Angst ist nur ein Gefühl

Wer von sich behauptet keine Angst zu kennen, den nehme ich nicht ernst. Angst kennt jeder Mensch, Angst ist ein Grundgefühl des Lebens. Angst tritt immer dann auf, wenn situationen als bedrohlich empfunden werden. Aber eine Bedrohung kann vieles sein. Angst vor der Klausur, Angst vor dem Verlust geliebter Menschen. Angst ist also ein Teil unseres Lebens. Nur beherrschen sollte sie uns nicht.

Leider ist genau das immer häufiger der Fall und betrifft nicht selten Frauen. Schon junge Mädchen haben ein falsches Selbstbild und halten sich für zu dick, oder zu dünn. Sie entsprechen nicht der Norm, die andere angelegt haben. Und schon beginnt die Angst. Einmal ausgelöst bleibt sie oft lebenslanger Begleiter und bohrt sich tief in den Verstand.

Die Frau, der Mensch wird stets Angst vor etwas haben. Vor Arbeitslosigkeit und Verlust. Aber auch Männer kennen Angst, wenn auch vermutlich aus anderen Motiven. Letztlich mündet diese Angst aber in Angst vor dem Leben, in einem verlassen des Wohlfühlzone. Und auch das gibt mir zu denken. Was bitte ist mit den Menschen los?

Das Leben ist für mich (m)eine Wohlfühlzone. Ich bin mittendrin statt nur dabei. Verlasse ich diese Zone bin ich tot. Wenn auch nicht im wörtlichen Sinn. Leben bedeutet Glück, Aufregung und Lachen. Aber auch Wut und Trauer gehören dazu. All das sind Gefühle, wie die Angst. Und Angst vor der Angst zu haben, das braucht kein Mensch.

Ein Satz geht mir seit gestern nicht mehr aus dem Kopf. Und das gibt mir zu denken. „Das Leben geht dahin, wo die Angst sitzt“, schrieb eine andere Bloggerin. Eine Kollegin hat genau diesen Satz zu ihr gesagt. Spontan fallen mir die Worte Angststörung und Panikattacke ein. Aber warum haben Menschen diese krankhaft übersteigerte Form der Angst? Darauf habe ich keine Antwort, ich kenne nur Mittel und Wege gegen Angst.

Angst ist nur ein Gefühl, hat ein kluger Mensch gesagt. Und da stimme ich zu. Angst kommt und geht, aber sie ist in meinem Haus kein Dauergast. Wobei ich Angst für mich anders definiere. Nehmen wir die alles entscheidende Klausur. Ich habe gelernt und beherrsche den Stoff. Warum also sollte ich mich fürchten?  Natürlich bin ich aufgeregt, aber Angst ist das nicht. Bei mir ist das eher Ungeduld, ich weiß das Gefühl „Angst“ positiv zu nutzen. Und das kann jeder Mensch.

Ist nun die Angst ein Gegner, den man besiegen kann und muss? Ich kann die Angst nicht endgültig besiegen, aber wie im Aikido ihre Kräfte nutzen. Die Angst lähmt mich nicht, sie motiviert meinen Geist. Ich nutze den Schwung der Aufregung, um meine Ziele zu erreichen. Einen Kampf zu führen, seine Kraft zu verschwenden, das lohnt meist nicht. Aber wie nutze ich die Kraft dieses scheinbar so überlegenen Gegners aus? Geht das überhaupt?

Miyamoto Musashi, Japans größter Samurai hat folgendes in seinem Buch der fünf Ringe geschrieben: „Der Gegner ist als »Ehrengast« zu betrachten. Man muß bereit sein, das eigene Leben als unwesentlich zu erachten und die Furcht abzulegen.“ Wenn die Angst kommt, so nehme ich sie an und stelle mich ihr. Ich erkenne, dass sie keine Macht hat und verharre nicht in Agonie.

In (schlechten) Filmen werden Frauen gern als kreischende Wesen dargestellt, die voller Todesangst erzittern. Von Emotionen getrieben stolpern sie in Panik davon und verlieren im entscheidenden Moment den Autoschlüssel. Ich will die Frau dann packen und rufen „Schwester, bleib doch stehen! Denk nach, atme, nimm den Gegner an. Er ist nicht überlegen, er nutzt nur das Gefühl der Angst. Und das kannst auch du.“