Ich lieb dich nicht – Du liebst mich nicht!

„Du liebst mich nicht!“, ist ein Vorwurf, den Frauen gern gebrauchen. Meist gegenüber Mann. Aber auch bei Lesben stehen die Worte hoch im Kurs und sorgen für so einige Verstimmungen. Nun ist Liebe mehr, als nur ein schönes Wort. Und die ach so tollen Pheromone wirken auch nicht immer.

Sieht man von der reinen Wissenschaft ab, den Hormonen und biochemischen Prozessen, so wird die Liebe schnell zum Phänomen, das kaum jemals zu erklären ist. Herr Freud hat es versucht und auch Herr Jung. Richtig gut war Erich Fromm, Peter Lauster hat nur abgeschrieben. Gelesen habe ich viel, nur die Liebe nie gefunden.

Meine erwachende Sexualität fand schnell ihr Gegenstück. (Neu)Gierige Frauen gab es mehr als genug. Ich habe die Zeit spielerisch genossen und viel geliebt. Aber wahre Liebe ist anders, das habe ich schon als Teenager begriffen. Und egal mit welcher Frau ich zusammen war, immer fehlte mir die letzte Konsequenz.

Nun war es nicht so, dass ich keine Gefühle eingebracht hätte. Eine Mayumi liebt niemals auf Distanz. Und doch habe ich diese Liebeleien kontrolliert. Das Ende war stets in Sicht. Meine Freundinnen konnten unterschiedlicher nicht sein: Studentin, Bedienung aus der Disse und auch eine Ehefrau. Aber untreu ist anders, sie lebte getrennt.

Was mir schon damals negativ auffiel, war das Selbstbild vieler Frauen. „Ich bin zu dick“, fand eine. Oder „Meine Beine sind zu kurz.“ Die eigene Person zu hinterfragen, ist eine durchaus achtbare Qualität. Aber nicht täglich und alle paar Minuten. Selbstzweifel zerstören oft das Glück.

Bestimmt kennt jeder den Namen Narziss und weiß was er bedeutet. Anders, als besagter Jüngling, war ich nie in mein Spiegelbild verliebt. Ich bin aber körperbewusst aufgewachsen und wusste immer um mein Selbst. Und das hat hat sich in meinem (überlegenen) Selbstwertgefühl gespiegelt. Karate und Zen-Buddhismus wiesen mir den Weg.

Zweifel an mir hatte ich kaum. Und wenn, so bestanden sie nie lange. Diese Liebe zu mir, hat sich in meinen Beziehungen ausgedrückt. Ich hatte mich akzeptiert, wie ich bin. Daher konnte ich auch Liebe geben. Zumindest in einer reduzierten Form. Aber selbst die ist unbeschreiblich intensiv. Halbe Sachen machen nur die anderen.

Frau hat mir vorgeworfen, dass ich eine verwöhnte, egoistische Zicke sei, die andere nur ausgenutzt habe. Aber zum Sex gehören immer zwei Personen. Und was kann ich dafür, wenn mir die Hete im Kaufhaus schöne Augen macht? Und es ist kaum meine Schuld, wenn ihr Freund mit seinen Kumpels saufen geht und sie meine Küsse sucht.

Liebe ist ein schönes Wort. Und ich habe mich schon immer geliebt. Aber seit ich Yuki kenne weiß ich, was Liebe wirklich ist. Und egal ob Hormonschwankungen, oder angeblich nachlassende Oxytocin-Konzentration, an unserer Liebe hat sich nichts geändert. Im Gegenteil ist sie noch stärker geworden.

Yuki ist die scheinbar Schwächere und hat durchaus ihre Zweifel an sich gehabt. Aber auch sie hatte sich akzeptiert und ist ihren Weg gegangen. Diese ewigen Selbstzweifel vieler Frauen, die kennt sie nicht. Auch wenn sie unser Gewicht stets hinterfragt. Dabei war sie früher „die Dicke(re).“

„Du liebst mich nicht!“, hat auch Yuki schon zu mir gesagt. Aber ihr Elfenlachen folgt auf dem Fuß. Und ich sage ihr fast täglich, was ich für sie fühle. Und sie zahlt es mir zurück. Mit liebenswerten Frechheiten versteht sich. Was habt ihr denn nun gedacht?

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Kuschelhormon macht Männer froh und Frauen glücklich

Ich wusste immer schon, dass ich anders bin. Aber seit heute weiß ich es ganz genau. Schuld daran ist erneut der SPIEGEL. Nicht der im Badezimmer! Der SPIEGEL schreibt heute über das Kuschelhormon Oxytocin. Es mache die Partnerin attraktiver, heißt es in dem Bericht. Zwar ist der Artikel auf Mann zugeschnitten und erklärt ausführlich warum das so ist, aber Oxytocin kenne ich schon lange. Frauen haben wesentlich mehr davon. Sie produzieren es wenn sie sich verlieben, Sex haben, oder ein Baby stillen. Laut Dr. Lauren Costine gibt es bei lesbischen Paaren aber ein wesentliches Problem, das hetero Paare nicht in dem Maß haben. Angeblich sinke bei Lesben der Oxytocin Spiegel bereits nach wenigen Monaten dramatisch, bis die Produktion des Hormons völlig eingestellt wird.

Natürlich bin ich schockiert.
Liefert Dr. Costine hier die ultimative Erklärung für das (eher seltene) Scheitern von lesbischen Paaren?
Ich überlege wie lange ich Yuki kenne. Es sind bereits mehr als 5 Jahre. Seit 3 Jahren leben wir zusammen. Im Oktober 2013 haben wir geheiratet und ein Ende unserer Liebe ist nicht in Sicht.
Dr. Costine hat ihre eigene Theorie. Nach ihrer Meinung gibt es einen „Burn Out“ der Liebe bei lesbischen Frauen, die sich nach dem kennenlernen täglich sehen. Es bedürfe eines Date Plans. Nach dem Ende der ersten Verliebtheit gäbe es ohnehin nur zwei Frauen, die die jeweiligen Fehler der anderen sähen.
Das will ich genauer wissen.
„Warum liebst du mich eigentlich?“, frage ich Yuki unvermittelt. „Gehen dir meine Fehler nicht manchmal auf die Nerven?“
Yuki schaut mich erstaunt an.
„Welche Fehler? Und was soll die Frage nun wieder?“
Ich erzähle ihr von Oxytocin und Dr. Costine.
„Habe ich dich jemals genervt?“, will ich wissen. „Gibt es irgendetwas, dass dich an mir stört?“
Yuki schenkt mir ein elfenhaftes Lächeln.
„Außer, dass du nicht kochen kannst …“
Weiter kommt sie nicht, ich halte ihr den Mund zu. Prompt beißt sie mir in die Hand.
Wir müssen lachen.

„Ich glaube diese Studien verallgemeinern viel zu sehr“, sagt Yuki. „Außerdem sind wir keine Amerikanerinnen. In den drei Jahren USA habe ich gelernt, dass die Menschen dort recht oberflächlich und schnelllebig sind. Freundschaften dauern manchmal nur 2 Tage, danach kennen sie dich nicht mehr. Und mit Oxytocin hat das bestimmt nichts zu tun.“
„Du meinst also es handele sich dabei um ein rein amerikanisches Phänomen?“, frage ich.
„Das nicht“, erwidert Yuki. „Aber ich glaube Japaner und Deutsche sind anders. Es kommt bestimmt auch auf die Menschen an. Wie sie sind, ihre Persönlichkeit.“
„Aber sind unsere Gefühle noch so stark wie damals?“, will ich wissen. „Oder haben sie sich verändert, haben wir uns verändert?“
„Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht vorstellen“, sagt Yuki. „Klar kribbelt es nicht so stark wie damals auf dem Konzert, als wir stundenlang geredet haben. Dafür anders. Und ich mag keinen Tag mehr ohne dich sein.“
Ich fühle wie mein Herz vor Rührung schneller schlägt und kitzele Yukis Füße.
„Kribbelt es jetzt wieder mehr?“, frage ich leise.
Sie kreischt und zieht die Beine an.
„Biest!“, ruft sie in gespielter Empörung.

Vermutlich hat Dr. Costine durchaus Recht mit ihrer Studie. Aber die von ihr angesprochenen Probleme haben wir nicht. Unsere Verliebtheit ist wirklicher Liebe gewichen. Und wir verlieben uns ständig neu ineinander. Vielleicht sind wir die Ausnahme von der Regel, zumindest aber anders. Oxytocin als Nasenspray wie Mann brauchen wir zumindest nicht. Wir kuscheln auch ohne „Drogen.“ Und Treue war für uns nie ein Thema. Wir sind es. Und es ist gut so. Bei Mann bin ich mir nicht so sicher. Vielleicht gäbe es mehr glückliche Hetero-Ehen wenn Mann sprüht. Auch Deo.