Das ist Karate!

Was Karate wirklich ist, habe ich bereits mehrfach geschrieben. Aber noch immer verstehen viele diese Kunst gern falsch. Also ergänze ich meinen letzten Artikel und möchte Ōyama Masutatsu, den Begründer des Kyokushin-Karate, zitieren. Der Fokus liegt dabei heute auf der körperlichen Seite. Warum erkläre ich noch.

„Karate ist kein Spiel. Es ist kein Sport. Es ist nicht einmal eine Technik der Selbstverteidigung. Karate ist zur Hälfte eine körperliche, zur anderen Hälfte eine spirituelle Disziplin.“

So ganz einverstanden bin ich mit dem großen Meister nicht. Man kann das auch durchaus anders sehen. Karate war und ist durchaus Selbstverteidigung für mich. Dieben meinen Geldbeutel zu überlassen, um sie nicht zu verletzen, käme mir niemals in den Sinn. Wer mir, bildlich gesprochen, an die Wäsche will, hat ein Problem.

„Karate hat eine nicht zu leugnende mystische Qualität. Doch all dies ist das Ergebnis von Durchhaltevermögen und Training. Es ist offen zugänglich und hat nichts mit geheimen esoterischen Schriften zu tun, die manche Karateschulen angeblich besitzen. Selbst wenn solche Bücher existieren, sind sie keine praktischen Erklärungen für die Methoden und Techniken des Karate, sondern abstrakte Erklärungen der geistigen Haltung.“

Ōyama Masutatsu hat recht, es gibt keine geheimen Techniken und keine Super Karateka, die allein mit Blicken einen Vorteil für sich verbuchen. Aber im modernen (Sport)Karate werden all jene Techniken nicht mehr gelehrt, die nach Meinung einiger Meister, eine zu große Verletzungsgefahr bei Wettkämpfen darstellten.

Was aber nicht gelehrt wird, gerät schnell in Vergessenheit. Und plötzlich ist Karate pflegeleicht und seine Schüler taumeln gebückt durchs ganze Leben, statt aufrecht und mit Stolz zu gehen. Mein Vater hat mich traditionelles Karate gelehrt. In all seiner Konsequenz. Das ist ein Grund warum ich Kämpfe gewinne und andere sie verlieren. Was auch für das normale Leben gilt.

„Die Kampfkünste wurden erdacht um Siege zu fördern, daher erfordern sie Rivalität. Doch gleich wie stark der Rivale auch ist, der Gerechte wird immer siegen. Davon bin ich überzeugt. Demzufoge muß Karate eine gerechte Kunst sein. Menschliche Wesen, die diesen Namen auch verdienen, sollten gewillt sein, Gemeinheit durch Gerechtigkeit zu bekämpfen, und dies bis zum Tode, falls es nötig sein sollte.

Ohne diesen Willen, in dieser Weise für die Gerechtigkeit einzustehen, was wäre das Leben noch wert? Die höchsten Dinge, die man aus einem Kampf auf der Grenzlinie zum Tod erfahren kann, sind Gerechtigkeit, Höflichkeit und der WEG. Und das Erreichen dieser drei Dinge bedeutet einen gewissen Sieg. Im Vergleich dazu sind Ruhm und Geld ohne Bedeutung.“

Karate kann zu mehr Gerechtigkeit führen. Davon bin auch ich fest überzeugt. Dabei ist es egal ob ich einen kleinen Jungen oder einen alten Mann vor Schlägern rette. Das Ergebnis ist es, das letztlich zählt. Auch der Sieg über mich selbst, wenn ich lächelnd vor einem Provokateur stehe und sein verbaler Angriff verpufft.

Ōyama Masutatsu war eigentlich Koreaner. Aber das ist nur Nebensache. Und er hat Karate auch nicht revolutioniert. So wenig wie Gichin Funakoshi, der Begründer des modernen Karate, dem Shotokan. Traditionelles Karate ist anders. Gelernt hatten sie es beide. Im Ansatz zumindest. Aber dann nur noch den eigenen Stil praktiziert.

Beide, Kyokushin-Karate und Shotokan sind durchaus gut. Mir sind sie zu einseitig, zu sehr vom eigentlichen Ursprung entfernt. Mein Karate war stets anders. Schon als Kind habe ich gern und oft improvisiert. Instinktiv. Gelernt habe ich andere Techniken erst viel später.

Es ist schwierig bis unmöglich, den geistigen Aspekt im Karate mit Worten abzubilden. Dazu ist (m)ein Blog denkbar ungeeignet. Karate und Zen-Buddhismus sind ein Team. Und das ist absolut kein Widerspruch. Es ist der japanische Weg, der im Westen kaum verstanden wird.

Aber ich kann die absolute Kompromisslosigkeit aufzeigen, wenn es im alten, traditionellen Karate darum ging, einen Angriff abzuwehren. Die Formel lautet krass ausgedrückt: Wer einen Karateka attackierte, war ganz schnell besiegt. Und das ist noch heute so, wenn jemand echtes Karate kann. Wobei besiegt nicht unbedingt wörtlich zu verstehen ist. Man kann mit Karate auch richtige Kämpfe vermeiden.

Und genau das ist der Unterschied zwischen Kampfkunst und -sport. Kickboxer, um das System einfach zu benennen, machen nur noch Spaß. Sie tänzeln, sie prahlen und feuern irgendwelche Tritte und Haken ab. Um im Wettkampf Punkte zu bekommen, was ihnen bei einem echten Angriff kaum hilft.

Schnell macht sich Verwirrung breit, wenn ich die Unterschiede im Dojo lehre. „Aber Sensei“, höre ich dann, „das verstehen wir nicht! Es heißt doch im Karate gibt es keinen Erstangriff.“

Nun hat das wieder Gichin Funakoshi gesagt und hat damit durchaus recht. Aber seine Verwässerung des Karate, der daraus entstandene Wettkampfstil, hat mit zum heutigen Problem geführt. „Funakoshi ist nicht in der Lage, etwas anderes als Gymnastik zu unterrichten“, hat Ōyama Masutatsu gesagt und damit den Nerv getroffen, an dem Karate noch immer krankt.

Aber hat er recht? Ja und nein. Shotokan ist ein durchaus guter Stil und richtig erlernt bis ins hohe Alter ausführbar. Aber das gilt für alle Karate Arten, wie diverse Meister noch immer zeigen. Trotzdem halte ich die Okinawa Stile für besser, wenn es um Traditionen geht. Und um mit einer Legende aufzuräumen, auch im Karate gibt es Hebel und Würfe. Wie im traditionellen chinesischen Wushu (Kung Fu).

Das Wissen um die Gesamtheit von Karate muss zwingend erhalten bleiben. Es geht dabei weniger darum wie man jemand töten kann. Wer das nur denkt, hat nichts verstanden und gehört vermutlich in die Psychiatrie.

Ich habe lange gesucht und ein Video gefunden, dass sich „This is Karate!“ nennt. Zwar wird dort der Shōrin-Ryū Stil gezeigt, aber der „Aha-Effekt“ sollte vorhanden sein. Den beiden Sensei geht es wie meinem Vater und mir darum, das echte Karate zu erhalten. Hauen kann jeder. Richtiges Karate nur wenige.

Sie zeigen einen Stil, den viele Thai- und Kickboxer, sowie die koreanischen Taekwon-Do Schüler, noch nie gesehen haben. Die wären alle ziemlich überrascht, wenn es zu einer Auseinadersetzung käme. „Kannst du das alles?“, höre ich die Frage und muss lächeln. Ja und noch eine ganze Menge mehr.

Ich finde die beiden Sensei gut und authentisch. Daher teile ich gern ihr Video. Und nun viel Spaß beim schauen:

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Warum Karate nicht bei Olympia ist

Seit einigen Jahren liegt mir ein Thema am Herz, das in der Sportwelt höchst umstritten ist. Karate soll olympischer Sport werden, das ist das erklärte Ziel. Und darüber streiten mein Vater und ich. Antonio Espinos, der Präsident des Weltverbandes kämpft seit Jahren für dieses Ziel. Leider auch gegen Traditionalisten, wie meinen Vater.

Nun haben mein Vater und ich nicht wirklich Streit, wir sind nur anderer Meinung. In der Öffentlichkeit wird kaum Notiz vom Bestreben der Karateka genommen, die sich selbst nicht einig sind. Und ich werde auch erklären warum.

Klassisches Karate ist kein Wettkampf Sport. Klassisches Karate ist Kunst, Philosophie und reine Selbstverteidigung. Ich behaupte an dieser Stelle, dass die wenigsten Menschen jemals echtes Karate gesehen haben. Bei der WM in Bremen gab es Sport-Karate zu sehen. So, wie es auch Sport-Judo gibt. Und Sport-Taekwon-Do. Mit der wahren Kunst hat das wenig zu tun.

Aber was genau ist echtes Karate, was macht die Unterschiede aus? Im Sport geht es um Punkte. Der Punktbeste gewinnt. Selbst im Vollkontakt-Karate oder MMA gibt es Regeln. Die gibt es im Karate nicht. Ein Schlag, ein Tritt, der Gegner liegt. Und richig geschlagen steht er niemals wieder auf.

Aber Karateka werden das nicht machen. Nur in allerhöchster Not. Karate ist ein Lebensstil, Karate ist pure Disziplin. Kämpfen lernen, um nicht kämpfen zu müssen. Aber jeder Mensch geht seinen eigenen Weg. Genau an dieser Stelle scheiden sich dann auch die Geister. Tradition steht gegen Fortschritt.

Ich kenne beide Seiten. Im Olymppischen Kommitee ist man seit Jahren zwigespalten. Sport-Karate wirkt oft wenig attraktiv. Das daraus abgeleitete Kickboxen ist moderner, aber alles andere als Kunst. Ein Dilemma, wie man schnell erkennt. Wer will schon prügelnde Kickboxer bei Olympia sehen.

Ich bin dafür Sport-Karate zu Olympia zu bringen. Dann aber mit anderen Regeln, als sie bisher üblich sind. Und genau davor hat man beim IOC auch Angst. Was die Welt oft vergisst, auch im Judo gibt es Tritte. Nur werden die im Wettkampf nie gezeigt. So gibt es auch im Karate Hebel und Würfe, die dem Judo und Jiu-Jitsu sehr ähnlich sind.

Karate könnte also Judo die Show stehlen. Und Sport-Taekwon-Do ist ohnehin ein schlechter Witz. Nur auf Kicks zu setzen kann niemals funktionieren. Aber den Menschen gefällt das, also bleibt man auch dabei. Die Karate-Stile sind anders. Und sie unterscheiden sich auch stark.

In Deutschland ist das Shotokan-Karate weit verbreitet, aber Goyu-Ryu holt stark auf. Shotokan setzt viel zu sehr auf Kraft und das ist niemals gut. Für Männer mag das funktionieren, aber Frauen haben deutlich weniger Körpergewicht. Goyu-Ryu ist hart und weich. Wir müssen keinen Kick zum Kopf zeigen, der Gegner fällt auch so.

Aus meinen Worten mögen aufmerksame LeserInnen erkennen, wo ein weiteres Problem beim Karate ist. Es gibt kein einheitliches Karate! Außerhalb von Prüfungen, ist mein Stil ein richtig bunter Mix. Munter vermische ich Tai Chi, Hung Gar, Wing Chun (chinesiche Stile), mit Krav Maga (Israel), Karate und Aikido. Aber alles instinktiv.

Dieser Mix zeigt meine Meinung zu olympischem Karate. Ich stehe für Fortschritt und wahre trotzdem die Tradition. Und damit das so bleibt muss ich nun zu meiner Elfe und sie traditionell bekochen. Oder sie mich. Das diskutieren wir ganz fortschrittlich aus.

Von Drachen und Zwergen

Drachen gelten in der westlichen Mythologie als böse und verschlagen. In Japan sieht das anders aus. Zwar sind die Ryu (竜), wie Drachen dort heißen, auch nicht immer nett, aber Glücksdrachen kennt jedes Kind. Apropos Kinder, die natürlich auch an Fabelwesen erinnern. Die Zwerge. Und Drachenzwerge habe ich meine Kindergruppe genannt, die ich nun mit Linda trainiere.

Mein Plan ist einfach, ich werde die Kinder nach Talent fördern und auch den geistigen Aspekt anregen. Leider kann ich das Training nicht jede Woche leiten, 48 Stunden hat mein Tag noch nicht. Die kleine Gruppe ist auch mehr oder weniger privat, alle Familien sind befreundet. Und sobald bei Vanessa die Dinge geregelt sind, werden auch die Zwillinge ins Dojo kommen.

Sechs Mädchen und zwei Jungs, im Alter von fünf bis sieben Jahren, stehen für den Unterricht in Lindas Dojo bereit. Zwei Mädchen haben bereits Erfahrung im Judo, fanden das aber übereinstimmend „doof.“ Der Rest sind Anfänger und total aufgeregt. Einige der Kinder stammen aus Regenbogen Familien, Ein Mädchen und ein Junge haben hetero Eltern.

Von Anfang an ist es mir wichtig, dass Verständnis und Toleranz in der Gruppe herrscht. Und siehe da, es gibt kein Problem. Kinder mögen Uniformen. Und ein Karate-Gi ist etwas besonderes für sie. Bewusst habe ich Wert darauf gelegt, dass Farbe ins Spiel kommt. Schwarz, Blau, Rot und Weiß bunt gemixt. Das mögen die Kleinen. Und die noch weißen Gürtel werden bald anderen Farben weichen.

Auch mein Anzug ist nicht traditionell. Eine weiße Taekwon-Do Jacke und eine dunkle Hose sind mein heutiges Bild. Mein Schwarzer Gürtel fasziniert die Kinder.
„So einen mag ich auch haben“, lässt mich Leonie wissen.
Sie hat bereits zwei Jahre Judo hinter sich und ist die Älteste der Gruppe. Und sie hat Talent.
„Dann werden wir fleißig üben“, erwidere ich. „So ein Gürtel ist doch chic.“

Die erste Stunde dient den Grundlagen. Wie bewegt man sich, der Stand, wie benimmt man sich. Ich erzähle über die Geschichte des Karate, über Aikido und Kung Fu.
„Bringst du uns auch Kung Fu bei, Tante Mayumi?“, fragt mich Lars. „Und wie man richtig haut?“
Nun bin ich keine Tante und Lehrer werden in Japan Sensei genannt. Aber der Kleine ist Fünf und ich sehe das nicht so eng.
Wobei ich schon Wert auf Disziplin lege. Aber alles ganz spielerisch. Mit Zwang erreicht man bei Kindern nichts.

„Warum willst du jemand schlagen?“, frage ich. „Bist du ein böses Kind?“
„Aber nein!“, empört sich Lars sofort. „Ich …, also da gibt es diesen Jungen. Der klaut immer das Pausenbrot von Kindern. Und wenn du es nicht gibst schlägt und beißt er. Der ist voll gemein!“
Wie mein Vater vor Jahren bei mir gehe ich auf die Knie und winke Lars heran. Nun sind wir auf Augenhöhe.
„Wir spielen ein Spiel“, sage ich. „Ich bin der Junge aus der Nachbarklasse, der dein Pausenbrot haben will.“
Lars wirkt verunsichert. Er zögert kurz und nickt.
„Was machst du, wenn er es von dir fordert?“, frage ich.
„Auf die Nase boxen!“, kommt es ganz spontan. „Das bringst du mir doch bei?“
Ich verkneife mir ein Lachen, Lars muss keine Mayumi sein.
„Nein“, erwidere ich. „Gewalt wenden wir nur zur Selbstverteidigung an. Und auch dann möglichst sanft. Du wirst den Jungen fragen, warum er dein Brot haben will. Ob er vielleicht nichts zu essen hat und du mit ihm teilen kannst.“
Lars ist verwirrt, das ist deutlich zu sehen.
„Vielleicht hat der Junge keine Mutter, die ihm Pausenbrote macht. Und vielleicht ist er ganz nett und hat nur einfach keine Freunde.“
Einige Tage später erzählt mir Lars, dass er einen neuen Freund gewonnen hat. Eben jenen Jungen aus der Nachbarklasse, der wirklich nichts zu essen hat.
Gewalt ist keine Lösung.

Viele Menschen haben ein falsches Bild von Karate. Sie stellen das Wort mit meist schlechten Filmen gleich, in denen sich Bösewichte gleich haufenweise auf die Nase geben. Und genau da liegen sie falsch. Karate ist ein Weg, um zu sich selbst zu finden. Vor allem Kinder können das sehr gut. Sie erschaffen oft mit ihrer Fantasie ganze Welten. Und genau da hakt Karate ein.

Karate gibt vor allem schwachen Menschen die Fähigkeit, gegen scheinbar übermächtige Gegner zu bestehen. Nur muss dieser Gegner kein prügelnder Schurke sein. Auch der Alltag bietet allerlei Herausforderungen, die scheinbar übermächtig sind. Denen kann man kaum mit einem Tritt begegnen, aber mit innerer Stärke und Selbstvertrauen. Und das lehre ich.

Die wahre Meisterschaft eines Sensei liegt nicht darin möglichst viele und komplizierte Kampftechniken zu zeigen. Vielmehr geht es darum Schüler sanft auf die Härte des Lebens vorzubereiten und ihnen Stärke durch innere Harmonie zu vermitteln. Dann gewinnt der Schüler auch seine Kämpfe mit sich selbst. Indem er sie nach Möglichkeit vermeidet.

Meine Kinder sind alle noch sehr jung. Bei ihnen wird der Spaß an der Bewegung überwiegen. Der spielerische Aspekt, die Gürtelfarben. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass sie mit und durch Karate, einen besseren Weg durchs Leben gehen.

Von Großmeistern und Geschäften

Dies wird die vorerst letzte Folge aus der Kampfsport-Welt sein. Mir war es wichtig Interessierten einen kleinen Einblick in diese vermutlich fremde Welt zu geben.

Immer wieder werde ich auf Wing Chun und Kampfsport angesprochen. Und dass (kleine) Frauen einfach keine Chance gegen schwere Männer haben. Nur was bedeutet klein und was bedeutet Chance? Eine Konfrontation auf der Straße ist kein Wettkampf. Auch, wenn Selbstverteidigung und Kampfsport in aller Munde ist, so haben doch die wenigsten Menschen dieses Talent. Einer Frau sollen im Training vor allem die Hemmungen genommen werden. Und ihre Angst vor dunklen Ecken. Und NEIN, auch Wing Chun kann kein Allheilmittel sein!

Was ist nun Wing Chun? Der Legende nach hat die Nonne Ng Mui den Stil erfunden, als sie den Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange beobachtet hat. Weitere Quellen sprechen davon, dass auch Schausteller denen sie begegnet ist ihren Teil zu Wing Chun beigetragen haben. Den Namen verdankt der Stil aber einem jungen Mädchen mit Namen Yim Wing Chun, das die Nonne auf dem Marktplatz eines Dorfes traf. Yim Wing Chun soll Ärger mit einem Verehrer gehabt haben, der sie unbedingt heiraten wollte. Um ihr zu helfen unterrichtete die Nonne das Mädchen, nach der dieser Stil genannt worden ist. Yim Wing Chun besiegte ihren ungeliebten Verehrer in einem Zweikampf und blieb frei.

Aber ist dieser Stil wirklich so effektiv, wie mancher es uns glauben machen möchte? Zu Wing Chun muss man sagen, dass es ein recht simples und einfach zu erlernendes System ist. Leider wird es von einer gewissen Organisation seit Jahrzehnten gnadenlos ausgenutzt und zum Nachteil dieser Kunst vermarktet. Wing Chun ist und bleibt Straßenkampf, Selbstverteidigung (SV). Aber es ist durch seine direkte, andere Art einem starren Karate durchaus überlegen. Wobei das immer von dem Mensch abhängt und von seinem Trainingsgrad.

SV ist ein schwieriges Thema. Was da taugt und was nicht, bewerten verschiedene „Glaubensgruppen“ unterschiedlich. Als durch die Kung Fu-Filme der 70iger Jahre Wing Chun bekannter wurde, begann der (Un)Stern zweier Männer zu strahlen: Leung Ting und Keith R. Kernspecht. Während Leung Ting noch immer behauptet ein direkter Schüler des legendären und Bruce Lee Lehrers Ip Man zu sein, gibt es keine wirklichen Beweise dafür. Ein Foto kann jeder machen, eine Aussage trifft dies meist nicht. Der selbsternannte Großmeister Leung Ting hat schnell erkannt, dass sich mit „Kung Fu“ gutes Geld machen lässt. Aus einem einfachen System, das keine Gürtelfarben kennt, hat er zig Schülergrade erfunden. Seiner International WingTsun Association (IWTA) steht er als Guru und Meister vor.

Ob Leung Ting gut ist, oder war, das vermag ich nicht zu sagen. Einige Videos zeigen einen dünnen Mann, der seine Techniken verstolpert. In einem anderen Video bezieht einer seinr Schüler Prügel von einem anderen Kung Fu Kämpfer. Aber jeder macht Fehler. Keith R. Kernspecht ist ein anderes Kaliber. Der Mann versteht sein Handwerk, das steht außer Frage. Und er ist clever und reich mit Wing Chun geworden. Nach Leung Tings Vorbild hat er bereits 1976 die heutige Europäische WingTsun-Organisation (EWTO) gegründet. Was immer man der EWTO und Kernspecht vorwerfen kann, ohne ihn gäbe es vermutlich kein wie auch immer geartetes Wing Chun / Wing Tsun / Ving Tsun in Europa.

Nur, wo liegen die Mängel der EWTO? Warum werfen so viele Menschen ihr Geldgier vor? Die Antwort ist recht einfach. Wenn ich als Boxer in einen Club eintrete, werden mir sehr schnell und ohne Zusatzkosten, die Grundlagen vermittelt. Ich lerne, was eine Gerade ist, ein Jap, ein Haken. Im Karate werden vom Trainer auch die höheren Katas gezeigt, wenn danach gefragt wird. Warum sollte das anders sein? Die EWTO macht all das nicht. Sie verlangt Geld vom Schüler für jeden Grad. Ohne abgeschlossene Prüfung lehrt der Sifu den Schüler nicht weiter. Nur bleibt es nicht bei der Prüfung und der dafür fälligen Gebühr. Der Sifu erwartet oft auch um kostenpflichtige Privatstunden gebeten zu werden und der Schüler muss zwingend einen Vorbereitungslehrgang machen. Und auch der kostet Geld. Ein durchschnittlicher EWTO-Schüler wird also seine ersten Jahre mehr oder weniger im Verein vergeuden. Effektiv zu kämpfen lernt er dort nie. Aber er wird effektiv zur Kasse gebeten.

Die EWTO betreibt seit Jahrzehnten Bauernfängerei. Sie erzählt von einem „unschlagbaren System“ für jedermann. Die Mehrheit der Trainierenden hat keinerlei Straßenerfahrung und wird diese auch nie bekommen. Ein EWTO-Geschädigter hat das vor Jahren so formuliert: „EWTO-Schüler fühlen sich von wem auch immer bedroht und suchen ein System, das ihnen die Angst nimmt. Und das, ohne dass sie viel dafür tun müssen. Diese Leute sind alles andere als Kämpfer-Typen, sie wollen nicht kämpfen, weder verletzen, noch verletzt werden. Sie suchen mehr einen Schutzschild. Und landen bei der EWTO.“

Das sind harte Worte und der Mann hat recht. Ein System kämpft nicht, wenn man in einer dunklen Gasse angegriffen wird. Das macht einzig und allein der Mensch. Wing Chun wird kein magischer Helfer in der Not sein und auch keinen Notarztwagen rufen. In EWTO-Schulen wird eine Illusion aufgebaut, die dem realen Leben nicht standhalten kann. Auch ein guter Wing Chunler wird bei einem (Straßen)Kampf nicht immer der Sieger sein, oder völlig unverletzt bleiben. Die Allmachtsgeschichten des Märchenonkels Kernspecht sind nicht viel mehr als das. Er ist der Guru, der freundliche Übervater und das macht er nicht schlecht. Unympathisch ist anders, der Mann hat es drauf! Nur ist er alles andere, als unschlagbar! Aber wer nur mit Schülern niederer Grade kämpft, der kann das kaum beweisen. Und denen ist er natürlich nach 40 Jahren Training haushoch überlegen.

Klassisches Wing Chun hat deutliche Nachteile, wenn man es mit dynamischem Kickboxen und Thai Boxen vergleicht. Da Wing Chun-Schüler sehr oft kein Sparring machen, werden sie im Ernstfall vorgeführt. Ihnen fehlt die Praxis, um ihr System anzuwenden. Und dann müssen sie noch feststellen, dass das starre festhalten an einem alten System vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Wing Chun ist gut, aber es bedarf langer Übung, um darin ein wirklicher Meister zu werden. Kombiniert man es aber mit anderen Systemen, macht regelmäßiges Sparring, dann sieht das etwas anders aus.

Ich habe schon als junges Mädchen über den Tellerrand von Karate und Aikido geblickt und so mittlerweile Wing Chun für mich gefunden. Und ich habe das Glück gehabt auf Menschen zu treffen, bei denen Geld nicht im Vordergrund steht. Klar kommt auch der Trainer samt Partnerin aus der EWTO und hat dort nach eigenen Worten anfangs seine Zeit verschwendet. Zum Glück gibt es aber immer mehr Systeme, die ein ehrliches Wing Chun lehren wollen. Und dort kamen die beiden schon vor Jahren unter. Und ehrliches Wing Chung vermitteln sie uns auch. Beide Trainer wissen, dass sie nicht unschlagbar sind und sind immer bereit neue Dinge zu lernen.

Wer sich für Wing Chun interessiert, der sollte im Internet nach „Wong Shun Leung Ving Tsun“, bzw. „Philip Bayer VT“, „Lo Man Kam Wing Chun“, „Garry Lam Ving Tsun“ oder auch „Lok Yiu Wing Chun“ suchen. Das alles sind gute Systeme, in denen ehrlich gelehrt wird. Da ich selbst mehr oder weniger eine Art „Straßenkampf“ betreibe, war Wing Chun die ideale Ergänzung für mich. Und ja, ich sparre auch. Nicht immer nur mit Yuki. Auch mit und gegen Mann. Nur so lerne ich, nur so werde ich besser. Und die Diskussion „Du als Frau kannst keinen Mann besiegen“, die führe ich an dieser Stelle nicht. Ich kann, ich habe, ich werde. Punkt.

Fazit: Wer einfach nur SV sucht, der muss nun kein wie auch immer geartetes Wing Chun machen. Die beste SV bietet das System, das „dir“ liegt und das „du“ regelmäßig betreibst. Das kann Karate, Kung Fu, Krav Maga oder sonstwas sein. Nur Extremcouching nicht.

Gut, besser, Ich!

Die provokativ gewählte Überschrift soll kein Lobgesang auf meine Person sein. Auch, wenn ich wirklich selbstbewusst bin. Ich möchte heute auf Fragen eingehen, die mir immer wieder begegnen. Gemeint sind Fragen aus der Kampfsport-Welt. Wen das nicht interessiert, der darf an genau dieser Stelle mit dem Lesen aufhören. Alles gut.

Seit vielen Jahren wird mir die Frage gestellt, was das beste „System“ ist, die beste Kampfkunst, die beste Selbstverteidigung. Die Antwort ist ganz einfach: Das beste System gibt es nicht! Und schon sehe ich, wie sich die Kickboxer und Karatekas dieser Welt in Szene setzen und mir das Gegenteil beweisen wollen. Sollen sie, es schert mich wenig. Warum ist das so, was macht mich so „arrogant?“ Mit Arroganz hat meine Meinung nichts zu tun, aber mit in fast 26 Jahren erworbenem Können und Wissen. Denn im Gegensatz zu den meisten Sportlern, habe ich meine „Kunst“ jeden Tag trainiert. Ja, täglich! Und das kam so …

Als ich fünf Jahre alt war, hat mein Papa mit dem Karate Training bei mir angefangen. Mit unglaublicher Geduld hat er dafür gesorgt, dass ich nicht nur perfekt kickte. Auf den Knien sitzend hat er mir auch Aikido beigebracht und das aus dem Schwertkampf stammende Kendo. Wir haben meditiert und ich habe sowohl Kanji-Zeichen, wie auch Hiragana gelernt. Später kam noch das Katakana (und Romaji) dazu. Ihm war immer wichtig, dass ich Training als Gesamtheit verstanden habe, dass mein (rebellischer) Geist und mein Körper, eine perfeke Einheit bilden. Und dazu gehört seiner Meinung nach auch das Wissen um Zen-Buddhismus und Kalligrafie.

Selbst heute trainiere ich noch täglich, wenn auch völlig anders als in jungen Jahren. Yuki und ich gehen 2 x pro Woche ins Wing Chun und 2 x in ein Aikido-Dojo. Unabhängig davon kann man mich im Wohnzimmer Katas laufen sehen und Kicks aus dem Karate üben. Oder ich stehe wirklich mit einem Holzschwert im Wohnzimmer umd schlage auf imaginäre Gegner ein. Vielleicht mache ich auch nur einen Spagat und übe mit Yuki Chi Sao, die klebenden Hände aus dem Wing Chun. Unter anderem habe auch ich Taekwon-Do trainiert, Tai Chi Chuan und Hung Gar Kung Fu. Und seit einer Weile auch Wen-Do und Krav Maga. Ich war und bin immer offen für ein neues System, für neue Dinge. Ich halte nie an alten Zöpfen fest.

Nun gibt es die Meinung vieler Sensei und Sifu, dass nur der wirklich gut in etwas ist, der sich auf „seine Kunst“ konzentriert. Denen gebe ich durchaus recht! Aber so ganz bin ich dann doch nicht damit einverstanden. Und das hat einen bestimmten Grund. Nehmen wir das traditionelle Chinesische Kung Fu. Schön anzuschauen, mit oft tiefem Stand, imitiert es Tierbewegungen. Als Kung Fu über Okinawa nach Japan kam, hat es sich verändert. Japaner sind wahre Meister darin Dinge anzupassen. Egal, ob es die Kanj-Zeichen, oder eben nun Karate ist. Die verschiedenen Karate-Stile sind nichts anderes, als ein mehr oder weniger um überflüssige Bewegungen reduziertes Kung Fu. Ob die nun wirklich überflüssig sind, darüber lässt sich streiten. Karate ist nicht besser, es ist nur anders. Wirklich vergleichen kann man die Stile nicht.

Aber genau das wird immer wieder gern getan. Auf youtube finden sich unzählige Filmchen, die etwa „Kung Fu vs. Karate“ heißen, oder „Wing Chun vs. Kickboxing – must see!“ Letzteres Video sollte man sich nur anschauen, wenn man Ahnung hat. Sonst glaubt der Zuschauer wirklich, dass Wing Chun schecht ist. Aber schlecht, bzw. unerfahren, war der Mensch! Wing Chun ist Selbstverteidigung, Straßenkampf. Von einer Frau für Frauen entwickelt, unterrichtet es heute vorzugsweise Mann. Und macht gutes Geld damit. Leider. Dazu ein anderes Mal mehr. Jedes System kämpft nach Regeln, die zum Teil völlig unterschiedlich sind. Man kann auch Poker nicht mit Schafskopf vergleichen, das macht ebenfalls null Sinn. Wing Chunler praktizieren selten mit anderen Stilen, oder üben sich im Kampf. Das war nie der Sinn dieses Systems. Lässt ein Wing Chunler sich also auf Kämpfe mit Karate-, oder Taekwon-Do-Regeln ein, kann er nur den kürzeren ziehen. Er ist limitiert, sein Gegner darf aber quasi alles machen. Alles, was er aus seinem System kennt.

Egal, ob Judo, Aikido, oder Kung Fu. Ein Vergleich „Mann gegen Mann“ kann niemals fair ausgehen. Der Judoka ist dem Kung Fu Meister im Nahkampf überlegen. Wenn der clever ist, dann packt der Judoka ihn aber nicht. Und bezieht die Prügel seines Lebens. Auch „Karate gegen Kung Fu“ wird nicht wirklich funktionieren. Es wird schließlich nach irgendwelchen Regeln gekämpft. Vermutlich werden also beide KämpferInnen mehr oder weniger Kickboxing machen und  der, oder die bessere gewinnt. So einfach ist das. Mit einer Ausnahme, auf die ich näher eingehen möchte. Angenommen ein Shaolin Kampfmönch – lassen wir ihn 30 Jahre alt sein – und ein gleichaltriger Deutscher Meister im Karate stehen sich gegenüber. Diese Begegnung wird es im Normalfall nie geben, Mönche kämpfen eigentlich nicht. Wenn man weiß, wann die Ausbildung eines Mönches beginnt, so darf man ihm nun ca. 25 Jahre komplettes körperliches und geistiges Training unterstellen. Kampfmönch wird nur, wer außergewöhnliche Begabung zeigt.

Der Deutsche Meister trainiert vielleicht auch schon seit 10 – 15 Jahren. Aber er ist und bleibt Hobbysportler. Für den Mönch ist es Beruf(ung), den er täglich mehrere Stunden praktiziert. Dieser Kampf muss nicht stattfinden, der Ausgang steht bereits fest. Es sei denn, der Karateka ist ein neuer „Bruce Lee.“ Und das ist unwahrscheinlich. Der Karateka hat keine Chance, er wird gnadenlos vorgeführt und ausgekontert. Und genau an dieser Stelle stehe ich. Ich habe mich schon lange vom Wettampfsport abgewandt und praktiziere quasi eine Art Straßenkampf-System. Unkonventionell und vor allem ohne Regeln. Ich analysiere Gegner und Situationen und setzte instinktiv die richtige Technik ein. Oder bin clever genug, um den Kampf zu vermeiden. Denn unbesiegbar bin ich nicht. Nur schwer auszurechnen. Denn ich bin flink und klein.

„Du kannst niemals einen 100 Kilo Mann besiegen“,  hat man zu mir gesagt. Doch kann und habe ich schon. Wobei das natürlich keine wirklichen Gegner waren, sondern ganz normale Menschen. Dummheit wäre es, mich einem 100 Kilo Kickboxer nach seinen Regeln zu stellen. Da kann ich nur alt aussehen. Genau diesen Fehler sehe ich allzu oft. Was mache ich mit meinen 1,62 Meter und zur Zeit knapp 53 kg gegen einen solchen Mann? Auf Distanz bleiben? Toller Plan! Weglaufen ist eine Option, wenn möglich. Deeskalation ebenso. Geht das alles nicht, so muss ich mich ihm stellen. Aber auf Distanz ist er mir überlegen. Er hat längere Beine und mehr Kraft. Und genau da setze ich dann an. Ich gehe ihm entgegen! Wenn er tritt steht er nur auf einem Bein. Dann bin ich da und er (f)liegt. Wer das nicht glaubt soll sich die von mir sehr verehrte Yoko Okamoto ansehen. Sie ist ein 6. Dan im Aikido und mit der spaßt auch Mann nicht. Oder sucht nach Emi Yamagishi. Sie ist nur 1,49 Meter klein, 48 kg leicht und eine Meisterin im Judo. Sie hat mehrfach demonstriert, wie sie ohne jede Kraft und mit perfekter Technik deutlich schwerere PartnerInnen werfen kann. Auch, den 110 kg schweren Nicholas Pettas, der das kaum glauben konnte.

„Aber Sparring und Straßenkampf haben kaum etwas gemeinsam“, höre ich die Kritiker nun sagen. „Da herrschen andere Regeln.“ Genau richtig, erwidere ich. Nur gibt es auf der Straße keine Regeln. Dort kämpfe ich vielleicht um mein Leben und wende daher, an Wettkampfregeln gemessen, unfaire Mittel an. Unfair heißt, dass ich dem Gegner in die Augen steche, oder in den Unterleib und Kehlkopf schlage. Wenn ich es kann. Und das bringt mich zurück zum „besten System“ und den wahren Meistern. Was ist ein wahrer Meister? Wirklich nur jemand, der z. B. sein Hung Gar Kung Fu perfekt ausüben kann? Klar kann er das! Wer das 30 Jahre und länger täglich macht, der wird darin eine Perfektion entwickelt haben, die ohnegleichen ist. Blickt er aber nicht über den Tellerrand, behält er andere Systeme nicht im Auge, so kann das ein böses Erwachen geben. Und genau das habe ich immer gemacht und mir das Beste der verschiedenen Stile herausgepickt. Vielleicht werde ich dann niemals die Katas so schön laufen, wie ein reiner Karateka, aber ich werde kompletter sein.

Vor vielen Jahren wollte es eine (Jugend)Meisterin im Taekwon-Do genauer wissen. Sie hat mich mehrfach provoziert. Es gab dann einen „Freundschaftskampf“, aber nicht nach ihren Regeln. Im Taekwon-Do sind Schläge zum Kopf nicht erlaubt, was im Wettkampf gut, aber für die Selbstverteidigung totaler Blödsinn ist. Die „Kleine“ war größer und kräftiger als ich, aber eben nicht flinker. Sie hat versucht, die Reichweite ihrer langen Beine gegen mich auszunutzen. Gesprungene Drehkicks waren eine große Gefahr. Dumm nur, dass ich schneller war, höher sprang und ihr vermutlich noch immer das Köpfchen brummt. Ich habe sie mit einem ähnlichen Angriff klassisch ausgekontert. Zuvor hatte ich sie bereits mehrfach von den Beinen geholt. Heute kann ich darüber nur noch lachen. Alle hohen Kicks sind meist pure Show und wenig effektiv, wenn der Gegner schneller ist.

In einem weiteren Beitrag werde ich mehr über Wing Chun erzählen. Nicht über die Geschichte und Legende(n). Es geht mir darum aufzuklären, was alles möglich und was unmöglich ist. Den Grund werdet ihr dann lesen. Gut, besser, Ich! Dazu stehe ich ganz selbstbewusst. Ich habe mich gefunden, meinen Stil. Und das gilt nicht nur für Karate, Aikido und Kung Fu. Das gilt für mein gesamtes Leben und für meine Frau. Sayōnara!

Von Freund und Feind

FreundInnen fragen mich immer wieder, wie mein Verhältnis zu China und Korea ist. Diese Frage mutet vielleicht seltsam an, macht aber für Japaner durchaus Sinn. Die Geschichte der drei Völker ist von Hass und Gewalt geprägt, was ich leider nicht verstehen kann. Und damit habe ich vermutlich vorab jene Frage schon geklärt. Aber ich möchte noch mehr zu dem Thema sagen.

China ist für mich ein faszinierendes Land. Die Geschichte, die Kultur, ist einzigartig. Die Japaner haben viel von China übernommen, aber auf japanische Bedürfnisse angepasst. Ob das nun immer besser war, ist schwer zu sagen. Kanji-Zeichen funtionieren in China sehr gut. Chinesen brauchen keine zweite, oder gar dritte Schrift. Nur die Japaner hatten eigene Ideen und das Hiragana und Katakana erfunden. Und an den Kanji-Zeichen haben sie auch gebastelt, was zu einigen Verwirrungen führen kann.

Die alten Japaner waren nicht immer sehr nett zu anderen Völkern. Daran führt kein Weg vorbei. Schuldig an Kriegen fühle ich mich nicht. Warum sollte das so sein? Ich lebe im „Hier und Jetzt“ und nicht vor tausend Jahren. Irgendwann werden wir China besuchen und auf den Spuren von Kaisern und Philosophen wandeln.

Das Talent der Japaner Dinge zu übernehmen ist unbestritten. So auch geschehen mit Kung Fu. Das heißt heute in Japan Karate. Wirklich besser ist es nicht. Nun kann ich den Aufschrei in Japan förmlich hören und auch bei glühenden Karate-Verfechtern in aller Welt. Aber das ist mir egal. Ich kenne beide Welten sehr gut. Letztlich kommt es immer auf den Menschen an. Ein schlecht trainierter Karate-Schüler, wird einem Meister des Kung Fu immer unterliegen. Und umgekehrt. Das wars. Ein ultimatives System gibt es in der Kampfkunst nicht.

Von Korea weiß ich nicht sehr viel. Nur, dass dort nette Menschen leben, die tolle Filme machen. Und ich kenne Taekwon-Do. Gespanntes Verhältnis meinerseits zu Koreanern? Fehlanzeige. Sieht man von den beiden jungen Koreanern ab, die Yuki und mich im Asia-Shop angemacht haben. Aber das war ein Einzelfall und meine harten Worte eine typische Mayumi Anti-Mann-Reaktion.

Für mich gibt es keine „bösen“ Nachbarn, oder gar verhasste Völker. Mein Feindbild war lange ausschließlich Mann. Aber der hatte keine Nationalität. Heute sind es meist PolitikerInnen und JournalistInnen. Und alle homophoben Menschen. Gegen die stehe ich auf. Zur Not mit Wort und Tat.

Für mich sind Chinesen und Koreaner Freunde. Aber Franzosen und Engländer auch. Auch Polen, oder Russen. Wo ist das Problem? Gemeinsam können wir so viel mehr erreichen, als wenn wir uns bekriegen. Ich stehe lieber im friedlichen Wettstreit um die schönsten Worte, als einen Krieg mit Fäusten zu beginnen.

Kochrezepte und Kung Fu

Heute habe ich mir einen besonderen Beitrag ausgedacht, ich werde der ganzen Welt beweisen, wie gut ich kochen kann!

Ein Sprint in die Küche. Wild blicke ich mich um, überlege kurz. Lässig öffne ich die Kühlschranktür. Grundstellung. Links lauern Hähnchenbrustfilets. Die sind kein Thema, aber weiter unten wird es schärfer. Meine Kung Fu Faust stößt vor und elegant greife ich den Paprika und Knoblauch an. Eine Chilishote will sich verstecken. Auch sie hat keine Chance!

Ich verlagere das Körpergewicht. Eine Drehung zum Messerblock. Doppeldeckung. Er wehrt sich nur kurz. Mit einem Kampfschrei stürze ich mich todesmutig auf das Gemüse und schneide die Paprika in schmale Streifen. Fetzen fliegen. Ich wechsele zur Gottesanbeterin Technik. Zack zack zack … So muss das sein!

Auf flinken Socken rutsche ich quer durch die Küche zum Vorratsschrank. Tiefer Shaolin Stand, ein Griff ins gut gefüllte Innere bringen je eine Flasche Erdnuss und Sesamöl ans Tageslicht. Pfeffer, ich brauche noch Pfeffer. Der ist gefährlich, beißt gern in Nase und Gaumen. Atemtechnik. Geschafft! Und eine Karotte sollte es noch sein und natürlich die lecker süße Sojasauce. Ich entspanne mich, atme aus. Das war großes Kung Fu!

Ich konzentriere mich erneut. Noch einmal der tiefe Stand. Kettenfauststoß. Aua! Ich bin getroffen, die Somen Nudeln attackieren meine Haut. Wer hat nun wieder die Packung aufgelassen? Ich drehe die Hand und packe fest zu. Feinste Wing Chun Technik. Ich bin zu gut für diese Welt!

Wieder eine schnelle Drehung. Gefahr! Die noch offene Schranktür will mich attackieren, aber ein Absatzkick lässt sie krachend ins Schloss fallen. Mit mir doch nicht! Es scheppert laut. Ein fliegender Topf! Ich greife an, nutze sein Gewicht gegen ihn. Wasser, Salz, Nudeln! Nach ca. 5 Minuten ergeben sie sich der Hitze. Walle walle manche Strecke …!

Ein zweiter Topf wird angegriffen. Wasser fließt. Hitze wallt, leicht siedet das Nass. Da, hier, dort … ich werfe das Hähnchenfleisch ins weiche Wasser, salze nach wie einst Ilsebill. Nun muss es garen, köcheln. Leicht. Bruce wäre stolz auf mich!

Ein Sprung zur Wand. Schon ertönt der Gong zur nächsten Runde. Löffel trifft auf Pfanne, in der das Erdnussöl nun leicht erhitzt. Ich nicke zufrieden und erstarre. Etwas stimmt nicht. Ich habe den Sesam übersehen. Hinterhältige Ninja Körner die ihr seid! Aber wo nur? Da! Ein Schrei, ich rutsche, lande in Yukis Armen.

„Was bitte machst du da?“
„Kochen mein Schatz, kochen.“
„Nee, ist klar Süße.“
Yuki schaut sich um, schüttelt den Kopf.
„Die Küche ist kein Trainingscamp. Wolltest du nicht einen Beitrag bloggen …?
Ich strahle meine Elfe an, gebe ihr einen Kuss. Bin weg …

… und Yuki schreibt diesen Beitrag weiter:

Für dieses Gericht brauchen wir
500 g Hähnchenbrustfilet
je eine Chili- und eine Paprikaschote
2 Karotten, 2 TL Szechuanpfeffer, 2 Knoblauchzehen und 6 EL Sesam
5 EL süße Sojasauce, 6 EL geröstetes Sesamöl und 400 g japanische Somen Nudeln
Erdnussöl

Der Sesam wird in einer Pfanne ohne Öl angeröstet, die Nudeln in etwas Salzwasser 3-5 Minuten gekocht. Paprika, Möhren, Knoblauch und Chili klein hacken, in die Pfanne mit dem erhitzten Erdnussöl geben und ca. 5 Minuten anbraten. Sesam, Szechuanpfeffer, Sojasauce, das Hähnchenfleisch sowie das Sesamöl dazugeben und 3 Minuten umrühren. Falls es zu trocken ist: Einen Schuss Wasser hinzugeben. Es muss nun nicht zwingend süße Sojasauce sein, oder Szechuanpfeffer. Und wer keine Somen Nudeln findet, darf auch gern Alternativen ausprobieren. Ein großes Rezept ist das nun nicht. Aber stellt euch nur vor, was meine Süße sonst noch alles angestellt hätte!

Kampf + Kunst = Kampfkunst

Wie ich bereits mehrfach geschrieben habe, trainiere ich asiatische Kampfsportarten. Ich mag diese Mischung aus Sport und Philosophie. Denn was mir immer wieder negativ auffällt: Viele, die Karate lernen wissen nichts über die Herkunft. Karate stammt eigentlich aus China … Das Kanji Zeichen dafür hieß „Chinesiche Hand.“ Das durfte natürlich nicht sein, daher haben es meine Vorfahren in „Offene Hand“  geändert 😀 Doof oder? Ich war immer felsenfest von meinem Karate, meinem Aikido überzeugt. Bis ich letztes Jahr Wing Chun (Kung Fu) für mich entdeckt habe. Nun bin ich aber niemand, die besonders folgsam ist, oder starren Regeln folgt!! Das ist gegen meine Natur! Als ich den Club für mich entdeckt habe, waren alle neugierig auf mich. Eine Dan-Trägerin aus dem Karate will Kung Fu lernen. Was die wohl kann …? Und ich war auch ziemlich neugierig, wie gut oder schlecht ich bei einem Übungskampf aussehen würde.

Bevor ich näher darauf eingehe, möchte ich etwas weiter ausholen und über die verschiedenen Formen der Selbstverteidigung sprechen. Es gibt Viele davon! Und alle sind gut! Aber … es gibt NICHT die beste Form!! Ein wirklicher Karate Großmeister wird immer einen mittelmäßigen Kung Fu Meister schlagen und umgekehrt! Es kommt immer auf die Person an. Vergleichskämpfe zwischen den verschiedenen Arten funktionieren sowieso meist nicht. Wie auch? Ein Karateka kämpft anders, als jemand aus dem Teakwon-Do! Ich habe sehr früh gelernt, Elemente der verschienen Formen miteinander zu mischen. So nutze ich meist Aikido für den Nahbereich. Heißt ich verbiege mal eben Finger und Hände, wenn mir wer dumm käme 😛 Ansonsten hilft mir meine Schnelligkeit weiter. Ich bin sehr sehr schnell, ein Kampfzwerg, wie mich manche Freunde mehr oder weniger liebevoll nennen.

Natürlich sind meine geringe Größe, mein geringes Gewicht, ein Nachteil, wenn ich gegen einen Mann antreten müsste … 50 kg gegen 90 kg +? Das ginge nicht gut aus, wenn ich getroffen werde. Die Kunst liegt nun darin, NICHT getroffen zu werden und selbst Treffer zu landen, oder einem möglichen Angreifer so weh zu tun, dass er von mir ablässt. Und genau das kann ich! Zurück zum Wing Chun und meiner Anmeldung dort, meiner ersten Stunde. Alles, aber auch wirklich alles ist dort total anders! Ich habe in diesem einen Jahr mehr gelernt, als ich selbst glauben kann! Sie haben mich natürlich getestet. Spaßeshalber! Der Trainer bestimmte eine erfahrene Schülerin, die etwa meine Größe und Gewicht hat. Sie trainiert seit 5 Jahren. Und genau an der Stelle weise ich noch einmal auf das weiter oben geschriebene von der „besten Form der Kampfkunst“ hin.

Ja, das Mädel war wirklich gut! Boah war ich überrascht!  Mit normalem Karate konnte ich ihr nicht beikommen, mit dem Aikido / Karate Mix aber schon. Ich mach’s kurz: Ich habe gewonnen. Aber nur, weil ich unkonventionell bin! Und das in jeder Hinsicht, auch im normalen Leben. An dieser Stelle möchte ich jeder Frau die meinen Blog liest nahelegen, sich Gedanken über Selbstverteidigung zu machen! Es gibt immer wieder Situationen, in denen wir uns wehren müssen! Heute, nach einem Jahr Wing Chun „kämpfe“ ich übrigens anders. Ich mische nun Wing Chun und Aikido und meine Tritte aus dem Karate und Taekwon-Do. Wie ich das nenne? Nandi haut zu vielleicht *lacht ganz laut* und meldet sich für heute von ihrem Blog ab.