The Winter Girl

The Winter Girl

Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten. (August Bebel)

Die folgende Geschichte ist eine Mischung aus Traumsequenzen und der Realität. Zum besseren Verständnis der Figuren, habe ich ihre Wikipedia-Einträge beigefügt.

Frostharter Boden, winterlich verzaubert ist das Land. Nachtschwarz bedeckt ein Mantel aus Träumen die Welt. Schneeflocken tanzen, Kälte streichelt mein Gesicht. Ich schlafe, aber ist das mein Traum? Jemand hat die Regie übernommen, was selten bis nie geschieht. Aus dem Nichts taucht eine junge Frau vor mir auf. Ihr Blick ist wild, das Katana in ihrer Hand trieft vor Blut.

Ihr Schrei gellt in meinen Ohren, als sie nach mir schlägt. Ich weiche aus und bemerke, dass auch ich ein Katana trage. Ihre Hiebe prasseln auf mich ein, Miamoto Musahis Schwertkunst rettet mich. Instinktiv weiß ich, wer hier vor mir steht. Es ist Tomoe Gozen, Japans berühmteste Kriegerin.

Ich hole tief Luft und konzentriere mich. Wie lange kann ich gegen sie bestehen? Meine Hände brennen, als ich zum Gegenangriff übergehe, der keine Wirkung zeigt. Nie zuvor habe ich das Katana im Ernstfall eingesetzt. Genau das macht letztlich den Unterschied aus, im Gegensatz zu ihr bin ich keine Kriegerin. Trotzdem halte ich sie auf Distanz, kann aber keinen eigenen Angriff mehr starten. Tomoe, da bin ich ehrlich, ist zu gut für mich.

Ich kämpfe um mein Leben, doch ihr Angriff entwaffnet mich. Wird der nächste Schlag mein Ende sein? Ich reagiere und als ich in den Nahkampf gehe lässt auch Tomoe ihr Katana zu Boden fallen. Egal was ich versuche, Tomoe neutralisiert meine Attacken. Umgekehrt ist das ebenso. Erst ein Drehkick schickt sie zu Boden. Nur eine Sekunde später ist sie wieder auf den Beinen. Trotzdem habe ich die Zeit mir Tomoe näher anzusehen.

Die Rüstung verbirgt ihre weiblichen Formen. Nur ihre Haare flattern offen im Wind. Augen, so dunkel wie Kohle, scheinen in die Tiefen meiner Seele zu blicken. Ihre Haut ist heller als meine, Blutspritzer zieren sie als tödliches Make-Up. Ja, diese Frau ist hübsch und einzigartig. Wird sie mein Schicksal sein? Als habe sie meine Gedanken gelesen schnellt sie nach vorn und will meine Beine attackieren. Diesen Fehler haben schon andere gemacht.

Mein Ellbogen landet krachend in ihrem Rücken, nur die Lederrüstung verhindert einen Rippenbruch. Ich packe ihren Arm und versuche einen Hebel. Wieder kontert mich Tomoe aus. Woher kennt sie meine Technik? Mir wird klar, dass Tomoe zumindest eine ähnliche Nahkampf Ausbildung hat. So kann ich sie nicht besiegen. Plötzlich weicht sie zurück, in ihrem Gesicht erscheint eine Mischung aus Überraschung und kalter Wut. „Wie kannst du gegen mich zu bestehen?“, steht dort geschrieben.

Nun ich kann und meine Tritte finden problemlos ihr Ziel. Tomoe bekommt die Prügel ihres Lebens. Jede andere wäre nun am Boden geblieben, aber die Kriegerin steht immer wieder auf. Sie ruft mir etwas zu, was unverständlich für mich bleibt. Zu ihrer Zeit sprach man das längst vergessene Mitteljapanisch. Ich begreife, dass ich ernst machen muss. Aber kann, ja soll ich eine Legende töten?

Sie gibt die Antwort selbst und macht einen Hechtsprung nach vorn, um nach dem im Schnee liegenden Katana zu greifen. Lasse ich das zu, habe ich ein Problem. Brutal landet mein Knie in ihrem Rücken, als mein Sprung sie hart auf den Boden drückt. Sie schreit vor Schmerz und kann sich doch befreien. Ihr Ellbogen trifft meine Magengrube. Nun ist es an mir nach Luft zu ringen. „Miststück“, presse ich hervor, „das wirst du bereuen.“

Natürlich versteht Tomoe kein modernes Japanisch. So wenig, wie ich sie verstehen kann. Ich vermute, dass sie mich wenig Ladylike ebenfalls verflucht. Schimpfen können Japaner wirklich gut. Auch wenn es nur ein Traum ist, muss ich Tomoe besiegen. Sie nutzt ihren Vorteil und hält nun doch das Katana in der Hand. Sie deutet auf meine Waffe. „Heb sie auf“, soll mir das sagen.

Ich habe keine Chance, aber genau die nutze ich. Fair zu sein wird mir kaum helfen. Als Tomoe angreift werfe ich Schnee in ihr Gesicht. Musashi, das weiß ich, hätte ohne zu zögern ein Messer benutzt. Diesmal sitzt mein Armhebel perfekt, stöhnend lässt Tomoe das Katana fallen. Noch ein Ruck und der Arm wird brechen. Aber es kommt anders, eisige Finger öffnen meinen Griff.

„Hört auf zu kämpfen!“, erklingt eine Frauenstimme. Tomoe duckt sich, dann entspannt sich ihr Körper. Die Kriegerin fällt auf die Knie, sie hat ihre Meisterin erkannt. Die tödliche Schönheit der Yuki-Onna zieht auch mich in ihren Bann. Ich tue es Tomoe gleich und sinke vor der Schneefrau auf den Boden. Niemals zuvor, habe ich solche Augen gesehen. Hier steht eine Yokai und kein Mensch vor mir. Was wird sie mit uns machen?

Ihre Aura ist eisig, das kalte Licht des Todes umgibt sie wie ein seidiger Schleier. Eine Handbewegung und wir sind nicht mehr. Mein Magen krampft sich zusammen, die Kälte scheint mich zu verschlingen. Plötzlich taucht eine zweite Frau aus der Dunkelheit auf. Wir sind gerettet, in einen weißen Pelz gehüllt steht nun die Inari vor mir. Die Yuki-Onna weicht zurück und lächelt. Jeder Mann wäre nun vor Schreck tot umgefallen.

„Ihr seid Schwestern und keine Feinde“, höre ich die Stimme der Inari. „So, wie die Yuki-Onna meine Schwester ist. Steht auf Tomoe und Mayumi.“ Wie in Trance gehorche ich. Die Inari greift nach unseren Händen. „Die Vergangenheit trifft auf die Zukunft“, sagt sie leise. „Erkennt euch und sprecht.“ Ihre Worte verhallen als Schneeflocken im kalten Winterwind. Sowohl die Inari wie auch die Yuki-Onna sind verschwunden. Habe ich sie wirklich gesehen?

Tomoe schaut mich an und ich schaue zurück. Ein kurzes Augenduell, dem unser beider Lächeln folgt. „Ich bin Tomoe“, glaube ich zu verstehen. Aber die Worte sind in meinem Kopf, Tomoes Mitteljapanisch bleibt unverständlich. Und doch können wir dank der Inari miteinander reden. „Ich bin Mayumi“, erwidere ich und male mit dem Finger das Kanji in den Schnee. „Bitte entschuldige Yumi-Chan“, sagt Tomoe. „Ich habe dich falsch eingeschätzt. Wir müssen schnell gehen oder meine Gegner töten dich.“

Tomoes Verhalten ist anders, als ich es von heutigen Japanerinnen kenne. Um in einer rauen Männerwelt zu bestehen, hat sie ihre weibliche Seite abgelegt. Und doch weiß ich, dass sie Kontakt zu Männern hatte. Ihr Yumi-Chan amüsiert mich. Hat sie wirklich Yumilein zu mir gesagt? Es zeugt von ihrem Selbstbewusstsein und dass sie mich als Freundin sieht.

Wir laufen durch Nacht und Wind, grausame Stimmen umkreisen uns wie Schatten. Mehrfach werden wir attackiert, Tomoes Katana schlägt eine blutige Schneise, aber den Krieger mit der Teufelsmaske hat sie übersehen. Ich werfe mich in den Schlag, mein Katana zittert unter der Wucht des Hiebes. Blut spritzt, als der Kopf des Samurai zu Boden fällt. Tomoe nickt mir zu, gut gemacht soll mir das sagen. Aber sie hat den tödlichen Schlag geführt.

Die Zeit verrinnt. Sind es nur Minuten oder Stunden die vergehen? Ein neunschwänziger Fuchs erscheint und führt uns in eine Höhle, deren Eingang die Verfolger übersehen. Plötzlich gellen Todesschreie durch die Nacht, als die Männer auf die Yuki-Onna treffen. Das Lachen der Schneefrau lässt die Erde beben. „Was geschieht hier?“, flüstert Tomoe. „Was bedeutet das?“ Ich habe keine Antwort auf ihre Fragen. Die Inari selbst löst das Rätsel auf. Sie erscheint in der Höhle und hält zwei kleine Mädchen in den Armen, in denen ich Tomoe und mich selbst erkenne.

In dieser Nacht erfahre ich viel, was in keinem Buch geschrieben steht. So wie die Nebel von Iga die Geschichte der Shinobi (Ninja) verborgen halten, wird Tomoes Geheimnis für immer bei mir sicher sein. Dass sie eine ungewöhnliche Frau gewesen ist, steht außer Frage. Die Szene verschwimmt, ich sehe mich mit Yuki und der kleinen Aiko durchs winterliche Japan gehen. Das ist wieder mein Traum, den ich täglich lebe.

„Weißt du was, Tante Yumi?“, sagt Aiko, „in der Nacht hat mich eine Winterfee besucht! Die war so weiß wie der Schnee und hat mich holen wollen. Aber dann kam ein Fuchs und hat sie weggeschickt.“ „Du solltest damit aufhören ihr Geistergeschichten zu erzählen“, schimpft Yuki. „Jetzt sieh nur, was du wieder angerichtet hast!“ „Wieso denn, meine liebste Yuki-Onna“, empöre ich mich gespielt. „Immerhin haben wir beide von dir geträumt.“

Yukis Elfenlachen steckt an. Wir verbringen eine wunderbare Zeit im Schnee. Als wir wieder im Hotel sind und Aiko eingeschlafen ist, erzähle ich Yuki von meinem Traum. Sie hört aufmerksam zu und nickt dann wissend. Ihre Mundwinkel zucken verräterisch. „Du träumst also von anderen Frauen“, sagt sie. „Ich will die Scheidung hier und jetzt!“ „Kannste vergessen“, erwidere ich und nehme sie in den Arm. „Selbst im Traum wirst du immer mein einziges Wintermädchen sein.“

Wikipedia Einträge:

Tomoe Gozen

Yuki-Onna

Yokai

Inari

 

Photo by Mengliu Di from Pexels

Von Mädchen und Pferden – (M)Eine Filmkritik

Es gibt Filme, die schlagen ein wie Bomben. Sie bewegen, sie rütteln auf. Großes Kino, ein Herz für Emotionen. Und es gibt Filme, die tauchen leise am Horizont auf, um schließlich den ganzen Himmel auszufüllen. „Von Mädchen und Pferden“, ist ein solcher Film. Gedreht hat ihn Monika Treut.

Monika Treuts Filme stehen für die Selbstbestimmung der Frau und das ist genau mein Ding. Angepasste Frauchen waren gestern. Wir Mädels sind so viel mehr! So viel mehr ist auch die Protagonistin des Films. Ceci Chuh spielt sie perfekt. Alex(a) ist ein Problemkind, das auf einem Reiterhof eine letzte Chance bekommt. Als Praktikantin stapft sie durch Pferdemist.

Es gibt keine lauten Töne in diesem Film, wer die erwartet sucht vergebens. Monika Treut zeichnet ruhige Bilder, die abseits vom Lärm der Großstadt entstehen. „Von Mädchen und Pferden“ ist kein exklusiver Film für queere Frauen, auch wenn die Protagonistinnen entweder lesbisch sind oder auf dem Weg sich zu entdecken.

Und darum geht es immer. Sich selbst und seine eigene Identität zu leben. Egal, ob die nun hetero und lesbisch ist. Alex findet sich. Dabei helfen ihr die Reitlehrerin Nina und ein zweites Mädchen, das auf dem Reiterhof Urlaub macht. Mit Pferd versteht sich, Kathy stammt aus einem reichen Haus.

Die übliche Romanze bleibt aus. Die Mädchen kommen sich wie selbstverständlich näher und freunden sich an. So, wie es Mädchen tun. Von Lesben reden wir später. Und genau das macht den Reiz des Films aus, dass es sich hier um zwei junge Frauen auf dem Weg zur Selbstfindung handelt.

Unterschwellig ahnt der Zuschauer natürlich, dass die harmlosen Späße der beiden mehr sein könnten. Aber es dauert bis zu einem gemeinsamen Wochenende, das sie allein auf dem Hof verbringen. Die Bauern sind ebenso weg wie Nina, die ihre Freundin im Hamburg besucht.

Der Film verzichtet auf lange Erklärungen und überlässt den Zuschauern die richtige Deutung. Etwa Ninas Beruhigungsmittel oder das viel zu kurze Telefongespräch, als ihre Freundin anruft. Nina braucht Luft zum atmen und das vermittelt sie Alex unbewusst.

Kathys Angebot an Alex, sie könne in Berlin eine Ausbildung auf einem Reiterhof machen, wird von dieser angenommen. Aber erst nach einer kleinen Trinkorgie, einer unverschlossenen Stalltür, einigen Küssen der Mädchen und der Suche nach den entlaufenen Pferden.

Vielleicht hat diese Suche sogar symbolischen Charakter. Alex zumindest hat sich danach gefunden. Ob und wie es mit den beiden weitergeht kann der Zuschauer nur ahnen. In der Endszene reiten die beiden Mädchen gemeinsam auf Kathys Pferd.

Ich mag diesen Film, der so erfrischend anders ist. Leise, ohne Gewalt und die sonst für Monika Treut üblichen schrägen Typen. Er ist ein Blick zurück in ihre eigene Jugend und dieser Blick tut gut. Auch der Blick nach vorn, wenn ich die mögliche Zukunft der beiden Mädchen sehe.

Die Familienbande

Japanischer Humor ist ziemlich schräg für westliche Gemüter. Was wir lustig finden stößt Europäern sauer auf. Umgekehrt ist es kaum besser. Aber Lachen ist international. Als in Japan geborene Deutsche, bin ich mit der Kraft der zwei Welten ausgestattet. Und mein Lächeln geht immer unter die Haut. Zu wenig Humor haben nur die anderen. Lacht noch wer mit?

Mein Cousin, (bester) Freund und Seelenbruder Ken steht mir in Sachen Humor kaum nach. So liebt er es mich zu erschrecken. Was ihm nur nie gelingt. Schon als Kind habe ich ihn dann nur angeschaut und ihm die Zunge rausgestreckt. Prompt hat er das auch gemacht und ich ihn dafür gekitzelt.

Zu meinen Cousinen war das Verhältnis anders. Ich mag sie gern. Aber sie waren mir zu mädchenhaft. Das mag von einer Frau gesagt recht komisch klingen. Aber so empfand ich das immer schon. Moriko war die Verträumte. Sie lebte stets in ihrer eigenen Welt. Heute malt sie Bilder und arbeitet in einem japanischen Verlag.

Moriko hat zwei Töchter, die ihr ein und alles sind. Akiko und Sayuri. Akiko vereint wilde Gene, mit der Sanftheit eines kleinen Mädchens. Mit ihren 5 Jahren, ist sie der Star im Kindergarten. Und Karate kann sie auch. Sayuri ist schüchtern, verschmust und liebt ihre Schwester innig. Wo immer die hingeht, Sayuri ist mit dabei.

Nun gibt es Geschwister, die sich überhaupt nicht mögen. Und kleine Schwestern, die eine Last für die Ältere sind. Akiko ist anders. Schon immer passt sie auf Sayuri auf. Und wehe dem, der ihr Böses will! „Sie hat zwei Jungs verprügelt, die Sayuri gehänselt haben“, erzählt mir Moriko im Sommer. „Was habe ich nur falsch gemacht.“

Ich muss herzlich lachen und auch Moriko schmunzelt. Und ihr Mann findet das sowieso alles gut. Er ist Arzt und übt sich seit Jugendtagen in Judo. „Aber das ist kein Sport für Akiko“, sagt er bestimmt. „Als ich sie mitgenommen habe, hat sie die Kinder zu Boden gekickt.“ Frauenpower, hat die Macht!

Morikos  Besuch in Deutschland, ist schon seit einer Weile geplant. Nun hat die Familie endlich Zeit gefunden. Und meine Eltern bringen sie aus Japan mit. Zu meiner großen Freude auch Cousin Ken, der uns noch mitten in der Nacht besucht. Zumindest fast. Aber 1 Uhr ist auch schon spät.

Natürlich haben wir ihn tüchtig ausgeschimpft. Aber ganz der große Junge, hat er nur gelacht. Yukis Eltern stellen wie immer das Quartier bereit. Und die große Show beginnt. Japan zu Besuch bei Freunden. Das wird ein Spaß. Versprochen!

Mayumi Sensei

Manche Pläne sind die Gedanken nicht wert, die man daran verschwendet. Ich denke immer weiter, logisch und struk­tu­rie­rt. Emotionen, die haben doch nur die anderen. Mayumi Sensei aber nicht. Und mit diesen Worten komme ich zum Punkt und lehne die vermutlich lukrativste Offerte in meinem bisherigen Leben ab. – KLICK MICH –

Was ist geschehen, werden sich nun vielleicht meine LeserInnen fragen. Ist die olle Japanerin komplett verrückt? Ich kann euch beruhigen, nie ging es mir besser. Und daran ist auch wie immer meine Elfe schuld. Im positiven Sinn natürlich. Auch dafür liebe ich sie.

Ich bin immer meinen Weg gegangen. Unangepasst und als Kämpferin für die Rechte von Frau. Das ist mein Ding, da will ich hin. BWL war stets Sicherheit für mich. Nur ein Titel im Sam­mel­su­ri­um des Lebens. Aber soll das schon alles sein?

In meinem Kopf erscheinen die starken Frauen dieser Welt. Und auch ein Mann ist mit dabei. (Yoko) Okamoto Sensei und (Christian) Tissier Sensei möchte ich gern treffen. Die beiden lehren wahre Aikido-Kunst. Bewusst wähle ich die japanische Schreibweise von (Vor)Namen und Titel für diesen Blog. Traditionen sind ebenso wichtig, wie der Blick über den berühmten Tellerrand.

Graf Werner ist enttäuscht, als ich ihm die Absage gebe.
„Überlegen Sie es sich noch einmal“, bittet er.
Aber ich gehöre in kein Büro. Mein Büro, das wird (m)ein Dojo sein. Das ist fest beschlossen. Die nüchterne Frau Dr. Landar wird bald gehen. Mayumi Sensei aber bleibt. Ich werde Mädchen und Frauen meine Kunst vermitteln. Das wollte ich immer schon.

Mein Papa strahlt auf seine Art, als ich ihm davon berichte.
„Kleine Kriegerin“, sagt er leise und macht mich damit stolz.
Klein meint er nicht böse, es ist nur sein Kosewort.

Yuki und ich werden unser Leben leben. Anders und wenig angepasst. Mit unseren Kindern, die noch geboren werden. Beschlossen von uns und verkündet nun von mir. Im feinen Zwirn im Büro? Da sitzen nur die anderen. Mayumi Sensei lehrt.

 

Warum ich (k)ein Kind sein will!

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen, für Kinder ist die Welt spannend und bunt. Aber Kinder haben auch den Wunsch erwachsen zu sein.
Ich war gern Kind, Erwachsene fand ich komisch. Klar, da waren meine Eltern, diverse Tanten und Onkel. Aber Familie und Freunde zählen nicht.
Es gibt Menschen die trauern ihrer verlorenen Jugend hinterher. Ihr Leben dreht sich stets im Kreis. Immer nur ein Blick zurück.
Kinderzeit, verlorenes Glück?

Für manche Menschen scheint die Zeit zu rasen, hiflos sehen sie dem Uhrenzeiger zu. Und die Sekunden ticken, das Leben zieht vorbei.
„Ach und könnt‘ ich doch nur ein einz’ges Mal die Uhren rückwärts dreh’n“, hat Wolfsheim einst gesungen.
Aber ganz ehrlich, warum sollte man das tun? Das Leben spielt im Hier und Jetzt und nie im Gestern.  Kinder, das sind die anderen. Aber Kinder sind auch wir. Tief in unserem Inneren lebt das ewige Kind, jenes unbeschwerte Glück.
Mag jemand mit mir lachen?

„Denn wie viel von dem, was ich heute weiß, hätt‘ ich lieber nie geseh’n“, heißt es bei Wolfsheim.
Und schon flüchtet der Mensch in (s)eine eigene Welt, vielleicht sogar in eine Depression.
Aber was schließt uns von der Welt der Kinder eigentlich aus, warum können Erwachsene sie nicht sehen? Die Logik, der Verstand tötet oft das Spiel. Und unsere Herzen werden kalt.
Das Feuer der Jugend macht der Weisheit des Alters Platz. Träume verpuffen und bleiben nur noch Träume.
Ich habe das immer anders gesehen.

Als Kind war ich anders, als andere Kinder. Viel disziplinierter, aber auch unglaublich wild.
Und dann wieder verträumt im Reich der Bücher. Geschichten, ach wie wunderbar.
Mir lief die Zeit niemals davon, ich habe immer intensiv gelebt. Und das in meiner bunten Welt, im zauberhaften Feenreich.
Aber auch Feen müssen manchmal kämpfen. Genau das habe ich dann auch getan. Ich habe meine Welt verteidigt, mich und mein kleines Herz geschützt.
Feuer und Eis, beides ist in meiner Seele.

Meine Kindheit war behütet. Aber die eigentliche Wächterin war ich. Ich habe jeden Tag genossen. Intensiv und voller Mädchenglück.
Musik, Poesie und auch Karate, haben einen besonderen Menschen geformt. Und der Zen-Buddhismus hat ein übriges getan.
Es waren immer spannende Tage und keiner war ein Klischee. Statt den Regen zu meiden bin ich lieber in Pfützen gehüpft.
Angst hatten immer nur die anderen. Der Angst lache ich fröhlich ins Gesicht.
Unbeschwerte Jugend, unbeschwertes Glück.

Das Kind in mir ist stets lebendig und das wird niemals anders sein. Aber dieses Kind hat manchmal Pause. Und doch gibt es immer den Weg zurück.
Vielen Menschen gelingt das nicht. Sie entfernen sich von ihrer Kinderseele. Ich habe die meine immer behütet, wie einen kostbaren Schatz gehegt.
Geholfen dabei haben mir auch andere Menschen. Oder besser gesagt haben sie mich unterstützt.
Der wichtigste Mensch ist dabei meine Elfe. Obwohl erwachsen, ist sie auch ein großes Kind.
Vielleicht ist das eins der Geheimnisse unserer Liebe: wir nehmen uns an, wie wir sind.
Ändern wollen uns immer nur die anderen.

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen, für Kinder ist die Welt aufregend und bunt. Aber Kinder haben auch den Wunsch erwachsen zu sein.
Ich bin gern erwachsen und ich bin noch immer gern ein Kind. Kein Widerspruch, nur mein Weg zu leben.
Und genau das ist der ganze Trick. Zu leben und nicht zu warten bis die flüchtige Zeit vergeht.
„Immer vorwärts, Schritt um Schritt es gibt keinen Weg zurück“, singt Wolfsheim und das Kind in mir schüttelt leicht den Kopf.
Es gibt immer einen Weg zurück! Mag ihn jemand mit mir gehen?

Das letzte Wort heißt Anfang

Das letzte Wort ist geschrieben. Stille kehrt ein. Das letzte Wort heißt ENDE. Zufrieden steht der Autor auf. Ein weiteres Meisterwerk aus seiner Hand. Hand? Nein. 42 Jahre lang war es eine Triumph-Adler Schreibmaschine. Zigfach repariert, unzählige Male gewartet, verrichtete sie treu den Dienst. Bis zu diesem Tag. ENDE steht unter dem letzten Manuskript. Der Autor wird keine weiteren Bücher mehr schreiben. Er ist alt geworden. Alt und müde. Wehmütig streicht er ein letztes Mal über das graue Gehäuse. Ein Abschied für immer.

Samtschwarz kommt die Nacht. Aber es gibt kein Morgen mehr. Vergebens wartet die alte Schreibmaschine. Die Tage vergehen, werden zu Wochen. Sie hofft, bangt. Aber der Autor kommt nicht mehr. Er ist vor wenigen Tagen im Krankenhaus gestorben. Stattdessen kommen Andere. Gierige Finger wühlen, die Schreibmaschine landet im Müll. Regen fällt. Sie leidet. Grobe Männer verletzen sie. Begraben unter allerlei Buntem will sie sterben.

Weiche Hände. Ein Wunder! Jauchzend steht das Mädchen vor dem Altmetall.
„Die will ich haben, Papa! Die und keine andere!“
Kundige Hände zerlegen, reparieren. Dann ist es geschafft.
Fröhlich schaut das Mädchen die Maschine an. Sanft spannt sie ein Blatt ein. Noch ist es leer, unbeschrieben. Die Schreibmaschine erwacht. Das erste Wort ist geschrieben. Es heißt Anfang.

Sinnlich in der Landwirtschaft – Eine Betrachtung

Der folgende Beitrag trieft vor Ironie. Für Risiken und Nebenwirkungen ist die Autorin nicht verantwortlich

Bei meiner täglichen News Recherche bin ich auf eine Meldung gestoßen, die mich doch etwas verblüfft. Ich lerne, dass der Jungbauernkalender 2014 die sinnliche Seite des Landlebens zeigen soll. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Yuki nimmt mir die Entscheidung ab und prustet los. Immerhin sind es doch recht hübsche Mädels, die im Video auf FOCUS zu sehen sind. Nicht nackt! Immerhin. Und Wert will der Fotograf auch auf das ländliche Umfeld gelegt haben. Die Mädchen posieren dann auch vor entsprechender Kulisse. Ich lerne weiter, dass es diesen Kalender bereits seit einigen Jahren gibt. Die Models haben (angeblich) alle selbst Bezug zur Landwirtschaft, stammen von einem Hof oder arbeiten dort sogar mit.

Ich überlege, wer die Zielgruppe des Kalenders werden soll. Frauenlose (Jung)Bauern? Oder generell nur Mann? Hat der Fotorgraf wirklich im Sinn, das Landleben erotisch darzustellen? Ich bin da skeptisch und halte das Ganze nur für ein cleveres Geschäftsmodell. Nackte Haut verkauft sich nun mal gut. Oder ein Produkt. Warum sonst sieht man/n Frau stets vor Edelkarossen und anderen Luxusgütern meist lasziv posieren? Kauf mich ist die Botschaft. Mach mich reich.

Ich bespreche mich mit Yuki, ob ich diesen Beitrag schreiben soll. Denn Werbung für das Produkt mag ich keine machen. Sie winkt nur ab und nickt. Schreib es, sagt sie und holt den Fotoapparat. Dann fängt sie an Bilder von mir auf dem Sofa zu machen. Ich protestiere! Meine Haare sind noch zerzaust, ich bin noch nicht mal fertig angezogen. Aber Yuki macht weiter, erklärt mir sie schieße die Bilder für den Jungjapanerinnen Kalender. Ihre neue, clevere Geschäftsidee.

Wir fangen beide an zu lachen und schauen das Video zu Ende. Der Akzent der Schönheiten ist zum Teil heftig und passt so überhaupt nicht zum feschen Madl-Bild. Mann wird es nicht stören, er wird nur die Hochglanzbilder sehen. Apropos Bilder. Vor dem Hintergrund des Kalenders gewinnt die Meldung Landwirtschaft auf einen Blick des Statistischen Bundesamtes ganz andere Bedeutung. Ob der Fotograf sie auch gelesen hat?