Sex ist nicht verhandelbar

Mein Blogger-Kollege Bernd „The Musicman“, auch Red Skies over Paradise genannt, hat in einer Antwort einen Satz geprägt, der auf Unbehagen bei mir trifft. „Sex ist verhandelbar“, schrieb er salopp und hat das so nie gemeint. Aber was ging diesem Satz voraus und hat die Frau von heute vielleicht weniger Lust?

Ein Fall für Frau Dr. Landar, Sexpertin und Erklärbärin par Excellence. „Unter einer Partnerschaft versteht man eine gleichzeitig sexuelle und soziale Gemeinschaft zwischen zwei Menschen“, heißt es bei Wikipedia. Aber soll das schon alles sein? Hormone treffen auf Pheromone. Biologische Pflicht erfüllt.

Einspruch und harter Schnitt, wie nun Regisseure sagen. Wo bitte bleibt die Liebe? Natürlich ziehen uns andere Menschen (auch) körperlich an. Vor allem, wenn sie ausgezogen sind. Also nicht um Beute zu machen. Aber das habt ihr schon gewusst. Ironie off, jetzt geht’s zur Sache.

Auch Männer haben Gefühle, das war schon immer so. Gefühle, die sich auf wenige Zentimeter konzentrieren. Kleinhirn an Penis: Rammeln!
„Hören Sie doch endlich auf mit Ihrer Männerhetze, Frau Dr. Landar“, höre ich nun männliche Leser stöhnen. „Die kann Mann ja kaum ertragen!“
Aber ertragen muss den Mann die Mehrheit der Frauen. Wörtlich und emotional. Radikale Feministinnen bezeichnen Männer als emotional verkrüppelt, was ziemlich starker Tobak ist. Weiter heißt es: Männer benutzen Frauen als Befriedigung ihrer Lust, um (hormonellen) Druck abzulassen. Und das kommt der Wahrheit schon sehr nahe.

Frauen denken und fühlen anders. Das ist nun mal so, daran führt kein Weg vorbei. Wir gehen in einer liebevollen Partnerschaft auf und bringen uns zu 100 % darin ein. Sex spielt dabei oft die Nebenrolle. Klar wird er gern genommen, wenn alle Faktoren stimmen. Aber verhandelbar ist er nicht!

Sex als Ware? Bei dem Satz werde ich sofort hellwach und ziemlich wild! Nur versuche ich auch die Seite von Mann zu sehen und warum er ist wie er nun mal ist. Ich stelle mir vor, dass meine Frau keinen Sex mehr mit mir will. Lieber schmust sie und wandert mit mir. Reicht mir das als Lesbe aus?

Nun war ich noch nie in dieser Situation. Aber es gibt lesbische Paare, die eine tiefe Liebe verbindet und bei denen Sex so gut wie keine Rolle mehr spielt. Keine dieser Frauen käme nun auf die Idee zu einer (Zwangs)Prostituierten zu gehen, oder die Partnerin zu betrügen. Was ich von Freundinnen weiß: Bekommt Mann lange keinen Sex wird er das tun. Siehe „Die Akte Vanessa.“

„Pauschalaussagen, Klischeedenken!“, höre ich den Einspruch von Mann. Und: „Das muss man differenzierter sehen!“ Wie denn meine Herren?

Ein Fall aus dem Leben und genau so passiert: Eine Kommilitonin, die ich als weitläufige Bekannte sehe, ist ihren Weg als Frau gegangen. Super Abschluss, Blitzkarriere beim Discounter. Heute ist sie Frau Bezirksleiterin. Mann, Heirat, Haus und nach 5 Jahren die Scheidung. Rosenkrieg inklusive. Was ist passiert?
Nicole, wie ich sie nennen mag, hat für den Job gelebt. 16 Stunden Tage, oft todmüde ins Hotel. Am Wochenende wollte sie nur schlafen. Sex hatte sie so gut wie nie. Dafür jede Menge Geld für Autos und neue Computer damit der Göttergatte spielen kann. Der war ja „nur“ Autoschlosser und fühlte sich zurückgesetzt. Druck ließ er bei Ballerspielen und später bei Geliebten ab. Eine bekam ein Kind und prompt hat er Nicole verlassen.
Von Liebe reden wir nicht mehr.

Was hat Nicole falsch gemacht in ihrem Leben? Alles, oder nichts? Sie hat sich verwirklicht und ihrer Familie ein gutes Leben gegeben. Dabei gab sie mehr als nur 100 %! Ihr Mann hat gern genommen, Geld ist offenbar immer gut. Spaß hatte er mit anderen, die  williger für seine Stöße waren. Und schon wird mir wieder schlecht.

Er hat falsch gemacht nicht mit Nicole zu reden. Für richtige Argumente ist Frau sehr empfänglich. Nur auf die Weise ist „Sex verhandelbar.“ Die Nummer „Bück dich, ich will mit dir reden!“, dagegen nicht.

Ich lasse Yuki den Artikel lesen. Sie überlegt kurz, nickt und Schalk blitzt in ihren Mandelaugen.
„Los jetzt“, sagt sie plötzlich. „Ich will geilen, wilden Sex mit dir!“
Lächelnd gehe ich zum Kühlschrank und hole zwei Schoko-Desserts. Das war ein Gaumenorgasmus, was will Frau noch mehr?

Nimm dir was du willst

„Nimm dir was du willst“, habe ich bewusst als Überschrift gewählt. Ich will damit provozieren und den Typ Mensch aufzeigen, der sich ohne Rücksicht alles nimmt. Lesbische Partnerschaften sind in der Beziehung nicht so viel anders, als das Hetero-Modell. Wobei man das deutlich differenzierter sehen muss, als die Liebe zwischen Frau und Mann.

Geben und Nehmen sind zwei Worte, die eigentlich Geschwister sind. Sie gehören zusammen, wie Tag und Nacht. Und so verschieden sind sie auch. Geben, das ist der helle Tag. Die Sonne, die uns neues Leben schenkt. Nehmen ist die Nacht. Sie nimmt uns das Licht, die Wärme. Ganz unphilosophisch will ich heute einen Blick auf menschliche Beziehungen werfen. Vor allem auf das Ungleichgewicht, wenn es um Geben und Nehmen geht.

Im Idealfall herrscht ein Gleichgewicht. Balance ist bekanntlich immer gut. Beide Partner achten also darauf, dass ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen besteht. So viel zur Theorie, die Realität sieht zum Teil völlig anders aus. Nüchtern betrachtet gibt es keine perfekte Partnerschaft.

Fast niemand in einer Beziehung wird sich eingestehen, dass „er“, den Hauptanteil daran trägt. Zum Teil wird sie einfach schön geredet, zum Teil liegt eine Wahrnehmungsverzerrung vor. Aus reiner Gewohnheit, oder purem Egoismus, nimmt oder gibt ein Partner immer mehr. Aber warum ist das so?

Psychologen unterscheiden die Menschen in Geber und Nehmer. Sie lassen in dieser Hinsicht kein „Aber“ gelten. In fast allen Partnerschaften gäbe es Phasen, so die These, in denen ein Partner mehr für die Partnerschaft, als der andere tue. Jeder könne das selbst überprüfen.

Ein Blatt Papier, ein Stift, zwei Spalten: Soll und Haben. (Geben und Nehmen) Ehrlichkeit vorausgesetzt zeige sich sehr schnell, wer mehr nimmt und wer mehr gibt. Und plötzlich zeige sich, wo die Beziehung wirklich steht. Mag es jemand testen?

Menschen nutzten andere Menschen oft bewusst aus, heißt es weiter. Für sie sei eine Partnerschaft lediglich ein sicherer Hafen, in dem der andere Partner für Essen, Kleidung und Wohlbefinden sorge. Und das in jeder Form. Harmonie ist anders. Und eine solche Partnerschaft ist nicht erstrebenswert.

Liebe kann für manche Menschen harte Arbeit sein. Von selbst wird sie nicht bleiben. Ist die erste Verliebtheit gewichen, wird von den Partnern oft Resümee gezogen. Die Aufmerksamkeit schwindet, es fallen böse Worte und auch der Sex bleibt aus. Den sucht man dann bei anderen Partnern. Und das Spiel beginnt von vorn.

Auch in reinen Frauen-Partnerschaften kann es eine klassische Rollenverteilung geben. Und Formen häuslicher Gewalt. Testosteron ist nicht immer der Auslöser für Prügelattacken. Auch Frauen schlagen andere Frauen. Und das ist nicht wirklich gut. Die Dunkelziffer ist sehr groß. Nur wenige Frauen suchen Hilfe, oder gehen zur Polizei. Geben und Nehmen wird hier falsch verstanden. Liebe ist das nicht. Nur noch Kontrolle und Macht.

In gewisser Weise ist eine Partnerschaft wie ein Geschäft, eine Bank. Beide Partner bringen ihr Kapital ein und hoffen nun auf Zinsen. Und die darf man auch getrost erwarten. Nur nicht im Übermaß abheben, damit kein Ungleichgewicht entsteht. Defizite zwischen Menschen sind nur schwer zu korrigieren.

Im Idealfall wird sich das eingebrachte Kapital mehren. Die Zinsen können Kinder, Glück und Immobilien sein. Nun kann man Glück kaum greifen und es ist auch ein gar flüchtiges Gut. Aus dem Glück von heute kann das Unglück von morgen entstehen. Das aber auch in Bezug auf Kinder und das Einfamilien-Reihenhaus.

In einer wirklich harmonischen Beziehung gibt es kaum Probleme. Aufmerksamkeit und Respekt vorausgesetzt, wird auch die Liebe nie weichen. „Nimm dir was du willst“, kann aber nie die Lösung sein. „Ich gebe dir die Hälfte ab“, schon eher. Mag jemand teilen?