Der Ölprinz

Bedient mit „Q3“ und „370Z“ wollte ich eigentlich keinen weiteren Autotest mehr machen. Aber manchmal kommen die Dinge anders. Und Tuning ist nun mein neuer Nebenjob. Dazu in Kürze mehr. Zwar habe ich keine Ausbildung auf diesem Gebiet, aber auch keine Hemmungen, um selbst Hand anzulegen. Und nach einigen Jahren Interesse auf dem Gebiet kann selbst ich schon an getunten Wagen schrauben. Aber ich soll ja nur fahren. Und das kann ich gut. Das Objekt der Begierde ist ein alter Bekannter. Oder besser gesagt, der jüngere Bruder. Warum müssen Autos immer männlich sein?

Audi A6 Avant 3.0 TDI quattro heißt der Wagen. Und er ist strahlend weiß. 313 Diesel-PS schieben den Wagen in knapp über 5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Und stolze 650 Newtonmeter pressen den Fahrer in den Sitz. Aber das ist Serie und voll langweilig, wie Wolf grinsend erzählt.
Gut gelaunt im Overall steht er neben mir und wedelt mit Papieren.
„Wir müssen der Konkurrenz zeigen, wo der Hammer hängt“, erklärt er mir. „Die hat den Avant schon auf 360 PS gebracht. Aber wir wollen mehr.“
Im Endeffekt ist der 3.0 TDI die Diesel-Variante des RS 6. Zwar mit weniger Technik ausgerüstet, aber das ist manchmal mehr.
„Das wird unser Ölprinz“, prägt Wolf den Titel meines Blogs. Und erklärt mir gleich noch woher der Name stammt.
Wo sind nur all die Indianer?

Wir unterhalten uns über die Tuning-Möglichkeiten und wie man es falsch, oder richtig macht.
Ich spreche Wolf auf die externen Steuergeräte an, die man bei diversen Firmen auch übers Internet erwerben kann.
„Das ist Chiptuning für Arme“, winkt er sofort ab. „Dem richtigen Steuergerät werden durch diese Zusatzboxen lediglich falsche Werte vorgegaukelt und so der Einspritzdruck erhöht. Seriöse Tuner geben sich damit nicht ab.“
„Was genau ist der Nachteil?“, will ich sofort wissen.
„Du veränderst damit die technischen Daten eines Wagens“, erwidert Wolf. „Mehr Leistung, höhere Geschwindigkeit, aber auch höhere Abgaswerte. Und wenn du das nicht eintragen lässt erlischt gleich noch die Betriebserlaubnis. Außerdem ist es Versicherungsbetrug. Von möglichen Schäden an Motor, Getriebe und Elektronik ganz zu schweigen.“
Weniger ist wirklich oft mehr.

„Aber was genau verursacht diese Schäden?“, hake ich nach.
„Die Hersteller von Motoren haben sich etwas dabei gedacht, wenn sie dem Wagen lediglich 300 PS und eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h geben“, erklärt Wolf weiter. Mit solchen Werten hat der Wagen eine hohe Lebensdauer und stirbt nicht den Hitzetod. Außerdem bleibt der Verbrauch im Rahmen. Und das ist wichtig in der heutigen Zeit. Ein Diesel soll bekanntlich sparen helfen. Du fährst dann vielleicht eine Luxuslimousine, aber mit viel weniger Verbrauch dem Benziner gegenüber.“
„Und höherem Preis“, werfe ich ein, was Wolf schmunzeln lässt.
„Ja, das ist leider so“, stimmt er mir zu. „Dabei gibt es dafür keinen Grund. Und früher waren Diesel auch billiger, als Benziner. Aber mit dem Einsatz der Turbos, der enormen Leistungssteigerung solcher Ölprinzen, hat man die Preisschraube kräftig angezogen.“
Er geht mit mir ins Büro und zeigt mir Tests von Diesel-Boliden, die ihren Benzingetriebenen Brüdern locker davon fahren.
„Selbst ein Porsche Carrera S hat gegen den Avant keine Chance. Die Automatik im Audi schaltet wesentlich schneller, als es das Schaltgetriebe im Porsche vermag. Aber nur auf den ersten Metern. Die Endgeschwindigkeit eines Benziners bleibt für den Diesel nur ein Traum.“
Viel Rauch um nichts.

„Wie genau passt ihr denn die getunten Wagen an?“, will ich wissen. „Bei dem RS 6 ist mir das einigermaßen klar. Aber kann man einen Diesel genau wie einen Benziner tunen?“
Wolf lacht und schüttelt den Kopf.
„Das wäre zu einfach,“ erwidert er. „Wir machen unser Tuning unter anderem über eine Kennfeldanpassung im Motorsteuergerät. Dort gibt es immer Spielraum nach oben, der Hersteller reizt den Motor nie ganz aus. Der Vorteil davon ist, dass wir alle Parameter ändern können, das Intervall zur Reinigung des Partikelfilters anpassen und nicht nur am Einspritzdruck pfuschen. Die Abgaswerte unserer Wagen bleiben also im Rahmen und es bilden sich keine schwarzen Rauchfahnen bei Volllast.“
„Und was ist mit dem Verbrauch?“, frage ich. „Der steigt doch bestimmt immens?“
„Nur bei Vollgas“, sagt Wolf. „Oder könnt ihr euch über den Q3 beschweren? Getunte Diesel verbrauchen im Normalbereich sogar bis zu einem Liter weniger, als die Serie. Rufst du die Leistung aber ab, so werden es locker 1 -2 Liter mehr.“
Hat jemand mal ’nen Euro?

„Was ist mit Turbolader und Getriebe?“, setze ich mein Interview fort, zu dem ich mich spontan entschlossen habe. „Halten die eine hohe Mehrleistung aus?“
„Das ist ein guter Punkt, Mayumi“, sagt Wolf. „Und der wird von vielen Tunern gern und bewusst übersehen. Die Mehrleistung wird auch über eine höhere Drehzahl der Turbolader abgerufen, was natürlich auf die Haltbarkeit geht. Halbwegs seriöse Tuner verkaufen Zusatzboxen, die lediglich 25 – 30 PS Mehrleistung und ca. 50 Newtonmeter Drehmoment bringen. Das liegt meist noch im Rahmen von Motor und Getriebe und verursacht in der Regel keine Schäden. Geht aber natürlich auch auf die Lebensdauer. Mehr Leistung heißt auch mehr Verschleiß. Trotzdem sind Schäden nicht die Regel und treten nur bei Billigboxen auf, die zu viel Leistung von dem Wagen fordern. Nur geht es bei guten Boxen meist um Eco-Tuning und einen geringeren Dieselverbrauch. Das klappt nicht immer perfekt. Einige Autohersteller verbauen Motorsteuergeräte, die ihre Zusatzbrüder mehr oder weniger ignorieren. Opel macht das bei einem seiner Eco-Diesel so. Da kommt dann trotz Box nur wenig Mehrleistung an.“
Potzblitz, so was aber auch!

„Bei der ersten Version des RS 6, den ich letzten Dezember fuhr, ist doch lediglich das Steuergerät umprogammiert worden?“, frage ich. „Stimmt das so?“
„Fast“, sagt Wolf, dem es Spaß macht meine Fragen zu beantworten. „Wir hatten das normale Steuergerät gegen ein frei probrammierbares Modell ersetzt. Das hat einiges einfacher gemacht. Aber erst die zweite Ausbaustufe hat den Wagen dann zum absoluten Überflieger gemacht. Aber das weißt du ja bereits.“
„Und das wird jetzt auch in dem Diesel so gemacht?“
Wolf nickt.
„Wir werden auch die beiden Turbolader durch andere Modelle ersetzen. Sonst kämen wir kaum höher als ca. 360 PS. 400 + sollen es aber auf jeden Fall werden. Und um die 750 Newtonmeter Drehmoment. Ob der Wagen das aushält darfst du dann testen.“
Den letzten Satz meint er nicht ernst. Das wird meist auf dem Leistungsprüfstand gemacht. Besteht er den Test schlägt meine Stunde. Dann werde ich den Ölprinz fliegen lassen. Und 250 km/h werden dann nicht das Limit sein.
Nur der Himmel ist meine Grenze.

Ein Zeitsprung. Es ist genau zwei Tage nach dem Gespräch.
Wolf steht vor den Resten des 3.0 TDI und ich direkt daneben.
Das klingt nun schlimmer, als es wirklich ist. Aber der Audi hat einen Getriebeschaden. Bei auf dem Prüfstand gemessenen 410 PS und 760 Newtonmetern, hat die Mechanik versagt.
„Nicht schlimm“, sagt Wolf, während seine Mechaniker sich auf den Wagen stürzen. „Ich hatte es mir fast gedacht. Der bekommt jetzt eine Rennkupplung und ein Renngetriebe. Dann hält er die PS.“
Leider erweist sich auch das als Fehleinschätzung. In diesem Audi ist der Wurm drin, wie ich einige Stunden später von einem betrübten Wolf per Handy erfahre.
„Der Kühler ist geplatzt“, erzählt er mir. „Wir bauen einen anderen ein. Aber das wird bis morgen dauern. Du kannst aber trotzdem vorbei kommen, wenn du willst. Ich habe eine alte Ausgabe des Ölprinzen gefunden. Den kannst du so lange lesen.“
Humor ist, wenn Wolf trotzdem lacht.

Gebt mir ein Z!

„Z“ ist nicht nur der letzte Buchstabe des Alphabets, es wird auch für andere Dinge gern genommen. Die Werbung hat das „Z“ schon längst für sich entdeckt und die japanische Automarke Nissan auch. Unser Ausritt im GT-R trägt Früchte. Zu allererst eine Entschuldigung. Die getunte Variante wies wirklich Fehler auf. Abstimmung und Fahrverhalten waren anders geplant. Die Tücken der Technik spielten leider einen Streich. Als Bonbon wird uns ein neuer Langzeittest in Aussicht gestellt. Aber nur, wenn wir das wirklich wollen. Und das kam so:

Wolf ruft an.
„Guten Morgen meine Süßen“, meldet er sich voll guter Laune. Er darf das zu uns sagen, seine Töchter sind fast so alt wie wir.
„Süßholz gibt’s im Feinkostladen“, lasse ich ihn wissen. „Und die passende Raspel gleich dazu. Also sag an, was Sache ist.“
Sein herzliches Lachen wirkt ansteckend. Der Mann beweist Humor.
„Die Daten für den GT-R kamen gut an“, sagt er und erzählt von dem Problem. „Sie hätten gern einen weiteren Test.“
„Wieder mit diesem Mörderteil?“, frage ich.
„Nein“, erwidert Wolf. „Der ist zur Zeit außen vor. Aber sie haben noch mehr auf Lager. Getestet werden soll ein 370Z.
„Solange man selbst redet, erfährt man nichts“, hat Marie von Ebner-Eschenbach einmal gesagt. Und mir verschlägt es glatt die Sprache.

Wolf interpretiert mein Schweigen falsch.
Yuki sieht mich fragend an. Mein Gesichtsausdruck muss höchste Verzückung gewesen sein.
„Wenn ihr nicht wollt sage ich ab“, meint Wolf.
Aber ich unterbreche ihn schnell.
„Was heißt hier nicht wollen?“, sage ich freudig erregt. „Immer her mit dem Teil!“
„Es soll ein Langzeit Test werden, Mayumi“, gibt Wolf prompt zu bedenken. „Das heißt ihr müsstet nun zwei Wagen fahren. Den Q3 und den Z.“
„Ist an dem Wagen irgendwas besonderes?“, will ich wissen. „Auch so ein Tuningteil, oder Serie?“
„Serie machen nur die anderen“, sagt Wolf und lacht dabei. „Er hat einige Besonderheiten und kommt mit knapp 400 PS. Ach ja und als Roadster. Also oben ohne bei Bedarf.“
Können Kerle nur das Eine denken?

„Und das lässt Männerherzen höher schlagen“, kontere ich ihn aus. „Chauvinist, Macho, Spanner!“
Yuki feixt und Wolf lacht noch mehr.
„Kann ich das als Ja werten?“, will er wissen.
Ich bitte ihn um eine Minute und erzähle Yuki von dem Angebot.
„Für wie lange wäre das?“, fragt sie. „Wir haben nicht unendlich Zeit.“
„Bis Ende August“, erklärt mir Wolf, als ich ihn frage. „So lange „oben ohne“ möglich ist.“
Prognose, Aussicht, Diagnose: Wir haben einen Deal!

Der 370Z ist quasi der kleine Bruder des GT-R. Auch er hat einen V-6 Motor, Hubraum 3,7 Liter. Serie sind 328 PS und 363 Newtonmeter. Unser Wagen hat mehr.
Dafür aber nur 2 Sitze und einen äußerst kleinen Kofferraum. Und das ist weniger, als im Q3. Aber Frau gönnt sich ja sonst nichts.
Das Wetter ist kühl. Zur Sicherheit haben wir warme Jacken und Baseballkappen dabei. Tomboy-Look mit langen Haaren.
Tiefschwarz steht der 370Z in der Morgensonne. Eine freundlich lächelnde Frau davor. Sie ist Model, wie sie uns erzählt und darf später für den Wagen werben.
Ein Fotograf schießt Bilder. Soll er. Von Yuki und mir aber nicht. Das mache ich nachhaltig klar, als er auch uns in Pose setzen will. Sofort ist er beleidigt und wird laut.
Wolf schlichtet und beendet den Disput autoritär. Er ist der Chef, der Fotograf nur Gast.
Manchmal darf auch Mann gern schimpfen. Vor allem, wenn er fast wie ein Vater ist.

Yuki fährt den Q3 nach Hause und ich ihr offen hinterher.
Wir sprechen uns kurz ab und sie packt in Windeseile eine Reisetasche.
Düsseldorf wir kommen! Und das hat einen Grund.
Aufgeregt nimmt Yuki neben mir Platz.
„Lass krachen, Dicke!“, fordert sie mich auf und ich starte schmunzelnd den Motor.
Getunte 400 PS und über 450 Newtownmeter schieben den Wagen brachial nach vorn.
Der Z grollt und faucht, wie sonst nur legendäre Drachen. Und ungehobelt ist er auch.
Leise sein ist anders.

Meine Eltern haben keine Ahnung, dass wir auf dem Weg zu ihnen sind. In letzer Zeit haben wir sie öfters überrascht.
Ursprünglich hatten sie ihr Haus verkaufen wollen, aber der Deal ist in letzter Sekunde geplatzt.
Nun bleiben sie an einem Ort, der seit fast 26 Jahren ihre Heimat ist. Und das hat auch mit dem homophoben Gehabe im Ländle zu tun.
Und auch wir machen uns darüber Gedanken. Davon in Zukunft mehr.
Aber heute leben wir in der Realität. Und genau darüber schreibe ich.
Vorwärts, vorwärts, vorwärts! Unzerstörbar zieh’n wir unsere Bahn!

Dank anderem Fächerkrümmer, 400-Zellen-Sportkatalysatoren und Edelstahl-Abgasanlage ist die Stimme des Z noch tiefer geworden. Und er hält sich nicht zurück.
Die Serie ist bei 250 km/h abgeregelt. Unser Exemplar kann mehr. Nur mag niemand mit weit über 200 km/h offen fahren. Spaß ist anders.
Wir ernten neugierige Blicke von Mann. Ein anderer Z ist neben uns. Aber da steht ein „BMW“ auf der Front. Und der kann dem Nissan kaum das Wasser reichen.
Der Typ versucht zu flirten und mir wird schon wieder schlecht. Mein Fuß zuckt und schon sind wir vorbei.
„Unsere Körper sind der Motor, unser Wille das Benzin“, kommt mir ein Songtext in den Sinn. Dann sind wir auf und davon, der BMW kann uns nicht folgen. Japanpower pur!
Der Makel des 370Z sei, dass er nicht aus Deutschland käme, hat vor Jahr und Tag ein Journalist geschrieben. Aber darüber lache ich nur.
Langsam ist eben anders. Wir streben ungebremst voran.

Weder Audi, Porsche noch BMW können vergleichbares bieten. Vorsprung durch Technik? Eher durch den Preis. Und der ist bei deutschen Autos viel zu hoch.
Nissan kann es besser. Und das ohne ein Billigheimer zu sein.
Und ein Z für ist für uns wirklich anders. Nicht der letzte Buchstabe im Alphabet. Eher ein neuer Anfang, ein Ausflug in die freie Welt der Sportlichkeit.
„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“, hat Goethe einst geschrieben. Und das gilt auch für den 370Z, wenn man ihn mit einem Mensch vergleichen mag.
Porsche-Abfangjäger hat eine Autozeitschrift den 370Z einst genannt. Und das ist alles andere, als ein reiner Spruch.
Der Z ist Spaß und Ehrlichkeit in reinster Form. So und nicht anders muss ein Auto sein.
Folgt uns, wenn ihr könnt!

Das Lenkrad rüttelt und zerrt an meinen Armen, aber der Ritt auf der Kanonenkugel ist keine Gefahr. Ausgelassen folgen wir der Spur von 1000 anderen Wagen. Und wenn es zu langsam wird, so gleiten wir lässig vorbei. Immer im Fluß, immer zu einem Lachen bereit. Und immer der Sonne entgegen, immer auf der Straße des Glücks. Mit dem Blick nach vorn und nie zurück. Wir haben längst eine Entscheidung getroffen und auch die wird wieder richtig sein. Fehler machen nur die anderen. Also gebt Yuki das D und auch das (kleine) R. Lasst sie die Nächste im elitären Bunde sein. Aber mir gebt ein(en) Z! Damit die rasante Fahrt durchs Leben niemals endet. Das wünsche ich mir. Und noch so viel mehr. Aber meine Träume werden wahr, das habe ich schon immer gern bewiesen.

Der wilde Mann

Wenn ich sage ich sei noch nie intim mit Mann gewesen, so muss ich das nun korrigieren. Mit Zustimmung und im Beisein meiner Frau ist es geschehen. Ja, meine Elfe war dabei bei unserem flotten Dreier. Und der war wirklich gut! Der Typ war Wahnsinn pur, tiefschwarz und einfach toll gebaut. Austrainierte Sportlichkeit, Muskeln im Überluss. Welche Frau kann da schon wiederstehen? Und erst sein ach so männlicher Geruch, der brachte mein Näschen zum erbeben. Ich gab mich hin und habe es genossen. Und ich würde es immer wieder tun.

Der Mann ist übrigens Japaner. Sozusagen ein „Beast from the East.“ Wer sonst sollte auch mein neuer Lover sein? Er ist noch jung und steht da wie eine Eins. Noch nie zuvor hat mich etwas oder jemand so erregt. Es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Auch Yuki ist begeistert von seiner Kraft. Selbst zwei Frauen sind für diesen Kerl kein wirkliches Problem. Als die Ältere darf ich mit dem Ritt beginnen und stöhne voller Lust, als er orgiastisch zum Leben erwacht. Lässig schwingt er sich auf Touren und lässt Zeit und Raum vergehen. Ich hole tief Luft und gestehe es: Gemeinsam sitzen wir im neuen Nissan GT-R Black Edition. Was bitte habt ihr denn nun gedacht?

Alles fing ganz harmlos an und mit einem Anruf von Yukis Vater. Dass der ein Schlitzohr ist, habe ich schon oft erwähnt. Yuki gleicht ihm in der Beziehung bis aufs Haar. Aber sie sieht viel besser aus.
„Tochter, hier ist dein geliebter Vater“, beginnt das Gespräch standesgemäß. Zumindest hat Yuki es mir so erzählt.
„Was soll ich für dich tun?“, fragt sie prompt und ich falle von der Couch vor Lachen. Nur ich bin zu meinem Papa frecher.
„Du darfst ein Auto testen“, hat Yukis Vater ihr gesagt. „Aber was sage ich, ich frage meine andere Tochter.“
Mit der anderen Tochter bin natürlich ich gemeint. Frechdachs Mayumi, die er ebenso liebt.
Männer sind komisch, ich glaube ich muss frecher sein.

„Ja, Väterchen?“, spreche ich zuckersüß in den Hörer. „Was kann ich gegen dich tun?“
Diesmal hält sich Yuki den Bauch vor Lachen.
Mit gespieltem Ernst, aber lachendem Unteron, erzählt mein Schwiegervater mir von einem Deal unter Männern.
„Wir haben euch verkauft“, sagt er und räuspert sich dabei auffällig oft. „Und gehorsame Töchter machen immer, was ihre Väter wollen.“
„Klar doch“, erwidere ich. „Vor allem da wir noch im Mittelalter leben.“
Yuki hört mit und drückt prompt die Freisprechtaste.
„Lieber Papa“, flötet sie, „sag sofort worum es geht.“

Der Deal unter Männern erweist sich als absoluter Übercoup. Die Firma meines Schwiegervaters hat einen Nissan GT-R zum Test bekommen.
„Das Problem war der Ausfall der beiden Werksfahrer“, eröffnet er uns. „Die Firma unserer Geschäftspartner hat keinen Ersatz, niemand dem sie wirklich vertrauen. Und da kommt ihr ins Spiel. Ihr habt doch noch Ferien. Und es wäre wirklich wichtig. Darf ich auf euch zählen?“
Es gibt wenige Dinge auf dieser Welt, die mir die Sprache verschlagen können. Aber der GT-R gehört dazu.
Satte 550 PS treiben den Wagen voran, er hat doppelte Turbokraft und 632 Newtonmeter Drehmoment. Der Motor ist ein V6 mit 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG). Spitze 315 km/h, von 0 auf 100 in unter 3 Sekunden. 97.500 Euro ist dieser Wagen wert. Der neue Porsche Turbo S kostet gleich doppelt so viel. Was ihn nur teurer, aber nicht viel schneller macht.

Überhaupt haben Audi und Porsche ein Problem mit ihren Preisen. Billig sollen nur die anderen sein. Bewusst hat man sich im exklusiveren Marktsegment postiert. Aber teurer muss nicht immer besser sein. Und der GT-R ist gut! Kein Wolf im Schafspelz, er ist in Stahl gepresste Leidenschaft. Und der Clou: Der Wagen wird in zwei Ausbaustufen kommen. Als Serienfahrzeug und Tuning-Bolide. Dann hat er weit über 700 PS. Und das ist alles andere als normal. Wenig normal sind auch die Tests, auf die Wolf verweist.
„Porsche ist stets der Sieger“, erklärt Wolf mit süßsaurem Gesicht.
Wer das glaubt, wird seelig.

Wolf mit Team hat natürlich auf uns gewartet. Direkt auf der Strecke. Fast ehrfürchtig schleichen die Männer um die beiden GT-R, die sich tiefschwarz in der milden Sonne präsentieren. In der Barracke ziehen wir die Overalls und Helme an. Sicherheit ist angesagt. Nur Vollidioten fahren ohne. Der erste Nissan ist bereits verkabelt, das Team hat Motor und Reifen vorgewärmt. Das ist sonst nur im Rennsport üblich und da sehe ich mich nicht. Im Unterschied zu einer Cyndie Allemann fehlen mir auf dem Rundkurs deutliche Sekunden. Die Cyndie bremst auch nie, die steht lieber in der Kurve quer. Und das ist hohe Kunst. Aber dafür sehe ich noch besser aus als sie. Und das ist nicht gelogen.

Was folgt ist ein Gedicht japanischer Motorenkunst. Mit dem GT-R hat sich Nissan mehr als einmal übertroffen. Nie zuvor hatte ich solche Lust auf einen Wagen. Und von mir aus darf der auch total männlich sein. Das schmälert weder Aussehen noch Top-Speed. Und beides ist der Überhammer. Der GT-R ist laut, wild und schüttelt sich. Ein echter Kerl halt. Zahm ist anders. Es röhrt und dröhnt, dann schießt der Wagen in einem Atemzug auf 100 km/h. Gut, es bleibt bei deutlich über 3 Sekunden. Daran ist laut Yuki mein (nicht vorhandener!) Hüftspeck schuld. Aber wer mag schon einer Elfe widersprechen?
2,7 Sekunden sollen es laut Werksangaben sein, aber diesen Beweis blieb der GT-R bisher schuldig. Auch allein im Wagen erreiche ich die nicht. Also kommt meine Elfe wieder mit und jauchzt vor Freude, wenn die brutale Beschleunigung eintritt.

Der Wagen fährt sich hart, direkt und ohne Kompromisse. Der Verbrauch ist hoch, 10 Liter SuperPlus auf 100 km nur eine Illusion. 20 plus kommt der Wahrheit näher. Und 30 Liter sind auch kein Problem. Aber wer will mit diesem Supercar vernünftig sein?
Das DSG schaltet gut und ohne Zeitverlust. Wir wechseln beim Fahrwerk zwischen Komfortmodus und Sport. Und die Rundenzeiten werden schneller.
Eine gute Stunde sind wir unterwegs. Auch Yuki darf natürlich und stellt sich quer. Mit dem Auto, wie auch sonst?
Sie schimpft auf japanisch über den Godzilla, der Spitzname dieses Supercars.
Aber auch Elfen können driften.

Nach einigen Runden hat sie den Bogen raus und zerstört prompt den ersten Reifensatz.
Wolf feixt und Yuki ist gespielt beleidigt, als der Abschlepper kommt.
„Macht gleich weiter mit dem anderen Wagen“, bittet er. „Aber ultravorsichtig, das Teil ist nicht normal.“
Der Ritt in diesem GT-R gleicht dem Ritt auf einer Highspeed-Kugel. Hat schon der normale Motor gebrüllt, so schreit dieser uns nur noch an. Aber egal was ich versuche, die Hinterräder drehen beim Start stets durch. Allrad falsch verteilt. Gefühlte 80 % Kraft an der Hinterachse kommen bei mehr als 700 PS nicht gut. Wie lange sollen diese Reifen halten?
Gute 850 Newtonmeter schieben uns vehement um die Kurven. Und selbst ich stehe öfter quer. Wir bekommen Tritte und Stöße auf unsere zarten Knochen, die jedem Allkämpfer zur Ehre gereichen sollten. Dieser Wagen überzeugt mich nicht. Schlecht abgestimmt ist das Fazit nach nur wenigen Runden. Den mag fahren wer will, beherrschbar ist anders. Die sollen doch die Cyndie rufen.

„Es soll noch eine 600 PS Variante von dem Wagen geben“, erzählt uns Wolf zum Schluss. „Dank Carbonteilen ist der GT-R dann auch 50 kg leichter. Zu schade, dass er noch nicht verfügbar ist.“
Ziemlich durchgeschwitzt nehmen wir eine schnelle Dusche. Yuki, die Fürsorgliche, hat Unterwäsche zum wechseln mitgebracht. Und einen Deostick hat die Frau von heute sowieso dabei.
Frech haut mir Yuki auf den Po, als ich in die bequeme Cargohose steige.
„Das war dann aber auch unser letzter Ritt mit diesem wilden Mann“, lässt sie den Spruch vom Stapel, der mich zu diesem Text verleitet hat.
Und auch da mag ich ihr nicht widersprechen. Aber den normalen GT-R-Godzilla würde ich immer wieder reiten. Dumm nur, dass ich keine 97.500 Euro habe.
Dafür eine Elfe. Und das ist ausreichend und gut.