Klein Tokio liegt in Düsseldorf

Rund 6.000 JapanerInnen leben in Düsseldorf und bekanntlich bin auch ich dort aufgewachsen. Das japanische Viertel wird liebevoll „Klein Tokio“ genannt und natürlich sofort mit mir assoziiert. Aber leider muss ich all jene enttäuschen, die mich dort heimisch sehen. Wir haben niemals dort gewohnt, Düsseldorf bietet schönere Flecken.

Meinen Eltern war stets wichtig, dass wir ungestört leben konnten. Der Kauf unseres Hauses war die logische Konsequenz. Dazu gehörte neben Mut auch jenes Selbstvertrauen, das als Markenzeichen meiner Familie gilt.

Galileo hat vor einer Weile eine Sendung über das japanische Viertel gemacht, über die ich schon mehrfach berichten wollte. Aus Sicht eines jungen Japaners, der schon lange in Deutschland lebt, werden dort (seine) Eindrücke von „Klein Tokio“ präsentiert.

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Mögliche Fragen beantworte ich vorab: Nein, ich kenne diesen Japaner nicht. Ja, ich kenne die Japanische Schule. Ja, ich verstehe und spreche die rheinische Mundart, vermeide das aber meist. Ebenso wie Yuki schwäbisch schwätzen kann, es aber tunlichst unterlässt.

Ja, wir haben mit Stäbchen gegessen und meist japanisch. Wir vertragen keine „Haxe mit Sauerkraut.“ Nein, ich werde keine Ratschläge zu Restaurants oder Sehenswürdigkeiten geben. Wer „Klein Tokio“ besuchten möchte, der sollte das ganz einfach tun.

Wie muss man sich ein Haus von Japanern in Deutschland vorstellen, werden sich  einige LeserInnen fragen. Haben wir es etwa umgebaut? Den Keller zumindest als Dojo und den Garten im japanischen Stil. Der Rest des Hauses blieb unangetastet deutsch.

Bei aller Tradition sind meine Eltern fortschrittlich eingestellt und haben einen Esstisch und dazu passende Stühle gekauft. Ebenso Sofa und Sessel fürs Wohnzimmer. Das hat uns viel(e) Freu(n)de gebracht. Wer will schon immer auf dem Boden sitzen.

Auch in Los Angeles gibt es ein „Japantown“, wie in vielen anderen Städten auf der Welt. Aber wer braucht schon Kopien, wenn (m)ein Blick auf ein japanisches Original genügt, das stets in meiner Nähe ist.

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Wenn der Buddha nach Deutschland kommt

Es ist kurz nach Mitternacht in Santa Barbara, als ein Erdbeben das ganze Haus erschüttert. Während Yuki noch erschrocken schaut und Schutz in meiner Nähe sucht, öffnet sich die Zimmertür mit lautem Getöse. „Du schon wieder!“, sage ich erbost, als der dicke Buddha vor mir steht.

„Mach mal halblang, Kindchen“, nuschelt er, und stampft in den Raum, „ich bin unterwegs in göttlicher Mission.“ „Wie jetzt“, will ich sofort wissen, „was hast du mit der Eva am Hut?“ Während der Schalk in seinen Augen blitzt und er sich die Glatze reibt, nimmt er ungefragt auf dem Sofa Platz.

„Die Eva habe ich schon mehr als ein Jahrhunderttausend nicht mehr gesehen“, lässt er mich wissen. „Sie war ja meine Jugendliebe, aber dann hat sie mir dieser Adam ausgespannt. Immerhin hat sie mir ihren Jüngsten in die Lehre geschickt, aber das weißt du bestimmt.“

Mir kommt ein Verdacht, den ich mit dem Satz „Was hast du nun bitte mit Jesus zu tun?“ in Worte fasse. „Ich war sein Lehrer“, erwidert Buddha, „woher glaubst du hat der seine Ideen. Aber er ist schon ein schlaues Kerlchen, nur diese Reality Show mit der Kreuzigung war irgendwie daneben.“

„Also lebt er doch noch?“, stelle ich die alles entscheidende Frage und der Dicke nickt vergnügt. „Logisch“, erwidert er, „wir haben damals diesen Pilatus bestochen und die ganze Welt hereingelegt. Warte nur, du wirst schon sehen.“

„Hallo, Frau Landar“, höre ich plötzlich eine Stimme und aus dem Nichts materialisiert sich Teufelchen. Aber er ist nicht allein, ein bärtiger Mann mit langen Haaren ist sein Begleiter. „Jesses nee!“, entfährt es mir, was mir einen tadelnden Blick von Buddha einbringt.

„Was wollt ihr hier?“, frage ich das Trio, „diese Bleibe ist männerfreie Zone.“ Also 1. bin ich kein normaler Mann“, empört sich Teufelchen sofort und 2. tut auch dir göttlicher Beistand gut.“ „Du bist kein Gott“, erwidere ich, du bist bekanntlich der Antichrist.“

„Das wüsste ich aber, Frau Landar“, mischt sich nun Jesus ein. „Mein Bruder ist vielleicht Legion, aber er war noch nie mein Feind.“ Während Teufelchen um zwei Zentimeter wächst, serviert Yuki leckeren Tee. Aber ihre Blicke verraten, dieser Besuch ist ihr suspekt.

„Schuhe aus!“, sagt sie und sofort zieht Jesus seine Latschen aus. Buddha hat noch nie welche getragen und Teufelchen bekanntlich einen Pferdefuß.

„Wir sind wegen dem Thomas hier“, beginnt Buddha und seine Begleiter nicken im Duett. „Der hat doch diesen tollen Vorschlag mit den Feiertagen gemacht.“ „Moment mal“, unterbreche ich die Rede des Dicken, „du findest de Maizières Idee wirklich gut?“

„Wer spricht denn noch von dem?“, entgegnet Teufelchen, „er hat den anderen Thomas von den Bayern gemeint, der hat doch den Herz-Jesu-Freitag in Bagdad verlangt.“ Selbst Buddha grinst, als ich schallend zu lachen beginne und mir ein „Das ist ja mal ’n Ding!“ aus der Kehle ringe.

„Du hast auch was gegen mich“, gibt Jesus den Beleidigten, „alle Welt hackt immer auf mir rum!“ „Nee, nee“, erwidere ich sofort, „mich hat der Satz nur arg verwundert. Die Supernase als Komiker, das hat irgendwie was.“

„Wie auch immer“, ergreift Buddha wieder das Wort, „ich möchte dass du mir einen großen Gefallen tust. Bei deinen Kontakten zur großen Politik sollte es dir problemlos gelingen, einen buddhistischen Feiertag für Deutschland durchzusetzen.“

Nun gibt es wenig was mich aus der Fassung bringt, aber nach einem Blick ins Buddhas Gesicht wird klar, der Dicke meint was er sagt! „Ich habe schon alles vorbereitet“, fährt er fort und reicht mir eine Prinzenrolle. Mir fallen sofort die Kanji-Zeichen auf, seit wann kann der Kerl japanisch?

„Alles glasklar und politisch korrekt verklausuliert“, verspricht er mir, „für Angiebaby wird das wie Zuckerwatte schmecken. „Und wie bitte soll ich ihr das übergeben?“, frage ich. „Soll ich wieder die Kunoichi wie damals in Sibirien geben?“

„Ach was“, meldet sich Teufelchen grinsend zu Wort, „aber toll wäre es! Nee, Brüderchen wird dich ins Zentrum der Macht begleiten. Ihm stehen bekanntlich nicht nur die Türen sondern auch die Herzen der Menschen offen. Du weißt ja, wenn ich eingreife macht Mama wieder Stress.“

Ich bleibe misstrauisch, dem Satansbraten traue ich einfach nicht. „Und was ist für dich drin?“, will ich von Jesus wissen, „oder bringst du nur einfach das Jüngste Gericht nach Berlin?“ Jesus murmelt etwas, das wie „Ihr solltet endlich aufhören diesen alten Schinken zu essen“, klingt, vielleicht hat er aber auch lesen gesagt.

„Ich, Frau Landar, um das klarzustellen, war immer nur an der Verbreitung meiner Lehre interessiert. Aber das meiste darin stammt nun mal von Onkel Buddha, der hat also noch etwas bei mir gut. Und ohne deine Hilfe sind wir aufgeschmissen.“

„Wirke doch ein Wunder“, sage ich mit boshaftem Unterton und ahne sofort, was ich angerichtet habe. „Mama hat das verboten“, murmelt Jesus, „sie hat gesagt, dass wir das klassisch regeln müssen. Aber du kannst doch Karate, ich habe das im Höllen-TV gesehen.“

Ich verzichte an dieser Stelle auf den Bericht, wie ich mich durch ganze Heerscharen von medial verstrahlten Wachen schlich und unerkannt ins Kanzleramt kam. Leider fand ich dort kein lebendes Wesen vor. Aber an einem runden Tisch saßen ein gutes Dutzend Marionetten, deren Holzköpfe von links nach rechts zur Mitte wackelten.

Leider blieben die Puppenspieler verborgen. Die im Dunkeln, die sieht man bekanntlich nicht. Aber offenbar haben sie wenigstens einen guten Geschmack und haben schon am nächsten Morgen den Hashtag #Buddhaforever online gestellt.

Karate als Therapie

Dieser Beitrag ist noch vor unserer Abreise nach Los Angeles entstanden und hat es erst jetzt auf meinen Blog geschafft. 

Bekanntlich hatte ich meine Cousine nach Deutschland geholt, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Ihre Töchter waren begeistert und haben unsere Herzen im Sturm erobert. „Tante Yumi mach mal Spaß!“, war noch die harmlose Variante ihrer Begeisterung.

Karate ist ein Fremdwort in der Familie meiner Mutter. Diese Tradition hat sich über meinen Vater an mich vererbt. Nur mein Onkel ist als Polizist damit vertraut. Die Mädchen trainieren tapfer mit, als wir sie mit ins Training nehmen. Sie haben das schon öfter gemacht und ihre Mutter schaut immer dabei zu. Meine Cousine ist etwas älter als ich, wir hatten nie sehr innigen Kontakt. Vermutlich war ich ihr zu wild, ich habe immer nur mit Cousin Ken gespielt.

Trotzdem ist unser Verhältnis gut, in unserer Familie gibt es keinen Streit. Unsportlich war meine Cousine nie, sie hat in der Schule Leichtathletik gemacht. Aber das ist nun schon eine Weile her. Seit der Geburt der Kinder ist sie Hausfrau gewesen.

Die Mädchen zeigen uns stolz ihr Können, meine Cousine lächelt und freut sich für sie. „Was wäre, wenn du es auch versuchst?“, stelle ich die entscheidende Frage. Yuki schaut mich an, sie weiß was jetzt passiert.

Cousinchen reagiert auf typisch japanische Art, sie lächelt verlegen und hält sich die Hand schnell vor den Mund. „Ja, ja, ja, Mama!“, rufen die Mädchen im Chor und auch die anderen Frauen nicken. Die Trainerin macht sowieso was ich sage, sie war früher meine Schülerin.

Es macht nun keinen Sinn im Einzelnen auf das Training einzugehen. Geholfen hat es, was nicht immer selbstverständlich ist. Die Depression meiner Cousine ist durch den Schock des Betruges ausgelöst worden, auch wenn es schon vorher in der Ehe kriselte.

In langen Gesprächen haben wir die Wahrheit erfahren. Schon als sie 2015 zu Besuch in Deutschland war gab es kleinere Probleme. Die Details bleiben privat. Wer länger verheiratet ist, wer vielleicht selbst schon eine Scheidung hinter sich hat, wird wissend nicken. Ehekrisen sind weltweit immer gleich.

Während meine Cousine auf ihre Art um die Beziehung kämpfte, hat ihr Mann schon damals andere Frauen gehabt. Er hat es ihr gestanden, was mich in Rage brachte. Prompt habe ich gehandelt. Wie, das wisst ihr bereits.

Seit unserer Rückkehr nach Deutschland trainiert meine Cousine bei uns mit und beweist einiges Talent. Zumindest was die weiche Abwehr von Angriffen betrifft. Nur selbst zuzuschlagen fällt ihr schwer. Dabei ist die Idee fernöstliche Kampfkünste als Therapie einzusetzen nicht neu. In einer Studie hat man bereits an Parkinson Erkrankte ins Karate geholt.

Als ich meine Tante und Ken informiere, zeigen sie sich begeistert. „Barbie-Cousinchen, du bist die absolute Wucht!“, ruft er ins Telefon. „Ja klar“, erwidere ich trocken, „jetzt kann dich auch deine Schwester endlich verhauen.“

Der Psychologe in Los Angeles hat mittlerweile bestätigt, dass die Idee Früchte trägt. Meine Cousine ist auf dem Weg der Besserung. Karate als Therapie! Ich liebe es, wenn (m)ein Plan funktioniert. 

Gedanken einer Ausländerin: Das Fremde

Mit diesem Beitrag werde ich eine unregelmäßige Reihe beginnen, die mein Leben als Ausländerin in den USA und Deutschland zeigt. „Moment mal“, werden einige meiner LeserInnen sagen, „du hast doch einen deutschen Pass!“ Aber macht mich ein Stück Papier zu einer richtigen Deutschen oder werde ich für in Deutschland geborene immer nur die Fremde, die Ausländerin sein?

Regelmäßige BesucherInnen meines Blogs kennen vielleicht meinen türkischen Onkel Ahmed, den (Geschäfts)Freund meines Vaters. Mit seiner Existenz habe ich ein weiteres Geheimnis zu „meinen Männern“ gelüftet. Auch wenn ich den Namen verändert habe, Onkel Ahmeds Philosophiestudium ist echt.

Ich kenne ihn seit mehr als 25 Jahren, mit seinen EnkelInnen bin ich aufgewachsen. Uns verbindet echte Freundschaft über alle Grenzen von Religion und Politik, die bis heute hält.

Vor fast genau einem Jahr, im Oktober 2016, habe ich ein langes Gespräch mit ihm geführt, das, wegen aktueller Ereignisse, nie den Weg auf meinen Blog gefunden hat. Unter anderem hatten wir über die Flüchtlingskrise und Fremdenfeindlichkeit gesprochen, die heiklen Themen unserer Zeit. Diesen Teil gibt es nun zu lesen.

Türkischer Honig

„Rassismus ist noch immer ein Thema auf der Welt“, hat Onkel Ahmed augenzwinkernd gesagt, als ich ihn zum Spaß mit japanischen Schimpfwörtern eindecke. Wie so häufig wenn wir uns sehen, hat er mich scherzhaft „Kobold(in)“ genannt, dabei ist auch er nur knappe 1,70 Meter groß.

Ich greife das Stichwort auf und während er mich mit türkischem Honig besänftigt will ich von ihm wissen, ob er jemals wirklichem Rassismus in Deutschland begegnet ist. Er überlegt kurz und wiegt dann den Kopf. „Na ja“, sagt er, „die üblichen Sprüche, aber mehr war da nie. Wie sind deine Erfahrungen?“

„Durchwachsen“, erwidere ich wahrheitsgemäß, „ich hatte eher Probleme mit Homophobie. Das weißt du bestimmt. Aber die Zeiten haben sich geändert. Viele Deutsche haben Angst vor Überfremdung und bringen das mit offener Ablehnung zum Ausdruck.“ „Was verständlich ist“, stimmt mir Onkel Ahmed zu, „Frau Merkel hat die Bevölkerung überfordert und für Rassismus die Tür weit aufgemacht. Auch viele Neuankömmlinge haben den im Gepäck.“

„Du klingst wie ein AfD-Politiker“, necke ich ihn und weiß, dass er schon immer treuer SPD Wähler gewesen ist. „Jeder der gegen die herrschende Meinung ist, wird sofort diskreditiert“, erwidert er. „Diese Haltung finde ich erschreckend. Wir, die wir vor den Folgen warnen, werden nicht gehört. Dabei müsste man es besonders in Düsseldorf viel besser wissen.

Ich glaube Frau Merkels Satz <<Wir schaffen das!>> war Ausdruck ehrlichen Willens. Aber sie hat einen entscheidenden Fehler gemacht. Ich spreche nicht von politischen Strömungen, ich spreche von der dadurch geschaffenen Angst. Erinnerst du dich an die Bankenkrise vor einigen Jahren und welche Sicherheit Frau Merkel den Bürgern gab?“

„Du meinst, dass das Geld der Sparer sicher sei?“, frage ich und Onkel Ahmed nickt. „Ja“, sagt er, „diese Garantie hat gefehlt. Das Volk schaut doch auf die Regierung und will von ihr vertreten werden. Aber plötzlich sieht es ein Staatsversagen. Ein Satz wie <<Niemand muss Angst vor den Flüchtlingen haben, wir schaffen das, liebe Bürgerinnen und Bürger!>>, wäre vielleicht besser angekommen.“

„Zusammen mit dem Hinweis, dass niemand Angst um seinen Arbeitsplatz oder seine Sozialleistungen haben muss“, füge ich noch hinzu. „Genau das hat sie versäumt und sich wie eine Despotin benommen. Und damit nicht nur meinen Widerstand geweckt.“

Philosophisch nachgedacht

Onkel Ahmed schaut mich nachdenklich an, ich ahne bereits was folgen wird. Der Philosoph ist erwacht und wird einen Vortrag halten. „Weißt du warum Menschen Angst vor Fremden haben?“, will er wissen. „Und zwar unabhängig von der sozialen oder materiellen Komponente?“ „Sag du es mir“, ermuntere ich ihn und höre seinen Ausführungen tapfer zu.

„Das Menschen Angst vor dem Fremden haben ist normal“, beginnt er. „Aber vor welchem Fremden fürchten wir uns, dem Fremden außer uns oder in uns, wie es der deutsche Philosoph Bernhard Waldenfels formulierte. Fremdheit beginnt doch schon im eigenen Haus, in uns selbst und auch der eigenen Sprache.

Unterscheiden müssen wir sie in eine radikale und relative Form. Schon der eigene Partner kann fremd erscheinen, eine quietschende Tür Ängste in uns wecken. Aber relative Fremdheit ist vorübergehend und wird unter günstigen Umständen zur neuen Erfahrung. Das radikale Fremde ist das eigentliche Problem und schafft im Übermaß eben jene Angst, die nun durch dieses Land schleicht.“

Die Hofierung des Fremden

„Ich habe keine Angst“, werfe ich ein. „Aber vermutlich ist Angst das falsche Wort dafür. Ich muss immer alles ergründen.“ Onkel Ahmed schmunzelt. „Ja“, sagt er, „ich erinnere mich. Wie war das damals, als du Shisha rauchen wolltest?“ Wir müssen beide lachen und Yuki schaut verwundert. Prompt hat ihr Onkel Ahmed die Geschichte erzählt.

„In Deutschland sehe ich zwei Lager“, sage ich als er fertig ist. „Eine Seite hofiert alles Fremde, die andere Seite hat die von dir angesprochene Angst. Hast du eine philosophische Erklärung oder ist das einfach nur politisch?“

„Mit der Hofierung des Fremden meinst du bestimmt die Linken“, erwidert er. „Aus reiner Selbstverleugnung überhöhen sie nun das Fremde. Darüber sprechen wir später noch. Lass mich dir ein Beispiel auf deine Frage geben. Im Urlaub bist du eine Fremde in der Fremde. Du magst das Fremde vielleicht gern, die Sprache, die Kultur.

Alles, was uns aus sicherer Distanz begegnet, hat den Reiz des Exotischen, das unsere Neugier anregt. Aber nun dringt das Fremde in das eigene Heim ein. Dieser plötzliche Überfluss macht vielen Angst und verführt zu Abwehrmaßnahmen, die sich gegen das Fremde richten, als müsse man es überwinden. Abwehr bedeutet nicht zwingend Gewalt, Abwehr kann sich auch in Demonstrationen manifestieren.

Das Fremde, bleiben wir beim Beispiel Flüchtlinge, wird für alle eigenen Probleme verantwortlich gemacht. Dieser Projektionsmechanismus funktioniere besonders gut, wenn der Einzelne wenig oder keinen Kontakt zu Flüchtlingen habe, hat ein Psychologe gesagt. Aber das halte ich für zu pauschal.“

„Ist vielleicht auch eine gewisse Eifersucht dabei?“, will ich wissen. „Wenn wir Frau Merkel als Mutter und Deutsche als ihre Kinder sehen, haben diese Kinder jetzt vielleicht einfach Angst davor, dass Mutti die fremden Kinder mehr als die eigenen liebt.“

Onkel Ahmed nickt. „Auch das spielt eine Rolle“, stimmt er mir zu. „Aber kommen wir zu denen, die alles Fremde lieben und sich selbst und Deutschland hassen. Sie sind das Opfer einer ideologischen Strömung, die sich tief in ihr Bewusstsein eingegraben hat. Man könnte sie auch konditioniert nennen. Tragisch daran, Betroffene können das nicht selbst erkennen.“

Auf der Flucht vor dem eigenen Ich

„Sind diese Menschen also quasi auf der Flucht vor dem eigenen Ich?“, frage ich. „Das könnte man sagen“, erwidert Onkel Ahmed. „Sie verleugnen sich und ihre Herkunft, überhöhen das Fremde und üben zum Teil sogar Gewalt gegen Andersdenkende aus.

„Bist du dir treu geblieben?“, will ich wissen, „kennst du dich?“ Onkel Ahmed nickt. „Wie du habe ich den deutschen Pass, aber ich bleibe doch Türke. Und ich liebe meine alte Heimat ebenso, wie dieses neue Land. Daran ist nichts falsch.

Als falsch sehe ich Merkels Entscheidung an und die dadurch entstandene Überforderung der Gesellschaft. Die Menschen sind zum Teil erschrocken, was passiert. Bernhard Waldenfels hat einmal gesagt <<Das Erschrecken ist ein Pathos, das uns widerfährt, gleich dem Erstaunen, mit dem laut Platon die Philosophie beginnt.>>

Wir schauen nun also erschrocken auf ein Heer von Leibern, dich sich mit Macht in unser Heim drängen. Die Fahnenschwenker nenne ich grenzenlos naiv, die Populisten ewig Gestrige. Die einen haben zu viel, die anderen zu wenig Fremdvertrauen.

Wie wir mit in diesem Fall relativer Fremdheit umgehen lässt sich wunderbar an dir festmachen. Hast du nicht sozusagen gefremdelt, als du die deutschen und so fremdartigen Laute erstmals hörtest? Heute sprichst du sie besser als ich. Du hast die Fremdheit angenommen.“

„Den Fremden als das zu begreifen was er ist“, denke ich laut nach, „ist das der Schlüssel?“ „Der Schlüssel liegt im Begreifen des eigenen Ichs“, erwidert er. „Nur wer sich selbst nicht fremd ist, wird auch den Fremden akzeptieren können. Aber viele Deutsche verleugnen sich.“

Einfach und radikal

Er schmunzelt, als ich die Augen verdrehe. „Das ist sehr philosophisch gedacht, schon klar“, fährt er fort. Ich will auch nicht weiter darauf eingehen. Vermutlich werden die meisten solche Überlegungen nicht verstehen. Aber ich möchte doch noch zumindest einen Satz zu der radikalen Fremdheit sagen.

Radikale Fremdheit erleben wir, wenn wir vor etwas stehen, das sich außerhalb jeder und besonders unserer kulturellen Ordnung befindet. Deutsche und Europäer haben Angst vor der Überfremdung. Stell dir vor was passiert, wenn plötzlich 30 Millionen Fremde in Deutschland leben. Das wäre eine radikale Erfahrung!“

„Du glaubst an soziale Unruhen?“, hake ich nach, „Aufstände?“ „Ich glaube an eine zunehmende Aggressivität und Gewaltbereitschaft,“ erwidert er. „Die Abgehängten, wie sie schon der Spiegel nannte, werden sich erbittert wehren. Noch ist es lediglich Pegida oder die AfD, aber was passiert, wenn sich Millionen vereinen, wenn diese Menschen begreifen, wer die wirkliche Macht im Staate ist?“

„Aber dazu bedarf es einer charismatischen Gallionsfigur“, werfe ich ein. „Ich sehe zur Zeit keine.“ „Wir stehen erst ganz am Anfang einer sich verändernden Gesellschaft“, fährt Onkel Ahmed fort. „Die Parteispitzen der Volksparteien haben es bisher verstanden, sich selbst als alternativlos darzustellen. Jeden möglichen Konkurrenten hat man mundtot gemacht. Das wird sich noch bitter rächen.“

„Wird sich Deutschland verändern?“, frage ich, „siehst du eine Islamisierung?“ „Wen fragst du?“, will er wissen, „den Muslim oder den Philosophen?“ „Ich dachte du bist Gemüsehändler“, erwidere ich und bekomme ein lachendes „Frechdachs!“ zu hören.

Zur Aufklärung: Onkel Ahmed hat Philosophie studiert und danach den Laden seiner Eltern übernommen, der aber mittlerweile geschlossen ist. Im Hinterzimmer hat er vielen StudentInnen Nachhilfe gegeben und sie auf ihrem Weg inspiriert. Als Kind habe ich ihn respektlos Teephilosoph genannt, als er mit meinem Vater über Theologie und Religionen debattierte.

Fromm

„Ich sehe durchaus eine sich ausbreitende Frömmigkeit auch unter Türken“, fährt Onkel Ahmed fort. „Das hat verschiedene Gründe und mit wirklichem Glauben oft wenig zu tun. Im Islam finden viele scheinbar ihre verloren geglaubte Identität wieder. Plötzlich ist da ein WIR-Gefühl, ein falscher Stolz, mit dem sie sich über andere erheben. So war, wie ich vermute, die nicht reformierte und von Geistlichen mit politischen Ämtern beherrschte christliche Kirche.

Im Christentum gab es die Reformation, die Aufklärung, die dem Islam völlig fehlt. Der Islam ist wörtlich genommen eine Gefahr für jede Gesellschaft, wenn seine Anhänger die Scharia über menschliche Gesetze stellen. Der Islam ist dann harmlos, wenn Gläubige über die alten Suren schmunzeln und mit ihren deutschen Freunden ein Bier trinken gehen. So wie ich.

Viele Türken sind solidarisch mit Deutschland. Wir leben gern hier, wir mögen Deutschland genau so, wie es nun mal ist. Erdogans Phantasien, die politischen Ziele von Terrorgruppen, all das lehnen viele vehement ab. Wir gehen vielleicht in eine Moschee, die aber nicht zwingend wie im Orient aussehen muss. Aber in Wirklichkeit glauben die wenigsten an einen Gott. Das ist wie bei den Christen. Die gehen in die Kirche, weil es alle tun.“

Die Invasion

„Was kann oder sollte die Politik machen, um das Flüchtlingsproblem zu lösen?“, will ich von ihm wissen. „Hast du dir darüber schon Gedanken gemacht?“ „Ehrlich zu sich und den Bürgern sein“, erwidert er. Aber Ehrlichkeit und Politik schließen sich aus. Das afrikanische Problem war viele Jahrzehnte nur aufgeschoben. Jetzt bricht es los.“

„Viele Konservative empfinden die Flüchtlinge bereits als Invasion“, stelle ich fest. „Ich zum Teil auch, aber das liegt auch in meiner Abneigung gegen aggressiv auftretende Männer begründet. Nur dich liebe ich natürlich heiß und innig, Onkelchen.“

Onkel Ahmeds Lachen ist ansteckend. Ich mag diesen alten Mann, der einerseits die Sanftmut in Person ist und andererseits richtig gut boxen kann und das schon gegen weniger nette Mitmenschen praktizierte. Auch mir hat er früher viel über diesen Sport beigebracht.

„Schon vor einigen Jahren gab es Hinweise auf immer mehr Menschen, die sich auf die gefährliche Reise nach Europa machen“, sagt er und bestätigt damit die Aussagen von Experten, deren Warnungen meist ungehört verhallen.

„Du hast das Stichwort Invasion benutzt. Was Deutschland braucht ist ein Auswahlverfahren für qualifizierte Kräfte. SPD und Grüne haben das ignoriert und Frau Merkel ist früher einen anderen Kurs gefahren. Wo sie heute steht siehst du selbst.“

Ich stehe mit diesem Beitrag nun am Ende. Ein anderer Teil des Interviews, die Warnung und Sorge vor Terroranschlägen, ist einige Wochen später von der Realität überholt worden und bleibt daher unveröffentlicht. Abschließen möchte ich meinen Beitrag mit einem Zitat von Professor Norbert Bolz, der den bemerkenswerten Artikel „Linke Lebenslügen“ schon 2010 in der taz geschrieben hat:

„Die Akzeptanz der Einwanderer hängt daran, dass die Immigration nicht als Invasion erscheint. Der Eindruck der Invasion entsteht am leichtesten bei Wirtschaftsflüchtlingen und beim Nachzug von Großfamilien. Natürlich muss Deutschland stets politisch Verfolgten Asyl gewähren; aber die Kriterien dafür sollten dem gesunden Menschenverstand nachvollziehbar sein.“

Wenn die Japanerin ihr Höschen zeigt – Suchbegriffe im Oktober 2017

Oktober 2017, die Tage werden kühler. Nur das Feuer der Lust brennt munter weiter. Daher drehen sich die meisten Suchanfragen um „Lesben“, „Sex“ und „Japanerin.“ Zusammengefasst scheint also das Interesse des meist deutschen Voyeurs auf Sex mit lesbischen Japanerinnen zu liegen.

1. – hausfrauen versuchen mit mann lesbisch – Erst nach einem Blick in meine Glaskugel, habe ich dieses Gestammel verstanden. Mein erstes Bild war ein Mann im kurzen Rock.

2. – zeigen japanerinnen gern ihr höschen – Auf jeden Fall! Wir laufen bekanntlich selbst im dicksten Winter im Schulmädchenlook und knappen String Tangas umher. Auf Wunsch verkaufen wir die Höschen auch an diverse Schnüffler. Dufte, oder?

3. – lesben männer – Der dümmste Spruch von Männern, wenn sie auf eine Lesbe treffen: „Ich bin auch lesbisch!“

4. – was mögen japanerinnen – Siehe Punkt 2. Und dann wären da noch all die netten Klischees, die in den Medien stehen. Noch Fragen?

5. – wen wählst du ? – Meine Elfe natürlich! Das ist alternativlos für mich.

6. – japanisches haiku liebe – Klickst du HIER

7. – japanerin kontakte – Wegen der getragenen Höschen, ja? Also: 0800-Sex-Sex-Sex

8. – lesbischer sex mit langen fingernägeln – Endet vermutlich in der Notaufnahme.

9. – wie fühlt sich scissoring an – „Du“ nimmst eine Schere und schneidest dir in den Finger. Oder habe ich das jetzt falsch verstanden?

10. – buddhismus und gewalt – Es gibt keine Gewalt im Buddhismus. Aber es gibt Buddhisten, die Gewalt ausüben, was aber nichts mit ihrem Glauben zu tun hat. Und wer nun mit dem Thema Birma / Myanmar kontert, der sollte sich besser informieren.

11. – sexdienstleistungen in japan für frauen – Gibt es bestimmt. Soll ich mich für „dich“ erkundigen?

12. – grün war meine hoffnung – Ja, das war meine auch. Bis sie in den Gräbern von Soldaten verloren ging, die Deutschlands Grenzen am Hindukusch verteidigt haben.

13. – beziehung mit japanerin – Habe ich. Wer noch?

14. – maria ladenburger – Maria ist von dem Migranten Hussein Khavari, der sich als 17jähriger Flüchtling ausgab, ermordet worden. Linksgrüne Medien versuchen bereits Einfluss auf den Prozess zu nehmen, um ein möglichst mildes Urteil zu erwirken. Vermutlich wird auch ein Psychiater zu dem Schluss kommen, dass der „arme Junge“ so traumatisiert beim Anblick von Maria war, dass er sie sofort töten musste. Er darf dann vermutlich eine Lehre als Metzger machen.

15. – lesben komplimente – Die gibt es? Wo? Was kosten die? Ich nehme dann 1 Kilo, nee 2 …

17. – verstehen japaner chinesisch – Nein. Aber wir können zum Teil die Kanji-Zeichen lesen, was eine Verständigung ansatzweise möglich macht.

18. – unterschied gesichter japaner und chinesen – Viel Glück beim raten. Europäer werden nur selten Unterschiede auf den ersten Blick erkennen und selbst ich liege ab und zu falsch. Das liegt auch am Schönheitswahn vieler Südkoreanerinnen und Chinesinnen, die sich das Gesicht verändern lassen.

19. – alle religionen haben immer terror und gewalt produziert – Von jeher haben Menschen Religionen dazu benutzt, um andere Menschen zu beherrschen. Das funktioniert besonders gut, wenn ein Gott, ein höheres Wesen vorgeschoben wird. Das Wort eines unbeweisbaren Gottes wird also benutzt und zum Teil bewusst falsch ausgelegt. Was vergessen wird: Kein Gott hat Religionen erschaffen, das waren stets Menschen ihrer Zeit.

20. – europäische frauen in tokio treffen – Gibt es in Europa keine mehr, ist Tokio das neue Berlin? Dort, so habe ich mir sagen lassen, gibt es immer weniger Deutsche.

Kein schöner Land in dieser Zeit

Deutschland im September 2017. Kein schöner Land in dieser Zeit. Wir sind zurück aus Frankfurt, die IAA (Internationale Automobilausstellung) ist für uns Geschichte. Kurz habe ich darüber nachgedacht einen Bericht über diese bunte Glitzerwelt zu schreiben, aber der Besuch ist nur in Teilbereichen interessant.

Wolf, der Chefingenieur von Yukis Vater, hat uns begleitet. Durch seine Kontakte haben wir eine ganz andere IAA gesehen. Außerdem hat er uns einen Audi TT mitgebracht, der 370 Z ist schon in den USA. Wie immer mahnt er „Mach ihn nicht kaputt!“, was prompt meinen Mittelfinger zur Folge hat. Wann habe ich jemals einen Motor zerstört!

Während Audi gern mit dem Slogan „Vorsprung durch Technik wirbt“, versucht sich auch die Politik mit tollen Sprüchen. Alle wollen es besser machen, jede Partei hat ein eigenes Konzept. Davon zu halten ist wenig. Die meisten sind am Folgetag der Wahl vergessen.

Hand aufs Herz liebe LeserInnen, wer kennt alle Wahlprogramme? Wer hat sich die Mühe gemacht und sie miteinander verglichen? Wie wählen Deutsche überhaupt? Spielt Sympathie die entscheidende Rolle oder nur der reine Protest?

Auch ich habe mir meine Gedanken gemacht. Wen soll ich wählen und warum? Zum Glück kann Frau die Wahlprogramme lesen, aber um jeden Satz zu verstehen müsste man Juristin sein. Ich habe es trotzdem getan und werde zu SPD und CDU eigene Beiträge bringen. Mehr geht nicht, mir fehlt die Zeit.

Glücklicherweise gibt es Kurzversionen, die ich auch benutzen kann. Ähnlichkeiten in der Wortwahl und bei gewissen Themen lassen sich bei der SPD und den GRÜNEN finden. SPD und CDU haben die Polizei im Visier, bei der sie 15.000 neue Stellen schaffen wollen.

Das verwundert wenig, die CDU gibt sich unter Merkel linker als die SPD. Die Ein-Mann-Partei FDP scheint noch im Selbstfindungsprozess zu stecken. Wirkliche Akzente setzt sie kaum. Einiges wirkt wie „schon mal gesehen“ und findet sich in ähnlicher Form auch beim Rest der Blockparteien wieder.

Die AfD hat ihre Hausaufgaben gemacht und auf 74 Seiten 16.000 Worte untergebracht. Damit bleibt die junge Partei deutlich hinter den Etablierten zurück, die ihre Absichtserklärungen wesentlich ausführlicher präsentieren. Was davon zu halten ist wird man bald sehen.

Die LINKEN als Gesamtpaket bleiben mir suspekt, auch wenn ich Sahra Wagenknecht für kompetent und sympathisch halte. Ihr Wahlprogramm ist in Teilen absurd. Wer die Geheimdienste abschaffen will, öffnet Spionen Tür und Tor. Auch aus Russland, das müssen die WählerInnen wissen.

Was ich (noch) von den GRÜNEN halte, habe ich bereits mehrfach geschrieben. Ich hoffe wirklich, dass sie eine herbe Schlappe erleiden, die dann endlich personelle Konsequenzen hat. Was auch für die SPD gilt. Gabriel, Schulz & Co. haben fertig. Neue Sozis braucht das Land.

Dass die CDU/CSU die Wahl gewinnt, sollte niemand wirklich wundern. Gäbe es keine Angela Merkel, ich hätte weniger Probleme damit. Aber diese Frau ist die eigentliche Gefahr für Deutschland. Daher braucht es eine starke Opposition, die „Mutti“ auf die Finger schaut.

Auch wenn ich keine Hellseherin bin, die Fortsetzung der GroKo scheint unausweichlich zu sein. Aber Rot-Rot-GRÜN wäre die noch schlimmere Alternative. Was bleibt ist Schwarz-GRÜN oder Schwarz-Gelb. Vielleicht auch ein neues Dreigestirn.

Ein Trio in meinem Bett sorgt für Heiterkeit, Yuki hat meine Nichten als Verstärkung geholt. Die Mädchen jauchzen, wenn „Tante Yumi“ wach gekitzelt wird. Nur halb bei Verstand ist meine Cousine. Eine schwere Depression hat sie im Griff. Ob das auch für Deutschland gilt?

Der Zusammenbruch kam durch den Seitensprung ihres Mannes, schon in Japan haben wir uns um die Mädchen gekümmert. Was keine wusste, die Ehe kriselte vorher schon. Nun hat sich der Betrug offenbart. Ihr Mann hat ein Verhältnis mit seiner Sekretärin, die (s)ein Kind erwartet.

Auch in Deutschland kriselt es seit Jahren. Hier geht man mit unheilvollen Ideen schwanger. Kommt der Austausch der Bevölkerung? So zumindest tönt es von den Dächern. Die Menschen haben Angst, die Politik hat einmal mehr versagt.

Niemand stoppt mich, wenn meiner Familie Unrecht geschieht. In Japan fange ich den Seitenspringer nach der Arbeit ab und nur seine schwangere Freundin verhindert einen Eklat. Wie ein begossener Pudel steht er da, als ich ihm lautstark einige weniger nette Worte sage.

Lautstark sollten alle mündigen BürgerInnen gegen die Halbwahrheiten der Blockparteien protestieren. Gegen gesteuerte Berichterstattung der durch die Zwangsabgabe finanzierten Medien. Oder hat Deutschland wirklich schon den Herbst der Existenz erreicht und bereitet sich nun auf sein Ende vor?

Die Geliebte des Seitenspringers schämt sich, Arbeitskollegen schauen konsterniert. Der Auftritt ist Absicht. Ich weiß genau, wie Mann sein Gesicht verliert. Meiner Cousine hilft das wenig, aber ihr Mann muss sie finanziell unterstützen. Außerdem ist sein Ruf nun ruiniert.

Meiner ist natürlich ungebrochen, alle Kinder lieben mich. Aber kann man zwei kleine Mädchen so einfach von ihrem Vater trennen? Die Antwort ist einfach. Ich habe „Du willst keinen Ärger mit mir!“ zu ihm gesagt. Das hat er verstanden.

Und Macheath, der hat ein Messer …

Dieser Beitrag stellt keinen Aufruf zur Gewalt dar. Er richtet sich an interessierte LeserInnen, die mehr über Selbstverteidigung erfahren möchten und vielleicht einen kleinen Einblick in meine Welt gewinnen wollen. Entstanden ist er bereits vor meinem Urlaub. Ein Grund war mein blankes Entsetzen darüber, was von angeblichen „Experten“ in Sachen Selbstverteidigung angeboten und gelehrt wird. 

Juli 2017. Der Ort: Das Dojo eines Karate-Clubs. Das Land: Deutschland. Der Anlass: Ein Seminar für Selbstverteidigung. Die Zielgruppe: Frauen. SeminarleiterIn: Ich

In Deutschland ist das Interesse an Selbstverteidigung neu erwacht. Seit „Köln I“ haben Frauen meine Kurse überrannt. Aber kann ich ihnen wirklich Sicherheit bieten?

Zusammen mit meiner Freundin Linda, gebe ich Kurse in verschiedenen Städten. Die folgenden Szenen sind wirklich so passiert und ähneln sich immer wieder. Der Inhalt des Artikels bildet lediglich jene Ausschnitte ab, die zum besseren Verständnis der Thematik beitragen sollen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Mir geht es nicht darum, bestimmte Kampfkünste oder -techniken schlecht zu reden. Aber die Abwehr gegen ein Messer funktioniert meist nur im Dojo.

Der Grund ist einfach: Angreifer führen keine starre Technik aus. Abwehrtechniken dienen als Grundgerüst, um sich zu verteidigen. Das muss der Schüler wissen. Und der Lehrer auch.

Der (Dis)Kurs

Mehr als ein Dutzend Mädchen und Frauen stehen vor mir, die meisten sind völlig unerfahren und haben noch nie Selbstverteidigung praktiziert. Aber alle vereint sie der Wunsch nach Hilfe und wie Frau sich besser schützen kann.

Frauen müssen lernen, die eigene Angst zu kontrollieren. Hilflos kreischende Mäuschen braucht in diesen Tagen niemand. Selbst ist die Frau. Viele deutsche Männer kämpfen nur am Tresen. Hoch die Tassen, Prost!

Ich spreche allgemeine Dinge an, die Praxis kommt später. „Selbstverteidigung beginnt primär im Kopf“, beginne ich. „Ein aufrechter Gang, Blickkontakt mit einem möglichen Aggressor, vor allem die Vermeidung einer gefährlichen Situation sind nur einige Regeln, um sich als Frau zu schützen.“

„Aber bedeutet das nicht, auf liebgewordene Freiheiten zu verzichten?“, will eine Teilnehmerin wissen. „Ich gehe nun mal gern Party machen und ich habe keinen Freund.“ „Wo ist das Problem mit mehreren Frauen zu gehen, von denen eine fährt und nüchtern bleibt?“, ist meine Gegenfrage. „Man wechselt sich dabei ab, so hat jede ihren Spaß.“

„Und wenn uns wer mit der Waffe bedroht?“, kommt schon die nächste Frage, die typisch für das klischeehafte Denken mancher Menschen ist. „Die Chancen in Deutschland auf einen Bewaffneten zu treffen sind eher gering“, erwidere ich. „Eventuell wird ein Messer benutzt, aber meist damit nur gedroht. Die wenigsten Kriminellen haben Waffen.“

„Ja, aber was wenn doch?“, wird nachgehakt. „Wie schützt Frau sich dann?“ „Gegen einen Messerstecher gibt es fast keinen Schutz“, erwidere ich wahrheitsgemäß. „Gebt ihm was er verlangt, es ist in den meisten Fällen nur Geld!“ Aber die Frau will es wissen. „Und wenn er mehr will, also vergewaltigen und so?“, fragt sie.

Und Macheath, der hat ein Messer …

„Ich habe Dinge gesehen, die Ihr Menschen niemals glauben würdet … (Teilzitat aus dem Film „Blade Runner“)

Auch ich habe auf youtube Dinge gesehen, die mir die Tränen in die Augen trieben. Ich spreche von Abwehrtechniken gegen Messerstecher, die blanker Unsinn sind. Keine Kampfkunst, weder Karate noch Wushu (Kung Fu) oder Krav Maga, kann gegen ein Messer bestehen. Gibt es daran Zweifel? Dann bitte weiter lesen.

Schlimm dabei, der Messerstecher muss über keinerlei (Kampfkunst)Erfahrung verfügen. Ein Messer ist und bleibt tödlich. Wer etwas anderes verkauft, der lügt. Es mag es auf der Welt eine Handvoll Menschen geben, die gegen einen Messerstecher bestehen können. Ein reiner Kampfsportler kann das meist nicht.

Und damit könnte ich diesen Beitrag schließen und zur Tagesordnung übergehen. Aber es geht natürlich weiter. Ich hole ein Plastikmesser, stelle mich hinter Yuki und halte es an ihren hübschen Hals. „Was macht man dagegen?“, frage ich und schaue in die Runde. Hilflose Blicke. Es herrscht Ratlosigkeit, keine weiß ein Gegenmittel.

Wehrlos

„Yuki?“, frage ich, „weißt du etwas?“ „Ja“, erwidert Elfchen, „ich mache nichts! Bewege ich mich jetzt, ende ich mit durchschnittener Halsschlagader und verblute in weniger als zwei Minuten.“

„Aber wozu sind wir dann hier, wenn es keine Abwehr gibt?“, will die Frau wissen, die es noch immer nicht verstanden hat. „Du bist hier um zu lernen, wie du diese Situationen vermeidest,“ erwidere ich. „Und was du doch tun kannst, wenn jemand wirklich etwas Böses von dir will. Mit und ohne Messer.“

Ich löse mich von Yuki und trete einen Schritt zurück. „Spielen wir die Szene real durch. Das hier ist eine dunkle Straße, ich bin ein Finsterling und sie auf dem Weg nach Hause. Ich komme ihr entgegen, sie sieht mich und handelt.“

Wir gehen aufeinander zu, Yuki hält Blickkontakt mit mir und lässt mich keinen Moment aus den Augen. „Hey Süße“, sage ich und bleibe stehen. „Was machst du hier so allein?“ „Lass mich in Ruhe!“, erwidert Yuki mit lauter Stimme. Sie hält Blickkontakt und beobachtet dabei kurz die Umgebung, aber ich bin allein.

„Ach jetzt hab dich doch nicht so, Schätzchen“, gebe ich den Bösewicht. „Ich will doch nur etwas Spaß mit dir!“ Yuki läuft los, die Mädels schauen perplex. „Weglaufen, meine Damen!“, sage ich, „immer weglaufen, wenn das möglich ist!“

„Und wenn ich meine hohen Schuhe trage?“, will eine andere Frau wissen. „Dann ziehst du sie aus“, sage ich. „Und zur Not kannst du sie noch als Waffe benutzen.“ Die Frauen sind nicht überzeugt. Die Angst vor einem Vergewaltiger sitzt tief. Leider auch die Hemmungen sich wirklich zu wehren.

Gestochen scharf

Ich reiche das Plastikmesser in die Runde. „Schaut euch das genau an“, sage ich. „Im Gegensatz zu den meisten Küchenmessern, hat dieses hier zwei Schneiden und wäre real noch gefährlicher. Angeblich funktionierende Abwehrtechniken sehen meist nur im Dojo gut aus und bringen dem Anbieter eines Kurses viel Geld. Aber sie sind so gut wie immer nutzlos, wie ich euch zeigen werde.“

Linda, die einen schwarzen Pullover trägt, stellt sich in Positur. Ich hole ein mit einem Kreidestück präpariertes Plastikmesser und gebe erneut den Bösewicht. Aggressiv „steche“ ich auf Linda ein, die weder meine Angriffe abwehren noch ihnen ausweichen kann. Schnell füllt sich der Pullover mit weißen Strichen.

Wir zählen nach und kommen auf 17 Treffer, die Frauen schweigen betroffen. „Der Fehler, der in solchen Kursen gemacht wird, es wird davon ausgegangen, dass der Angreifer den Arm stehen lässt. Aber selbst ein ungeübter Messerstecher wird genau so nicht handeln und mehrfach zustechen oder schneiden. Das Ergebnis könnt ihr bei Linda sehen.“

„Und es gibt wirklich überhaupt keine Möglichkeit der Abwehr?“, will eine Frau wissen, die sichtlich verängstigt wirkt. „Doch“, erwidere ich, „aber die wirst du als Ungeübte nicht überleben. Ich zeige euch etwas anderes. Linda?“

Linda nickt und gibt nun die Angreiferin. Ich habe ein Handtuch gegriffen, dass (m)eine Jacke darstellen soll und werfe es ihr ins Gesicht. Während sie abgelenkt ist laufe ich weg. Gefahr gebannt. Punkt.

„Auf Distanz bleiben, ist die oberste Regel,“, sage ich. „Werft etwas nach ihm. Ein Feuerzeug vielleicht eine Zigarette, eine Jacke die ihr auf den Arm tragt oder greift in einem Raum nach egal was! Es spielt keine Rolle, ob es ein Aschenbecher, eine Flasche oder ein Teller ist. Werfen und dann weg!“

Komm mir (nicht!) zu nahe!

„Im Fernsehen habe ich mal gesehen, wie ein Experte einen Messerstecher entwaffnet hat“, meldet sich eine Frau zu Wort. „Er hat gesagt, man solle in den Angreifer gehen. Ist das denn falsch?“

„Vielleicht ist er ein Ausnahmetalent“, erwidere ich, „oder er kann Gedanken lesen. Man kann die Distanz verkürzen, wenn man eine Chance sieht. Aber im Normalfall bist du dann tot oder schwer verletzt. Also lass es.“

Ich warne an dieser Stelle ausdrücklich davor, mit bloßen Händen gegen Messerstecher vorzugehen. Und ich warne eindringlich vor sogenannten „youtube-Meistern,“ die diesen Schwachsinn verkaufen. Es gibt mehrere Beispiele, die ich auf keinen Fall bewerben will. Diese Menschen handeln grob fahrlässig.

Ihnen geht es vermutlich um „Klicks“, sprich Geld, das sie mit Werbung auf ihrem Kanal oder mit ihren Kursen verdienen. Noch unsinniger ist übrigens die Abwehr gegen eine Pistole. Auch die funktioniert meist nur im Film.

Es gibt Ausnahmen im militärischen Bereich. Aber dann muss ich wissen was ich mache, wie ich einen Aggressor ablenken kann, um eine eigene Aktion zu starten. Für die meisten Menschen gilt: Finger weg von solchen Abwehrtechniken.

Hol das Stöckchen!

In vielen Kursen wird gelehrt, wie man sich gegen Messer mit einem (Teleskop)Schlagstock verteidigt. Das funktioniert schon, aber …! Wer hat in der Realität einen Stock dabei? Wo liegt in einer U-Bahn oder dunklen Seitenstraße ein abgebrochener Ast?

Davon abgesehen gilt ein Teleskopschlagstock als Waffe und darf in der Öffentlichkeit von Privatpersonen nicht mitgeführt werden. Im Dojo sieht das anders aus. Hier darf ich ihn zu sportlichen Zwecken benutzen.

Ich zeige meinen staunenden Teilnehmerinnen, wie einfach Frau sich mit einem  Teleskopschlagstock wehren kann. „Aber das“, füge ich hinzu, „erfordert Übung. Und von euch hat keine einen solchen Stock dabei. Das ist sicher.“ Die Verwirrung bei den Frauen wächst, bin ich zu weit gegangen?

„Vielleicht habt ihr einen Regenschirm“, sage ich und Elfchen stellt sich in Positur. „Mit einem Regenschirm kann man einen Gegner auf Distanz halten, ihn entwaffnen und auch zu Fall bringen. 

Wichtig dabei, schnell und effektiv zu handeln. Ein Schlag auf die Finger, den Oberschenkel oder zwischen die Beine, ein Stich in den Bauch, all das wirkt wahre Wunder. Wir üben das jetzt.“

Die Frauen sind erleichtert und das Seminar nimmt seinen Lauf. Einige beweisen Talent, andere Hemmungen. Wie kann ich ihnen helfen? „Alltägliche Gebrauchsgegenstände sind effektive Mittel zur Selbstverteidigung“, gebe ich den Frauen mit. „Und was ist, wenn wer den Schirm greift?“, kommt die ebenfalls erwartete Frage.

„Dann lässt du los“, erwidere ich. „Schaut her.“ Yuki greift nach meinem Schirm, den ich zur Abwehr nutzen will. Ich lasse ihn einfach los und sie kassiert zwei (angedeutete) Ohrfeigen. Dann laufe ich weg. So einfach kann das sein. Möglichkeiten gibt es immer.

„Greift er den Schirm, sind seine Hände blockiert und ich kann gegen sein Knie oder Schienbein treten“, fügt Yuki hinzu. „Ein Angreifer hat dann schlechte Karten und ich erneut die Kontrolle.“ Elfchen hat viel gelernt. Ich bin stolz auf sie.

Es geht eine Träne auf Reisen

„Und was ist mit Pfefferspray?“, kommt eine ebenfalls erwartete Frage, die mir in allen Seminaren begegnet. „Grundsätzlich müssen wir zwischen Pfefferspray und CS-Gas unterscheiden“, erwidere ich. „Zum Einsatz gegen Menschen ist in Deutschland nur CS-Verteidigungs-Spray zugelassen.

CS-Gas ist relativ harmlos und kann bei falscher Anwendung mehr Probleme verursachen als lösen. Pfefferspray ist in Deutschland für die Tierabwehr gedacht und darf nur in einer wirklichen Notsituation gegen einen Aggressor eingesetzt werden.“ 

Ich demonstriere das mit einer leeren Dose, die Yuki in einer Handtasche hat. Als ich sie belästige versucht sie danach zu greifen, was ihr aber nicht gelingt.

„Solche Sprays sind in der Handtasche völlig nutzlos“, sage ich. „Wenn es mitgeführt wird, sollte die Dose stets in der Hand gehalten werden, wenn Frau sich vielleicht in einer dunklen Tiefgarage aufhält.

Beim Einsatz im Freien ist auf den Wind zu achten. Weht der von vorn, werde ich auf keinen Fall sprühen. Sonst gehen meine eigenen Tränen auf Reisen.“ Alles lacht, der Spruch war gut.

Und es geht doch

„Ich möchte euch zeigen, wie ein Messerkampf aussieht“, sage ich. „Das heißt, wenn beide ein Messer haben und es auch zu benutzen wissen.“ Weder Linda noch Yuki können mir dabei helfen. Für diese Demonstration habe ich Anna mitgebracht, die uns mit Ehefrau Meli auf der Tour begleitet.

Anna, die Krav Maga unterrichtet, versteht sich auch auf Messerkampf. Und prompt gehen wir mit Plastikmessern aufeinander los. Nun wäre es eine Illusion zu glauben, dass Frau hier unverletzt bliebe. Ein Messerkampf läuft anders ab. Hinterher weisen unsere Unterarme rote Streifen auf und im Ernstfall wären wir nun übelst verletzt.

Zusammen mit Anna demonstriere ich danach Abwehrtechniken, die funktionieren können. Aber selbst mir ist klar, dass ich im Ernstfall die eine oder andere Schramme abbekomme. Nachahmung nicht empfohlen. Mein Rat bleibt: „Lauft weg, vermeidet den Kampf!“

Falls weglaufen unmöglich ist, die Jacke um den Arm wickeln, die Handtasche als Schutz benutzen und zur Not den eigenen Unterarm vor den Körper halten. Mit der Außenseite natürlich! Ein paar zerschnittene Muskeln heilen, die Pulsader(n) nicht.

Kampfsport

„Und was ist, wenn wir auf wen treffen, der vielleicht Karate kann?“, wird die Frage gestellt. Dafür habe ich den Kickboxer Robert dabei, der sich meist dezent im Hintergrund hält.

Robert hilft oft aus, wenn ich Seminare gebe. „Ich stehe auf Schmerzen“, hat er augenzwinkernd gesagt. Aber es macht ihm Spaß. Und er hat so einiges von mir gelernt. Außerdem mag er Frauen und das kann ich gut verstehen.

„Die Chance auf einen bösartigen Kampfsportler zu treffen sind gering“, sage ich.  „Aber falls ihr nun auf so einen Verrückten trefft, müsst ihr einfach unfair werden. Ich zeige euch, wie das geht.“

Robert gibt nun den Finsterling und belästigt mich verbal. Er packt mich am Arm und kassiert eine (angedeutete!) Ohrfeige dafür. Gespielt wütend will er mir einen Kick verpassen, den ich mit einem Tritt zwischen seine Beine kontere.

Theatralisch geht er zu Boden. Dabei habe ich den Kick nur angedeutet. „Das“, sage ich, „dient nur der Demonstration, ist aber eine effektive Methode, um sich zu wehren. Und eigentlich gegen jeden Aggressor“, füge ich hinzu und muss an die unschöne Szene in Fukuoka mit der Koreanerin denken. „Jeder Mensch hat Schwachpunkte“, erkläre ich, „niemand ist unbesiegbar.“

Notwehr

Yuki und ich spielen weiter. Ich bedrohe sie mit dem Plastikmesser in einer neuen Szene. „Geld her, los mach!“, sage ich und fuchtele ungeschickt mit dem Messer. Brav händigt sie mir ihren Geldbeutel aus. „Klug zu sein, ist ebenfalls Selbstverteidigung“, sage ich.

In der nächsten Szene soll Yuki mir das Messer aus der Hand kicken und bekommt dafür einen angedeuteten Stich ins Bein. „Und bevor ich den wegen einiger Euro riskiere, werde ich lieber das Geld hergeben. Das ist ersetzbar, mein Leben nicht.“

Auch ein scheinbar harmlos wirkender Stich ins Bein kann tödlich enden. Wird die Schlagader getroffen war es das mit diesem Leben. Erneut spielen wir die Szene mit dem Messer am Hals von Yuki. „Du machst mich total an“, sage ich. „Los, da ans Auto, wir haben jetzt gleich Spaß!“ Ein kleiner Tisch soll das Auto simulieren.

Ich dränge Yuki nach vorn und fummelte an ihrer und meiner Hose. Dabei muss ich aber das Messer von ihrem Hals nehmen. Yukis Reaktion kommt sofort, wobei ich nicht näher darauf eingehen möchte. Der Lerneffekt soll sein, dass wenn Frau sich in einer derart bedrohlichen Situation befindet, sie trotzdem einen kühlen Kopf bewahren soll. Ein harter Tritt auf den Fuß soll nur als ein mögliches Beispiel gelten.

Ein Angreifer wird immer Fehler machen, die es zu erkennen und auszunutzen gilt. Er kann weder eine Pistole noch ein Messer permanent am Kopf des Opfers halten, wenn er wirklich böse Absichten hat. Mit allen Mitteln zu reagieren, die Frau zur Verfügung stehen, ist dabei durch den Notwehrparagraph gedeckt.

§32 StGB: Notwehr ist diejenige Verteidigung welche erforderlich ist, einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwehren. Eine versuchte Vergewaltigung in Tateinheit mit einem Messer durch einen Tritt in den Unterleib abzuwehren, ist in meinen Augen legitim. Wobei das eine eher harmlose Abwehr ist. Ich kenne härtere Methoden.

Härte

„Und was, wenn zwei Männer kommen?“, kommt die nächste Frage. „Einer hält mich vielleicht fest und der andere …“ Schweigen befällt die Runde, die Frauen schauen bedrückt. „Im Endeffekt gilt das Gleiche wie bisher. Nie allein durch dunkle Straßen gehen, Distanz zu einem möglichen Aggressor halten, laut und bestimmt mit Worten sein und alle, wirklich alle Maßnahmen treffen, um einer Vergewaltigung zu entgehen.“

„Fast jede hat ein Handy“, füge ich hinzu. „Frau kann das auch als Waffe nutzen. Auch einen Kugelschreiber oder eine Haarbürste. Ihr habt mehr Möglichkeiten in der Handtasche, als ihr vielleicht glaubt.“

„Ja, aber ist das denn legal?“, fragt eine Frau, „damit kann ich doch wen böse verletzen!“ Ich gehe einen Schritt auf sie zu und prompt weicht sie zurück. „Mäuschen“, sage ich zu der deutlich größeren und älteren Frau, „wir sprechen von einem Mann, der dich vergewaltigen will! Warum also willst du Rücksicht nehmen?“

Keine Rücksicht

Ich schaue in die verunsicherte Runde. „Mädels“, sage ich, „trennt euch von euren rosa Filterblasen! Wer glaubt einen Angreifer schützen zu müssen, wer falsche Rücksicht auf dessen Wohlbefinden nimmt, wer einen Vergewaltiger noch entschuldigt, der sollte jetzt nach Hause gehen!“

Ich winke Yuki und Linda zu mir. Sie sollen die Angreifer spielen. „Los,“ sage ich, „ihr beiden Süßen seit jetzt die Bösen und ich wehre mich. Fangt an.“ Wir spielen „dunkle Straße“ und „Wortgefecht.“

„Stopp, bleibt zurück!“, rufe ich und weiche nach hinten aus. Aber dort ist die Wand, Endstation für mich. Linda und Yuki haben mir den Weg versperrt, ich kann nicht weg.

Linda, die deutlich größer und kräftiger ist als ich, packt überraschend zu und schlingt die Arme um mich. Ich kann mich nicht bewegen, meine Arme sind blockiert. Lindas Kinn schwebt über meinem Kopf den ich angedeutet nach oben ziehe.

Egal ob ich richtig treffe, der Schock wird den Griff automatisch lösen. Treffe ich richtig, ist der Bösewicht KO. Aber vermutlich beißt er sich auf die Zunge, löst den Griff, weicht zurück und schafft damit den nötigen Platz für den finalen Kick in die Kronjuwelen. Spiel, Satz, Sieg! Will jemand mehr?

Was ist mit Bösewicht Zwei? In den meisten Fällen wird der das Weite suchen, wenn er harten Widerstand bemerkt. Fall er doch angreift, was Yuki demonstriert, benutze ich vielleicht mein Handy, den Auto- oder Haustürschlüssel als Waffe. Egal wo ich damit treffe, das tut höllisch weh.

Absichtlich habe ich auf Aikido und Karate-Techniken verzichtet. Die kann ich perfekt, aber diese Mädels nicht. „Tritte auf den Fuß, in die Hoden, durchs Gesicht kratzen, beißen, Kniestöße, alles ist erlaubt, wenn es um unser Leben geht!“, gebe ich der Gruppe mit.

„Auch zum Schein nachgeben, den Täter in Sicherheit wiegen und dann so hart wie möglich zuschlagen. Danach weglaufen und die Polizei bzw. Passanten, Autofahrer zu Hilfe rufen.“

Noch ein Hinweis an meine LeserInnen, die vielleicht selbst Kampfsport betreiben und an Abwehrtechniken gegen ein Messer glauben: Nehmt einen Filzstift oder ein mit Kreide präpariertes Plastikmesser und testet es selbst. Dann reden wir weiter.

 

Deutschland unter roter Sonne

Wir schreiben das Jahr 2017, ein roter Stern geht über Deutschlands Himmel auf. Sein Name ist Maddin, bei den GenossInnen auch liebevoll „Mr. 100 Prozent“ genannt. Der Maddin, das ist nämlich ein Guter, der viel Erfahrung mit den Prozenten hat.

Das muss ich natürlich genauer wissen und habe ihn um ein Interview gebeten. Zu meiner Überraschung hat sich am BILDtelefon nur die kräftige Hanni gemeldet, die hocherfreut ist mich zu sehen. „Nanni!“, ruft sie verzückt, „wir haben lange nicht gesprochen!“

„Hallo, Hannchen“, sage ich und schenke ihr ein zuckersüßes Lächeln, „sag, ob ich den Maddin vielleicht kurz sprechen kann? Ich würde gern mehr über das Geheimnis der roten Sonne wissen.“ Die ist zwar eigentlich eine Williams Birne, aber Namen waren schon immer Schall und Rauch.

Hanni zuckt zusammen, ihre Mundwinkel nähern sich dem Boden. „Der Maddin ist am Zug“, sagt sie leise. „Also ich meine im, wenn du verstehst?! Aber da gibt es zur Zeit Rangierprobleme. Jemand hat ihn auf ein totes Gleis gestellt.“

Als sei dies ein Stichwort taucht hinter Hanni überraschend mein alter Kumpel Teufelchen auf, der ihr einen Vogel zeigt und vehement das hornlose Köpfchen schüttelt, als ich etwas sagen will.

„Na ja“, sage ich zu Hanni, „vielleicht kannst du mir weiterhelfen? Immerhin hast du doch jetzt richtig viel Zeit nach dem Debakel in Düsseldorf. Oder bist du anderweitig beschäftigt? Ich habe gehört in Hamburg sind noch Ressourcen frei.“

Während ich mir das Lachen verkneifen muss, als Teufelchen mir das Bild eines Sportwagens zeigt, kann Hanni diesen Schelm nicht sehen. Aber sie spricht ganz offen von ihrem neuen Garten in LINKShausen, in dem sie nur noch GRÜNzeug pflanzen will.

„RotKohl soll sehr gesund sein“, bemerke ich. „Der hilft vielleicht auch dir wieder auf die Sprünge. Ich hätte da eine aktuelle Adresse zum Bezug, die Firma HEL, hab nur Mut!“ Wohlweislich verschweige ich, dass deren Chef Andi Fah kein Biogärtner ist und nebenbei das Hotel Roter Hahn im Schwarzen Block betreibt.

„Nee, Nannilein“, gibt die Hanni zurück, „das lassen wir mal besser. Dieser Kohl schmeckt so fade. Da verlieren selbst alte Kanzler ihre Stimme und ergrauen in allen Ehren. Aber was ist mit dir, können wir uns mal wieder sehen? Du weißt schon wo, der alten Zeiten willen. Ja?“

Teufelchen hält sich den Bauch vor Lachen und zeigt mir Bilder als Erinnerung. Wir beiden Mädels sind damals viel mit ihrem Porsche auf der KÖ gefahren. Spitzname „Diablo.“ Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Den Maddin habe ich dann doch noch gesprochen. Zusammen mit Erzengel Gabriel, dem Auslandsbeauftragten der himmlischen Scharen, habe ich ihn auf dem Berliner Abstellgleis besucht. Eva Gott hat das für mich arrangiert.

Überrascht bin ich dann schon, als ich dort auch die Bundesmutti und Vollhorst antreffe, die mit dem Maddin Monopoly spielen. Im Gegensatz zum Original sind die Straßen aber Länder. Und Angela hält eine Schlüsselposition.

Murrend zahlen Vollhorst und Maddin die Zeche, als sie über Italien nach Österreich ziehen. Auffällig, der Weg nach Osten ist versperrt. „Den hält der Urbi äh … Orbi“, flüstert mir Teufelchen heimlich zu, der schon wieder unsichtbar neben mir steht.

Das Trio blickt auf und ist zu einem Interview bereit. „Aber nur gemeinsam“, sagt Mutti und klatscht strahlend in die Hände, „dafür gibt es keine Alternative in Deutschland!“

Lesbisch, jung, sucht – 30 Fragen braucht das Land

Rein und unverfälscht gibt es heute eine neue Kostprobe menschlicher Such(t)begriffe. Das Beste aus 30 Tagen. Zum Wohl, meine Damen und Herren.

1. – agresiver budismus – Die Rechtschreibung gehört offenbar nicht zur starken Seite des Besuchers. Aber auch von aggressivem Buddhismus habe ich noch nie etwas gehört. Wenn Buddhisten aggressiv sind, hat das nie etwas mit ihrem Glauben zu tun. In buddhistischen Schriften findet sich keine Stelle, die zur Gewalt aufruft.

2. – mike sehr bodybuilding – Ist das einer dieser „natural“ Bodybuilder, die mehr Testosteron intus haben, als gut für sie ist? Vor zwei Jahren habe ich einen Bodybuilder auch zu diesem Thema interviewed, der mir tieferen Einblick in die Eisenszene gab. Wer das nachlesen möchte klickt HIER.

3. – lesbisch chefin verliebt signale – Die Signale von Verliebten sind immer gleich. Problematisch wird es sie zu entschlüsseln. Vor allem für Frauen. Die stehen oft auf der längsten Leitung der Welt. Ob ich „Schubser Seminare“ anbieten soll?

4. – frauen gehören vor den herd – Unbedingt, der Meinung bin ich auch! Mann steht nämlich schon dahinter und bettelt verzweifelt um Liebe und Essen.

5. – sextreffen in japan – Nee, ist klar.

6. – wie nennt man eine lesbische frau die noch nie etwas mit einem mann hatte – Und hier haben wir das absolute Highlight, den Brüller in Breitwand, die Mutter aller Such(t)begriffe! Als klügste Lesbe der Welt kann und werde ich diese Frage natürlich gern und zur vollen Zufriedenheit beantworten. Ein solche Frau nennt man … klug! Wisst ihr jetzt warum ich so schlau bin?

7. – wie fühlt sich scissoring an – Ich habe immer noch keine Ahnung. Mag mir wer helfen?

8. – japanerin flirten – Machen sie. Und zwar richtig gut! Aber nicht mit dir, lieber unbekannter Besucher.

9. – neid gene – Sind mir unbekannt. Womit ich vermutlich zu einer Minderheit gehöre.

10. – wie sind japanische frauen – Bildhübsch, klug und liebenswert.

11. – lesbensex realität – Das würde Mann vermutlich gern wissen. Wird er aber nie erfahren und muss daher weiter gefakte Lesbenpornos schauen.

12. – lippman walter neoliberalismus – Herr Lippman hat den Neobliberalismus quasi mit erfunden. Und was war jetzt die Frage?

13. – unkorrekte lesbe – Gibt es bestimmt. Ich kenne keine.

14. – hetero frauen werden lesbisch – Endlich! Willkommen liebe „Schwestern!“

15. – lesbischsein erkennen – Das ist für Außenstehende manchmal leichter, als für die Betroffene(n) selbst. Aber wenn sich die Gedanken einer Frau stets um andere Frauen drehen, sollte das ein guter Hinweis sein.

16. – hetero frau verliebt sich in lesbe – Das halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Oder soll ich nun die Legende erzählen, wie man eine Hete umdreht?

17. – 10 satz geschichte – Findet sich auf meinem Blog nicht (mehr).

18. – frauen siex lesbian – Ja, ja …

19. – liebe, sex tokyo – Gibt es dort bestimmt.

20. – japanisch-porn-mutter-toschter – Muss ich das kommentieren?

21. – nandalya – Hier, hier, ich! Wobei ich mittlerweile festgestellt habe, dass mein Netzname Nachahmerinnen fand. Macht mich das nun berühmt?

22. – cindy allemann freund – Die Cindy hat eine eigene Webseite. Vielleicht einfach mal nachschauen? Das hilft! KLICK MICH

23. – sex mit japanerin – Den haben überwiegend Japaner. Noch Fragen?

24. – liebesbrief an eine frau lesbisch – Warum sollten sich Liebesbriefe an Lesben und Heten unterscheiden?

25. – frauen in tokyo finden – Augen aufmachen hilft. Dort gibt es jede Menge.

26. – warum fährt paul walker immer autos mit lenkrad auf der rechten seite? – Immer stimmt so nicht. Paul Walker hat einige Autos gefahren, die in und für Japan produziert worden sind. Und bekanntlich gibt es in meiner Heimat Linksverkehr.

27. – amazonen und männer – Hier müssen wir zwischen dem Matriarchat, dem friedlichen Zusammenleben von Frau und Mann und den (vermutlich) durch das aufkommende Patriarchat entstandenen Amazonen unterscheiden. Über letztere habe ich bereits HIER geschrieben.

28. – wie dominiere ich als lesbe – Warum sollte eine Frau eine andere dominieren wollen? Dieses klassische Missverständnis sieht man in schlechten Lesbenfilmen und wird von einigen wenigen Frauen als Klischee gepflegt, die in ihrem Verhalten sehr männlich sind. Partnerschaften zwischen Frauen sind in der Regel sehr harmonisch und von gegenseitigem Respekt und Achtung geprägt. Zumindest in meiner Welt.

29. – lesben sind keine freundlichen menschen – Dieser Suchbegriff könnte fast traurig machen. Die meisten lesbischen Frauen sind freundlich und hilfsbereit. Dass wir Mann in die Schranken weisen, wenn er uns an die Wäsche will, sollte selbstverständlich sein. Und selbst dabei bleiben wir meist freundlich.

30. – deutschland und die anderen – Welche anderen? Länder, Menschen, Marsianer? Deutschland tut sich als Vasallenstaat der USA schwer Profil zu zeigen und leidet noch immer unter (s)einer verlorenen Identität.