzwegen. Dort tummelt sich oft allerlei seltsames Volk. Mancher mag dort nur kurz rasten. Andere verweilen länger. Sie sind vielleicht Wegweiser, Helfer in der Not. Sie begleiten uns auch dann und wann ein Stück. Aber sie sind nicht für immer in unserer Nähe, das sind oft nur die Wegbegleiter. Und dann gibt es die Gruppe der Verlorenen. Menschen, die nicht nur die Orientierung sondern auch den Lebensmut verloren haben. Ich möchte sie Seelenvampire nennen, wobei ich diesen Begriff nicht selbst geprägt habe.

Seelenvampire sind Menschen, die kein eigenes Leben mehr haben. Wie die Vampire aus den Sagen haben sie einen untrüglichen Instinkt. Und sie sind oft nicht als Vampire zu erkennen. Anders, als ihre die Sonne scheuenden Verwandten sind sie auch bei Tageslicht unterwegs. Sie saugen ans uns, unserem Glück, wollen daran teilhaben. Daran ist nicht grundsätzlich etwas falsch. Schlimm wird es nur, wenn wir uns auf diese Sauger zu sehr einlassen. Denn Grenzen kennen diese Menschen nicht! Sie brauchen wie jeder Süchtige immer mehr und mehr von ihrer Droge. Was letztlich von uns übrig bleibt ist dann nur noch eine ausgebrannte Hülle. Ein weiterer blutleerer Körper, der hilflos durchs Leben taumelt und an eben jener Kreuzung verharrt, um nun selbst zu saugen.

Das mag alles sehr verallgemeinert klingen, trifft aber durchaus zu. Wir alle stehen manchmal an einem Scheideweg. Und auch wenn wir wissen wohin die Reise geht, so trifft das nicht auf alle Menschen zu. Aber dürfen wir Menschen die uns nahestehen einfach ihrem Unglück überlassen? Was soll man mit einem Menschen machen, der aus seiner Agonie nicht erwachen will, der im Meer der Tränen schwimmt, ohne das rettende Land zu sehen? Es ist nur einen Schritt entfernt! Jeder kann diesen Schritt gehen, nur der Seelenvampir nicht. Er stürzt sich auf jeden ahnungslosen Wanderer, um mehr von seiner Droge zu bekommen. Ich habe für mich an diesem Wochenende einen Schlußstrich gezogen und einer Jugendfreundin Lebewohl gesagt. Dabei war ich ziemlich drastisch! Anders ging es einfach nicht. Ich mochte nicht länger an mir saugen lassen. Sie wird an meinem Abschied nicht zu Grunde gehen. Irgend ein anderes Mädel wird für mich in die Bresche springen und ihr Geld und Zuwendung geben. Mein Lebensweg ist das zumindest nicht. Der führt nach vorn und nicht zurück.