Danke ist (k)ein großes Wort

Als Kinder lernen wir das Leben kennen. Die Eltern sind unsere Helden, die Vorbilder, Lebensbegleiter. Sie unterrichten uns mit Geduld, Liebe und Verstand. Als Kind lernen wir uns zu benehmen und auch die Worte „bitte“ und „danke“ zu sagen. Und Höflichkeit ist gut.

Erwachsene haben aber häufig ein Problem damit diese Worte sinnvoll zu nutzen. Vielleicht wollen sie nicht betteln, oder sehen Dank als selbstverständlich an. Kinder sind auf ihre Eltern, auf Erwachsene angewiesen. Und bedanken sich meist lieb. Erwachsene können viele Dinge selbst erledigen und ihr Ego wächst. Bei so manchem Menschen wird es so groß, dass er das einfache bedanken vergisst.

Wenn ich Blogs lese fallen mir häufig Kommentare auf, die vom Blogersteller gemacht worden sind. Selbst ein Lob wird oft abgetan und dem Kommentierenden die eigene Meinung aufgepresst. Bewusst oder unbewusst, das mag ich nicht bewerten. Daneben ist es schon.

Klar, wenn ich als ThemenerstellerIn etwas besser weiß, so werde ich das kommunizieren. Aber ich für mein Teil bedanke mich auch gern, wenn ich nette Worte lese. In meinem Bekanntenkreis gelte ich oft als oberlehrerhaft, wenn ich Dinge umfassend erkläre. Das ist nur eine liebenswerte Stichelei unter Freundinnen. Wirklich bevormunden mag ich nicht.

Blogger fühlen sich oft von Worten angegriffen, wenn sie die Intention nicht verstehen. Und Worte sind nie einfach, das habe ich schon vor vielen Jahren erkannt. Aber im Gegensatz zu anderen nehme ich ein Lob gern an. Warum sollte ich alles als Angriff werten, oder den Sinn von Worten korrigieren.

Vermutlich haben viele Menschen heute verlent, wie einfach das Wort „Danke“ auszusprechen ist. Vielleicht sind sie einfach zu abgehoben und strotzen vor Arroganz. Selbstgefällig wird auf „die anderen“ geschaut, die den Blog sowieso kaum verstehen. Und eigentlich sind sie auch zu gut für diese Welt und warten auf die Entdeckung als …

Diese Spezies tummelt sich oft in (Literatur)Foren und gibt altkluge Kommentare ab. Kaum dem Anfängerkus „Kreatives Schreiben für Selbstgefällige“ entwachsen, mutieren sie zu LektorInnen. Sofort wird nun alles mit Kritikerauge gelesen und entsprechend diffamiert. Aber Schweigen wäre manchmal die bessere Wahl.

Bei Bloggern mag auch eine gewisse Gedankenlosigkeit eine Rolle spielen. Die Anonymität des Netzes macht es möglich. Sie vergessen, dass sie mit einem einfachen „Danke“, einen anderen Menschen glücklich machen. Danke fürs lesen.

Der Japan-Faktor

Japan erobert die Welt, das habe ich schon immer gewusst. Egal, ob im Karate, oder der Literatur, Japan bleibt eine führende Nation. „Moment!“, höre ich nun die Kritiker sagen, “ im Karate sind aber andere Nationen besser!“ Aber als geborene Japan-Expertin muss ich dem entschieden widersprechen.

Man sollte immer zwischen Wettkampf (Sport-Karate) und dem Geist des wahren Karate unterscheiden. Und da bleibt Japan DIE führende Nation. Schließlich haben wir Karate erfunden. Gut, Karate ist auch nur eine Form des chinesichen Wushu (Kung Fu). Aber Asiaten haben den Geist von Wushu und Karate verinnerlicht. Die anderen wollen meist nur kämpfen.

Im Sport-Karate sind die Japaner längst geschlagen. Das liegt einfach an der rein physischen Präsenz und ziemlich doofen Regeln. Bei den Kata, den Formen, bleibt Japan ganz vorn dabei und stellt regelmäßig Weltmeister. Niemand kann Karate besser zeigen.

Yuki, Ken und ich waren am Wochenende bei der WKF-Weltmeisterschaft in Bremen. Und wieder habe ich die Nachteile von Sport-Karate für ein breites Publikum gesehen. Experten haben ihre wahre Freude an Techniken und Kicks. Aber das bei Olympia präsente Taekwon-Do (koreanisches Karate), ist nun mal besser anzusehen. Selbst Kickboxen macht dem Auge mehr Spaß.

Der scheinbare Nachteil von Sport-Karate: es ist weniger publikumswirksam, aber typisch japanisch hocheffektiv. Aber in Zeiten von Mixed Martial Arts (MMA) und Ultimate Fighthing, wollen die Menschen mehr Action sehen. Das blitzschnelle, direkte Karate bleibt da außen vor. Wobei wahre Karateka um Welten besser, als die halbgaren MMA-Fighter sind. Die haben nur mehr Muskeln, Karateka dafür mehr Hirn.

Ken meint, dass traditionelles Karate-Kumite (Freikampf) seinen Höhepunkt lange hinter sich hat. Das wesentlich dynamischere Kyokushin-Karate mache einfach in Wettkampf mehr Spaß. Er hat durchaus recht und dann auch wieder nicht. Sport-Karate muss sich ändern. Und selbst mein Vater stimmt zu, dass Karate neue Wege braucht. Es muss moderner werden, wenn es überleben will.

Die World Karate Federation (WKF) versteht es leider nicht, Karate besser zu präsentieren. Einige Clips im Internet statt Live-Berichterstattung. Wie bitte soll die Masse Wettkämpfe sehen? Und wenn ich sage, dass Japan im Karate geschlagen ist, so ist das nicht wirklich wahr. Japan hat die meisten Medaillen gewonnen und damit den 1. Platz belegt. Aber (mein) Deutschland war auch gut dabei.

Die deutschen Mädels haben Gold im Frauen-Kumite geholt. Ein kleiner Wackler, hat Japan den Sieg gekostet. Wobei ich als Expertin ehrlich bin, die Kata der Japanerinnen war deutlich besser. Aber den Fehler habe ich gesehen und kann den Sieg Deutschlands nachvollziehen. Ohnehin bin ich bei solchen Ereignissen immer zwigespalten, wem nun mein Herz gehören soll. Eigentlich haben beide Teams gewonnen.

Uns haben die Tage in Bremen gut gefallen. Meine Eltern und alte Düsseldorfer Karate-Freunde waren mit. Nur nicht dabei. Wir kämpfen schon seit Jahren nicht mehr. „Weil du keine Chance hättest“, höre ich kritische Stimmen. Das sehe ich anders, da bin ich ganz selbstbewusst. Aber echtes Karate kann ich in keinem Wettkampf zeigen. Das lehre ich nur, das macht mehr Sinn.

Immerhin hat es ein anderer Japaner an die „Weltspitze“ geschafft: Der Schriftsteller Haruki Murakami! Ja, Haruki Murakami ist neuer Träger des „Welt“-Literaturpreises, vom Axel Springer Verlag. Die Jury würdigte ihn als bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller Japans. Und das finde ich richtig gut! Auch, wenn ich keine Freundin der „Welt“ und Axel Springer bin.

Der Japan-Faktor hat also noch immer Erfolg. Heimlich werden wir die Welt erobern. Mit spitzer Feder und Mandelaugen-Lächeln. Ihr habt doch kein Problem damit?

Wer mehr über mein Japan, oder Haruki Murakami lesen möchte, dem empfehle ich folgende Artikel:

Über Haruki Murakami: Das Ideal der Einfachheit

Über Japan: Mein Japan – Teil 1Mein Japan – Teil 2Warum ich nicht (typisch) japanisch bin

Autoren heute – Zwischen Wortmagie und Banalität

Wir alle, die wir einen Blog betreiben, sind Autoren. Als Autoren werden für gewöhnlich Schriftsteller bezeichnet, die eigenständig und ohne direkten Auftrag kreativ arbeiten. Als Autor gilt der Urheber oder Schöpfer eines Werkes. Aber nicht jeder Autor schreibt perfekt. Zum Schreiben gehört neben Technik auch Talent. Daran mangelt es oft. Oder der Autor besitzt viel Talent, weiß aber nichts von der Technik des geschriebenen Wortes. Und da fangen oft die Missverständnisse an.

Eifersüchtig wird über den eigenen Beitrag gewacht und jede Kritik sofort im Keim erstickt. Thema verfehlt, setzen, durchgefallen. Als Autor muss ich dafür sorgen, dass mein Wort verstanden wird. Und ich muss offen für Kritik sein, wenn ich diese nicht explizit verneine. Nur warum verneine ich Kritik? Bin ich als Autor bereits so gut, dass ich keine Fehler mache? Die wenigsten Autoren sind begnadete Schreiber. Erst ein Lektorat macht aus dem Rohdiamanten einen Edelstein.

Nun ist ein Blog meist nur ein Blog und dort gibt es selten Literatur. Allenfalls gute Unterhaltung zwischen Küche, Kind und Job. Alles legitim, alles gut. Frage ich aber als Autor nach der Meinung meiner Leser, so sollte ich Kritik annehmen. Und genau das gelingt den meisten Menschen nicht. Sie sind begnadete Erzähler, aber sie zeigen mir kein Bild. Und ohne Bilder bleibt auch die Story auf der Strecke.

Ein Beispiel: „Der Himmel war grau. Es schneite.“ Als Leser habe ich nun Informationen erhalten. Da ich weiß, wie Schnee, oder ein grauer Himmel aussieht, kann ich mir ein Bild damit erstellen. Aber große Kunst ist das nicht. Der erste Satz eignet sich für ein Haiku, aber nicht für einen Roman. Und dass es schneit, hat mir der Autor auch nur erzählt. Er Autor sollte sich vorstellen seine Informationen mit einem Sehbehinderten zu teilen. Der kennt die Farbe grau, der kennt auch Schnee. Aber um wie viel bunter wird die Welt dieses Menschen werden, wenn man ihm gemalte Worte präsentiert?

Deutschland gilt als Land der Dichter und Denker. Aber davon kann ich nicht viel spüren. Die Zeit der großen Autoren und Philosophen scheint vorbei zu sein. Es ist allenfalls noch Mittelmaß, was aus deutschen Hirnen quillt. Trash-Kultur und Handy-Manie tragen ihren Teil dazu bei, um die Massen weiter zu verblöden. Und ein TV-Programm auf Kitsch-Niveau macht die Sache ebenfalls nicht besser. Aber ist Deutschland wirklich auf dem absteigenden Ast, wenn es um Dichter und Denker geht? Gibt es wirklich keine großen AutorInnen mehr?

Große Autoren werden gern in den Himmel gehoben und als moralisches Vorbild angesehen. Jeder Leser will so sein wie sie. Und genau das ist der Fehler. Die meisten Künstler sind schräg und etwas anders, als die Masse. Was sie in Büchern schreiben und wirklich meinen, hat oft wenig miteinander zu tun. Politische Schriftsteller sucht man meist vergebens. Der Zeitgeist hat sie heimgesucht und die Bequemlichkeit hat sie müde gemacht. Aus Denkern werden so oft nur gefällige Wortakrobaten, die uns halbgaren Einheitsbrei servieren. Würzig ist anders.

Schuld daran sind aber auch Verlage und das deutsche Schulsystem. Nur mühsam kam in Deutschland die Idee voran, Kurse für kreatives Schreiben einzuführen. Während in den USA ganze Generationen von Nachwuchsautoren bereits in der Schule gefördert werden, paukt man hierzulande BWL. Und das ist knochentrocken, wie die Schreiberin dieser Zeilen weiß. Verlage machen es sich heute einfach. Ihre Pförtner, Lektoren genannt, wachen mit Argusaugen über den Erfolg. Was nicht ins Programm passt wird einfach ignoriert.

Aber zurück zu den Autoren und Blogs, den Foren und der Facebook-Manie. Immer wieder begegnen mir dort Menschen, die sich von der Welt unverstanden fühlen. Wortreich versuchen sie sich zu artikulieren, aber kommen niemals auf den Punkt. Oft gehören sie zur Gruppe der „Anonymen Supermenschen“, die lediglich an ihrem Computer die Helden sind. Dort erstellen sie hochkomplizierte, oder nichtssagende Profile und klagen ihr Leid hinaus in die Welt. Sie hoffen auf rege Diskussionen, aber sie führen sie dann nicht. Das Problem dieser Spezies: Sie wissen selbst nicht, wer sie sind. Noch weniger, was sie wollen.

Ihrer Meinung nach sind sie das Maß aller Dinge und alle anderen müssen nun so sein, wie sie es gern hätten. Da das aber in der Regel nicht so ist, gibt es bald den ersten Streit. Wortreich werden Besucher der Seite belehrt, wie sie einen Beitrag zu sehen haben. Und da fange ich meist an zu lachen. Ein Gedicht steht für sich selbst. Ein Leser kann niemals die Intention des Autors erfassen. Er wird es immer auf seine Weise interpretieren. Was ist daran verkehrt?

„Du MUSST das so und so sehen weil …!“, wird dann geschrieben. Aber muss ich das? Ich lese Worte und fühle mich in einen Text. Aber kryptische Botschaften kann nur die NSA entschlüsseln. Und nur der Autor kennt seine eigene Intention. Gute Autoren vermögen Gefühle und Bilder zu vermitteln. Schlechten Schreibern fällt das schwer. Sie führen wahren Krieg gegen jeden, der sie nicht versteht. Immer sind die anderen schuld. Das Leben dieser Menschen ist eine einzige Schlingerfahrt. Sie drehen sich im Kreis wie ein Hund, der seinen Schwanz verfolgt. Hoffnungslos.

Nun ist es nicht jedem gegeben sich richtig auszudrücken. Manche brauchen einen halben Roman, statt etwas mit wenigen Sätzen präzise auf den Punkt zu bringen. Die Kunst des Haiku, oder Senryū hilft dabei. Ein Haiku schreiben ist nicht schwer. 5 – 7 – 5, ist keine Formel und auch keine magische Zahl. Und dann wieder doch. Mit Wortmagie erreicht man immer Leser. Aber nie mit Banalität.

 

Blogs, Zensur und Kommentare

Während  die Welt scheinbar aus den Fugen gerät nimmt auch die Aggressivität der Blogger zu. So zumindest mein Eindruck, wenn ich mir manche Kommentare anschaue. Nun schreibe ich meinen Blog bestimmt nicht für jedermann und von Zensur halte ich nicht viel. Normalerweise genehmige ich alle Kommentare. Aber bei so manchen Worten geht das nicht.

Alles fing vor einer Weile an, als ein Kleingeist meinen Blog entdeckte und mir eine nette E-Mail schrieb. Oder der liebe Dennis, der mich mit seiner Rennsemmel gern „zersägen“ wollte. Eindeutige Beleidigungen habe ich ebenso bekommen, wie intellektuelles Dummgeschwafel. Und auch der ein oder andere Moralapostel hat mich angeschrieben und sich bei mir ausgekotzt.

Bereits mehrfach habe ich dann einen Blog geschrieben und die Kommentierer bloßgestellt. Ohne Namen versteht sich, ohne Hinweis auf den anderen Blog. Die meisten Kommentare habe ich einfach gelöscht. Zensur, Zensur mögen nun einige Leser schreien. Aber das ist mir egal. Weder brauche ich Fundamentalisten noch irgendwelche rechten Aktivisten auf meinem Blog, oder mag mich auf unterstem Niveau über Formulierungen meiner Worte streiten, die falsch verstanden werden.

Wer mich kennt weiß, dass ich mich durchaus gern konfrontiere. Aber nicht in jedem Fall. Ich lasse mich gern sachlich korrigieren, wenn ich eine falsche Meinung habe. Ich bitte sogar darum. Angriffe auf meine Person, meine Frau, meine Freunde, werde ich nicht tolerieren. Sätze wie „Dich müsste man wegsperren“, gehören nicht auf einen Blog.

Ein Blog dient zum Meinungsaustausch. Oder es werden Gedichte und Geschichten vorgestellt. Manch einer verarbeitet sein Leben vielleicht literarisch, mit dem ein oder anderen (selbst)ironischen Kommentar. Dazu gehöre ich. Leider mangelt es manchem Kommentierer am nötigen Sachverstand, um genau diesen Feinsinn zu erkennen. Und genau diese Typen schalte ich nicht frei. Die landen im Papierkorb, im Behälter für heiße Luft und leere Worte.

Gleiches gilt für Pseudo-Literaten, die über meine Texte lästern. Auch die durfte ich schon im Kommentar begrüßen. Muss ich aber nicht. Alles was ich schreibe sind Momentaufnahmen, geboren aus einem besonderen Augenblick. Und auch wer über Benzinvergeudung meiner Power-SUV lästern möchte, soll das bitte an anderer Adresse tun. Ich habe die Autos nicht gebaut und bin froh über den erlangten Job. Aber vielleicht ist es der pure Neid, wenn der Kommentar von Geldverschwendung spricht.

Auch (selbsternannte) Kampfkunstexperten wollen mir auf meinem Blog ans Leder. Aber meist auf übelste Art. Wenig davon ist in die Kommentare eingeflossen. Sätze wie „Mein Kickbox ist besser als du“, lösen nur ein Lächeln bei mir aus. Solche Worte sind nicht nur grammatikalisch Müll. Dahinter steckt auch nur ein kleiner Geist. Und den habe ich nicht gerufen. Also weg damit. Oder mag wer solchen Schwachfug lesen?

Schreiben, die oft brotlose Kunst

Freunde haben meinen Blog entdeckt und mich auf die Artikel angesprochen. Warum ich denn bitteschön eine Art Webreporterin sei und keine Geschichten mehr vorstelle. Die kurze Antwort: Ich hatte keine Lust mehr. Die lange Antwort ist der nachfolgende Text.

Haikus und Texte verfasse ich seit vielen Jahren. Vor ca. 4 Jahren hatte ich damit aufgehört. Ich war zuvor in einem Literaturforum angemeldet. Dort bin ich auf die Spezies der Besserwisser getroffen. Sie haben alles besser gewusst, gekonnt zerschrieben, technisch einwandfrei bereinigt. Meine Texte sahen hinterher klinisch rein aus. Meister Proper lässt grüßen. Für sachliche Kritik bin ich stets offen. Angriffe wehre ich wie im Karate oder Aikido ab. Mal hart, mal weich. Treffer, versenkt!

In Lehrbüchern über Kreatives Schreiben wird gern die nackte Schreibtechnik vermittelt. Der Lernende stürzt sich also nun mit neuen Wissen bewaffnet auf sein Werk, um es zu konterkarikieren … äh … konterkarieren oder radkial zu redigieren. Ihr wisst schon. Übrig bleibt meist eine leere Hülle, nichts vom eigentlichen Sinn. Sinnlos, bewusstlos, tot. Natürlich gibt es überflüssige Worte, Füllworte, Passiv und und und … Na und? Und jetzt erst Recht! Worte müssen nun mal fließen, ein Text im Fluss sein. Nicht wegeworfen im …, eher darin schwimmen.

Ich kenne meine Fehler. Genau das ist der eigentliche Punkt. Ein Schriftsteller sollte um seine Schwächen wissen, die Regeln zu kennen und sie doch gekonnt umgehen. Keine Schachtelsätze ist ein Lehrsatz, keine Zeitsprünge. Und dann kommt ein T. C. Boyle und führt in seinem Werk „Worlds End“ alle Lehrer und Kritiker ad absurdum. Denn Herr Boyle macht alles falsch! Dumm nur, dass sein Buch ein Weltbestseller ist und literarisch richtig anspruchsvoll. Aber eine kleine, unbekannte Tippse darf das nicht. Nicht, dass ich es nicht könnte. Aber um gelesen zu werden, die Chance zu bekommen vor den Augen eines Lektors zu bestehen, darf ich es nicht können. Also muss ich mich gekonnt verstellen. Können auch nur Könner sowas.

Dann gabs da einen Herrn Hemmingway. Der kam zum Fluss. Er war da. Mit seiner Schreibe hat er Preise gewonnen. Aber wieder darf ich das nicht. Ich muss weichgespült ankommen. Der Himmel über dem Fluss darf nicht „stahlblau“ sein. Ich muss ihm dem Leser zeigen, die Farben vemitteln. Es darf auch kein „zitronengelber“ Schmetterling von Blume zu Blume fliegen. Zugegeben sind diese Beispiele nun bewusst übertrieben. Gewusst wie ist also die Devise. Nur will ich das? Muss ich mich verbiegen, um vor den Augen der Wissenden zu bestehen? Und was wissen die? Ehrlich? Nix! Ich habe wenige Menschen in diesen Foren getroffen, denen Textarbeit wirklich wichtig war. Und die vor allem immer fair blieben und etwas mit Engelsgeduld erklärten.

Hauptsächlich trifft man auf: „Bis zu diesem Satz habe ich gelesen, dann habe ich aufgehört“ Kritiker. Der gleiche Mensch maßt sich dann aber an, den ganzen Text zu beurteilen. Wie geht das? Geht nicht. Er wollte lediglich seine Duftmarke setzen und mir vom Elfenbeinturm aus auf den Kopf spucken. Ich habe mich dann bei diesen Kritikern revanchiert und ihre Texte akribisch zerpflückt. Das Heulen, Stammeln und Zähneklappern war dann immer groß. Fehler machen solche Leute auch. Und nicht wenige. Gelernt habe ich. Vor allem den „Löschen“ Knopf zu drücken. Ich habe keine Angst vor den Besserwissern, mein Ego ist groß genug. Ich mag nur meine Zeit nicht mehr verschwenden.

Ich wollte immer nur Schreiben, Geschichten erfinden, Figuren. Mir fällt ständig irgendetwas ein. Aber Textarbeit? Muss ich nicht mehr haben. Klar juckt es mich bei so manchem Text in den Fingern. Aber dazu ist der Blog der falsche Platz. Meine Bloggerfreunde sind genau das: Freunde! Und ihre Texte sind gut. Punkt!

Kann Frau vom Schreiben leben? Dank BWL musste ich das bisher nicht. Zurück auf der Uni wähle ich nun einen anderen Weg. Künstlerisch wertvoll, brotlose Kunst. Wer weiß. Alles besser Viele. Ich dafür nur wenig, daher lerne ich. Schreiben kann ich ja schon. Mag mich wer lesen?

Warum Frauen Bücher schreiben und nicht mit Männern schlafen

Ich rege mich schon wieder auf! Über Mann! Der Grund ist der von Thomas Andre verfasste Artikel auf SPON über Zoë Jenny. Die Autorin hat nach mehr als 15 Jahren mit ihrem Buch „Spätestens morgen“ ein Comeback geschafft. Das ist toll und ich wünsche ihr viel Erfolg. Auf meiner „Noch zu lesen Liste“ ist es gelandet. Was mich stört ist der Titel des Artikels: „Ex-Fräuleinwunder Zoë Jenny: Alice, Alice, ein Comeback dank Alice!“ Gemeint ist damit Alice Munro, die den Literaturnobelpreis bekommen hat. Klar, dass der Verfasser sich bei ihr bedeckt hält. Alice Munro schriebe solche Typen auch mit nur einem Federstrich weg.

Lieber Verfasser des Artikels, lieber Thomas Andre. Ich weiß selbst, dass gute Titel den Leser neugierig machen sollen. Aber es ist nicht nur der Titel. Sie wollten offenbar komisch sein, vielleicht sogar ironisch. Aber genau das sind Sie nicht. Sie sind überheblich. Die im Märchenstil gehaltene Einleitung „Es war einmal eine junge Frau …“ zeigt zumindest mir, wie Sie über Frauen denken. Klar auch, dass Sie sich offenbar für den Nachfolger von Marcel Reich-Ranicki halten und nun Zoë Jennys neues Buch rezensieren. Woher Sie ihre Meinung nehmen wird nicht klar. Vermutlich haben Sie aber Germanistik oder Literaturwissenschaft studiert und sind daher gleich so viel besser, als der Rest der schreibenden Zunft.

Wie der Unterschied einer schreibenden Frau aussieht kann man auf Welt online in einem Artikel von Kathrin Spoerr überdeutlich sehen. Unter dem Titel „Warum Frauen nicht mit ihren Männern schlafen“ erklärt sie den Lesern süffisant, warum Megasven und Traumfrau Annika keinen Sex mehr miteinander haben. Gut. der Artikel dient der Vorstellung von Kathrin Spoerrs Buch „Mein Leben mit mir ist die Hölle für mich.“ Aber lieber lese ich ein solches Buch, als herablassende Literaturkritik von Mann an Frau.

Für mich als lesbische Frau sind  die Gründe warum eine Frau nicht mehr mit ihrem Mann schläft interessant. Kathrin Spoerr gewährt den Lesern in ihrem Artikel einen recht guten Einblick. Und spontan möchte ich Annicka freundschaftlich in den Arm nehmen und ihr einige tröstende Worte sagen. Und auch den ein oder anderen Tipp geben. Dass dieses Paar die Jahrzehnte nicht überdauern wird ist mir dann sonnenklar. Ich überlege wie viele lesbische Paare ich kenne, die ähnliche Probleme haben. Mir fallen keine ein.

Angeblich haben ja lesbische Frauen keinen Sex mehr nach einer Weile und leben in ruhiger Freundschaft zusammen. Keine Ahnung wer dieses Klischee verbreitet hat. Von den Extremen abgesehen verlaufen Liebesbeziehungen unter Frauen einfach harmonischer. Und der reine Akt ist nicht immer das, was Frau wirklich will. Nähe, Verständnis, Zärtlichkeit, gemeinsam Dinge unternehmen, miteinander Reden ist zigfach wichtiger, als männliche Lust. Lust habe ich nun auch: Nämlich mir die Bücher von Zoë, Kathrin und Alice zu besorgen. Und vielleicht schreibe ich irgendwann auch ein eigenes Buch. Einen Mann der mit mir schlafen will habe ich zum Glück ja nicht.