Warum ich fremd gegangen bin

Liebe, so heißt es, sei für die Ewigkeit. Wenn zwei Herzen im Einklang sind, so ist es für immer. Aber ist das wirklich so? Einspruch und harter Schnitt. Nichts ist für die Ewigkeit, nicht bleibt wie es war. Menschen sind für die Abwechslung gemacht. Wer will schon jeden Tag das gleiche essen!

Nun ist es keineswegs so, dass ich gezielt suchte. Aber im Leben jedes Menschen kommt der Point of no return. Und den, liebe LeserInnen, habe ich überschritten. Meine Gefühle waren so stark, wie selten zuvor in meinem Leben. Herzklopfen, feuchte Hände, sogar die Sprache hat es mir (fast) verschlagen.

Vollendete Rundungen, wunderschöne Augen, mein kleines Herz ist hin und weg. Es kribbelt wie noch nie in meinem Bauch. „Ich will dich!“, flüstere ich. „Ich will dich so sehr!“ Nun ist Leidenschaft durchaus zu kontrollieren. Nicht umsonst werde ich auch „Miss Eisberg“ genannt. Aber hier und heute schmelze ich. Eiszeit war gestern,  der Vulkan bricht aus.

Mein Blut kocht, mir wird abwechselnd heiß und wieder kalt. Selbst meine Beine zittern. Das Ende einer Liebe naht, mir ist das voll bewusst. Melancholisch schaue ich auf die Ringe. „Das wars also“, murmele ich und mache einen Schritt nach vorn. Endlich sind meine Finger am Ziel!

Sanft streiche ich über Formen, die ich so noch nie gesehen habe. Alles ist perfekt und dieser Tag wird Geschichte in meinem Leben machen. Ich schließe die Augen uns gebe mich hin. Wie kühl die Haut doch plötzlich ist! Ich werde eine Grenze überschreiten. Danach ist nichts mehr, wie es einmal war.

Elfchen steht neben mir, auch in ihrer Kehle sitzt ein Kloß. Dann sind wir den neuen Porsche 911 Carrera 4S gefahren. Als Cabriolet versteht sich. Was habt ihr denn nun gedacht?

Die Rückkehr des (Erl)Königs – Teil 2

Das Biest

Das Biest

Der ehemalige Flugplatz liegt im milden Sonnenschein.
Sonnenbebrillt gehen wir auf eine Baracke zu.
Techniker und andere Boliden stehen dort. Wir werden schon erwartet.
„Hattet ihr Ärger mit der Polizei?“, will der Chef wissen.
Sein Name ist Wolfgang, kurz Wolf genannt.
Ich kenne ihn, er ist ein Mitarbeiter von Yukis Vater und im gleichen Alter.
„Routinekontrolle“, sage ich. „Haben Sie angefragt?“
Wolf nickt und sein Gesicht verfinstert sich.
„Die suchen nach Ärger“, sagt er. „Jemand hat sie auf uns angesetzt. Wir dürfen vorerst keine Autobahn mehr nutzen zum Test.“

Der Audi ist schnell umgerüstet.
Yuki bewundert einen BMW.
„Was ist das für einer?“, will sie wissen. „Den mag ich, der sieht klein und handlich aus.“
Wolf lacht und will sich kaum beruhigen.
„Das ist der M 235i“, sagt er. „Willst du ihn mal fahren?“
Yuki strahlt.
„Darf ich wirklich?“, will sie wissen.
„Na immerhin bis du du doch auch dafür hier“, scherzt Wolf.
Auch Yuki bekommt jetzt Geld fürs testen. Nur fahren will sie meistens nicht.

„Darf Mayumi mit?“, fragt sie und schaut Wolf bittend an.
Er schmilzt. Niemand kann (m)einer Elfe widerstehen.
Wir drehen eine Runde.
Yuki ist ausgelassen. Sie strahlt und jauchzt und mir wird schlecht.
Besorgt bringt mich Yuki zur Toilette.
Mein Kopf dreht sich und mein Bauch spielt verrückt.
„Mistige Tage“, stöhne ich. „Es ist wieder mal soweit.“
Obwohl ich kaum noch Regelschmerzen habe, hat es mich wieder erwischt. Übelste Krämpfe verderben mir den Tag.
Der Grund ist klar, der Stress der letzten Wochen. Ich habe mich übernommen.

Eine Schmerztablette und Tee wirken Wunder. Eine knappe Stunde später bin ich wieder fit.
„Wir können dann“, sage ich zu Wolf. „Mir geht es wieder gut.“
„Bist du dir sicher?“, fragt er. „Ich lasse dich nicht fahren, wenn du nicht auf der Höhe bist.“
Als Antwort setze ich einen Kick direkt vor sein Gesicht und halte den Fuß dort bewegungslos.
„Oha!“, entfährt es ihm. „Die Karate-Queen schlägt wieder zu.“
Wolf weiß von meinem Sport.
Ich lache und setze den Fuß wieder ab.
„Ach was“, wehre ich ab. „Ich wollte nur zeigen, wie gut es mir geht. Und Regelschmerzen kennt so ziemlich jede Frau. Die bringen uns nicht um.“

Der Audi lauert schon und heißt uns knurrend willkommen.
In kaum mehr als drei Sekunden sind wir auf 100 km/h.
Das Gedicht vom Erlkönig fällt mir ein, während der Wagen vehement nach vorne stürmt. Aber ich benutze eigene Worte, was Yuki zum Lachen bringt.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist Mayumi mit dem Elfenkind;
Der Audi hat die Beiden wohl im Arm,
Er faßt sie sicher, er hält sie warm.

Ach Elfchen, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Spürst Mayumi, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit den vier machtvollen Ringen? –
Oh, Yuki-onna, werden uns die 350 gelingen?. –

„Ihr lieben Kinder, kommt, geht mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich hier;
Manch bunte Blumen sind am Wegesrand,
Meine Mutter gab mir mein rotes Gewand.“

Mayumi, meine Mayumi, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig uns leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Elfenkind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Wollt, feine Mädels, ihr mit mir gehn?
Meine VW-Töchter sollen euch warten schön;
Meine VW-Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen euch ein.“

Mayumi, meine Mayumi, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Tochter am düstern Ort? –
Mein Elfchen, mein Elfchen, ich seh es genau:
Es scheint der alte Porsche so grau. –

„Ich liebe euch, mich reizt eure schöne Gestalt“;
säuselt es aus dem Zuffenhausener Fnsterwald.
Mayumi, meine Mayumi, der Porsche fasst sich ein Herz!
Erlkönigs Motor dröhnt mit hundert Hertz!

Mayumi grauset’s, sie raset geschwind,
Der Audi fährt schneller als jeder Wind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
Hinter ihm der Porsche und der ist tot.

Das Problem bei solchen Wagen sind die Reifen. Daher ist bei vielen Modellen schon bei 250 km/h Schluss. Beim Audi sind auch die Reifen nicht von der Stange. Ihr Preis ist utopisch und wird hier nicht genannt. 347 km/h stehen am Ende für uns zu Buche, ein absoluter Bolidenrekord. Wahnsinn pur, Leidenschaft in Stahl gepresst. Der Wagen kann noch schneller, aber das halten die Reifen nicht mehr aus.

Das Team ist ausgelassen und mir gehts wieder richtig gut.
Die Rückkehr des Königs ist gelungen. Machtvoll glänzen seine Ringe. Und das nicht nur unter Erlen. Noch auf dem Flugplatz schreibe ich diese Zeilen, um dann mit meiner Elfe nach Hause zu eilen. Gehabt euch wohl ihr holden Narren und fahrt langsam mit eurem eigenen Karren. Nach Karneval bin ich zurück. Bis dahin genieße ich mein Eheglück.

Von Eifersucht und Leidenschaft

Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer Leiden schafft. Dieses Zitat ist wohlbekannt. Ja, Eifersucht und Leidenschaft sind starke Emotionen. Vor allem unsichere Menschen neigen zu starker Eifersucht und engen den Partner gern ein. Der Mensch wird zur Marionette, zum Spielball der Gefühle. Aus den leidenschaftlichen Küssen wird dann grenzenloser Hass. Vorher so verliebte Partner stehen sich geifernd gegenüber und schreien sich nur noch an. Oder schlagen sich sogar. Im privaten Bereich kann das gern jeder mit sich selbst ausmachen. So lange ich nicht um Hilfe gebeten werde interessiert es mich meist nicht. Ausnahmen gibt es immer. Als Zeugin von Gewalt gegen andere Menschen greife ich vermutlich ein, oder rufe ganz einfach die Polizei.

Aber es gibt eine Form der Gewalt, mit der ich überhaupt nicht kann: öffentlich im Internet ausgetragene Schlammschlachten. Wieso schreibe ich von Gewalt, ein kleines Wort kann doch niemanden verletzen? Das sehe ich anders. Als Hobbyautorin weiß ich sehr genau um die Macht des Wortes. Gezielt eingesetzt kann es die Psyche eines anderen Menschen tief verletzen. Vor allem dann, wenn dieser Mensch aus Trennungsgründen leidet, oder noch mehr Probleme hat.

Solche Attacken laufen immer nach dem gleichen Muster ab. Aus der Deckung heraus wird von den Beteiligten scharf geschossen. Gern werden wortgewaltige Internet-Freunde als Verbündete gesucht. Und wenn der Betroffene nicht mehr weiterkommt, so werden es genau die schon richten. Durch die scheinbare Anonymität verlieren die Kontrahenten oft Maß und Ziel und prügeln zu guter Letzt nur noch blindwütig aufeinander ein. Das Ergebnis sind dann endlose Forenkriege, die in persönlichen Beleidigungen enden. Und manchmal vor dem Staatsanwalt.

Ich blicke auf eine lange Internet-Karriere zurück. Chats, Foren, mein Blog und Second Life. Und genau dort sind mir die Dramen dieser Welt 2.0 bereits begegnet. Beteiligte erinnern mich an zankende Kinder, die zum Schluss nach ihrer Mama schreien. Vielleicht würde es helfen ihnen kräftig auf den Po zu hauen. An die Hand nehmen, um ihnen den Weg weisen, werde ich sie zumindest nicht. Der Grund ist einfach: im Internet ergreife ich keine Partei. Und zur Not stelle ich den Kontakt mit beiden Kontrahenten ein.