Schmetterlinge in Nagasaki

Schmetterlinge in Nagasaki

Aikos Gesichtsausdruck, als mein Vater dieses uralte Lied abspielt, ist nur mit dem Wort „unbezahlbar“ zu beschreiben. Yuki kann sich vor Lachen kaum halten, meine Mutter hält sich schnell die Hand vor den Mund. Papa zwinkert mir zu, dann lacht er mit. „Bitte, ich verstehe nicht, worüber die Tante singt“, sagt Aiko, während ich mit letzter Selbstbeherrschung das Lachen vermeide.

„Weißt du noch letztes Jahr, als Yuki und du allein nach Japan geflogen seid und ich in Schweden geblieben bin?“, frage ich die Kleine. Sie nickt und schaut mich an. „Da war ich traurig“, sagt sie. „Ist die Tante auch traurig?“ „Ich denke schon,“ erwidere ich. „Sie wartet auf ihren Liebsten, der bald zurückkehren soll.“ „Was ist ein Liebster?“, will sie wissen. „Na ihr Ehemann“, sage ich. „Wieso geht der denn weg, wenn sie ihn so liebt?“, fragt Aiko. „Warum ist sie nicht mitgegangen?“ 

Hilfesuchend schaue ich Yuki und meine Mutter an, aber beide müssen ganz plötzlich in die Küche. Papa tut ebenfalls total beschäftigt, also darf ich mal wieder alles erklären. Kein Ding, ich bin sowieso die Beste!

„Weißt du, Männer sind ziemlich komisch“, erwidere ich. „Die wollen immer alles allein machen und meinen, dass sie uns Frauen nicht brauchen. Daher sind die Frauen früher oft allein zu Hause geblieben und waren traurig.“ Aiko überlegt kurz. „Hast du deshalb keinen Mann?“ will sie wissen. „Wozu brauche ich einen Mann, wenn ich dich kleinen Schmetterling und eine Elfe habe“, erwidere ich. Aiko strahlt und der Tag ist gerettet.

 

Elfen, Business und Karate – Mein japanischer Alltag

Elfen, Business und Karate – Mein japanischer Alltag

WordPress ist mir fremd geworden, die neue Unübersichtlichkeit lehne ich ab. Was einfach war, ist nun kompliziert. Nur über einen Direktlink kann ich noch das alte Dashboard und / oder den klassischen Editor aufrufen. Vermutlich wird man auch diesen Link bald blocken, um uns zur Nutzung des Block-Editors zu zwingen. Dessen Classic-Look ist nur ein Schatten dessen, was der alte Editor einst war. Mir fehlt die Übersichtlichkeit.

Business as usual

In Fukuoka geht das Leben seinen normalen Gang. Wir testen Wasserstoff-Autos, unterrichten unsere Tochter und bilden Frauen als Bodyguard aus. Wer nun glaubt das sein schon alles, kennt mich wenig. Aber wie ich mein Geld verdiene bleibt privat. Allerdings habe ich immer weniger Zeit für längere Artikel, die ich oft viele Stunden recherchieren muss. Noch bin ich nämlich keine Millionärin, aber ich arbeite daran. An dieser Stelle darf sich bitte jeder einen Smiley denken.

Man, eigentlich Frau, hat mich gefragt, warum ich so viele Haiku schreibe. Die Antwort steht weiter oben. Außerdem kann wer genau hinschaut erkennen, was ich zur Zeit denke oder mache. Haiku sind für mich die komprimierte Form längerer Artikel. Aber das hat der eine oder andere bestimmt schon bemerkt. Auch, dass ich nach wie vor Karate praktiziere und gespannt bin, wie es bei den Olympischen Spielen ankommen wird.

Die Zeit der Elfen

Aus zwei sind bekanntlich drei Elfen geworden, die meist ein Herz und eine Seele sind. Aiko hat sich positiv entwickelt. Ihre Wildheit haben wir mit allerlei liebenswerten Tricks ins Karate-Training kanalisiert. Das ist kein elterlicher Zwang, wie nun vielleicht manche glauben. Sie liebt uns und will daher ein braves Mädchen sein. Außer Mann ärgert sie. Einige Jungs in ihrem Alter durften bereits den Boden genauer betrachten.

Wer nun glaubt, dass ich eine Schlägerin erziehe, hat wenig von ihrer Persönlichkeit verstanden. Wie mein Vater mich, werde ich Aiko so lange in Selbstverteidigung unterrichten, wie sie das selbst möchte. Allerdings glaube ich kaum, dass sie jemals mit Karate aufhören wird. Schon jetzt ist ihre Leidenschaft offensichtlich.

Respekt

Vor meinem Vater hat sie großen Respekt. Er ist begeistert von ihrer Auffassungsgabe und sagt ihr eine große Zukunft voraus. „Sie wird einmal besser sein als du“, neckt er mich. „Klar, Väterchen“, erwidere ich trocken. „Du wirst ihr erstes Opfer werden, wirst schon sehen.“ Sein Schmunzeln zeigt, wie egal ihm das ist. Aber niemals würde ich meinen Vater zu Boden werfen! Oder etwa doch? Wer meine Texte kennt weiß, dass wir oft und gern gemeinsam trainieren. Verlierer gibt es dabei nicht.

Aiko beim Training zuzuschauen, ihre Energie zu spüren, lässt unsere Herzen höher schlagen. Hinterher gibt es elfische Schmuseeinheiten. An der deutschen Sprache ist sie brennend interessiert. Es ist zu drollig ihr zuzuhören. Auslachen dürfen wir sie allerdings nicht. Was schwierig ist bei all den liebenswerten Fehlern. Ich könnte darauf wetten, dass sie in Deutschland die Sprache in einem Jahr erlernen würde.

Sprachlos

Was mir zunehmend auffällt, dass Yuki und ich ab und zu nach deutschen Worten suchen. Wir sprechen zu wenig und meine Texte helfen kaum dabei. Beruflich bin ich meist auf Japanisch oder Englisch unterwegs, was mein Deutsch kaum besser macht. Ab und zu versuche ich das wenige Kantonesisch oder Mandarin, wenn ich mit Chinesen spreche. Die Antwort kommt dann in Englisch oder gebrochenem Japanisch. Völkerverständigung kann so einfach sein.

Ohnehin ist das Verhältnis zwischen Japanern, Chinesen und Koreanern wesentlich entspannter, als uns die Presse dies glauben macht. Politisch sieht das wieder anders aus. Aber Politik spielt bei Geschäften kaum, bei Freundschaften überhaupt keine Rolle. So sollte das auch in Deutschland sein.

Girls, Girls, Girls

Unser Aufenthalt in Taiwan muss noch warten. Die Corona-Krise hat es uns leider vorerst unmöglich gemacht, mit meiner Freundin Lia gemeinsam den Kranich-Stil zu üben. Aber vielleicht klappt es doch noch dieses Jahr. Die California-Girls Ally und Heather leiden. „In den USA sind alle verrückt“, lässt mich Ally am Telefon wissen. „Mein Vater war bei Bidens Amtsantritt dabei. Man hat ihn und seine Soldaten sehr schlecht behandelt. Vielleicht hast du die Szene gesehen, als einige Soldaten demonstrativ ihren Rücken präsentierten. Biden hat wenig Freunde in der Armee.“

Ich habe versucht den Colonel zu interviewen, leider hat er abgelehnt. Aber was hinter den Kulissen in den USA geschieht bleibt spannend und interessant. Ebenso die Tuning-Schmiede in Schweden. Die Firma brummt, um es salopp auszudrücken. Die Entwicklungen kommen gut voran. Wolf berichtet mir fast täglich. „Ohne mich fliegst du aber nicht nach Schweden!“, sagt Yuki schmunzelnd und erinnert mich an die hübsche Buchhalterin.

Kamikaze

Die Corona-Krise scheint kein Ende zu nehmen. Aber Kamikaze, der „Göttliche Wind“ lässt scheinbar auf sich warten. Viele glauben nämlich, dass nur ein (göttliches) Wunder die Normalität wieder herstellen kann. Sie wollen oder können nicht begreifen, dass sie selbst für dieses Wunder verantwortlich sind.

Yuki und Aiko, meine beiden Wunder, warten nun auf mich. Daher möchte ich an dieser Stelle nur „Frohe Ostern!“ wünschen. Kommt zur Ruhe und genießt die freien Tage. Wer will oder kann geht auf die Straße oder klärt vielleicht mit sanften Argumenten Freunde und Familie darüber auf, dass die Welt weit mehr als nur „Corona“ zu bieten hat.