Die Farbe Schwarz

Schwarz, so heißt es, sei die dunkelste aller Farben. Für viele Menschen gilt Schwarz als Farbe des Todes. Sie steht für die Trauer, das Böse und Bedrohung. Schwarz ist für mich keine negative Farbe. Schwarz steht für Unbezwinglichkeit, Erneuerung, Würde, Macht, Ernsthaftigkeit und Exklusivität.

Schwarz steht auch für den Meistergrad, den 1. Dan im Aikido. Und genau den habe ich am Wochenende erworben. Und das finde ich gut. Die Vorgeschichte finden Interessierte hier KLICK. Schwarz, so heißt es, entstehe beim Fehlen eines Farbreizes im Auge. Warum nur fühlen die sich plötzlich so feucht an? Hat das was mit „Wasserfarben“ zu tun?

Der Schritt war lange überfällig, Techniken und Philosophie habe ich seit Jahren beherrscht. Nur mein Dickkopf hat die Prüfung bisher verhindert. Aber damit ist nun Schluss. Auch ich muss manchmal über meinen Schatten springen. Und auch der ist bekanntlich Schwarz.

Schwarz, so heißt es, sei auch eine Farbe der Macht. Aber ich brauche keine Macht. Wer sich mit Macht und Erfolgen brüstet, der verdient sie nicht. Trotz allem ist der 1. Dan mehr als nur ein Symbol. Für mich ist er Einstieg in die Trainerwelt. Hochoffiziell darf ich nun andere lehren. Und auch das finde ich gut.

Yuki strahlt und fliegt in meine Arme. Auch sie ist geprüft und hat bestanden. Sie trägt nun den braunen Gürtel. Wobei sie gleich mehrere Stufen übersprungen hat. Geht nicht? Geht sehr gut! Der Trainer entscheidet und sie war reif dafür. Auch der ist stolz. Vielleicht hat er auch Angst vor meinem Vater. Der hat sehr ernst geschaut und ist noch viel höher dekoriert.

Stolz hat uns mein Vater Urkunde und Gürtel überreicht. Das hat er sich nicht nehmen lassen. Die Prüfung selbst war kein Problem. Im Gegenteil hat sie richtig Spaß gemacht und ich wieder richtig Lust bekommen, den Weg der Farben zu gehen. Daher ist es entschieden, der 3. Dan im Karate wird dieses Jahr noch folgen. Dann ist es aber gut.

Die Farbe Schwarz, so heißt es, berge Mystisches und Geheimnisvolles in sich. So, wie eine Mondlose Nacht, in der man nicht die Hand vor Augen sehen kann. In gewisser Weise trifft das auch auf die Budo-Welt zu. Mit dem 1. Dan beginnt ein neues Kapitel für den Lernenden. Zwar darf er nun lehren, sein Lernprozess ist aber noch lange nicht zu Ende.

Und lernen will und werde ich. Mein Leben lang. Vielleicht werde ich dann eines Tages auch so gut wie meine Elfe sein, die mir im Kissenwurf und im Lächeln deutlich überlegen ist. Da hat sie mindestens einen 10. Dan. Ob das an ihren schwarzen Haaren liegt?

Schwarz, so heißt es, sei die dunkelste aller Farben.
„Schwarz“, flüstere ich Yuki zu, „ist die schönste aller Farben.“
Sie lacht und sie versteht.

Drei Farben Schwarz

Mit dem Ttel des Artikels lehne ich mich an drei Filme an, die ab 1993 für Furore sorgte. Es sind die Filme „Drei Farben: Blau / Weiß / Rot.“ Aber ich drehe keinen Film. Ich schreibe lediglich über mein Leben. Und dem habe ich beschlossen eine weitere Farbe zu geben. vor mehr als zehn Jahren habe ich mit dem Farbenrausch aufgehört und keine Prüfungen mehr in Karate und Aikido gemacht. Das soll nun wieder anders werden und das hat einen Grund.

Im Karate habe ich den 2. Dan, den zweiten Schwarzen Gürtel. Mehr braucht kein Mensch. Aber mit dem 1. Dan darf ich lehren und das kann ich richtig gut. Vor allem Frauen und Kinder. Im Aikido habe ich keinen Meistergrad. Zumindest nicht auf dem Papier. Aber ich mag auch in dieser Sportart lehren. Und ein 1. Dan gehört dazu.

Yuki wird mich wie immer unterstützen und auch eine Prüfung machen. Aber vom 1. Dan in Karate, oder Aikido ist sie noch ein ganzes Stück entfernt. Aber niemand sollte meine Elfe jemals unterschätzen. Auch ohne Gürtel ist sie gut.

Im Unterschied zu mir ist für sie alles Spaß und Spiel. Sie scheint die Techniken zu tanzen, so zumindest sieht das bei ihr aus. Ich dagegen schlage zu. Dynamik gegen Eleganz. Als Duo unschlagbar. Zwei Seelen, eine Idee. Natürlich ist mein Papa begeistert, als ich ihm die Neuigkeit erzähle. Er wird mich gründlich vorbereiten und bei der Prüfung anwesend sein.

Im Aikido gibt es normalerweise keine Gürtel. Dort trägt man nur Oberteil und Hosenrock. Der 1. Dan wird lediglich symbolisch verliehen. Auch, wenn man das in Europa und Amerika ganz anders sieht. Aber was interessieren mich westliche Neuerungen, wenn ich einen japanischen (Groß)Meister zum Vater habe?

Der Sinneswandel kommt nicht von ungefähr und hat sich schon länger angedeutet. Linda hat Anteil an meinem neuen Denken. Sie braucht eine Trainerin. Und für immer will ich meine freie Zeit nicht in getunten Autos verbringen. Das macht Spaß und auch durchaus Sinn. Nur eben nicht auf Dauer. Da fehlt mir dann der Faktor Mensch.

Um Geld geht es dabei nicht. Das kann ich anders besser verdienen. Aber Frauen und Kindern zu helfen ist mir wichtig. Und da gehört auch Training mit dazu. Es fördert Fitness, aber auch den Geist. Und es ist gut gegen jede Art von Gewalt. Klassisches Aikido werde ich nicht unterrichten. Mein Stil wird angelehnt an Daitō-ryū Aiki-jūjutsu sein. Und das ist mit Jiu Jitsu verwandt.

Nach der Aikido-Tradition wird Kindern Aikido erst ab vierzehn Jahren vermittelt. Und das halte ich für falsch. Aber ich halte so einige Sachen der traditionellen Meister für überholt. Selbstverteidigung hat sich verändert, was zum Glück auch Linda so sieht. Zwar sind Traditionen wie Meditation durchaus wichtig, sie fördern die Konzentration. Aber im Straßenkampf gilt es blitzschnell zu reagieren.

Vielleicht werden sich nun viele LeserInnen fragen, wann ich das alles machen will. Und was aus meinem Wing Chun Training wird. Die Antwort ist so einfach, wie unkompliziert. Zur Zeit haben wir Semesterferien und ein Studium dauert kaum den ganzen Tag. Auch im Wing Chun strebe ich die Lehrerwürde an. Aber bis zu dem Tag ist es noch etwas hin.

Mir ist schon mehrfach die Frage gestellt worden, wie ich die drei Stile kombiniere. Von unmöglich war die Rede und dass ich niemals so gut sein könne, wie ein Meister in nur einer Sportart. Für diese Aussage habe ich nur ein japanisches Lächeln. Denn es geht sehr gut. Nur fehlt vielen Leuten genau dieses Talent.

Drei Schwarze Gürtel sind keine Besonderheit. Mein Papa hat noch einige mehr. Für mich sind sie lediglich Farben. Für ihn ein tieferer Sinn. Den kann ich sehen, mag aber seinen Weg nicht gehen. Aber der Geist des Budo lebt auch in mir. Ich bin eine Regenbogenkriegerin.