Ein Hauch von Zen II

Vor einigen Monaten hatte ich das Gedicht des Zen-Meisters Wumen Huikai (japanisch Mumon Ekai) auf meinem Blog gebracht. Wer es nachlesen mag darf gern HIER klicken. Mumons Kernaussage, den eigenen Geist zu befreien und so die Selbstzweifel abzulegen, sie gilt auch heute noch. Aber es sind nicht nur Selbstzweifel, die uns quälen. Der Mensch der Neuzeit hat so viel verlernt.

„Folge nicht den Ideen anderer, sondern lerne auf deine innere Stimme zu hören. Dein Körper und Geist werden klarer, und du wirst die Einheit aller Dinge realisieren“, hat Dogen Zenji, ein Lehrer des japanischen Zen-Buddhismus, einst geschrieben. Und genau das können viele Menschen nicht.

„Reizüberflutet“, sei der heutige Mensch, hat mein Vater mir gesagt. Internet, Handy und TV, trügen alle ihr Teil dazu bei. Der Mensch verliere den Blick für das Wesentliche und sei nur noch ein gelenktes Medienprodukt. Diese Worte hingen mir seit einer Weile nach. Doch erst heute brechen sie mit Macht aus mir heraus.

Selbst ich bin nicht frei von äußeren Reizen, selbst ich bin im Internet unterwegs. Aber werde ich davon auch manipuliert? Seit ich klar denken kann, habe ich immer einen eigenen Willen gehabt. Und der stand oft im Gegensatz zu den Wünschen meiner Eltern. Egal ob im Kindergarten, oder später in der Schule, ich bin einen eigenen Weg gegangen.

Im Gegensatz zu den oft vergeistigten und etwas weltfremden Zen-Meistern vergangener Tage, habe ich aber nie den Blick für die Realität verloren. Auch, wenn ich nicht unbedingt die ausgefahrenen Wege der Masse gehe, so behalte ich sie stets im Blick. Es liegt mir nicht im Stillen zu meditieren, mein Geist kann sich auch beim Aikido entspannen.

Mein Handeln kommt allein aus mir. Beeinflussen lasse ich mich nur bedingt. Aber ich bleibe offen für neue Ideen und nehme auch Anregungen gern auf. Scheinbar spontan, aber immer gut durchdacht. Die Wiederaufnahme des Studiums gehörte ebenso dazu, wie nun mein Schritt in die Selbstständigkeit. Und ist ein Doktortitel in BWL nicht auch eine Form der Meisterschaft?

Meine innere Stimme ist immer da. Manchmal flüstert sie nur, an anderen Tagen schreit sie mich an. Für viele Menschen ist es vermutlich schwer geworden ihre Stimme zwischen all dem Lärm, all den bunten Reizen noch zu hören. Sie verwechseln dann den Nachrichtensprecher mit dem eigenen Bauchgefühl. Und selbst Eltern und Freunde, haben nicht immer recht.

Ich wage zu bezweifeln, dass ich die Eineit aller Dinge schon völlig realisiert habe. Aber ich sage ganz selbstbewusst, dass ich die Dinge anders sehe. Klarer auf jeden Fall. Und das selbst mit Rennlizenz und Internet.

Ein Hauch von Zen

春有百花秋有月

夏有涼風冬有雪

若無閑事挂心頭

更是人間好時節

The spring flowers, the autumn moon;

Summer breezes, winter snow.

If useless things do not clutter your mind,

You have the best days of your life.

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Über dieses Gedicht ist bereits viel gesagt und diskutiert worden. Ich werde das nicht. Es steht für sich und es ist gut. Jeder Versuch einer Interpretation wird scheitern. Die Ausnahme wäre ein Zen-Meister. Und von einem solchen stammt es. Nämlich von dem Zen-Meister Wumen Huikai, in Japan besser bekannt als Mumon Ekai. Auch kurz Mumon genannt. Mumon verfasste es in dem Werk „The Gateless Gate.“ Einzig über die englische Übersetzung kann man diskutieren.Sie stammt nicht von mir, klingt aber besser als die deutsche Version.

時節 lese ich als Jahreszeit.

Ich möchte diese Zeilen all jenen Menschen ans Herz legen, die von Selbstzweifeln geplagt sind. „Useless things / Nutzlose Dinge“ steht für alles, auch Personen. Befreit euren Geist und habt die besten Tage, die beste (Jahres)Zeit eures Lebens.