Von Mädchen und Pferden – (M)Eine Filmkritik

Es gibt Filme, die schlagen ein wie Bomben. Sie bewegen, sie rütteln auf. Großes Kino, ein Herz für Emotionen. Und es gibt Filme, die tauchen leise am Horizont auf, um schließlich den ganzen Himmel auszufüllen. „Von Mädchen und Pferden“, ist ein solcher Film. Gedreht hat ihn Monika Treut.

Monika Treuts Filme stehen für die Selbstbestimmung der Frau und das ist genau mein Ding. Angepasste Frauchen waren gestern. Wir Mädels sind so viel mehr! So viel mehr ist auch die Protagonistin des Films. Ceci Chuh spielt sie perfekt. Alex(a) ist ein Problemkind, das auf einem Reiterhof eine letzte Chance bekommt. Als Praktikantin stapft sie durch Pferdemist.

Es gibt keine lauten Töne in diesem Film, wer die erwartet sucht vergebens. Monika Treut zeichnet ruhige Bilder, die abseits vom Lärm der Großstadt entstehen. „Von Mädchen und Pferden“ ist kein exklusiver Film für queere Frauen, auch wenn die Protagonistinnen entweder lesbisch sind oder auf dem Weg sich zu entdecken.

Und darum geht es immer. Sich selbst und seine eigene Identität zu leben. Egal, ob die nun hetero und lesbisch ist. Alex findet sich. Dabei helfen ihr die Reitlehrerin Nina und ein zweites Mädchen, das auf dem Reiterhof Urlaub macht. Mit Pferd versteht sich, Kathy stammt aus einem reichen Haus.

Die übliche Romanze bleibt aus. Die Mädchen kommen sich wie selbstverständlich näher und freunden sich an. So, wie es Mädchen tun. Von Lesben reden wir später. Und genau das macht den Reiz des Films aus, dass es sich hier um zwei junge Frauen auf dem Weg zur Selbstfindung handelt.

Unterschwellig ahnt der Zuschauer natürlich, dass die harmlosen Späße der beiden mehr sein könnten. Aber es dauert bis zu einem gemeinsamen Wochenende, das sie allein auf dem Hof verbringen. Die Bauern sind ebenso weg wie Nina, die ihre Freundin im Hamburg besucht.

Der Film verzichtet auf lange Erklärungen und überlässt den Zuschauern die richtige Deutung. Etwa Ninas Beruhigungsmittel oder das viel zu kurze Telefongespräch, als ihre Freundin anruft. Nina braucht Luft zum atmen und das vermittelt sie Alex unbewusst.

Kathys Angebot an Alex, sie könne in Berlin eine Ausbildung auf einem Reiterhof machen, wird von dieser angenommen. Aber erst nach einer kleinen Trinkorgie, einer unverschlossenen Stalltür, einigen Küssen der Mädchen und der Suche nach den entlaufenen Pferden.

Vielleicht hat diese Suche sogar symbolischen Charakter. Alex zumindest hat sich danach gefunden. Ob und wie es mit den beiden weitergeht kann der Zuschauer nur ahnen. In der Endszene reiten die beiden Mädchen gemeinsam auf Kathys Pferd.

Ich mag diesen Film, der so erfrischend anders ist. Leise, ohne Gewalt und die sonst für Monika Treut üblichen schrägen Typen. Er ist ein Blick zurück in ihre eigene Jugend und dieser Blick tut gut. Auch der Blick nach vorn, wenn ich die mögliche Zukunft der beiden Mädchen sehe.

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Die Familienbande

Japanischer Humor ist ziemlich schräg für westliche Gemüter. Was wir lustig finden stößt Europäern sauer auf. Umgekehrt ist es kaum besser. Aber Lachen ist international. Als in Japan geborene Deutsche, bin ich mit der Kraft der zwei Welten ausgestattet. Und mein Lächeln geht immer unter die Haut. Zu wenig Humor haben nur die anderen. Lacht noch wer mit?

Mein Cousin, (bester) Freund und Seelenbruder Ken steht mir in Sachen Humor kaum nach. So liebt er es mich zu erschrecken. Was ihm nur nie gelingt. Schon als Kind habe ich ihn dann nur angeschaut und ihm die Zunge rausgestreckt. Prompt hat er das auch gemacht und ich ihn dafür gekitzelt.

Zu meinen Cousinen war das Verhältnis anders. Ich mag sie gern. Aber sie waren mir zu mädchenhaft. Das mag von einer Frau gesagt recht komisch klingen. Aber so empfand ich das immer schon. Moriko war die Verträumte. Sie lebte stets in ihrer eigenen Welt. Heute malt sie Bilder und arbeitet in einem japanischen Verlag.

Moriko hat zwei Töchter, die ihr ein und alles sind. Akiko und Sayuri. Akiko vereint wilde Gene, mit der Sanftheit eines kleinen Mädchens. Mit ihren 5 Jahren, ist sie der Star im Kindergarten. Und Karate kann sie auch. Sayuri ist schüchtern, verschmust und liebt ihre Schwester innig. Wo immer die hingeht, Sayuri ist mit dabei.

Nun gibt es Geschwister, die sich überhaupt nicht mögen. Und kleine Schwestern, die eine Last für die Ältere sind. Akiko ist anders. Schon immer passt sie auf Sayuri auf. Und wehe dem, der ihr Böses will! „Sie hat zwei Jungs verprügelt, die Sayuri gehänselt haben“, erzählt mir Moriko im Sommer. „Was habe ich nur falsch gemacht.“

Ich muss herzlich lachen und auch Moriko schmunzelt. Und ihr Mann findet das sowieso alles gut. Er ist Arzt und übt sich seit Jugendtagen in Judo. „Aber das ist kein Sport für Akiko“, sagt er bestimmt. „Als ich sie mitgenommen habe, hat sie die Kinder zu Boden gekickt.“ Frauenpower, hat die Macht!

Morikos  Besuch in Deutschland, ist schon seit einer Weile geplant. Nun hat die Familie endlich Zeit gefunden. Und meine Eltern bringen sie aus Japan mit. Zu meiner großen Freude auch Cousin Ken, der uns noch mitten in der Nacht besucht. Zumindest fast. Aber 1 Uhr ist auch schon spät.

Natürlich haben wir ihn tüchtig ausgeschimpft. Aber ganz der große Junge, hat er nur gelacht. Yukis Eltern stellen wie immer das Quartier bereit. Und die große Show beginnt. Japan zu Besuch bei Freunden. Das wird ein Spaß. Versprochen!

Mayumi Sensei

Manche Pläne sind die Gedanken nicht wert, die man daran verschwendet. Ich denke immer weiter, logisch und struk­tu­rie­rt. Emotionen, die haben doch nur die anderen. Mayumi Sensei aber nicht. Und mit diesen Worten komme ich zum Punkt und lehne die vermutlich lukrativste Offerte in meinem bisherigen Leben ab. – KLICK MICH –

Was ist geschehen, werden sich nun vielleicht meine LeserInnen fragen. Ist die olle Japanerin komplett verrückt? Ich kann euch beruhigen, nie ging es mir besser. Und daran ist auch wie immer meine Elfe schuld. Im positiven Sinn natürlich. Auch dafür liebe ich sie.

Ich bin immer meinen Weg gegangen. Unangepasst und als Kämpferin für die Rechte von Frau. Das ist mein Ding, da will ich hin. BWL war stets Sicherheit für mich. Nur ein Titel im Sam­mel­su­ri­um des Lebens. Aber soll das schon alles sein?

In meinem Kopf erscheinen die starken Frauen dieser Welt. Und auch ein Mann ist mit dabei. (Yoko) Okamoto Sensei und (Christian) Tissier Sensei möchte ich gern treffen. Die beiden lehren wahre Aikido-Kunst. Bewusst wähle ich die japanische Schreibweise von (Vor)Namen und Titel für diesen Blog. Traditionen sind ebenso wichtig, wie der Blick über den berühmten Tellerrand.

Graf Werner ist enttäuscht, als ich ihm die Absage gebe.
„Überlegen Sie es sich noch einmal“, bittet er.
Aber ich gehöre in kein Büro. Mein Büro, das wird (m)ein Dojo sein. Das ist fest beschlossen. Die nüchterne Frau Dr. Landar wird bald gehen. Mayumi Sensei aber bleibt. Ich werde Mädchen und Frauen meine Kunst vermitteln. Das wollte ich immer schon.

Mein Papa strahlt auf seine Art, als ich ihm davon berichte.
„Kleine Kriegerin“, sagt er leise und macht mich damit stolz.
Klein meint er nicht böse, es ist nur sein Kosewort.

Yuki und ich werden unser Leben leben. Anders und wenig angepasst. Mit unseren Kindern, die noch geboren werden. Beschlossen von uns und verkündet nun von mir. Im feinen Zwirn im Büro? Da sitzen nur die anderen. Mayumi Sensei lehrt.

 

Warum ich (k)ein Kind sein will!

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen, für Kinder ist die Welt spannend und bunt. Aber Kinder haben auch den Wunsch erwachsen zu sein.
Ich war gern Kind, Erwachsene fand ich komisch. Klar, da waren meine Eltern, diverse Tanten und Onkel. Aber Familie und Freunde zählen nicht.
Es gibt Menschen die trauern ihrer verlorenen Jugend hinterher. Ihr Leben dreht sich stets im Kreis. Immer nur ein Blick zurück.
Kinderzeit, verlorenes Glück?

Für manche Menschen scheint die Zeit zu rasen, hiflos sehen sie dem Uhrenzeiger zu. Und die Sekunden ticken, das Leben zieht vorbei.
„Ach und könnt‘ ich doch nur ein einz’ges Mal die Uhren rückwärts dreh’n“, hat Wolfsheim einst gesungen.
Aber ganz ehrlich, warum sollte man das tun? Das Leben spielt im Hier und Jetzt und nie im Gestern.  Kinder, das sind die anderen. Aber Kinder sind auch wir. Tief in unserem Inneren lebt das ewige Kind, jenes unbeschwerte Glück.
Mag jemand mit mir lachen?

„Denn wie viel von dem, was ich heute weiß, hätt‘ ich lieber nie geseh’n“, heißt es bei Wolfsheim.
Und schon flüchtet der Mensch in (s)eine eigene Welt, vielleicht sogar in eine Depression.
Aber was schließt uns von der Welt der Kinder eigentlich aus, warum können Erwachsene sie nicht sehen? Die Logik, der Verstand tötet oft das Spiel. Und unsere Herzen werden kalt.
Das Feuer der Jugend macht der Weisheit des Alters Platz. Träume verpuffen und bleiben nur noch Träume.
Ich habe das immer anders gesehen.

Als Kind war ich anders, als andere Kinder. Viel disziplinierter, aber auch unglaublich wild.
Und dann wieder verträumt im Reich der Bücher. Geschichten, ach wie wunderbar.
Mir lief die Zeit niemals davon, ich habe immer intensiv gelebt. Und das in meiner bunten Welt, im zauberhaften Feenreich.
Aber auch Feen müssen manchmal kämpfen. Genau das habe ich dann auch getan. Ich habe meine Welt verteidigt, mich und mein kleines Herz geschützt.
Feuer und Eis, beides ist in meiner Seele.

Meine Kindheit war behütet. Aber die eigentliche Wächterin war ich. Ich habe jeden Tag genossen. Intensiv und voller Mädchenglück.
Musik, Poesie und auch Karate, haben einen besonderen Menschen geformt. Und der Zen-Buddhismus hat ein übriges getan.
Es waren immer spannende Tage und keiner war ein Klischee. Statt den Regen zu meiden bin ich lieber in Pfützen gehüpft.
Angst hatten immer nur die anderen. Der Angst lache ich fröhlich ins Gesicht.
Unbeschwerte Jugend, unbeschwertes Glück.

Das Kind in mir ist stets lebendig und das wird niemals anders sein. Aber dieses Kind hat manchmal Pause. Und doch gibt es immer den Weg zurück.
Vielen Menschen gelingt das nicht. Sie entfernen sich von ihrer Kinderseele. Ich habe die meine immer behütet, wie einen kostbaren Schatz gehegt.
Geholfen dabei haben mir auch andere Menschen. Oder besser gesagt haben sie mich unterstützt.
Der wichtigste Mensch ist dabei meine Elfe. Obwohl erwachsen, ist sie auch ein großes Kind.
Vielleicht ist das eins der Geheimnisse unserer Liebe: wir nehmen uns an, wie wir sind.
Ändern wollen uns immer nur die anderen.

Kinder sehen die Welt mit anderen Augen, für Kinder ist die Welt aufregend und bunt. Aber Kinder haben auch den Wunsch erwachsen zu sein.
Ich bin gern erwachsen und ich bin noch immer gern ein Kind. Kein Widerspruch, nur mein Weg zu leben.
Und genau das ist der ganze Trick. Zu leben und nicht zu warten bis die flüchtige Zeit vergeht.
„Immer vorwärts, Schritt um Schritt es gibt keinen Weg zurück“, singt Wolfsheim und das Kind in mir schüttelt leicht den Kopf.
Es gibt immer einen Weg zurück! Mag ihn jemand mit mir gehen?

Das letzte Wort heißt Anfang

Das letzte Wort ist geschrieben. Stille kehrt ein. Das letzte Wort heißt ENDE. Zufrieden steht der Autor auf. Ein weiteres Meisterwerk aus seiner Hand. Hand? Nein. 42 Jahre lang war es eine Triumph-Adler Schreibmaschine. Zigfach repariert, unzählige Male gewartet, verrichtete sie treu den Dienst. Bis zu diesem Tag. ENDE steht unter dem letzten Manuskript. Der Autor wird keine weiteren Bücher mehr schreiben. Er ist alt geworden. Alt und müde. Wehmütig streicht er ein letztes Mal über das graue Gehäuse. Ein Abschied für immer.

Samtschwarz kommt die Nacht. Aber es gibt kein Morgen mehr. Vergebens wartet die alte Schreibmaschine. Die Tage vergehen, werden zu Wochen. Sie hofft, bangt. Aber der Autor kommt nicht mehr. Er ist vor wenigen Tagen im Krankenhaus gestorben. Stattdessen kommen Andere. Gierige Finger wühlen, die Schreibmaschine landet im Müll. Regen fällt. Sie leidet. Grobe Männer verletzen sie. Begraben unter allerlei Buntem will sie sterben.

Weiche Hände. Ein Wunder! Jauchzend steht das Mädchen vor dem Altmetall.
„Die will ich haben, Papa! Die und keine andere!“
Kundige Hände zerlegen, reparieren. Dann ist es geschafft.
Fröhlich schaut das Mädchen die Maschine an. Sanft spannt sie ein Blatt ein. Noch ist es leer, unbeschrieben. Die Schreibmaschine erwacht. Das erste Wort ist geschrieben. Es heißt Anfang.

Sinnlich in der Landwirtschaft – Eine Betrachtung

Der folgende Beitrag trieft vor Ironie. Für Risiken und Nebenwirkungen ist die Autorin nicht verantwortlich

Bei meiner täglichen News Recherche bin ich auf eine Meldung gestoßen, die mich doch etwas verblüfft. Ich lerne, dass der Jungbauernkalender 2014 die sinnliche Seite des Landlebens zeigen soll. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Yuki nimmt mir die Entscheidung ab und prustet los. Immerhin sind es doch recht hübsche Mädels, die im Video auf FOCUS zu sehen sind. Nicht nackt! Immerhin. Und Wert will der Fotograf auch auf das ländliche Umfeld gelegt haben. Die Mädchen posieren dann auch vor entsprechender Kulisse. Ich lerne weiter, dass es diesen Kalender bereits seit einigen Jahren gibt. Die Models haben (angeblich) alle selbst Bezug zur Landwirtschaft, stammen von einem Hof oder arbeiten dort sogar mit.

Ich überlege, wer die Zielgruppe des Kalenders werden soll. Frauenlose (Jung)Bauern? Oder generell nur Mann? Hat der Fotorgraf wirklich im Sinn, das Landleben erotisch darzustellen? Ich bin da skeptisch und halte das Ganze nur für ein cleveres Geschäftsmodell. Nackte Haut verkauft sich nun mal gut. Oder ein Produkt. Warum sonst sieht man/n Frau stets vor Edelkarossen und anderen Luxusgütern meist lasziv posieren? Kauf mich ist die Botschaft. Mach mich reich.

Ich bespreche mich mit Yuki, ob ich diesen Beitrag schreiben soll. Denn Werbung für das Produkt mag ich keine machen. Sie winkt nur ab und nickt. Schreib es, sagt sie und holt den Fotoapparat. Dann fängt sie an Bilder von mir auf dem Sofa zu machen. Ich protestiere! Meine Haare sind noch zerzaust, ich bin noch nicht mal fertig angezogen. Aber Yuki macht weiter, erklärt mir sie schieße die Bilder für den Jungjapanerinnen Kalender. Ihre neue, clevere Geschäftsidee.

Wir fangen beide an zu lachen und schauen das Video zu Ende. Der Akzent der Schönheiten ist zum Teil heftig und passt so überhaupt nicht zum feschen Madl-Bild. Mann wird es nicht stören, er wird nur die Hochglanzbilder sehen. Apropos Bilder. Vor dem Hintergrund des Kalenders gewinnt die Meldung Landwirtschaft auf einen Blick des Statistischen Bundesamtes ganz andere Bedeutung. Ob der Fotograf sie auch gelesen hat?