Die Neidgesellschaft

Neid, so heißt es, sei eine Mischung aus Minderwertigkeitsgefühlen, Feindseligkeit und Ärger. In einem Interview bin ich über das Wort gestolpert. Und das im buchstäblichen Sinn. Neid, so sagt der Prominente, habe Deutschland vergiftet. Aber ist Neid nur regional begrenzt?

Wer sich mit anderen vergleicht, wird stets das eigene Manko finden. Man ist zu dick, zu dünn, zu wenig tolerant und diese Schnepfe von nebenan, hat schon wieder einen anderen Freund! Aber wo ist das Problem? Den Satz „Ich bin was ich bin und das ist alles was ich bin“, sollte sich jeder verinnerlichen. Ich habe, ihr auch?

Neider finden sich oft bei unzufriedenen Menschen, die vielleicht in einer (Lebens)Krise stecken. „Neidisch“ richtet sich der Blick der dreifachen Mutter auf die kinderlose Managerin, die noch immer eine schlanke Taille hat und einen Sportwagen fährt. Sie weiß nicht, dass diese keine Kinder bekommen kann.

„Neidisch“ blickt der Buchhalter auf seinen beruflich erfolgreicheren Kollegen. Er, der mit Frau und Tochter in einem Reihenhaus lebt, will auch in die Chefetage. Aber sein Reihenhaus ist bezahlt, der Kollege bezahlt den besseren Job mit nun schon zwei Herzinfarkten.

Weder besagte Mutter noch der angesprochene Buchhalter erkennen, wie erfolgreich sie in ihrem Leben sind. Vielleicht wäre die Managerin mit drei Kindern überfordert und die Frau des Buchhalters würde die Scheidung verlangen, wenn er zwölf Stunden und länger bei Besprechungen sitzt.

Neid kann durchaus negative Auswirkungen auf das Gefühlsleben und die Beziehungen zu Mitmenschen haben. Das kann von verbalen Attacken bis zur Gewaltanwendung gehen. Man hat vielleicht selbst nur ein altes Auto, also schlägt man den Wagen des Nachbarn heimlich kaputt.

Oft baden neidische Menschen in Selbstmitleid. „Wie ungerecht, dass der / die alles hat!“, heißt es schnell. „Ich habe nichts!“ Dass der Neider zu faul war, um die Universität zu besuchen, hat er bereits vergessen. Wer andere beneidet macht deren Glück zum eigenen Unglück. Jeder Mensch ist einzigartig, er muss es nur erkennen.

Die Mutter könnte nun also die Managerin für ihren Erfolg bewundern. So wie diese es heimlich macht, wenn sie deren Kinder sieht. Und der Buchhalter könnte einfach aufrichtig sein und den Führungsstil des erfolgreicheren Kollegen bewundern, der ihm ein guter Vorgesetzter ist.

Ich schaue zurück auf meine Jugend und wie ich aufgewachsen bin. Mir fehlte es an nichts, aber hohe Ansprüche hatten immer nur die anderen. Klein-Mayumi waren Bücher, Karate, saubere Jeans und Sweatshirts lange genug. Und mein erstes Auto war gebraucht.

Ich habe nie neidische Gefühle entwickelt. Einerseits bin ich so (auf sanfte Art) erzogen worden, andererseits ist das meine Natur. Trotzdem habe ich Erfahrung mit Neid und Missgunst gemacht. Was einerseits an meinem sozialen Status und andererseits an meinem Aussehen lag.

Meine Eltern haben bereits kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland ein Haus gekauft, was damals ein hohes finanzielles Risiko war. Finanziert haben sie es mit harter Arbeit. Mehr muss niemand wissen. Aber es hat Neid ausgelöst, das haben sie mir später erzählt.

Ich bin etwa 10 Jahre alt, als „Arroganza Neureich“ mich verbal attackiert. Eigentlich heißt sie Saskia und ich habe HIER schon über sie geschrieben. Saskia mustert mich herablassend und plustert sich vor mir auf.

„Deine Eltern können dir wohl kein anständiges Kleid kaufen“, sagt sie, „oder warum trägst du sonst immer diese alten Hosen?“ Ihr Gefolge lacht und verstummt prompt, als mein Konter kommt. „Bis du neidisch?“, frage ich und schaue sie mitleidig an. „Bei dem Hintern würden dir Hosen auch kaum passen.“

Wortlos rauscht sie davon. Dabei habe ich bewusst übertrieben, bei Saskia stimmte alles. Von einer Freundin weiß ich, dass sie neidisch auf meine dunklen Haare ist. Sie hat „nur“ blonde Locken. Frauen waren oft neidisch auf mein Aussehen. Ich bin nun mal das komplette Gegenteil einer blonden Deutschen.

Dafür kann ich nichts, das sind die Gene meiner Eltern. Oder besser meiner Mutter, deren Kopie ich sozusagen bin. Weniger vom Charakter, der ist deutlich feuriger bei mir. Aber war ich wirklich niemals neidisch?

Ansatzweise unzufrieden, wobei ich das immer mit Humor gesehen habe, war ich auf meine geringe Körpergröße, die sich in einen gewissen Neid, aber stets spaßig formuliert, auf größere Mädchen bei Ballsportspielen definierte.

Im Basketball und Volleyball war ich niemals gut, dafür habe ich umso besser Handball gespielt. Ich sah meine Körpergröße nie als Manko und habe sie durch Schnelligkeit kompensiert. Den Ball konnte ich gut durch die Beine der Torfrau werfen. Meist war die zu langsam für mich.

Neid kann sich im positiven Sinn, als Ehrgeiz definieren. „Die“ hat eine gute Note? Das kann „ich“ besser! Im Sportkarate lediglich neidisch auf die „Meisterin“ zu sein bringt wenig. Ich habe sie mir angeschaut, den Stil analysiert und sie beim nächsten Turnier geschlagen.

Das brachte nun mir das typische Verhalten von „Neidern“ ein, besonders von anderen Frauen. Auf meinen beruflichen Erfolg sind die weniger gut zu sprechen. Deren kleines Ego bekam scheinbar Oberwasser, wenn ich eine Weile „arbeitslos“ war.

„Hättest du mal den Job bei (…) angenommen“, hieß es dann süffisant, um später über den 370 Z, meinen Urlaub und was auch immer zu lästern. Ich habe immer nur gelacht und gesagt: „Mitleid bekommt man gratis, aber Neid muss man sich verdienen.“

„Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.“ – Wilhelm Busch

Deutschlands verleugnete Identität

Meine Mutter, die sich selten zu politischen Dingen in Deutschland äußert, sie ist viel zu höflich dafür, hat mich vor unserer Abreise in die USA und auf die Flüchtlingskrise bezogen gefragt: „Warum schützt Frau Merkel Fremde mehr, als das eigene Volk?“

Gemeint ist damit das hofieren alles Fremden. Dieses Unverständnis gibt es nicht nur bei meiner Mutter. Viele Japaner, aber auch andere „Ausländer“ in Deutschland denken so. Und in den USA höre ich die Frage immer wieder „Was habt ihr Deutschen für ein Problem?“

Die Linken

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende, ist Deutschland fest in linker Hand. Der Name der regierenden CDU täuscht darüber hinweg, dass die Partei unter Merkels Führung linker als die SPD auftritt.

Die Linken haben Schlüsselpositionen in Deutschland besetzt. Eine Umfrage vor einigen Jahren hat bestätigt, 72 % der Journalisten sind links oder grün. Wen wundert noch die einseitige Berichterstattung, wenn es um linke Positionen geht?

Aber was hat das mit Deutschlands verleugneter Identität zu tun? Seit den späten 1960er Jahren, hat sich der linke Virus schleichend ausgebreitet. Linkes Gedankengut, wird den Menschen täglich eingehämmert.

Laut dem Medienwissenschaftler Hans Martin Kepplinger billigen fast die Hälfte aller Journalisten das „bewusste Hochspielen von Informationen, die ihre eigene Sichtweise stützen“.

Natürlich haben Journalisten das Recht auf eine eigene Meinung. Aber es wäre naiv zu glauben, dass sich ihre Vorlieben und Abneigungen nicht in der täglichen Arbeit spiegeln und auswirken würden.

Patriotismus

Als Japanerin mit deutschem Pass, oder als Deutsche mit japanischen Wurzeln, kann ich viele Dinge anders sehen. Meine japanische Seite ist patriotisch und stolz auf Herkunft und Aussehen. Das übertrage ich auf „meine Heimat“ Deutschland. Dem Land, in dem ich aufgewachsen bin.

Während nun viele Deutsche ein Problem mit ihrer Herkunft und Geschichte haben, ist es bei mir das genaue Gegenteil. Japaner und Deutsche können stolz auf ihre Nationen sein und sollten sie nicht stets an Kriegen messen, die längst vergangen sind. Das ist Schnee von gestern. Punkt.

Aber viele Deutsche verwechseln Patriotismus mit Nationalismus. Vielleicht hat man ihnen das auch falsch beigebracht. Jeder darf stolz auf seine Sprache sein oder sollen alle Menschen Esperanto lernen?

Die Zahl der Toten

Kein Volk der Erde kann sich frei von Schuld sprechen, wenn es um die eigenen Sünden geht. Schon die Steinzeitmenschen haben sich um Frauen und Nahrung geprügelt. Ist also der Neandertaler böse?

Amerikaner haben die Ureinwohner massakriert, gleiches haben Spanier und Portugiesen in Südamerika gemacht. Von den Engländern ganz zu schweigen. Deren Kolonialpolitik hat unzählige Tote gefordert.

Von Reue keine Spur. Noch heute wird die historische Leistung der Pioniere und Entdecker in den Vordergrund gerückt. Nur der Deutsche duckt sich sofort, wenn ein Zentralrat die Stimme erhebt.

Und das macht der gern und oft, um auf die Kollektivschuld hinzuweisen und weitere Milliarden zu kassieren, die dann zum Kauf von Waffen benutzt werden, die wieder Menschen töten.

Germany first!

In der Zeit von Globalisierung scheint eine Rückbesinnung auf den Nationalstaat falsch zu sein für manche. Da rümpft der GRÜNE sofort die Nase und schaut erschrocken, wenn die Nationalmannschaft gewinnt und die deutsche Fahne weht.

Merkel Deutschland will offenbar globaler sein, als der ganze Rest der Welt. Mit deutscher Gründlichkeit, wird der falsche Kurs einer Frau gefahren, die Deutschland nur als Regierungszone sieht und sich selbst als EU-Präsidentin.

Aber Polen, Ungarn, Österreich und nun auch die USA, haben die Weichen anders gestellt. Nationale Interessen werden vor die globale Idee gesetzt. Es wird Zeit, dass man die neu verhandelt.

Selbstverleugnung

Jeder Psychologe weiß, wie schädlich Selbstverleugnung ist. Aber die Deutschen sind wahre Meister darin. Und im Schönreden einer Wirklichkeit, die nur in einer Katastrophe enden kann. In diversen Talkshows sitzen dann PolitikerInnen, die genau erklären, was es (nicht!) bedeutet Deutscher zu sein.

Als Kriegsverlierer und mit Erbschuld behaftet, darf er nun „das Fremde“ hofieren. Und das macht er bis zur Selbstaufgabe und verleugnet sich und sein Heimatland.

Das kann man durchaus als (linke) Psychose bezeichnen. Eine Kur dagegen ist leider noch nicht Sicht. Es sei denn, der Deutsche löst sich langsam von den Ideen alter Männer und wirft deren rote Socken auf den Müll.

Die Alternative ist der kollektive Untergang einer Nation, der man das Wort SCHULD schon in die Muttermilch packte.

Der japanische Weg

Um Japan und Japaner zu verstehen, muss man dort geboren sein. Ja, das alte Japan hat Schuld auf sich geladen, als es in China eingefallen ist.

Ganz Japan? Nein, die damalige Regierung! Chinas Kommunisten schwingen aber noch heute gern die moralische Keule, der Japan ebenso gern ausweicht und (heimlich) das Militär aufrüstet. Unabhängig davon hat man recht gute Wirtschaftsbeziehungen.

Anders als Deutsche sind JapanerInnen stolz auf Herkunft und Heimatland. Und wer die Geschichte des 2. Weltkrieges kennt wird wissen, dass auch die USA an Japans Kriegseintritt nicht völlig unschuldig sind.

Der edle Fremde

Schon Karl May hat vom „edlen Wilden“ geschrieben und damit den Prototyp der Verehrung erfunden. Gut, in Wirklichkeit war es James Fenimore Cooper und Herr May nur dessen deutsches Pendant.

Aber weder ist „der Fremde“ edel noch pauschal kriminell. Er ist einfach nur anders, wie mein Beispiel zeigt. Deutscher Pass, Japanerin. Und so ist es gut.

Bin ich nun besser als andere, muss man(n) mich hofieren? Ich bin ich und das ist alles was ich bin. Nur mein Gegenüber, wer immer das auch ist, kann mich auf einen Sockel stellen. Aber was soll ich da? Auf dem Boden gefällt es mir besser.

Menschen sind für mich alle gleich. Ich mag nur keine Aggressoren, die leider überwiegend männlich und wenig edel sind. Die Nationalität spielt dabei keine Rolle.

Rassismus 

Ich kann mich noch gut an diverse Kommentare erinnern, die mir Rassismus und Vorurteile vorwarfen, als ich 2016 das Kopftuch bei muslimischen Frauen und die Masseneinwanderung junger Männer kritisierte.

Im Unterschied zu den meisten Linken, war ich in einem Flüchtlingsheim. Und ich weiß, im Gegensatz zu selbstgerechten Gutmenschen, dass der Islam keine Rasse ist, sondern eine politisch motivierte Ideologie, auf dem Stand der Voraufklärung.

Trotzdem sind die meisten Muslime friedlich und wollen keinen Streit. Aber Volksverhetzer, auch Hassprediger genannt, wollen sich in „Allahs“ Namen am Westen rächen.

Warum, das wissen sie selbst nicht so genau. Aber Hass zu predigen gibt ihrem kleinen Leben Sinn. Hofiert werden sie dabei von Deutschen, deren Hirn ideologisch vernebelt ist.

Aber nichts ist mächtiger für Heuchler, als die heimische Tastatur. Dort, sicher und warm im Ledersessel, sehen sie die Halbwahrheiten nicht, die uns Politik und Medien gern servieren. BILD und Tagesschau werden als Maß aller Dinge angesehen. Und Jakob Augstein ist der Linken neuer Held.

Der Zufall

Aber es geht hier weniger um mich, es geht um „den Deutschen“, der nur „zufällig hier geboren“ ist und gern Ferien in Staaten macht, die Menschenrechte mit Füßen treten.

Weil so ein bisschen fremd ist doch cool, das hat irgendwie was! Und wem das nicht reicht, der lädt sich „den Fremden“ nach Hause ein.

Frau Merkel hat das gemacht und die Nation hat (angeblich) gejubelt. In Wirklichkeit waren es meist die GRÜNEN und einige Prozent der Bevölkerung. Merkels Politik, hat Deutschland massiv geschadet und politisch isoliert.

Informierte Menschen wissen das. Daher begegnet man Kritikern nun mit Härte und Zensur und bestraft deutsche Parksünder mehr, als Scheinasylanten, die bis zu 14 Identitäten haben. Die dürfen dann auch Frauen begrabschen und mit dem LKW auf Weihnachtsmärkte fahren.

Das Märchen vom bösen Deutschen

Deutsche, das sind natürlich alles böse Nazis, die man ausrotten und / oder umerziehen muss. Das, liebe LeserInnen, habe nicht ich erfunden, das war gängige Meinung nach dem Sieg der Alliierten. Die Teheran- und Jalta-Konferenzen lassen grüßen.

Die deutsche Psychose ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass linke Gewalt oft schweigend akzeptiert oder sogar entschuldigt wird. „So ein paar Jugendsünden seien doch nicht so schlimm“, heißt es dann. „Ein Rechter bliebe man für immer.“

Was „Rechts“ ist, kann aber keiner so richtig sagen. Diese Definition wird von anderen gemacht. Alles „rechts von der CDU“ ist böse und der Teufel heißt heute AfD.

Dass die auch nur mit Wasser kocht, die CDU/CSU nun sogar deren Postionen (wieder) übernimmt, hat irgendwie (noch) keiner so recht bemerkt. Vielleicht mal wieder öfter auf Mutti hören. Oder auf die Nebelwolke Schulz.

Ab in den Dschungel

Aber der Deutsche schaut lieber Dschungelcamp und kümmert sich um einen Mr. President, statt die Augen auf Berlin zu richten und dort eine Lichterkette für ALLE Terroropfer auf der Welt zu bilden.

Der Deutsche weiß sowieso viel besser, wer gut und wer böse ist auf dieser Welt. Das hat ihn die Geschichte gelehrt und diverse 68er, die sich in Ehren ergraut nun gern in Talkshows reden hören.

Die Frage meiner Mutter, „Warum schützt Frau Merkel Fremde mehr, als das eigene Volk?“, bleibt unbeantwortet stehen. Vielleicht sollte man eine andere Fragen stellen. „Wie schützen wir uns vor Menschen wie Frau Merkel.“

 

 

Damals in Japan – Teil 1: Heimat

Japan, das ist für viele ein unbekanntes Land. Legenden ranken sich um die sprichwörtliche Freundlichkeit der Menschen, die Natur, die Tempel, um Samurai und brutale Kriege. All das ist Japan und noch so viel mehr. Japan, das ist Heimat für mich.

Ich habe darüber nachgedacht, was ich dieses Jahr berichten soll. Sogar eine Menge Bilder habe ich gemacht, auf denen nicht nur Yuki zu sehen ist. Aber die Motivation detailliert diese spezielle Reise zu beschreiben, ist nie aufgekommen. Daher wird das kein klassischer Reisebericht.

Und doch war ich auf einer Reise, die mich zurück zu meinen Wurzeln führte. Die japanischen Pässe erleichtern die Einreise sehr. Die Müdigkeit verfliegt, als Cousin Ken mich vor Freude fast erdrückt. Aber er darf das und bekommt als Belohnung einen Rippenstoß.

Ich bin in Japan angekommen, meiner Heimat, meinem Land. Eine von 126 Millionen, die, nach Meinung von Europäern, alle gleich aussehen. Fremde gibt es hier kaum. In Japan lebende Chinesen und Koreaner sind Teil der asiatischen Familie und äußerliche Unterschiede kaum vorhanden.

Wir fahren zur Tante. Yuki hat sich in meinen Arm gekuschelt. Meine Mutter sitzt neben mir. Vorn unterhalten sich Ken und mein Vater. Ich höre ihnen nur mit halbem Ohr zu. Ein Gedanke geht mir durch den Kopf, als ich die vielen JapanerInnen sehe. Wenn ich hier auf Dauer lebte, wäre ich dann integriert?

Hintergrund der Frage, ist das FAZ-Interview mit Sawsan Chebli, der stellvertretenden Sprecherin des Bundesaußenministers. Ihre Worte gehen mir selbst in Japan nicht aus dem Kopf. Und das hat einen Grund.

Sawsan Chebli ist die Vorzeige-Muslimin der SPD und sogar in Deutschland geboren. Sie hat die Chancen dieses Landes genutzt, um sich Bildung anzueignen und Karriere zu machen. Mit Hilfe der SPD natürlich, für die alles Fremde bekanntlich zu hofieren ist. Dass sie dabei die eigenen Bürger gern vergisst, wird sich noch bitter rächen.

Als meine Eltern nach Deutschland kamen, haben sie bereits recht gut Deutsch gesprochen. Sie haben es in der Schule und über Brieffreundschaften gelernt. Und in den letzten dreißig Jahren, haben sie die Sprache perfektioniert. Auch sie werden immer Japaner bleiben und sind doch integriert.

Sawsan Cheblis Vater spricht kaum ein Wort Deutsch. Und der Mann lebt seit 46 Jahren hier. Sie findet das nicht weiter schlimm, ist ihr Vater doch nach ihrem Verständnis viel integrierter, als „ein AfD-Funktionär.“ Viele Deutsche werden nun begeistert nicken, geht es doch wieder gegen die „bösen Rechten“. Jenem angeblich so braunen Sumpf, in dem das Land zu versinken droht.

Dumm nur, dass dieses Land fest in der Hand rot-grüner Ideologen ist, die alles dafür tun, um Deutschland langfristig abzuschaffen. Mir will es nicht in meinen Kopf, was Frau Sawsan Chebli verzapft. Und warum deutsche Politiker sie nicht daran hindern. Oder hat niemand den entscheidenden Fehler in ihrer Argumentation gesehen?

Sawsan Cheblis Vater ist nie in Deutschland angekommen! Er hat das nicht gewollt. So wenig, wie eine Masse von Fremden, die Deutschland nur als Zahlmeister sehen. Wer das immer noch nicht glaubt, ist wirklich blind. Den wenigen Syrern, die wirklich nach Deutschland kamen, stehen 70 Prozent allein reisende junge Araber und Afrikaner gegenüber, die aus allen möglichen Ländern stammen.

Darunter gibt es Schmarotzer, die nur auf ein gutes Leben in Deutschland hoffen. Natürlich auch normale Männer, die falschen Versprechungen folgten. Aber die meisten werden weder Arbeit noch Frauen bekommen. Und das ist aufgestauter Sprengstoff pur.

In Japan gibt es kaum Muslime. Wir nehmen keine Flüchtlinge auf. Dafür zahlen wir 1,6 Milliarden Dollar, die sich in 810 Millionen Dollar für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak und 750 Millionen Dollar für Infrastrukturprojekte im Nahen Osten aufschlüsseln. Hilfe die ankommt und besser für alle ist.

„Mama“, sage ich, „glaubst du ich könnte in Japan leben?“ Meine Mutter schaut mich seltsam an. „Du kannst überall leben“, sagt sie rätselhaft und schenkt mir ein Lächeln. „Überall, wo deine Yuki ist.“

Ich bin in Japan angekommen, meiner Heimat, meinem Land. Ich spreche die Sprache, kenne die Sitten und Bräuche. Aber ich bin auch in Deutschland angekommen. Dort sind mir nur die Lederhosen fremd. Und Sauerkraut. Aber das habt ihr bestimmt gewusst.

Japan, das ist für viele ein unbekanntes Land. Legenden ranken sich um die sprichwörtliche Freundlichkeit der Menschen, die Natur, die Tempel, um Samurai und brutale Kriege. All das ist Japan und noch so viel mehr. Japan, bin auch ich.

Köln und die Folgen – Teil 1: Die Nacht in der die Freiheit starb

Aus gegebenem Anlass, werde ich meine Berichte von der USA-Reise kurz unterbrechen. Ich will und werde nicht verschweigen, was ich zu Köln & Co. zu sagen habe. Hetzparolen und persönliche Angriffe, werde ich kommentarlos löschen. Mein Blog, meine Regeln. Wer nur provozieren will, der soll sich schleichen.

Köln hat betroffen gemacht. Und die Betroffenheit der Unbetroffenen ist (scheinbar) groß. Aber statt die Wahrheit zu sagen, wird die Bevölkerung von den Politikern weiter für dumm verkauft. Von „harten Maßnahmen“ wird gesprochen, das Wort Abschiebung plötzlich salonfähig gemacht. Die Willkommenskultur ist (schon lange) gekippt. Was zu erwarten war.

Die Wahrheit: in Deutschland wird so gut wie niemand abgeschoben! Und wenn sind es die Falschen. Mehrfach verurteilte Straftäter, mit Migrationshintergrund, leben nach wir vor in einem Land, dessen Gesetze sie regelmäßig mit Füßen treten. Sie lachen über lasche Gesetze und eine Justiz, die sie mit Samthandschuhen verfolgt.

Köln & Co. hat klar die Schwäche unseres Rechtsstaates gezeigt. Und das setzt sich in allen Bereichen fort. Eine personell unterbesetzte Polizei ohne Rechte, Politiker, die sich gern profilieren wollen, haben das Land in Bürgerkriegsähnliche Zustände gestürzt. Und Teile der Presse, die Multi-Kulti gern hofiert. Einzelne Polizisten, die offen ihre Besorgnis zeigen, dürfen mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen. Offene Worte sind nicht gewollt. Ich sage es ganz offen und ohne den rosaroten Blick: Multi-Kulti hat man in Köln zu Grabe getragen. Ein Hoch auf die Parallelgesellschaften!

Der Journalist Reinhard Müller bringt es in der FAZ auf den Punkt. Der plötzliche Ruf nach Härte sei eine billige Ablenkung“, schreibt er. Um von fehlender Härte an der offenen deutschen Grenze abzulenken. Und ein Ausdruck von peinlicher Hilflosigkeit. An Regeln fehle es nicht. Und da hat der Mann völlig recht. Aber aus Angst vor der „Nazi-Keule“ des Auslands und weil eine Bundeskanzlerin auf dem Egotrip ist, strömen ungehindert meist junge Muslime in dieses Land, die mittelalterliche Vorstellungen von Frauen und Religion in ihren Gedanken tragen. Eine Katastrophe ist vorprogrammiert.

Pauschal zu sagen, dass alle diese Männer Vergewaltiger sind, ist falsch. Aber für einen Teil dieser Männer sind deutsche Frauen nur Huren, die sie unterdrücken und missbrauchen können. Und das haben sie gemacht. Und junge Frauen sind bekanntlich selbst schuld, wenn sie vergewaltigt werden, so die Meinung von Teilen der deutschen Bevölkerung. Was müssen die sich auch so aufreizend kleiden. Geht’s noch, meine Damen und Herren?

Als Japanerin bin ich starrende Männer gewohnt. Auch die Anmache, über die ich schon berichtet habe. Und doch ändert die momentane Lage alles. Ich kann mich wehren, aber plötzlich regt sich auch in mir ein ungutes Gefühl. Will ich mir, übertrieben ausgedrückt, den Weg zum Supermarkt in Zukunft täglich neu erkämpfen, durch pöbelnde Massen, die meine Frau und mich begrapschen wollen?

In Deutschland lebende Extremisten, haben Asylbewerber gezielt angeworben, um für Chaos zu sorgen. Das zu beweisen wird schwer. Die Polizei musste bisher schweigen, wenn es um straffällig gewordene Migranten geht. Solche Fälle hat man kaum verfolgt. Auf Anweisung der Politik, um Extremisten keine Munition zu liefern. Dumm nur, das Schweigen und die Vertuschungen, haben nun das genaue Gegenteil bewirkt.

Kommentare und Antwoten zu diesem Beitrag, werden erst mit der Veröffentlichung von Teil 2 freigeschaltet, der morgen erscheinen wird.

 

Tanten, wie wir

Familie ist wichtig. Mir bedeutet sie viel. Der Besuch meiner Cousine, hat Elfchen und mich zu Tanten auf Zeit gemacht. Wir passen für einen Tag auf ihre Töchter auf. Die Mädchen haben damit kein Problem, sie kennen Yuki und mich. Während Akiko unsere CD-Sammlung erkundet, will Sayuri schmusen.

Kurz darauf schallen japanische Klänge durchs Zimmer und Akiko tanzt lachend auf uns zu. „Zuhause macht sie das auch immer“, verrät mir Sayuri mit verschwörerischem Blick. „Und weißt du noch was, Tante Yumi? Ich tanze immer mit!“ Prompt springt sie von meinem Schoß und sucht die Nähe ihrer Onee-chan (große Schwester).

Bei Kindern tritt jede Logik in den Hintergrund. Da sind auch wir verspielt. Elfchens freches Lachen, als ich mit Akiko spiele, schreit nach einem noch frecheren Kommentar. Prompt wirft sie ein Sofakissen von dem ich mich absichtlich treffen lasse. Die Mädchen lachen, alle haben Spaß.

Wir albern herum und bieten den Kleinen die perfekte Show. Yuki kreischt, als ich ihre Füße kitzle. Vor den Mädchen halten wir uns mit Schimpfworten zurück, die wir sonst hemmungelos benutzen. Elfchen ist auch darin Meisterin. Und nur sie darf solche Worte zu mir sagen. Lachend meist und als gespielte Versöhnung gibts Küsse.

Die für uns ungewohnte Rolle entpuppt sich schnell als Vollzeitjob. Passt ihr mal auf zwei kleine Mädchen auf! Tante Yumi hier, Tante Yuki da, muss mal, hab‘ Hunger, mir ist schlecht. Klar, wenn man nur Süßigkeiten naschen will. Aber Mittagessen gibt es später.

Als wir im SUV zum Supermarkt fahren, schaut mich Akiko kritisch an. „Du Tante“, sagt sie plötzlich. „Warum fahren hier alle falsch?“ In Japan herrscht seit jeher Linksverkehr. Kein Problem, wenn man länger zu Gast in Japan ist. Aber die Umgewöhnung dauert. Und beide Mädchen sind verwirrt.

„Weißt du“, erwidere ich, „du benutzt doch auch meist deine linke Hand. Und die Menschen in Deutschland machen das mit ihren Autos.“ Akiko nickt, das hat sie verstanden. „Trotzdem komisch“, murmelt sie und drückt sich ihr Näschen an der Scheibe platt. „Wo fahren wir hin, was ist das?“

Es geht in den Supermarkt, dann in den Asia-Shop. Mittagessen gibt’s bei meinen Schwiegereltern. Yukis Mama kann kaum ihren Blick von den Mädchen nehmen. Frauen sind schon komisch. Ich weiß genau, wie die ticken! Auch Cousin Ken ist mit von der Partie und freut sich uns zu sehen.

Als es gegen Abend ins Training geht, werden die Mädchen richtig munter. Vor allem Akiko, die einfach süß im Karate-Gi aussieht. Sayuri steht schüchtern am Mattenrand, als ihre große Schwester übt. Aber sie macht jede Bewegung mit. Auch sie hat Talent. Ich bin überrascht, als sie sich zögernd neben Akiko stellt. „Darf ich, Tante Yumi?“, fragt sie lieb und verzaubert alle Herzen.

Wieder zu Hause baden wir die Mädchen und liefern uns  eine Wasserschlacht. „Land unter, ihr Wasserratten“, ruft Ken und wirft sich vor Lachen weg. „Ihr zwei seid wirklich reif für die Mutterrolle“, erklärt er und flüchtet aus dem Bad. Die Ankunft meiner Cousine rettet ihn vor Ungemach. „Schwesterchen“, ruft er, die wollen mich hauen!“

Wir sitzen noch lange zusammen, die Kinder schlafen friedlich auf der Couch. Familie ist wichtig. Mir bedeutet sie viel. Gemeinsam werden wir den Plan verfolgen, um in Japan ein Kind zu adoptieren. Das geht auch als Single, als Ehepaar zählen wir in Japan nicht. Dann werden aus den ollen Tanten tolle Mütter. Ihr werdet es schon sehen.

Homophobes Deutschland: Lesben sind Mütter zweiter Klasse

Deutschland lebt noch in der Steinzeit, was Regenbogenfamilien angeht. Das dürfen wir bei der Planung zum Wunschkind erleben. Obwohl ich Yuki als meine Frau bezeichne, wird das vom Gesetz her anders gesehen. Gleiches gilt für Kinder. Im Fall von Yukis Schwangerschaft, wird sie die leibliche Mutter sein. Ich habe erst einmal keinerlei Rechte.

Dank Ken wäre ich zwar die Großcousine, aber für ein Sorgerecht ist das unerheblich. Ich muss eine Stiefkindadoption beantragen, die vom Jugendamt und Familiengericht genauestens geprüft werden wird. Und wie in den meisten Fällen (absichtlich) verzögert. Es kann bis zu 1 1/2 Jahre dauern bis eine Entscheidung getroffen wird.

Ein Grund, der ein Schlag ins Gesicht für jede nicht biologische Mutter ist, das Neugeborene soll sich an die andere Partnerin gewöhnen. Ein klarer Fall von Diskriminierung. Und die Stiefkindadoption ist ohnehin der falsche Weg.

Muffig-konservative Kreise, die sich auf des Kindes Wohl berufen, verhindern bisher eine völlige Gleichstellung von homosexuellen Paaren und den damit verbundenen Eintrag zweier Mütter in die Geburtsurkunde. Aber sind zwei Frauen schlechte Eltern? Es gibt eine Menge Regenbogenfamilien in ganz Deutschland, die das genaue Gegenteil beweisen.

Unsere Eltern sind fassungslos, als wir ihnen die rechtliche Situation erläutern. In einigen europäischen Staaten sieht das anders aus. Vielleicht sollten wir besser in Holland leben, so schwer ist die Sprache nicht. Selbst das erzkatholische Spanien hat schon vor Jahren die Wende geschafft. Nur (mein) Deutschland bleibt in Teilen homophob.

Höflichkeit ist (k)eine Zier

Ein Satz von Goethe hat meine Kreativität geweckt. Danke dafür, lieber Bernd. Er lautet „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist“ und stammt aus Faust 2. Für mich als deutsche Japanerin ist dieser Satz sehr interessant. Kenne ich doch beide Welten.

Japaner haben Höflichkeit in ihren Genen. So zumindest scheint es oft. Ein Beispiel dafür ist meine Mutter, gegen die ich wirklich ein Frechdachs bin. Von meiner Mutter gibt es nie ein böses Wort zu hören. Sie beherrscht die Kunst japanischer Höflichkeit perfekt.

Aber warum ist der Japaner so, was macht uns so anders, so (scheinbar) distanziert? Wieder reise ich in der Zeit zurück, ins Japan des späten Mittelalters. Das Tokugawa-Shogunat isoliert Japan vom Rest der Welt. Mehr als 200 Jahre wird die Familie Japan mit eiserner Hand beherrschen. Und doch gibt es keinen Krieg.

Japan ist nicht reich an Bodenschätzen und die bewohnbare Fläche sehr begrenzt. Die Menschen müssen lernen oft auf engstem Raum zu leben. Ohne Streit, ohne böse Worte. Das funktioniert deshalb so gut, da es kaum soziale Konflikte gibt. Die begrenzten Ressourcen werden effektiv genutzt und so etwas wie allgemeiner Wohlstand ist verbreitet.

Aber auch die innere Distanz zu anderen Menschen, die in jener Zeit entsteht. Man begegnet sich täglich, man erweist sich gegenseitig Respekt. Ist es Lüge, wenn man andere Menschen grüßt? Amerikaner beherrschen die Höflichkeit sehr gut. Viel besser, als die Deutschen das tun. Wobei ich die Frage „Wie geht’s?, doch lieber ehrlich beantworte, statt mit dem typischen „I am fine, how are you doing today?“

Die von mir sehr geschätzte japanische Schriftstellerin Hisako Matsubara hat es so formuliert:

„Das ist die Essenz japanischer Höflichkeit: Verhalte dich so, daß der andere sein Ansehen wahren – besser noch – mehren kann.“

Versteht ihr, was das heißt? Und was es für alle bedeutet? Der Deutsche sieht Dinge viel zu negativ. Schwarz. Weiß. Keine andere Farbe. Kein anderes Bier. Und doch gibt es sie, die „Fifty Shades of Grey.“ Und ich meine nicht den Film. Höflichkeit erweise ich auch Feinden. Zumindest bevor es den Mittelfinger gibt.

Von mitleidlosen Japanern und gefühlskalten Deutschen

Geschichten über Japan werden meist von Westeuropäern verbreitet, die wenig von der asiatischen Seele verstehen. Geprägt von westlicher Kultur und christlichem Glauben maßen sich diese Japan-Kenner Verständnis an. Und liegen oft völlig daneben.

Immer wieder weise ich auf die großen Unterschiede hin, die zwischen Japan und Deutschland (Europa) bestehen. Und auch in China, oder Korea, ist das kaum anders. Am Beispiel „Mitleid“ möchte ich eine Sichtweise zeigen, die Westeuropäer so völlig anders sehen.

Angeblich zeigen Asiaten kaum Mitleid, wenn ihnen von Unfällen berichtet wird. Das Schicksal des Einzelnen scheint sie nicht zu interessieren. Und hier haben wir schon jenen Unterschied, den ich bereits angesprochen habe.

Die empathische Bindung gegenüber der eigenen Nation hat in Japan und ganz Asien oft einen höheren Stellenwert als im Westen. Anders ist die Opferbereitschaft der Helfer im Atomkraftwerk Fukushima kaum zu erklären. Die Helfer handelten zum Wohl der Nation. Und sind dafür gestorben.

Japaner zeigen wenig Gefühle, das gehört sich einfach nicht. Kawaisou – Du Armer!, wird in Japan ungern gesagt. Das Wort wird meist als arrogant empfunden. Und Japaner sind sehr empfindlich und auch sehr schnell verletzt. Um das zu vermeiden schweigen sie oft und zeigen das berühmte Lächeln, was oft als grausam und mitleidlos bezeichnet wird.

In Asien gibt es noch weitaus tiefere familiäre Bindungen, als es in Deutschland der Fall ist. Dort kümmert man sich um bedürftige Angehörige. In Deutschland kommen sie ins Altersheim. Und Besuch gibt’s einmal im Jahr. Wie war das mit dem Mitleid noch?

Als gefühlskalt und wenig empathisch werden Japaner gern bezeichnet. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall. Japaner empfinden Europäer oft als ebenso wenig empathisch. Zumindest bei Erstbegegnungen. Wie der Japaner denkt soll ein Beispiel zeigen, das meine Mutter mir erzählte.

Als junges Mädchen hatte sie einen Studentenjob und eines Tages fürchterliche Rückenschmerzen. Trotzdem ging sie pflichtbewusst zur Arbeit, bis die Schmerzen unerträglich wurden. Sie ging zum Chef, um sich für den Tag krank zu melden. Aber statt Verständnis zu zeigen reagierte der ungehalten.

Ihr Verhalten sei inakzeptabel bekam sie zu hören. Und sie solle mit ihrem Vater sprechen, der ihr korrektes Benehmen beibringen solle. Und wer nun ihre Arbeit machen solle, er habe sonst niemanden mehr. Sie bekam zwar frei, musste den Tag aber nacharbeiten. Unmenschlich, mitleidlos?

Auf den ersten Blick ist der Chef ein Monster, ein herzloser Kerl. Aber meine Mutter war am Vortag Schlittschuhe laufen und hat sich dort die Bandscheibe verrenkt. Das hatte sie in ihrer Naivität noch kommuniziert. Und deshalb war der Chef ungehalten. In Japan wird von Arbeitnehmern erwartet, dass sie an ihren freien Tagen auf ihre Gesundheit zum Wohl der Firma achten. Ist das falsch?

Zugegeben ist der Kerl für mich ein Arsch, das kann ich hier ganz deutlich sagen. Von mir hätte er den Mittelfinger bekommen und den verbalen Tritt ans Knie. Aber es geht um kulturelle Unterschiede. Und auch in Deutschland reagieren Chefs ungehalten, wenn sich der Prokurist in seiner Freizeit betrinkt und dabei die Finger bricht.

Das Bild vom mitleidlosen Japaner ist so falsch, wie das des Deutschen in Lederhosen. In beiden Fällen ist es ein dummes Klischee. Aber wer weiß, vielleicht wollten die Japaner nur kein Mitleid zeigen, wenn sie närrische Jodel-Bayern sehen.

Mein (fast) perfektes Leben

Mein Leben ist perfekt, das sehen zumindest viele Menschen so. Liebe, Beruf und gutes Elternhaus, was kann es schöneres geben? Die (scheinbaren) Vorteile überwiegen bei mir. Auch finanziell war ich stets ohne Sorgen. Aber ist das alles reines Glück?

Die Wahrheit sieht völlig anders aus. Meine Eltern haben hart für ihren Erfolg gearbeitet und mir wurde ebenfalls nichts geschenkt. Ein fast lebenslanges Training, ein gezieltes Studium, haben mich zu der erfolgreichen Frau von heute gemacht.

„Aber du hattest auch Glück“, höre ich andere Menschen sagen. Und das sehe ich mit anderen Augen. Jeder Mensch hat Chancen. Aber nicht jeder Mensch kann sie nutzen. Versagensangst, Unsicherheit hemmmen das wahre Potenzial. Und das emotionale Chaos im Kopf.

Die vielzitierte Liebe wirft uns oft völlig aus der Bahn. Statt nach vorn zu gehen verharren wir regungslos auf der immer gleichen Stelle. Wir drehen uns im Kreis und suchen nach der rettenden Tür, die uns ins Paradies führen soll. Aber wir finden sie natürlich nicht. Dabei ist sie immer nebenan.

Ich bin behütet aufgewachsen. Dafür aber in einem mir völlig fremden Land. Ich war die Japanerin, die Andere. Aber genau das habe ich zu meinem Vorteil genutzt! Mit Fünf bist du nicht lesbisch und Liebe ist nur ein mysteriöses Wort. Und doch war ich der (heimliche) Star in meiner Klasse. Das Mädchen, das sie alle faszinierte.

Mit Sieben habe ich mir erstmals auch bei Mann Respekt verschafft. An die blutige Nase hat der Junge noch lange gedacht. Damals ist mein Zorn erwacht. Nicht gegen Mann, aber gegen ein Verhalten, das Mädchen als dumm und minderwertig erachtet. Dumm nur, dass meine Noten besser waren. Dumm auch, dass Mann kein Thema (gewesen) ist.

Japan war ein fremdes Land. Mein erster bewusster Besuch hat mich zutiefst schockiert. Plötzlich sollte ich still sein und süße Kleidchen tragen. Und dagegen habe ich mich vehement gewehrt! Die Toleranz meiner Eltern und Tante, hat damals mein junges Leben gerettet. Und die Begegnung mit Cousin Ken. Das war „Liebe“ auf den ersten Blick.

Klein Mayumi war oft wild und mehr Junge, als Mädchen. Und schon damals, habe ich andere Menschen beschützt. Wenn überhaupt von Glück die Rede ist, dann war es mein Glück in Deutschland aufzuwachsen. Auch, wenn ich dort die Außenseiterin war, so hat mir der „Goldene Westen“ alle Freiheiten beschert. Als Lesbe in Japan wäre ich gestorben.

Maßgeblich hat mein Vater mein Leben geprägt. Seine Weitsicht, seine Geduld, haben auch meine Mutter überzeugt. Und plötzlich zog ich, wenn auch selten, von mir aus Kleider an. Überhaupt habe ich immer nur das gemacht, was mein kleiner Dickkopf für gut befunden hat. Dabei war ich nie wirklich ungezogen.

Aber ohne große Regeln kannst du als Kind auch keine brechen. So einfach kann das Leben sein. Ich zitiere mich an dieser Stelle selbst: „Meine Eltern haben mir sehr große Freiheiten gelassen. Ich glaube sie haben erkannt, dass eine weiche Erziehung meinen Dickkopf eher “besiegt”, als Härte. Das passende Sprichwort stammt von Laotse: Nichts auf der Welt ist so weich und nachgiebig wie das Wasser. Und doch bezwingt es das Harte und Starke.“

Mein Leben ist perfekt, so wie es ist. Aus dem wilden Bach der frühen Jahre, ist ein ruhiger Fluss geworden. Wer die eigene Stärke kennt muss selten kämpfen. Auch nicht gegen sich.