Ein Hauch von Zen III

Mein Vater hat mich als kleines Mädchen Zen gelehrt. Und natürlich habe ich am Anfang wenig verstanden. Bringt ihr mal einem Wildfang das meditieren bei. „Warum ist das so?“, wollte ich wissen. „Warum soll ich still sitzen und dies oder jenes tun?“

Großmeister Papa hat meist geschmunzelt, wenn ich wieder meine 5 Minuten hatte. Zwar streng was das Training betraf, hat er unglaubliche Geduld bewiesen und mir immer wieder alles ganz genau erklärt. Dabei hat er auch Zitate von Kodo Sawaki benutzt, dem ruppigen, alten Mann des Zen.

Gern hätte ich diesen alten Grantler kennengelernt, aber als ich geboren worden bin, war er schon eine Weile tot. Und vermutlich hätten wir uns herrlich gestritten, oder einfach nur schallend gelacht. Japanischen Humor werden viele nie verstehen.

Bekanntlich habe ich BWL studiert und darin auch meinen Abschluss gemacht. Das war Taktik und hat viel Disziplin erfordert. Aber einen kreativen Freigeist in Tabellen und Zahlen einzuengen, wird oft in einer Katastrophe enden.

Nur mein jahrzehntelanges Training hat mich vor dem Verlust meiner Identität geschützt. Ich kann problemlos zwischen eiskalter Logik und purer Leidenschaft umschalten. Aber wo bleibt da der Hauch von Zen?

Als selbstständige Unternehmensberaterin, Karate Sensei und Testfahrerin für eine Tuning-Firma, bin ich gewohnt die Dinge im Voraus zu planen. So gebe ich oft am Wochenende Firmenseminare, auf die ich aus verständlichen Gründen nicht weiter eingehen will. Allzu private Dinge gehören in keinen Blog.

BWL erfordert Strategien. Und eine Firma zu retten ist oft schwer. Im Karate erstelle ich Pläne für meine Schülerinnen und wie ich ihnen die Kunst vermitteln kann. Nur als Fahrerin folge ich den Plänen anderer und lebe für den Augenblick. Aber was hat das nun mit Zen zu tun?

Menschen suchen nach der Wahrheit und nach ihrem Glück im Augenblick. „Was ist Zen?“, fragen sie, „wie kann ich mit Zen das Glück erreichen?“ Die Gedanken zur Ruhe bringen, ist der erste Schritt. Was interessiert mich jetzt das Mittagessen von übermorgen? „Atme und sitz still!“ Das ist Zen.

Zen bedeutet zu tun, was der Augenblick verlangt, ohne schon an das nächste oder größere Ziel zu denken. Wenn ich fahre, oder unterrichte, ist das Zen für mich. Zen bedeutet, im Augenblick zu leben. Und so ist es gut.

Wer mehr Zen möchte, wird hier fündig:

Ein Hauch von Zen

Ein Hauch von Zen II

Karate, Kids und Disziplin

Kinder lernen Dinge spielerisch. Das war schon immer so. Und Kinder lernen auch Karate. Vor allem, wenn sie Japaner sind. Auch Japaner haben einen Kindergarten. Und klein Mayumi war natürlich dort. Eine Erinnerung daran habe ich keine, aber ich soll schon damals wild gewesen sein. Gelehrt hat man dort Shotokan-Karate und das war klein Mayumis Ding.

Nun sehe ich schon besorgte Eltern die Stirn in Falten legen und voller Abscheu auf Japan blicken. „Gewalt schon im Kindergarten? Da geht mein Kind nicht hin!“ Und genau da liegt der Fehler. Karate dient nicht der Gewalt. Es ist Sport, Philosophie und eiserne Disziplin. Karate kennt keinen ersten Angriff, das haben uns nur schlechte Filme gelehrt. Und dumme Menschen, die diesen Sport verachten. „Karate beginnt mit Respekt und endet mit Respekt.“ Das ist die erste Regel und sie bedeutet viel. Respekt dem Sensei, den Eltern und anderen Menschen gegenüber. Respekt auch vor sich selbst.

Regel zwei habe ich bereits genannt: „Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.“ Karate ist immer Selbstverteidigung. Schutz für das eigene Leben und das Leben anderer. Das aber effektiv. „Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.“ Der Satz ist selbsterklärend.  „Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.“ Und genau hier liegt der Fehler, den Europäer und Amerikaner machen. Sie sehen nur den Kampf, den physischen Aspekt. In einem guten Dojo ist das anders, was mich zu den nächsten Regeln bringt.

„Denke nicht, das Karate nur im Dojo stattfindet. Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, dann wirst du geistige Reife erlangen.“ Im deutschen Kindergarten gab es 1987 kein Karate. Aber Privatstunden von meinem Papa für mich. Ohne Karate, Aikido und Meditation wäre ich vermutlich ein noch schwierigeres Kind gewesen. Aber statt Ritalin bekam ich Liebe und lernte Disziplin. Und das tat ich richtig gut. Meine Wut war kanalisiert und ich habe den Sandsack drangsaliert. Mit Inbrunst und Leidenschaft. Gewalt ist anders.

Das lebenslange Training macht den Unterschied zwischen Hobbysportler und Profi aus. Und das möchte ich heute gern als Video zeigen. Leider gibt es keine von mir, youtube war noch nicht erfunden. Aber ich soll gut gewesen sein. Und das bin ich heute noch, was mich zur nächsten Regel bringt. „Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig warm hältst.“

Auch, wenn ich heute meist Aikido, Wing Chun und Krav Maga trainiere, so ist Karate ein Teil von mir und wird es immer sein. Es ist mein Leben, wie auch das Buch von Japans größtem Samurai. „Denke nicht an das Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert“, hat Gichin Funakoshi, der Begründer des Shotokan-Karate gesagt. Wer das verinnerlicht und fleißig übt, der braucht keinen Gegner mehr zu fürchten.

„Wandle dich abhängig vom Gegner.“ Ein Gegner kann auch der Alltag sein. Wobei ich den mehr als Herausforderung sehe. Vor allem für hyperaktive Kinder kann Karate also ein Segen sein. Ich kenne so einige Fälle, die das positiv belegen. Und damit ihr besser versteht, was Kindern Karate bedeutet, schaut euch folgendes Video an. Klein Mayumi war übrigens doppelt so dynamisch. Und das bin ich heute noch. Sayonara!