Quo vadis Feminismus?

„Ein Problem der Feministinnen und mit ein Grund warum ich sie oft meide, ist die Uneinigkeit, der Kampf miteinander“, habe ich als Antwort auf den Kommentar einer Leserin geschrieben. Heute erkläre ich warum.

Die doppelte Moral

Viele meist linke Feministinnen frönen einer schizophrenen Doppelmoral. Auf der einen Seite betonen sie den Zusammenhalt unter Frauen, um sofort die Einschränkung zu machen, dass nur jene gemeint sind, die ihre Ansichten (Ideologie) und Moralvorstellungen teilen. Wagt es eine auszubrechen, wird sie (verbal) bis aufs Blut bekämpft.

Aktuell reitet ein Großteil der Feministinnen auf der #metoo-Kampagne und schießt einmal mehr übers Ziel hinaus. Gleich alle Männer unter Generalverdacht zu stellen, ist ziemlich daneben.

Sexuelle Übergriffe auf Frauen anzusprechen ist wichtig! Wer schweigt macht sich schuldig. Das absurde Argument linker Feministinnen, dem „politischen Gegner“ durch Schweigen keinen Vorteil zu gewähren, entlarvt sie als Heuchlerinnen.

Der (fehlende) Aufschrei

Konnte Frau zu Beginn der #aufschrei-Kampagne im Jahr 2013 noch nicken, nahm diese in der Folgezeit absurde Züge an. Auch die #metoo-Kampagne wirkt zum Teil aufgesetzt und dem Mainstream-Feminismus geschuldet. Dass AmerikanerInnen etwas seltsam in Beziehungsfragen sind, habe ich selbst erlebt.

Es ist genau diese neue Prüderie, die der von mir so genannte „Zentralrat der Feministinnen“ in die Gesellschaft einbringt. Ein erstes Opfer sind bereits die leicht bekleideten Grid-Girls der Formel 1 geworden, die nun alle ihren Job verlieren.

Bisher dachte ich, dass Feminismus für die Selbstbestimmung der Frauen steht. Offenbar war das ein Fehler. Feminismus wird offensichtlich von der Pseudomoral einer Gruppe frustrierter Frauen neu definiert, die vielleicht neidisch auf das Aussehen dieser Grid-Girls sind, um es vorsichtig zu formulieren.

Bekanntlich setzen sich deutsche Feministinnen gern für muslimische Frauen und deren Recht ein, das Kopftuch zu tragen. Darüber und ob das wirklich aus freien Stücken geschieht, wird heftig gestritten.

Dass die Feministinnen damit eine aggressive politische Ideologie unterstützen, zur Schaffung von Parallelgesellschaften beitragen, übersehen sie ebenso, wie die mutigen Iranerinnen, die in ihrer Heimat gegen den Kopftuchzwang protestieren.

Der rechte Weg

Als vor einigen Tagen die Initiative #120db (120 Dezibel) das Tageslicht erblickte, war die linke Szene konsterniert. (120 Dezibel ist die Lautstärke eines handelsüblichen Taschenalarms, der von der Polizei nach anhaltenden Übergriffen von Migranten auf deutsche Frauen empfohlen worden ist.)

Vorzeige- und Möchtegern-Feministinnen beeilten sich zu erklären, wie widerlich diese Kampagne sei, die sich in rassistischer Weise gegen Ausländer richte und dass es sich bei #120db um eine „rechte Gruppierung“ handele.

Kein Wort von Solidarität, kein Angebot zum Schulterschluss, stattdessen nur die übliche Häme. Die Opfer werden erneut vergessen. Leider begeht #120db den Fehler, dass nur „importierte“ männliche Gewalt gegen Frauen angesprochen wird. Was ist mit einheimischer (ehelicher) Gewalt, hat Frau die übersehen?

Seid laut!

Die Identitäre Bewegung (IB), die hinter #120db steckt, habe ich schon eine Weile im Blick. „Nazis“, wie uns die Medien vermitteln, sind das keine. Eher eine Art Jugendbewegung, die der FPÖ (Österreich) und AfD (Deutschland) nahe steht. Leider wird die Kampagne genau dadurch weniger Gewicht bei der Bevölkerung bekommen. Die linken Medien sorgen schon dafür.

Anders als diese Mainstream-Feministinnen, werde ich die explodierende Gewalt durch eine Minderheit der Migranten ansprechen. Auch wenn ich dazu ungewöhnliche Verbündete suchen muss. Für mich ist das Ergebnis wichtiger, als der „politisch korrekte Weg.“ Und dieses Ergebnis kann nur lauten „Finger weg!“ Das gilt dann für alle Männer, die ein „Nein!“ noch als Einladung verstehen.

All jenen, die erst jetzt auf den Zug des Feminismus und der neuen Kampagnen springen, muss ich die Fragen stellen: „Wo wart ihr gestern? Warum habt ihr geschwiegen, als die beste Freundin eurer Tochter mit auffälligen blauen Flecken zur Schule kam. Warum habt ihr erst dann Betroffenheit geheuchelt, als vielleicht genau dieses Mädchen Selbstmord beging, da sie (vom deutschen Stiefvater) jahrelang missbraucht worden ist?“

The Good, the Bad and the Ugly

Aber vielleicht wart (seit!) ihr selbst die TäterInnen, die zu Hause mit harter Hand regieren. Den prügelnden Ausländer zu blamieren ist somit für viele einfacher, als eigene Fehler einzugestehen, wenn man das eigene Kind schon wieder geohrfeigt hat.

Das große Problem jeder Initiative ist ihre Instrumentalisierung durch politische Bewegungen und die oft emotional ausgetragene Auseinandersetzung vieler Frauen miteinander.

Der Aufschrei über #120db verschleiert natürlich auch die eigene Ohnmacht und Hilflosigkeit der Feministinnen: „Warum sind wir nicht auf diese Idee gekommen?“ und „Die Rechten haben unser Terrain besetzt!“, schallt es aus ihren Reihen. Frau sieht die Deutungshoheit des Begriffs „Gender“ und „Feminismus“ in Gefahr und ortet bereits eine Bedeutungsverschiebung.

Das muss natürlich in aller Ausführlichkeit ausdiskutiert werden, Frau muss klare (neue!?) Positionen finden, um sich von Populisten abzugrenzen. Das geht schon eine ganze Weile so, mit zweifelhaftem Ergebnis. Ihr, die ihr lieber das Kopftuch als „Befreiung der Frau“ verteidigt, habt euch und die feministische Bewegung schon lange überlebt. Für mich seid ihr „The Ugly“, ihr habt euch und uns verraten.

Für die Opfer!

Solange ich denken kann, habe ich mich gegen Ungerechtigkeit eingesetzt. Niemand wird sich ungestraft an einem anderen vergreifen, wenn ich in der Nähe bin. Dabei spielt es keine Rolle wer die Täter sind.

Wir alle, egal ob Frauen oder Männer, könnten schon morgen ein Opfer von Gewalt werden. Der Protest dagegen ist kein Rassismus. Aber wenn nun wiederholt Migranten deutsche Frauen ermorden, muss das ebenso ein Thema sein, wie der Missbrauch eines Jungen durch deutsche Pädophile.

Es wäre eine tolle Sache, Sahra Wagenknecht neben Alice Weidel und Andrea Nahles auf einer Demonstration gegen sexuelle Gewalt zu sehen. Stellvertretend für die verfeindeten Lager. Ich könnte fast darauf wetten, dass sie sich in dieser Sache gut verstehen. Über Sachthemen streiten können sie später.

Wenn die Gespenster kommen

Halloween ist vorbei, aber noch immer gehen Gespenster in Deutschland um. Ihre Namen sind Angst, Hass und Lüge. Die drei Gesellen wissen um ihre Stärke und bringen den blanken Horror mit. Ängstlich ducken sich die Menschen, die wie das sprichwörtliche Kaninchen wirken. Die Schlangen sitzen in Brüssel und Berlin. Aber die giftigste Otter ist Amerika.

Ein kluger Mensch hat einst das Wort Angst so definiert. „Konkrete und vor allem reaktive Angst sei einer der überlebensnotwendigen Grundaffekte“, hat er gesagt. „Angst sei gegenstandsbezogen und solle besser als Furcht bezeichnet werden. Angst entstehe aus einer Notwendigkeit heraus und verlange eine Reaktion.“

Der westliche Mensch hat „eigentlich“ keinen Grund Angst zu empfinden. Und Gespenster gibt es nur im Film. Aber „eigentlich“ ist so ein furchtbar böses Wort. Das Leben im Westen ist geordnet, die Menschen haben (meist) Arbeit und Geld. Nur noch selten bedroht die Natur ihre Existenz. Also sucht man nach einem Grund sich zu fürchten.

Die (geschürte) Angst löst Funken aus, die sich rasend schnell verbreiten. Die Reaktion auf Angst ist da. Der Mann im Spiegel spricht halbherzig vom neuen Faschismus. Nur um zu erklären, wer ihn entstehen ließ und warum. Die Kritik der reinen Vernunft sieht anders aus.

Apropos Vernunft! Wenn die Angst kommt, geht die Vernunft. Das wissen die Gespenster, deren Worte laut wie Explosionen sind. Erschüttert steht der Mensch vor solcher Grausamkeit. „Mein Haus, mein Boot, man will sie mir nehmen!“ Perfekt haben die Gespenster ihren Auftritt inszeniert. Sie benutzen (zum manipulieren) die Massenmedien.

Aber das Haus ist alt und die Wände brüchig. Und das Boot schon lange voll … Wasser und kurz vorm Untergang. Zeit, um sich von alten Zöpfen zu trennen. Neue Mauern braucht das Land! Damit in schönem Glanze, die Nation neu entsteht.

Eine kleine Schar Aufrechter wehrt sich tapfer gegen die Gespenster. Ein Katzenbuch-Autor hat geistige Blähungen, beim untauglichen Versuch ironisch zu sein. Ein Mann vom Bach pinkelt in eben jenen. Nichtsahnend, dass dort schon wer drinnen steht. Der so besudelte wehrt sich mit Schlamm und ruft zur Schlacht. „Ach Kinder, morgen wirds was geben!“

Gegeben hat es dann die Nazi-Keule, die seit vielen Jahren ein probates Mittel ist. Denn der ist „Rechts“, der (s)eine Meinung laut vertritt. So die absurde Definition in diesem (unfreien) Land. „Achtung! Die Augen Rechts! Im Gleischritt Marsch!“ Komisch nur, dass es „Links, zwo, drei, vier“, heißt.

Moralische (Schein)Empörung soll wieder nur vertuschen, dass die Mächtigen die schlimmsten Angstmacher sind. Brandstifter, Schlangen, deren (Doppel)Moral die Masse quält. Die Gespenster aber lachen im Takt ihrer Schritte, die Saat der Angst wächst mit.

Deutschland ist zur Angstgesellschaft mutiert. Vorbei die Zeit der großen Helden. Und auch Goethe ist schon tot. (Von der Politik gesteuerte) Schlechte Nachrichten kriechen in des Menschen Seele. Schwächelnder (T)Euro, bankrottes Griechenland und nun auch noch die (gesteuerte) Flüchtlingskrise.

Menschen werden bewusst in Angst versetzt. Um sie zu leiten, wie eine Herde Hammel. Während die Massen weiter strömen weiß ein Abgeordneter Rat. Er fordert die „Dienstpflicht“ für alle Jugendlichen, das berühmte soziale Jahr. Alternativ darf es auch wieder die Bundeswehr sein. Zur Sicherung der deutschen Grenze. In Passau und nicht am Hindukusch.

Ein unmoralisches Angebot

Der Arbeitsmarkt ist hart umkämpft, die Wirtschaft boomt wie nie. Manager bekommen Traumgehälter und auch BeraterInnen sind gefragt. Wie sehr, habe ich in den letzten Wochen gesehen. Ohne Werbung, nur durch gute Leistung, bin ich zu mehreren neuen Aufträgen gekommen. Aber die hielten sich alle im Rahmen. Bis es zu dem Kracher kam.

Das Telefon klingelt, eine Männerstimme meldet sich.
„Dr. Carsten Diepholz von der Firma Imperfekt. (Alle Namen in diesem Artikel sind geändert) Spreche ich mit der Unternehmensberatung Landar & Co.?“
Als ich bejahe legt der Anrufer sofort los.
„Es geht um die Sanierung einer Tochterfirma“, erklärt er mir. „Wir haben die Produktpalette gestrafft, aber den Gewinn noch nicht maximiert. Und an der Stelle kommen Sie ins Spiel, Frau Dr. Landar. Wir möchten, dass Sie sich die Zahlen anschauen und ein klares Konzept erstellen. Aber ich sage es gleich, wir möchten auch bei den Personalkosten sparen. Und wenn wir Leute entlassen müssen, so ist das auch legitim. Wir zahlen Ihnen  – Summe zensiert -. Was sagen Sie dazu?“

Nun bringen mich Worte kaum aus der Fassung. Und solche Angebote lehne ich normalerweise ab. Aber jedem Angebot liegt auch ein gewisser Zauber inne. Und die Frage, verdirbt Geld wirklich die Moral? Aber was ist Moral überhaupt? Das werde ich erklären.

Moral bezeichnet zumeist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen. (Quelle Wikipedia). Moral für mich bedeutet auch, dass sich Menschen nicht auf Kosten anderer Menschen bereichern sollen. Dazu fällt mir eine Formel für den kategorischen Imperativ von Kant ein: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde! Und diese Maxime vertrete ich nicht.

Yuki und mir geht es finanziell gut. Das war nie anders, aber wir haben das niemals ausgenutzt. Weder bin ich früher Sportwagen gefahren, noch hat Yuki jemals Schuhe von Gucci getragen. Wir sind immer normal geblieben. Und unsere Eltern sind das auch. Wir haben uns vorgenommen stets auf dem moralisch einwandfreien Weg zu bleiben und nie auf Kosten anderer Menschen Geld zu verdienen. Zumindest nicht, wenn es dabei um Gehaltskürzungen, oder Entlassungen geht. Und das soll so bleiben.

„Die Deutschen haben sich die Nächstenliebe abgewöhnt“, hat der CDU-Politiker Heiner Geißler gesagt. Und da folgt Deutschland einem weltweiten Trend. Aber zurück zu dem Anruf, zurück zu einem Angebot, das wenig moralisch ist. Dr. Diepholz hat mir eine unverschämt hohe Summe genannt, die mich sofort misstrauisch macht. Wer so viel Geld vergibt, der rechnet mit mehreren Millionen Reingewinn. Das muss ich genauer wissen.

Eine Besprechung vor Ort wird angesetzt. Auch Yuki ist skeptisch, als ich sie informiere. Aber sie kommt natürlich mit. Der Z ist denkbar ungeeignet für ein Meeting dieser Art. Zu allem Überfluss ist der Q3 zur Zeit defekt. Nissan hat Ersatz in Form eines Qashqai, den sie uns zur Verfügung stellen. Turbo, Diesel, aber lahm. Dafür entspanntes Fahren und das hat einen positiven Effekt. Elfchen mag nicht immer rasen. Frau kommt auch gemäßigt an ihr Ziel.

„Willst du den Auftrag wirklich annehmen?“, fragt Yuki auf der Autobahn. Wir haben uns in Schale geworfen und sehen zum anbeißen aus. Sagt Yuki! Ich nasche nicht an mir.
„Das kommt darauf an“, erwidere ich. „Auf keinen Fall, werde ich über Leichen gehen! Ich entlasse keine Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben, um irgendwelche fetten Geldsäcke noch reicher zu machen. Aber wenn ich das vermeiden kann und ein anderes Konzept präsentiere, sind wir dem Ziel eigenes Haus ein gutes Stück näher gekommen.“
„Papa sagt, sie wollen uns das Geld geben“, meint Yuki. „Also dein Papa und mein Papa …“
„Hm“, mache ich und hole tief Luft. „Ich weiß, dass die wieder etwas aushecken. Aber ich habe auch meinen Stolz.“
Lasst uns stolz und aufrecht sein!

Nebel und Nieselregen verderben uns die Laune nicht. Entspannt gleiten wir nach zwei Stunden Fahrt auf den Firmenhof und ernten prompt bewundernde Blicke.
Noch im Nissan haben wir die Sneakers mit den Heels getauscht. Das, so wissen wir, kommt bei Mann immer an. Und auch (kurze) Röcke, auf die wir verzichtet haben.
Eine Solariumgebräunte Frau mit Hollywood-Lächeln nimmt uns in Empfang. Wir werden taxiert und eingeschätzt. Aber die Dame findet keinen Makel. Wir schon, ihr linker Absatz ist schief. Und O-Beine hat sie auch. Ja, auch Lesben können Zicken sein.

Dr. Diepholz erweist sich älter, als seine Stimme vermuten lässt. Das Haar ist gefärbt und er hat üblen Mundgeruch. Magenprobleme diagnostiziere ich sofort. Vermutlich auch zu viel Kaffee, wie ein recht frischer Fleck auf der Krawatte zeigt. Wo sind wir hier nur hingeraten?
„Hallo Frau Dr. Landar“, begrüßt er mich mit aufgesetzem Lächeln. „Und wer ist ihre hübsche Begleiterin?“
„Ihr Name ist auch Landar“, erwidere ich trocken. „Sie ist meine Frau.“
Yuki lächelt und sagt „Guten Tag.“
Ich liebe meine Elfe!

Dr. Diepholz zuckt nur leicht zusammen, der Mann hat sich erstaunlich gut im Griff.
„Na, das ist ja mal was,“ sagt er. „Wenn Sie mir dann bitte folgen würden? Oder kann ich sonst noch etwas für sie tun?“
„Grüner Tee wäre gut“, sage ich. „Und wo ist die Toilette bitte?“
Während wir unsere Näschen pudern fängt Yuki an zu lachen.
„Hast du sein Gesicht gesehen?“, fragt sie amüsiert.
„Ja,“, sage ich. „Den habe ich schockiert.“
Spaß muss sein. Das wird fein.

Fünf Männer und die Hollywood-Dame sitzen uns gegenüber. Die Fakten liegen auf dem Tisch.
„Es ist mir egal, wie Sie das machen“, sagt der Firmenchef Dr. Heinrich Großkotz. „Dr. Diepholz sagte, dass sie erstaunlich gut für ihr Alter sind. Man hat sie uns auch wärmstens empfohlen. Überzeugen Sie mich!“
Ich mustere die bereits älteren Männer, deren Anzüge so grau, wie ihre Schläfen sind. Aber würdevoll ist anders, ich bin unter Geier geraten. Aasfresser, um es genauer zu sagen. Und solche Typen mag ich nicht.
„Nun, dann wissen Sie, dass ich anders arbeite“, beginne ich. „Den Gewinn zu optimieren ist leicht. Aber ich werde keinesfalls nur die Gehälter der Manager mehren. Eine gute Firma lebt von zufriedenen Mitarbeitern, die stolz auf ihr Unternehmen sind. Genau da setzt mein Konzept immer an. Mit Entlassungen und Gehaltskürzungen erreichen Sie das genaue Gegenteil. Wir möchten im Gegenteil einen Anreiz für die Beschäftigten schaffen, der ihnen einen Leistungsbonus verspricht. Zufriedende Mitarbeiter machen a. weniger krank und arbeiten b. super motiviert. Wir müssen den Stolz der Menschen wecken, die nur für genau diese Firman arbeiten wollen.“
Unverständnis liegt schwer im Raum. Keiner hat verstanden.

Ich trage meine Punkte vor, die ich nicht detailliert erörtern werde. Zwar hören die Männer zu, aber ihre Skepsis wächst. Klar, sie sehen ihre Tantiemen beschnitten und anders umverteilt. Dass sie damit langfristig mehr Erfolg haben werden, ist ihnen nur schwer zu vermitteln. Es lockt das schnelle Geld.
Dr. Großkotz bittet schließlich zum Mittagessen. Er hat Spezialitäten aus Asien bestellt, die ausgezeichnet schmecken. Und mit Stäbchen essen kann er auch.
Wieder gibt es Tee, der allen mundet. Noch in der Kantine geht die Sitzung weiter und endet dort abrupt.
„Also vielen Dank für diese interessanen Ausführungen, Frau Dr. Landar“, verabschiedet sich der Firmenchef. „Wir besprechen das intern und werden uns bei Ihnen melden. Dr. Diepholz wird ihnen einen Scheck ausstellen. Es hat mich wirklich sehr gefreut.“
Er rauscht davon, den Mann werden wir nie wiedersehen.

„Schwer zu überzeugen, der Alte“, murmelt Dr. Diepholz überraschend offen.
Er reicht mir einen Scheck, bei dessen Anblick Yuki fast schwindelig wird. Aber das verraten (mir) nur ihre Augen.
Ich zeige mich unbeeindruckt und nicke kurz. Für die Summe müssen andere einen Monat schuften.
„Also ich persönlich halte ihre Ideen für gut“, sagt Dr. Diepholz beim Abschied. „Aber bei diesen Betonköpfen läuft man gegen die Wand. Und unter uns gesagt, ich bin auch gegen Entlassungen! Aber ich brauche meinen Job. Was also soll ich machen?“
„Nein zu sagen wäre ein Anfang“, erwidere ich. „Ein kleines Wort, mit großer Wirkung.“
Ob er das verstanden hat?

Auf dem Weg nach Hause fliegen die Heels auf die Rückbank und die Sneakers übernehmen. Das unmoralische Angebot ist vom Tisch. Ich werde keine Beschäftigten wegsanieren. Geld ist nicht alles auf der Welt, was zählt sind Menschen und Moral.

Nur der Wille zählt

Jeder Mensch hat einen Willen und ist in der Lage Entscheidungen zu treffen. Der Wille kommt von wollen sagt man. Und das ist so dumm wie falsch. Richtig ist: der Mensch hat einen Willen, der ihm ein freiheitliches Handeln ermöglicht. Aber nur in Grenzen.

Einen autonomen Willen zu haben heißt nicht, wir könnten machen, was wir wollen. Wäre dem so, wir würden empirischen Faktoren wie Lust und Neigung folgen. In Wirklichkeit machen wir die Gesetze, denen wir gehorchen, selbst.

Nun sehe ich schon meine LeserInnen verständnislos die Köpfe schütteln. Mayumi auf Drogen, oder durchgeknallt? Vielleicht einfach nur abgehoben, kreisend in Outer Space? „Faselei!“, wie Herr Kant zu sagen pflegte. Aber zugegeben hat mich der Philosoph Kant fasziniert.

Vielleicht steht auch die Frage im Raum, ob ich unter die Philosophinnen gegangen bin. Das kann ich klar verneinen. Wenn, so war ich dort immer schon, als kleine Schülerin der reinen Lehren von Ethik und Moral. Vermutlich lege ich sie anders aus, immerhin irrt der Mensch so lang er strebt.

Aber zurück zu den Gesetzen, zur Philosophie und dem (freien) Willen. Wenn wir heute das Wort Gesetz hören, so denken wir automatisch an einen Staat, eine Verfassung, eine Regierung. Vielleicht auch an die Justiz, an Gesetzeshüter. Und so falsch ist das nicht. Wir, die wir unsere eigenen Gesetze erlassen, sind sowohl Regierung als auch Ordnungsmacht.

Wir, die wir nach unseren Gesetzen leben, sind für uns verantwortlich. Aber sind diese Gesetze auch gut? Nein. Allein unser Wille ist es. Kant sagt dazu: „Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille.“

Ist nun die Tat, die dem Willen nachfolgt, ebenso edel und gut? Die Almosen, die wir vielleicht einem Bettler geben? Nehmen wir an ein Paar – in diesem Fall Mann und Frau – ist in der Stadt unterwegs. Am Straßenrand sitzt ein Bettler. Die Frau, deren Herz der Anblick rührt, will ihm spontan (guter Wille) einige Münzen geben. Der Mann bemerkt dies und kommt ihr zuvor.

Kritische Beobachter der Szene werden nun sofort den Finger heben. Ich übergehe an dieser Stelle bewusst einige Punkte Kants, die für das Ergebnis nicht wirklich zählen und richte den Fokus auf Mann. Was waren seine Motive, das Geld zu spenden? War es wirklich sein guter Wille?

Die Antwort ist einfach, es ist ein klares NEIN. Es gab weder eine Neigung, noch eine Pflicht, das Geld zu geben. Allein die Hoffnung damit seiner Partnerin zu imponieren, um mehr Zuwendung zu bekommen. Die Handlung ist also nur in eigennütziger Absicht geschehen. Er will etwas erreichen.

Man könnte nun darüber diskutieren, ob er das aus taktischem Kalkül, oder doch aus Liebe tat. Gestehen wir ihm „In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten“, zu. Auch Männer können lieben.

Als ich vor Jahren einen alten Mann vor Schlägern rettete, habe ich das nicht in eigennütziger Absicht getan. Ich habe spontan gehandelt, mit meinem guten Willen. Ich tat es, weil ich es kann, weil ich eine Notlage erkannte und meiner Neigung zu helfen entsprochen habe. Es war mein Wille, mein Gesetz. Und das ist gut.

Nun sind nicht alle unsere „Gesetze“ nach ethischen Maßstäben richtig. Aber im Gegensatz zum Tier, haben wir die Freiheit uns zu entscheiden. Und wir haben einen Verstand. Leider benutzen wir den oft manipulativ. „Ich tue etwas, um etwas zu erhalten.“ Das ist Eigennutz.

Nicht ganz uneigennützig, habe ich nun diesen Beitrag geschrieben. Ich wollte meine LeserInnen erreichen. In guter Absicht versteht sich! Und dieser gute Wille ist alles, was zählt.