Die Vorbeterin

Selbst in Schwedens Norden, hat(te) mich die Politik eingeholt. Und eine Kanzlerin, die zur Vorbeterin der Nation geworden ist. Wie sonst soll man ihren Auftritt bei Anne Will erklären, der mehr einer protestantischen Predigt glich.

Christoph Schwennicke, der Chefredakteur des Magazins Cicero, hat interessante Fakten geliefert. Die Kanzlerin habe das Wort ich, inklusive der Spielarten mein, mir, mich, 257 Mal in ihrer Rede genutzt. Also alle 14 Sekunden.

Man muss keine Psychologin sein, um klar narzisstische Grundtendenzen bei Merkel zu bemerken. Diese Frau hat den Blick für die Realität schon längst verloren. Sie hat keinen Plan, den hatte sie nie. Nur einen eisernen Willen und ein Durchhaltevermögen, mit dem sie ihre GegnerInnen stets verblüffte.

Mir stellt sich seit einer Weile die Frage, wer Merkel leitet. Woher bezieht sie ihre wirren Ideen? Vor allem Merkels Kehrtwende in Sachen Migration und Flüchtlingspolitik gibt dabei Rätsel auf. „Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!“, hat Angela Merkel 2010 gesagt. Kann jeder nachlesen, der es nicht glaubt.

Horst Seehofer stieß ins gleiche Horn. „Wir als Union treten für die deutsche Leitkultur und gegen Multikulti ein – Multikulti ist tot.“ Aber Seehofer ist nur ein Schmusetiger. Er springt hoch ab und landet weich als Bettvorleger.

Merkel rein menschliche Motive zu unterstellen, ist so falsch wie dumm. Die Bundesmutti weiß genau was Europa braucht. Etwa den Islam, der bekanntlich zu Deutschland gehört. Oder (billige) Arbeitskräfte, um den ungeliebten Mindestlohn wieder zu kippen.

Mit Entsetzen schauen Millionen schlecht bezahlter Menschen nach Berlin, wenn sie solche Vorschläge hören. Die, die man jahrelang allein gelassen hat, sehen sich nun plötzlich noch der Konkurrenz von Millionen Neuankömmlingen gegenüber. Plötzlich sprudeln Milliarden für Menschen, von denen deutsche Langzeitarbeitslose nur zu träumen wagten.

Die AfD frohlockt und sammelt weiter Punkte. Nun ist die AfD alles andere, als mein Favorit. Aber die Block-Parteien brauchen ihre Lektion. Wer noch immer für die Etablierten ist, wählt Merkels falschen Kurs. Er stimmt ihm zu und signalisiert einer starrsinnigen Frau, dass sie alles richtig macht.

Aber Merkels Experiment, Europa auf Kurs zu bringen, ist klar gescheitert. Im Bundestag träumt sie von 90 Prozent der Deutschen, die ihren Kurs unterstützen. Das ist wie immer schön gerechnet, die Wahrheit sieht anders aus.

Wie man Statistiken schönt, hat jeder BWL Student schon früh gelernt. Und das wird überall und ständig gemacht. Ich kann nur vermuten woher diese 90 Prozent stammen. Vielleicht sind es alle deutschen Dackel, die gern Muttis selbstgemachte Häppchen essen. Wie schwer die auf Jahre hinaus im Magen liegen, wird sich bald zeigen. Ich wünsche einen „Guten Appetit.“

Der neue Ostblock macht unterdessen die Grenzen zu und lässt sich von Deutschland nicht länger erpressen. Griechenland in Gestalt seines Ministerpräsidenten tobt. Wäre er ehrlich, er würde es Merkel-Doktrin nennen. Schon der durchsichtige Versuch beim letzten EU-Gipfel mit Blockade zu drohen, deutete auf Merkels Handschrift hin.

Gut, vielleicht irre ich. Aber die Kader-Prinzessin weiß, wie sie manipulieren kann. Das hat sie in der DDR gelernt. Und so wird sie unbeirrbar weiter ihre Thesen predigen und die Gläubigen an ihren Lippen kleben. Bis der letzte Vorhang fällt.

Der selbstbewusste Mann

Kämpfen lernen, um nicht kämpfen zu müssen, das bleibt eine Kunst. Deeskalation, Meditation, das ist ein neuer Weg für mich. Ich bin noch immer in Japan und auf einem Aikido-Seminar. Ich sitze neben meinem Vater und auch Ken und Yuki sind dabei. Für Ken bleibt diese Kunst fremd, aber er mag uns gern begleiten.

Eine Gruppe Amerikaner hat auch ihren Weg ins Dojo gefunden. Die Männer sind jung und laut, der Haarschnitt verrät die Soldaten. Sie machen Karate und Judo, Aikido ist neu für sie. Mein Vater ist der Ehrengast, der Veranstalter ruft uns nach vorn. Gemeinsam zeigen wir Techniken. Abwechslend rollen wir über den Boden.

Ich habe Spaß und zeige Techniken, die meinen 1. Dan weit übersteigen. Aber wer sagt, dass ich die nicht kann? Die Amerikaner haben Probleme, sie sind zu steif und wenig talentiert für diesen Sport. Auch mit der Sprache hapert es, ihr Japanisch ist furchtbar schlecht. Ich versuche zu helfen und prompt macht mich einer der Männer an. Sein Name ist Tim, er ist der Anführer der Truppe. Ein First Lieutenant (Oberleutnant) und furchtbar stolz auf sich.

„Ich wollte ja schon immer mal wissen, was sich unter einem Aikido-Rock verbirgt“, sagt er im Scherz zu seinen Kumpels.
Die Männer lachen. Ich bin gewarnt.
„Mein Fuß“, erwidere ich gelassen und lächele Tim an. „Machen wir jetzt weiter?“
Tims Augen werden schmal. So hat wohl noch keine Frau mit ihm geredet. Aber er schweigt.
Soll das schon alles gewesen sein?

Mein Vater schaut mich kurz an, aber ich nicke nur kurz. Alles unter Kontrolle, kein Problem für mich.
Diese Amerikaner haben kein Talent für Aikido, das kann ich ganz klar sagen. Aber der Kommandeur hat sie zu dem Seminar verdonnert, ihr Nahkampf ist zu schlecht.
Sie erzählen das unaufgefordert in einer Pause. Auch, wie gut sie (angeblich) im Karate sind. Unter den eher kritischen Blicken der Japaner zeigen sie Kicks und Sprünge.
Nichts, was mich vom Hocker reißt. Zu wild, zu unpräzise. Mit anderen Worten: schlecht.

Der beste Mann der Fünfergruppe, ist ein asiatisch aussehender Mann mit Namen John. Seine Mutter sei Chinesin erzählt er mir und entschuldigt sich für seine Kameraden.
„Die meinen das nicht so“, sagt er. „Aber Tim ist ein wilder Kerl.“
„Mit wenig Talent“, entgegne ich. „Selbst sein Karate ist grottenschlecht.“
Johns Mutter hat ihn etwas Hung Gar Kung Fu gelehrt. Aber das kennt die US-Army nicht. Daher muss er nun Karate machen.
Wir philosophieren kurz über Karate und Kung Fu, dann geht das Seminar schon weiter.
Ich bleibe als Dolmetscherin bei den Amerikanern. Ein Fehler, wie sich noch herausstellen soll.

Tim lässt keine Gelegenheit verstreichen, um mich mit Blicken auszuziehen. Ich kann den Ärger riechen.
Am Ende des ersten Tages eskaliert die Sache schon. Tim fragt nach einem Date.
„Warum sollte eine Japanerin mit dir ausgehen wollen?“, frage ich ihm amüsiert. „Vor allem, wenn sie verheiratet ist.“
Tims Grinsen friert ein, John fängt an zu lachen.
„Wenn du mich jetzt entschuldigst“, fahre ich fort, „meine Frau wartet auf mich.“
Wenn Blicke töten könnten.

Tim presst die Zähne zusammen, seine Fäuste sind geballt.
„Eine Lesbe also“, sagt er abfällig. „Ist ja mal wieder typisch. Was du brauchst, ist ein richtiger Mann!“
„Und du willst dieser Kerl sein?“, frage ich. „Du willst es mir mal so richtig besorgen?“
Tim grinst schon wieder, das sind Worte nach seinem Geschmack.
„Das kannst du laut sagen, Baby“, dröhnt er. „Hinterher willst du nie wieder zu einer Frau!“
„Na dann immer los“, provoziere ich ihn und gehe auf ihn zu. „Machen wir es doch gleich hier auf der Matte.“
Endlich fällt bei Tim der Groschen.

„Du willst gegen mich antreten?“, prustet er. „Baby, für dich brauch ich genau einen Kick!“
„Zeig ihn mir“, fordere ich ihn freundlich auf. „Ich kann es kaum erwarten.“
Mein Lächeln zeigt Wirkung, Tim wirkt verunsichert. 1:0 für mich.
„Das meinst du nicht ernst?“, will er wissen. „Ich kann doch keine Frau schlagen.“
„Stimmt“, erwidere ich sanft. „Du kannst mich nicht schlagen.“
Was ich beweisen kann.

John gibt mir im Hintergrund immer wieder Zeichen. Er amüsiert sich prächtig.
Mein Vater schaut demonstrativ in eine andere Richtung, Ken und Yuki treten neben mich.
„Wenn ich es mir richtig überlege, dann sollten wir besser keinen Wettkampf machen“, sage ich. „Der wäre ziemlich unfair und schnell zu Ende.“
„Endlich wirst du vernünftig“, erwidert Tim selbstbewusst. „Das würde übel für dich enden.“
„Ich war mehr besorgt um dich“, erkläre ich ihm ruhig. „Für dein Karate reicht ein normaler Aikdio-Schüler.“
Meine Worte zeigen Wirkung, mit hochrotem Kopf packt Tim mich am Arm. Aber ich bin gut gelaunt und lasse ihn lediglich ins Leere laufen.
Und doch ist Japans Boden hart.

Ken feixt, Yuki verdreht die Augen und mein Vater schüttelt leicht den Kopf.
Die Show ist beendet bevor sie begann.
John hilft Tim aufzustehen. Plötzlich wirkt der Offizier nicht mehr so überlegen. Und Schmerzen hat er auch.
„Lass gut sein“, sagt John. „Du willst dich doch nicht blamieren. Denk bitte daran, wir sind hier nur Gäste.“
Tim mag ein Hitzkopf sein und keine Manieren haben. Aber wirklich dumm ist er nicht, wie seine nächsten Worte beweisen.
„Scheiße“, sagt er und reibt sich die Hüfte. „Da habe ich wohl mal wieder Mist gebaut.“
Er zögert kurz und murmelt ein „Sorry“ in meine Richtung.
Der Mann hat seine Lektion verstanden.

Am nächsten Tag kommt er nicht wieder.
„Er hat sich krank gemeldet“, lässt John uns wissen. „Aber das liegt weniger an seiner geprellten Hüfte, als vielmehr an seinem verletzten Stolz. Ich möchte mich im Namen der US-Army für sein Verhalten entschuldigen.“
Er schaut den Rest der Gruppe an.
„Das kommt nie wieder vor“, fügt er noch hinzu und seine Männer nicken.
„Fein“, sage ich fröhlich. „Dann lasst uns weiter üben.“
Warum sehen die nun so erschrocken aus?

Angst und Wut sind schlechte Ratgeber im Leben. Auch der scheinbar Schwächere kann einen Sieg erringen. Und manchmal reichen Worte. Auch gegen einen selbstbewussten Mann.