Der Mann, der Zatoichi war

Es mutet vielleicht seltsam an, wenn ich über „Mann“ und „Liebe“ spreche. Aber ich „liebe“, im Sinn von mögen, so einige männliche Schauspieler. Shintaro Katsu, The Rock und Vin Diesel gehören dazu.

Und an den Schauspieler und Sänger Shintaro Katsu, den ich durch meinen Vater kennenlernte, möchte ich heute erinnern. Shintaro Katsu war ein Allroundtalent. Und als Schauspieler, in der Rolle des Zatoichi, ist er bis heute unerreicht.

Um Irrtümern vorzubeugen, er und niemand sonst, hat die Figur des blinden Masseurs erfunden. Dramaturgisch umgesetzt hat sie zu Beginn der Serie der Autor Kan Shimozawa. Shintaro Katsu – japanisch Katsu (Katz) Shintaro, hat Zatoichi von 1962 bis 1989 gespielt und ihm für immer Leben eingehaucht.

Zatoichi ist ein Yakuza (Verbrecher) und eine tragische Figur. Herzensgut und niemals böse, stolpert er blind durch die altjapanische Welt. Er ist zum Teil Clown, Detektiv und ein Meister des Schwertes und benutzt eine spezielle Form des Iaijutsu, die Kunst das Schwert zu ziehen und in der gleichen Bewegung zu töten. Wie er kämpft ist pure Fiktion. Das hätte real niemals funktioniert.

Aber im Film ist Zatoichi fast unüberwindlich. Er tötet schneller, als die Feinde glauben. Und er vollbringt Kunststücke, die einzigartig sind. Auffällig dabei immer Katsus Humor, der mich oft zum Lachen reizte.

Zatoichi hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Und so mancher Yakuza-Boss bezahlt das mit dem Leben, wenn er den blinden Masseur hintergehen will. So nebenbei rettet Zatoichi dann hilflose Frauen und Kinder. Und das macht er gut.

Wer genauer hinschaut, wird auch die Botschaft der Filme erkennen, die Shintaro Katsu versteckt oder offen transportiert. Ich habe alle seine Filme und die TV-Serie gesehen. Mein Vater hat die komplette Sammlung.

Vielleicht kennt jemand jene Zatoichi Filme, die nach Katsus Tod entstanden sind. Die meisten davon sind kaum der Rede wert. Für mich wird Zatoichi immer wie Shintaro Katsu aussehen. Das war die Rolle seines Lebens.

Privat war er höchst umstritten und kam mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt. Auch von einer Liebschaft neben seiner Ehe ist die Rede. Was seiner Leistung keinen Abbruch tut, aber durchaus enttäuschend für viele ist.

Als Erinnerung oder als kleiner Vorgeschmack auf die Filme, ein Link zum Titelsong. Gesungen von Katsu selbst. Unter dem Video gibt es eine englische Übersetzung, die recht gut gelungen ist.

Zwei Begriffe in dem Lied möchte ich erklären. Mit „Otento-san“, ist die Sonne gemeint. Jizo ist ein Schutzgott und Begleiter der Seelen ins Jenseits und wird in Form eines kahlköpfigen Mönchs dargestellt. Man findet diese Statue an allen möglichen und unmöglichen Orten.

 

Die Gewalt im Buddhismus

Schon die Überschrift wirkt provokant. Gewalt im Buddhismus, wie soll das gehen? Ist der Buddhismus nicht absolut friedlich und ruft zu Güte und Achtsamkeit auf? Die Antwort liegt auch hier nicht an der Oberfläche sondern ist wie bei vielen Dingen im Detail versteckt.

Um die Frage wirklich zu beantworten muss man sich zwingend auch mit den beiden großen, monotheistischen Religionen beschäftigen, die ihren Herrschaftsanspruch mit dem Glauben an einen „einzig wahren Gott“ begründen. Wobei Herrschaft durchaus wörtlich zu nehmen ist.

Konflikte zwischen Christentum und dem Islam waren also vorprogrammiert. Im Namen ihres Gottes schlagen sich beide Parteien seit vielen Jahren die Köpfe ein. Darauf angesprochen kommen Verfechter beider Lager gern aus der Deckung und zeigen mit dem Finger auf Japan und das alte China. Haben dort Buddhisten nicht auch Menschen umgebracht?

Ja, das haben sie. Auf grausamste Art und Weise. Aber niemals im Namen Buddhas. Es ging stets um politische und wirtschaftliche Interessen. Vielleicht auch um Antipathie. Die verfeindeten Brüder Japan und China haben sich nie wirklich gemocht.

In der Bibel und dem Koran gibt es zahlreiche Stellen, die explizit zur Gewalt aufrufen. Gegen Verbrecher oder Andersgläubige, die Grenzen bleiben fließend. Der Buddhismus dagegen verbreitet keine Gewalt in seinen Schriften. Wenn Buddhisten töten, hat das meist einen weltlichen Hintergrund.

Und schon wird nahezu hämisch der Finger gehoben und auf Birma – Myanmar gezeigt. Die Presse hat mehrfach darüber berichtet. So ist unter anderen auf ZEIT Online ein Artikel mit der reißerischen Überschrift „Der Zorn der Mönche“ erschienen Wer ihn lesen mag klickt HIER.

Nun muss man wissen, dass Myanmar stets eine Sonderstellung in der buddhistischen Welt hatte. Vor Jahrhunderten bildete sich innerhalb der buddhistischen Gemeinde Birmas allmählich eine strikte Hierarchie heraus, die kaum der von Buddha festgelegten Gleichberechtigung aller Mitglieder entsprach.

Es gab dort einen „Wächter der Religion“, was starke Ähnlichkeit mit dem islamischen Glauben hat. Dieser Wächter, der von bis zu zwölf weiteren, älteren Mönchen unterstützt wurde, befand sich in direktem Austausch mit dem König. Aber die Mönche waren mehr, als nur reine Befehlsempfänger. Sie haben auch den König kontrolliert.

Dabei ging es nicht immer um die Einhaltung des Glaubens, die Mönche traten auch als Sittenwächter auf. Vom König wurden sie als Diplomaten eingesetzt, sie kontrollierten Steuerzahlungen und die Einhaltung der Gesetze. Auch das Schulwesen lag in ihrer Hand.

Jeder männliche Einwohner Birmas inklusive des Königs, musste einen Teil seiner Jugend im Kloster verbringen. Dort brachten die Mönche den Kindern Schreiben bei und unterrichteten sie in religiösen Themen. Diese gegenüber anderen Ländern großen Unterschiede hoben die Grenzen zwischen den Menschen auf. Der Bauer wurde zum Teilzeit-Mönch. Ein Effekt, der im Islam noch immer vorherrscht.

Dieser enorme Einfluss der Mönche hat sich nie ganz abgeschwächt. Selbst heute spielen sie noch eine entscheidende Rolle, wenn es um die politische Entwicklung des Landes geht. Die Motive der mordenden Mönche sind eher politisch, vielleicht sogar persönlich-rassistisch. Der Buddhismus wird dabei nur vorgeschoben.

Gleiches gilt für die christlichen Kreuzzüge und späteren Glaubenskriege des Islam. Da spielte die Gier nach Macht keine unwesentliche Rolle. Natürlich ist es nicht entschuldbar, wenn Menschen getötet werden. Aber in dem Artikel wird nicht zwischen Glauben und den (wahren Motiven) Menschen unterschieden.

Der Artikel auf ZEIT Online ist auch lediglich ein Auszug aus einem Buch, das sich viel tiefgehender mit der Problematik beschäftigt hat. Auch mit den vielen Minderheiten des Landes, die stets Probleme miteinander hatten. Wer Fragen zu dem Konflikt hat, wer mehr über die Hintergünde und Motive erfahren möchte, darf sich gern an die Regierung von Myanmar wenden oder vielleicht den Dalai Lama kontaktieren. Zu geistlichen Fragen wird anderswo auch ein Priester befragt.

Wirklich interessant und aufschlussreich ist die Verbreitungsgeschichte der Religionen. Während Christentum und Islam sich auf dem Wege von Kolonisation und Zwangsmissionierung weltweit verbreitet haben, hat der Buddhismus neue Länder meist gewaltlos für sich gewonnen.

Meist deshalb, da Herrscher ihn durchaus „gewaltsam“ durchgesetzt haben. Aber hier ist von einer Doktrin die Rede und nicht von echter Gewalt. Den Buddhismus dann anzunehmen war stets ein freiwilliger Akt. Und kein Mensch hat sich dabei jemals wehgetan.

Nun gibt es die These, dass vom Buddhismus stark geprägte Gesellschaften deutlich weniger zu Gewalt und Kriegen neigen. Als Beispiele werden die Mongolei und Tibet angeführt, die beide vor Annahme des Buddhismus höchst expansive Mächte waren.

Japan bildet, wie so oft, die Ausnahme, was an der besonderen Sicht- und Denkweise der JapanerInnen liegt. Der Buddhismus in Japan ist staatlichen Interessen untergeordnet worden und war nie wirklich prägend für die Gläubigen.

Man hat ihn angenommen und trotzdem den Shintoismus weiter gepflegt. Und wenn die Fürsten Krieg befahlen, hat man sich gegenseitig umgebracht. In nur wenigen Fällen ging es dabei um innerreligiöse Gründe. Auf keinen Fall sind sie mit den verheerenden früheren Religionskriegen des Abendlandes zu vergleichen.

Vergeblich wird man daher nach Quellen suchen, die dem Buddhismus Gewalt attestieren. Vergleicht man seine Geschichte mit den monotheistischen Religionen bis hin zur Neuzeit, wird der Unterschied noch deutlicher. Selbst heute noch wird im Namen des „einen Gottes“ gefochten.

Die Sicht vieler Gläubiger war und ist dabei erschreckend. Allein die Vorstellung, dass ein Gott eines Blutopfers bedarf, um Sünde vergeben zu können, zeugt von einem perversen, in jedem Fall aber infantilen Gottesbild. Buddha hat Tieropfer stets abgelehnt. Für ihn war das reiner Aberglaube.

Es ist daher auch heute kaum vorstellbar, dass Buddhisten mit Feuer und Schwert ihren Glauben verbreiten. Buddha eignet sich dafür einfach nicht. Seine Lehren sind friedlich. DIE Gewalt im Buddhismus gibt es also nicht. Sie geht immer von Menschen aus, die eigene Motive verfolgen. Würden das die Anhänger von Christentum und Islam auch endlich erkennen, die Welt wäre ein friedlicherer Ort.